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Werkstücke strecken, breiten und schlichten - Schmied 1

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Werkstücke strecken, breiten und schlichten - Schmied 1




Werkstücke strecken, breiten und schlichten - Schmied


Einleitung

Das Strecken, Breiten und Schlichten gehört zu den grundlegenden Arbeitstechniken des manuellen Schmiedens. Du veränderst dabei die Form eines erwärmten Werkstücks durch gezielte Hammerschläge, ohne den Werkstoff spanend abzutragen. Entscheidend ist, den Werkstofffluss zu verstehen, die Schmiedetemperatur einzuhalten, geeignete Werkzeuge auszuwählen und das Ergebnis während der Arbeit fortlaufend zu prüfen.

Der Lernkurs richtet sich an Auszubildende im Metallhandwerk, besonders an angehende Metallbauerinnen und Metallbauer der Fachrichtung Metallgestaltung. In der Ausbildungsordnung wird ausdrücklich verlangt, Werkstücke nach Zeichnungen und Schablonen zu strecken, zu breiten und zu schlichten. Im schulischen Rahmenlehrplan ist dies dem Lernfeld Herstellen von Schmiedeteilen zugeordnet.

Wichtiger Sicherheitshinweis: Praktische Schmiedearbeiten dürfen nur in einer dafür eingerichteten Werkstatt, nach Unterweisung und unter Aufsicht einer fachkundigen Person ausgeführt werden. Betriebliche Gefährdungsbeurteilung, Betriebsanweisungen und persönliche Schutzausrüstung haben immer Vorrang.


Lernziele

Nach diesem aiMOOC kannst Du die drei Arbeitsverfahren fachlich unterscheiden, den Werkstofffluss erklären, geeignete Hammer- und Ambosswerkzeuge auswählen, eine Arbeitsfolge nach Zeichnung planen, Ausgangs- und Endmaße überschlägig berechnen, typische Fehlerbilder beurteilen und Qualitätsmerkmale eines geschmiedeten Werkstücks dokumentieren.


Einordnung in Ausbildung und Fertigungstechnik

Der heutige anerkannte Ausbildungsberuf in Deutschland heißt Metallbauer beziehungsweise Metallbauerin, Fachrichtung Metallgestaltung. Die traditionelle Bezeichnung Schmied wird im Handwerk weiterhin verwendet. Das Schmieden gehört zur Umformtechnik und dort zum Druckumformen. Beim Freiformschmieden enthalten Hammer und Amboss die vollständige Endform nicht. Du erzeugst die Form deshalb durch die Führung des Werkstücks, die Schlagrichtung, die Schlagstärke und die Auswahl geeigneter Hilfswerkzeuge.

Im Lernfeld Herstellen von Schmiedeteilen werden manuelles und maschinelles Schmieden, Werkstoffauswahl, Wärmequellen, Werkzeugwahl, Material- und Energiebedarf sowie die Prüfung von Form- und Maßgenauigkeit miteinander verbunden. Strecken, Breiten und Schlichten sind deshalb nicht nur Bewegungsabläufe am Amboss, sondern Teile eines vollständigen beruflichen Arbeitsprozesses aus Planen, Durchführen, Prüfen und Bewerten.


Grundprinzip: Werkstofffluss statt Materialabtrag

Beim Schmieden wird der erwärmte Werkstoff plastisch verformt. Sein Volumen bleibt bei einer idealisierten Betrachtung annähernd gleich:

V0V1

Für einen rechteckigen Stab gilt näherungsweise:

b0h0l0b1h1l1

Dabei stehen b für die Breite, h für die Höhe beziehungsweise Dicke und l für die Länge. In der Praxis entstehen geringe Verluste durch Zunder, Beschnitt und Nacharbeit. Diese Verluste müssen bei der Materialplanung durch ein angemessenes Aufmaß berücksichtigt werden.

Beispiel: Ein Vierkantabschnitt mit 20 mm × 20 mm Querschnitt und 80 mm Länge soll idealisiert auf einen Querschnitt von 20 mm × 10 mm gestreckt werden. Das Ausgangsvolumen beträgt 32.000 mm³. Der Zielquerschnitt beträgt 200 mm². Ohne Verluste ergibt sich eine theoretische Endlänge von 160 mm. In der Werkstatt muss zusätzlich berücksichtigt werden, dass Zunder und Endbearbeitung Material kosten.


Merksatz zur Finne

Die Finne ist der schmale, gerundete Teil eines Schmiedehammers. Der Werkstoff fließt bevorzugt quer zur Längsrichtung der Finne. Dadurch kannst Du die Richtung der Formänderung steuern. Die genaue Wirkung hängt zusätzlich von Auflage, Reibung, Werkstücktemperatur, Schlagfolge und Werkstückführung ab.


Strecken

Strecken, auch Recken genannt, bedeutet, ein Werkstück länger zu machen und seinen Querschnitt zu verringern. Dabei soll die Länge zunehmen, während Breite und Höhe kontrolliert verändert werden. Typische Anwendungen sind Spitzen, Zapfen, Schäfte, Übergänge und lang ausgezogene Zierelemente.

Beim schnellen Vorstrecken wird häufig mit einer gerundeten Finne, einem Kehlhammer, Ober- und Untergesenken oder über einer gerundeten Ambosskante gearbeitet. Die Vertiefungen werden anschließend mit der Hammerbahn eingeebnet. Durch regelmäßiges Drehen des Werkstücks verhinderst Du, dass sich der Querschnitt unkontrolliert verzieht.


Fachgerechte Schlagfolge beim Strecken

  1. Ausgangsform prüfen: Vergleiche Werkstoff, Querschnitt, Ausgangslänge, Zeichnung und Schablone.
  2. Umformzone erwärmen: Erwärme nur den benötigten Bereich gleichmäßig bis in den vorgeschriebenen werkstoffabhängigen Schmiedetemperaturbereich.
  3. Zunder entfernen: Reinige Werkstück und Ambossbahn so, dass loser Zunder nicht in die Oberfläche eingeschlagen wird.
  4. Vorstrecken: Setze gerichtete Schläge mit Finne, Kehle oder geeignetem Gesenk und arbeite in einer nachvollziehbaren Folge.
  5. Werkstück drehen: Drehe den Stab regelmäßig, damit Querschnitt, Geradheit und Übergänge kontrollierbar bleiben.
  6. Riefen einebnen: Nutze die Hammerbahn, um die beim Vorstrecken erzeugten Vertiefungen zu verteilen.
  7. Zwischenprüfen: Kontrolliere Länge, Querschnitt, Geradheit und Symmetrie mit Lehre, Schablone oder geeignetem Messmittel.
  8. Schlichten: Fertige das Werkstück mit leichteren, überlappenden Schlägen auf Maß und Oberfläche.


Typische Fehler beim Strecken

Ein ungleichmäßiger Vorschub kann Wellen und Einschnürungen erzeugen. Zu starke Schläge auf einer Seite führen zu Krümmung oder Verdrehung. Wird bei zu niedriger Temperatur weitergeschmiedet, können Risse entstehen. Eine ungeeignete Endform oder ein ungünstiger Werkstofffluss kann ein sogenanntes Fischmaul an der Stirnseite begünstigen. Tiefe Finnenriefen entstehen, wenn das Vorstrecken zu grob erfolgt oder nicht ausreichend ausgeschlichtet wird.


Breiten

Breiten bedeutet, die Breite eines Werkstücks zu vergrößern und dabei vor allem seine Dicke zu vermindern. Das Verfahren wird beispielsweise für Blätter, Laschen, Beschläge, Zierformen und flächige Übergänge eingesetzt. Da sich der Werkstoff nicht ausschließlich in eine Richtung bewegt, kann ein Werkstück beim Breiten zugleich etwas länger werden. Diese Nebenwirkung muss durch Schlagführung und Zwischenkontrollen begrenzt werden.

Zum gezielten Breiten mit der Finne wird deren Längsrichtung so ausgerichtet, dass der Werkstoff seitlich in die gewünschte Breite fließt. Häufig wird von der Werkstückmitte zu den Rändern gearbeitet. Beide Seiten werden abwechselnd bearbeitet, damit die Fläche symmetrisch bleibt und sich nicht schüsselförmig verzieht.


Breiten einer flachen Lasche

  1. Mittelachse festlegen: Markiere oder merke Dir die Symmetrieachse der späteren Lasche.
  2. Werkstück vollständig auflegen: Sorge für eine sichere und saubere Auflage auf der Ambossbahn.
  3. Werkstoff seitlich verdrängen: Richte die Finne entsprechend der gewünschten Fließrichtung aus.
  4. Schlagfelder überlappen: Vermeide einzelne tiefe Kerben und arbeite mit gleichmäßiger Zustellung.
  5. Seiten wechseln: Bearbeite Vorder- und Rückseite, damit die Lasche eben bleibt.
  6. Kontur prüfen: Vergleiche Breite, Dicke, Symmetrie und Übergang mit Schablone oder Lehre.
  7. Endform schlichten: Entferne Riefen und richte die Fläche auf der sauberen Ambossbahn.


Schlichten

Schlichten ist das Glätten, Richten und maßgerechte Fertigformen einer vorgeschmiedeten Oberfläche. Anders als beim Schleifen wird dabei kein Werkstoffspan abgenommen. Du verteilst vorhandene Erhöhungen durch leichte, kontrollierte und überlappende Schläge. Dazu dienen die saubere Hammerbahn, ein Schlichthammer, ein Setzhammer oder ein Flachschlichter.

Das Schlichten erfolgt am Ende der Umformung innerhalb eines geeigneten Temperaturbereichs. Das Werkstück muss noch verformbar sein, darf aber nicht mit unnötig schweren Schlägen bearbeitet werden. Eine saubere Ambossbahn und zunderfreie Werkstückoberfläche sind besonders wichtig, weil lose Oxidteilchen sonst als Vertiefungen eingeschlagen werden.


Ziele des Schlichtens

Qualitätsmerkmal Bedeutung Prüfmöglichkeit
Ebenheit Flächen weisen keine unnötigen Wellen, Buckel oder tiefen Hammerschläge auf. Haarlineal, Auflageprüfung, Sichtprüfung
Maßhaltigkeit Länge, Breite, Dicke und Übergänge entsprechen Zeichnung und zulässiger Toleranz. Lehre, Schablone, geeignete Messmittel
Geradheit Stäbe und Kanten verlaufen ohne unerwünschten Bogen oder Drall. Richtplatte, Ambossbahn, Sichtlinie
Symmetrie Rechte und linke Seite beziehungsweise Vorder- und Rückseite sind ausgeglichen. Mittellinie, Schablone, Vergleichsmessung
Oberfläche Keine Falten, Risse, eingebetteten Zunderstücke oder scharfen Kerben sind erkennbar. Sichtprüfung, gegebenenfalls weitere Werkstoffprüfung


Erwärmen und Temperaturführung

Ein Schmiedestück hat in der Fachsprache eine Hitze, wenn es für einen Arbeitsabschnitt erwärmt wurde. Reicht die Zeit bis zum Abkühlen nicht aus, wird es erneut erwärmt. Die zulässige Schmiedetemperatur hängt von Werkstoff, Querschnitt und Arbeitsschritt ab. Glühfarben können nur eine Orientierung geben, weil Umgebungslicht, Oberflächenzustand und Wahrnehmung das Farbbild verändern. Für genaue Temperaturkontrollen werden geeignete Messgeräte und betriebliche Vorgaben verwendet.

Beim Erwärmen soll die Umformzone gleichmäßig durchgewärmt werden. Eine zu hohe Temperatur kann starkes Verzundern, Kornwachstum oder Verbrennen des Stahls verursachen. Eine zu niedrige Temperatur erhöht Umformwiderstand und Rissgefahr. Deshalb gilt: Nicht nach Gefühl weiterhämmern, wenn der Werkstoff den zulässigen Endschmiedetemperaturbereich verlassen hat.

Das Werkstück wird nach dem Schmieden entsprechend Werkstoff, Bauteilfunktion und Arbeitsplan abgekühlt. Abschrecken ist keine allgemeine Abkürzung zum schnelleren Arbeiten, sondern eine gezielte Wärmebehandlung und darf nur erfolgen, wenn es der Arbeitsplan vorsieht.


Werkzeuge und Hilfswerkzeuge

Werkzeug Aufgabe beim Strecken, Breiten oder Schlichten Qualitäts- und Sicherheitsaspekt
Schmiedehammer Überträgt Schlagenergie über Bahn oder Finne. Kopf, Stiel, Keilung und Schlagflächen vor Arbeitsbeginn prüfen.
Amboss Nimmt die Gegenkraft auf und bietet Bahn, Kanten, Hörner und Werkzeuglöcher. Standsicher aufstellen, Bahn sauber halten, Arbeitskante passend auswählen.
Finne Konzentriert die Kraft und lenkt den Werkstofffluss. Kanten müssen gerundet und frei von Ausbrüchen sein.
Flachschlichter Glättet größere Flächen und verteilt Schläge. Sicher aufsetzen und nur nach klarer Absprache zuschlagen lassen.
Ober- und Untergesenk Beschleunigen das Strecken oder formen definierte Radien. Werkzeuge passend einsetzen und gegen Herausfallen sichern.
Schmiedezange Hält und führt das heiße Werkstück. Das Zangenmaul muss zum Querschnitt passen und sicher greifen.
Lehre oder Schablone Vergleicht Kontur, Länge, Breite und Übergänge. Temperaturbeständigkeit und sichere Handhabung beachten.
Drahtbürste Entfernt losen Zunder von der Oberfläche. Funken- und Zunderrichtung beachten, geeignete Schutzbrille tragen.


Arbeiten mit einem Zuschläger

Bei größeren Querschnitten oder Hilfswerkzeugen arbeitet die Schmiedin oder der Schmied häufig mit einem Zuschläger. Die führende Person hält Werkstück und Werkzeug, bestimmt Schlagstelle, Schlagstärke und Arbeitstempo. Der Zuschläger führt die schweren Schläge aus.

Vor Arbeitsbeginn werden eindeutige Kommandos, das Abbruchsignal und die sichere Standposition vereinbart. Geschlagen wird nur auf das eindeutig aufgesetzte Werkzeug. Hände, Zange und Körper dürfen nicht in der Schlagbahn liegen. Bei Unsicherheit oder verrutschtem Werkzeug wird sofort gestoppt. Gute Zusammenarbeit beruht auf Rhythmus, Blickkontakt, klarer Führung und gegenseitiger Rücksichtnahme.


Manuelles und maschinelles Schmieden

Beim Handschmieden bestimmt die Person am Amboss jeden Schlag unmittelbar. Maschinenhämmer und Pressen können größere Umformkräfte erzeugen und wiederholbare Arbeitsfolgen ermöglichen. Ein Hammer bringt Energie stoßartig ein, während eine Presse die Kraft langsamer und über einen längeren Weg aufbaut. Werkzeugwahl, Einrichten, Bedienung und Schutzmaßnahmen unterscheiden sich deshalb deutlich.

Maschinelles Schmieden darf nur nach gesonderter Unterweisung und unter Beachtung der Betriebsanleitung durchgeführt werden. Eingriffe in den Werkzeugeinbauraum, das Halten von Werkstücken und die Verwendung von Zangen oder Hilfsmitteln müssen durch das betriebliche Schutzkonzept geregelt sein.


Arbeitsplanung nach Zeichnung und Schablone

Eine fachgerechte Arbeitsplanung beginnt vor dem Erwärmen. Du analysierst die Zeichnung, bestimmst Funktionsflächen, Endmaße und zulässige Toleranzen. Anschließend legst Du Ausgangswerkstoff, Ausgangslänge, Aufmaß, Anzahl der Hitzen, Werkzeuge, Hilfswerkzeuge und Prüfschritte fest.

Planungsschritt Leitfrage
Bauteilfunktion Welche Flächen, Übergänge oder Kanten sind für die spätere Verwendung entscheidend?
Ausgangsquerschnitt Reicht das vorhandene Volumen für die Zielgeometrie einschließlich Aufmaß aus?
Umformreihenfolge Muss zuerst gestreckt, gebreitet, abgesetzt, gebogen oder geschlichtet werden?
Wärmeführung Welche Zone wird in welcher Reihenfolge erwärmt und bearbeitet?
Werkzeugauswahl Welche Hammerform, Finne, Gesenke, Zange und Lehre sind erforderlich?
Zwischenprüfung Nach welchem Arbeitsschritt werden Länge, Breite, Dicke und Geradheit geprüft?
Endkontrolle Welche Maße, Oberflächenmerkmale und Fehlergrenzen müssen dokumentiert werden?


Beispiel einer vollständigen Arbeitsfolge

Ein Vierkantstab soll an einem Ende zu einer flachen, längeren Lasche umgeformt werden.

  1. Zeichnung auswerten: Bestimme Laschenlänge, Laschenbreite, Dicke, Übergangsradius und zulässige Abweichungen.
  2. Volumen überschlagen: Berechne die erforderliche Ausgangslänge der Umformzone und ergänze ein betrieblich festgelegtes Aufmaß.
  3. Werkzeuge bereitstellen: Wähle passende Zange, Schmiedehammer, Finne, Flachschlichter, Bürste und Schablone.
  4. Umformzone erwärmen: Wärme den vorgesehenen Bereich gleichmäßig und werkstoffgerecht.
  5. Vorstrecken: Vergrößere zunächst die Länge und reduziere den Querschnitt kontrolliert.
  6. Breiten: Verteile den Werkstoff symmetrisch bis nahe an die Sollbreite.
  7. Übergang formen: Vermeide scharfe, unbeabsichtigte Kerben und gestalte einen gleichmäßigen Übergang.
  8. Schlichten: Richte und glätte die Lasche mit überlappenden Schlägen.
  9. Zwischen- und Endmaß prüfen: Vergleiche Länge, Breite, Dicke, Ebenheit und Symmetrie.
  10. Dokumentieren: Halte Abweichungen, Ursachen, Korrekturen und Verbesserungsvorschläge fest.


Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz

In der Schmiede treten Gefährdungen durch Hitze, Funken, Zunder, Lärm, Schlagwerkzeuge, schwere Werkstücke, Rauchgase und unvorhergesehene Werkstoffbewegungen auf. Sicherheit ist daher ein Teil der Arbeitsqualität.

  1. Persönliche Schutzausrüstung: Trage die nach Gefährdungsbeurteilung festgelegte Schutzbrille beziehungsweise Gesichtsschutz, Gehörschutz, Sicherheitsschuhe und geeignete Arbeitskleidung.
  2. Kleidung: Vermeide lose Kleidungsstücke und leicht schmelzende Textilien; lange Haare werden sicher zusammengebunden.
  3. Werkzeugprüfung: Verwende keine Hammerköpfe, Stiele, Zangen oder Hilfswerkzeuge mit Rissen, lockerem Sitz, Ausbrüchen oder gefährlichen Graten.
  4. Sicherer Griff: Die Zange muss das Werkstück formschlüssig oder zuverlässig klemmend halten.
  5. Arbeitsbereich: Halte Fluchtwege, Boden und Ambossumgebung frei; heiße Werkstücke werden eindeutig abgelegt oder gekennzeichnet.
  6. Zunder und Funken: Richte Schlag- und Bürstbewegungen so aus, dass keine Person getroffen wird.
  7. Lärm: Nutze Gehörschutz und vermeide unnötiges Kaltschmieden, weil kaltes Material höhere Kräfte und häufig stärkere Geräusche verursacht.
  8. Feuer und Ofen: Bediene Kohle- oder Gasschmiedefeuer nur nach Unterweisung, Betriebsanweisung und den geltenden Lüftungs- und Brandschutzregeln.
  9. Teamarbeit: Vereinbare beim Zuschlagen klare Kommandos und ein sofortiges Stoppsignal.
  10. Ergonomie: Passe Stand, Ambosshöhe, Hammergewicht und Arbeitsrhythmus an die Aufgabe an und wechsle belastende Tätigkeiten.


Fehlerbilder und Korrekturen

Fehlerbild Mögliche Ursache Vorbeugung oder fachliche Reaktion
Ungleichmäßiger Querschnitt Unregelmäßiger Vorschub, wechselnde Schlagstärke, zu seltenes Drehen Schlagfelder systematisch überlappen, häufiger zwischenprüfen, Werkstück gleichmäßig drehen
Krümmung oder Drall Einseitige Schläge, schlechte Auflage, unsymmetrisches Breiten Gegenrichten innerhalb des geeigneten Temperaturbereichs, Auflage und Schlagrichtung korrigieren
Tiefe Finnenriefen Zu scharfe Finne, zu starke Einzelhiebe, fehlendes Einebnen Werkzeugkante prüfen, Schläge besser verteilen, rechtzeitig mit der Bahn schlichten
Zundereindrücke Loser Zunder auf Werkstück oder Ambossbahn Oberfläche und Amboss regelmäßig reinigen, nicht auf Zunder weiterschmieden
Falten oder Überlappungen Werkstoff wird über sich selbst geschlagen oder ein Übergang wird falsch geführt Formänderung früh korrigieren; gefaltete Bereiche nicht einfach überschmieden
Risse Zu niedrige Temperatur, ungeeigneter Werkstoff, Kerbwirkung oder zu starke Umformung Arbeit stoppen, Ursache beurteilen, Werkstoff- und Temperaturvorgaben prüfen
Starkes Verzundern Zu lange oder zu heiße Erwärmung, oxidierende Atmosphäre Heizzeit und Feuerführung optimieren, nur benötigte Zone erwärmen
Maßabweichung Fehlende Zwischenprüfung, falsche Volumenplanung, zu spätes Schlichten Prüfpunkte im Arbeitsplan festlegen und Aufmaß kontrolliert abbauen

Ein Riss, eine Falte oder verbrannter Werkstoff ist kein Oberflächenfehler, der durch kräftiges Schlichten zuverlässig beseitigt werden kann. Solche Fehler müssen fachlich bewertet werden. Je nach Funktion des Bauteils kann Ausschuss erforderlich sein.


Qualität, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit

Gute Schmiedearbeit erreicht die geforderte Form mit möglichst wenigen Hitzen, geringem Zunderverlust und wenig Nacharbeit. Dazu gehören eine realistische Materialberechnung, kurze Wege zwischen Feuer und Amboss, passende Werkzeuge, ein vorbereiteter Prüfplan und eine zweckmäßige Schlagfolge. Wirtschaftlichkeit darf jedoch niemals zulasten von Arbeitssicherheit, Werkstoffqualität oder Maßhaltigkeit gehen.

Energie lässt sich sparen, wenn nur die erforderliche Umformzone erhitzt wird, das Feuer passend eingestellt ist und Arbeitsunterbrechungen vermieden werden. Zuschnitte und Reststücke werden geplant, sortenrein gesammelt und nach betrieblicher Regelung weiterverwendet oder recycelt.


Fachbegriffe im Überblick

Fachbegriff Erklärung
Bahn Flache Arbeitsfläche eines Schmiedehammers
Finne Schmaler, gerundeter Hammerteil zur gerichteten Werkstoffverdrängung
Hitze Ein Erwärmungs- und Bearbeitungsabschnitt
Zunder Oxidschicht, die auf heißem Stahl entsteht
Strecken Verlängern bei Verringerung des Querschnitts
Breiten Vergrößern der Breite bei Verringerung der Dicke
Schlichten Glätten, Richten und Fertigformen auf Maß
Zuschläger Zweite Person, die nach Anweisung schwere Schläge ausführt
Lehre Prüfmittel zum Vergleichen eines Maßes oder einer Form
Aufmaß Zusätzlich vorgesehenes Material für Verluste und Endbearbeitung


Quellen und fachliche Vertiefung

  1. BIBB: Metallbauer/Metallbauerin – Fachrichtung Metallgestaltung
  2. Ausbildungsordnung und Ausbildungsrahmenplan Metallbauer/Metallbauerin
  3. KMK-Rahmenlehrplan für den Ausbildungsberuf Metallbauer/Metallbauerin
  4. DGUV: Themenfeld Manuelles Schmieden
  5. Wikimedia Commons: Freie Medien zum Schmieden


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was ist das Hauptziel des Streckens? (Das Werkstück verlängern und seinen Querschnitt verkleinern) (!Das Werkstück nur abkühlen) (!Die Oberfläche spanend abschleifen) (!Das Werkstück ausschließlich härten)




In welche Richtung fließt der Werkstoff bevorzugt zur Längsrichtung einer Finne? (Quer zur Finne) (!Nur senkrecht nach unten) (!Ausschließlich zum Hammerstiel) (!Gar nicht seitlich)




Welche Aufgabe hat das Schlichten? (Glätten, Richten und Fertigformen auf Maß) (!Trennen des Werkstücks) (!Erzeugen einer Bohrung) (!Abschrecken des Werkstücks)




Welche Größe bleibt beim idealisierten Schmieden annähernd erhalten? (Das Werkstoffvolumen) (!Die Werkstücklänge) (!Die Werkstückbreite) (!Die Oberflächenfarbe)




Was ist Zunder? (Eine Oxidschicht auf der heißen Metalloberfläche) (!Ein Teil des Hammerstiels) (!Eine Form der Schmiedezange) (!Ein Kühlmittel für den Amboss)




Warum wird beim Strecken regelmäßig zwischengeprüft? (Um Maß, Geradheit und Querschnitt rechtzeitig zu korrigieren) (!Um das Werkstück möglichst oft abzukühlen) (!Um die Hammerbahn zu härten) (!Um die Zange schwerer zu machen)




Was ist bei der Arbeit mit einem Zuschläger besonders wichtig? (Klare Kommandos und ein vereinbartes Stoppsignal) (!Möglichst spontane Schlagfolgen) (!Arbeiten ohne Blickkontakt) (!Schlagen auf ein noch nicht aufgesetztes Werkzeug)




Welche Folge kann Schmieden bei zu niedriger Temperatur haben? (Erhöhter Umformwiderstand und Rissgefahr) (!Automatische Verbesserung der Oberfläche) (!Vollständige Vermeidung von Lärm) (!Sicheres Schmelzen des Werkstücks)




Wozu dient eine Schablone beim Schmieden? (Zum Vergleichen von Form und Kontur) (!Zum Befeuern der Esse) (!Zum Härten der Hammerbahn) (!Zum Auffangen von Zunder)




Welche Maßnahme verbessert die Oberfläche beim Schlichten? (Leichte überlappende Schläge auf sauberer Unterlage) (!Einzelne möglichst tiefe Finnenhiebe) (!Schmieden auf losem Zunder) (!Unkontrolliertes Abkühlen während jedes Schlages)





Memory

Strecken Länge nimmt zu
Breiten Breite nimmt zu
Schlichten Oberfläche wird geglättet
Finne Schmale Hammerseite
Bahn Flache Hammerseite
Zunder Oxidschicht auf heißem Stahl
Lehre Prüft Maß oder Form
Zuschläger Führt schwere Schläge aus





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Strecken Länge vergrößern und Querschnitt verkleinern
Breiten Breite vergrößern und Dicke verkleinern
Schlichten Oberfläche ebnen und Maßgenauigkeit verbessern
Finne Werkstoff gezielt quer zur Werkzeugkante verdrängen
Schablone Kontur eines Werkstücks vergleichen
Zuschläger Schwere Schläge nach klarer Anweisung ausführen






Kreuzworträtsel

Strecken Wie heißt das Verlängern eines Werkstücks durch Vermindern seines Querschnitts?
Breiten Wie heißt das Vergrößern der Werkstückbreite durch Umformen?
Schlichten Wie heißt das Glätten und maßgerechte Fertigformen einer Schmiedefläche?
Amboss Welche feste Unterlage nimmt beim Handschmieden die Schläge auf?
Zunder Wie heißt die Oxidschicht auf erwärmtem Stahl?
Finne Wie heißt der schmale keilförmige Teil eines Schmiedehammers?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Schmieden gehört zum

von Metallen. Beim Strecken nimmt die

des Werkstücks zu. Beim Breiten wird vor allem die

vergrößert. Das Glätten und Fertigformen heißt

. Der schmale Teil des Schmiedehammers wird

genannt. Die Oxidschicht auf heißem Stahl heißt

. Das Werkstoffvolumen bleibt idealisiert annähernd

. Eine Schablone dient zum Prüfen der

. Schwere Schläge nach Anweisung führt der

aus. Schmieden unterhalb des zulässigen Temperaturbereichs erhöht die Gefahr von

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Fachwortkarten Schmieden: Gestalte zehn Lernkarten mit Fachbegriff, Erklärung und einer kleinen Skizze.
  2. Werkzeugfoto beschriften: Fotografiere mit Erlaubnis einen eingerichteten Ambossplatz und beschrifte Bahn, Finne, Zange, Bürste und Lehre.
  3. Werkstofffluss mit Modelliermasse: Untersuche mit Modelliermasse, wie eine schmale Werkzeugkante Material quer zu ihrer Längsrichtung verdrängt, und dokumentiere die Beobachtung.
  4. Sicherheitscheck Schmiedeplatz: Erstelle eine Checkliste für Werkzeugzustand, persönliche Schutzausrüstung, Ablage heißer Werkstücke und freie Verkehrswege.


Standard

  1. Arbeitsplan für eine Lasche: Entwickle nach einer vorgegebenen Zeichnung eine Arbeitsfolge zum Strecken, Breiten und Schlichten einer flachen Lasche.
  2. Volumenberechnung Schmiedestück: Berechne für zwei unterschiedliche Ausgangsquerschnitte die theoretische Endlänge und begründe ein sinnvolles Aufmaß.
  3. Videoanalyse Strecken und Breiten: Analysiere eines der eingebetteten Videos hinsichtlich Hammerhaltung, Finnenlage, Werkstückdrehung, Zwischenprüfung und Sicherheitsverhalten.
  4. Qualitätsprotokoll Schmieden: Entwirf ein Prüfprotokoll für Länge, Breite, Dicke, Ebenheit, Symmetrie, Oberfläche und festgestellte Fehler.


Schwer

  1. Praxisstück unter Anleitung: Fertige unter fachkundiger Aufsicht ein Übungsstück mit gestrecktem Schaft und gebreiteter Lasche an und dokumentiere jede Hitze.
  2. Fehlerdiagnose Schmiedeteile: Untersuche bereitgestellte Muster oder Fotos auf Riefen, Zundereindrücke, Falten, Risse, Drall und Maßabweichungen und leite Ursachen ab.
  3. Teamarbeit mit Zuschläger planen: Entwickle ein Kommunikations- und Sicherheitskonzept für eine Zweierarbeit mit Setzhammer und Zuschläger.
  4. Schmiedeprozess optimieren: Vergleiche zwei mögliche Arbeitsfolgen hinsichtlich Hitzenzahl, Werkzeugwechsel, Materialverlust, Prüfaufwand und Energiebedarf.




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Lernkontrolle

  1. Verfahrensvergleich: Erkläre anhand eines Bauteils, warum Strecken, Breiten und Schlichten in einer bestimmten Reihenfolge ausgeführt werden sollten, und bewerte eine alternative Reihenfolge.
  2. Materialplanung: Berechne aus einer Zielgeometrie das idealisierte Ausgangsvolumen, lege ein begründetes Aufmaß fest und erläutere die Auswirkungen von Zunderverlust.
  3. Fehleranalyse: Ein gebreitetes Werkstück ist verdreht, weist tiefe Riefen auf und verfehlt die Sollbreite. Entwickle eine Ursachenanalyse und einen verbesserten Arbeitsablauf.
  4. Werkzeugauswahl: Wähle für einen dicken Vierkantstab geeignete Werkzeuge zum Vorstrecken und anschließenden Schlichten aus und begründe jede Auswahl.
  5. Sicherheitsbewertung: Bewerte eine Arbeitssituation, in der ein Zuschläger ohne vereinbartes Stoppsignal arbeitet und die Zange das Werkstück nur punktförmig greift.
  6. Transferaufgabe: Übertrage die Grundsätze des Streckens und Breitens auf die Herstellung eines dekorativen Blattes und beschreibe, welche Qualitätskriterien zusätzlich wichtig werden.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Begriffe wiedergeben, sondern einen vollständigen beruflichen Arbeitsprozess begründet darstellen kannst.

  1. Fachbegriffe sicher verwenden: Strecken, Recken, Breiten, Schlichten, Bahn, Finne, Hitze, Zunder, Lehre und Aufmaß korrekt erklären.
  2. Werkstofffluss erläutern: Beschreiben, wie Schlagrichtung, Finnenlage, Auflage und Werkstückdrehung die Formänderung beeinflussen.
  3. Arbeitsfolge planen: Zeichnung auswerten, Ausgangsmaße bestimmen, Werkzeuge auswählen und Prüfpunkte festlegen.
  4. Maße berechnen: Die angenäherte Volumenkonstanz für einfache Querschnitte anwenden und Verluste berücksichtigen.
  5. Sicher arbeiten: Gefährdungen erkennen, Schutzausrüstung einsetzen und Regeln für Feuer, Amboss, Zange und Zuschläger einhalten.
  6. Praxisqualität nachweisen: Ein Übungsstück unter Aufsicht maßgerecht strecken, breiten, schlichten und anschließend prüfen.
  7. Fehler beurteilen: Ursachen von Riefen, Drall, Zundereindrücken, Falten, Rissen und Maßabweichungen nachvollziehbar herleiten.
  8. Arbeitsprozess reflektieren: Materialeinsatz, Hitzenzahl, Energiebedarf, Nacharbeit und Verbesserungsvorschläge dokumentieren.




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