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Jean-Jacques Rousseau - Pädagogik

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Jean-Jacques Rousseau - Pädagogik




Jean-Jacques Rousseau - Pädagogik

Studienfach Pädagogik Niveau Hochschule und Universität
Schwerpunkt Historische Pädagogik, Erziehungsphilosophie, Émile oder Über die Erziehung Leitfrage Wie kann Erziehung Freiheit ermöglichen, obwohl sie immer Einfluss ausübt?


Einleitung

Jean-Jacques Rousseau gehört zu den einflussreichsten und zugleich widersprüchlichsten Denkern der Pädagogik. Sein 1762 erschienenes Werk Émile oder Über die Erziehung entwirft keine gewöhnliche Schulpädagogik. Rousseau beschreibt vielmehr in einer Verbindung aus philosophischer Abhandlung, Gedankenexperiment und Erziehungsroman, wie ein fiktiver Junge namens Émile von der Geburt bis zum Erwachsenenalter begleitet werden könnte. Im Zentrum steht die Frage, wie sich die natürlichen Kräfte eines Kindes entfalten können, ohne frühzeitig durch gesellschaftliche Abhängigkeit, Konkurrenz und bloße Konvention verformt zu werden.

Rousseaus Ansatz ist für die Erziehungswissenschaft bis heute bedeutsam, weil er das Kind nicht nur als unfertigen Erwachsenen behandelt. Er fordert, Entwicklungsstand, Erfahrung, körperliche Tätigkeit, Sinnesbildung und Selbsttätigkeit ernst zu nehmen. Gleichzeitig ist seine Pädagogik von tiefen Spannungen geprägt: Émile soll frei werden, doch sein Erzieher kontrolliert fast jede Lernumgebung. Rousseau kritisiert gesellschaftliche Ungleichheit, entwirft für Sophie jedoch eine deutlich untergeordnete Frauenrolle. Er betont natürliche Entwicklung, legt aber selbst fest, was als Natur gelten soll.

Dieser aiMOOC führt Dich in die Grundbegriffe, die Argumentationsstruktur und die Wirkungsgeschichte von Rousseaus Pädagogik ein. Du lernst, historische Texte kontextbezogen zu interpretieren, pädagogische Konzepte systematisch zu vergleichen und Rousseaus Vorschläge kritisch auf gegenwärtige Bildungsfragen zu beziehen.

Jean-Jacques Rousseau, Porträt von Maurice Quentin de La Tour
Jean-Jacques Rousseau, Porträt von Maurice Quentin de La Tour


Lernziele

Nach der Bearbeitung des aiMOOCs kannst Du Rousseaus Anthropologie und seinen Begriff der Natur erläutern, die fünf Bücher des Émile in ihrer pädagogischen Funktion unterscheiden, die Konzepte der negativen Erziehung, der Erziehung durch Natur, Dinge und Menschen sowie der natürlichen Folgen analysieren und die Paradoxie von Freiheit und pädagogischer Steuerung beurteilen. Außerdem kannst Du Rousseaus Geschlechterordnung, seine Wirkung auf spätere pädagogische Strömungen und die Grenzen einer Übertragung auf heutige Bildungskontexte kritisch diskutieren.


Historischer und biografischer Kontext

Jean-Jacques Rousseau wurde 1712 in der damaligen Republik Genf geboren und starb 1778 in Ermenonville. Er war Schriftsteller, Philosoph, Musiktheoretiker und politischer Denker der europäischen Aufklärung, trat jedoch zugleich als scharfer Kritiker eines ungebrochenen Fortschrittsglaubens auf. In seiner ersten preisgekrönten Abhandlung über Wissenschaften und Künste von 1750 vertrat er die provokante These, kultureller Fortschritt führe nicht automatisch zu moralischer Verbesserung. Im Diskurs über die Ungleichheit von 1755 untersuchte er, wie Eigentum, Vergleich und gesellschaftliche Abhängigkeit menschliche Beziehungen verändern.

1762 erschienen sowohl Vom Gesellschaftsvertrag als auch Émile oder Über die Erziehung. Beide Werke behandeln Freiheit, aber in unterschiedlichen Ordnungen: Der Gesellschaftsvertrag fragt nach legitimer politischer Herrschaft, während der Émile die Bildung eines Menschen untersucht, der möglichst wenig von fremden Meinungen und willkürlichen Abhängigkeiten beherrscht wird. Wegen religionskritischer Passagen, besonders des Glaubensbekenntnisses des savoyischen Vikars im vierten Buch, wurde der Émile in Paris und Genf verurteilt und öffentlich verbrannt. Rousseau musste fliehen.

Biografisch ist Rousseaus Erziehungsdenken mit einer schwerwiegenden Spannung verbunden. Er berichtet selbst, dass die fünf mit Thérèse Levasseur gezeugten Kinder in ein Findelhaus gegeben wurden. Dieser Umstand widerlegt seine Theorie nicht automatisch, macht aber die Differenz zwischen pädagogischem Entwurf, persönlicher Verantwortung und gelebter Praxis zu einer unvermeidbaren ethischen Prüfungsfrage.

Les Charmettes bei Chambéry, ein wichtiger Lebensort Rousseaus
Les Charmettes bei Chambéry, ein wichtiger Lebensort Rousseaus


Zeitleiste zentraler Stationen

Zeitraum Biografische oder werkgeschichtliche Station Pädagogische Bedeutung
1712 Geburt in Genf Ausgangspunkt einer Biografie zwischen republikanischer Herkunft, Handwerk, Reisen und Gelehrtenwelt
1730er-Jahre Aufenthalt bei Madame de Warens in Les Charmettes Rousseaus spätere Natur- und Bildungserinnerungen sind mit ländlicher Erfahrung und Selbststudium verbunden
1750 Abhandlung über die Wissenschaften und die Künste Kritik an der Gleichsetzung von Wissenszuwachs und moralischem Fortschritt
1755 Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen Analyse von Vergleich, Eigentum, Abhängigkeit und gesellschaftlich erzeugtem Selbstverhältnis
1762 Émile und Vom Gesellschaftsvertrag Verbindung von Erziehungsphilosophie, Freiheitsproblem und Gesellschaftskritik
1778 Tod in Ermenonville Beginn einer weitreichenden pädagogischen, politischen und literarischen Wirkungsgeschichte
1794 Überführung der sterblichen Überreste in das Panthéon Rousseau wird zu einer Symbolfigur revolutionärer Erinnerungskultur


Émile oder Über die Erziehung

Der Émile ist zugleich Erziehungsroman, philosophisches Gedankenexperiment und systematischer Entwurf einer natürlichen Erziehung. Der fiktive Zögling Émile wächst unter der Leitung eines einzigen Erziehers auf. Rousseau isoliert ihn weitgehend von den üblichen gesellschaftlichen Institutionen, um modellhaft zu zeigen, wie Fähigkeiten in einer bestimmten Reihenfolge entstehen und wie Lerngelegenheiten daran angepasst werden könnten. Der Text ist deshalb nicht einfach als realistische Anleitung zu lesen. Er konstruiert einen idealtypischen Fall, an dem Grundprobleme von Entwicklung, Freiheit, Erfahrung, Moral und Gesellschaft untersucht werden.

Der berühmte Eingangsgedanke lautet sinngemäß: Alles ist gut, wenn es aus den Händen der Natur hervorgeht; unter den Händen des Menschen wird es verändert und verdorben. Damit behauptet Rousseau nicht, das Kind besitze bereits eine fertige Moral. Er wendet sich gegen die Vorstellung, soziale Konventionen, Standesinteressen und verfrühte Belehrung seien von selbst erzieherisch wertvoll.

Titelblatt der Erstausgabe von Rousseaus Émile aus dem Jahr 1762
Titelblatt der Erstausgabe von Rousseaus Émile aus dem Jahr 1762


Die Grundfrage: Mensch oder Bürger?

Zu Beginn des Émile unterscheidet Rousseau zwei pädagogische Zielrichtungen. Eine öffentliche Erziehung könnte den Menschen auf die politische Gemeinschaft hin formen und ihn zum Bürger machen. Eine natürliche oder häusliche Erziehung soll dagegen zunächst den Menschen als Menschen bilden. Rousseau hält die politischen Institutionen seiner Gegenwart nicht für geeignet, eine widerspruchsfreie Bürgererziehung zu gewährleisten. Deshalb entscheidet sich sein Gedankenexperiment für die Erziehung Émiles außerhalb der gewöhnlichen gesellschaftlichen Ordnung.

Daraus entsteht ein Grundproblem: Émile soll unabhängig werden, muss später aber dennoch in Gesellschaft leben. Natürliche Erziehung darf daher nicht als dauerhafte Weltflucht verstanden werden. Sie soll Urteilskraft, Selbstbeherrschung und Widerstandsfähigkeit so entwickeln, dass Émile gesellschaftliche Verhältnisse prüfen kann, statt ihnen blind zu folgen.


Anthropologische Grundlagen

Rousseaus Pädagogik beruht auf Annahmen darüber, wie Menschen sich entwickeln. Diese Annahmen bilden keine moderne empirische Entwicklungspsychologie, sondern eine philosophische Anthropologie.


Natürliche Güte

Die Rede von der natürlichen Güte bedeutet bei Rousseau nicht, dass Neugeborene bereits tugendhaft oder vernünftig handeln. Gemeint ist, dass Grausamkeit, Eitelkeit und Herrschsucht nicht als unveränderliche Erbsünde oder festes Wesen des Kindes behandelt werden sollen. Viele Laster entstehen nach Rousseau erst durch soziale Vergleichsprozesse, künstliche Bedürfnisse und Abhängigkeiten. Das Kind soll deshalb zunächst vor Bedingungen geschützt werden, die solche Fehlentwicklungen beschleunigen.


Perfektibilität

Mit Perfektibilität bezeichnet Rousseau die menschliche Fähigkeit, sich zu verändern, zu lernen und neue Lebensformen auszubilden. Diese Offenheit ist doppeldeutig. Sie ermöglicht Bildung, Sprache und Kultur, macht Menschen aber auch anfällig für Entfremdung und soziale Abhängigkeit. Pädagogik ist deshalb notwendig und riskant zugleich: Sie kann Kräfte entwickeln, aber auch Wünsche erzeugen, die den Menschen von fremder Anerkennung abhängig machen.


Selbstliebe, Eigenliebe und Mitleid

Begriff Bedeutung Pädagogische Relevanz
Amour de soi Natürliche Selbstsorge und Selbsterhaltung Bedürfnisse sollen realistisch, körpernah und nicht durch Prestige künstlich gesteigert werden
Amour-propre Vergleichende Eigenliebe, die auf dem Urteil anderer beruht Konkurrenz, Eitelkeit und Rangdenken können Abhängigkeit von sozialer Anerkennung erzeugen
Mitleid Vorreflexive Fähigkeit, am Leiden anderer Anteil zu nehmen In der Jugend wird daraus ein Ansatzpunkt moralischer Bildung

Die Begriffe dürfen nicht schematisch als gut und böse getrennt werden. Soziale Anerkennung ist im menschlichen Zusammenleben kaum vollständig vermeidbar. Rousseaus Frage lautet vielmehr, ob das Selbstverhältnis durch Konkurrenz beherrscht wird oder ob Mitgefühl, Urteilskraft und gerechte Beziehungen eine andere Form des Zusammenlebens ermöglichen.


Drei Erzieher: Natur, Dinge und Menschen

Rousseau beschreibt Erziehung als Zusammenwirken dreier Kräfte.

Erziehungsinstanz Bedeutung Beispiel
Natur Innere Entwicklung körperlicher und geistiger Fähigkeiten Reifung der Sinne, der Bewegungsfähigkeit und später der Vernunft
Dinge Erfahrungen mit Gegenständen, Situationen und Folgen Ein Kind lernt räumliche Beziehungen durch Bewegung und eigenes Erproben
Menschen Der Gebrauch, zu dem andere Menschen die entwickelten Fähigkeiten anleiten Der Erzieher gestaltet Bedingungen, stellt Fragen und begrenzt Gefahren

Gute Erziehung entsteht nach Rousseau, wenn diese drei Einflüsse möglichst übereinstimmen. Der Erzieher kann die Natur nicht beliebig beschleunigen und die Eigenschaften der Dinge nicht vollständig verändern. Seine Aufgabe besteht deshalb vor allem darin, den eigenen Einfluss an Entwicklung und Erfahrung anzupassen.


Negative Erziehung

Negative Erziehung bedeutet nicht Vernachlässigung, Beziehungslosigkeit oder eine Erziehung zu negativen Eigenschaften. Rousseau fordert vielmehr, die frühe Kindheit vor verfrühter Moralisierung, abstrakter Belehrung und künstlich erzeugten Bedürfnissen zu schützen. Der Erzieher soll nicht möglichst schnell Tugend und Wahrheit einprägen. Er soll zunächst verhindern, dass Laster, Vorurteile und Abhängigkeiten entstehen, bevor das Kind urteilsfähig ist.

Dazu gehören fünf Prinzipien:

  1. Entwicklungsangemessenheit: Inhalte werden nicht allein nach gesellschaftlicher Erwartung, sondern nach den gegenwärtigen Fähigkeiten des Kindes ausgewählt.
  2. Sinneserfahrung: Das Kind lernt früh über Bewegung, Wahrnehmung, Gegenstände und praktische Probleme.
  3. Natürliche Folgen: Folgen sollen möglichst aus der Sache entstehen und nicht als willkürliche Strafe des Erwachsenen erscheinen.
  4. Aufgeschobene Belehrung: Moralische und religiöse Urteile werden nicht eingeprägt, bevor die dafür erforderlichen Denk- und Empathiefähigkeiten entwickelt sind.
  5. Indirekte Führung: Der Erzieher arrangiert Situationen, in denen das Kind scheinbar selbstständig entdeckt und entscheidet.


Freiheit durch verdeckte Steuerung?

Hier liegt die berühmte Paradoxie der Rousseauischen Pädagogik. Émile soll frei handeln, doch der Erzieher plant die Umgebung so sorgfältig, dass bestimmte Erfahrungen wahrscheinlich werden. Die Macht verschwindet nicht, sondern wird unsichtbarer. Pädagogisch lässt sich dies als Gestaltung einer Lernumgebung deuten. Ethisch stellt sich jedoch die Frage, ob Lernende manipuliert werden, wenn sie die Absichten des Erziehers nicht erkennen können.

Für eine heutige Bewertung musst Du mindestens drei Ebenen unterscheiden:

  1. Didaktische Strukturierung: Jede Lernumgebung wählt Materialien, Zeit, Aufgaben und Regeln aus.
  2. Pädagogische Autorität: Erwachsene tragen Verantwortung für Schutz, Orientierung und Zumutbarkeit.
  3. Manipulation: Problematisch wird Steuerung, wenn sie die Urteilsfähigkeit absichtlich umgeht, Abhängigkeit ausnutzt oder keine Möglichkeit zur Kritik lässt.

Rousseaus Entwurf macht damit ein bis heute ungelöstes Problem sichtbar: Wie viel Steuerung ist nötig, damit Selbstständigkeit entstehen kann, und wann verhindert Steuerung genau jene Freiheit, die sie hervorbringen soll?


Die fünf Bücher des Émile

Die fünf Bücher verbinden ungefähr bestimmte Lebensphasen mit unterschiedlichen Bildungsaufgaben. Die Altersgrenzen sind modellhaft und dürfen nicht als heutige entwicklungspsychologische Normwerte behandelt werden.

Buch Ungefähre Phase Schwerpunkt Typische pädagogische Mittel
Buch I Geburt bis Spracherwerb Körperliche Entwicklung, Pflege, Bewegung, erste Bedürfnisse Bewegungsfreiheit, Stillen, Verzicht auf einengende Praktiken, genaue Beobachtung
Buch II Frühe Kindheit bis etwa zwölf Jahre Negative Erziehung und Schulung der Sinne Eigene Erfahrung, natürliche Folgen, konkrete Aufgaben, Zurückhaltung mit abstrakten Lehren
Buch III Etwa zwölf bis fünfzehn Jahre Nützliches Wissen, Forschen und handwerkliche Tätigkeit Problemorientiertes Lernen, Fragen, Experimente, Robinson Crusoe, Erlernen eines Handwerks
Buch IV Jugendalter Leidenschaften, Moral, Mitleid, Religion und Gewissen Begegnung mit menschlichem Leiden, Reflexion, Glaubensbekenntnis des savoyischen Vikars
Buch V Übergang zum Erwachsenenleben Liebe, Partnerschaft, Gesellschaft, Reise und politische Orientierung Begegnung mit Sophie, Prüfung sozialer Beziehungen, Reisen und Urteilsbildung
Frontispiz der Ausgabe von Émile von 1762
Frontispiz der Ausgabe von Émile von 1762


Buch I: Körper, Pflege und Abhängigkeit

Rousseau kritisiert Praktiken, die den Säugling unnötig einengen oder früh von seinen Bezugspersonen trennen. Körperliche Bewegungsfreiheit ist für ihn der Beginn von Selbstständigkeit. Das Kind soll weder durch Vernachlässigung noch durch übermäßige Bedienung beherrscht werden. Rousseau unterscheidet Bedürfnisse, die aus körperlicher Notwendigkeit entstehen, von Wünschen, die Erwachsene durch Gewöhnung erzeugen. Werden alle Äußerungen sofort als Befehl behandelt, kann aus Hilfsbedürftigkeit ein Verhältnis wechselseitiger Herrschaft entstehen.

Seine konkreten Empfehlungen zur Säuglingspflege sind historisch zu lesen und nicht ungeprüft medizinisch zu übernehmen. Pädagogisch bedeutsam ist der Grundgedanke, dass Körper, Beziehung und Autonomie von Beginn an zusammenhängen.


Buch II: Kindheit als eigene Lebensphase

Die Kindheit besitzt für Rousseau einen Eigenwert. Das Kind soll nicht ständig auf ein zukünftiges Erwachsenenleben reduziert werden. In dieser Phase werden Sinne, Bewegung, räumliche Orientierung und Widerstandsfähigkeit gebildet. Der Erzieher vermeidet lange Erklärungen, moralische Vorträge und bloßes Auswendiglernen. Lernen soll aus einem wahrnehmbaren Problem entstehen.

Das Prinzip natürlicher Folgen ersetzt nicht jede Grenze. Wenn ein Kind einen Gegenstand unachtsam beschädigt, kann es die daraus entstehende Einschränkung erfahren. Eine heutige Pädagogik muss jedoch körperliche und psychische Gefährdung verhindern. Sicherheit, Kinderrechte und transparente Regeln begrenzen jede Berufung auf natürliche Konsequenzen.


Buch III: Nützlichkeit, Forschen und Handwerk

Mit wachsender körperlicher Kraft und Denkfähigkeit beginnt Émile, systematischer nach Ursachen und Nutzen zu fragen. Wissen soll nicht als fertige Antwort übermittelt, sondern an einem echten Problem entwickelt werden. Der Erzieher gibt nicht sofort die Lösung, sondern lenkt Aufmerksamkeit, stellt Fragen und schafft Gelegenheiten zur Überprüfung.

Rousseau bevorzugt Wissen, das Émile mit seiner Lebenspraxis verbinden kann. Robinson Crusoe dient als Modell einer Person, die in einer reduzierten Umwelt eigene Mittel finden muss. Das Erlernen eines Handwerks, bei Émile der Tischlerei, soll praktische Kompetenz, Achtung vor Arbeit und eine gewisse Unabhängigkeit von gesellschaftlichem Rang fördern.


Buch IV: Die zweite Geburt und moralische Bildung

Mit der Pubertät beginnt nach Rousseau eine zweite Geburt. Leidenschaften, Sexualität, Mitgefühl und die Frage nach dem Verhältnis zu anderen Menschen treten in den Vordergrund. Erst jetzt hält Rousseau eine ausdrückliche moralische Bildung für angemessen. Émile soll nicht bloß Regeln wiederholen, sondern die Verletzlichkeit anderer wahrnehmen und ein Urteil über Handlungen entwickeln.

Das im vierten Buch enthaltene Glaubensbekenntnis des savoyischen Vikars verbindet Gewissen, natürliche Religion und Kritik an dogmatischer Autorität. Gerade diese Passage löste die Verurteilung des Werkes aus. Für die Pädagogik ist bedeutsam, dass religiöse und moralische Fragen nicht durch Zwang, sondern durch Gewissensprüfung und Vernunft verantwortet werden sollen. Gleichzeitig bleibt der Erzieher derjenige, der Zeitpunkt und Rahmen dieser Prüfung festlegt.

Émile und der savoyische Vikar, Zeichnung von 1777
Émile und der savoyische Vikar, Zeichnung von 1777


Buch V: Sophie, Geschlechterordnung und Gesellschaft

Im fünften Buch begegnet Émile Sophie. Rousseau entwirft ihre Erziehung nicht nach denselben Maßstäben. Während Émile zu Unabhängigkeit, öffentlichem Urteil und Selbstregierung erzogen wird, soll Sophie stärker auf Beziehung, Häuslichkeit und die Bedürfnisse des Mannes ausgerichtet sein. Diese Asymmetrie ist kein nebensächlicher Zusatz, sondern zeigt, dass Rousseaus universale Rede vom Menschen tatsächlich durch eine männliche Norm begrenzt wird.

Die Geschlechterpädagogik des Émile wurde unter anderem von Mary Wollstonecraft grundsätzlich kritisiert. Aus heutiger Perspektive widerspricht sie dem Anspruch gleicher Bildungschancen und gleicher Autonomie. Eine fachlich verantwortete Rezeption darf daher nicht nur Rousseaus Kindzentrierung hervorheben, sondern muss fragen, wer in seinem Freiheitsentwurf als voll handlungsfähiges Subjekt erscheint und wer auf eine dienende Rolle festgelegt wird.


Pädagogische Leitprinzipien


Selbsttätigkeit statt bloßer Belehrung

Émile soll Wissen durch eigenes Tun erwerben. Das bedeutet nicht, dass der Erzieher überflüssig wird. Er beobachtet, arrangiert Situationen und entscheidet, welche Probleme zugänglich werden. Selbsttätigkeit ist bei Rousseau daher ein Verhältnis von Eigenaktivität und didaktischer Vorbereitung.


Erfahrung vor Abstraktion

Begriffe sollen auf Wahrnehmung und Handlung aufbauen. Émile lernt Entfernungen, Gewichte, Werkzeuge und Naturzusammenhänge nicht zuerst aus Definitionen, sondern aus praktischen Aufgaben. Rousseau kritisiert damit eine Buchgelehrsamkeit, die sprachliche Zeichen mit wirklichem Verständnis verwechselt.


Interesse und Bedürfnis

Lernen wird besonders wirksam, wenn eine Frage aus einer erlebten Schwierigkeit entsteht. Der Erzieher erzeugt nicht beliebige Unterhaltung, sondern eine Situation, in der Émile einen Grund hat, etwas wissen zu wollen. Das Interesse soll aus der Sache und nicht primär aus Belohnung, Notendruck oder sozialem Prestige hervorgehen.


Körper- und Sinnesbildung

Körperliche Geschicklichkeit, Wahrnehmung und Belastbarkeit sind keine bloßen Vorstufen geistiger Bildung. Sie bilden eine Grundlage vernünftiger Weltbeziehung. Rousseaus Kritik richtet sich gegen eine Erziehung, die Kinder lange sitzen lässt, sie vor jeder Anstrengung schützt und Wissen von der Erfahrung trennt.


Handwerk und Arbeit

Praktische Arbeit soll Émile zeigen, wie menschliche Bedürfnisse, Materialien und gesellschaftliche Arbeitsteilung zusammenhängen. Das Handwerk relativiert Standesdünkel und vermittelt reale Fähigkeiten. Dennoch bleibt der Entwurf sozial privilegiert, weil ein wohlhabender Zögling mit Privatlehrer handwerkliche Arbeit zu Bildungszwecken wählen kann, während andere Menschen aus ökonomischer Not arbeiten müssen.


Die Rolle des Erziehers

Rousseaus Erzieher ist weder bloßer Wissensvermittler noch passiver Beobachter. Er ist ein genauer Diagnostiker der Entwicklung, ein Gestalter von Situationen und ein Wächter über die Reihenfolge der Erfahrungen. Seine wichtigsten Aufgaben sind Beobachtung, Geduld, Auswahl von Lernumgebungen, Schutz vor Überforderung, Herstellung sinnvoller Probleme und schrittweiser Rückzug eigener Hilfe.

Handlungsform Pädagogische Chance Kritische Frage
Beobachten Bedürfnisse und Fähigkeiten werden genauer wahrgenommen Wer definiert, was als natürliche Entwicklung gilt?
Arrangieren Lernende können Zusammenhänge selbst entdecken Ist die Absicht der Lehrperson transparent?
Begrenzen Schutz und Konzentration werden ermöglicht Wird Schutz zur unnötigen Kontrolle?
Fragen Denken wird angeregt, ohne Lösungen vorzugeben Sind Fragen offen oder führen sie verdeckt nur zu einer gewünschten Antwort?
Zurücktreten Selbstständigkeit und Verantwortung können wachsen Wann wäre direkte Erklärung hilfreicher und gerechter?


Zentrale Paradoxien

Rousseaus Pädagogik ist nicht trotz, sondern wegen ihrer Widersprüche theoretisch ergiebig.

Paradoxie Rousseaus Lösung Offene erziehungswissenschaftliche Frage
Freiheit und Führung Der Erzieher steuert indirekt über die Umwelt Kann verdeckte Steuerung freiheitsfördernd sein?
Natur und Kultur Natur gibt die Reihenfolge der Entwicklung vor, Kultur soll spät und geprüft hinzutreten Ist die Vorstellung von Natur selbst kulturell geprägt?
Individualität und Gesellschaft Émile wird zunächst außerhalb der Gesellschaft gebildet Wie entstehen soziale Verantwortung und demokratische Teilhabe ohne frühe Gemeinschaftserfahrung?
Gegenwart und Zukunft Kindheit soll Eigenwert besitzen, dient aber zugleich der Vorbereitung des freien Erwachsenen Wie lässt sich gegenwärtiges Wohl mit zukünftiger Mündigkeit verbinden?
Gleichheit und Geschlecht Für Émile gilt Autonomie, für Sophie eine komplementäre Rolle Kann ein Freiheitsbegriff universal sein, wenn er geschlechtlich ungleich verteilt wird?


Kritik aus heutiger Perspektive

Rousseaus Werk ist historisch einflussreich, aber kein direkt übertragbares Handbuch. Eine gegenwärtige Kritik sollte mindestens folgende Punkte berücksichtigen:

  1. Geschlechtergerechtigkeit: Sophies Bildung ist auf männliche Bedürfnisse ausgerichtet und begrenzt ihre öffentliche und intellektuelle Autonomie.
  2. Soziale Exklusivität: Das Modell setzt einen männlichen, gesunden, wohlhabenden Einzelzögling und einen ständig verfügbaren Privatlehrer voraus.
  3. Inklusion: Unterschiedliche Behinderungen, familiäre Lebensformen, Sprachen und soziale Erfahrungen werden im idealtypischen Modell kaum berücksichtigt.
  4. Machttransparenz: Die verdeckte Regie des Erziehers kann Selbsttätigkeit ermöglichen, aber auch Manipulation verschleiern.
  5. Entwicklungsmodell: Starre altersbezogene Stufen sind mit heutiger Forschung zu individuellen, kulturellen und neurodiversen Entwicklungsverläufen nur begrenzt vereinbar.
  6. Kinderschutz: Natürliche Folgen dürfen niemals als Rechtfertigung dienen, Kinder vorhersehbaren Gefahren, Demütigungen oder vermeidbarem Leid auszusetzen.
  7. Demokratische Bildung: Frühe Isolation schützt möglicherweise vor Konformität, erschwert aber Lernen in Vielfalt, Aushandlung und gemeinsamer Verantwortung.
  8. Theorie und Biografie: Rousseaus Umgang mit seinen eigenen Kindern verlangt ethische Reflexion, ersetzt jedoch keine sachliche Prüfung seiner Argumente.


Wirkungsgeschichte

Rousseau veränderte die europäische Diskussion über Kindheit und Erziehung grundlegend. Seine Bedeutung liegt weniger in einer einzelnen Methode als in einer neuen Problemstellung: Erziehung soll sich an der Entwicklung des Kindes orientieren und darf gesellschaftliche Erwartungen nicht ungeprüft mit menschlicher Natur verwechseln.

Seine Gedanken wirkten auf Immanuel Kant, Johann Heinrich Pestalozzi, Friedrich Fröbel und später auf unterschiedliche Strömungen der Reformpädagogik. Auch bei Maria Montessori, John Dewey, Erlebnispädagogik, Freinet-Pädagogik und konstruktivistischen Lernkonzepten lassen sich Anschlussstellen erkennen: Selbsttätigkeit, vorbereitete Umgebung, Lernen durch Erfahrung, praktische Tätigkeit und die Kritik bloßer Stoffvermittlung. Diese Verbindungslinien sind jedoch keine Gleichsetzungen. Spätere Ansätze beruhen auf eigenen theoretischen, sozialen und empirischen Voraussetzungen.

Rousseau-Denkmal auf der Île Rousseau in Genf
Rousseau-Denkmal auf der Île Rousseau in Genf


Rousseau und gegenwärtige Pädagogik im Vergleich

Rousseauischer Gedanke Gegenwärtige Anschlussstelle Notwendige Begrenzung
Lernen durch eigene Erfahrung Entdeckendes Lernen, Forschendes Lernen, Projektunterricht Direkte Instruktion kann bei komplexen oder gefährlichen Inhalten sinnvoll sein
Entwicklungsgemäße Reihenfolge Scaffolding, adaptive Lernangebote, Lernstandsdiagnostik Entwicklung verläuft nicht bei allen Menschen gleich oder linear
Vorbereitete Lernumgebung Lernwerkstatt, Materialarrangement, offene Aufgaben Ziele und Machtstrukturen sollten möglichst transparent sein
Natürliche Folgen Logische Konsequenzen und verantwortliches Handeln Schutzrechte und Fürsorgepflicht haben Vorrang
Körper- und Sinnesbildung Bewegtes Lernen, Outdoor Education, handlungsorientierter Unterricht Naturerfahrung ersetzt keine systematische wissenschaftliche Bildung
Kritik sozialer Anerkennungsabhängigkeit Kritik an Leistungsdruck, Rankings und extrinsischer Motivation Anerkennung, Kooperation und Zugehörigkeit sind ebenfalls menschliche Grundbedürfnisse


Fallanalyse: Ein Rousseauisches Lernarrangement

Eine Lerngruppe soll verstehen, warum Schatten im Tagesverlauf ihre Länge und Richtung verändern. Eine rein belehrende Lehrperson erklärt sofort Erdrotation, Sonnenstand und geometrische Beziehungen. Eine an Rousseau orientierte Lehrperson lässt zunächst zu verschiedenen Zeiten Stäbe aufstellen, Schatten markieren, Abstände messen und Vermutungen dokumentieren. Erst nachdem ein erklärungsbedürftiges Muster sichtbar geworden ist, werden Modelle und Fachbegriffe eingeführt.

Die zweite Variante ist nicht automatisch besser. Ihre Qualität hängt davon ab, ob die Lernenden die Fragestellung verstehen, Messungen durchführen können, ausreichend Zeit erhalten und ihre Beobachtungen tatsächlich zu einem tragfähigen Modell verbinden. Rousseaus Stärke liegt im Hinweis, dass Erklärung an Erfahrung anschließen sollte. Seine Grenze liegt dort, wo pädagogische Zurückhaltung unnötige Verwirrung erzeugt oder Vorwissen ungleich verteilt bleibt.


Analyseinstrument für Seminartexte

Nutze für die Arbeit mit Auszügen aus dem Émile die folgende Matrix:

Analyseschritt Leitfrage
Begriff Welcher zentrale Begriff wird verwendet und wie wird er im Text bestimmt?
Anthropologische Annahme Welche Vorstellung von Kind, Entwicklung, Bedürfnis oder Vernunft liegt zugrunde?
Pädagogisches Ziel Welche Fähigkeit oder Haltung soll entstehen?
Methode Welche Rolle spielen Erfahrung, Sprache, Material, Beziehung und Zeit?
Macht Wer entscheidet, wer weiß von der Inszenierung und wer kann widersprechen?
Ausschluss Welche Lebensformen, Geschlechter, sozialen Lagen oder Fähigkeiten werden nicht berücksichtigt?
Transfer Unter welchen Bedingungen wäre der Gedanke heute sinnvoll, veränderungsbedürftig oder abzulehnen?


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was bezeichnet Rousseau als negative Erziehung? (Die frühe Vermeidung verfrühter Belehrung und schädlicher Einflüsse) (!Die Bestrafung unerwünschten Verhaltens) (!Den vollständigen Verzicht auf Erziehung) (!Eine grundsätzlich pessimistische Sicht auf Kinder)




Welche drei Erziehungsinstanzen unterscheidet Rousseau? (Natur, Dinge und Menschen) (!Familie, Schule und Kirche) (!Körper, Sprache und Staat) (!Vernunft, Gefühl und Arbeit)




Welches Werk erschien 1762 als Rousseaus pädagogisches Hauptwerk? (Émile oder Über die Erziehung) (!Die Kritik der reinen Vernunft) (!Leviathan) (!Demokratie und Erziehung)




Was ist mit Perfektibilität gemeint? (Die menschliche Fähigkeit zur offenen Veränderung und Entwicklung) (!Die angeborene moralische Vollkommenheit) (!Die fehlerfreie Beherrschung eines Handwerks) (!Die Anpassung an jede gesellschaftliche Erwartung)




Welche Funktion haben natürliche Folgen in Rousseaus Pädagogik? (Sie lassen Konsequenzen möglichst aus der Sache selbst erfahrbar werden) (!Sie ersetzen jedes Lernen durch körperliche Strafen) (!Sie machen den Erzieher vollständig überflüssig) (!Sie sollen Kinder gezielt Gefahren aussetzen)




Welcher Schwerpunkt gehört vor allem zum dritten Buch des Émile? (Nützliches Wissen, Forschen und handwerkliche Tätigkeit) (!Säuglingspflege und erste Bewegung) (!Die Erziehung Sophies zur Ehefrau) (!Das Glaubensbekenntnis des savoyischen Vikars)




Worin liegt die zentrale Machtparadoxie des Émile? (Émile soll frei werden, während der Erzieher seine Umwelt verdeckt steuert) (!Émile erzieht seinen Lehrer zu politischer Freiheit) (!Der Erzieher verzichtet auf jede Planung) (!Die Natur wird vollständig durch Schulregeln ersetzt)




Welche Kritik richtet sich gegen Rousseaus Darstellung Sophies? (Ihre Bildung wird auf eine untergeordnete geschlechtsspezifische Rolle begrenzt) (!Sie erhält mehr politische Rechte als Émile) (!Sie wird ausschließlich naturwissenschaftlich ausgebildet) (!Ihre Erziehung verzichtet vollständig auf soziale Beziehungen)




Was kennzeichnet Rousseaus Verständnis von Kindheit? (Kindheit besitzt eigene Entwicklungsformen und einen Eigenwert) (!Kinder sind lediglich kleine Erwachsene) (!Kindheit soll möglichst schnell überwunden werden) (!Alle Altersstufen benötigen dieselben Lernmethoden)




Wie ist Rousseaus Einfluss auf heutige Pädagogik angemessen zu beurteilen? (Als wichtige Anschlussstelle, die kritisch und historisch eingeordnet werden muss) (!Als unveränderte Grundlage aller modernen Schulen) (!Als vollständig bedeutungslos für die Erziehungswissenschaft) (!Als empirisch bestätigtes Entwicklungsmodell ohne Einschränkung)





Memory

Negative Erziehung Schutz vor verfrühter Belehrung und schädlichen Einflüssen
Perfektibilität Menschliche Fähigkeit zur offenen Entwicklung
Amour de soi Natürliche Selbstsorge
Amour-propre Vergleichende Eigenliebe
Natur Innere Reifung der Fähigkeiten
Dinge Erfahrung mit Gegenständen und Folgen
Sophie Figur der geschlechtsspezifischen Erziehung
Handwerk Praktische Bildung und Unabhängigkeit





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Pädagogische Bedeutung
Sinneserfahrung Lernen durch Wahrnehmung und körperliches Erproben
Indirekte Führung Gestaltung von Situationen statt sofortiger Belehrung
Natürliche Folge Konsequenz, die aus einer Handlung oder Sache hervorgeht
Mitleid Ausgangspunkt moralischer Beziehung zu anderen
Tischlerei Beispiel für Émiles handwerkliche Ausbildung
Zweite Geburt Rousseaus Bezeichnung für den Übergang in die Jugend




...


Kreuzworträtsel

Rousseau Welcher Philosoph schrieb den Erziehungsroman Émile?
Freiheit Welches zentrale Ziel soll Émiles Erziehung ermöglichen?
Sophie Wie heißt die weibliche Hauptfigur im fünften Buch?
Mitleid Welche Fähigkeit wird zum Ausgangspunkt moralischer Bildung?
Handwerk Welche Form praktischer Tätigkeit soll Émile erlernen?
Perfektibilität Wie heißt Rousseaus Begriff für menschliche Entwicklungsfähigkeit?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Rousseaus pädagogisches Hauptwerk heißt

.
Die frühe Zurückhaltung gegenüber Moralisierung nennt er

.
Erziehung entsteht im Zusammenwirken von Natur, Dingen und

.
Die menschliche Fähigkeit zur offenen Entwicklung heißt

.
Konsequenzen sollen möglichst aus der Sache selbst als

erfahrbar werden.
Im dritten Buch verbindet Rousseau Wissen mit praktischer Arbeit und einem

.
Mit dem Jugendalter beginnt die von Rousseau so genannte

.
Die Figur

macht die Ungleichheit seiner Geschlechterpädagogik sichtbar.
Das Grundproblem des Entwurfs besteht im Verhältnis von Freiheit und pädagogischer

.
Eine heutige Rezeption muss Rousseaus Gedanken historisch einordnen und kritisch

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Begriffslandkarte: Erstelle eine digitale oder handschriftliche Begriffslandkarte zu Natur, Dingen, Menschen, negativer Erziehung, Perfektibilität und Freiheit. Markiere mindestens drei Spannungsverhältnisse.
  2. Bildanalyse: Wähle eines der im aiMOOC verwendeten Rousseau-Bilder aus. Untersuche, welches öffentliche Bild des Philosophen erzeugt wird und welche pädagogische Aussage das Bild nicht zeigen kann.
  3. Textvergleich: Fasse einen kurzen Abschnitt aus dem Émile in eigenen Worten zusammen und trenne dabei Beschreibung, Begründung und pädagogische Forderung.
  4. Alltagsbeobachtung: Dokumentiere eine Lernsituation, in der jemand durch eine Folge der Sache statt durch eine willkürliche Strafe lernt. Prüfe, ob die Bezeichnung natürliche Folge wirklich passt.


Standard

  1. Lernarrangement: Entwirf eine 30-minütige Lerneinheit zu einem selbst gewählten Thema, die Erfahrung vor Erklärung setzt. Begründe Material, Reihenfolge, Rolle der Lehrperson und Zeitpunkt der Fachbegriffe.
  2. Fallanalyse: Analysiere einen Erziehungsfall mit der Matrix Begriff, Anthropologie, Ziel, Methode, Macht, Ausschluss und Transfer. Zeige, wo Rousseaus Ansatz hilfreich und wo er problematisch wäre.
  3. Podcast: Produziere einen fünf- bis achtminütigen Podcast zur Frage, ob negative Erziehung ohne verdeckte Manipulation möglich ist. Verwende mindestens zwei Argumente und ein Gegenargument.
  4. Geschlechterkritik: Vergleiche die Erziehungsziele für Émile und Sophie. Formuliere anschließend eine geschlechtergerechte Neufassung eines ausgewählten Gedankens aus Buch V.


Schwer

  1. Quellenkritik: Vergleiche zwei Übersetzungen oder Ausgaben eines Abschnitts aus dem Émile. Untersuche, wie unterschiedliche Wortwahl das Verständnis von Natur, Freiheit oder Autorität verändert.
  2. Theorievergleich: Vergleiche Rousseaus Lernverständnis systematisch mit John Dewey, Maria Montessori oder einer konstruktivistischen Position. Arbeite Gemeinsamkeiten, Unterschiede und mögliche Fehlgleichsetzungen heraus.
  3. Forschungsprojekt: Entwickle eine kleine qualitative Studie zu indirekter pädagogischer Steuerung. Erstelle Leitfragen, führe zwei Interviews mit pädagogisch Tätigen und werte die Aussagen kategoriengeleitet aus.
  4. Videoprojekt: Produziere ein wissenschaftlich kommentiertes Videoessay zur Leitfrage, ob Rousseau ein Wegbereiter kindzentrierter Pädagogik oder ein Theoretiker raffinierter Kontrolle ist. Beziehe Textbelege, Gegenpositionen und heutige Kinderrechte ein.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Transfer auf Unterricht: Eine Lehrkraft möchte Bruchrechnung ausschließlich durch selbstständiges Entdecken vermitteln. Beurteile den Plan mit Rousseaus Prinzipien und mit mindestens zwei Einwänden aus heutiger Didaktik.
  2. Machtanalyse: Untersuche ein Beispiel vorbereiteter Lernumgebung darauf, ob es Selbstständigkeit unterstützt oder Entscheidungen nur verdeckt vorprogrammiert. Entwickle Kriterien für eine transparente Gestaltung.
  3. Gerechtigkeitsprüfung: Übertrage Rousseaus Modell des Privatunterrichts auf eine heterogene Schulklasse. Zeige, welche Ressourcen, Differenzierungen und institutionellen Veränderungen erforderlich wären.
  4. Konfliktfall: Ein Kind will eine gefährliche Handlung ausprobieren, um aus der natürlichen Folge zu lernen. Begründe, wie Freiheit, Erfahrung, Fürsorgepflicht und Kinderschutz gegeneinander abzuwägen sind.
  5. Anthropologiekritik: Prüfe die Aussage, ein bestimmtes Lernverhalten sei natürlich. Zeige, welche biologischen, kulturellen, sozialen und normativen Annahmen in einer solchen Behauptung verborgen sein können.
  6. Demokratische Bildung: Entwickle ein Modell, das Rousseaus Ziel unabhängigen Urteilens mit frühem Lernen in Vielfalt, Kooperation und demokratischer Aushandlung verbindet.


Lernnachweis

Für einen qualifizierten Lernnachweis im Studienfach Pädagogik sind folgende Leistungen wichtig:

  1. Begriffspräzision: Du definierst negative Erziehung, Perfektibilität, Amour de soi, Amour-propre, natürliche Folgen und indirekte Führung fachlich korrekt.
  2. Werkkenntnis: Du ordnest die fünf Bücher des Émile ihren zentralen Entwicklungs- und Bildungsaufgaben zu.
  3. Argumentationsanalyse: Du rekonstruierst Rousseaus Begründungen, statt nur einzelne Forderungen aufzuzählen.
  4. Historische Kontextualisierung: Du unterscheidest den Entwurf des 18. Jahrhunderts von heutigen empirischen, rechtlichen und institutionellen Bedingungen.
  5. Kritische Urteilskraft: Du bewertest die Paradoxien von Freiheit und Kontrolle sowie die geschlechtliche und soziale Begrenzung des Modells.
  6. Transferleistung: Du entwickelst aus Rousseaus Gedanken ein gegenwärtiges Lernarrangement und begründest notwendige Veränderungen.
  7. Quellenarbeit: Du belegst zentrale Aussagen mit Textstellen aus einer wissenschaftlich geeigneten Ausgabe.
  8. Reflexion: Du machst eigene normative Maßstäbe, etwa Autonomie, Gerechtigkeit, Fürsorge und Teilhabe, ausdrücklich sichtbar.




Literatur und Quellen

  1. Jean-Jacques Rousseau: Émile oder Über die Erziehung. Verwende für wissenschaftliche Arbeiten eine vollständige, kommentierte Ausgabe und gib Übersetzer, Verlag und Erscheinungsjahr an.
  2. Jean-Jacques Rousseau: Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen.
  3. Jean-Jacques Rousseau: Vom Gesellschaftsvertrag.
  4. Mary Wollstonecraft: Verteidigung der Rechte der Frau. Besonders relevant für die Kritik an geschlechtsspezifischer Erziehung.
  5. Stanford Encyclopedia of Philosophy: Jean-Jacques Rousseau
  6. Project Gutenberg: Emile
  7. Planet Wissen: Rousseau und die Kindererziehung


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Darstellung von Rousseaus Grab auf der Île des Peupliers in Ermenonville
Darstellung von Rousseaus Grab auf der Île des Peupliers in Ermenonville


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Schulfach+

Prüfungsliteratur 2026
Bundesland Bücher Kurzbeschreibung
Baden-Württemberg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Mittlere Reife

  1. Der Markisenmann - Jan Weiler oder Als die Welt uns gehörte - Liz Kessler
  2. Ein Schatten wie ein Leopard - Myron Levoy oder Pampa Blues - Rolf Lappert

Abitur Dorfrichter-Komödie über Wahrheit/Schuld; Roman über einen Ort und deutsche Geschichte. Mittlere Reife Wahllektüren (Roadtrip-Vater-Sohn / Jugendroman im NS-Kontext / Coming-of-age / Provinzroman).

Bayern

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Lustspiel über Machtmissbrauch und Recht; Roman als Zeitschnitt deutscher Geschichte an einem Haus/Grundstück.

Berlin/Brandenburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Der Biberpelz - Gerhart Hauptmann
  4. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Gerichtskomödie; soziales Drama um Ausbeutung/Armut; Komödie/Satire um Diebstahl und Obrigkeit; Roman über Erinnerungsräume und Umbrüche.

Bremen

Abitur

  1. Nach Mitternacht - Irmgard Keun
  2. Mario und der Zauberer - Thomas Mann
  3. Emilia Galotti - Gotthold Ephraim Lessing oder Miss Sara Sampson - Gotthold Ephraim Lessing

Abitur Roman in der NS-Zeit (Alltag, Anpassung, Angst); Novelle über Verführung/Massenpsychologie; bürgerliche Trauerspiele (Moral, Macht, Stand).

Hamburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun

Abitur Justiz-/Machtkritik als Komödie; Großstadtroman der Weimarer Zeit (Rollenbilder, Aufstiegsträume, soziale Realität).

Hessen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  4. Der Prozess - Franz Kafka

Abitur Gerichtskomödie; Fragmentdrama über Gewalt/Entmenschlichung; Erinnerungsroman über deutsche Brüche; moderner Roman über Schuld, Macht und Bürokratie.

Niedersachsen

Abitur

  1. Der zerbrochene Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun
  3. Die Marquise von O. - Heinrich von Kleist
  4. Über das Marionettentheater - Heinrich von Kleist

Abitur Schwerpunkt auf Drama/Roman sowie Kleist-Prosatext und Essay (Ehre, Gewalt, Unschuld; Ästhetik/„Anmut“).

Nordrhein-Westfalen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Komödie über Wahrheit und Autorität; Roman als literarische „Geschichtsschichtung“ an einem Ort.

Saarland

Abitur

  1. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  2. Furor - Lutz Hübner und Sarah Nemitz
  3. Bahnwärter Thiel - Gerhart Hauptmann

Abitur Erinnerungsroman an einem Ort; zeitgenössisches Drama über Eskalation/Populismus; naturalistische Novelle (Pflicht/Überforderung/Abgrund).

Sachsen (berufliches Gymnasium)

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Irrungen, Wirrungen - Theodor Fontane
  4. Der gute Mensch von Sezuan - Bertolt Brecht
  5. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  6. Der Trafikant - Robert Seethaler

Abitur Mischung aus Klassiker-Drama, sozialem Drama, realistischem Roman, epischem Theater und Gegenwarts-/Erinnerungsroman; zusätzlich Coming-of-age im historischen Kontext.

Sachsen-Anhalt

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Themenfelder)

Abitur Schwerpunktsetzung über Themenfelder (u. a. Literatur um 1900; Sprache in politisch-gesellschaftlichen Kontexten), ohne feste Einzeltitel.

Schleswig-Holstein

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Recht/Gerechtigkeit und historische Tiefenschichten eines Ortes – umgesetzt über Drama und Gegenwartsroman.

Thüringen

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool)

Abitur In der Praxis häufig Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool; landesweite Einzeltitel je nach Vorgabe/Handreichung nicht einheitlich ausgewiesen.

Mecklenburg-Vorpommern

Abitur

  1. (Quelle aktuell technisch nicht abrufbar; Beteiligung am gemeinsamen Aufgabenpool bekannt)

Abitur Land beteiligt sich am länderübergreifenden Aufgabenpool; konkrete, veröffentlichte Einzeltitel konnten hier nicht ausgelesen werden.

Rheinland-Pfalz

Abitur

  1. (keine landesweit einheitliche Pflichtlektüre; schulische Auswahl)

Abitur Keine landesweite Einheitsliste; Auswahl kann schul-/kursbezogen erfolgen.




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THE MONKEY DANCE




The Monkey DanceaiMOOCs

  1. Trust Me It's True: #Verschwörungstheorie #FakeNews
  2. Gregor Samsa Is You: #Kafka #Verwandlung
  3. Who Owns Who: #Musk #Geld
  4. Lump: #Trump #Manipulation
  5. Filth Like You: #Konsum #Heuchelei
  6. Your Poverty Pisses Me Off: #SozialeUngerechtigkeit #Musk
  7. Hello I'm Pump: #Trump #Kapitalismus
  8. Monkey Dance Party: #Lebensfreude
  9. God Hates You Too: #Religionsfanatiker
  10. You You You: #Klimawandel #Klimaleugner
  11. Monkey Free: #Konformität #Macht #Kontrolle
  12. Pure Blood: #Rassismus
  13. Monkey World: #Chaos #Illusion #Manipulation
  14. Uh Uh Uh Poor You: #Kafka #BerichtAkademie #Doppelmoral
  15. The Monkey Dance Song: #Gesellschaftskritik
  16. Will You Be Mine: #Love
  17. Arbeitsheft
  18. And Thanks for Your Meat: #AntiFactoryFarming #AnimalRights #MeatIndustry


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