Klangerzeugung und musikalische Grundlagen - Handzuginstrumentenmacher - 1. Ausbildungsjahr - LB1-5
Klangerzeugung und musikalische Grundlagen - Handzuginstrumentenmacher - 1. Ausbildungsjahr - LB1-5
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Einleitung
Wenn du ein Akkordeon, eine Konzertina oder ein Bandoneon baust, wartest oder prüfst, reicht es nicht, dass ein Instrument irgendwie einen Ton erzeugt. Du musst erklären können, wie die Luft den Klang hervorbringt, welche Bauteile den Ton beeinflussen, wie sich Tonhöhe, Klangfarbe und Lautstärke unterscheiden und wie du eine musikalische Funktionsprüfung fachgerecht dokumentierst. Dieser Kurs verbindet deshalb Akustik, Musiktheorie und die berufliche Qualitätssicherung.
Dein Lernziel: Du analysierst einen berufstypischen Prüfauftrag, beschreibst die Klangerzeugung vom Balg bis zur Schallwelle, liest einfache Notationsbeispiele, berechnest Frequenzen und Schwebungen, entwirfst eine sichere Prüfung, bewertest Messwerte anhand vorgegebener Kriterien und dokumentierst dein Ergebnis nachvollziehbar. Vorkenntnisse: Grundrechenarten und einfache Brüche; Instrumentenspiel ist hilfreich, aber nicht Voraussetzung.
Einordnung: „LB1-5“ und die Zuordnung zum ersten Ausbildungsjahr sind eine redaktionelle Themenbündelung. Die BIBB-Berufsseite nennt die Verordnung vom 27.01.1997, eine Ausbildungsdauer von 36 Monaten und den zugehörigen KMK-Rahmenlehrplan vom 21.11.1996. Dieser Kurs ist keine wörtliche Wiedergabe und keine amtliche Anerkennung des Lehrplans. Gleiche Umfang, Reihenfolge und Anforderungen mit dem aktuellen betrieblichen Ausbildungsplan, dem Landeslehrplan und der zuständigen Handwerkskammer ab. Das Berufsprofil umfasst die Montage und Stimmung der Instrumente sowie die musikalische, technische und optische Endkontrolle. BIBB-Berufsprofil · Ausbildungsrahmenplan · KMK-Rahmenlehrpläne.

Abbildung: vereinfachte äußere Gestalt eines Pianoakkordeons; ArtFavor, CC0. Die konkrete Bauart des Prüfobjekts kann abweichen.
Handzuginstrumente als musikalisch-technische Systeme
Instrumentenfamilien und Bauarten
Bei einem Handzuginstrument stellt ein Balg den Spielwind bereit. Durch Tasten oder Knöpfe betätigte Klappen öffnen Luftwege zu den Tonerzeugern. Zu dieser Familie gehören unter anderem Piano- und Knopfakkordeon, diatonische Handharmonika, Konzertina und Bandoneon. Verwandte Mundharmonika und Melodica nutzen ebenfalls frei schwingende Zungen, werden aber mit Atemluft betrieben. Für den Instrumentenbau sind die Benennung der Bauart, die Spielrichtung und die Klangkonzeption entscheidend.
Chromatisch bezeichnet grundsätzlich die Möglichkeit, die chromatischen Halbtöne zu spielen; diatonisch bedeutet eine an Tonarten beziehungsweise Tonleitern gebundene Anordnung. Gleichtönig heißt, dass derselbe Knopf beim Ziehen und Drücken denselben Ton erzeugt; wechseltönig bedeutet unterschiedliche Töne je nach Balgrichtung. Die beiden Begriffspaare beschreiben unterschiedliche Eigenschaften und dürfen nicht gleichgesetzt werden. Auch ein diatonisches Instrument kann zusätzliche Halbtöne besitzen.
Bauteile und ihre Aufgaben
Der Balg bewegt die Luft. Eine Taste oder ein Knopf steuert über eine Mechanik die Klappe, die einen Luftkanal freigibt. Die Kanzelle ist die begrenzte Luftkammer im Stimmstock. Darauf befestigte Stimmplatten tragen dünne metallene Stimmzungen. Je nach Bauart und Registerwahl erklingen ein oder mehrere Chöre, also Stimmzungensätze in bestimmten Tonlagen oder Stimmungen. Ventile unterstützen die vorgesehene Strömungsrichtung und verhindern unerwünschten Luftdurchtritt. Der Diskant dient überwiegend der Melodie, die Bassseite dem Bass und der Begleitung.

Funktionsschema eines Knopfs mit Klappe, Luftkammer und Zunge; die englischen Beschriftungen werden im Text übersetzt. Necz0r, CC BY-SA 3.0.
Eine gelöste Klappe, undichte Balgfalte oder lockere Stimmplatte verändert nicht automatisch die Tonhöhe, kann aber Ansprache, Luftverbrauch, Lautstärke oder Nebengeräusche beeinflussen. Prüfe deshalb nie nur die Frequenz. Unterscheide Ton (Schwingung und gehörte Tonhöhe), Ansprache (wie zuverlässig der Ton beginnt), Stimmreinheit und Geräuschfreiheit. Eine Befundbeschreibung „Ton fehlt beim Zug, erklingt beim Druck“ ist aussagekräftiger als „Akkordeon kaputt“.
Physik der Klangerzeugung
Vom Luftdruck zur Schwingung
Das Akkordeon gehört zu den Aerophonen. Eine durchschlagende Zunge ist ein einseitig befestigtes, elastisches Metallteil, das im passenden Schlitz der Stimmplatte schwingen kann. Wenn die Luft durch einen geöffneten Kanal strömt, entsteht ein Zusammenspiel von Strömung, Druckunterschieden und Rückstellkraft. Die Stimmzunge schwingt periodisch; die Luft wird zu Druckschwankungen angeregt und breitet diese als Schallwelle aus. Die Zunge schlägt dabei nicht wie ein Hammer auf eine Saite. Bei vielen Stimmplatten sind für die entgegengesetzten Balgrichtungen getrennte Zungen vorhanden.

Foto einer Stimmplatte mit sichtbarer Zunge, Niet und Ventil; die Gegenseite trägt die weitere Zunge. Bernard Loffet, CC BY 3.0.

Geöffnetes Knopfakkordeon mit Stimmzungen und Detailansicht; Nathan McKnight, CC BY-SA 2.5.
Frequenz f gibt die Schwingungen je Sekunde in Hertz (Hz) an. Die Periodendauer T ist die Zeit einer vollständigen Schwingung: T = 1/f. Bei f = 440 Hz ergibt sich T = 1/440 s ≈ 0,00227 s = 2,27 Millisekunden. Eine schnellere periodische Schwingung wird bei sonst vergleichbaren Bedingungen als höherer Ton gehört. Die Schwingungsamplitude steht mit der Schallstärke in Beziehung; hörbare Lautstärke hängt zusätzlich vom Spektrum, Abstand und Gehör ab. Ein schnellerer Balgzug bedeutet deshalb nicht automatisch eine höhere Tonhöhe. Materialeigenschaften, wirksame Länge, Masse und Steifigkeit der Stimmzunge wirken gemeinsam auf ihre Eigenfrequenz.
Klangfarbe, Obertöne und Ansprache
Die Grundfrequenz bestimmt maßgeblich die wahrgenommene Tonhöhe. Obertöne sind höhere Teilschwingungen, deren Mischung mit der Grundschwingung die Klangfarbe prägt. Stimmzungenform, Kanzelle, Luftführung, Gehäuse und Registrierung beeinflussen das hörbare Spektrum. Ein Ton kann die richtige Frequenz haben und trotzdem rau, instabil, verzögert oder ungleichmäßig klingen. Achte deshalb auf den Klangbeginn, das Ausschwingen, das Register und den Vergleich zwischen Zug und Druck.
Sichere Modellbeobachtung: Lass unter Anleitung ein flexibles Kunststofflineal wenige Zentimeter über eine abgerundete Tischkante ragen und zupfe es sanft an; untersuche, was sich bei kürzerem freien Ende verändert. Dies ist ein Schwingungsmodell, nicht dieselbe Bau- oder Strömungsphysik einer Stimmzunge. Alternativ benutze einen digitalen Oszillator und ein Oszilloskop in einer Simulation. Keine Stimmzungen ausbauen, verbiegen, anfeilen, löten oder ohne befugte Aufsicht am Instrument arbeiten.
Fachvideo zur Schwingung:
Deutschsprachiges Erklärvideo „Wie entstehen Töne?“ von Physik – simpleclub (2015); ergänzt die Grundlagen der Schallentstehung. Das Video wird verlinkt beziehungsweise über die Plattform abgespielt, nicht als OER umgelizenziert.
Tonhöhe, Stimmung, Schwebung und Register
Frequenzen und Intervalle berechnen
Für Rechenbeispiele verwenden wir eine gleichstufige Zwölf-Halbton-Stimmung mit dem hier als Referenz vereinbarten Kammerton a' = 440 Hz. Ein Halbtonschritt ändert die Frequenz um den Faktor 2^(1/12) ≈ 1,059463; zwölf Halbtonschritte, also eine Oktave, verdoppeln die Frequenz. Eine Frequenz n Halbtöne vom Referenzton entfernt ist f(n) = 440 Hz · 2^(n/12).
Rechenbeispiel 1: Ein Halbton oberhalb von a' liegt b' beziehungsweise ais' bei 440 · 2^(1/12) ≈ 466,16 Hz. Eine Oktave unterhalb von a' liegt a bei 440/2 = 220 Hz. Der Unterschied zwischen „ein Halbton höher“ und „ein Hertz höher“ ist erheblich: Halbtonabstände sind Frequenzverhältnisse, keine konstanten Hertz-Differenzen. Die konkreten Stimmvorgaben richten sich nach Instrument, Register und Auftrag; 440 Hz ist hier eine vereinbarte Modellreferenz, kein allgemeiner gesetzlicher Sollwert.
Die Feinabweichung wird häufig in Cent ausgedrückt. Eine Oktave umfasst 1200 Cent, ein gleichstufiger Halbton 100 Cent. Für Messwert f und Referenz f0 gilt: Δc = 1200 · log2(f/f0). Eine Verdopplung ergibt 1200 Cent, eine Abweichung von 442 statt 440 Hz ergibt etwa +7,85 Cent. Bei der Prüfung musst du immer angeben, auf welchen Sollton und welche Stimmung du dich beziehst.
Warum zwei fast gleiche Töne pulsieren
Klingen zwei nahe Frequenzen gleichzeitig, entsteht eine hörbare Schwebung: Die Lautstärke nimmt periodisch zu und ab. Näherungsweise gilt für die Schwebungsfrequenz fS = |f1 − f2|. Treffen 440 Hz und 442 Hz zusammen, hörst du ungefähr zwei Schwebungen pro Sekunde. Bei 440 Hz und 445 Hz sind es fünf Schwebungen pro Sekunde. Ein absichtlich gegeneinander gestimmter Chor kann diesen Effekt als Tremolo nutzen. Daher ist „Schwebung vorhanden“ allein kein Fehlerbefund; entscheidend ist die gewünschte Klangkonzeption.
Typischer Fehler: Tonhöhe, Cent-Abweichung und Schwebungszahl verwechseln. Hertz beschreibt eine Frequenz; Cent einen logarithmischen Tonhöhenabstand; Schwebungen pro Sekunde die Differenz zweier gleichzeitig klingender Frequenzen. Eine Smartphone-Tuner-App kann eine erste Orientierung liefern, ersetzt aber keine geprüfte Arbeitsmessung und muss bei mehrchörigem Klang kritisch interpretiert werden.
Register und Vergleich der Balgrichtungen
Ein Register schaltet, je nach Konstruktion, bestimmte Chöre zu oder ab. Ein Chor kann in einer anderen Oktavlage oder mit leichter Verstimmung erklingen. Für die Prüfung notierst du Instrumententyp, Register, Tonposition, Zug oder Druck, Referenzstimmung, Messmethode und Umgebungsbedingungen. Vergleiche gleichartige Einstellungen; sonst führst du einen scheinbaren Klangfehler möglicherweise nur auf unterschiedliche Registerkombinationen zurück. Bei wechseltönigen Instrumenten ist die gleiche Taste je Richtung nicht zwingend der gleiche Notenton.
Filmbeispiel: WDR „Wie funktioniert ein Akkordeon?“ (29.04.2026, deutsch) erläutert Stimmzungen und Klangerzeugung. Die Sendung ist ein externes Video des WDR, keine frei lizenzierte Kursgrafik.
Musikalische Grundlagen für die Funktionskontrolle
Notensystem und Tonbezeichnungen
In der Notenschrift liegen Töne auf und zwischen den fünf Linien eines Systems. Der Violinschlüssel legt g' auf die zweite Linie von unten, der Bassschlüssel f auf die zweite Linie von oben. Im deutschen Sprachgebrauch heißen die Stammtonnamen C, D, E, F, G, A, H; der erniedrigte Ton H heißt B. Ein Kreuz erhöht und ein Be erniedrigt einen Ton grundsätzlich um einen Halbton im üblichen chromatischen Notationssystem. Vorzeichen und die Tonartvorzeichnung sind zu unterscheiden.

Notenlagen im Violin- und Bassschlüssel; englische Tonbezeichnungen beachten: B entspricht im deutschen Sprachgebrauch H, B-flat dem deutschen B. G / Georgezh9617, CC BY-SA 4.0.
Übung: Notiere eine Tonfolge c'–d'–e'–f'–g' zunächst als Buchstaben, dann auf einem Notensystem. Übertrage sie auf ein konkretes Instrument nur mithilfe der passenden Griff- oder Tastaturbelegung. Eine Pianotastatur und ein Knopfgriffsystem folgen nicht derselben physischen Anordnung.
Rhythmus, Takt und musikalischer Zusammenhang
Die Viertelnote hat in üblicher Relativzählung den halben Wert einer halben Note und den doppelten Wert einer Achtelnote; eine Viertelpause dauert entsprechend lang wie eine Viertelnote. Im Vier-Viertel-Takt passen vier Viertelwerte in einen Takt, im Drei-Viertel-Takt drei. Für die Funktionskontrolle ist ein wiederholbarer kurzer Rhythmus nützlich: So kannst du Ansprechverhalten und Tonabbrüche gezielt beobachten. Der Takt legt aber keinen festen Minutenwert fest; das Tempo bestimmt die Dauer des Schlages.
Beispiel: Bei 60 Viertelschlägen pro Minute dauert ein Viertelschlag 1 s, ein 4/4-Takt 4 s. Bei 120 Viertelschlägen pro Minute dauert er 2 s. Das ist die Rechnung 60 s / 60 beziehungsweise 60 s / 120, jeweils multipliziert mit vier Schlägen. Verwende bei Klangprüfungen ein konstantes Tempo und angemessene Lautstärke, statt sehr schnell oder mit starkem Balgdruck zu spielen.
Tonleitern, Intervalle und Akkorde
Eine Durtonleiter folgt in der gleichstufigen Darstellung dem Halbtonmuster 2–2–1–2–2–2–1. C-Dur enthält C–D–E–F–G–A–H–C. Ein Intervall ist der Abstand zweier Töne: C–E bildet eine große Terz, C–G eine reine Quinte. Der Dreiklang C-Dur besteht aus C–E–G; C-Moll aus C–Es–G. Beim Begleiten sollst du hören und dokumentieren können, ob der passende Bass oder Akkord zum Melodieton erklingt. Beim Wechselbass kann ein einziger Tastendruck einen vorgefertigten Akkord auslösen. Die Zuordnung der Bassknöpfe hängt vom Instrumentensystem ab.
Typische Missverständnisse: „C“ benennt ohne Oktave keine eindeutige absolute Frequenz. Ein sichtbarer Knopf bezeichnet ohne Griffplan keine universell gültige Tonhöhe. Ein Akkord ist mehr als nur eine besonders laute Einzelnote. Ein konstruktionsbedingt anderer Ton bei Zug und Druck ist nicht automatisch ein Reparaturfehler.
Beruflicher Prüfauftrag, Arbeitssicherheit und Qualität
Auftrag verstehen, planen und Grenzen beachten
Ein vollständiger Auftrag enthält Ausgangslage, Instrumententyp, gewünschte Stimmung oder Klangcharakteristik, Umfang der Kontrolle und dokumentierbare Abnahmekriterien. Frage nach dem Register und der Balgrichtung, bevor du Messwerte vergleichst. Für diesen Lernbereich reichen nichtinvasive Klangbeobachtung, Simulationsdaten, Gehörvergleich und Analyse einer freigegebenen Prüfaufnahme. Fachliche Eingriffe wie Öffnen, Stimmen, Löten, Wachsen, scharfkantiges Bearbeiten sowie Arbeiten an Maschinen dürfen nur durch hierzu befugte und unterwiesene Personen mit passender Aufsicht und Schutzmaßnahmen erfolgen.
Arbeits- und Gesundheitsschutz beginnen mit der Gefährdungsbeurteilung. Berücksichtige laute Probesignale, Gehör, Haut- und Schnittverletzungen, ergonomische Haltung sowie mögliche Dämpfe oder Stäube bei späteren Instandsetzungsarbeiten. Im Unterricht: moderate Lautstärke, kurze Hörintervalle, Pausen und keine Druckluftreinigung. Maßgeblich sind insbesondere die betriebliche Gefährdungsbeurteilung nach § 5 ArbSchG, die TRLV Lärm und die DGUV-Hinweise zum Gehörschutz; aktuelle Herstellerinformationen und örtliche Unterweisungen haben Vorrang vor pauschalen Internetanleitungen.
Nachhaltigkeit: Schonende Prüfung vor Teiletausch vermeidet unnötigen Material- und Energieverbrauch. Bei Reparaturentscheidungen sind Wiederverwendbarkeit, Reparierbarkeit, fachgerechte Trennung von Holz, Metall, Klebstoffresten und Elektronik sowie die Herkunft von Ersatzteilen mitzudenken. Digitalisierung: Dokumentiere Messwerte nachvollziehbar und prüfe Geräte- oder App-Einstellungen (Stimmreferenz, Mikrofon, Kalibrierung, Sampling, Raumgeräusche). Speichere für Lernaufgaben ausschließlich fiktive Auftragskennungen und keine echten Kundennamen, personenbezogenen Audioaufnahmen oder Betriebsgeheimnisse.
Vollständig gelöster Praxisfall: zweichörige Klangprüfung
Fiktiver Auftrag: Ein Schulungsmodell eines gleichstönigen Pianoakkordeons soll im vorgegebenen Register beim Ton a' zwei Chöre mit Sollfrequenzen 440,0 Hz und 442,0 Hz erzeugen. Vereinbart ist eine Schwebung von 2,0 ± 0,5 pro Sekunde. Vorgegebene, bereits sicher erfasste Simulationsmesswerte sind 440,0 Hz und 445,0 Hz; es wird kein echtes Instrument geöffnet, verändert oder unter Druck gesetzt.
Auftragsanalyse: Das Soll betrifft ausdrücklich diese Registerkombination und diesen Ton. Eine andere Balgrichtung oder ein anderes Register wäre ein anderer Prüffall. Die Modellmessung kann eine rechnerische Abweichung zeigen, ersetzt jedoch keine reale Diagnose von Luftführung, Temperatur, Spielwind und Messgerät.
Arbeitsplan:
- Prüfauftrag, Ton a', Instrumentenbauart, Register, Sollwerte und Toleranz auf dem Arbeitsblatt festhalten.
- Risiken beurteilen; für die Übung ausschließlich die bereitgestellten Frequenzdaten und gegebenenfalls leise Audiosimulation nutzen.
- Referenzton 440,0 Hz und zweite Sollfrequenz 442,0 Hz eintragen; Soll-Schwebung berechnen.
- Vorgegebene Ist-Frequenzen 440,0 Hz und 445,0 Hz in eine Prüftabelle übernehmen.
- Ist-Schwebung berechnen und mit der vertraglich vereinbarten Toleranz vergleichen.
- Ursachen nur als prüfbare Hypothesen beschreiben: falsche Stimmreferenz, unpassender Chor oder fehlerhafte Messzuordnung.
- Ergebnis mit Datum der Übung, fiktiver Kennung, Messmethode und Entscheidung dokumentieren.
- Eine etwaige tatsächliche Werkstattprüfung und Instandsetzung an befugte Fachpersonen weitergeben.
Rechenweg: Soll-Schwebung = |442,0 − 440,0| Hz = 2,0 Hz. Ist-Schwebung = |445,0 − 440,0| Hz = 5,0 Hz. Abweichung = 5,0 − 2,0 = +3,0 Hz. Akzeptanzbereich aus dem Auftrag: 1,5 bis 2,5 Hz. Da 5,0 Hz außerhalb dieses Bereichs liegt, lautet das Ergebnis nicht bestanden. Die zweite Zunge liegt im Modell 3,0 Hz über ihrem Sollwert, aber diese Abweichung allein beweist noch nicht die Ursache. Als ergänzende Größe ergibt sich relativ zu 442,0 Hz ungefähr 1200 · log2(445/442) = +11,7 Cent. Cent-Abweichung und Schwebungsfrequenz haben unterschiedliche Bezugswerte.
| Prüfkriterium | Soll | Ist aus Simulation | Entscheidung |
|---|---|---|---|
| Referenzchor a' | 440,0 Hz | 440,0 Hz | Übereinstimmung |
| Zweiter Chor a' | 442,0 Hz | 445,0 Hz | Abweichung +3,0 Hz |
| Schwebung | 2,0 Hz | 5,0 Hz | Außerhalb 1,5–2,5 Hz |
| Prüfentscheidung | Innerhalb Vorgabe | Nicht erfüllt | Fachliche Nachprüfung veranlassen |
Prüfbares Arbeitsergebnis: Ein einseitiges Prüfprotokoll mit fiktivem Auftrag „ÜB-LB1-5-A“, Soll-Ist-Tabelle, Berechnungen mit Einheiten, Sicherheitsvermerk, begründeter Entscheidung und Handlungsempfehlung. Eine unzulässige „Reparatur“ ohne Ausbildung oder Aufsicht ist gerade kein erwünschtes Ergebnis.
Bewertungsraster für den Praxisfall (20 Punkte):
| Kriterium | Maximalpunkte | Vollständige Leistung |
|---|---|---|
| Auftrag und Bauteilbezug | 4 | Richtiger Ton, Register, beide Chöre und Sollkriterien benannt |
| Arbeits- und Sicherheitsplanung | 4 | Nachvollziehbare Schritte, sichere Simulation und klare Zuständigkeiten |
| Rechnung und Einheiten | 4 | Soll 2,0 Hz, Ist 5,0 Hz und Abweichung +3,0 Hz richtig |
| Prüfung und Begründung | 4 | Grenzbereich angewendet, Entscheidung fachlich begründet, Messgrenzen erkannt |
| Dokumentation und Nachhaltigkeit | 4 | Vollständige Tabelle, fiktive Kennung und schonende Handlungsempfehlung |
Orientierung: 18–20 Punkte sehr sicher, 14–17 überwiegend sicher, 10–13 mit Lücken, 0–9 erneute Bearbeitung empfohlen. Die Einordnung ist eine didaktische Übungsrubrik und keine amtliche Prüfungsbewertung.
Berufseinblick als Video: SWR „Handwerkskunst: Wie man ein Akkordeon baut“ (27.10.2024, deutsch) zeigt die Komplexität der Fertigung und die Notwendigkeit fachkundiger Arbeit.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Prüfe dein Wissen
Welches Bauteil erzeugt beim akustischen Akkordeon hauptsächlich die periodische Anregung der Luft? (Stimmzunge) (!Lautsprechermembran) (!Saitenbogen) (!Schlagfell)
Welche Aufgabe übernimmt der Balg beim Handzuginstrument? (Er stellt den erforderlichen Spielwind bereit) (!Er bestimmt allein die Tonleiter) (!Er ersetzt die Tonklappen) (!Er misst die Stimmung automatisch)
Wie viele vollständige Schwingungen entsprechen einer Frequenz von 440 Hertz in einer Sekunde? (440 Schwingungen) (!44 Schwingungen) (!880 Schwingungen) (!220 Schwingungen)
Welches Frequenzverhältnis hat eine Oktave bei gleicher Stimmungsgrundlage? (Zwei zu eins) (!Drei zu zwei) (!Fünf zu vier) (!Eins zu eins)
Welche Schwebung entsteht näherungsweise zwischen 440 und 443 Hertz? (Drei Schwebungen pro Sekunde) (!Vierhundertdreiundvierzig Schwebungen pro Sekunde) (!Eine Schwebung pro Minute) (!Keine Schwebung)
Was bedeutet wechseltönig bei einer Handharmonika? (Ein Knopf kann beim Zug und Druck verschiedene Töne auslösen) (!Jeder Ton besitzt immer zwei Oktaven) (!Jedes Register verändert nur die Lautstärke) (!Alle Knöpfe erzeugen dieselbe Tonhöhe)
Welcher Dreiklang entspricht C-Dur? (C E G) (!C Es G) (!C F G) (!C D F)
Wie viele Viertelwerte passen in einen vollständigen Dreivierteltakt? (Drei Viertelwerte) (!Vier Viertelwerte) (!Zwei Viertelwerte) (!Sechs Viertelwerte)
Welcher Befund ist im simulierten Praxisfall korrekt? (Fünf Hertz Schwebung liegen außerhalb der vereinbarten Toleranz) (!Die Sollschwebung beträgt fünf Hertz) (!Das Instrument muss ohne Aufsicht geöffnet werden) (!Jede Schwebung beweist eine defekte Stimmplatte)
Welche Dokumentation ist für eine sichere Prüfung besonders geeignet? (Ein anonymes Soll-Ist-Protokoll mit Methode und Entscheidung) (!Eine Vermutung ohne Messwert und Einheit) (!Ein Foto mit echten Kundendaten im öffentlichen Chat) (!Ein Tonvergleich ohne Registerangabe)
Memory: Begriff und Erklärung
| Balg | Bewegliches Bauteil zur Erzeugung des Spielwinds |
| Kanzelle | Luftkammer am Stimmstock |
| Durchschlagzunge | Schwingendes Metallteil in einem passenden Schlitz |
| Frequenz | Zahl vollständiger Schwingungen pro Sekunde |
| Schwebung | Periodische Pegelschwankung bei nahen Frequenzen |
| Register | Schaltmöglichkeit zur Auswahl bestimmter Chöre |
Drag-and-drop: Prüfbegriffe zuordnen
| Ordne den passenden Fachbegriff zu. | Beschreibung |
|---|---|
| Grundfrequenz | Sie ist für die wahrgenommene Tonhöhe besonders wichtig. |
| Amplitude | Sie steht mit der Stärke einer Schwingung in Zusammenhang. |
| Cent | Diese Einheit beschreibt einen logarithmischen Tonhöhenabstand. |
| Ansprache | Sie beschreibt das Einsetzen eines Tons beim Spielen. |
| Soll-Ist-Vergleich | Er stellt vertraglich vereinbarte Zielwerte gemessenen Werten gegenüber. |
Kreuzworträtsel
| Stimmstock | Welches Bauteil trägt mehrere Stimmplatten auf Luftkanälen? |
| Kanzelle | Wie heißt die einzelne Luftkammer am Stimmstock? |
| Register | Was schaltet bestimmte Klangchöre zu oder ab? |
| Schwebung | Wie heißt das periodische Lauter- und Leiserwerden zweier naher Töne? |
| Halbton | Wie heißt der kleinste Schritt der gleichstufigen chromatischen Tonleiter? |
| Tonhöhe | Welche Klangeigenschaft hängt wesentlich von der Frequenz ab? |
LearningApps
Nutze die thematische Suche, wähle eine fachlich passende Aktivität und prüfe Aussagen anhand dieses Kurses. Eine Suchergebnisseite ist keine vorab geprüfte Einzelübung:
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Bauteilskizze: Zeichne Balg, Taste, Klappe, Stimmstock und Stimmzunge in eine vereinfachte Funktionsskizze ein und markiere den Luftweg mit Pfeilen.
- Schwingung erklären: Formuliere in fünf eigenen Sätzen den Unterschied zwischen Schwingung, Frequenz, Lautstärke und Klangfarbe.
- Notennamen lesen: Schreibe für eine selbst entworfene fünftönige Melodie die Tonnamen und Viertel- beziehungsweise Achtelwerte auf.
- Sicherheitscheck: Erstelle eine Checkliste mit mindestens sechs Schutzmaßnahmen für eine reine Hör- und Simulationsprüfung im Unterricht.
Standard
- Tonhöhenrechnung: Berechne die Frequenz einer Oktave über 220 Hz und eines Halbtons über 440 Hz; begründe, warum ein konstanter Hertz-Abstand kein Halbtonmaß ist.
- Audiomodell: Vergleiche in einer leisen, selbst erzeugten Simulation die Tonpaare 440/441 Hz und 440/445 Hz; protokolliere Unterschiede in der Schwebung ohne personenbezogene Aufnahmen.
- Instrumentenvergleich: Erstelle eine Tabelle zu einer gleich- und einer wechseltönigen Bauart mit Spielwind, Bedienung, Tonauswahl und je einer typischen Prüfanforderung.
- Prüfprotokoll: Übertrage die Musterdaten des Praxisfalls in ein eigenes anonymes Protokoll mit Einheiten, Grenzwerten und begründeter Entscheidung.
Schwer
- Fehleranalyse: Entwickle drei konkurrierende Hypothesen für eine instabile Ansprache bei korrekter Grundfrequenz; lege für jede eine risikoarme, unter Aufsicht prüfbare Beobachtung fest.
- Stimmkonzeption: Vergleiche für ein fiktives zweichöriges Register die Sollpaare 440/440 Hz, 440/442 Hz und 440/445 Hz hinsichtlich Schwebung, Klangabsicht und Abnahmekriterien.
- Musikalischer Testplan: Entwerfe einen kurzen Test aus einer C-Dur-Tonleiter, einem C-Dur-Dreiklang und einem Dreiviertelrhythmus; begründe, welche technischen Fehler sich damit feststellen lassen.
- Entscheidungsvorlage: Schreibe eine fiktive Empfehlung „erst messen, dann reparieren“ und bewerte Kosten, Materialersparnis, Zuständigkeiten, Datenminimierung sowie Grenzen der Simulationsprüfung.


Lernkontrolle
- Funktionskette: Erkläre mit einer eigenen Zeichnung und einem zusammenhängenden Text die Wirkungsfolge von Balg, Klappe, Kanzelle, Zunge und Luftschall; markiere zwei mögliche Fehlerorte.
- Rechenkontrolle: Leite aus 440 Hz die Periodendauer und die Oktavfrequenz ab; kontrolliere Einheiten und sinnvolle Rundung.
- Transferrechnung: Ein Musterpaar hat Soll 440/442 Hz, gemessen werden 439/443 Hz; berechne Soll- und Ist-Schwebung und beurteile den Befund bezogen auf die im Praxisfall vereinbarte Toleranz.
- Musikalischer Transfer: Stelle C-Dur und C-Moll gegenüber und erläutere, wie ein falscher Akkordknopf bei gleichem Rhythmus hörbar wird.
- Prüfentscheidung: Beurteile, ob eine einzelne Tuner-Anzeige die Endkontrolle ersetzt; nenne mindestens vier zusätzliche Angaben oder Tests und ordne sie dem Auftrag zu.
- Sicherheitsbegründung: Begründe anhand einer Gefährdungsbeurteilung, warum eine Simulation im ersten Ausbildungsjahr eine geeignete Alternative zum eigenständigen Stimmen und Bearbeiten von Stimmzungen ist.
Lernnachweis
Lege eine Lernmappe LB1-5 mit diesen prüfbaren, ausschließlich fiktiven oder freigegebenen Ergebnissen an:
- Eine fachlich beschriftete Funktionsskizze mit korrektem Luftweg und fünf erklärten Bauteilen.
- Ein Notenblatt mit fünf Tönen und einem notierten Takt samt Ton- und Rhythmusbezeichnungen.
- Zwei nachvollziehbare Rechnungen zu Tonhöhe oder Periodendauer und Schwebung, jeweils mit Rechenweg, Einheit und kurzer Plausibilitätskontrolle.
- Das vollständige Prüfprotokoll „ÜB-LB1-5-A“ mit Soll-Ist-Tabelle, Toleranzentscheidung, sicheren Arbeitsschritten und Bewertungsraster.
- Eine reflektierte Fehleranalyse: Was ist anhand der Simulation belegt, was bleibt offen, wer darf in einer realen Werkstatt entscheiden und handeln?
- Ein Quellen- und Medienverzeichnis mit Abrufdatum, Urheber und Lizenz beziehungsweise Nutzungsstatus.
Selbstbewertung: Du kannst den Klangweg erklären, Musik- und Messbegriffe sauber trennen, mindestens zwei Frequenzrechnungen fehlerfrei durchführen, die vereinbarten Abnahmekriterien anwenden und die Prüfung datensparsam und sicher dokumentieren. Die Lehrkraft oder Ausbilderin bewertet die Lernmappe anhand des oben ausgewiesenen Rasters und fachlichen Feedbacks.
OER und Wikipedia
Frei zugängliche Sachquellen und Rechtsrahmen (Stand: Oktober 2026; vor betrieblicher Nutzung aktuelle Fassungen prüfen):
- BIBB: Handzuginstrumentenmacher/in – Berufsprofil, Ausbildungsordnung und Verweis auf Rahmenlehrplan.
- Ausbildungsordnung von 1997 und Ausbildungsrahmenplan – Rechtsquellen; Lehrplanabgleich erforderlich, keine Übernahme längerer Normtexte.
- KMK: Rahmenlehrpläne – historischer Rahmenlehrplan 21.11.1996, im Land und Betrieb prüfen.
- Schott Music: Bau und Material – technische Erläuterung zu Stimmzunge, Stimmplatte und Luftführung; zugängliche Fachinformation, nicht automatisch OER.
- § 5 ArbSchG · BAuA: TRLV Lärm · DGUV: Gehörschutz – verbindliche beziehungsweise fachliche Orientierung für betriebliche Schutzmaßnahmen.
- Wikipedia: Durchschlagende Zunge und Wikipedia: Akkordeon – offen weiterbearbeitbare Grundlagenartikel; Autorenschaft und jeweilige Seitenlizenz beachten.
Geprüfte Bildmedien mit Herkunft und Nutzungsrechten (Originaldateien auf Wikimedia Commons):
| Datei | Quellenseite | Urheber | Lizenz und Nachweis |
|---|---|---|---|
| File:Accordion.svg | Commons-Dateiseite | ArtFavor | CC0 1.0 |
| File:Accordion button mechanism.svg | Commons-Dateiseite | Necz0r | CC BY-SA 3.0 |
| File:Anche d'accordéon.jpg | Commons-Dateiseite | Bernard Loffet | CC BY 3.0 |
| File:Reedsinset.jpg | Commons-Dateiseite | Nathan McKnight | CC BY-SA 2.5 |
| File:Treble clef and Bass clef.svg | Commons-Dateiseite | G / Georgezh9617 | CC BY-SA 4.0 |
Deutschsprachige Videos, einzeln geprüft und thematisch zugeordnet: Physik – simpleclub: „Wie entstehen Töne?“ (13.09.2015) – Schwingungsgrundlagen; WDR: „Wie funktioniert ein Akkordeon?“ (29.04.2026) – Stimmzungen; SWR: „Wie man ein Akkordeon baut“ (27.10.2024) – Berufspraxis. Diese Videos sind verlinkte Fremdmedien mit Rechten der jeweiligen Anbieter, keine frei nachnutzbaren Lehrfilme. Für Unterricht und Weiterverwendung Nutzungsbedingungen beachten. Die Commons-Lizenzen gelten nur für die konkret genannten Bilder; Lizenzhinweise, Namensnennung und gegebenenfalls Weitergabe unter gleichen Bedingungen beibehalten.
Offene Projektidee: Erstelle mit einer eigenen, nicht personenbeziehbaren Balgskizze und frei gewählten Rechenwerten ein ergänzendes OER-Arbeitsblatt und kennzeichne selbst erstellte Inhalte mit einer geeigneten freien Lizenz.
Verknüpfte Lernbereiche
Die Inhalte verknüpfen physikalische Grundlagen, musikalisches Hören und Lesen, Mathematik für Mess- und Tonhöhenberechnungen, Technik zur Instrumentenfunktion sowie Nachhaltigkeit, Datenschutz und Arbeitsschutz im beruflichen Handeln. Weiterführende Lernprojekte: digitales Schwebungsmodell, vergleichende Bauartenkarte, datensparsames Prüfprotokoll und eine sichere Klangdemonstration im Betrieb unter fachkundiger Aufsicht.
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