Zum Inhalt springen

Verkehr der Zukunft - Deutschland 1

Aus MOOCsWiki Staging
aiMOOC-Siegel

Verkehr der Zukunft - Deutschland 1




Verkehr der Zukunft - Deutschland


Einleitung

Wie sieht der Verkehr in Deutschland in den kommenden Jahrzehnten aus? Eine belastbare Antwort besteht nicht aus einer einzelnen Erfindung. Die Zukunft des Verkehrs entsteht vielmehr aus dem Zusammenspiel von Vernetzung, Automatisierung, Elektrifizierung, Künstlicher Intelligenz, leistungsfähiger Infrastruktur, neuen Mobilitätsdiensten und einer konsequenten Ausrichtung auf Klimaschutz und gesellschaftliche Teilhabe.

Für Deutschland ist die Aufgabe besonders anspruchsvoll: Mobilität soll zuverlässig, sicher, bezahlbar und möglichst barrierefrei bleiben, während gleichzeitig Treibhausgasemissionen, Energieverbrauch, Flächenbedarf, Lärm und Ressourcenverbrauch sinken sollen. Nach dem Bundes-Klimaschutzgesetz sollen die deutschen Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 bis 2030 um mindestens 65 Prozent und bis 2040 um mindestens 88 Prozent sinken. Bis 2045 soll Netto-Treibhausgasneutralität erreicht werden. Der Verkehrssektor bleibt dabei ein schwieriges Handlungsfeld: Nach Angaben des Umweltbundesamtes stiegen seine Treibhausgasemissionen 2025 gegenüber 2024 wieder an.

Dieser aiMOOC betrachtet den Verkehr deshalb als technisches Gesamtsystem. Du lernst, wie Fahrzeuge und Infrastruktur Daten austauschen, wie automatisierte Fahrzeuge ihre Umgebung wahrnehmen und Entscheidungen treffen, warum Elektromobilität allein noch keine vollständige Verkehrswende ist und wie Schiene, ÖPNV, Rad- und Fußverkehr mit digitalen Technologien verknüpft werden können.


Lernziele

Nach der Bearbeitung des aiMOOCs kannst Du zentrale Technologien des zukünftigen Verkehrs erklären und ihre Wechselwirkungen beurteilen. Du kannst insbesondere zwischen Vernetzung und Automatisierung unterscheiden, technische Komponenten eines automatisierten Fahrzeugs einordnen, Klimawirkungen über den Lebenszyklus betrachten und Zielkonflikte zwischen Effizienz, Sicherheit, Datenschutz, Ressourcenbedarf und Verkehrsnachfrage analysieren.

Du sollst außerdem erkennen, dass technische Innovationen nicht automatisch zu nachhaltiger Mobilität führen. Entscheidend ist, wie Technologien in Verkehrsplanung, Raumplanung, Energieversorgung, Regulierung und öffentliche Mobilitätsangebote eingebettet werden.


Vernetzung: Verkehr als digitales System

Vernetzung bedeutet, dass Verkehrsteilnehmende, Fahrzeuge, Verkehrsinfrastruktur und digitale Dienste Informationen austauschen. Häufig wird dafür der Sammelbegriff V2X verwendet: Vehicle-to-Everything. Dazu gehören die Kommunikation zwischen Fahrzeugen, zwischen Fahrzeug und Infrastruktur sowie zwischen Fahrzeugen und digitalen Hintergrundsystemen.

Ein vernetztes Fahrzeug kann beispielsweise Informationen über eine Gefahrenstelle, eine Baustelle oder eine Ampelphase erhalten, bevor die eigene Sensorik die Situation vollständig erfassen kann. Eine vernetzte Ampel kann aktuelle Verkehrsdaten berücksichtigen. Öffentliche Verkehrsmittel können Echtzeitpositionen bereitstellen, damit Anschlüsse besser geplant werden. Im Güterverkehr können Logistiksysteme Ankunftszeiten, freie Ladepunkte, verfügbare Umschlagkapazitäten oder Störungen berücksichtigen.

Technisch besteht ein vernetztes Verkehrssystem aus mehreren Ebenen. Sensoren erzeugen Rohdaten. Kommunikationssysteme übertragen ausgewählte Informationen. Rechner im Fahrzeug oder am Straßenrand verarbeiten zeitkritische Daten möglichst nah am Entstehungsort. Zentrale Plattformen können größere Datenmengen für Planung, Prognosen oder multimodale Dienste zusammenführen. Sicherheitskritische Fahrfunktionen dürfen dabei nicht davon abhängen, dass eine entfernte Cloud-Verbindung jederzeit verfügbar ist.

In Deutschland stellt die Mobilithek einen zentralen Zugang zu Mobilitätsdaten bereit. Sie dient unter anderem dem Austausch digitaler Informationen von Mobilitätsanbietern, Infrastrukturbetreibern, Verkehrsbehörden und Informationsdiensten. Ergänzend ermöglicht der Mobility Data Space einen dezentralen und datensouveränen Austausch zwischen Organisationen. Dabei bleibt wichtig, wer Daten zu welchem Zweck nutzen darf.

Ebene Typische Technik Aufgabe
Wahrnehmung Kamera, Radar, LiDAR, Induktionsschleife, GNSS, Fahrzeugsensoren Zustände der Umgebung und des Fahrzeugs erfassen
Kommunikation Mobilfunk, WLAN-basierte Fahrkommunikation, Glasfaser, Funknetze Daten zwischen Fahrzeugen, Infrastruktur und Diensten übertragen
Verarbeitung Fahrzeugrechner, Edge Computing, Rechenzentren Daten filtern, fusionieren, prognostizieren und Entscheidungen unterstützen
Dienste Routing, Verkehrsmanagement, On-Demand-Verkehr, Logistikplattformen Mobilitätsangebote koordinieren
Governance Datenschutz, Zugriffsrechte, IT-Sicherheit, Standards Vertrauen, Sicherheit und Interoperabilität gewährleisten


Automatisierung: vom Assistenzsystem zum autonomen Betrieb

Automatisierung beschreibt, wie viele Aufgaben der Fahrzeugführung ein technisches System selbst übernimmt. Ein Assistenzsystem kann beispielsweise die Geschwindigkeit regeln oder beim Spurhalten unterstützen. Bei höheren Automatisierungsstufen übernimmt das System die dynamische Fahraufgabe innerhalb klar definierter Grenzen.

Für automatisierte Fahrzeuge ist die Operational Design Domain, kurz ODD, zentral. Sie beschreibt, unter welchen Bedingungen ein System eingesetzt werden darf: etwa in einem bestimmten Straßennetz, bei bestimmten Geschwindigkeiten, Wetterlagen oder Verkehrssituationen. Ein System kann technisch sehr leistungsfähig sein und trotzdem nur für einen begrenzten Einsatzbereich freigegeben sein.

Die technische Verarbeitung lässt sich vereinfacht als Kette darstellen:

  1. Umfelderfassung: Kameras, Radar, LiDAR und weitere Sensoren erfassen Fahrbahn, Objekte und Bewegungen.
  2. Lokalisierung: GNSS, Trägheitssensoren, Karten und Landmarken helfen, die eigene Position zu bestimmen.
  3. Sensorfusion: Mehrere Datenquellen werden kombiniert, um Unsicherheiten einzelner Sensoren zu verringern.
  4. Prädiktion: Das System schätzt ab, wie sich andere Verkehrsteilnehmende wahrscheinlich bewegen werden.
  5. Trajektorienplanung: Ein sicherer und regelkonformer Fahrweg wird berechnet.
  6. Fahrzeugregelung: Lenkung, Beschleunigung und Bremsen setzen den geplanten Fahrweg um.

Deutschland hat für autonome Fahrzeuge einen besonderen Rechtsrahmen geschaffen. Das Straßenverkehrsgesetz erlaubt Fahrzeuge mit autonomer Fahrfunktion in festgelegten Betriebsbereichen, wenn die gesetzlichen und technischen Voraussetzungen erfüllt sind. Eine Technische Aufsicht kann unter anderem die autonome Funktion deaktivieren oder in vorgesehenen Situationen alternative Fahrmanöver freigeben. Das Fahrzeug muss Systemgrenzen erkennen und sich gegebenenfalls selbst in einen risikominimalen Zustand versetzen.

Ein aktuelles deutsches Anwendungsfeld sind autonome On-Demand-Shuttles im ÖPNV. Das Projekt KIRA untersucht Level-4-Fahrzeuge unter realen Verkehrsbedingungen. Solche Fahrzeuge könnten künftig besonders als Zubringer zu Bahnhöfen, in ländlichen Räumen oder zu verkehrsschwachen Zeiten interessant werden. Ob sie tatsächlich Verkehr vermeiden oder zusätzlichen Autoverkehr erzeugen, hängt jedoch stark von der Ausgestaltung des Angebots ab.


Klimaschutz: mehr als nur ein neuer Antrieb

Für einen klimaverträglichen Verkehr reicht es nicht aus, Fahrzeuge lediglich zu digitalisieren. Eine verbreitete Systematik unterscheidet drei Strategien: Verkehr vermeiden, Verkehr verlagern und Verkehr verbessern.

Vermeiden bedeutet nicht, Menschen Mobilität zu verbieten. Gemeint ist, unnötige oder besonders lange Wege durch geeignete Raumplanung, digitale Dienstleistungen, wohnortnahe Versorgung und effizientere Logistik zu verringern. Verlagern bedeutet, einen größeren Anteil der Wege auf Bahn, Bus, Fahrrad, Fußverkehr oder gemeinsam genutzte Fahrzeuge zu verschieben. Verbessern bedeutet, die verbleibenden motorisierten Fahrten energie- und ressourceneffizienter zu machen.

Bei Pkw ist die Elektromobilität ein wichtiger Baustein. Batterieelektrische Fahrzeuge haben lokal keine Abgasemissionen aus dem Auspuff. Für die Klimabilanz müssen jedoch auch Fahrzeug- und Batterieproduktion, Strombereitstellung, Nutzungsphase und Recycling betrachtet werden. Mit einem zunehmend erneuerbaren Stromsystem verbessert sich die Klimawirkung des elektrischen Fahrens weiter. Gleichzeitig bleiben Rohstoffbedarf, Fahrzeuggröße, Reifenabrieb, Flächenbedarf und Verkehrsmenge relevante Umweltfragen.

Öffentliche Ladeinfrastruktur ist Teil dieses Systems. Die Bundesnetzagentur führt ein Register der gemeldeten öffentlich zugänglichen Ladepunkte und aktualisiert die Datengrundlage regelmäßig. Technisch wichtig sind neben der Zahl der Ladepunkte auch Ladeleistung, Netzanschluss, Verfügbarkeit, Bezahlmöglichkeiten, Interoperabilität und die Frage, wann Fahrzeuge laden. Intelligentes und perspektivisch bidirektionales Laden kann helfen, Fahrzeugbatterien besser mit dem Stromsystem zu koordinieren.

Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe sind ebenfalls denkbare Energieträger. Wegen zusätzlicher Umwandlungsschritte benötigen sie für dieselbe nutzbare Energiemenge in vielen Anwendungen mehr erneuerbare Primärenergie als die direkte Stromnutzung. Deshalb ist die Frage entscheidend, wo ein Energieträger eingesetzt wird. Bei schwer elektrifizierbaren Anwendungen können andere Lösungen sinnvoll sein als im alltäglichen Pkw-Verkehr.


Öffentlicher Verkehr und digitale Schiene

Ein klimaverträgliches Verkehrssystem braucht leistungsfähige Alternativen zum privaten Pkw. Dazu gehören ÖPNV, Regional- und Fernverkehr auf der Schiene, flexible On-Demand-Angebote sowie gute Umsteigepunkte.

Digitalisierung kann die Kapazität vorhandener Infrastruktur besser nutzbar machen. Auf der Schiene spielt das europäische Zugbeeinflussungssystem ETCS eine zentrale Rolle. Es übermittelt Informationen zu Fahrterlaubnis und Geschwindigkeit digital und schafft eine Grundlage für weitere Automatisierung. Im Digitalen Knoten Stuttgart werden digitale Stellwerkstechnik, ETCS und automatisierte Betriebsfunktionen in großem Maßstab zusammengeführt und erprobt.

Automatisierung kann auch im ÖPNV neue Betriebsmodelle ermöglichen. Kleine Fahrzeuge könnten nach Bedarf fahren, statt auf jeder Linie einen festen Takt mit großen Fahrzeugen anzubieten. Das ist vor allem dort interessant, wo die Nachfrage räumlich und zeitlich stark schwankt. Gleichzeitig muss verhindert werden, dass viele kleine Fahrzeuge einen gut ausgelasteten Bus oder eine Bahn ersetzen und dadurch mehr Fahrzeugkilometer erzeugen.


Rad- und Fußverkehr, Sharing und Stadtplanung

Die technisch spektakulärsten Verkehrsmittel sind nicht automatisch die nachhaltigsten. Zu Fuß gehen und Fahrradfahren benötigen wenig Energie, verursachen im Betrieb kaum direkte Treibhausgasemissionen und beanspruchen vergleichsweise wenig Verkehrsfläche. Ihre Bedeutung hängt stark von der Qualität der Infrastruktur ab.

Vernetzung kann auch den sogenannten Umweltverbund stärken. Digitale Auskunftssysteme können Bahn, Bus, Sharing, Fahrrad und Fußwege zu einer Reisekette kombinieren. Ein Mobilitätsdienst kann beispielsweise eine Verbindung anzeigen, bei der Du mit dem Fahrrad zum Bahnhof fährst, mit der Regionalbahn weiterreist und für die letzte Strecke ein On-Demand-Shuttle nutzt. Dieses Prinzip wird häufig als intermodale Mobilität oder im weiteren Sinne als Mobility as a Service beschrieben.

Entscheidend bleibt die Stadt- und Raumplanung. Wenn Wohnen, Arbeit, Bildung, Einkauf und Freizeit weit auseinanderliegen, entsteht Verkehr bereits durch die räumliche Struktur. Eine verkehrssparsame Stadt kann deshalb technisch weniger spektakulär sein, aber große Wirkung entfalten.


Güterverkehr und Logistik

Auch der Güterverkehr wird vernetzter und automatisierter. Digitale Plattformen können Transporte bündeln, Routen optimieren und Ankunftszeiten genauer prognostizieren. Automatisierte Lkw könnten auf geeigneten Strecken Teile der Fahraufgabe übernehmen. Elektrische schwere Nutzfahrzeuge, Ladehubs, Schienengüterverkehr, kombinierter Verkehr und automatisierte Umschlagtechnik können miteinander verbunden werden.

Eine technische Effizienzsteigerung kann jedoch einen Rebound-Effekt auslösen. Wird Transport billiger oder bequemer, kann die Nachfrage steigen. Dann wird ein Teil der erwarteten Energie- oder Emissionseinsparung durch zusätzliche Transporte wieder aufgehoben. Das Umweltbundesamt weist deshalb darauf hin, dass Digitalisierung und Automatisierung ohne geeignete Rahmenbedingungen auch zu mehr motorisiertem Verkehr führen können.

Für eine nachhaltige Logistik ist daher nicht nur die Frage wichtig, wie effizient ein einzelner Lkw fährt. Ebenso wichtig sind Auslastung, Leerfahrten, Transportentfernung, Verkehrsträgerwahl, Umschlag, Verpackung, Lagerstruktur und die Gestaltung der letzten Meile.


Daten, KI, Cybersicherheit und funktionale Sicherheit

Ein vernetztes Fahrzeug ist zugleich ein komplexes Computersystem. Dadurch entstehen neue Anforderungen an Cybersicherheit. Manipulierte Nachrichten, kompromittierte Software oder unzureichend geschützte Schnittstellen könnten sicherheitskritische Folgen haben. Deshalb müssen Authentifizierung, Verschlüsselung, sichere Software-Updates, Zugriffskontrollen und eine robuste Systemarchitektur bereits bei der Entwicklung berücksichtigt werden.

Daneben steht die funktionale Sicherheit: Was passiert, wenn ein Sensor ausfällt, ein Rechner überhitzt oder widersprüchliche Messwerte auftreten? Sicherheitskritische Systeme benötigen Redundanzen, Fehlererkennung und definierte Rückfallebenen. Bei automatisiertem Fahren muss ein System außerdem Situationen bewältigen, die zwar keinen klassischen Hardwarefehler darstellen, aber außerhalb dessen liegen, was die Wahrnehmungs- oder Entscheidungssoftware sicher interpretieren kann.

Künstliche Intelligenz wird vor allem bei Objekterkennung, Situationsbewertung, Prognosen und Verkehrssteuerung eingesetzt. KI-Systeme müssen jedoch getestet, überwacht und gegen ungewöhnliche Situationen abgesichert werden. Eine hohe Treffergenauigkeit im Durchschnitt reicht für sicherheitskritische Anwendungen nicht aus, wenn seltene Randfälle zu gefährlichen Fehlentscheidungen führen können.

Auch Datenschutz ist ein Systemthema. Bewegungsdaten können sehr aussagekräftig sein. Ein nachhaltiges und digitales Verkehrssystem braucht deshalb nicht maximal viele Daten, sondern die richtigen Daten in der notwendigen Qualität mit klaren Nutzungsrechten.


Deutschland: Ausgangslage und Rahmenbedingungen

Die Mobilität in Deutschland bleibt stark vom motorisierten Individualverkehr geprägt. Die Studie Mobilität in Deutschland 2023 zeigt zugleich Veränderungen: Der Anteil der Wege zu Fuß ist gegenüber 2017 gestiegen, der öffentliche Verkehr erreicht einen etwas höheren Wegeanteil und der motorisierte Individualverkehr hat leicht an Bedeutung verloren. Stadt und Land unterscheiden sich dabei deutlich.

Für die Zukunft wirken mehrere Rahmenbedingungen gleichzeitig:

Bereich Stand beziehungsweise Ziel Bedeutung für den Verkehr der Zukunft
Klimaschutz Mindestens 65 Prozent weniger Treibhausgase bis 2030 gegenüber 1990; Netto-Treibhausgasneutralität bis 2045 Verkehr muss deutlich schneller dekarbonisiert werden
Emissionen Verkehrsemissionen stiegen 2025 gegenüber 2024 wieder Technischer Fortschritt allein genügt nicht
Automatisierung Autonome Fahrzeuge sind in genehmigten festgelegten Betriebsbereichen rechtlich möglich Reallabore und Regelbetrieb können schrittweise wachsen
Mobilitätsdaten Mobilithek und Mobility Data Space ermöglichen unterschiedliche Formen des Datenaustauschs Daten werden zur Infrastruktur des Verkehrs
Ladeinfrastruktur Öffentlich zugängliche Ladepunkte werden von der Bundesnetzagentur fortlaufend registriert Netzausbau, Ladeleistung und Verfügbarkeit werden zentral
Schiene ETCS, digitale Stellwerke und automatisierte Betriebsfunktionen werden schrittweise eingeführt Bestehende Netze sollen sicherer und leistungsfähiger genutzt werden


Chancen und Zielkonflikte

Technische Systeme müssen anhand mehrerer Ziele gleichzeitig bewertet werden. Ein autonomes Fahrzeug kann die Mobilität älterer oder mobilitätseingeschränkter Menschen verbessern. Wenn dadurch jedoch sehr viele zusätzliche Pkw-Fahrten entstehen, verschlechtert sich möglicherweise die Klima- und Flächenbilanz. Ein Elektroauto kann im Lebenszyklus deutlich klimaverträglicher sein als ein vergleichbarer Verbrenner, benötigt aber weiterhin Rohstoffe, Energie und Straßenraum.

Vernetzte Verkehrssteuerung kann Staus reduzieren. Wenn dadurch Autofahren attraktiver wird und zusätzliche Fahrten entstehen, kann der langfristige Effekt geringer ausfallen als erwartet. Automatisierte Shuttles können ländliche Räume besser erschließen. Wenn sie als Zubringer zur Bahn eingesetzt werden, können sie den Umweltverbund stärken; ersetzen sie dagegen gut ausgelastete Linienbusse, kann das Ergebnis ungünstiger sein.

Chance Technischer Mechanismus Möglicher Zielkonflikt
Mehr Sicherheit Sensorfusion, V2X, automatisierte Notfallreaktionen Neue Software- und Cyberrisiken
Weniger Emissionen Elektrische Antriebe, effiziente Steuerung Rohstoffbedarf und zusätzliche Verkehrsleistung
Bessere Erreichbarkeit On-Demand-Shuttles und autonome Fahrzeuge Mehr Fahrzeugkilometer und Leerfahrten
Höhere Netzkapazität Digitale Schiene und Verkehrsmanagement Technische Komplexität und hohe Investitionen
Komfort Automatisierung und nahtlose digitale Dienste Rebound-Effekte durch attraktivere Pkw-Nutzung
Datenbasierte Planung Echtzeitdaten und digitale Zwillinge Datenschutz, Datensouveränität und Abhängigkeit von Plattformen


Drei denkbare Zukunftsbilder

Ein technikzentriertes Szenario setzt vor allem auf private automatisierte Elektrofahrzeuge. Die Fahrzeuge sind effizienter und sicherer, aber der Straßenraum bleibt stark ausgelastet und zusätzliche Fahrten können Klimavorteile abschwächen.

Ein integriertes Szenario verbindet Elektrifizierung, Schiene, ÖPNV, Fahrrad, Fußverkehr, Sharing und autonome Zubringer. Daten werden genutzt, um Verkehrsmittel zu koordinieren. Private Pkw bleiben Teil des Systems, verlieren aber in gut erschlossenen Räumen an Bedeutung.

Ein resilientes Szenario ergänzt diese Integration um robuste Infrastrukturen, dezentrale Energieversorgung, Cyberabwehr, barrierefreie Angebote und Anpassung an Extremwetter. Hier wird Verkehr nicht nur als Frage von Geschwindigkeit betrachtet, sondern als kritische Infrastruktur.

Welches Szenario Realität wird, ist keine rein technische Entscheidung. Es hängt von Investitionen, Regeln, Preisen, Stadtplanung, gesellschaftlicher Akzeptanz und individuellen Entscheidungen ab.


Quellen und Datenstand

Datenstand dieses aiMOOCs ist August 2026. Für überprüfbare aktuelle Angaben wurden insbesondere folgende öffentliche Quellen verwendet:

  1. Bundes-Klimaschutzgesetz: Nationale Klimaschutzziele.
  2. Umweltbundesamt: Treibhausgasemissionen in Deutschland.
  3. Umweltbundesamt: Emissionen des Verkehrs.
  4. Umweltbundesamt: Chancen und Risiken von Digitalisierung und Automatisierung.
  5. Straßenverkehrsgesetz: Automatisierte und autonome Fahrfunktionen.
  6. Bundesministerium für Verkehr: Mobilität in Deutschland 2023.
  7. Mobilithek: Nationaler Zugang zu Mobilitätsdaten.
  8. Mobility Data Space: Datensouveräner Mobilitätsdatenraum.
  9. Bundesnetzagentur: Öffentliche Ladeinfrastruktur.
  10. Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt: Forschung zu intelligenter Mobilität.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was beschreibt V2X im vernetzten Verkehr? (Den Datenaustausch eines Fahrzeugs mit anderen Fahrzeugen Infrastruktur und Diensten) (!Nur die elektrische Energieübertragung zwischen Fahrzeugen) (!Nur die Navigation über Satelliten) (!Nur die Kommunikation zwischen Fahrgästen)




Was beschreibt die Operational Design Domain eines automatisierten Systems? (Die Bedingungen unter denen das System bestimmungsgemäß eingesetzt werden darf) (!Die Farbe und Ausstattung des Fahrzeugs) (!Die Eigentumsform des Straßenbetreibers) (!Die Länge der täglichen Fahrstrecke)




Was kennzeichnet autonomes Fahren in einem festgelegten Betriebsbereich am besten? (Das System bewältigt die Fahraufgabe innerhalb des genehmigten Bereichs selbstständig) (!Der Fahrer muss ständig lenken und bremsen) (!Das Fahrzeug darf nur auf Privatgelände fahren) (!Das Fahrzeug benötigt grundsätzlich keine Sensoren)




Bis wann soll Deutschland nach dem Bundes-Klimaschutzgesetz Netto-Treibhausgasneutralität erreichen? (2045) (!2030) (!2035) (!2050)




Warum führt Automatisierung nicht automatisch zu mehr Klimaschutz? (Zusätzliche Fahrten und Leerfahrten können Effizienzgewinne teilweise aufheben) (!Automatisierte Fahrzeuge können grundsätzlich nicht elektrisch fahren) (!Digitale Systeme benötigen immer Dieselkraftstoff) (!Automatisierung verhindert die Nutzung des öffentlichen Verkehrs gesetzlich)




Welche Aufgabe hat die Mobilithek? (Sie ermöglicht den Zugang und Austausch von Mobilitätsdaten) (!Sie genehmigt ausschließlich neue Pkw Modelle) (!Sie produziert Batteriezellen) (!Sie steuert alle Fahrzeuge in Deutschland zentral)




Was ist Sensorfusion? (Das Zusammenführen verschiedener Sensordaten zu einem konsistenteren Umgebungsbild) (!Das mechanische Verschweißen zweier Sensoren) (!Das Abschalten aller Sensoren bei schlechtem Wetter) (!Das Ersetzen von Software durch Straßenschilder)




Wie sollte die Klimawirkung eines Elektroautos sinnvoll bewertet werden? (Über Herstellung Strombereitstellung Nutzung und Recycling) (!Nur über die Farbe der Karosserie) (!Nur über die Höchstgeschwindigkeit) (!Nur über die Zahl der digitalen Assistenzsysteme)




Welche Aufgabe übernimmt ETCS im Eisenbahnverkehr? (Es unterstützt eine standardisierte digitale Zugbeeinflussung und Sicherung) (!Es ersetzt Schienen durch Straßen) (!Es ist ein Bezahlsystem für Fahrräder) (!Es lädt Elektroautos an Bahnhöfen)




Welche Aufgabe kann eine Technische Aufsicht bei autonomen Fahrzeugen in Deutschland übernehmen? (Sie kann die autonome Funktion deaktivieren und vorgesehene Fahrmanöver freigeben) (!Sie muss jedes Fahrzeug dauerhaft aus dem Fahrersitz lenken) (!Sie legt die Strompreise an Ladesäulen fest) (!Sie plant alle Bahnfahrpläne Deutschlands)





Memory

V2X Datenaustausch zwischen Fahrzeug und Umgebung
ODD Zulässige Einsatzbedingungen eines automatisierten Systems
Sensorfusion Zusammenführen verschiedener Sensordaten
ETCS Digitale Zugbeeinflussung im europäischen Schienenverkehr
Rebound-Effekt Teilweises Aufheben von Einsparungen durch zusätzliche Nutzung
Mobilithek Plattform für den Zugang zu Mobilitätsdaten





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Umfelderfassung Objekte und Fahrbahn mit Sensoren erkennen
Lokalisierung Eigene Position im Raum bestimmen
Prädiktion Bewegungen anderer Verkehrsteilnehmender abschätzen
Trajektorienplanung Sicheren Fahrweg berechnen
Fahrzeugregelung Lenkung Beschleunigung und Bremsen ansteuern




...


Kreuzworträtsel

Vernetzung Wie heißt der digitale Austausch zwischen Fahrzeugen Infrastruktur und Diensten?
Sensorfusion Wie heißt das Zusammenführen mehrerer Sensorquellen?
Mobilithek Wie heißt Deutschlands Plattform für den Zugang zu Mobilitätsdaten?
Rebound Wie heißt der Effekt bei dem Effizienzgewinne durch zusätzliche Nutzung teilweise aufgehoben werden?
Klimaneutralität Welcher Zustand soll in Deutschland netto bis 2045 erreicht werden?
Automatisierung Wie heißt die Übertragung von Fahraufgaben auf technische Systeme?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Deutschland soll bis zum Jahr

Netto-Treibhausgasneutralität erreichen.
Die Kommunikation eines Fahrzeugs mit seiner Umgebung wird häufig als

bezeichnet.
Die zulässigen Einsatzbedingungen eines automatisierten Systems beschreibt die

.
Das Zusammenführen verschiedener Messquellen heißt

.
Autonome Fahrzeuge dürfen in Deutschland unter gesetzlichen Voraussetzungen in festgelegten

eingesetzt werden.
Ein batterieelektrisches Fahrzeug verursacht während der Fahrt keine direkten lokalen

.
Wenn Effizienzgewinne zusätzliche Nutzung auslösen spricht man von einem

.
Für die digitale Zugbeeinflussung im europäischen Schienenverkehr ist

von großer Bedeutung.
Die deutsche Plattform für den Zugang zu Mobilitätsdaten heißt

.
Für nachhaltige Mobilität müssen technische Innovationen mit Verkehrsverlagerung und Verkehrsvermeidung

werden.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Mobilitätsbeobachtung: Dokumentiere einen typischen Weg in Deinem Alltag und markiere, an welchen Stellen Vernetzung, Automatisierung oder Elektrifizierung bereits sichtbar sind.
  2. Sensoren im Verkehr: Fotografiere oder skizziere fünf technische Sensoren oder digitale Einrichtungen im öffentlichen Verkehrsraum und erkläre ihre mögliche Funktion.
  3. Verkehrsmittelvergleich: Vergleiche für eine konkrete Strecke Auto, Fahrrad und ÖPNV nach Zeit, Energiebedarf, Fläche, Kosten und Flexibilität.
  4. Zukunftshaltestelle: Entwirf eine Skizze für eine barrierefreie und digital vernetzte Haltestelle im Jahr 2035.


Standard

  1. V2X-Konzept: Entwickle ein Kommunikationsschema für eine Kreuzung, an der Autos, Busse, Fahrräder, Fußgänger und Ampeln Daten austauschen.
  2. Autonomes Shuttle: Plane eine sinnvolle Route für ein autonomes On-Demand-Shuttle in Deiner Region und begründe Haltepunkte, Betriebsbereich und Rückfallebene.
  3. Ladeinfrastruktur: Untersuche die öffentliche Ladeinfrastruktur in Deiner Umgebung und bewerte Standortwahl, Ladeleistung, Zugänglichkeit und mögliche Netzbelastung.
  4. Rebound-Analyse: Entwickle zwei Szenarien, in denen autonomes Fahren einmal Verkehr reduziert und einmal zusätzlichen Verkehr erzeugt.


Schwer

  1. Systemarchitektur Mobilität: Entwirf eine technische Architektur für ein intermodales Mobilitätssystem mit Sensorik, Datenplattform, KI, ÖPNV, Sharing und Datenschutz.
  2. Lebenszyklusanalyse Verkehr: Vergleiche zwei Antriebstechnologien qualitativ über Herstellung, Energiebereitstellung, Nutzung, Infrastruktur und Recycling.
  3. Verkehrspolitisches Szenario: Entwickle ein Maßnahmenpaket für eine deutsche Stadt, das Klimaschutz, Erreichbarkeit, Verkehrssicherheit und soziale Teilhabe gleichzeitig verbessert.
  4. Forschungsprojekt Automatisierung: Formuliere eine Forschungsfrage zu automatisiertem Verkehr, entwickle Hypothesen, ein Untersuchungsdesign und Kriterien, mit denen Du Nutzen und Risiken bewerten würdest.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Systemdenken: Erkläre anhand eines selbst gewählten Beispiels, warum ein technisch effizienteres Fahrzeug nicht automatisch zu einem klimafreundlicheren Verkehrssystem führt.
  2. Stadt-Land-Vergleich: Entwickle zwei unterschiedliche Konzepte für zukünftige Mobilität in einer Großstadt und in einem ländlichen Raum. Begründe die Unterschiede technisch und gesellschaftlich.
  3. Fehlerszenario: Ein autonomes Shuttle verliert gleichzeitig die Mobilfunkverbindung und erhält widersprüchliche Sensordaten. Entwickle eine sichere Reaktionsstrategie und begründe sie.
  4. Datenkonflikt: Eine Stadt möchte Bewegungsdaten nutzen, um Ampeln optimal zu steuern. Analysiere den Zielkonflikt zwischen Effizienz, Datenschutz und Datensouveränität.
  5. Klimawirkung: Beurteile die Aussage „Wenn alle Autos elektrisch und autonom sind, ist die Verkehrswende abgeschlossen“ mit mindestens vier unterschiedlichen Kriterien.
  6. Intermodalität: Entwirf eine Reisekette, in der Schiene, Fahrrad und automatisierter On-Demand-Verkehr sinnvoll zusammenarbeiten. Erkläre, welche Daten zwischen den Systemen ausgetauscht werden müssten.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema solltest Du zeigen, dass Du nicht nur Begriffe wiedergeben, sondern ein Verkehrssystem als Zusammenspiel von Technik, Infrastruktur, Energie, Daten und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen analysieren kannst.

  1. Du kannst Vernetzung und Automatisierung fachlich unterscheiden.
  2. Du kannst Sensorik, Lokalisierung, Sensorfusion, Planung und Regelung eines automatisierten Fahrzeugs erklären.
  3. Du kannst die Bedeutung von ODD, Technischer Aufsicht und risikominimalem Zustand einordnen.
  4. Du kannst die Klimawirkung verschiedener Verkehrslösungen über mehr als nur die Nutzungsphase beurteilen.
  5. Du kannst Rebound-Effekte und induzierten Verkehr in eine Bewertung einbeziehen.
  6. Du kannst die Rolle von Mobilithek, Mobility Data Space und digitalen Schienensystemen beschreiben.
  7. Du kannst Datenschutz, Cybersicherheit, funktionale Sicherheit und Barrierefreiheit als technische Gestaltungsaufgaben berücksichtigen.
  8. Du kannst für ein konkretes Mobilitätsproblem eine begründete, intermodale Lösung entwickeln.




OERs zum Thema

Der Wikipedia-Artikel zur Verkehrswende bietet einen offenen Einstieg in politische, technische und gesellschaftliche Aspekte der Transformation des Verkehrs.


Verknüpfte Lernbereiche


aiMOOC-Projekte