Abkantpressen – Gefährdungen im Arbeitsauftrag beurteilen
Einleitung
An einer Abkantpresse werden Bleche zwischen Stempel und Matrize umgeformt. Du lernst, die Gefährdungen eines konkreten Arbeitsauftrags zu erkennen, andere beteiligte Personen mitzudenken, Schutzmaßnahmen zu beurteilen und eine fachlich begründete Stoppen-und-Klären-Entscheidung zu dokumentieren. Schwerpunkt sind Quetschstellen an Werkzeugen und Anschlägen sowie Bewegungen eines hochschwenkenden Blechs. Ein durchgehender Modellfall beschreibt zwei Personen, die gemeinsam ein großes Blech halten, während nur eine Betätigung vorgesehen ist.
Geltungsgrenze: Dies ist theoretisches Lernmaterial. Es ersetzt weder die betriebliche Gefährdungsbeurteilung noch Unterweisung, Betriebsanweisung, Maschinenprüfung, Einrichtfreigabe oder persönliche Bedienberechtigung. Keine praktischen Einstell-, Prüf-, Biege- oder Umgehungsversuche durchführen. Bei ungeklärtem Schutz einer Person lautet die Entscheidung: Auftrag stoppen, Anlage nicht starten, fachkundige Verantwortliche einschalten. Angaben zu Abständen, Zeiten oder technischen Schutzeinstellungen sind stets an der konkreten Maschine durch Befugte zu prüfen; der Kurs gibt keine universellen Sicherheitsabstände vor.
Zielgruppen: Auszubildende und Fachkräfte aus Behälter- und Apparatebau, Fachkraft für Metalltechnik, Fertigungsmechanik, Klempnerei, Konstruktionsmechanik, Maschinen- und Anlagenführung, Metallbau sowie Technisches Produktdesign und Technische Systemplanung. Für konstruktive Berufe liegt der Schwerpunkt auf der sicherheitsgerechten Planung, nicht auf einer Bedienberechtigung.
Vorwissen: Blechbearbeitung und Umformen – Biegeradien und Rückfederung verstehen und Blechbearbeitung und Umformen – Abkantfolgen sinnvoll planen. Ergänzende Lernpfade: Metalltechnik Maschinenwelt und Metalltechnik Sicherheitswelt.
Maschine, Arbeitsraum und Blechbewegung verstehen
Bauteile und Funktionsprinzip
Die Gesenkbiegepresse hat ein Oberwerkzeug (Stempel), ein Unterwerkzeug (Matrize), einen bewegten Pressenbalken, Hinteranschläge, Werkstückauflagen und eine Steuerung. Das Blech wird durch die Relativbewegung der Werkzeuge plastisch umgeformt. Geometrie, Biegefolge, Werkstoff, Rückfederung und Werkstückgröße beeinflussen die Bewegung des freien Blechschenkels. Die Maschine darf aus einem allgemeinen Bild heraus nicht als betriebsbereit oder normkonform beurteilt werden.
Bild 1 – Maschinenübersicht: Beispiel einer Abkantpresse. Foto: Markhanksjr45, CC BY-SA 4.0; Commons-Dateiseite. Die gezeigte Maschine ist kein Nachweis eines geeigneten Schutzkonzepts für den Modellauftrag.

Bild 2 – beschriftete schematische Übersicht: Stempel, Gesenk und Hinteranschlag als Funktionsprinzip; keine maßstäbliche Sicherheitszeichnung. Urheber: URMEL/Wizard191, CC BY-SA 3.0; Quelle und Lizenz.
Werkzeugdetail lesen statt Gefahren übersehen

Bild 3 – Werkzeugdetail: Messer/Stempel (oberes Profil) und Nut/Matrize (unteres Profil). Foto: Contour, CC0 1.0; Originaldatei. Beschriftete Lesebrille zum Detailbild: A = wirksame Spitze des Stempels; B = Öffnung der Matrize; C = Zwischenraum, in dem beim Schließen eine Quetschgefahr entsteht. A–C sind didaktische Bezeichnungen in dieser Bildunterschrift, keine auf das Foto aufgetragenen Maschinenschilder.
| Lehrmodell-Bauteil | Funktion | In der Beurteilung ausdrücklich zu prüfen |
|---|---|---|
| A – Stempel / Oberwerkzeug | Formt das Blech im Zusammenwirken mit der Matrize | Schließender Werkzeugspalt, Klemm- und Quetschstellen |
| B – Matrize / Unterwerkzeug | Unterstützt die Formgebung | Zugriff von vorn, seitlich und von nicht bedienten Seiten |
| C – Hinteranschlag | Positioniert das Blech | Bewegte Anschlagteile, Finger- und Handbereiche |
| D – freier Blechschenkel | Schwenkt abhängig von Biegung und Lage | Anheben, Ausschlagen, Einklemmen gegen Pressenrahmen oder andere Bauteile |
| E – Werkstückauflage / Biegehilfe | Stützt große oder schwere Teile | Eignung, Tragfähigkeit und Zusammenarbeit mit Schutzmaßnahmen sind fachkundig zu klären |
Typischer Denkfehler: Wer nur auf die Werkzeuge blickt, übersieht den Gefahrenraum des hochschwenkenden Blechs, die Hinteranschläge sowie weitere Personen.
Bewegungsanalyse ohne Maschinenbedienung

Bild 4 – Animation des Biegeprinzips: von Borowski, Public Domain; Commons. Achte theoretisch auf die Rotation des freien Blechschenkels. Die Animation zeigt keine zulässige Handposition und keine Sicherheitsfreigabe.
| Betrachtung | Vor dem Biegen | Während der Bewegung | Schlussfolgerung |
|---|---|---|---|
| Werkzeugspalt | Offener Bereich zwischen Werkzeugen | Schließbewegung kann quetschen | Nur durch wirksame, geprüfte Sicherung und betrieblich freigegebenen Ablauf beherrschbar |
| Freier Blechschenkel | Liegt im Ausgangszustand flacher | Kann nach oben schwenken und Personen treffen oder einklemmen | Der gesamte Bewegungsraum muss berücksichtigt werden |
| Anschlagbereich | Blech wird positioniert | Bewegte oder erreichbare Teile können Quetschstellen bilden | Anschlagraum getrennt bewerten |
| Zweite mitführende Person | Hält gegebenenfalls auf anderer Seite | Kann gleichzeitig in mehreren Gefahrenräumen stehen | Schutzkonzept muss diese Person ausdrücklich einbeziehen |
Beobachtungsauftrag: Zeichne die Gefahrenräume nur an einer Skizze nach; leite daraus keine Handpositionen, Freigaben oder Abstände für eine echte Maschine ab.
Gefährdungen im Arbeitsauftrag erkennen und beurteilen
Von der Tätigkeit zur Gefährdung
Eine Gefährdungsbeurteilung fragt nicht nur, ob eine Maschine eine Schutzeinrichtung besitzt. Sie fragt: Wer arbeitet wo, mit welchem Werkstück, in welcher Phase, mit welchen Werkzeugen und mit welchen möglichen Fehlhandlungen? Zu berücksichtigen sind bestimmungsgemäße Verwendung, vorhersehbare Störungen, Bewegungsräume, Einrichten, Materialtransport und Personen, die nicht den Fußschalter betätigen.
Die BGHM nennt für Gesenkbiegepressen Schutzmaßnahmen, eine sachgerechte Einrichtung, sichere Nicht-Bedienseiten, Auflagen, geprüfte Betriebsarten und Unterweisungen. Sie stellt ausdrücklich fest: Ein Fußschalter ist keine Schutzeinrichtung. BGHM Arbeitsschutz Kompakt 001
| Gefahrenquelle | Mögliche Folge | Besonders betroffene Person oder Phase | Prüffrage |
|---|---|---|---|
| Schließende Stempel-Matrizen-Stelle | Schwere Quetschverletzung | Jede Person im Werkzeugbereich | Wer verhindert den Zugriff während jeder gefahrbringenden Bewegung? |
| Bewegter Hinteranschlag | Quetschen oder Anstoßen | Einrichtende und mitführende Personen | Ist der Anschlagbereich unter allen vorgesehenen Bedingungen abgesichert? |
| Hochschnellender oder hochschwenkender Blechschenkel | Schlag, Einklemmen, Verlust der Standfestigkeit | Beide Personen am großen Werkstück | Wurden Blechbewegung, Freiraum und Materialunterstützung bewertet? |
| Scharfe Blechkanten | Schnittverletzung | Transport und Bereitstellung | Welche geeigneten Handhabungs- und PSA-Maßnahmen gelten genau für diese Tätigkeit? |
| Unerwartete Bewegung / gespeicherte Energie | Einziehen, Quetschen, Absturz bewegter Teile | Einrichten, Fehlerbehebung und Instandhaltung | Wer sichert und prüft die Energiefreiheit nach Betriebsverfahren? |
| Weitere Personen im Umfeld | Gefährdung ohne eigenes Bedienelement | Zweite Person, Zusehende, vorbeigehende Beschäftigte | Sind alle Zutritte und Bewegungsräume berücksichtigt? |
Risiko qualitativ bewerten
Für Lernzwecke genügt eine begründete qualitative Priorisierung, keine ausgedachte quantitative Risikozahl. Schwere möglicher Folgen, Expositionsmöglichkeiten, Vermeidbarkeit und Wirksamkeit bereits vorhandener Maßnahmen gehören in die Bewertung. Das Vorhandensein eines Fußtasters verändert die Frage nach einem wirksamen Handschutz nicht automatisch.
| Gefährdungsgruppe | Veranschaulichte Priorität vor Klärung | Aussage |
|---|---|---|
| Werkzeugquetschung | █████ sehr hoch | Vor jeder möglichen Bedienfreigabe fachkundig klären |
| Gefährdung von Person B | █████ sehr hoch | Zweite Person und ihr Schutz müssen ausdrücklich geprüft werden |
| Hochbewegter Blechschenkel | █████ sehr hoch | Bewegungsraum, Haltearbeit und Unterstützung offen |
| Hinteranschlag | ████ hoch | Zugänglichkeit und Bewegung noch ungeklärt |
| Schnitt an Blechkante | ███ relevant | Getrennte Handhabungsregeln und PSA prüfen |
Hinweis: Die Balken sind ein eigenes Unterrichtsdiagramm und ausschließlich qualitative Markierungen. Sie sind weder echte Messwerte noch herstellerbezogene Gefährdungskennzahlen.
Bild 5 – großes Arbeitsfeld: Beispiel einer langen hydraulischen Abkantpresse, Urheber GaspariniIndustries, CC BY-SA 4.0; Commons. Die fotografierte Abkantpresse ist nicht die Maschine des Modellfalls. Fotos können tatsächliche Schutzfunktionen nicht belegen.
Typische Beurteilungsfehler
- Schalterfehler: „Die Person am Fußschalter hat alles unter Kontrolle.“ – Die zweite Person kann dennoch ungeschützt sein.
- Bildfehler: „Auf dem Herstellerfoto sieht es sicher aus.“ – Eine Bilddarstellung ersetzt keine Prüfung der realen Konfiguration.
- Maschinenjahrfehler: „Jede Abkantpresse hat dieselben sicheren Abstände.“ – Schutzeinrichtung, Bauart, Betriebsart, Nachlauf und Personenzahl sind zu prüfen; keine universellen Werte übernehmen.
- PSA-Fehler: „Handschuhe schützen vor Werkzeugquetschen.“ – Schnittschutz kann in bestimmten Handhabungsphasen relevant sein, schützt aber nicht vor der Schließkraft; Auswahl folgt der tätigkeitsbezogenen Beurteilung.
- Verantwortungsfehler: „Zwei Menschen dürfen automatisch gemeinsam halten, weil nur eine Person startet.“ – Zusammenarbeit, Blechbewegung und Schutz aller exponierten Personen sind gesondert zu bewerten.
Schutzkonzept, Verantwortlichkeiten und Stopppunkte
Das gesamte Schutzkonzept beurteilen lassen
Ein Schutzkonzept kann abhängig von konkreter Bauart, Betriebsart und Aufgabe z. B. trennende Schutzeinrichtungen, berührungslos wirkende Schutzeinrichtungen, mitfahrende optische Systeme, geeignete Werkstückauflagen, sicher eingerichtete und kontrollierte Betriebsarten sowie organisatorische Maßnahmen kombinieren. Kein einzelnes Element ist ohne Gesamtnachweis ausreichend. Ein Fußschalter ist eine Betätigungseinrichtung, keine eigenständige Schutzeinrichtung. Ob eine technische Lösung angemessen ist, entscheidet die befugte fachkundige Prüfung an der konkreten Maschine anhand aktueller Vorschriften, Herstellerinformationen und Gefährdungsbeurteilung.
| Frage | Erforderliche Klärung | Nicht zulässige Schlussfolgerung |
|---|---|---|
| Wer darf im Gefahrenraum sein? | Rollen, Zugänge, Sichtverhältnisse und Schutz aller Personen | Nur die betätigende Person muss geschützt sein |
| Welche Bewegung gefährdet? | Werkzeug, Hinteranschlag, Blech und unbeabsichtigter Anlauf | Der Werkzeugspalt ist die einzige Gefahr |
| Wie wirkt die Sicherheitseinrichtung? | Eignung für alle vorgesehenen Betriebsphasen und relevanten Eingriffe, inklusive möglicher Abschaltungen | Eine sichtbare Lasereinheit beweist vollständigen Schutz |
| Wie wird das große Werkstück gestützt? | Geeignete Hilfsmittel und organisatorische Lösung in genehmigter Arbeitsplanung | Zwei haltende Hände ersetzen eine sichere Werkstückunterstützung |
| Wer dokumentiert und gibt frei? | Zuständige Leitung, befugte Einrichtperson und erforderliche Prüfungen | Ein Lernender darf aus der Theorie selbst freigeben |

Bild 6 – Ausgangsposition der Werkzeuge: URMEL, CC BY-SA 3.0; Quelldatei. Auch hier fehlen bewusst betriebliche Schutzdetails: Das Bild eignet sich zum Lernen der Funktion, nicht als sichere Aufstell- oder Einrichtzeichnung.
Zuständigkeiten im Betrieb und in der Berufsschule
Arbeitgeber bzw. verantwortliche Leitung veranlasst die Gefährdungsbeurteilung, geeignete Arbeitsmittel, Prüfungen, Betriebsanweisungen, Unterweisung und Festlegung von Zuständigkeiten. Fachkundige befugte Personen klären die Einrichtung, die konkrete Schutzwirkung und die Freigabebedingungen. Beschäftigte beachten Unterweisung und Anweisungen, melden erkennbare Mängel und führen einen unsicheren Auftrag nicht fort. Lernende dokumentieren im Kurs ausschließlich Papier-/Digitalmodelle und fordern bei realen Sicherheitsfragen eine zuständige Person an.
Jugendliche: BGHM 001 nennt als Regelfall mindestens 18 Jahre. Für Jugendliche gelten die Beschäftigungsgrenzen des JArbSchG und besonders § 22 sowie die Unterweisungspflichten des § 29. Eine gesetzliche Ausnahme für bestimmte gefährliche Arbeiten kann nur unter den dort genannten engen Ausbildungs- und Fachaufsichtsbedingungen in Betracht kommen. Dieser Kurs gewährt keine Ausnahme und keine eigene Bedienberechtigung. § 22 JArbSchG und § 29 JArbSchG.
Instandhaltung und gespeicherte Energie
Bei Werkzeugwechsel, Störungsbeseitigung und Instandhaltung entstehen zusätzliche Gefahren durch bewegliche Teile und gespeicherte elektrische, hydraulische oder mechanische Energie. Die BGHM 4-Rang-Methode priorisiert möglichst sichere Vorgehensweisen, insbesondere sicheres Stillsetzen, Sichern gegen Wiedereinschalten und Beherrschen gespeicherter Energie. Nur befugtes Fachpersonal plant und führt solche Maßnahmen gemäß betrieblichem Verfahren aus. Lernende simulieren hier keine Eingriffe, Prüfungen oder Entriegelungen.
Beruflicher Modellauftrag: zwei Personen und ein großes Blech
Ausgangslage – vollständig synthetischer Fall
Modellbetrieb: Beispielwerk Metall GmbH (frei erfundener Name). Modellauftrag M-28: Ein großformatiger Blechzuschnitt soll zu einem Gehäusebauteil abgekantet werden. Die betrieblichen Zeichnungsangaben, Biegereihenfolge und Teilemaße werden im Lernfall absichtlich nicht als reale Maschinenparameter verwendet. Person A steht an der vorgesehenen Bedienseite und soll das einzige vorgesehene Betätigungselement auslösen. Person B soll das Blech auf einer anderen Position mitführen. Beide sollen das große Blech halten. Vorhanden ist nach Auftragsnotiz ein Fußschalter; der Schutz beider Personen, die konkrete Eignung der optischen Schutzfunktion, die Unterstützung des Werkstücks, der Bewegungsraum des aufschwenkenden Blechs und die Hinteranschläge sind nicht dokumentiert. Die Maschine wird weder identifiziert noch real eingeschaltet.
Erstentscheidung: Nicht beginnen. Es wäre fachlich falsch, aus „nur eine Betätigung“ auf den Schutz beider Personen zu schließen. Es ist auch nicht bekannt, ob diese Zwei-Personen-Tätigkeit an der Maschine überhaupt zulässig vorgesehen ist. Die fehlenden Informationen sind ein Sicherheits-Stopp und keine Einladung zu einem praktischen Probebiegen.
| Beteiligte | Modellrolle | Offene Gefährdung | Erforderliche Entscheidung |
|---|---|---|---|
| Person A | Geplante Bedienperson, löst als einzige einen Biegevorgang aus | Werkzeugspalt, Blechschwenkbereich, Anschlag | Nur nach vollständigem, nachgewiesenem Schutzkonzept und Freigabe |
| Person B | Hält das gleiche Blech mit, betätigt kein Element | Quetschung durch Blechbewegung, Werkzeug, Rahmen oder Anschlag | Eigener Schutz ausdrücklich nachzuweisen; andernfalls keine Tätigkeitsfreigabe |
| Dritte Personen | Transport, Vorbeigehen, Beobachten | Zugang von Seite, Rückseite und in den Werkstückschwenkraum | Nicht-Bedienseiten und Umfeld in die Prüfung aufnehmen |
| Zuständige Fachperson | Prüft Arbeitsplanung und Schutzsystem | Unvollständige Informationen oder unsichere Konfiguration | Auftrag stoppen lassen, Lösung dokumentieren und erst nach Voraussetzungen freigeben |
Gefahrenpfade des Modellfalls
| Ausgangsbedingung | Kritische Bewegung | Möglicher Schaden | Fachlicher Stopppunkt |
|---|---|---|---|
| Zwei Personen halten Blech, Person A betätigt | Stempel schließt | Hand in Werkzeug-Quetschstelle | Schutz beider Personen ungeklärt |
| Großes Blech wird umgeformt | Freier Blechschenkel schwenkt auf | Kopf/Arm getroffen oder Körper gegen Maschine eingeklemmt | Bewegungsraum und sichere Unterstützung nicht nachgewiesen |
| Blech wird positioniert | Hinteranschlag verfährt | Hand zwischen Blech, Anschlag oder Maschinenbauteil gequetscht | Anschlagsicherung und Personenposition ungeklärt |
| Eine Person nähert sich seitlich | Gefahrbewegung bleibt erreichbar | Quetschen trotz betätigendem Fußschalter | Zugangs- und Schutzkonzept unvollständig |
Begründete Musterlösung und Alternativen
A – Entscheidung: Auftrag zurückstellen, keine Maschinenbedienung und keine improvisierte Zwei-Personen-Haltung. Fehlende Eignungsnachweise für Person B, Blechbewegung und Anschlag schließen eine sichere Freigabe aus.
B – An die fachkundige Stelle zu klärende Fragen: Ist das gemeinsame Halten in dieser Aufgabe überhaupt vorgesehen und erlaubt? Welche Personen sind wann im Gefahrenbereich? Welche Schutzfunktion schützt welche Person vor Schließbewegung, Anschlagbewegung und hochschwenkendem Blech? Wie werden Seiten und Rückseite gesichert? Ist eine geeignete Biegehilfe oder andere Materialunterstützung nötig? Welche Betriebsarten, Prüfungen, Einrichtdokumente und persönlichen Freigaben sind gültig? Sind die Beschäftigungsgrenzen, insbesondere für Minderjährige, berücksichtigt?
C – Mögliche Planungsalternativen (nur zur fachlichen Prüfung): Sicherheitsgerechte Umgestaltung der Arbeitsaufgabe, geeignete geprüfte Materialunterstützung, alternative Auftrags-/Biegeplanung oder eine dafür ausgelegte Maschinen- und Schutzeinrichtungskonfiguration. Die Entscheidung trifft die zuständige Fachperson; keine dieser Möglichkeiten wird hier als pauschal zulässig oder sofort umsetzbar behauptet.
D – Ergebnisformulierung für eine Übergabe: „Für Auftrag M-28 ist die Schutzwirkung für sämtliche beteiligten Personen, insbesondere Person B, sowie für Werkzeug-, Anschlag- und Blechschenkelbewegungen nicht nachgewiesen. Der Auftrag darf nicht gestartet werden. Die verantwortliche Stelle muss ein geprüftes Gesamtschutzkonzept und eine ausdrücklich freigegebene Arbeitsplanung vorlegen.“
Überprüfbare Bewertung des Modellfalls
| Kriterium | 0 Punkte | 2 Punkte | 4 Punkte |
|---|---|---|---|
| Gefährdungsanalyse | Gefahren fehlen | Werkzeuggefahr erkannt | Werkzeug, Anschlag, hochschwenkendes Blech und weitere Personen erfasst |
| Schutz aller Personen | Nur Person A betrachtet | Person B erwähnt | Schutz aller exponierten Personen konkret als Prüfanforderung formuliert |
| Abgrenzung Fußschalter | Als Schutz behauptet | Zweifel geäußert | Betätigung und wirksame Schutzeinrichtung klar unterschieden |
| Zuständigkeit und Stopp | Ungesicherter Start vorgeschlagen | Stopp ohne Klärweg | Klare Nicht-Start-Entscheidung und zuständige fachkundige Prüfung |
| Dokumentation und Alternativen | Keine Begründung | Teilweise belegt | Quellen, offene Nachweise und prüfpflichtige Alternativen nachvollziehbar |
Zwischenstufen: 1 oder 3 Punkte bei teilweise erfüllten Kriterien. Unabhängige Sicherheitsbedingung: Wer im Lernmodell einen ungesicherten Start trotz ungeklärtem Personenschutz befürwortet, erhält keine positive fachliche Freigabebewertung, auch wenn eine Punktesumme hoch wäre.
Sicher dokumentieren, vergleichen und übertragen
Dokumentationsbogen für die Schreibtischarbeit
| Feld | Beispiel M-28 | Bearbeitungsauftrag |
|---|---|---|
| Arbeitsaufgabe | Großes Blech, zwei haltende Personen, eine Betätigung | Beschreibe Personen, Phasen und Bewegungen |
| Erkannte Gefährdungen | Werkzeug, Anschlag, aufschwenkendes Blech, weitere Personen | Ergänze eine begründete Priorisierung |
| Vorliegende Schutz-Nachweise | Unvollständig | Notiere ausdrücklich, welche Belege fehlen |
| Stopppunkt | Vor Tätigkeitsbeginn | Begründe, warum keine Probe erlaubt ist |
| Verantwortliche Prüfung | Betriebsverantwortliche und beauftragte fachkundige Personen | Formuliere die Fragen für die Übergabe |
| Lernprodukt | Risikoübersicht und Entscheidungsmemo | Gib Quellen, Grenzen und Modellcharakter an |
Herstellerbeispiele fachlich einordnen
Die TRUMPF-Übersicht zu Biegemaschinen zeigt einen Hersteller als dokumentiertes Beispiel. Oben genannte Gefährdungen und Prüfaufgaben gelten nicht nur für ein bestimmtes Fabrikat. Herstellerseiten zeigen Produkteigenschaften und Anwendungsfelder; sie sind keine unabhängigen Freigaben für einen konkreten Arbeitsauftrag und belegen weder Marktführerschaft noch die Eignung einer realen Maschinenkonfiguration.
Fachvideo 1: TRUMPFtube, „TRUMPF Biegen: TruBend 3100 – Maschinenfunktionen auf einen Blick“, veröffentlicht am 08.05.2014; Original und Rechte beim Anbieter. Beobachtungsfragen: Welche bewegten Teile kannst du erkennen? Welche Schutzfragen lassen sich nicht aus der Produktdemonstration beantworten? Dieses Video ist kein Arbeitsschutz-Nachweis, keine Unterweisung und kein frei lizenziertes OER.
Fachvideo 2 (Englisch): Cincinnati Incorporated, „Press Brake Safety Tutorial“, Original bei Vimeo. Herstellerbezogene Sicherheitsdarstellung; die Wiedergabe erfolgt über die Plattform unter deren Rechten, nicht als CC-lizenzierte Weiterverwendung. Unterschiede zu deutschen betrieblichen Vorgaben sind durch eine zuständige Fachperson zu bewerten. Keine praktische Nachahmung.
Fachvideo 3 – offene Mediendatei: „CNC Press Brake“, Contour, CC0 1.0; Wikimedia Commons. Das Anschauen der Bewegung ermöglicht eine theoretische Gefahrenraumanalyse, ohne eine Bedienung zu versuchen.
Transfer auf andere Aufträge
Für kleine Werkstücke, lange Tafeln, unterschiedliche Biegefolgen oder andere Fabrikate verändern sich Handhabung, Bewegung, Auflagenbedarf und möglicherweise die Schutzkonzeption. Gleich bleibt die Beurteilungslogik: Tätigkeit und alle Beteiligten erfassen, Gefahrstellen und Bewegungen vollständig analysieren, wirksame Maßnahmen durch Zuständige prüfen, fehlende Nachweise als Stopppunkt behandeln und alles dokumentieren. Arbeite nur mit Zeichnungen, Videos, digitalen Skizzen und synthetischen Fallangaben.
Interaktive Aufgaben
Multiple-Choice-Fragen
Welche Aussage zum Fußschalter einer Abkantpresse ist richtig? (Ein Fußschalter ist für sich genommen keine Schutzeinrichtung) (!Ein Fußschalter schützt automatisch jede mitführende Person) (!Ein Fußschalter ersetzt die Gefährdungsbeurteilung) (!Ein Fußschalter macht zusätzliche Schutzfunktionen überflüssig)
Welche Gefährdung kann ein großer freier Blechschenkel erzeugen? (Er kann beim Biegen hochschwenken und Personen einklemmen) (!Er bleibt bei jedem Biegevorgang unbeweglich) (!Er beseitigt automatisch die Werkzeugquetschgefahr) (!Er kann ausschließlich Schnittverletzungen verursachen)
Was folgt aus dem Umstand, dass nur Person A die Presse betätigt? (Der Schutz von Person B muss trotzdem ausdrücklich geprüft werden) (!Person B ist dadurch automatisch gesichert) (!Person B benötigt grundsätzlich keine Unterweisung) (!Alle anderen Gefahren sind ausgeschlossen)
Wozu dient der Hinteranschlag grundsätzlich? (Zur Positionierung des Werkstücks) (!Zum Ersatz einer Schutzeinrichtung) (!Zur sicheren Abschaltung aller Energiequellen) (!Als persönliche Bedienfreigabe)
Welche Schlussfolgerung aus einem Maschinenfoto ist fachlich unzulässig? (Das Foto beweist die vollständige Sicherheit des konkreten Auftrags) (!Ein Foto kann Maschinenbauteile sichtbar machen) (!Ein Foto kann als Gesprächsanlass dienen) (!Ein Foto kann eine zusätzliche Recherche auslösen)
Welche Reaktion ist bei ungeklärter Schutzwirkung für Person B angemessen? (Auftrag vor Beginn stoppen und zuständige Fachpersonen einbeziehen) (!Einen Probehub ohne Nachweis ausführen) (!Die zweite Person lediglich mündlich warnen und starten) (!Den Fußschalter als alleinigen Nachweis akzeptieren)
Welcher Bereich gehört neben dem Werkzeugspalt ausdrücklich in die Analyse? (Der Bewegungsraum des Blechs und der Hinteranschläge) (!Nur die Farbe der Maschinenverkleidung) (!Ausschließlich die Herstellerwerbung) (!Nur die Softwareoberfläche ohne Personenbezug)
Was ist bei Jugendarbeitsschutz in diesem Kurs richtig? (Gefährliche Arbeiten sind rechtlich begrenzt und Ausnahmen sind streng geregelt) (!Eine Kursbearbeitung berechtigt Minderjährige zur Bedienung) (!Eine Begleitperson ersetzt sämtliche gesetzlichen Anforderungen) (!Die Altersfrage ist bei Pressen generell unwichtig)
Welche Aussage zu Handschuhen ist richtig? (Die Eignung hängt von der Tätigkeit ab und Handschuhe verhindern keine Werkzeugquetschung) (!Jeder Handschuh macht den Werkzeugspalt ungefährlich) (!Handschuhe ersetzen die technischen Schutzeinrichtungen) (!Handschuhe entscheiden über die Freigabe des Biegevorgangs)
Was beschreibt die fachlich beste Abschlussentscheidung zum Modellauftrag? (Erst nach dokumentierter Gesamtprüfung und zuständiger Freigabe kann über die Aufgabe entschieden werden) (!Eine berechnete Punktzahl gilt als Maschinenfreigabe) (!Eine Herstellerabbildung reicht als Freigabenachweis) (!Die Sicherheit von Person A genügt für beide Personen)
Memory
Ordne jedem Begriff die passende sachliche Erklärung zu. Alle Paare beziehen sich auf die theoretische Gefahrenanalyse.
| Biegestempel | Oberwerkzeug zur Umformung des Blechs |
| Matrize | Unterwerkzeug mit formgebender Öffnung |
| Hinteranschlag | Einrichtung zum Positionieren eines Blechs |
| Schutzfeld | Überwachter Bereich einer dafür geeigneten Schutzeinrichtung |
| Fußschalter | Betätigungselement und nicht selbst die Schutzeinrichtung |
| Einrichtperson | Befugte Person für die fachgerechte maschinenbezogene Einrichtung |
| Werkstückauflage | Hilfsmittel zur Unterstützung eines zu bearbeitenden Blechs |
Drag and Drop
Ordne fünf Gefahrbegriffe jeweils der passenden Prüf- oder Stoppfrage zu. Es handelt sich nicht um eine Bedienanleitung.
| Passender Begriff | Prüffrage im Modellauftrag |
|---|---|
| Werkzeugquetschung | Ist ein Zugriff in den schließenden Werkzeugspalt wirksam verhindert? |
| Anschlagbewegung | Sind die bewegten Positionierelemente und deren Erreichbarkeit bewertet? |
| Blechschwenkraum | Kann der freie Blechschenkel Personen treffen oder einklemmen? |
| Zweite Person | Ist auch die nicht betätigende mitführende Person nachweislich geschützt? |
| Freigabestopp | Wird bei fehlenden Nachweisen vor dem Start fachkundige Klärung verlangt? |
Kreuzworträtsel
Finde zu jeder Umschreibung genau einen Fachbegriff.
| Stempel | Wie heißt das obere formgebende Werkzeug? |
| Matrize | Wie heißt das untere Werkzeug mit der Formöffnung? |
| Anschlag | Welche Einrichtung unterstützt die Lagebestimmung eines Blechs? |
| Schutzfeld | Wie nennt man einen überwachten Bereich einer berührungslosen Schutzeinrichtung? |
| Unterweisung | Wie heißt die betriebliche Vermittlung von Gefahren und Schutzverhalten? |
| Freigabe | Wie nennt man die zuständige ausdrückliche Erlaubnis nach erfüllten Voraussetzungen? |
LearningApps
LearningApps-Suche nach passenden Lernaktivitäten. Der Suchlink ist keine behauptete oder geprüfte einzelne App-ID; prüfe die Eignung jedes dort gefundenen Fremdmaterials vor dem Einsatz.
Lückentext
Offene Aufgaben
Bearbeite alle zwölf Aufgaben ausschließlich anhand von Texten, Bildern, Skizzen, fiktiven Daten oder Videos. Keine Praxisversuche an gefährlichen Maschinen, kein Eingriff in Schutzsysteme und keine Aufnahmen realer Beschäftigter ohne Berechtigung.
Leicht
- A1 – Begriffsbild: Erstelle eine Papier- oder Digitalskizze mit Stempel, Matrize, Hinteranschlag und Blech; kennzeichne drei mögliche Gefahrenbereiche.
- A2 – Merksatz: Formuliere in zwei Sätzen, weshalb ein Fußschalter allein den Personenschutz nicht gewährleistet.
- A3 – Bildvergleich: Vergleiche zwei Commons-Abbildungen des Kurses und notiere, was sich über den Schutz aus den Bildern gerade nicht sicher ableiten lässt.
- A4 – Rollenkarte: Notiere für Lernende, befugte Einrichtpersonen und verantwortliche Leitung jeweils eine Zuständigkeit.
Standard
- A5 – Risikoübersicht: Erstelle eine Tabelle mit Werkzeug, Anschlag, hochschwenkendem Blech, Person A und Person B sowie jeweiligen Prüffragen.
- A6 – Bewegungsdiagramm: Zeichne rein schematisch drei Phasen des freien Blechschenkels und markiere mögliche Kollisionen ohne Maßangaben.
- A7 – Prüfgespräch: Entwirf fünf Fragen an die zuständige Fachperson, die beim Modellauftrag vor jeder Freigabe beantwortet sein müssen.
- A8 – Entscheidungsmemo: Schreibe eine sachliche Mitteilung an die Modellbetriebsleitung, warum der Auftrag zunächst gestoppt wird.
Schwer
- A9 – Variantenprüfung: Vergleiche die hypothetischen Varianten „zwei Personen halten“, „geprüfte Werkstückunterstützung“ und „geänderte Arbeitsplanung“ nach ihren offenen Nachweisen.
- A10 – Schutzkonzept-Audit: Entwickle eine theoretische Prüfliste für Personenschutz, Seitenschutz, Anschlag, Blechbewegung, Unterweisung und Freigabe.
- A11 – Ausbildungsgrenzen: Erkläre anhand § 22 JArbSchG, warum ein Lernvideo oder ein bestandener Test keine Ausnahme oder Bedienberechtigung verleiht.
- A12 – Transferbericht: Übertrage die Entscheidungslogik auf einen anderen fiktiven Blechauftrag und benenne drei neue Unsicherheiten.
Lösungshinweise zu allen offenen Aufgaben
Die Lösungen sind Muster, keine betriebliche Durchführungserlaubnis. Andere fachlich begründete Antworten können richtig sein.
| Aufgabe | Erwartete Kernpunkte der Musterlösung |
|---|---|
| A1 | Stempel oben, Matrize unten, Hinteranschlag seitlich/hinten; Werkzeugspalt, Anschlagbereich und Blechschwenkraum als Gefahren markieren. |
| A2 | Fußschalter löst Bewegung aus; er verhindert nicht automatisch das Erreichen einer Quetschstelle oder schützt eine weitere Person. |
| A3 | Bilder zeigen Bauform und Bewegung, nicht aktuelle Funktionsfähigkeit, Sicherheitsabstände, Prüfstatus oder Eignung für einen konkreten Auftrag. |
| A4 | Lernende melden Unsicherheit; befugte Einrichtperson prüft Einrichtung; verantwortliche Leitung organisiert Beurteilung, Unterweisung und Freigaben. |
| A5 | Alle fünf Aspekte mit spezifischer Folge und einer belegorientierten Prüffrage; Person B darf nicht als bereits geschützt gelten. |
| A6 | Vorher: flacher Schenkel; Bewegung: mögliches Hochschwenken; danach: geänderte Lage; Kollisionsräume nur qualitativ markieren. |
| A7 | Wer wird geschützt? Welche Schutzfunktion? Welche Blechunterstützung? Welche Anschlagsicherung? Wer prüft und erteilt Freigabe? |
| A8 | Kein Start wegen unvollständigem Gesamtschutz und fehlendem Nachweis zum Schutz der zweiten Person; fachkundige Klärung verlangen. |
| A9 | Halten ohne Nachweis unzulässig; Unterstützung und neue Arbeitsplanung sind nur prüfpflichtige Alternativen, keine automatische Freigabe. |
| A10 | Checkliste nennt alle exponierten Personen, Werkzeug, Anschlag, Blechraum, Zugänge, Schutzeinrichtung, Unterweisung und Prüfbelege. |
| A11 | Gesetzliche Beschränkung; eng begrenzte Ausbildungsausnahme verlangt Voraussetzungen und Fachaufsicht; Quiz ersetzt sie nicht. |
| A12 | Neue Werkstückgeometrie, Zugangsseite oder Unterstützung verändert die Anforderungen; erneut konkrete Gefahren, Schutz und Freigabe prüfen. |


Lernkontrolle
Bearbeite diese zusätzlichen Transferfragen schriftlich. Jede Aufgabe ist unabhängig von den zehn Multiple-Choice-Fragen.
- L1 – Fehlannahme prüfen: Eine Aussage lautet: „Person B ist ungefährdet, weil sie nichts betätigt.“ Widerlege dies anhand zweier Gefahrenpfade.
- L2 – Nachweise ordnen: Lege dar, warum Herstellerprospekt, Maschinenfoto, Betriebsanweisung, Prüfunterlagen und auftragsbezogene Beurteilung unterschiedliche Aussagekraft haben.
- L3 – Arbeitsplanung: Erläutere, welche neuen Risiken ein größerer freier Blechschenkel im Vergleich zu einem kleinen Bauteil aufwerfen kann.
- L4 – Zuständigkeit: Formuliere einen sachlichen Stopp- und Meldeweg für eine erkannte ungeklärte Gefahr, ohne selbst an der Maschine einzugreifen.
- L5 – Jugendschutz: Begründe, warum eine fachliche Unterweisung und die Prüfung der Altersgrenzen vor einer potenziellen Tätigkeit getrennt zu beachten sind.
- L6 – Transfer: Erstelle eine kurze Gegenüberstellung zweier hypothetischer Schutzkonzepte und beschreibe, welche fachkundige Prüfung zu beiden noch fehlen würde.
Erwartungshorizont zur Lernkontrolle
| Aufgabe | Kerngedanke für die Selbstkontrolle |
|---|---|
| L1 | Person B kann durch Stempel, Hinteranschlag, Blechbewegung oder Maschinenrahmen verletzt werden; fehlende Betätigung schafft keinen Schutz. |
| L2 | Werbung zeigt Möglichkeiten, Fotos zeigen Sichtbares, Betriebsanweisung regelt betriebliches Verhalten, Prüfunterlagen belegen Zustand und die Beurteilung muss Auftrag und Personen erfassen. |
| L3 | Der Schwenkraum verändert sich, das Werkstück kann schlagen oder einklemmen und geeignete Unterstützung wird entscheidend. |
| L4 | Tätigkeit nicht beginnen, Gefährdung sachlich dokumentieren, Verantwortliche informieren, fachkundige Entscheidung und Freigabe abwarten. |
| L5 | Unterweisung vermittelt sicherheitsgerechtes Verhalten; Jugendarbeitsschutz und persönliche Freigabe sind zusätzliche rechtliche und organisatorische Bedingungen. |
| L6 | Keine Pauschalbewertung: Schutzfunktion, reale Zugänge, Betriebsarten, konkrete Gefährdungen, Eignung und Prüfunterlagen müssen durch Befugte beurteilt werden. |
Lernnachweis
Als Lernnachweis gibst du eine Mappe zu Modellauftrag M-28 ab, bestehend aus einer beschrifteten Gefahrenraumskizze, einer vollständigen Tabelle zu allen Beteiligten, einem Quellenblatt, einem schriftlichen Stopp- und Klärvermerk, einer Alternativenabwägung und einer Selbstbewertung nach dem 20-Punkte-Raster. Belege deine Aussagen mit BGHM, DGUV, Jugendarbeitsschutz und Medienquellen. Dokumentiere bei Bildern Urheber und Lizenz. Entscheidend sind eine nachvollziehbare Argumentation, die richtige Rolle von Schutzfunktionen und die ausdrückliche Berücksichtigung von Person B.
Kompetenzziele: Du kannst Maschinenbauteile erklären, Quetsch- und Bewegungsgefahren unterscheiden, eine auftragsbezogene Beurteilung strukturieren, fehlende Nachweise erkennen, Stopppunkte benennen, Schutz aller Personen fordern, Zuständigkeiten unterscheiden und fachlich begründet dokumentieren. Eine gute Leistung berechtigt nicht zum Bedienen einer realen Abkantpresse.
OER und Wikipedia
Fachquellen und Prüfstand 28.10.2026: Die folgenden öffentlich erreichbaren Quellen wurden für die theoretische Unterrichtsplanung herangezogen. Bei einer realen Gefährdungsbeurteilung sind jeweils die aktuell geltenden Vorschriften, Betriebsunterlagen, konkreten Maschinenmerkmale und fachkundigen Prüfungen maßgeblich.
- BGHM: Arbeitsschutz Kompakt 001 – Arbeiten an Gesenkbiegepressen – Primärquelle zu Schutzmaßnahmen, Zuständigkeiten und Fußschaltern.
- DGUV: Bildungsbereich Metall – Gefährdungen in Ausbildung und Metallwerkstätten.
- BGHM: Sichere Instandhaltung mit der 4-Rang-Methode – besondere Bedeutung von Energiekontrolle und Zuständigkeit.
- TRUMPF: Biegemaschinen – dokumentiertes Herstellerbeispiel, keine sicherheitstechnische Abnahme oder Freigabe.
- JArbSchG § 22 und § 29 – gefährliche Arbeiten und Unterweisung.
- WorkSafe New Zealand: Press brakes – zusätzliche englischsprachige Perspektive; nicht als deutsche Rechtsgrundlage verwenden.
- OSHA: Powered Press Brakes – zusätzliche englischsprachige Darstellung der Gefahr durch hochbewegtes Blech; kein deutscher Freigabenachweis.
- Wikimedia Commons: Press brakes – offen lizenzierte Darstellungen, Lizenz je Datei prüfen.
- Gesenkbiegepresse und Abkantwerkzeug – einführende Enzyklopädieartikel; bei sicherheitsrelevanten Aussagen BGHM und DGUV vorziehen.
Wikipedia (deutscher Artikel, als ergänzende Hintergrundquelle):
Medien- und Rechtebelege
| Eingebundene Datei | Nachweis der Dateiseite | Autor / Urheber laut Dateiseite | Nutzungslizenz laut Dateiseite |
|---|---|---|---|
| File:Metalink press brake.png | Commons | Markhanksjr45 | CC BY-SA 4.0 |
| File:Press brake schematic.svg | Commons | URMEL; Bearbeitung Wizard191 | CC BY-SA 3.0 |
| File:Mes en groef van een kantbank.jpg | Commons | Contour | CC0 1.0 |
| File:Biegeanimation 3D.gif | Commons | Borowski | Public Domain laut Dateiseite |
| File:High-tonnage press brake.jpg | Commons | GaspariniIndustries | CC BY-SA 4.0 |
| File:Gesenkbiegen ungebogen.svg | Commons | URMEL | CC BY-SA 3.0 |
| File:CNC Press Brake.ogv | Commons | Contour | CC0 1.0 |
| Eingebundenes Video | Quelle und Urheber | Rechtehinweis | Lernnutzung |
|---|---|---|---|
| https://www.youtube.com/watch?v=-8BJmZP7lLM | TRUMPFtube | Anbieterplattform / YouTube-Nutzungsbedingungen, keine behauptete freie Lizenz | Beobachtung von Funktionsmerkmalen, keine Sicherheitsfreigabe |
| https://vimeo.com/135075876 | Cincinnati Incorporated | Anbieterplattform / Vimeo-Nutzungsbedingungen, keine behauptete freie Lizenz | Reflexion eines herstellerbezogenen Sicherheitstutorials |
Eigene Darstellungen im Kurs: Lehrschema 1 bis 3, qualitative Balkendiagramme, Tabellen, Modellfall und Bewertungsraster wurden als didaktische Eigenmodelle für diesen Kurs formuliert; sie sind keine Maschinenzeichnungen, Sicherheitsnachweise oder erhobenen Betriebsdaten. Für die Text- und Tabellenmaterialien wird eine Weiterverwendung unter CC BY-SA 4.0 angestrebt; Fremdmedien behalten ihre jeweils nachgewiesenen Rechte.
Verknüpfte Lernbereiche
Der Kurs verbindet Maschinenkunde, Fertigungstechnik, Technisches Zeichnen, Risikobeurteilung, betriebliche Kommunikation und Arbeitsschutz. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen theoretischem Kompetenznachweis und persönlicher sicherheitstechnischer Bedienfreigabe.
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