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Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt - Joseph Beuys

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Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt - Joseph Beuys



Einleitung

Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt ist eine berühmte Kunstaktion von Joseph Beuys, die am 26. November 1965 in der Galerie Schmela in Düsseldorf stattfand. Der Titel wirkt zunächst absurd: Ein Künstler erklärt einem toten Tier Kunstwerke. Doch gerade diese scheinbare Absurdität macht die Arbeit zu einem Schlüsselwerk der Aktionskunst, der Performancekunst und des erweiterten Kunstbegriffs. Beuys stellte nicht nur die Frage, was Kunst ist, sondern auch, wie Kunst verstanden wird, wer sie erklären darf und ob reine Rationalität überhaupt genügt, um Kunst zu erfassen.

In dieser Aktion trat Beuys mit einem toten Hasen auf dem Arm durch die Ausstellung. Sein Kopf war mit Honig und Blattgold bedeckt. Die Besucherinnen und Besucher waren zunächst ausgeschlossen und konnten nur durch Fenster zuschauen. Damit verwandelte Beuys die übliche Ausstellungseröffnung in ein rätselhaftes Ritual. Nicht das Publikum erhielt die Erklärung, sondern ein totes Tier. Die Menschen sahen zu, wurden aber nicht direkt angesprochen. Dadurch wurde ihre Rolle als Betrachtende selbst zum Thema.

Dieser aiMOOC hilft Dir, die Aktion historisch einzuordnen, ihre Symbolik zu deuten, ihren Zusammenhang mit Fluxus, Konzeptkunst, Sozialer Plastik und Kunsttheorie zu verstehen und kritisch zu diskutieren, warum Beuys bis heute polarisiert.


Lernziele

Nach diesem aiMOOC kannst Du erklären, warum Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt ein Schlüsselwerk der Gegenwartskunst ist. Du kannst den Ablauf der Aktion beschreiben, wichtige Materialien wie Hase, Honig und Gold deuten und den Zusammenhang mit Beuys’ erweitertem Kunstbegriff herstellen. Außerdem kannst Du beurteilen, warum Beuys Kunst nicht nur als Objekt, sondern als Denken, Handeln, Sprache und gesellschaftliche Gestaltung verstand.


Historischer Kontext


Joseph Beuys als Künstler und Lehrer

Joseph Beuys wurde 1921 geboren und gehört zu den einflussreichsten Künstlern der europäischen Nachkriegskunst. Er arbeitete als Bildhauer, Zeichner, Aktionskünstler, Kunsttheoretiker und Lehrer an der Kunstakademie Düsseldorf. Beuys interessierte sich nicht nur für Kunstwerke im traditionellen Sinn, sondern für die Frage, wie Menschen durch Kreativität ihr eigenes Leben und die Gesellschaft verändern können.

Für Beuys war Kunst kein abgeschlossenes Luxusobjekt. Kunst war für ihn ein Prozess, der Denken, Sprache, Material, Körper, Politik, Pädagogik und soziale Beziehungen umfasst. Aus dieser Haltung entwickelte sich sein berühmter Erweiterter Kunstbegriff. Dieser Gedanke führt zur Sozialen Plastik: Die Gesellschaft selbst kann als gestaltbares Kunstwerk verstanden werden. Jeder Mensch kann mit Ideen, Handlungen und Verantwortung an dieser Gestaltung mitwirken.


Kunst nach 1945

Nach dem Zweiten Weltkrieg suchten viele Künstlerinnen und Künstler nach neuen Formen. Traditionelle Malerei und Skulptur erschienen vielen nicht mehr ausreichend, um die Erfahrungen von Gewalt, Zerstörung, Technisierung und gesellschaftlichem Umbruch auszudrücken. Neue Kunstformen wie Happening, Fluxus, Performancekunst, Installation und Konzeptkunst stellten die Grenzen zwischen Kunst und Leben infrage.

Beuys bewegte sich in diesem Umfeld. Ihn interessierten nicht nur sichtbare Formen, sondern auch unsichtbare Kräfte: Denken, Wärme, Energie, Erinnerung, Heilung, Sprache, Intuition und gesellschaftliche Veränderung. In seinen Aktionen verwendete er häufig Materialien wie Filz, Fett, Honig, Kupfer, Eisen, Gold, Tiere oder Naturzeichen. Diese Materialien sollten nicht einfach schön wirken, sondern Bedeutungsräume öffnen.


Die Galerie Schmela und der Anlass

Die Aktion fand in der Galerie Schmela in Düsseldorf statt. Die Galerie war ein wichtiger Ort für die avantgardistische Kunst der 1960er Jahre. Beuys’ Aktion geschah im Zusammenhang mit seiner Ausstellung. Statt eine normale Vernissage zu veranstalten, entwickelte er eine Handlung, die das Verhältnis von Künstler, Kunstwerk, Publikum und Erklärung radikal veränderte.

Das Publikum erwartete vermutlich eine Ausstellungseröffnung, Gespräche und Erklärungen. Beuys aber verschloss die Tür. Die Besucherinnen und Besucher blieben draußen. Damit wurde das Publikum nicht ausgeschlossen, weil es unwichtig war, sondern weil seine Erwartungshaltung sichtbar werden sollte. Wer Kunst nur durch schnelle Erklärung besitzen will, muss zunächst lernen, anders zu sehen.


Ablauf der Aktion


Was geschah am 26. November 1965?

Zu Beginn der Aktion verschloss Beuys die Galerietür von innen. Das Publikum konnte die Handlung nur durch Fenster beobachten. Beuys hatte seinen Kopf mit Honig und Blattgold bedeckt. Auf dem Arm trug er einen toten Hasen. Er ging mit dem Tier von Bild zu Bild und schien dem Hasen die Kunstwerke zu erklären. Er flüsterte, zeigte, bewegte sich langsam und konzentriert durch den Raum. Für die Menschen draußen blieb vieles unhörbar und unverständlich.

Die Aktion dauerte mehrere Stunden. Erst danach durfte das Publikum in die Galerie. Beuys saß mit dem Hasen auf dem Arm, dem Publikum den Rücken zugewandt. Auch diese Schlussposition war bedeutungsvoll: Der Künstler präsentierte sich nicht als Unterhalter, sondern als Figur eines rätselhaften Denk- und Wahrnehmungsprozesses.


Das Publikum als Teil des Kunstwerks

In traditionellen Ausstellungen betrachtet das Publikum fertige Werke an der Wand. Bei Beuys wurde das Publikum selbst in eine ungewohnte Lage versetzt. Es sah zwar etwas, verstand aber nicht alles. Es war anwesend, aber ausgeschlossen. Es war neugierig, aber auf Abstand gehalten. Dadurch wurde die Unsicherheit des Kunstverstehens erfahrbar.

Beuys zeigte, dass Kunst nicht einfach durch eine eindeutige Erklärung erledigt ist. Wer Kunst betrachtet, bringt Erwartungen, Vorwissen, Vorurteile und Gewohnheiten mit. Die Aktion störte diese Gewohnheiten. Sie fragte: Muss Kunst logisch erklärt werden? Kann ein Tier etwas an Kunst verstehen, das Menschen verlernen? Ist Kunst vielleicht weniger eine Sache des schnellen Begreifens als des intensiven Wahrnehmens?


Die Aktion als Erklärung ohne Erklärung

Der Titel verspricht eine Erklärung. Tatsächlich aber erklärt Beuys dem menschlichen Publikum fast nichts. Diese Spannung ist zentral. Die eigentliche Erklärung besteht nicht in einem Vortrag, sondern in der Performance selbst. Beuys erklärt Kunst, indem er zeigt, wie begrenzt gewöhnliche Erklärungen sein können.

Damit kritisierte die Aktion auch das Ritual der Kunstvermittlung. In Galerien und Museen wird Kunst oft mit Texten, Fachsprache und Autorität erklärt. Beuys setzte an diese Stelle ein Bild, das zugleich ernst, komisch, irritierend und poetisch ist: ein Künstler, der einem toten Hasen Bilder erklärt.


Materialien und Symbole


Der Hase

Der Hase ist in vielen Kulturen ein vieldeutiges Symbol. Er kann für Fruchtbarkeit, Lebenskraft, Erde, Verletzlichkeit, Schnelligkeit, Angst, Wiederkehr oder Auferstehung stehen. Bei Beuys wird diese Symbolik gebrochen, weil der Hase tot ist. Gerade dadurch entsteht eine Spannung zwischen Leben und Tod, Natur und Kultur, Instinkt und Verstand.

Beuys interessierte sich für das Tier nicht als Dekoration, sondern als Gegenfigur zum rationalen Menschen. Der tote Hase kann als stummer Adressat verstanden werden. Er kann nichts antworten, nicht widersprechen und nicht erklären. Trotzdem wird er zum Mittelpunkt der Kunstvermittlung. Diese Umkehrung macht die Aktion so provokant.


Honig

Honig ist ein Naturprodukt, das von Bienen hergestellt wird. Bei Beuys steht Honig häufig für Wärme, Nahrung, Energie, gemeinschaftliche Arbeit und lebendiges Denken. Wenn Beuys seinen Kopf mit Honig bedeckt, verbindet er Denken mit organischer Produktion. Der Kopf wird nicht als kalte Denkmaschine gezeigt, sondern als Ort lebendiger, schöpferischer Prozesse.

Honig verweist auch auf die soziale Organisation der Bienen. Beuys interessierte sich für Formen von Gemeinschaft und Zusammenarbeit. Deshalb kann Honig im Zusammenhang mit seiner Sozialen Plastik gelesen werden: Kreativität ist nicht nur individuell, sondern auch gemeinschaftlich.


Gold

Gold ist ein altes Symbol für Wert, Sonne, Reinheit, Weisheit und Wandlung. In der Alchemie steht Gold für Veredelung und Transformation. Wenn Beuys seinen Kopf mit Gold bedeckt, entsteht eine Art Maske. Sie macht den Künstler zugleich kostbar, fremd und rätselhaft. Der Kopf wird zur symbolischen Oberfläche: Denken erscheint als Material, als Licht, als Verwandlung.

Das Gold kann aber auch kritisch gelesen werden. In einer Galerie ist Gold mit Wert, Markt und Besitz verbunden. Beuys nutzt das wertvolle Material nicht zur Herstellung eines Luxusobjekts, sondern in einer vergänglichen Handlung. Dadurch verschiebt er die Frage nach dem Wert der Kunst.


Sprache, Schweigen und Flüstern

Die Aktion handelt stark von Sprache. Der Titel spricht vom Erklären. Beuys flüstert dem Hasen etwas zu. Das Publikum hört kaum oder nichts. Sprache ist also vorhanden, aber sie entzieht sich. Dadurch wird deutlich: Kunstvermittlung ist nicht nur die Übertragung von Information. Sie hat auch mit Nähe, Vertrauen, Stimme, Körper und Situation zu tun.

Beuys galt als Künstler, der viel sprach, diskutierte und lehrte. In dieser Aktion aber wird Sprache fast unzugänglich. Gerade dadurch wird sie sichtbar. Das Schweigen des Publikums und das Flüstern zum Hasen bilden eine starke Spannung.


Deutung und Bedeutung


Kritik am rationalen Kunstverstehen

Beuys kritisierte nicht das Denken an sich. Er kritisierte ein enges Verständnis von Denken, das nur logische Begriffe gelten lässt. Kunst kann zwar analysiert werden, aber sie erschöpft sich nicht in Analyse. Sie wirkt auch über Material, Körper, Raum, Zeit, Symbolik, Erinnerung und Gefühl.

Die Aktion kann daher als Kritik an einem Publikum verstanden werden, das Kunst sofort erklärt haben möchte. Beuys stellt die provokante Frage, ob ein toter Hase der Kunst vielleicht näherkommt als Menschen, die glauben, schon alles verstanden zu haben.


Der tote Hase als Spiegel des Menschen

Der tote Hase erklärt dem Menschen nichts direkt. Aber er wird zum Spiegel. Wer die Aktion betrachtet, muss sich fragen: Warum irritiert mich diese Szene? Warum erwarte ich eine klare Erklärung? Warum gilt das Flüstern zu einem Tier als absurd, während kunsttheoretische Fachsprache oft als normal gilt?

So kann man den Titel des aiMOOCs verstehen: Wie der tote Hase den Menschen zur Kunst erklärt. Der Hase ist nicht nur Objekt der Erklärung, sondern ein Mittel, mit dem Beuys den Menschen ihre eigene Haltung zur Kunst vor Augen führt. Die Aktion erklärt nicht das Bild, sondern den Blick auf Bilder.


Erweiterter Kunstbegriff

Beuys’ Erweiterter Kunstbegriff bedeutet, dass Kunst nicht nur aus gemalten Bildern oder geformten Skulpturen besteht. Auch Denken, Sprechen, Handeln, soziale Prozesse, politische Beteiligung und Bildung können künstlerisch verstanden werden, wenn sie bewusst gestaltet werden. Die Aktion mit dem Hasen ist deshalb nicht nur eine exzentrische Szene. Sie zeigt, dass Kunst ein Prozess sein kann.

Das Werk existiert nicht als einzelnes Objekt, das man einfach kaufen, aufhängen und betrachten kann. Es existiert als Handlung, Erinnerung, Dokumentation, Diskussion und Deutung. Damit wird die Grenze zwischen Kunstwerk, Künstler, Publikum und Theorie verschoben.


Soziale Plastik

Die Soziale Plastik ist ein zentraler Begriff bei Beuys. Sie meint, dass die Gesellschaft durch menschliche Kreativität gestaltet werden kann. Ideen, Gespräche, Entscheidungen und Handlungen formen das Zusammenleben. Kunst ist dann nicht nur im Museum, sondern überall dort, wo Menschen bewusst gestalten.

Ein späteres Beispiel dafür ist Beuys’ Projekt 7000 Eichen, das 1982 auf der documenta in Kassel begann. Dort wurden Bäume zusammen mit Basaltsteinen gepflanzt. Auch dieses Werk ist nicht nur ein Objekt, sondern ein langfristiger sozialer und ökologischer Prozess. Die Hasen-Aktion kann als früher Schritt zu diesem erweiterten Verständnis von Kunst gelesen werden.


Beuys, Fluxus und Performancekunst


Nähe zu Fluxus

Fluxus war eine internationale Kunstbewegung, die Musik, Aktion, Alltag, Humor und Zufall miteinander verband. Fluxus-Künstlerinnen und -Künstler stellten traditionelle Kunstformen infrage und betonten Prozesse statt fertiger Werke. Beuys stand mit Fluxus in Verbindung, entwickelte jedoch eine eigene, stark symbolische und theoretische Kunstsprache.

Wie Fluxus bricht auch Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt mit Erwartungen. Die Aktion ist kein Gemälde, keine klassische Skulptur und kein Theaterstück im üblichen Sinn. Sie ist eine zeitgebundene Handlung, die nur durch Dokumente, Berichte, Fotos, Filme und Erzählungen weiterlebt.


Performance statt Objekt

Bei einer Performance wird der Körper des Künstlers oder der Künstlerin Teil des Kunstwerks. Zeit, Raum, Bewegung und Publikum gehören dazu. In Beuys’ Aktion sind der Gang durch die Galerie, das Flüstern, die Maske aus Honig und Gold, der tote Hase und die Distanz zum Publikum nicht Beiwerk, sondern das Werk selbst.

Das macht die Interpretation anspruchsvoll. Man kann das Werk nicht vollständig durch ein einzelnes Foto verstehen. Man muss den Ablauf, den Ort, das Publikum, die Materialien und den kunsthistorischen Kontext berücksichtigen.


Dokumentation und Nachleben

Da die Aktion vergangen ist, kennen die meisten Menschen sie durch Fotografien, Filmaufnahmen, Berichte und Interpretationen. Das führt zu einer wichtigen Frage der Medienkritik: Ist die Dokumentation selbst schon das Kunstwerk? Oder bleibt sie nur ein Hinweis auf ein vergangenes Ereignis?

Bei Performancekunst ist diese Frage besonders wichtig. Eine Fotografie kann eine starke Ikone werden, aber sie ersetzt nicht die Erfahrung der Handlung. Gleichzeitig ermöglicht sie erst, dass spätere Generationen über die Aktion lernen und diskutieren können.


Kritische Perspektiven


Faszination und Irritation

Beuys faszinierte viele Menschen, weil er Kunst, Leben, Denken und Gesellschaft miteinander verband. Zugleich irritierte er durch rätselhafte Symbole, pathetische Auftritte und schwer überprüfbare Selbsterzählungen. Gerade deshalb ist eine kritische Beschäftigung wichtig. Man muss Beuys weder unkritisch verehren noch vorschnell ablehnen.

Eine gute Analyse fragt: Welche Wirkung hat die Aktion? Welche Materialien werden genutzt? Welche Rollen erhalten Künstler, Publikum und Tier? Welche gesellschaftlichen Fragen werden sichtbar? Welche Grenzen hat die Deutung?


Tier, Tod und Ethik

Heute wird der Einsatz eines toten Tieres in einer Kunstaktion besonders kritisch betrachtet. Die Aktion kann Fragen nach Tierethik, Instrumentalisierung und künstlerischer Freiheit auslösen. Es ist wichtig, solche Aspekte offen zu diskutieren. Eine heutige künstlerische Auseinandersetzung mit Beuys sollte nicht einfach nachahmen, sondern reflektieren, welche Formen verantwortbar sind.

Für eigene Aufgaben in diesem aiMOOC gilt: Verwende keine lebenden oder toten Tiere als Material. Arbeite mit Symbolen, Bildern, Zeichnungen, Texten, Ton oder Alltagsobjekten.


Mythos Beuys

Beuys entwickelte eine starke Künstlerfigur. Filzhut, Weste, bestimmte Materialien und Erzählungen wurden Teil seines künstlerischen Auftretens. Diese Selbstinszenierung ist Teil seines Werks, muss aber auch kritisch untersucht werden. Kunstgeschichte fragt nicht nur, was ein Künstler über sich selbst sagt, sondern auch, wie solche Aussagen wirken, wer sie übernimmt und welche Interessen damit verbunden sind.


Gegenwartsbezug


Kunst erklären im digitalen Zeitalter

Heute begegnen wir Kunst oft durch Erklärvideos, Social Media, Podcasts, Museumswebseiten, Audioguides oder KI-Systeme. Beuys’ Aktion ist deshalb erstaunlich aktuell. Sie fragt, ob Erklärungen Kunst wirklich näherbringen oder ob sie manchmal die eigene Wahrnehmung ersetzen.

Wenn ein Algorithmus ein Bild beschreibt, ist das hilfreich. Aber es bleibt die Frage: Was geschieht mit Deiner eigenen Erfahrung? Beuys fordert Dich heraus, nicht nur Informationen aufzunehmen, sondern Kunst sinnlich, kritisch und selbstständig zu begegnen.


Museum, Galerie und Öffentlichkeit

Die Aktion zeigt auch, dass Kunstorte soziale Räume sind. Eine Galerie ist nicht neutral. Sie regelt Zugang, Aufmerksamkeit, Wert und Deutung. Wer darf hinein? Wer bleibt draußen? Wer spricht? Wer schweigt? Wer versteht? Diese Fragen sind auch für heutige Museen, Schulen und digitale Lernräume wichtig.


Vom toten Hasen zur eigenen Frage

Der tote Hase ist keine einfache Antwortfigur. Er ist eine Fragefigur. Er zwingt Dich, über Kunst, Verstehen und Menschsein nachzudenken. Vielleicht besteht die wichtigste Wirkung der Aktion darin, dass sie keine endgültige Deutung zulässt. Sie bleibt offen und fordert immer neue Gespräche heraus.


Medienimpulse


Video zur Aktion

Das folgende Video kann als Einstieg oder Vertiefung genutzt werden. Achte darauf, wie die Aktion dokumentiert wird und welche Deutung angeboten wird.

{{#ev:youtube| https://www.youtube.com/watch?v=kVSbAJO4D1k |500|center}}


Weiterer Gesprächsimpuls zu Beuys

Das folgende Video eignet sich, um Beuys’ Sprache, seine Selbstdeutung und seinen erweiterten Kunstbegriff weiter zu untersuchen.

{{#ev:youtube| https://www.youtube.com/watch?v=Y4k6tChGcAU |500|center}}


Analysehilfen


Leitfragen zur Bild- und Aktionsanalyse

  1. Beschreibung: Was ist sichtbar? Welche Personen, Dinge, Materialien und räumlichen Situationen kommen vor?
  2. Ablauf: Welche Handlungen passieren nacheinander?
  3. Materialanalyse: Welche Bedeutungen können Hase, Honig, Gold, Raum und Fenster haben?
  4. Publikumsrolle: Was darf das Publikum sehen, hören, wissen oder nicht wissen?
  5. Interpretation: Welche Aussage über Kunst und Verstehen könnte die Aktion machen?
  6. Kritik: Welche ethischen, gesellschaftlichen oder kunsttheoretischen Einwände sind möglich?
  7. Transfer: Welche Formen der Kunstvermittlung kennst Du heute, die Beuys’ Fragen neu stellen?


Deutungsebenen

  1. Kunstvermittlung: Die Aktion hinterfragt, ob Kunst durch Worte vollständig erklärt werden kann.
  2. Ritual: Der Auftritt wirkt wie ein bewusst gestalteter symbolischer Vorgang.
  3. Symbol: Hase, Honig und Gold öffnen mehrere Bedeutungen, ohne eindeutig zu sein.
  4. Publikum: Die Betrachtenden werden ausgeschlossen und dadurch besonders bewusst gemacht.
  5. Gesellschaft: Der erweiterte Kunstbegriff verbindet Kunst mit menschlichem Handeln und sozialer Gestaltung.
  6. Medien: Fotografien und Filme prägen das Nachleben der Aktion.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Wann fand die Aktion Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt statt? (Am 26. November 1965) (!Am 12. Mai 1921) (!Am 23. Januar 1986) (!Im Jahr 1982)




In welcher Stadt wurde die Aktion aufgeführt? (Düsseldorf) (!Kassel) (!Berlin) (!München)




Welches Tier trug Beuys während der Aktion auf dem Arm? (Einen toten Hasen) (!Einen lebenden Hund) (!Einen ausgestopften Adler) (!Eine weiße Taube)




Womit war Beuys’ Kopf bei der Aktion bedeckt? (Mit Honig und Gold) (!Mit Farbe und Sand) (!Mit Ton und Wasser) (!Mit Kreide und Kohle)




Welche Rolle hatte das Publikum zu Beginn der Aktion? (Es musste draußen bleiben und durch Fenster zuschauen) (!Es saß im Kreis um Beuys) (!Es malte gemeinsam mit Beuys) (!Es durfte die Bilder selbst erklären)




Welche Kunstform passt besonders gut zu dieser Aktion? (Performancekunst) (!Historienmalerei) (!Freskomalerei) (!Porzellanmalerei)




Was bedeutet Beuys’ erweiterter Kunstbegriff im Kern? (Kunst umfasst auch Denken, Handeln und gesellschaftliche Gestaltung) (!Kunst darf nur aus Bronze oder Stein bestehen) (!Kunst ist ausschließlich Dekoration) (!Kunst soll immer ohne Publikum stattfinden)




Welches spätere Projekt gilt als Beispiel für Beuys’ Soziale Plastik? (7000 Eichen) (!Die Sixtinische Kapelle) (!Der Eiffelturm) (!Der Blaue Reiter)




Warum ist der Titel der Aktion provokant? (Weil ein toter Hase zum Adressaten einer Kunsterklärung wird) (!Weil die Aktion eine klassische Museumsführung ist) (!Weil Beuys ein realistisches Tierbild malte) (!Weil das Publikum die Bilder sofort kaufen musste)




Welche Frage steht im Zentrum der Aktion? (Wie Kunst verstanden und vermittelt werden kann) (!Wie man Gold chemisch reinigt) (!Wie man eine Galerie finanziert) (!Wie man einen Hasen biologisch bestimmt)





Memory

Honig Lebendiges Denken
Gold Verwandlung und Wert
Hase Intuition und Natur
Fenster Distanz des Publikums
Flüstern Sprache im Verborgenen
Galerie Ort der Kunstvermittlung
Soziale Plastik Gesellschaft als Gestaltung





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Galerie Schmela Ort der Aktion
Honig Symbol für lebendige Energie
Gold Symbol für Wert und Wandlung
Hase Adressat der Erklärung
Publikum Beobachtet zunächst von außen
Performance Kunstform als Handlung
Soziale Plastik Gesellschaft als gestaltbares Werk






Kreuzworträtsel

Schmela Wie hieß die Düsseldorfer Galerie der Aktion?
Honig Welches süße Naturprodukt trug Beuys auf dem Kopf?
Hase Welches Tier steht im Zentrum der Aktion?
Gold Welches wertvolle Material bedeckte Beuys’ Kopf?
Fluxus Welche Kunstbewegung steht Beuys’ Aktionen nahe?
Aktion Wie nennt man eine künstlerische Handlung bei Beuys häufig?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Joseph Beuys führte die Aktion Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt im Jahr

in Düsseldorf auf. Der Ort war die Galerie

. Beuys trug einen toten

auf dem Arm. Sein Kopf war mit

und

bedeckt. Das Publikum musste zunächst

bleiben und konnte nur durch Fenster zuschauen. Die Aktion gehört zur

und steht im Zusammenhang mit dem erweiterten

. Beuys wollte zeigen, dass Kunst nicht nur durch rationale

verstanden werden kann. Der Hase wird zu einem Symbol für

und Natur. Die Aktion fragt, wie Menschen Kunst

und welche Rolle Sprache, Körper und Material dabei spielen.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Beobachtungsprotokoll: Beschreibe die Aktion in zehn Sätzen so genau wie möglich, ohne sie zunächst zu deuten.
  2. Symbolkarte: Erstelle eine Karte mit den Symbolen Hase, Honig, Gold, Fenster und Flüstern. Notiere zu jedem Symbol mindestens drei mögliche Bedeutungen.
  3. Museumsfrage: Schreibe fünf Fragen auf, die Du Beuys stellen würdest, wenn Du bei der Aktion dabei gewesen wärst.
  4. Standbild: Entwickle mit einer Gruppe ein Standbild zum Thema Kunst erklären, ohne Worte zu benutzen. Verwendet keine Tiere und keine gefährlichen Materialien.


Standard

  1. Bildanalyse: Analysiere ein Foto oder eine Filmsequenz der Aktion nach Beschreibung, Material, Raum, Handlung und Wirkung.
  2. Vergleich: Vergleiche Beuys’ Aktion mit einer klassischen Museumsführung. Erkläre Unterschiede in Sprache, Publikum, Autorität und Ziel.
  3. Kommentar: Schreibe einen kurzen Kommentar zur Frage, ob Kunst überhaupt erklärt werden sollte.
  4. Kunstvermittlung: Entwirf eine alternative Führung für ein Kunstwerk, bei der nicht gesprochen wird. Beschreibe Ablauf, Materialien und Lernziel.


Schwer

  1. Erweiterter Kunstbegriff: Erkläre Beuys’ erweiterten Kunstbegriff an der Hasen-Aktion und an einem selbst gewählten Gegenwartsbeispiel.
  2. Kritische Debatte: Bereite eine Pro-und-Kontra-Debatte vor: Ist Beuys’ Aktion eine tiefgründige Kunstkritik oder eine problematische Selbstinszenierung?
  3. Performance-Konzept: Entwickle eine eigene ethisch verantwortliche Mini-Performance zum Thema Verstehen und Nichtverstehen. Schreibe Konzept, Ablauf, Materialliste und Reflexion.
  4. Essay: Verfasse einen Essay zur These: Der tote Hase erklärt nicht die Bilder, sondern den Menschen seine Grenzen.



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Lernkontrolle

  1. Transferanalyse: Erkläre an einem heutigen Beispiel aus Museum, Social Media oder KI-Bildbeschreibung, wie Beuys’ Frage nach der Kunsterklärung weiterlebt.
  2. Materialdeutung: Wähle drei Materialien der Aktion aus und zeige, wie sich ihre Bedeutung je nach Kontext verändert.
  3. Publikumsrolle: Beurteile, ob der Ausschluss des Publikums eine Abwertung oder eine Aktivierung der Betrachtenden ist.
  4. Ethik und Kunst: Entwickle Kriterien dafür, wann der Einsatz von Tieren, Tierbildern oder Tiersymbolen in der Kunst verantwortbar ist.
  5. Kunstbegriff: Vergleiche einen engen und einen erweiterten Kunstbegriff anhand der Hasen-Aktion.
  6. Dokumentation: Diskutiere, ob ein Foto einer Performance das Kunstwerk ersetzt, ergänzt oder verändert.
  7. Gesellschaftsbezug: Erkläre, wie von der Hasen-Aktion eine Linie zur Sozialen Plastik gezogen werden kann.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du den historischen Ablauf der Aktion korrekt darstellen kannst und nicht bei einer reinen Nacherzählung stehen bleibst. Du solltest die Materialien und Symbole differenziert deuten, den Zusammenhang mit Performancekunst, Fluxus, Erweiterter Kunstbegriff und Soziale Plastik erklären und eine eigene begründete Position entwickeln.

  1. Sachkompetenz: Du beschreibst Datum, Ort, Ablauf, Beteiligte und zentrale Materialien der Aktion korrekt.
  2. Deutungskompetenz: Du erklärst mehrere mögliche Bedeutungen von Hase, Honig, Gold, Fenster, Flüstern und Publikumsausschluss.
  3. Kontextkompetenz: Du ordnest die Aktion in Nachkriegskunst, Fluxus, Performancekunst und Beuys’ erweiterten Kunstbegriff ein.
  4. Urteilskompetenz: Du formulierst eine begründete eigene Einschätzung zur Wirkung und Problematik der Aktion.
  5. Transferkompetenz: Du überträgst die Leitfrage der Aktion auf heutige Formen der Kunstvermittlung.
  6. Gestaltungskompetenz: Du entwickelst eine eigene kreative und ethisch verantwortliche Auseinandersetzung mit dem Thema.
  7. Reflexionskompetenz: Du erklärst, wie sich Deine Sicht auf Kunst, Verstehen und Erklärung durch die Beschäftigung verändert hat.




OERs zum Thema



Links


Zusammenfassung

Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt ist ein Schlüsselwerk von Joseph Beuys, weil es eine einfache Erwartung radikal umkehrt: Nicht das menschliche Publikum erhält eine Kunsterklärung, sondern ein toter Hase. Dadurch werden die Menschen selbst zu Beobachtenden ihrer eigenen Erwartungen. Die Aktion verbindet Ritual, Symbol, Körper, Material, Sprache und Publikum zu einem offenen Kunstwerk. Sie kritisiert ein rein rationales Kunstverstehen und führt zum erweiterten Kunstbegriff, in dem Kunst als Denken, Handeln und gesellschaftliche Gestaltung verstanden wird. Gleichzeitig fordert sie zu kritischen Fragen nach Tierethik, Künstlerinszenierung und Kunstvermittlung heraus.

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