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Beschaffungsbedarf anhand von Beständen ermitteln - Logistische Prozesse und Beschaffung - Ausbildung

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Beschaffungsbedarf anhand von Beständen ermitteln - Logistische Prozesse und Beschaffung - Ausbildung

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Einleitung

Du lernst, aus geprüften Lagerbeständen einen nachvollziehbaren Beschaffungsvorschlag zu entwickeln. Du arbeitest als Auszubildende oder Auszubildender im dritten Ausbildungsjahr der Fachkraft für Lagerlogistik an einem vollständig fiktiven Ersatzteillager. Du unterscheidest Bestandsgrößen, ermittelst einen Nettobedarf, prüfst den Bestellzeitpunkt und erläuterst deine Entscheidung gegenüber dem Einkauf.

Dein Auftrag: Das erfundene Unternehmen Mustertechnik Ersatzteilservice GmbH versorgt eine Übungswerkstatt mit Dichtungen, Filtern und Lagerstiften. Alle Artikelkennungen, Mengen, Preise, Vorgänge und Termine sind erfunden. Du arbeitest ausschließlich mit Modelltabellen und simulierter Lagerverwaltungssoftware. Aus den Ergebnissen dürfen keine realen Bestellungen oder Freigaben abgeleitet werden.

Lernziele: Du kannst Bestandsbuchungen nachvollziehen; gesperrte, reservierte und bestellte Mengen unterscheiden; Reichweiten und Meldebestände berechnen; Beschaffungsbedarf mengen- und zeitgerecht bestimmen; Informationsfehler an der Schnittstelle Lager–Einkauf erkennen und geeignete Verbesserungen begründen.

Einordnung in die Ausbildung (Stand: 21.10.2026): Der KMK-Rahmenlehrplan vom 25.03.2004 ordnet im dritten Ausbildungsjahr dem schulischen Lernfeld 10 „Logistische Prozesse optimieren“ unter anderem quantitative und qualitative Bestandsprüfung, Bedarfsermittlung, ABC-Analyse und die Weitergabe der Daten an den Einkauf zu. Das eigene Lernfeld 11 „Güter beschaffen“ behandelt angrenzende Beschaffungsaufgaben. Davon zu trennen ist die betriebliche Ausbildungsordnung vom 26.07.2004 mit Ausbildungsberufsbild und Ausbildungsrahmenplan. Schulisches Lernfeld und betrieblicher Ausbildungsrahmenplan sind nicht identisch; dieser Kurs illustriert Kompetenzen, ist aber keine amtliche Prüfungsaufgabe und ersetzt keine Ausbildung, Unterweisung oder Befähigungsnachweise.

Sicherheit: Bestandsprüfung und Beschaffungsentscheidung erfolgen hier im Modell. Praktische Arbeiten im Lager nur unter qualifizierter Aufsicht und nach betrieblichen Vorgaben; keine eigenständigen Arbeiten an Kranen, elektrischen Anlagen, Drucksystemen oder Gefahrstoffen. Es wird weder eine Herstellerkooperation noch eine rechtliche oder fachliche Vollfreigabe behauptet.


Beschaffungsprozess und Informationsfluss


Von der Entnahme zur Bestellung

Bei jeder Entnahme sinkt der erfasste Bestand. Lagerpersonal dokumentiert die Warenbewegung im Lagerverwaltungssystem, kontrolliert Abweichungen und meldet disponierbare Mengen an den Einkauf. Der Einkauf prüft Lieferzeit, Lieferbedingungen und Lieferanten und darf erst nach dem betrieblich vorgesehenen Freigabeweg eine Bestellung auslösen. Der Wareneingang prüft später Lieferung und Qualität und bucht freigegebene Stückzahlen ein.

Die Prozesskette lautet im Modell: Bedarfsanlass → Bestandsabgleich → Nettobedarf → Terminkontrolle → Beschaffungsvorschlag → Freigabe durch zuständige Stelle → Wareneingang → Buchung und Qualitätsprüfung. Ein Datenfehler im Lager kann unnötige Bestellungen auslösen oder einen Materialengpass verdecken. Qualität der Buchungen ist daher genauso wichtig wie die Rechenformel.

Lieferkette als Überblick; Grafik: Stern und Voskos, CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons.


Schulischer und betrieblicher Auftrag

Der Rahmenlehrplan beschreibt im Lernfeld 10 das Erkennen von Zusammenhängen im logistischen Gesamtprozess, die Kontrolle von Beständen und die Information des Einkaufs als Teil schulischer Handlungskompetenz. Die betriebliche Ausbildungsordnung legt berufliche Fertigkeiten und Kenntnisse für die dreijährige Ausbildung fest; im jeweiligen Betrieb kommen Zuständigkeiten und Arbeitsanweisungen hinzu. Du darfst aus einem errechneten Bedarf keine automatische Bestellberechtigung ableiten.

Fehler beim Erstellen des Vorschaubildes:

Material- und Informationswege schematisch; Urheber Maly LOLek, CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons; Grafik mit englischen Buchstabenbezeichnungen.


Bestände richtig lesen und prüfen


Was die Bestandsarten bedeuten

Anfangsbestand ist die gebuchte Menge zu Beginn des Betrachtungszeitraums. Zugang ist ein bereits eingebuchter Wareneingang. Abgang ist eine dokumentierte Entnahme. Der Buchbestand ergibt sich in Stück als Anfangsbestand + gebuchte Zugänge − gebuchte Abgänge. Der Sperrbestand ist wegen Qualität, Beschädigung oder ungeklärtem Status noch nicht für die normale Nutzung freigegeben. Der frei verfügbare Lagerbestand ist im vereinfachten Fall Buchbestand − Sperrbestand.

Reservierungen sind vorgemerkte Mengen für bekannte Aufträge; sie dürfen nicht noch einmal als frei disponierbar verplant werden. Offene Bestellungen sind noch nicht eingebuchte Lieferungen, die nur mit belastbarer Terminbestätigung in die Planung für den betreffenden Zeitraum eingehen. Der Dispositionsbestand wird in unserem Modell berechnet als freier Lagerbestand + termingerecht erwartete offene Bestellungen − Reservierungen. Seine Aussage hängt von den Lieferterminen ab; er ist keine körperlich vorhandene Menge.

Sicherheitsbestand ist ein Puffer gegen Unsicherheiten. Der Meldebestand ist ein Bestellauslöser, nicht die Bestellmenge. Inventurdifferenz bezeichnet eine Abweichung zwischen körperlicher Zählung und Buchbestand, die untersucht und nach den betrieblichen Berechtigungen dokumentiert werden muss.

Regallager als Beispiel für Lagerorganisation; Foto: Shixart1985/Nenad Stojković, CC BY 2.0, Wikimedia Commons.


Datenqualität vor jeder Disposition

Für eine verlässliche Mengenermittlung prüfst du Artikelnummer, Einheit, Lagerplatz, Buchungszeitpunkt, Sperrvermerk, Reservierungen sowie die Terminbestätigung offener Aufträge. Stück darf nicht ungeprüft mit Packungen addiert werden. Barcodes helfen bei der Identifikation, ersetzen aber weder Zählung noch Qualitätsprüfung. Kläre einen Zählfehler mit zuständigen Personen, bevor er die Bestellentscheidung verfälscht.

Fehler beim Erstellen des Vorschaubildes:

Beispiel eines Barcodescanners; Foto Ayonitemi22, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons.

Begriffe hören: Wikimedia-Commons-Audio „Logistikbranche“ (deutsches Aussprachebeispiel, Jeuwre, CC BY-SA 4.0). Die Tondatei erläutert keinen Rechenweg, unterstützt aber die sprachliche Orientierung.


Bedarf und Bestellzeitpunkt berechnen


Brutto- und Nettobedarf

Bruttobedarf ist hier die geplante Bedarfsmenge im Betrachtungszeitraum zuzüglich des am Ende gewünschten Sicherheitsbestands. Nettobeschaffungsbedarf ist der darüber hinaus noch fehlende Bestand: maximal 0 oder Bruttobedarf − Dispositionsbestand. Ein negatives Zwischenergebnis bedeutet keine negative Bestellung, sondern zunächst keinen neuen Bedarf. Anschließend prüfst du Packungsgrößen, Mindestbestellmengen, Termine und Zuständigkeiten; du rundest eine benötigte Menge auf ein vollständiges Gebinde auf.

Verbrauchsgesteuerte Bedarfsermittlung schätzt den künftigen Verbrauch aus historischen Entnahmen, etwa dem durchschnittlichen Tagesverbrauch. Programmgesteuerte Bedarfsermittlung leitet Mengen aus bekannten Fertigungs-, Wartungs- oder Kundenaufträgen ab. Bei unregelmäßigen Ersatzteilen ergänzt du historische Daten durch konkrete Aufträge und saisonale Einflussgrößen. Die Prognose ist eine Annahme, keine gesicherte Zukunft.


Bestellpunktverfahren und Reichweite

Ein vereinfachtes Bestellpunktverfahren löst die Prüfung einer Bestellung aus, wenn der frei verfügbare Lagerbestand den Meldebestand erreicht oder unterschreitet. Im Übungsfall gilt: Meldebestand = mittlerer Tagesverbrauch in Stück pro Arbeitstag × Wiederbeschaffungszeit in Arbeitstagen + Sicherheitsbestand in Stück. Die Einheiten stimmen: Stück/Arbeitstag × Arbeitstage = Stück. Bereits offene, terminlich passende Bestellungen müssen geprüft werden, damit nicht doppelt disponiert wird.

Die Reichweite schätzt, wie lange der betrachtete frei verfügbare Bestand bei gleichmäßigem Verbrauch reicht: Reichweite in Arbeitstagen = freier Lagerbestand in Stück / mittlerer Tagesverbrauch in Stück je Arbeitstag. Bei schwankendem Verbrauch ist das nur ein Näherungswert. Ein Meldebestand schützt nicht sicher vor Engpässen bei verspäteter Lieferung oder sprunghaftem Bedarf.

Datei:Inventory control - reorder point and service level.png

Englisch beschriftete Skizze zu Sicherheits- und Meldebestand; Urheber Poul G, gemeinfrei laut Dateiseite, Wikimedia Commons.

Deutschsprachiges Erklärvideo mit grafischen Darstellungen:

Bestellpunktverfahren, Tagesverbrauch, Meldebestand und Zeichnung; Quelle/Urheber: „Wirtschaft gaaanz einfach!“, YouTube, 25.09.2022. Externer Inhalt; eine freie Weiternutzungslizenz ist nicht nachgewiesen.


Durchgerechneter Ausbildungsfall im Ersatzteillager


Ausgangsdaten des vollständig erfundenen Modellbetriebs

Betrachtungszeitraum sind die nächsten 10 Arbeitstage. Alle Stückpreise sind fiktive Netto-Modellpreise. Bereits gebuchte Zugänge stehen in der Spalte „Zugang“. Die gesondert bezeichneten offenen Bestellungen sind nicht nochmals im Buchbestand enthalten und sollen laut Modell innerhalb der zehn Arbeitstage eintreffen. Die Terminprüfung bleibt trotzdem Pflicht.

Kennung und Artikel Anfang in Stk. Zugang in Stk. Abgang in Stk. Gesperrt in Stk. Reserviert in Stk. Offen bestellt in Stk.
D-17 Dichtungsring 120 40 95 5 15 20
F-28 Filtereinsatz 75 0 30 0 20 40
L-03 Lagerstift 200 0 25 0 10 0
Kennung Planbedarf nächste 10 Arbeitstage Sicherheitspuffer Verbrauch je Arbeitstag Wiederbeschaffung Verpackungseinheit Preis je Stück
D-17 100 Stk. 30 Stk. 8 Stk./Arbeitstag 4 Arbeitstage 10 Stk. 18,00 €
F-28 55 Stk. 15 Stk. 6 Stk./Arbeitstag 5 Arbeitstage 10 Stk. 42,00 €
L-03 30 Stk. 20 Stk. 3 Stk./Arbeitstag 7 Arbeitstage 20 Stk. 1,50 €


Schritt 1: Buchbestand und freien Bestand bestimmen

D-17: 120 Stk. + 40 Stk. − 95 Stk. = 65 Stk. Buchbestand; abzüglich 5 Stk. gesperrt = 60 Stk. frei.

F-28: 75 Stk. + 0 Stk. − 30 Stk. = 45 Stk. Buchbestand und 45 Stk. frei.

L-03: 200 Stk. + 0 Stk. − 25 Stk. = 175 Stk. Buchbestand und 175 Stk. frei.


Schritt 2: Dispositionsbestände und Nettobedarf berechnen

D-17: Dispositionsbestand = 60 + 20 − 15 = 65 Stk. Bruttobedarf = 100 + 30 = 130 Stk. Netto = 130 − 65 = 65 Stk. Da nur Zehnerpackungen bestellt werden können, lautet der Beschaffungsvorschlag 70 Stk. Die fünf zusätzlich beschafften Stück sind eine Folge der Verpackungseinheit.

F-28: Dispositionsbestand = 45 + 40 − 20 = 65 Stk. Bruttobedarf = 55 + 15 = 70 Stk. Netto = 5 Stk., gerundet auf eine Zehnerpackung also 10 Stk. Beschaffungsvorschlag. Vor einer zusätzlichen Bestellung muss die Ankunft der bereits bestellten 40 Stk. überprüft werden.

L-03: Dispositionsbestand = 175 + 0 − 10 = 165 Stk. Bruttobedarf = 30 + 20 = 50 Stk. Die rechnerische Differenz beträgt −115 Stk.; der auf null begrenzte Nettobedarf ist 0 Stk.. Deshalb wird keine neue Bestellung vorgeschlagen.

Kontrolle der Mengen: D-17 hat nach der vorgeschlagenen Neubestellung rechnerisch 65 + 70 = 135 Stk. für geplanten Bedarf plus Sicherheitsbestand; F-28 hat 65 + 10 = 75 Stk. und L-03 unverändert 165 Stk. Diese Rechenwerte bedeuten nicht, dass alle Lieferungen zeitlich rechtzeitig verfügbar sind.


Schritt 3: Meldebestand und Reichweite prüfen

D-17: Meldebestand = 8 Stk./Arbeitstag × 4 Arbeitstage + 30 Stk. = 62 Stk.. Der frei verfügbare Lagerbestand 60 Stk. liegt darunter. Die einfache Reichweite beträgt 60 / 8 = 7,5 Arbeitstage. Der Bestellvorgang ist daher zeitkritisch zu prüfen; die offene Lieferung von 20 Stk. und deren Termin können diese Bewertung verändern.

F-28: Meldebestand = 6 × 5 + 15 = 45 Stk.. Der freie Lagerbestand liegt genau am Meldebestand. Die Reichweite beträgt 45 / 6 = 7,5 Arbeitstage. Die 40 offen bestellten Stück werden hinsichtlich Termin und Zweckbindung geprüft, bevor ein weiterer Auftrag ausgelöst wird.

L-03: Meldebestand = 3 × 7 + 20 = 41 Stk.. Der freie Bestand 175 Stk. ist deutlich größer; die Reichweite beträgt 175 / 3 = etwa 58,3 Arbeitstage. Das hohe Bestandsniveau lädt zur Prüfung von Lagerkosten und Bedarfstrends ein.

Fiktives Kostenbeispiel: 70 Dichtungen × 18,00 €/Stk. = 1.260,00 €; 10 Filter × 42,00 €/Stk. = 420,00 €. Zusammen 1.680,00 €, ausschließlich Warenwert ohne Fracht, Steuern oder weitere Konditionen. Dies ist weder ein echtes Angebot noch eine Freigabe.


Risiken, ABC-Analyse und Prozessverbesserung


Abweichungen und Termine als Entscheidungskriterien

Angenommen, eine beaufsichtigte Modellzählung ermittelt bei D-17 62 Stk. statt 65 Stk. Buchbestand. Die Differenz beträgt −3 Stk.. Nach dokumentierter Ursachenklärung und einer berechtigten Berichtigung wäre der neue freie Bestand 57 Stk.. Der Dispositionsbestand sinkt bei unveränderten übrigen Annahmen auf 57 + 20 − 15 = 62 Stk. und der Nettobedarf steigt auf 130 − 62 = 68 Stk.; gerundet bleiben 70 Stk. vorgeschlagen. Die gleiche Bestellmenge bedeutet nicht, dass die Bestandsabweichung unwichtig ist.

Lieferverzugsszenario: Die für D-17 vorgesehenen 20 Stk. kommen laut bestätigtem Ersatztermin erst nach dem zehn Arbeitstage langen Horizont. Dann dürfen sie in diesem Zeitraum nicht als verfügbar gelten. Dispositionsbestand = 60 + 0 − 15 = 45 Stk. und Nettobedarf = 130 − 45 = 85 Stk.; bei Zehnerpackungen 90 Stk. – vorausgesetzt, ein Lieferant kann diese rechtzeitig bereitstellen. Andernfalls sind Fehlmengen zu melden und zulässige Alternativen durch Berechtigte zu entscheiden. Blindes Erhöhen einer Bestellung löst kein Terminproblem.


ABC-Analyse der gebundenen Verbrauchswerte

Die ABC-Analyse hilft, Artikel nach ihrem jährlichen Verbrauchswert zu priorisieren, nicht nach Stückzahl allein. Im Modell gelten D-17: 1.200 Stk./Jahr × 18,00 € = 21.600 €, F-28: 500 Stk./Jahr × 42,00 € = 21.000 € und L-03: 2.000 Stk./Jahr × 1,50 € = 3.000 €. Gesamtwert = 45.600 €. Der wertmäßige Anteil beträgt gerundet 47,37 %, 46,05 % und 6,58 %. D-17 und F-28 bilden in diesem Mini-Sortiment gemeinsam rund 93,42 % des Verbrauchswertes. Beispielhaft werden sie eng überwacht; L-03 ist im Wertvergleich niedrig priorisiert. Feste Prozentgrenzen der ABC-Klassen sind betriebliche Festlegungen und werden hier nicht als Norm ausgegeben. Die geringe Zahl an Artikeln muss keine sinnvoll besetzte B-Klasse ergeben.

Fehler beim Erstellen des Vorschaubildes:

Schematische ABC-Kategorien, nicht die konkreten Fallwerte; Urheber Sandro M. Roch, CC BY-SA 3.0 DE, Wikimedia Commons.

Deutschsprachiges Erklärvideo mit grafischer ABC-Auswertung:

ABC-Analyse mit Verbrauchswerten und Rangfolge; Quelle/Urheber: „Wirtschaft gaaanz einfach!“, YouTube, 18.09.2022. Externer Inhalt; keine frei übertragbare Videolizenz nachgewiesen.


Den Schnittstellenprozess verbessern

Schlage eine standardisierte tägliche Bestandsmeldung vor: Artikelkennung, Buchbestand, Sperrmenge, Reservierung, fällige offene Bestellung mit bestätigtem Termin, Forecast-Horizont, Meldebestand, Nettobedarf, Gebinde, Datenstand und zuständige prüfende Person. Verwende definierte Einheiten und automatische Plausibilitätsprüfungen. Qualitätsgesperrte Ware bleibt gesperrt, bis eine zuständige Stelle sie freigibt. Ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP) vergleicht geplante und tatsächliche Mengen, protokolliert Ursachen wiederkehrender Fehler und prüft nach einer Änderung erneut die Lieferfähigkeit und Bestandsqualität.

Merksatz: Gute Beschaffung beginnt nicht mit dem Bestellknopf, sondern mit korrekten Daten, einem realistischen Terminmodell und einer nachvollziehbaren Entscheidung.

Interaktive Aufgaben


Quiz: Wissen überprüfen

Beantworte die zehn Fragen zum Modellfall. Zu jeder Lösung folgt eine fachliche Begründung; rechne die Ergebnisse vor der Kontrolle selbst nach.

Welcher Buchbestand ergibt sich für D-17 vor Abzug der Sperrmenge? (65 Stück) (!60 Stück) (!75 Stück) (!95 Stück)



Begründete Rückmeldung: 120 plus 40 minus 95 ergibt 65 Stück. Die fünf gesperrten Stück werden erst bei der Berechnung des frei verfügbaren Bestands abgezogen.

Wie viele Stück D-17 sind im Grundfall frei verfügbar? (60 Stück) (!65 Stück) (!55 Stück) (!80 Stück)



Begründete Rückmeldung: 65 Stück Buchbestand minus fünf gesperrte Stück ergibt 60 frei verfügbare Stück.

Welche Menge ist der Dispositionsbestand von F-28 im Modell? (65 Stück) (!45 Stück) (!85 Stück) (!105 Stück)



Begründete Rückmeldung: 45 freie Stück plus 40 fristgerecht erwartete Stück minus 20 reservierte Stück ergeben 65 Stück; offene Bestellungen sind kein aktueller Lagerbestand.

Wie hoch ist der rechnerische Nettobedarf für D-17 vor der Gebinderundung? (65 Stück) (!70 Stück) (!130 Stück) (!45 Stück)



Begründete Rückmeldung: Vom Bruttobedarf 130 Stück werden 65 Stück Dispositionsbestand abgezogen. Die Rundung auf 70 Stück erfolgt erst danach.

Welche D-17-Bestellmenge berücksichtigt Zehnerpackungen? (70 Stück) (!65 Stück) (!60 Stück) (!100 Stück)



Begründete Rückmeldung: Ein Fehlbedarf von 65 Stück muss auf die nächsthöhere volle Packung von zehn Stück aufgerundet werden.

Wie hoch ist der Meldebestand von D-17? (62 Stück) (!32 Stück) (!60 Stück) (!70 Stück)



Begründete Rückmeldung: Acht Stück je Arbeitstag mal vier Arbeitstage ergeben 32 Stück Wiederbeschaffungsbedarf. Plus 30 Stück Sicherheitspuffer sind es 62 Stück.

Was gilt für L-03 beim Nettobedarf? (Keine zusätzliche Beschaffung nötig) (!115 Stück zurückbestellen) (!Sofort 20 Stück bestellen) (!Die Reservierungen ignorieren)



Begründete Rückmeldung: Der Bruttobedarf von 50 Stück liegt unter dem Dispositionsbestand von 165 Stück. Der Nettobedarf wird auf null begrenzt.

Was ändert sich bei einer erst nach dem Planhorizont eintreffenden D-17-Lieferung? (Der Mengenbedarf steigt auf 85 Stück vor Gebinderundung) (!Die 20 Stück bleiben sicher verfügbar) (!Der Sicherheitsbestand entfällt) (!Die Lagerzugänge werden rückgängig gemacht)



Begründete Rückmeldung: Die verspäteten 20 Stück dürfen im zehn Arbeitstage langen Horizont nicht hinzugerechnet werden. Dadurch sinkt der Dispositionsbestand auf 45 Stück.

Welche Information benötigt der Einkauf zusätzlich zu einer offenen Bestellmenge? (Einen bestätigten Liefertermin) (!Nur die Regalhöhe) (!Die Lieblingsfarbe der Verpackung) (!Eine geschätzte Lagerplatznummer)



Begründete Rückmeldung: Eine offene Bestellung hilft nur dann gegen den geplanten Bedarf, wenn die Ware rechtzeitig und in passender Qualität eingeht.

Welche Kennzahl verwendet die ABC-Analyse im dargestellten Fall? (Jährlichen Verbrauchswert je Artikel) (!Nur das Stückgewicht) (!Nur die Artikelnummer) (!Nur die Regalfläche)



Begründete Rückmeldung: Der jährliche Verbrauchswert entsteht aus Jahresverbrauchsmenge mal Stückwert. Hoher Verbrauchswert signalisiert erhöhten Steuerungsbedarf.


Memory

Ordne jeden Begriff seiner eindeutigen Bedeutung zu.

Buchbestand Ergebnis aus Anfangsbestand plus gebuchten Zugängen minus gebuchten Abgängen
Sperrbestand Noch nicht freigegebene und deshalb nicht frei nutzbare Menge
Reservierung Für einen konkreten Auftrag vorgemerkte Stückzahl
Meldebestand Bestandsgrenze zur Prüfung einer neuen Bestellung
Wiederbeschaffungszeit Erwartete Dauer bis zur rechtzeitigen Verfügbarkeit nach Beschaffung
Nettobedarf Fehlende Menge nach Abzug des im Horizont disponiblen Bestands





Drag and Drop

Ordne die Tätigkeiten der richtigen Funktion im Beschaffungsprozess zu.

Richtigen Begriff zuordnen Beschreibung der Tätigkeit
Bestandsabgleich Buchungen und Zählwerte nachvollziehbar miteinander vergleichen
Sperrprüfung Nicht freigegebene Ware vom freien Bestand trennen
Terminprüfung Lieferdatum einer offenen Bestellung auf Eignung kontrollieren
Bedarfsrechnung Prognose und disponiblen Bestand rechnerisch gegenüberstellen
Freigabeentscheidung Berechtigte Stelle entscheidet über die verbindliche Bestellung





Kreuzworträtsel

Trage pro Hinweis genau ein Fachwort ohne Leerzeichen ein.

Buchbestand Wie heißt die durch Lagerbuchungen rechnerisch ermittelte Menge?
Sperrbestand Wie nennt man die aktuell nicht freigegebene Bestandsmenge?
Meldebestand Welche Bestandsschwelle löst eine erneute Bestellprüfung aus?
Lieferzeit Wie heißt die Dauer zwischen Bestellung und eintreffender Ware?
Bestellmenge Welche Größe wird nach Rundung auf Gebinde beim Lieferanten angefragt?
Prognose Wie nennt man eine begründete Schätzung künftiger Mengen?





LearningApps

Nutze die LearningApps-Suche für passende Zuordnungsübungen und prüfe die fachliche Qualität gefundener Angebote. Das Suchergebnis ist keine von diesem Kurs neu erstellte oder überprüfte Einzel-LernApp.


Lückentext

Ergänze die zentralen Fachbegriffe und Modellzahlen selbstständig.

Setze die passenden Begriffe oder Zahlen ein.
Der gebuchte Bestand nach Zugängen und Abgängen heißt

.
Gesperrte Mengen werden vor Ermittlung des frei verfügbaren Bestands

.
Der freie Lagerbestand von D-17 beträgt

Stück.
Der Dispositionsbestand berücksichtigt termingerechte Lieferungen und bereits vorhandene

.
Der Bruttobedarf von D-17 einschließlich Puffer beträgt

Stück.
Der Nettobeschaffungsbedarf von D-17 vor Gebinderundung beträgt

Stück.
Bei Zehnerpackungen lautet der D-17-Beschaffungsvorschlag

Stück.
Der Meldebestand von D-17 beträgt

Stück.
Ein verspäteter Eingang erfordert eine erneute

.
Die ABC-Analyse ordnet Artikel nach ihrem jährlichen

.



Offene Aufgaben

Bearbeite exakt vier Aufgaben je Schwierigkeitsstufe. Dokumentiere Annahmen, Einheiten, Rechenweg, Datenstand und mögliche Grenzen der Aussage. Alle Aufgaben erfolgen ohne echte Kundendaten oder Freigaben.


Leicht

  1. Buchbestand rekonstruieren: Erstelle eine Dreispaltentabelle für D-17 mit Anfang, gebuchten Zu- und Abgängen und belege dein Ergebnis 65 Stk. durch eine Rückrechnung.
  2. Sperrbestand erklären: Zeichne auf Papier oder digital zwei getrennte Felder für 65 Stk. Buchbestand und 5 Stk. Sperrbestand und erläutere, warum nur 60 Stk. frei sind.
  3. Informationsweg darstellen: Zeichne ein Flussbild zwischen Lager, Einkauf und Wareneingang mit mindestens sechs Stationen und einer möglichen Fehlerquelle.
  4. Fachbegriffe vergleichen: Erstelle eigene Beispielsätze für Reservierung, offene Bestellung, Dispositionsbestand und Sicherheitsbestand; verwende den Modellfall.


Standard

  1. Nettobedarfe nachrechnen: Berechne für alle drei Kennungen Brutto- und Nettobedarf in Stück; berücksichtige Verpackungseinheiten und vergleiche mit 70, 10 und 0 Stk.
  2. Meldebestand berechnen: Erstelle eine Tabelle der Meldebestände von D-17, F-28 und L-03 einschließlich korrekt gekürzter Einheiten.
  3. Reichweiten analysieren: Berechne die Reichweiten aller drei Artikel aus dem freien Bestand und beurteile ihre Aussagekraft bei schwankenden Entnahmen.
  4. Buchungsfehler dokumentieren: Erarbeite ein fiktives Protokoll für die bei D-17 angenommene Differenz von −3 Stk. und beschreibe einen zulässigen Klärungsweg ohne selbstständige Bestandskorrektur.


Schwer

  1. Lieferverzug simulieren: Vergleiche D-17 mit und ohne fristgerechte 20-Stk.-Lieferung; berechne Beschaffungsvorschläge und beschreibe die Folgen einer weiterhin zu langen Lieferzeit.
  2. Wertanteile auswerten: Berechne Jahresverbrauchswerte, Wertanteile und kumulierte Anteile der drei Artikel; begründe geeignete Kontrolldichten ohne starre ABC-Grenzen zu behaupten.
  3. Schnittstelle verbessern: Entwickle einen digitalen Meldebogenvorschlag mit mindestens acht Feldern, zwei Plausibilitätsprüfungen und einem nachvollziehbaren Freigabeschritt.
  4. Bedarfsänderungen bewerten: Erhöhe den 10-Tage-Planbedarf von F-28 hypothetisch auf 75 Stk. und berechne bei sonst konstanten Angaben den neuen Nettobedarf 25 Stk. und den Gebindevorschlag 30 Stk.; begründe Risiken der Modellannahmen.




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Lernkontrolle

  1. Entscheidung mit Begründung: Stelle für D-17 den freien Bestand, den Dispositionsbestand, die Prognose, den Sicherheitsbestand und den Gebindevorschlag in einer prüfbaren Entscheidungsvorlage zusammen.
  2. Terminrisiko ermitteln: Erläutere, weshalb trotz positiver Mengenbilanz ein Fehlbestand entstehen kann; benenne mindestens zwei Termin- oder Qualitätsszenarien.
  3. Abweichung auswerten: Rechne das D-17-Zähldifferenzszenario nach und leite eine sachgerechte Meldung an die zuständige Stelle ab.
  4. Kosten kontrollieren: Verifiziere den rechnerischen Warenwert des Grundvorschlags von 1.680,00 € und nenne zwei weitere zu prüfende Kosten- oder Konditionsbestandteile.
  5. Verbesserung messen: Entwickle zwei beobachtbare Kennzahlen für die Qualität der Lager-Einkauf-Schnittstelle und beschreibe, wie du vor und nach einer Maßnahme vergleichst.
  6. Bildungsbereiche unterscheiden: Erkläre am Beispiel Bedarfsermittlung den Unterschied zwischen dem schulischen KMK-Lernfeld 10 und der betrieblichen Ausbildungsordnung samt betrieblicher Zuständigkeit.




Lernnachweis

Wissen: Fachbegriffe Buch-, Sperr-, verfügbarer und disponibler Bestand; Brutto- und Nettobedarf; Meldebestand; Reichweite; ABC-Analyse; Grenzen von Prognosen.

Können: Rechenwege mit Stück, Stück/Arbeitstag und Arbeitstagen darstellen; Gebinde korrekt berücksichtigen; Liefertermine plausibilisieren; Fehler protokollieren und Vorschläge nachvollziehbar dokumentieren.

Produkte: eine ausgefüllte Bestands- und Bedarfstabelle, eine Berechnung der drei Meldebestände, ein fiktives Abweichungsprotokoll, ein Flussdiagramm des Informationswegs und ein begründeter Bestellvorschlag mit Freigabevorbehalt.

Transfer: unterschiedliche Artikel- und Verbrauchssituationen beurteilen, Datenqualität im Team verbessern, sichere Grenzen der Zuständigkeit einhalten und schulische Lerninhalte von betrieblicher Praxis unterscheiden.


OER und Wikipedia

Amtliche fachliche Orientierung, geprüft am 21.10.2026:

Multimediale Quellen- und Rechteübersicht: Originaldateien werden verlinkt; Angaben zur Weiternutzung richten sich nach der verlinkten Originalseite und ihrer dort dokumentierten Lizenz. Abbildungen erklären Prinzipien und zeigen nicht den fiktiven Musterbetrieb.

Genaue Datei / Medium Quelle Urheber / Kanal Nachgewiesene Lizenz oder Rechtehinweis
File:A company's supply chain (de).svg Commons-Dateiseite Stern; SVG-Bearbeitung Voskos CC BY-SA 3.0
File:Supply chain.svg Commons-Dateiseite Maly LOLek CC BY-SA 3.0
File:Warehouse filled with stacked pallets showcasing efficient space usage during daytime operations.jpg Commons-Dateiseite Shixart1985 / Nenad Stojković CC BY 2.0
File:Bar code scanner.jpg Commons-Dateiseite Ayonitemi22 CC BY-SA 4.0
File:Inventory control - reorder point and service level.png Commons-Dateiseite Poul G Laut Originaldateiseite vom Urheber gemeinfrei zur Verfügung gestellt
File:Abc analyse beispiel diagramm.png Commons-Dateiseite Sandro M. Roch CC BY-SA 3.0 DE
File:De-Logistikbranche.ogg Commons-Dateiseite Jeuwre CC BY-SA 4.0
https://www.youtube.com/watch?v=1wWp0reDtiY Video Bestellpunktverfahren Wirtschaft gaaanz einfach! Öffentlicher Original-Embed; keine freie Weiternutzungslizenz verifiziert
https://www.youtube.com/watch?v=3onanvxFyyg Video ABC-Analyse Wirtschaft gaaanz einfach! Öffentlicher Original-Embed; keine freie Weiternutzungslizenz verifiziert

Audio und Animation: Die oben verlinkte Commons-Audioaufnahme ist eine Sprachprobe; die beiden externen Erklärvideos verwenden bewegte grafische Darstellungen. Keine eigenen Medien erzeugt, keine offenen Freigaben für YouTube-Inhalte behauptet. Zur Wahrung der Relevanz wird keine fachfremde GIF-Animation eingefügt.

Verifizierter Wikipedia-Artikel in deutscher Sprache:



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