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Soziale Medien und Suizid verstehen 1

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Soziale Medien und Suizid verstehen 1



Einleitung

Soziale Medien & Suizid / Suizid verstehen ist ein sensibler aiMOOC über Suizidalität, psychische Gesundheit, Soziale Medien, Medienkompetenz und Suizidprävention. Du lernst, warum Menschen in schwere Krisen geraten können, wie digitale Plattformen Belastungen verstärken oder Schutz bieten können und wie Du verantwortungsvoll reagierst, wenn Du online Warnsignale wahrnimmst. Der Kurs ist für Schule, Ausbildung, Studium, Jugendarbeit, Soziale Arbeit, Ethikunterricht, Psychologieunterricht und Medienbildung geeignet.

Dieser aiMOOC arbeitet präventionsorientiert. Das bedeutet: Es geht nicht um Sensation, Schuldzuweisung oder gefährliche Details, sondern um Aufklärung, Empathie, Hilfe, Schutzfaktoren, digitale Zivilcourage und verantwortliche Kommunikation.


Wichtiger Hinweis: Hilfe in akuten Krisen

Wenn Du selbst gerade in akuter Gefahr bist oder befürchtest, Dir etwas anzutun, rufe sofort den Notruf 112 oder gehe in die nächste Notaufnahme. Wenn Du Suizidgedanken hast, mit jemandem sprechen möchtest oder Dir Sorgen um eine andere Person machst, kannst Du Dich in Deutschland rund um die Uhr an die TelefonSeelsorge wenden: 0800 1110111, 0800 1110222 oder 116 123. Kinder und Jugendliche erreichen die Nummer gegen Kummer unter 116 111. Für junge Menschen bis 25 Jahre bietet krisenchat kostenlose Beratung per Chat. Hilfe zu holen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Schritt in Richtung Schutz.


Video zum Einstieg

Das folgende Video behandelt das Thema Soziale Medien & Suizid / Suizid verstehen mit dem Schwerpunkt: Suizid verstehen – Prävention, Ursachen, Hilfe. Achte beim Anschauen besonders darauf, welche gesellschaftlichen, psychischen und digitalen Faktoren genannt werden und welche Formen von Unterstützung möglich sind.

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Suizid verstehen

Suizid bedeutet, dass ein Mensch sein eigenes Leben beendet. In der Suizidprävention wird heute bewusst eher der Begriff Suizid verwendet, weil Begriffe wie Selbstmord moralisch abwertend wirken können und weil Freitod die innere Not eines Menschen beschönigen kann. Suizidalität umfasst Suizidgedanken, Suizidabsichten, Suizidversuche und Situationen, in denen Menschen sich so eingeengt fühlen, dass sie keinen anderen Ausweg mehr sehen.

Wichtig ist: Suizidalität entsteht meist nicht aus einem einzigen Grund. Sie ist häufig das Ergebnis eines Zusammenwirkens von psychischen Erkrankungen, Krisen, Stress, Einsamkeit, Trauma, Mobbing, Diskriminierung, Sucht, familiären Konflikten, gesellschaftlichem Druck und fehlender Unterstützung. Auch digitale Erfahrungen können eine Rolle spielen, etwa wenn Menschen online beschämt, isoliert, bedrängt oder mit belastenden Inhalten konfrontiert werden.


Suizidalität ist oft ambivalent

Viele suizidale Menschen möchten nicht unbedingt sterben, sondern sie möchten, dass ein unerträglicher Zustand endet. Diese Unterscheidung ist für die Prävention entscheidend. Wer Suizidgedanken äußert, sendet nicht automatisch eine endgültige Entscheidung, sondern häufig ein Zeichen von Not. Deshalb ist es wichtig, zuzuhören, ernst zu nehmen und Hilfe zu organisieren.

Menschen in suizidalen Krisen erleben oft eine starke Einengung: Probleme wirken unlösbar, Zukunft erscheint unmöglich, Schuld- und Schamgefühle werden übermächtig. Genau hier kann Unterstützung helfen. Gespräche, professionelle Hilfe, sichere Umgebungen, Zeitgewinn und soziale Nähe können die Krise unterbrechen.


Globale und gesellschaftliche Bedeutung

Suizidprävention ist eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft. Weltweit sterben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation jedes Jahr mehr als 720.000 Menschen durch Suizid. Jede einzelne suizidale Krise betrifft nicht nur die betroffene Person, sondern auch Familie, Freundeskreis, Schule, Arbeitsplatz und digitale Gemeinschaften. Deshalb geht es in diesem aiMOOC nicht um Sensation oder Schuldzuweisung, sondern um Aufklärung, Empathie, Schutz, Verantwortung und konkrete Handlungskompetenz.

Welt-Suizidpräventionstag: Öffentliche Zeichen können Gesprächsbereitschaft und Hilfsangebote sichtbar machen.
Welt-Suizidpräventionstag: Öffentliche Zeichen können Gesprächsbereitschaft und Hilfsangebote sichtbar machen.


Soziale Medien verstehen

Soziale Medien sind digitale Plattformen, auf denen Menschen Inhalte erstellen, teilen, kommentieren und bewerten. Dazu gehören zum Beispiel Messenger, Videoplattform, Streaming, Kurzvideo, Soziales Netzwerk, Forum, Chat, Gaming-Community und Kommentarbereich. Für viele Jugendliche und Erwachsene sind sie ein wichtiger Ort für Kommunikation, Identität, Freundschaft, Information und Selbstdarstellung.

Soziale Medien sind nicht automatisch schädlich und nicht automatisch hilfreich. Ihre Wirkung hängt davon ab, welche Inhalte Du siehst, wie lange Du sie nutzt, wie Du Dich dabei fühlst, wie die Plattform gestaltet ist, ob Du Unterstützung bekommst und ob belastende Inhalte gemeldet oder verstärkt werden. Entscheidend ist nicht nur die Bildschirmzeit, sondern auch die Qualität der Nutzung.


Chancen sozialer Medien

Soziale Medien können für Menschen in Krisen hilfreich sein, wenn sie Zugang zu Hilfsangeboten, Selbsthilfe, Erfahrungsberichten, Psychoedukation, Community und ermutigenden Bewältigungsgeschichten ermöglichen. Menschen können merken: Ich bin nicht allein. Andere haben Hilfe gefunden. Es gibt Wege aus der Krise. Solche Inhalte können schützend wirken, wenn sie verantwortungsvoll gestaltet sind und konkrete Hilfe sichtbar machen.

Positive digitale Erfahrungen können sein: ein unterstützender Kommentar, ein Hinweis auf professionelle Hilfe, eine vertrauensvolle Chatberatung, ein Beitrag über Bewältigungsstrategien, ein Video über Depression ohne Romantisierung oder eine Community, die Grenzen achtet und Hilfe vermittelt.


Risiken sozialer Medien

Soziale Medien können auch belasten. Risiken entstehen besonders dann, wenn Plattformen Inhalte durch Algorithmen so empfehlen, dass Menschen immer wieder ähnliche, extreme oder stark emotionale Inhalte sehen. Wer bereits belastet ist, kann dadurch tiefer in Krisenstimmung geraten. Belastende Dynamiken sind zum Beispiel Cybermobbing, Hassrede, Bodyshaming, Vergleichsdruck, Fear of Missing Out, Schlafmangel durch Dauernutzung, soziale Isolation trotz Online-Kontakten, unmoderierte Gruppen und Inhalte, die Suizid romantisieren oder normalisieren.

Besonders problematisch sind Darstellungen, die Suizid als einfache Lösung zeigen, Details ausbreiten, Schuldige suchen, dramatisieren oder Aufmerksamkeit belohnen. Verantwortungsvolle Prävention vermeidet solche Darstellungen und lenkt den Blick auf Hilfe, Schutzfaktoren und Bewältigung.


Medienwirkungen: Werther-Effekt und Papageno-Effekt

Die Medienwirkungsforschung beschreibt, dass Berichte und Darstellungen über Suizid Einfluss auf gefährdete Menschen haben können. Zwei Begriffe sind besonders wichtig: Werther-Effekt und Papageno-Effekt.


Werther-Effekt

Der Werther-Effekt beschreibt die Gefahr von Nachahmung, wenn Suizide besonders ausführlich, dramatisch, romantisierend oder prominent dargestellt werden. In sozialen Medien kann dieser Effekt durch schnelle Verbreitung, Kommentare, Likes, Hashtags, Challenges oder algorithmische Empfehlungen verstärkt werden. Deshalb sollten Inhalte über Suizid nie sensationsorientiert, detailreich oder vereinfachend veröffentlicht werden.


Papageno-Effekt

Der Papageno-Effekt beschreibt eine schützende Wirkung von Medien, wenn Menschen in Krisen nicht als hoffnungslos dargestellt werden, sondern wenn Wege der Bewältigung sichtbar werden. Hilfreich sind Geschichten, in denen Personen Unterstützung suchen, Distanz zu gefährlichen Gedanken gewinnen, professionelle Hilfe nutzen, soziale Unterstützung erleben und neue Perspektiven entwickeln. Genau solche Inhalte können Suizidprävention stärken.

Die Mental-Health-Flagge steht symbolisch für Offenheit, Unterstützung und psychische Gesundheit.
Die Mental-Health-Flagge steht symbolisch für Offenheit, Unterstützung und psychische Gesundheit.


Ursachen und Risikofaktoren

Suizidalität hat keine einfache Ursache. Häufig kommen mehrere Faktoren zusammen. Dazu gehören individuelle, soziale, digitale und gesellschaftliche Belastungen.


Individuelle Faktoren

Zu individuellen Risikofaktoren zählen Depression, Angststörung, bipolare Störung, Psychose, Sucht, Trauma, schwere körperliche Erkrankungen, chronische Schmerzen, Impulsivität, starke Scham, Hoffnungslosigkeit und frühere suizidale Krisen. Diese Faktoren bedeuten nicht, dass jemand zwangsläufig suizidal wird. Sie zeigen aber, dass Menschen in solchen Situationen besondere Unterstützung brauchen können.


Soziale Faktoren

Einsamkeit, Trennung, Verlust, familiäre Konflikte, Gewalt, Vernachlässigung, Leistungsdruck, Armut, Diskriminierung, Mobbing und Ausgrenzung können suizidale Krisen begünstigen. Besonders gefährlich wird es, wenn Betroffene das Gefühl haben, niemandem mehr vertrauen zu können.


Digitale Faktoren

Digitale Risikofaktoren sind Cybermobbing, Bloßstellung durch geteilte Bilder, ständige Vergleichbarkeit, Suchtmuster in der Nutzung, fehlende Pausen, anonyme Angriffe, toxische Gruppen, Empfehlungen belastender Inhalte, fehlende Moderation und das Gefühl, online bewertet oder ersetzt zu werden. Digitale Räume können eine Krise verschärfen, wenn sie Isolation, Scham oder Hoffnungslosigkeit verstärken.


Gesellschaftliche Faktoren

Auch gesellschaftliche Bedingungen spielen eine Rolle. Dazu gehören Stigma gegenüber psychischen Erkrankungen, Hürden beim Zugang zu Therapie, lange Wartezeiten, fehlende Hilfsangebote, Armut, Krieg, Flucht, Diskriminierung, fehlende Bildung über psychische Gesundheit und eine Medienkultur, die Krisen manchmal dramatisiert statt zu helfen.


Schutzfaktoren und Prävention

Schutzfaktoren verringern das Risiko, dass eine Krise lebensgefährlich wird. Sie können nicht jede Belastung verhindern, aber sie erhöhen die Chance, dass Menschen rechtzeitig Unterstützung finden.


Wichtige Schutzfaktoren

  1. Beziehung: Verlässliche Menschen, die zuhören und erreichbar sind, können in Krisen entscheidend sein.
  2. Professionelle Hilfe: Psychotherapie, ärztliche Hilfe, Beratungsstellen, Schulsozialarbeit und Krisendienste können entlasten und sichern.
  3. Sicherheitsplan: Ein persönlicher Plan für Krisen kann helfen, Warnzeichen, Kontakte und sichere Schritte festzuhalten.
  4. Medienkompetenz: Wer problematische Inhalte erkennt, meldet und meidet, schützt sich und andere.
  5. Selbstfürsorge: Schlaf, Bewegung, Essen, Tagesstruktur, Pausen und Offline-Kontakte können Stabilität geben.
  6. Hoffnung: Bewältigungsgeschichten und erreichbare nächste Schritte können den Blick aus der Einengung öffnen.


Prävention in Schulen und Gruppen

In Schule und Jugendarbeit sollte Suizidprävention nicht als einmaliges Schockthema behandelt werden, sondern eingebettet in psychische Gesundheit, Mobbingprävention, Medienbildung, Klassenklima, Beratung und Kinderschutz. Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte müssen keine Therapeutinnen oder Therapeuten sein. Sie können aber Warnsignale ernst nehmen, Gespräche ermöglichen, Schutz organisieren und an professionelle Stellen vermitteln.


Warnsignale verantwortungsvoll wahrnehmen

Warnsignale können offline und online sichtbar werden. Einzelne Anzeichen beweisen keine Suizidalität. Mehrere Anzeichen, starke Veränderungen oder direkte Äußerungen sollten aber ernst genommen werden.


Mögliche Warnsignale

  1. Rückzug: Eine Person zieht sich stark zurück, antwortet kaum noch oder bricht Kontakte ab.
  2. Hoffnungslosigkeit: Beiträge klingen dauerhaft ausweglos, leer oder selbstabwertend.
  3. Abschied: Eine Person schreibt ungewöhnliche Abschiedsbotschaften oder verschenkt wichtige Dinge.
  4. Krise: Nach Trennung, Verlust, Bloßstellung oder Mobbing verschlechtert sich der Zustand deutlich.
  5. Selbstverletzung: Hinweise auf Selbstverletzung oder Todeswünsche werden geäußert.
  6. Verhaltensänderung: Schlaf, Stimmung, Leistung, Konsum oder Risikoverhalten verändern sich auffällig.


Direkt ansprechen hilft

Ein verbreiteter Irrtum ist, dass man durch Nachfragen Suizidgedanken erst auslöst. Verantwortungsvolles, ruhiges und direktes Fragen kann entlasten. Du kannst zum Beispiel sagen: Ich mache mir Sorgen um Dich. Denkst Du daran, Dir etwas anzutun? Wichtig ist, nicht zu urteilen, nicht zu schockieren, nicht zu versprechen, alles geheim zu halten, und nicht allein zu bleiben.


Was tun, wenn Du online Suizidgefahr bemerkst?

Wenn Du online eine mögliche suizidale Krise bemerkst, geht es um Schutz, Nähe und Hilfe. Du musst die Situation nicht allein lösen.


Handlungsschritte

  1. Ernst nehmen: Reagiere ruhig und respektvoll. Spiele die Aussage nicht herunter.
  2. Kontakt halten: Schreibe oder rufe die Person an, wenn das möglich und sicher ist.
  3. Direkt fragen: Frage klar nach akuter Gefahr, ohne gefährliche Details zu erfragen.
  4. Hilfe holen: Informiere eine erwachsene Vertrauensperson, Schulsozialarbeit, Eltern, Notruf oder Krisendienst.
  5. Melden: Nutze Meldefunktionen der Plattform, wenn Inhalte auf akute Selbstgefährdung hinweisen.
  6. Nicht allein bleiben: Sprich mit einer Vertrauensperson über Deine eigene Belastung.
  7. Keine Verbreitung: Teile belastende Inhalte nicht weiter und mache keine Screenshots zum Herumzeigen.
  8. Sicherheit priorisieren: Bei akuter Gefahr zählt schnelle Hilfe mehr als Datenschutzbedenken im Freundeskreis.


Hilfreiche Formulierungen

Hilfreiche Sätze können sein: Ich bin da., Du musst das nicht allein aushalten., Lass uns jetzt gemeinsam Hilfe holen., Ich bleibe bei Dir, bis jemand unterstützt., Es gibt Menschen, die genau für solche Krisen erreichbar sind. Weniger hilfreich sind Sätze wie Stell Dich nicht so an, Andere haben es schlimmer, Du willst doch nur Aufmerksamkeit oder Versprich mir, dass Du niemandem davon erzählst.


Verantwortungsvoller Umgang mit Inhalten

Wenn Du selbst Inhalte zu Suizid, Depression oder Krisen erstellst, trägst Du Verantwortung. Gute Inhalte vermeiden Sensation und zeigen Hilfe.


Was Du vermeiden solltest

  1. Dramatisierung: Stelle Suizid nicht als romantisch, heldenhaft oder unausweichlich dar.
  2. Detaildarstellung: Beschreibe keine konkreten Vorgehensweisen oder Orte.
  3. Schuldzuweisung: Suche keine einfachen Schuldigen und hetze nicht gegen Personen.
  4. Glorifizierung: Verwende keine ästhetisierenden Darstellungen, die Suizid schön oder bedeutungsvoll erscheinen lassen.
  5. Algorithmische Verstärkung: Verwende keine Hashtags oder Trends, die gefährdete Menschen in belastende Inhalte ziehen könnten.


Was Du stattdessen tun kannst

  1. Hilfsangebote: Nenne Notruf, Beratungsstellen und vertrauenswürdige Hilfe.
  2. Bewältigung: Zeige, wie Menschen Krisen überstehen, Hilfe annehmen und neue Perspektiven entwickeln.
  3. Sprache: Nutze respektvolle, nicht wertende Begriffe.
  4. Triggerwarnung: Gib bei belastenden Themen eine klare Einordnung.
  5. Moderation: Entferne verletzende Kommentare und leite akute Hinweise weiter.
  6. Privatsphäre: Schütze Betroffene und Hinterbliebene vor Bloßstellung.


Rolle von Algorithmen und Plattformen

Algorithmen entscheiden mit, welche Inhalte Nutzerinnen und Nutzer sehen. Sie können hilfreiche Inhalte sichtbar machen, aber auch problematische Inhalte verstärken, wenn diese viel Aufmerksamkeit erzeugen. Besonders bei suizidbezogenen Inhalten ist deshalb Plattformverantwortung wichtig: schnelle Meldewege, Krisenhinweise, Moderation, Schutz Minderjähriger, weniger Verstärkung gefährlicher Inhalte und transparente Regeln.

Plattformen allein lösen das Problem nicht. Prävention braucht auch Medienbildung, gute Beratung, psychische Gesundheitsversorgung, Elternarbeit, Schulsozialarbeit, Forschung, verantwortungsvollen Journalismus und soziale Unterstützung.


Medienkompetenz für Deinen Alltag

Medienkompetenz bedeutet, digitale Räume bewusst, kritisch und sozial verantwortlich zu nutzen. Beim Thema Suizid und psychische Gesundheit heißt das: Du lernst, Inhalte einzuordnen, Deine Grenzen wahrzunehmen, Hilfsangebote zu kennen und andere nicht allein zu lassen.


Digitale Selbstfürsorge

  1. Pause: Lege bewusste Offline-Zeiten fest, besonders vor dem Schlafen.
  2. Feedpflege: Entfolge Accounts, die Dich dauerhaft runterziehen, beschämen oder triggern.
  3. Grenzen: Du darfst Chats verlassen, stummschalten oder blockieren.
  4. Unterstützung: Speichere Hilfsnummern und sprich mit Vertrauenspersonen.
  5. Realitätscheck: Vergleiche Dich nicht ständig mit bearbeiteten Ausschnitten anderer Leben.
  6. Meldekompetenz: Melde Inhalte, die Selbstgefährdung, Mobbing oder Gewalt fördern.


Digitale Zivilcourage

Digitale Zivilcourage bedeutet, online nicht wegzuschauen. Sie bedeutet aber auch, die eigene Rolle realistisch einzuschätzen. Du kannst zuhören, melden, Hilfe holen und andere ermutigen. Du bist nicht verantwortlich dafür, eine Krise allein zu lösen. Verantwortungsvoll ist, ein Netzwerk aus Hilfe zu aktivieren.


Fachbegriffe

  1. Suizidalität: Sammelbegriff für Gedanken, Absichten, Pläne oder Handlungen, die auf Selbsttötung bezogen sind.
  2. Suizidprävention: Maßnahmen, die suizidale Krisen verhindern, unterbrechen oder abschwächen sollen.
  3. Werther-Effekt: Risiko von Nachahmung durch problematische Suiziddarstellungen.
  4. Papageno-Effekt: Schutzwirkung durch Darstellungen von Bewältigung und Hilfe.
  5. Cybermobbing: Wiederholte digitale Angriffe, Bloßstellung oder Ausgrenzung.
  6. Algorithmus: Regel- oder Rechensystem, das Inhalte sortiert, empfiehlt oder sichtbar macht.
  7. Krisenintervention: Schnelle Unterstützung in akuten psychischen Notlagen.
  8. Schutzfaktor: Einfluss, der Belastungen abfedern und Sicherheit erhöhen kann.
  9. Trigger: Reiz, der belastende Erinnerungen, Gefühle oder Krisengedanken auslösen kann.
  10. Psychoedukation: Verständliche Aufklärung über psychische Vorgänge, Erkrankungen und Hilfen.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was beschreibt Suizidalität am besten? (Gedanken, Absichten oder Handlungen, die auf Selbsttötung bezogen sind) (!Eine harmlose Stimmungsschwankung ohne Risiko) (!Eine reine Trotzreaktion ohne Leid) (!Ein Thema, das nur Erwachsene betrifft)




Warum wird in der Prävention häufig der Begriff Suizid verwendet? (Weil er weniger wertend ist als abwertende oder romantisierende Begriffe) (!Weil er das Thema dramatischer erscheinen lässt) (!Weil er nur in sozialen Medien benutzt wird) (!Weil er professionelle Hilfe ersetzt)




Was meint der Werther-Effekt? (Problematische Darstellungen können Nachahmung begünstigen) (!Bewältigungsgeschichten können schützen) (!Sport verhindert jede Krise) (!Algorithmen lösen automatisch alle Probleme)




Was meint der Papageno-Effekt? (Hilfreiche Bewältigungsgeschichten können schützend wirken) (!Je mehr Details gezeigt werden, desto sicherer ist der Inhalt) (!Schweigen ist immer die beste Prävention) (!Suizidale Krisen entstehen nur durch Medien)




Welche Reaktion ist bei einer möglichen akuten Suizidgefahr am sinnvollsten? (Die Aussage ernst nehmen und sofort Hilfe organisieren) (!Den Beitrag teilen, damit viele ihn sehen) (!Die Person öffentlich bloßstellen) (!Abwarten, bis die Krise von allein verschwindet)




Welche Aussage über soziale Medien ist richtig? (Sie können je nach Nutzung belasten oder unterstützen) (!Sie sind immer die einzige Ursache von Suizidalität) (!Sie schützen automatisch alle Nutzerinnen und Nutzer) (!Sie haben nie Einfluss auf Gefühle)




Was gehört zu digitaler Selbstfürsorge? (Belastende Inhalte begrenzen und Hilfe kennen) (!Jeden Kriseninhalt allein analysieren) (!Auf Schlaf verzichten, um online erreichbar zu bleiben) (!Alle Warnsignale ignorieren)




Warum sind konkrete Details in Suiziddarstellungen problematisch? (Sie können gefährdete Menschen zusätzlich belasten und Nachahmung fördern) (!Sie machen Prävention grundsätzlich einfacher) (!Sie sind für jedes Schulprojekt notwendig) (!Sie ersetzen Beratung durch Fachkräfte)




Was ist ein Schutzfaktor? (Ein Einfluss, der Sicherheit und Bewältigung stärken kann) (!Ein Inhalt, der Krisen romantisiert) (!Ein Kommentar, der Betroffene beschämt) (!Ein Algorithmus ohne Moderation)




Welche Nummer ist in Deutschland bei akuter Lebensgefahr richtig? (112) (!116 111) (!0800 1110111) (!123 456)





Memory

Werther-Effekt Nachahmungsrisiko
Papageno-Effekt Bewältigungsgeschichte
Cybermobbing Digitale Ausgrenzung
Schutzfaktor Stärkende Unterstützung
Krisenintervention Schnelle Hilfe
Medienkompetenz Kritische Nutzung





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Warnsignal Auffälliger Hinweis auf mögliche Krise
Hilfsangebot Professionelle Unterstützung in Notlagen
Algorithmus System zur Auswahl und Empfehlung von Inhalten
Papageno-Effekt Schutz durch Darstellung von Bewältigung
Cybermobbing Wiederholte digitale Verletzung oder Bloßstellung





Kreuzworträtsel

Papageno Welcher Effekt beschreibt die schützende Wirkung von Bewältigungsgeschichten?
Werther Welcher Effekt beschreibt ein Nachahmungsrisiko durch problematische Darstellungen?
Empathie Welche Haltung hilft beim Zuhören in einer Krise?
Notruf Welche Hilfe ist bei akuter Lebensgefahr sofort wichtig?
Algorithmus Was sortiert und empfiehlt Inhalte auf vielen Plattformen?
Isolation Welcher soziale Zustand kann Krisen verstärken?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Suizidalität entsteht meist nicht durch einen einzigen Auslöser, sondern durch ein Zusammenspiel mehrerer

. Soziale Medien können belasten, wenn sie durch Mobbing, Vergleichsdruck oder problematische Empfehlungen eine Krise

. Sie können aber auch schützen, wenn sie Hilfsangebote sichtbar machen und Bewältigungsgeschichten zeigen, was als

bezeichnet wird. Problematische Darstellungen können dagegen Nachahmung begünstigen und werden mit dem

verbunden. Wer online Warnsignale wahrnimmt, sollte ruhig reagieren, die Person ernst nehmen und nicht allein bleiben, sondern

organisieren. In akuter Lebensgefahr ist in Deutschland der

112 richtig. Medienkompetenz bedeutet, Inhalte kritisch einzuordnen, eigene Grenzen wahrzunehmen und digitale Räume verantwortungsvoll zu

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Hilfekarte: Erstelle eine übersichtliche Hilfekarte mit Notruf, TelefonSeelsorge, Nummer gegen Kummer, krisenchat und einer Vertrauensperson in Deiner Schule oder Einrichtung.
  2. Begriffsklärung: Schreibe kurze Erklärungen zu Suizidalität, Suizidprävention, Werther-Effekt, Papageno-Effekt und Cybermobbing in eigenen Worten.
  3. Feed-Check: Analysiere anonymisiert Deinen eigenen Social-Media-Feed: Welche Inhalte stärken Dich, welche belasten Dich und welche würdest Du ausblenden?
  4. Gesprächssatz: Formuliere fünf Sätze, mit denen Du eine Person in einer Krise respektvoll ansprechen könntest.


Standard

  1. Medienanalyse: Untersuche einen öffentlichen Beitrag über psychische Gesundheit und bewerte, ob er eher schützend, neutral oder problematisch wirkt.
  2. Präventionsplakat: Gestalte ein Plakat oder eine digitale Grafik, die Hilfe sichtbar macht, ohne Angst, Scham oder Sensation zu erzeugen.
  3. Interview: Führe ein Gespräch mit einer Beratungslehrkraft, Schulsozialarbeiterin, einem Sozialarbeiter oder einer Fachperson über Hilfswege in Krisen.
  4. Klassenvereinbarung: Entwickle Regeln für einen respektvollen Klassenchat, der Mobbing, Bloßstellung und Krisenverstärkung verhindert.


Schwer

  1. Schutzkonzept: Entwickle ein Konzept für Deine Schule oder Jugendgruppe, wie mit akuten Krisenhinweisen in sozialen Medien umgegangen werden soll.
  2. Algorithmus-Kritik: Erkläre an einem Beispiel, wie Empfehlungssysteme belastende Inhalte verstärken können, und entwickle Gegenmaßnahmen.
  3. Papageno-Projekt: Produziere ein kurzes Video, einen Podcast oder einen Text, der eine Krise verantwortungsvoll darstellt und konkrete Hilfswege zeigt.
  4. Ethik-Debatte: Diskutiere, wie Plattformen zwischen Datenschutz, Meinungsfreiheit und Schutz bei Selbstgefährdung abwägen sollten.



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Lernkontrolle

  1. Fallanalyse: Eine Mitschülerin postet wiederholt hoffnungslose Nachrichten und verabschiedet sich indirekt. Beschreibe, wie Du verantwortungsvoll reagierst, welche Personen Du einbeziehst und warum Du nicht allein handeln solltest.
  2. Transferaufgabe: Vergleiche Werther-Effekt und Papageno-Effekt und erkläre, wie diese Erkenntnisse für Schulprojekte, Journalismus und Social-Media-Beiträge genutzt werden können.
  3. Konzeptentwicklung: Entwickle einen Leitfaden für einen Klassenchat, der digitale Zivilcourage, Meldewege und Schutz vor Cybermobbing verbindet.
  4. Urteilsaufgabe: Beurteile die Aussage: Soziale Medien sind schuld an Suiziden. Zeige, warum diese Aussage zu einfach ist, und erkläre das Zusammenspiel mehrerer Faktoren.
  5. Handlungsplan: Erstelle einen sicheren Ablaufplan für den Fall, dass Du online eine akute Selbstgefährdung bemerkst. Begründe jeden Schritt fachlich und ethisch.


Lernnachweis

Für den Lernnachweis erstellst Du ein eigenes Präventionsprodukt. Es kann ein Informationsplakat, ein Podcast, ein kurzes Video, ein Leitfaden für Klassenchats, eine Präsentation oder ein digitales Hilfekonzept sein. Dein Produkt soll sachlich, respektvoll, nicht sensationalistisch und hilfreich sein. Es muss mindestens ein konkretes Hilfsangebot nennen, den Unterschied zwischen riskanter und schützender Darstellung erklären und zeigen, wie junge Menschen in sozialen Medien Verantwortung übernehmen können.


Bewertungskriterien

  1. Sachlichkeit: Die Informationen sind korrekt, differenziert und ohne gefährliche Detaildarstellungen.
  2. Präventionsorientierung: Der Beitrag zeigt Hilfe, Schutzfaktoren und Bewältigungsmöglichkeiten.
  3. Medienkompetenz: Digitale Risiken und Chancen werden verständlich erklärt.
  4. Empathie: Die Sprache ist respektvoll, nicht beschämend und nicht dramatisierend.
  5. Transfer: Das Produkt ist auf eine konkrete Zielgruppe wie Klasse, Schule, Jugendgruppe oder Online-Community anwendbar.




OERs zum Thema




Quellen und vertiefende Informationen

  1. World Health Organization: Suicide
  2. Nationales Suizidpräventionsprogramm: Medieneffekte
  3. Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention: Medien
  4. TelefonSeelsorge Deutschland
  5. Nummer gegen Kummer
  6. krisenchat
  7. Wikimedia Commons: Suicide prevention
  8. Wikimedia Commons: Mental Health Flag


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  3. Die Marquise von O. - Heinrich von Kleist
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