Wärmepumpen - Handwerk


Wärmepumpen - Handwerk
Einleitung
Wärmepumpen übertragen Wärme aus Luft, Erdreich oder Wasser auf ein Heizsystem. Im Handwerk zählen vor allem Planung, sichere Montage, Hydraulik, Inbetriebnahme und Dokumentation. Du lernst hier die wichtigsten Arbeitsschritte für die Ausbildung in SHK, Kältetechnik und Elektrotechnik.

Lernziele
Nach dem aiMOOC kannst Du den Kältekreislauf erklären, Wärmepumpenarten unterscheiden, Planungsdaten prüfen, Montage- und Inbetriebnahmeschritte ordnen, Messwerte bewerten und Sicherheitsgrenzen benennen.
Funktionsprinzip
Eine Wärmepumpe nutzt elektrische Arbeit, um Umweltwärme auf ein höheres Temperaturniveau zu bringen. Der geschlossene Kältekreis besteht aus vier Hauptbauteilen:
| Bauteil | Aufgabe |
|---|---|
| Verdampfer | Das Kältemittel nimmt Umweltwärme auf und verdampft. |
| Verdichter | Er erhöht Druck und Temperatur des Kältemitteldampfs. |
| Verflüssiger | Das Kältemittel gibt Wärme an das Heizwasser ab und kondensiert. |
| Expansionsventil | Es senkt Druck und Temperatur vor dem Verdampfer. |

Für die Praxis gilt: Je kleiner der Temperaturunterschied zwischen Wärmequelle und Heizungswasser, desto effizienter arbeitet die Anlage. Niedrige Vorlauftemperaturen und ein passender Volumenstrom sind deshalb besonders wichtig.[1]
Arbeitszahlen richtig lesen
Der COP beschreibt einen Betriebspunkt unter Prüfbedingungen. Die Jahresarbeitszahl vergleicht über einen längeren Zeitraum abgegebene Wärme mit eingesetztem Strom:
JAZ = abgegebene Wärmemenge ÷ Stromverbrauch
Beispiel: 12.000 kWh Wärme ÷ 4.000 kWh Strom = JAZ 3. Neben dem Verdichterstrom sollen auch relevante Hilfsenergien betrachtet werden.
Wärmepumpenarten
| System | Wärmequelle | Handwerklicher Schwerpunkt |
|---|---|---|
| Luft-Wasser | Außenluft | Aufstellung, Schall, Kondensat, Abtauung |
| Sole-Wasser | Erdreich | Solekreis, Druckprüfung, Frostschutz, Genehmigungen |
| Wasser-Wasser | Grundwasser | Brunnen, Wasserqualität, Genehmigungen |
| Luft-Luft | Außenluft | Luftführung, Filter, Kondensat |



Planung im Betrieb
Eine gute Wärmepumpe beginnt nicht mit der Montage, sondern mit vollständigen Daten.
- Gebäude erfassen: Nutzung, beheizte Fläche, Dämmstandard, Heizflächen und Verbrauchsdaten prüfen.
- Heizlast bestimmen: Raumweise Heizlast fachgerecht berechnen; alte Kesselleistung nicht einfach übernehmen.
- Temperaturen prüfen: Erforderliche Vorlauftemperatur und Heizkurve ermitteln.
- Heizflächen bewerten: Heizkörper oder Flächenheizung auf die nötige Leistung prüfen.
- Wärmequelle wählen: Platz, Schall, Boden, Wasserrecht und Zugänglichkeit berücksichtigen.
- Hydraulik planen: Volumenstrom, Rohrnetz, Pumpen, Speicher und Abtauenergie abstimmen.
- Schnittstellen klären: SHK, Elektro, Kältefachbetrieb, Tiefbau und Kunde koordinieren.
Aufstellung der Außeneinheit
Die Außeneinheit braucht freien Luftstrom, einen tragfähigen Untergrund und eine sichere Kondensatableitung. Ansaug- und Ausblasbereich dürfen nicht zugestellt werden. Schallreflexionen an Wänden, Fenstern oder Ecken sind früh zu prüfen. Herstellerangaben, örtliche Regeln und Nachbarschaftsschutz sind verbindlich.

Hydraulik und Wärmeübergabe
Ein korrekt berechneter Volumenstrom verhindert unnötig hohe Temperaturen, Strömungsgeräusche und häufiges Takten. Der hydraulische Abgleich verteilt das Heizwasser bedarfsgerecht. Ein Pufferspeicher ist kein Automatismus: Er wird nur eingesetzt, wenn Hydraulik, Mindestvolumen, Abtauung oder Regelung ihn erfordern.

Typische hydraulische Prüfpunkte
| Prüffrage | Mögliche Folge bei Fehlern |
|---|---|
| Ist der Volumenstrom ausreichend? | Störung, hohe Spreizung, schlechte Abtauung |
| Ist die Heizkurve so niedrig wie möglich? | Unnötig hoher Stromverbrauch |
| Sind Filter und Schmutzfänger sauber? | Druckverlust und Minderleistung |
| Sind Leitungen gedämmt und entlüftet? | Wärmeverlust, Geräusche, Korrosion |
| Ist die Warmwasserstrategie passend? | Hoher Temperaturhub und lange Laufzeiten |

Montage und Inbetriebnahme
Die konkrete Reihenfolge folgt Planung, Herstellerunterlagen und betrieblicher Arbeitsanweisung.
- Baustelle sichern: Gefährdungen beurteilen, Transportweg und Hebemittel planen.
- Komponenten setzen: Außen- und Inneneinheit spannungsfrei, waagerecht und zugänglich montieren.
- Leitungen herstellen: Hydraulische Leitungen fachgerecht verbinden, dämmen und kennzeichnen.
- System prüfen: Spülen, füllen, entlüften sowie Dichtheit und Anlagendruck kontrollieren.
- Elektrik übergeben: Anschluss, Schutzorgane und Messungen durch qualifizierte Elektrofachkräfte ausführen lassen.
- Kältekreis beachten: Arbeiten nur mit erforderlicher Qualifikation, Zertifizierung und Ausrüstung durchführen.
- Parameter einstellen: Heizkurve, Warmwasser, Zeitprogramme, Pumpen und Grenzwerte anpassen.
- Probebetrieb durchführen: Temperaturen, Drücke, Volumenstrom, Leistungsaufnahme und Fehlerspeicher prüfen.
- Kunden einweisen: Bedienung, Wartung, Störmeldung und Verbrauchskontrolle erklären.
- Dokumentieren: Messwerte, Einstellungen, Prüfungen und Übergabeprotokoll festhalten.
Sicherheit und Kältemittel
Am Kältekreis bestehen Gefahren durch Druck, Kälteverbrennung, Sauerstoffverdrängung, elektrische Spannung und je nach Kältemittel Brand- oder Explosionsgefahr. R290 ist beispielsweise ein Kältemittel der Sicherheitsgruppe A3 mit hoher Brennbarkeit.[2] Sicherheitsbereiche, Lüftung, Zündquellenfreiheit und Herstellerangaben müssen eingehalten werden.
Fluorierte Kältemittel dürfen nicht absichtlich freigesetzt werden. Für Installation, Wartung, Dichtheitskontrolle und Rückgewinnung können Personen- und Betriebszertifizierungen erforderlich sein. Maßgeblich sind unter anderem die Verordnung EU 2024/573, nationale Vorschriften, DIN EN 378, Arbeitsschutzregeln und Herstellerunterlagen.[3]
Merksatz: Ohne Auftrag, Unterweisung, passende Qualifikation und Gefährdungsbeurteilung keine Arbeit am Kältekreis oder an elektrischen Komponenten.

Fehlersuche
| Beobachtung | Zuerst prüfen |
|---|---|
| Räume bleiben kühl | Heizkurve, Volumenstrom, Ventile, Luft im System |
| Anlage taktet häufig | Heizlast, Mindestleistung, Hydraulik, Regelung |
| Hoher Stromverbrauch | Vorlauftemperatur, Warmwasser, Heizstab, Laufzeiten |
| Außeneinheit vereist stark | Luftweg, Kondensat, Abtauung, Sensorwerte |
| Strömungsgeräusche | Pumpeneinstellung, Ventile, hydraulischer Abgleich |
Bei der Fehlersuche nie nur einen Einzelwert betrachten. Betriebszustand, Außentemperatur, Sollwerte und zeitlicher Verlauf gehören zusammen.
Qualitätskontrolle
Eine fachgerechte Übergabe umfasst Anlagen- und Elektrodokumentation, eingestellte Heizkurve, hydraulischen Abgleich, Messwerte, Kältemitteldaten, Sicherheitsunterweisung und Hinweise zur Verbrauchskontrolle. Die Jahresarbeitszahl lässt sich aus Wärmemenge und Stromverbrauch bestimmen.[4]
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welches Bauteil erhöht Druck und Temperatur des Kältemittels? (Verdichter) (!Verdampfer) (!Expansionsventil) (!Heizkreisverteiler)
Wo nimmt das Kältemittel Umweltwärme auf? (Im Verdampfer) (!Im Verflüssiger) (!Im Pufferspeicher) (!Im Schmutzfänger)
Was beschreibt die Jahresarbeitszahl? (Das Verhältnis von abgegebener Wärme zu eingesetztem Strom) (!Den maximalen Betriebsdruck) (!Die Lautstärke der Außeneinheit) (!Die Länge der Kältemittelleitung)
Welche Größe muss vor der Auslegung fachgerecht bestimmt werden? (Die Heizlast) (!Die Farbe der Rohrdämmung) (!Die Zahl der Werkzeugkoffer) (!Die Höhe des Firmenfahrzeugs)
Was verbessert meist die Effizienz einer Wärmepumpe? (Eine niedrige Vorlauftemperatur) (!Eine dauerhaft hohe Heizkurve) (!Ein ständig aktiver Heizstab) (!Ein geschlossener Luftauslass)
Wozu dient der hydraulische Abgleich? (Zur bedarfsgerechten Verteilung des Heizwassers) (!Zum Befüllen des Kältekreises) (!Zum Anschluss der Stromversorgung) (!Zur Messung des Schalldrucks)
Was ist bei einer Luftwärmepumpe besonders zu planen? (Schall und Kondensatableitung) (!Brunnenwasseranalyse) (!Bohrtiefe der Erdsonde) (!Schornsteinquerschnitt)
Wer darf den elektrischen Anschluss ausführen? (Eine dafür qualifizierte Elektrofachkraft) (!Jede anwesende Person) (!Nur der Kunde) (!Ausschließlich der Lieferfahrer)
Welche Aussage zum Pufferspeicher ist richtig? (Er wird nach hydraulischer Notwendigkeit geplant) (!Er ist bei jeder Wärmepumpe zwingend) (!Er ersetzt den hydraulischen Abgleich) (!Er senkt immer die Vorlauftemperatur)
Was gehört zur fachgerechten Übergabe? (Messwerte Einstellungen und Einweisung) (!Nur die Rechnung) (!Nur ein Foto der Außeneinheit) (!Nur die Werkverpackung)
Memory
| Verdampfer | Aufnahme von Umweltwärme |
| Verdichter | Druckerhöhung im Kältekreis |
| Verflüssiger | Wärmeabgabe an Heizwasser |
| Expansionsventil | Druckabsenkung des Kältemittels |
| Heizlast | Grundlage der Leistungswahl |
| Hydraulischer Abgleich | Bedarfsgerechte Wasserverteilung |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Gebäudedaten erfassen | Planung |
| Außeneinheit ausrichten | Montage |
| Anlage entlüften | Hydraulik |
| Heizkurve einstellen | Inbetriebnahme |
| Messwerte protokollieren | Dokumentation |
| Kunden einweisen | Übergabe |
...
Kreuzworträtsel
| Verdichter | Welches Bauteil erhöht den Druck des Kältemittels? |
| Verdampfer | Wo nimmt das Kältemittel Umweltwärme auf? |
| Verflüssiger | Wo gibt das Kältemittel Wärme an das Heizwasser ab? |
| Expansion | Welcher Vorgang senkt den Druck vor dem Verdampfer? |
| Solekreis | Welcher Kreislauf verbindet Erdsonde und Wärmepumpe? |
| Abtauung | Welcher Vorgang entfernt Eis am Luftwärmetauscher? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Bauteilkarte: Zeichne den Kältekreis und beschrifte Verdampfer, Verdichter, Verflüssiger und Expansionsventil.
- Werkzeugcheck: Stelle eine sichere Werkzeug- und PSA-Liste für eine beaufsichtigte Wärmepumpenmontage zusammen.
- Fotoanalyse: Markiere auf einem Anlagenfoto Luftweg, Kondensatweg und Wartungszugang.
- Kundensprache: Erkläre die Wärmepumpe in fünf kurzen Sätzen ohne Fachjargon.
Standard
- Aufstellungsplan: Entwirf für ein Beispielhaus zwei mögliche Standorte der Außeneinheit und vergleiche Schall, Luftführung und Leitungsweg.
- Messprotokoll: Entwickle ein Formular für Temperaturen, Volumenstrom, Stromaufnahme, Betriebszustand und Fehlerspeicher.
- Heizkurvenversuch: Beschreibe, wie eine Heizkurve schrittweise optimiert werden kann, ohne den Komfort zu verlieren.
- Hydraulikschema: Zeichne ein vereinfachtes Schema mit Wärmepumpe, Heizkreis, Pumpen, Sicherheitsgruppe und optionalem Speicher.
Schwer
- Fehlerdiagnose: Bearbeite den Fall hohe Stromaufnahme bei kalten Räumen und erstelle einen begründeten Prüfplan.
- Baustellenkoordination: Plane die Schnittstellen zwischen SHK, Elektrofachkraft, Kältefachbetrieb, Tiefbau und Kundschaft.
- Bestandsanalyse: Untersuche ein reales Gebäude auf Heizflächen, Vorlauftemperaturen und mögliche Verbesserungen vor dem Wärmepumpeneinbau.
- Unterweisungsvideo: Produziere ein kurzes Video zu Gefahren, Schutzmaßnahmen und Stop-Kriterien bei der Montage.


Lernkontrolle
- Anlagenvergleich: Begründe für ein Beispielgebäude, ob Luft-Wasser oder Sole-Wasser geeigneter ist.
- Planungsfehler: Erkläre, warum die Übernahme der alten Kesselleistung zu einer ungünstigen Wärmepumpenauslegung führen kann.
- Systemdenken: Zeige den Zusammenhang zwischen Heizlast, Heizfläche, Vorlauftemperatur, Volumenstrom und Stromverbrauch.
- Störungsanalyse: Entwickle aus den Symptomen Takten, hohe Vorlauftemperatur und kalte Räume eine sinnvolle Prüfreihenfolge.
- Sicherheitsentscheidung: Formuliere Situationen, in denen Du die Arbeit stoppen und eine qualifizierte Fachkraft hinzuziehen musst.
- Übergabekonzept: Entwirf eine Kundeneinweisung, die effizienten Betrieb und rechtzeitige Störungserkennung unterstützt.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis sind wichtig:
- Den Kältekreislauf fachlich richtig erklären.
- Wärmepumpenarten passend zum Einsatzfall vergleichen.
- Planungsdaten und Schnittstellen vollständig erfassen.
- Montage- und Inbetriebnahmeschritte sicher ordnen.
- Messwerte im Zusammenhang bewerten.
- Gefahren, Zuständigkeiten und Qualifikationsgrenzen beachten.
- Eine vollständige Dokumentation und Kundeneinweisung erstellen.
OERs zum Thema
Quellen und Regeln für die Praxis
- Umweltbundesamt: Wärmepumpe
- Verordnung EU 2024/573
- DIN EN 378
- VDI 4645
- Herstellerunterlagen, betriebliche Arbeitsanweisungen und örtliche Vorgaben
Verknüpfte Lernbereiche
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