Rechte und Pflichten im Ausbildungsverhältnis - Friseur - 1. Ausbildungsjahr
Einleitung
Du beginnst deine duale Berufsausbildung im Friseurhandwerk. Im Salon übst du fachliche Arbeit, in der Berufsschule erwirbst du berufliche und allgemeine Kenntnisse. Beide Lernorte gehören zusammen. Rechte schützen deine Ausbildung, deine Gesundheit und deine Lernzeit; Pflichten sorgen dafür, dass du sorgfältig und verlässlich mitarbeitest. In diesem Kurs unterscheidest du rechtlich begründete Ansprüche von Wünschen, analysierst typische Situationen und erstellst einen begründeten Handlungsplan für einen fiktiven Salon.
Lernziele: Du kannst einen Berufsausbildungsvertrag lesen, Rechte und Pflichten beider Seiten anhand aktueller Rechtsquellen erklären, Arbeits- und Schulzeiten prüfen, sichere Entscheidungen treffen und einen berufstypischen Auftrag geplant, dokumentiert und anhand eines Rasters bewerten. Alle Fallpersonen und Betriebsangaben sind erfunden. Der Kurs ersetzt weder die Beratung der zuständigen Handwerkskammer noch den betrieblichen Ausbildungsplan und den landesbezogenen Lehrplan.

Friseurarbeit umfasst Beratung, fachliche Betreuung und verantwortliches Handeln. Bild: Rwebogora, CC BY-SA 4.0; vollständiger Bildnachweis im OER-Abschnitt.
Das Ausbildungsverhältnis verstehen
Betrieb, Schule und zuständige Stelle
Der staatlich anerkannte Ausbildungsberuf Friseur/Friseurin dauert regulär drei Jahre (36 Monate). Maßgeblich sind die Friseur-Ausbildungsverordnung von 2008 in der konsolidierten Fassung mit Änderungen bis 2022, der Ausbildungsrahmenplan, der einschlägige Rahmenlehrplan und der konkrete betriebliche Ausbildungsplan. In der Ausbildung lernst du unter anderem Kundenberatung, Haar- und Kopfhautpflege, Arbeitsorganisation, Hygienemaßnahmen und die sachgerechte Nutzung von Werkzeugen. Welche Inhalte im ersten Ausbildungsjahr wann geübt werden, muss im betrieblichen Plan und im Lehrplan deines Bundeslandes konkretisiert werden. Zuständige Stelle für das Friseurhandwerk ist die regional zuständige Handwerkskammer; sie kann bei Ausbildungsfragen beraten. Die Berufsschule ist ein eigener Lernort und nicht einfach ein freier Tag.
Quellen: BIBB-Berufsprofil Friseur/Friseurin und geltende Friseur-Ausbildungsverordnung.
Vertrag, Probezeit und Begriffe
Ein Berufsausbildungsvertrag legt unter anderem Ausbildungsziel, sachliche und zeitliche Gliederung, Beginn, Dauer, Ausbildungsstätte, regelmäßige Ausbildungszeit, Probezeit, Vergütung, Überstundenausgleich und Urlaub fest. Nach § 11 Berufsbildungsgesetz (BBiG) ist der wesentliche Vertragsinhalt rechtzeitig vor Ausbildungsbeginn in Textform abzufassen; das ist von der Schriftform einer Kündigung zu unterscheiden. Die Probezeit muss nach § 20 BBiG mindestens einen und darf höchstens vier Monate dauern. Während der Probezeit kann grundsätzlich ohne Kündigungsfrist gekündigt werden, die Kündigung selbst muss aber schriftlich erfolgen. Nach der Probezeit bestehen strengere Voraussetzungen nach § 22 BBiG; ein bloßer Wechselwunsch zu einem anderen Salon ist nicht automatisch die gesetzliche Vierwochenkündigung für die Aufgabe des Berufs oder eine andere Berufstätigkeit.
Merksatz: Vertrag lesen, Ausbildungsplan einsehen, offene Fragen zeitnah und sachlich mit der Ausbildungsperson klären. BBiG § 11, § 20 und § 22.
Rechte der Auszubildenden und Pflichten des Betriebs
Planmäßige Ausbildung und kostenlose Ausbildungsmittel
Nach § 14 BBiG muss der Betrieb dich zielgerichtet ausbilden oder eine geeignete Person ausdrücklich damit beauftragen. Notwendige Ausbildungsmittel wie Scheren, Übungsmaterialien, Fachliteratur und erforderliche digitale Arbeitsmittel sind grundsätzlich kostenlos bereitzustellen. Aufgaben müssen dem Ausbildungszweck dienen und deinen körperlichen Kräften angemessen sein. Zum Lernziel kann es gehören, Arbeitsplatz und Materialien hygienisch vorzubereiten; ausschließlich stundenlang ausbildungsfremde Hilfsarbeit statt fachlichen Lernens ist dagegen problematisch. Der Ausbildungsbetrieb muss Gelegenheit geben, das Berichtsheft am Arbeitsplatz zu führen, und die Einträge regelmäßig ansehen. Die Ausbildungsnachweise können schriftlich oder elektronisch geführt werden.

Scheren, Kämme und Klammern sind berufstypische Arbeitsmittel; Schutz und sachgemäße Pflege gehören zur Ausbildung. Bild: Oxfordian Kissuth, CC BY-SA 3.0.
Quelle: BBiG § 14.
Freistellung für Berufsschule und Prüfungen
Nach § 15 BBiG wirst du für Berufsschulunterricht und vorgeschriebene Ausbildungsmaßnahmen freigestellt. Einmal in der Woche wird ein Berufsschultag mit mehr als fünf Unterrichtsstunden von jeweils mindestens 45 Minuten mit der durchschnittlichen täglichen Ausbildungszeit angerechnet; an diesem Tag ist keine zusätzliche betriebliche Beschäftigung vorgesehen. In Blockwochen gelten eigene Voraussetzungen. Normale Unterrichtszeit wird mitsamt Pausen und notwendigen Wegen zwischen Schule und Betrieb nach den gesetzlichen Vorgaben angerechnet. Bei Minderjährigen ist zusätzlich das Jugendarbeitsschutzgesetz zu beachten. Typischer Fehler: sechs Schulstunden als nur sechs Stunden Betriebsanwesenheit behandeln und ungeprüft Arbeit anhängen.
Quelle: BBiG § 15.
Vergütung, Urlaub und Schutz vor Überforderung
Die Ausbildungsvergütung muss angemessen sein und mindestens jährlich steigen. Bei Ausbildungsbeginn 2026 beträgt die gesetzlich fortgeschriebene monatliche Mindestausbildungsvergütung im ersten Ausbildungsjahr grundsätzlich 724 Euro; rechtlich zulässige tarifvertragliche Abweichungen und weitere Vorgaben zur Angemessenheit sind gesondert zu prüfen. Rechenbeispiel: In einem ausdrücklich erfundenen Vertrag stehen 800 Euro monatlich. Das sind 800 Euro minus 724 Euro gleich 76 Euro mehr als dieser Grundbetrag. Daraus folgt noch keine abschließende Beurteilung der Angemessenheit: einschlägige Tarifregelungen und Vertragsbedingungen müssen einbezogen werden. Du hast zudem Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub nach den einschlägigen Gesetzen und gegebenenfalls günstigeren Vereinbarungen. Für Minderjährige gelten besondere Altersstufen; Werktage sind nicht einfach mit Tagen einer Fünftagewoche gleichzusetzen.
Quellen: BBiG § 17, Bekanntmachung 2026, Jugendarbeitsschutzgesetz § 19 und Bundesurlaubsgesetz.
Video zur Orientierung: Das deutschsprachige Video von Ausbildung.de (2021) erläutert Ausbildungsrechte. Wichtig: Einzelne Aussagen, besonders zur damaligen Vertragsform und zu Gesetzesständen, sind nicht mehr aktuell. Nutze für rechtliche Entscheidungen die oben verlinkten aktuellen Gesetzestexte.
Pflichten der Auszubildenden und professionelle Zusammenarbeit
Lernpflicht, Sorgfalt und Weisungen
Nach § 13 BBiG bemühst du dich um das Ausbildungsziel, führst zugewiesene ausbildungsbezogene Aufgaben sorgfältig aus, besuchst den Unterricht, beachtest die Betriebsordnung und folgst den Weisungen dazu befugter Personen im Rahmen der Ausbildung. Du gehst mit Schere, Kamm, Geräten und digitalen Arbeitsmitteln pfleglich um. Eine Weisung, die Schutzregeln verletzt oder eine unzulässige Aufgabe fordert, ist nicht einfach deshalb richtig, weil sie von einer vorgesetzten Person kommt: Stoppe die unsichere Tätigkeit, weise sachlich auf das Problem hin und hole die zuständige Fachaufsicht hinzu. Das Recht auf sichere Ausbildung und deine Mitwirkungspflicht ergänzen einander.

Haarschneideschere als Beispiel für ein fachgerecht zu pflegendes Arbeitsmittel. Bild: Rakoon, CC0 1.0.
Quelle: BBiG § 13.
Berichtsheft, Krankheit, Datenschutz und Konflikte
Das Berichtsheft (Ausbildungsnachweis) hält Lerninhalte fest, nicht vertrauliche Kundendaten. Beispiel für einen anonymen, erfundenen Wochenbericht: „Unter Anleitung Arbeitsplatz hygienisch vorbereitet, Beratungsgespräch an Übungskopf simuliert, Materialbedarf besprochen und Hautschutzplan ausgewertet.“ Ein guter Eintrag benennt Tätigkeit, Lernziel, Anleitung und Reflexion. Ersetzt du einen Nachweis durch „nur geputzt“, sind Lernfortschritte kaum erkennbar. Bei Krankheit informierst du Betrieb und Berufsschule unverzüglich und beachtest die geltenden Melde- und Nachweispflichten. Gib niemals Kundenfotos, Terminlisten, Namen, Telefonnummern, Geschäftsgeheimnisse oder fremde Lernnachweise in private Chats, öffentlich zugängliche KI-Dienste oder soziale Medien ein. Bei Konflikten: sachlich notieren, Gespräch mit der Ausbildungsperson suchen, gegebenenfalls Vertrauenslehrkraft, Jugend- und Auszubildendenvertretung oder zuständige Handwerkskammer einbeziehen.
Video zur Orientierung: Ausbildung.de (2020) beschreibt Lern-, Sorgfalts- und Verschwiegenheitspflichten. Aussagen zum zeitlichen Ablauf einer Krankmeldung sind mit dem aktuellen Recht und den betrieblichen Regelungen abzugleichen.
Arbeits-, Gesundheits-, Umwelt- und Datenschutz im Salon
Minderjährige: Zeit, Pausen und Samstage
Für Jugendliche unter 18 Jahren gilt grundsätzlich eine Höchstarbeitszeit von acht Stunden täglich und 40 Stunden wöchentlich nach § 8 Jugendarbeitsschutzgesetz; gesetzliche Ausnahmen sind eng geregelt. Bei mehr als viereinhalb bis sechs Stunden Arbeitszeit sind mindestens 30 Minuten Ruhepause, bei mehr als sechs Stunden mindestens 60 Minuten erforderlich. Beschäftigung am Samstag kann im Friseurhandwerk zulässig sein, jedoch gelten die weiteren Regeln zur Fünftagewoche und zum Ausgleich. Rechenweg: Ein fiktiver Salonplan von 09:00 bis 17:30 Uhr umfasst 8 Stunden 30 Minuten Anwesenheit. Abzüglich 60 Minuten geeigneter Pausen ergeben sich 7 Stunden 30 Minuten Arbeitszeit. Prüfe zusätzlich, ob die Pausen passend liegen und kein unzulässig langer Arbeitsblock entsteht. Pausen sind echte Erholungsphasen, keine Kundenbetreuung.
Quellen: JArbSchG § 8, § 11 und § 16.
Hautschutz, Gefahrstoffe und sichere Unterweisung
Nassarbeit, Reinigungschemie, Färbemittel und andere Salonprodukte können Haut und Atemwege belasten. Eine Gefährdungsbeurteilung ermittelt Risiken und Schutzmaßnahmen. Die TRGS 530 Friseurhandwerk sowie die BGW-Betriebsanweisung und der Hautschutz- und Händehygieneplan bieten fachliche Orientierung. Der Betrieb organisiert Unterweisungen und stellt erforderliche Schutzausrüstung passend zur Tätigkeit bereit. Die 2025 veröffentlichte DIN EN ISO 374-6 beschreibt besondere Prüfkriterien für Friseurschutzhandschuhe; die praktische Eignung richtet sich weiterhin nach der Gefährdungsbeurteilung, der konkreten Exposition und den Herstellerangaben. Eine Norm ist nicht automatisch eine individuelle Erlaubnis zum Umgang mit jeder Chemikalie.

Farbprodukte im Salon: Nicht bloß auf das Regal schauen, sondern Produktinformation, Lagerung, Unterweisung und Hautschutz prüfen. Bild: Pittigrilli, CC BY-SA 4.0.
Sichere Lernalternative: Bewerte an leeren Musterverpackungen oder fiktiven Produktkarten eine mögliche Schutzmaßnahme. Mische keine Blondierungen oder Farben, führe keine chemische Behandlung an Personen aus und experimentiere nicht an Haut oder Haar ohne befugte Fachaufsicht, Unterweisung und geeignete Schutzmaßnahmen. Auch Scherenarbeit an Personen erfolgt nur im freigegebenen Ausbildungsrahmen. TRGS 530, BGW-Hautschutzplan, BGW-Betriebsanweisung und BGW-Information zur Handschuhnorm 2026.
Nachhaltigkeit und digitale Verantwortung
Eine gute Fachkraft spart Wasser und Energie, portioniert Produkte nach Herstellervorgaben, trennt Abfälle nach betrieblichen Regeln und vermeidet unnötige Einwegmaterialien, ohne Hygiene oder Hautschutz zu schwächen. Beim digitalen Berichtsheft und im Terminsystem gelten minimale Datenerfassung, Zugriffsbeschränkung und Zweckbindung. Eine Foto- oder KI-Auswertung ist keine Standardfreigabe: Vor der Verarbeitung realer Kundendaten sind Datenschutzregeln, eine passende Rechtsgrundlage und betriebliche Freigaben zu prüfen. Für Übungsaufgaben genügen fiktive Angaben, leere Formularvorlagen und Übungsköpfe. Typischer Fehler: „Das Foto ist nur für die Lerngruppe“ ersetzt keine datenschutzrechtliche Prüfung.
Praxisauftrag: Einen Ausbildungskonflikt fachgerecht lösen
Ausgangssituation und Auftragsanalyse
Fiktiver Fall „Salon Lernpunkt“: Die 17-jährige Auszubildende Mina befindet sich im ersten Ausbildungsjahr. Sie hat eine regelmäßige Ausbildungszeit von 40 Stunden an fünf Tagen, im Beispiel also durchschnittlich acht Stunden täglich. Am Dienstag besucht sie als einzigen entsprechenden Berufsschultag der Woche sechs Unterrichtsstunden zu je 45 Minuten (08:00 bis 13:15 Uhr mit Pausen). Die Salonleitung fordert sie auf, anschließend von 14:30 bis 17:00 Uhr, also 2 Stunden 30 Minuten, Kundenkarten zu fotografieren, Farbmischungen ohne Anleitung vorzubereiten und dazwischen aufzuräumen. Eine solche Aufnahme echter Kundenkarten wird für den Lernnachweis nicht benötigt. Dein Auftrag ist nicht, die Arbeiten trotz der Risiken auszuführen, sondern die Anweisung rechtlich und sicherheitsfachlich zu prüfen und eine zulässige, wertschätzende Alternative zu dokumentieren.
Schrittfolge mit Arbeitsplan
| Phase | Zeitbudget für die Lernaufgabe | Handlung | Prüfergebnis |
|---|---|---|---|
| Analysieren | 10 Minuten | Relevante Fakten ohne echte Namen markieren, Aufgaben dem Ausbildungsplan zuordnen | Sachverhaltskarte mit fünf Fakten |
| Planen | 10 Minuten | BBiG § 14 und § 15, JArbSchG und BGW-Unterlagen öffnen | Rechts- und Sicherheitscheck mit Quellen |
| Entscheiden | 10 Minuten | Rechenweg, Risiken, Alternativen gegenüberstellen | Begründete Entscheidung zu jeder Anweisung |
| Kommunizieren | 10 Minuten | Sachliche Rückfrage an die Ausbildungsperson schriftlich simulieren | Höflicher Lösungsvorschlag in fünf Sätzen |
| Prüfen und dokumentieren | 10 Minuten | Ergebnis am Bewertungsraster testen, Quellen und Unsicherheiten kennzeichnen | Abgabeblatt mit Reflexion |
Arbeitsmittel: fiktives Fallblatt, Gesetzeslinks, leeres Berichtsheftmuster und Symbolkarten für Schutzmaßnahmen. Keine echten Kundenfotos, keine Farbmischung, keine Arbeit an Personen. Bei einem realen Konflikt muss die Situation individuell mit der zuständigen Ausbildungsperson oder Handwerkskammer geklärt werden.
Vollständig erläutertes Musterergebnis
Prüfung der Berufsschulfreistellung: 6 Unterrichtsstunden mal 45 Minuten ergeben 270 Minuten beziehungsweise 4 Stunden 30 Minuten Unterricht. Für den besonderen Berufsschultag mit mehr als fünf Unterrichtsstunden zu je mindestens 45 Minuten sieht § 15 BBiG einmal pro Woche die Anrechnung der durchschnittlichen täglichen Ausbildungszeit vor: hier 8 Stunden. Die verlangte zusätzliche Salonzeit von 14:30 bis 17:00 Uhr würde rechnerisch 150 Minuten beziehungsweise 2 Stunden 30 Minuten betragen. Addiert man sie zur angerechneten Zeit, erhält man 10 Stunden 30 Minuten; entscheidend ist aber bereits, dass am gesetzlichen vollen Berufsschultag keine zusätzliche Salonbeschäftigung angesetzt werden darf. Das vereinfachte Rechenmodell macht den Widerspruch sichtbar, ersetzt jedoch nicht die rechtliche Prüfung sämtlicher Sonderfälle.
Prüfung der weiteren Aufträge: Kundenkarten enthalten personenbezogene Daten und dürfen nicht eigenmächtig fotografiert werden. Farbmischungen ohne Unterweisung oder fachliche Aufsicht sind nicht auszuführen. Das Aufräumen und hygienische Organisieren kann ein sinnvoller Lerninhalt sein, muss jedoch in einen zulässigen Ausbildungsplan passen und findet hier nicht nach dem voll angerechneten Schultag statt. Alternative: Die Auszubildende bespricht am nächsten geeigneten Betriebstag unter Anleitung einen fiktiven Datenschutzfall und bewertet anhand von Musterkarten den Hautschutzplan.
Beispiel einer sachlichen Rückmeldung: „Am Dienstag habe ich sechs Unterrichtsstunden. Nach meinem Verständnis ist das mein einmal wöchentlich voll anzurechnender Berufsschultag. Können wir die geplante Salonaufgabe auf einen passenden Ausbildungstag verlegen? Echte Kundenkarten möchte ich ohne geklärte Datenschutzfreigabe nicht fotografieren. Für Farbarbeiten bitte ich um die vorgesehene Unterweisung und fachliche Begleitung.“
Prüfbares Arbeitsergebnis: Eine einseitige Entscheidungsnotiz enthält (a) die fünf Sachverhaltsdaten, (b) den korrekten Rechenweg 6 × 45 = 270 Minuten und 8 Stunden Anrechnung, (c) je eine nachvollziehbare Rechts-, Datenschutz- und Sicherheitsentscheidung, (d) eine sichere Alternative und (e) Quellen, Datum und eine kurze Selbstreflexion. Die Musterlösung ist nur für diesen erfundenen Sachverhalt ein Vergleichsmaßstab; andere Arbeitszeitmodelle und tatsächliche schulische Abläufe müssen neu geprüft werden.
Bewertungsraster und häufige Fehler
Bewerte den Lernnachweis anhand von fünf Kriterien zu je maximal vier Punkten (insgesamt 20 Punkte). Pro Kriterium gelten 4 Punkte bei vollständig richtiger und nachvollziehbar belegter Leistung, 3 Punkte bei einem kleinen Mangel, 2 Punkte bei mehreren Lücken, 1 Punkt bei erkennbar unzureichendem Ansatz und 0 Punkte bei fehlender oder fachlich unbrauchbarer Leistung.
| Kriterium | Volle vier Punkte, wenn … |
|---|---|
| Analyse | Alter, Schultag, Stunden, Aufträge und Ausbildungsziel zutreffend erfasst werden |
| Rechtsanwendung und Rechenweg | Schulstunden in Minuten, Anrechnung und zulässige Konsequenz richtig erklärt und mit § 15 BBiG belegt sind |
| Arbeitsschutz und Datenschutz | die Risiken fachlich zutreffend bewertet und echte Daten wie gefährliche Versuche vermieden werden |
| Arbeitsplanung und Kommunikation | eine durchführbare Alternative und eine respektvolle Rückmeldung vorliegen |
| Dokumentation und Kontrolle | Ergebnis, Quellen, Vergleich mit dem Raster und ein konkreter Verbesserungsansatz vollständig sind |
Beispielbewertung: 4 + 4 + 3 + 4 + 3 = 18 von 20 Punkten. Die beiden Dreierwerte zeigen, dass die Schutzmaßnahmen oder Quellenangaben noch präziser sein könnten. Dies ist ein didaktisches Raster, keine amtliche Prüfungsnote. Häufige Fehler sind das Verwechseln von Unterrichts- und Anrechnungszeit, die Annahme einer pauschalen Arbeitspflicht nach jedem Schultag, das ungeprüfte Weitergeben von Fotos sowie das Gleichsetzen von Anweisung und rechtlicher Zulässigkeit.
Interaktive Aufgaben
Multiple-Choice-Quiz
Wie lange dauert die reguläre Ausbildung zur Friseurin oder zum Friseur? (Drei Jahre) (!Ein Jahr) (!Zwei Jahre) (!Fünf Jahre)
Welche Pflicht gehört nach BBiG zu den Aufgaben der Auszubildenden? (Den Ausbildungsnachweis regelmäßig führen) (!Den betrieblichen Ausbildungsplan allein erstellen) (!Die eigenen Prüfungsmaterialien immer privat bezahlen) (!Die Berufsschule bei hohem Kundenandrang ausfallen lassen)
Wie wird ein Berufsschultag mit sechs Unterrichtsstunden von je mindestens 45 Minuten einmal wöchentlich grundsätzlich angerechnet? (Mit der durchschnittlichen täglichen Ausbildungszeit) (!Immer nur mit sechs Zeitstunden) (!Überhaupt nicht auf die Ausbildungszeit) (!Nur mit der Hälfte der Unterrichtszeit)
Welche Dauer ist für die Probezeit im Berufsausbildungsverhältnis vorgeschrieben? (Mindestens ein und höchstens vier Monate) (!Genau sechs Monate) (!Höchstens zwei Wochen) (!Mindestens fünf Monate)
Wer stellt erforderliche Ausbildungsmittel grundsätzlich kostenlos bereit? (Der Ausbildungsbetrieb) (!Immer die auszubildende Person) (!Nur die Berufsschule) (!Nur die Kundschaft)
Was gehört zu einem guten Ausbildungsnachweis? (Erlernte fachliche Tätigkeiten und Lernfortschritte) (!Echte Kundennamen und private Telefonnummern) (!Nur die täglich verkauften Produkte) (!Die Zugangsdaten des Saloncomputers)
Welche regelmäßige Höchstarbeitszeit gilt grundsätzlich für Jugendliche nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz? (Acht Stunden täglich und vierzig Stunden wöchentlich) (!Zehn Stunden täglich und sechzig Stunden wöchentlich) (!Zwölf Stunden täglich ohne Pausen) (!Beliebig lange bei Zustimmung der Salonleitung)
Wie gehst du mit einem unbekannten Färbemittel ohne Unterweisung um? (Nicht anwenden und fachliche Unterweisung einholen) (!Sofort an einer Person ausprobieren) (!Mit einem anderen Mittel nach Gefühl mischen) (!Ohne Schutzmaßnahmen zur Übung anwenden)
Welche Entscheidung schützt Kundendaten bei einer Lernaufgabe am besten? (Mit fiktiven Angaben und freigegebenen Mustern arbeiten) (!Kundenkarten im privaten Chat teilen) (!Kundenfotos ohne Freigabe hochladen) (!Kundentelefonnummern in einen offenen KI-Dienst kopieren)
Welche gesetzliche monatliche Grundmindestvergütung ist für einen Ausbildungsbeginn 2026 im ersten Jahr bekannt gemacht worden? (724 Euro) (!500 Euro) (!650 Euro) (!1100 Euro)
Memory
Finde zusammengehörende Begriffe und Bedeutungen aus dem Arbeitsalltag. Nach einem Fehlversuch lies die passenden Fachkapitel erneut und erkläre die Unterscheidung mit eigenen Worten.
| Ausbildungsplan | Zeitlich und sachlich gegliederte Lernziele im Betrieb |
| Ausbildungsnachweis | Regelmäßige Dokumentation erworbener Fertigkeiten |
| Freistellung | Zeitliche Befreiung von betrieblichen Aufgaben für gesetzliche Ausbildungsanlässe |
| Probezeit | Rechtlich begrenzte Anfangsphase des Ausbildungsverhältnisses |
| Gefährdungsbeurteilung | Systematische Bewertung von Risiken und Schutzmaßnahmen |
| Verschwiegenheit | Schutz betrieblicher Geheimnisse vor unzulässiger Weitergabe |
Drag-and-drop
Ordne den Situationen die passende verantwortliche Reaktion zu. Kontrolliere deine Auswahl anhand der rechtlichen Begründungen im Lehrtext.
| Passende Handlung | Situation im Salon |
|---|---|
| Fachliche Unterweisung einholen | Unbekanntes Färbeprodukt soll eingesetzt werden |
| Ausbildungsplan prüfen | Eine Aufgabe erscheint dauerhaft ausbildungsfremd |
| Schulfreistellung klären | Nach einem voll anzurechnenden Schultag wird Zusatzarbeit verlangt |
| Fiktive Daten verwenden | Ein Lernnachweis soll digitale Kundenkarten enthalten |
| Ausbildungsnachweis ergänzen | Eine erlernte Tätigkeit wurde noch nicht dokumentiert |
Kreuzworträtsel
Trage zu jeder Umschreibung das gesuchte Fachwort ein. Wenn dir ein Begriff fehlt, schaue in den jeweiligen Sachabschnitt.
| Ausbilder | Welche beauftragte Fachperson leitet die betriebliche Ausbildung an? |
| Berichtsheft | Wie heißt der traditionelle Ausbildungsnachweis im Alltag? |
| Probezeit | Wie heißt die gesetzlich begrenzte Anfangsphase der Ausbildung? |
| Freistellung | Welcher Begriff bezeichnet das Fernbleiben von betrieblichen Aufgaben für Berufsschulunterricht? |
| Vergütung | Wie heißt das regelmäßig gezahlte Entgelt in der Ausbildung? |
| Hautschutz | Was dient der Vorbeugung von Hautschäden bei Nassarbeit und Chemikalienkontakt? |
LearningApps
Suche ergänzende Lernübungen zu deinem Thema. Prüfe fremde Aufgaben stets anhand der aktuell verlinkten Gesetze; ein Suchergebnis ist keine amtliche Quelle.
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Ausbildungsvertrag: Markiere in einem leeren Mustervertrag fünf notwendige Angaben und beschreibe ihre Bedeutung für den Salonalltag.
- Berichtsheft: Formuliere einen vollständig anonymen Wochenbericht mit drei Fachhandlungen und einem persönlichen Lernfortschritt.
- Arbeitsschutz: Erstelle eine bebilderte Mini-Checkliste mit vier Maßnahmen zur sicheren Arbeitsplatzvorbereitung ohne Gefahrstoffe.
- Berufsschule: Gestalte eine Begriffskarte, die Betrieb, Berufsschule, Ausbildungsplan und Handwerkskammer unterscheidet.
Standard
- Jugendarbeitsschutzgesetz: Berechne bei einem erfundenen 17-jährigen Azubi eine Tagesarbeitszeit samt Pausen und begründe die Einhaltung der Grenzen.
- Ausbildungsvergütung: Vergleiche ein frei erfundenes Vergütungsbeispiel mit der Grundmindestvergütung für Ausbildungsbeginn 2026 und nenne die nötigen Tarifprüfungen.
- Datenschutz: Entwerfe eine datensparsame digitale Vorlage zur Dokumentation eines Übungskopfs statt eines echten Kundenvorgangs.
- Kundenberatung: Spiele in Zweiergruppen ein fünfminütiges Gespräch, in dem eine gefährliche oder ausbildungsfremde Weisung höflich angesprochen wird.
Schwer
- Fallanalyse: Löse den vollständigen Fall „Salon Lernpunkt“ in einer einseitigen Entscheidungsnotiz mit Rechenweg, Quellen und Alternative.
- Gefährdungsbeurteilung: Vergleiche drei fiktive Arbeitsaufträge in einer Risiko-Matrix; unterscheide rechtlich nötige Schutzmaßnahmen von bloßen Wünschen.
- Nachhaltigkeit: Entwickle ein ressourcenschonendes, hygienisch zulässiges Salonkonzept und belege drei messbare Verbesserungen.
- Berufsbildungsgesetz: Produziere ein zweiminütiges Erklärvideo mit ausschließlich selbst erzeugten Symbolbildern zu Schulfreistellung und sorgfältiger Ausbildungsdokumentation.


Lernkontrolle
- Rechtsfall Berufsschule: Begründe an zwei unterschiedlichen Stundenplänen, wann Zeit nur nach tatsächlichem Unterricht und wann mit der durchschnittlichen täglichen Ausbildungszeit angerechnet wird.
- Betrieblicher Ausbildungsplan: Entscheide bei drei fiktiven Salonaufträgen, welche Tätigkeiten dem Ausbildungsziel dienen; nenne je einen Beleg.
- Arbeitszeit: Kontrolliere einen fiktiven Dienstplan einer minderjährigen Person einschließlich Pausen und Samstag und formuliere notwendige Korrekturen.
- Datensparsamkeit: Wandle einen vorgelegten Musterkundenbogen in einen datenschutzfreundlichen Lernnachweis um und begründe jede Streichung.
- Hautschutz: Begründe die Reihenfolge Gefährdungsbeurteilung, Unterweisung, geeignete Arbeitsmittel und kontrollierte Ausführung ohne tatsächliche Chemikalienanwendung.
- Konfliktgespräch: Bewerte eine fiktive Weisung anhand BBiG und Arbeitsschutzregeln und schreibe eine respektvolle Rückmeldung mit sicherer Alternative.
Lernnachweis
Dein verbindlicher Kurs-Lernnachweis ist eine kurze, vollständig fiktive Projektmappe „Rechte und Pflichten im Salon“. Sie enthält: eine Sachverhaltskarte mit mindestens fünf relevanten Angaben, eine Prüfung von mindestens drei Rechten und drei Pflichten mit belastbaren Primärquellen, eine korrekte Zeitrechnung, eine Hautschutz- und Datenschutzentscheidung, einen Arbeitsplan mit Zuständigkeiten, eine sichere Handlungsalternative, eine respektvolle Nachricht an die Ausbildungsperson und eine Selbsteinschätzung nach dem 20-Punkte-Raster. Belege die Entscheidungen mit Datum und Quellenangaben, prüfe den aktuellen betrieblichen Ausbildungsplan und übertrage die Methode auf einen zweiten selbst erfundenen Fall. Erfolgskriterium: Andere Lernende können deinen Rechenweg reproduzieren und mindestens zwei Entscheidungen anhand der verlinkten Rechtsnormen nachprüfen. Verzichte auf echte Kundendaten, Unterschriften, Zugangsdaten und betriebliche Interna.
OER und Wikipedia
Rechts- und Fachquellen zur Kontrolle (frei zugänglich, nicht automatisch unter freier OER-Lizenz):
- BIBB: Friseur/Friseurin, Ausbildungsprofil und Rechtsgrundlagen
- Friseur-Ausbildungsverordnung, konsolidierter Stand mit Änderung 2022
- BBiG § 13: Pflichten der Auszubildenden, § 14: Pflichten der Ausbildenden und § 15: Freistellung
- Jugendarbeitsschutzgesetz: Arbeitszeit, Pausen und Samstag
- BGW: TRGS 530 Friseurhandwerk und Hautschutz- und Händehygieneplan
- Bundesagentur für Arbeit: Ausbildungsrechte in einfacher Sprache
Überprüfte offene Bilder und Lizenzhinweise: Die folgenden Dateien wurden auf ihren Commons-Dateiseiten auf Titel, Urheber und Lizenz geprüft. Die Namensnennung ist auch bei Weiterverwendung beizubehalten; das Lizenzangebot der jeweiligen Datei ist maßgeblich.
| Commons-Datei | Geprüfter Dateinachweis | Urheber | Lizenz |
|---|---|---|---|
| File:Hairdresser at work.jpg | Wikimedia Commons | Rwebogora | CC BY-SA 4.0 |
| File:Hairdressing tools, various.jpg | Wikimedia Commons | Oxfordian Kissuth | CC BY-SA 3.0 |
| File:20250220 Hair scissors.jpg | Wikimedia Commons | Rakoon | CC0 1.0 |
| File:Hair dyes for hair colouring in a shelf of a hair salon in Germany.jpg | Wikimedia Commons | Pittigrilli | CC BY-SA 4.0 |
Geprüfte deutschsprachige Erklärvideos: Ausbildung.de: Deine Rechte in der Ausbildung (2021) und Ausbildung.de: Pflichten in der Ausbildung (2020). Beide sind ergänzende urheberrechtlich geschützte, über die Videoplattform eingebettete Quellen und keine CC-lizenzierten OER; die aktuell geltenden Gesetze haben bei Widersprüchen Vorrang. Weitere passende, zuverlässig überprüfbare deutsche Videomedien wurden für diesen Kurs nicht hinzugefügt, um keine erfundenen oder ungeprüften Einbettungen zu verwenden.
Wikipedia zur Vertiefung: Berufsausbildung, Duale Ausbildung und Friseur. Wikipedia ersetzt keine Rechtsgrundlagen.
Verknüpfte Lernbereiche
Friseur – verantwortungsvoll ausbilden und lernen |
Verknüpfe den Lernbereich zusätzlich mit Wirtschaftskunde, Politische Bildung, Mathematik (Zeitrechnung), Medienbildung (vertrauliche Informationen), Chemie (Stoffrisiken nur theoretisch) und Deutsch (sachliche Konfliktkommunikation). Die Lernaufgaben werden nach Leistungsstand, betrieblichem Ausbildungsplan und Landeslehrplan angepasst.
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