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Simon & Garfunkel - El Condor Pasa (If I Could)

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Simon & Garfunkel - El Condor Pasa (If I Could)



Simon & Garfunkel – El Condor Pasa (If I Could)

El Condor Pasa (If I Could) ist eine 1970 auf dem Album Bridge over Troubled Water veröffentlichte Aufnahme von Simon & Garfunkel. Sie verbindet eine bereits bestehende Instrumentalspur der südamerikanischen Gruppe Los Incas mit einem neuen englischen Text von Paul Simon. Hinter dieser Popaufnahme steht eine deutlich ältere Geschichte: Die musikalische Vorlage geht auf die 1913 in Lima uraufgeführte Zarzuela El cóndor pasa des peruanischen Komponisten Daniel Alomía Robles zurück. Die Bühnenhandlung von Julio Baudouin thematisierte soziale Konflikte im Bergbaugebiet von Cerro de Pasco. 2004 wurde El Cóndor Pasa in Peru zum Kulturerbe der Nation erklärt.[1][2]

Dieser aiMOOC untersucht genau die Simon-&-Garfunkel-Aufnahme und trennt dabei zwischen belegten Produktionsdaten, höranalytischen Beobachtungen und didaktisch selbst erstellten Notenbeispielen. Vollständige geschützte Liedtexte oder eine vollständige geschützte Melodie werden nicht wiedergegeben.

Simon & Garfunkel bei einem späteren gemeinsamen Konzert im Central Park, 1981. Wikimedia Commons, Rainer Halama, CC BY-SA 3.0.

Offizieller Audio-Upload des Simon-&-Garfunkel-Kanals. Dieses Video ist kein OER; es wird nur über den offiziellen YouTube-Player eingebettet und nicht in den aiMOOC kopiert.[3]


Lernziele

Nach der Bearbeitung kannst Du die historische Entwicklung von der Zarzuela von 1913 über die Los-Incas-Fassung bis zur Simon-&-Garfunkel-Aufnahme erklären. Du kannst außerdem zentrale Merkmale von Andenmusik, Folk-Rock, Arrangement, Mehrstimmigkeit, Pentatonik, Moll und Studioproduktion an einem konkreten Beispiel untersuchen. Ein weiteres Ziel ist, Quellen kritisch zu unterscheiden: Originaldokumente, offizielle Metadaten, spätere Rekonstruktionen und Sekundärliteratur sagen nicht immer genau dasselbe aus.


Entstehung und zeitgeschichtlicher Kontext


Die Zarzuela von 1913

Daniel Alomía Robles komponierte die Musik zu El cóndor pasa für eine Zarzuela mit einem Libretto von Julio Baudouin. Die Uraufführung fand 1913 im Teatro Mazzi in Lima statt. Die Handlung verarbeitete soziale und arbeitsbezogene Konflikte zwischen indigenen Minenarbeitern und ausländischen Minenbesitzern im Umfeld von Cerro de Pasco. Das peruanische Kulturministerium beschreibt die ursprüngliche Bühnenarbeit ausdrücklich als Werk mit sozialem Konfliktstoff.[4]

Für die Einordnung ist wichtig: Die heute weltweit bekannte Melodie war ursprünglich nicht einfach ein anonymes, fertig vorliegendes Anden-Volkslied. Alomía Robles arbeitete mit musikalischen Elementen aus andinen Traditionen und dem damaligen indigenistischen Umfeld, formte daraus aber eine konkrete Bühnenkomposition. Eine amtliche peruanische Bewertung von 2025 hebt pentatonisch geprägte andine Melodik, den nationalen Kontext zu Beginn des 20. Jahrhunderts und die Verbindung von Bühnenhandlung und sozialer Realität hervor.[2]

Cerro de Pasco: moderner Blick auf den Bergbau und seine Wirkung auf den Stadtraum. Wikimedia Commons, Ottocarotto, CC BY-SA 3.0. Das Foto zeigt nicht die Situation von 1913, hilft aber, den geografischen Bezug der Bühnenhandlung zu verorten.


Der Kondor als kulturelles Bild

Der Kondor ist in den Anden weit mehr als nur ein auffälliger Vogel. In Kunst, Erzähltraditionen und späteren Deutungen kann er für Höhe, Weite, Freiheit und eine Verbindung zwischen Landschaft und kultureller Erinnerung stehen. Für eine Textanalyse der Simon-&-Garfunkel-Fassung ist jedoch eine wichtige Unterscheidung nötig: Der englische Liedtext nennt den Kondor nicht ausdrücklich. Der Titel trägt also ein kulturell starkes Bild weiter, während Paul Simons Text andere Natur- und Freiheitsbilder entfaltet.

Andenkondor über dem Colca-Canyon in Peru. Wikimedia Commons, Abehm-de, CC BY-SA 3.0 / GFDL.


Vom Bühnenwerk zur Simon-&-Garfunkel-Aufnahme

Die Entstehung lässt sich als Kette von Bearbeitungen verstehen. 1913 entstand die Zarzuela. 1933 wurde eine Fassung von Alomía Robles in den USA registriert. In den 1950er- und frühen 1960er-Jahren verbreiteten Ensembles in Europa „folklorisierte“ Fassungen mit Instrumenten wie Quena und Charango. 1963 veröffentlichte Los Incas in Paris eine Instrumentalfassung auf dem Album Amérique du Sud – Voyages Autour du Monde.[5]

Paul Simon hörte Los Incas 1965 in Paris und interessierte sich für das Stück. Er ging zunächst davon aus, es handle sich um eine traditionelle, gemeinfreie peruanische Melodie. Diese Annahme erwies sich als falsch. Für die spätere Simon-&-Garfunkel-Produktion wurde die Los-Incas-Instrumentalspur als Grundlage verwendet; darüber kamen die englischen Gesangsstimmen.[6]

Ein besonders starkes Primärindiz liefert der Aufdruck späterer Album- und Singleausgaben: Dort wird die Instrumentalspur ausdrücklich Los Incas zugeschrieben und die Genehmigung von Philips Records genannt.[7]


Zeitleiste

Zeitpunkt Entwicklung Bedeutung
1913 Uraufführung der Zarzuela El cóndor pasa in Lima Daniel Alomía Robles verbindet andine musikalische Bezüge mit einer sozialkritischen Bühnenhandlung.
1933 Registrierung einer Fassung in den USA Die konkrete Autorschaft von Alomía Robles ist urheber- und quellenhistorisch dokumentierbar.
1963 Los Incas veröffentlichen ihre Instrumentalfassung Quena, Charango und andere andine Klangfarben prägen die später international bekannte Gestalt.
1965 Paul Simon hört Los Incas in Paris Beginn der direkten Verbindung zwischen Simon und dem Ensemble.
1969 Für die Simon-&-Garfunkel-Produktion werden Gesangs- und Studiolayer mit der Los-Incas-Grundlage verbunden MusicBrainz führt für die Aufnahme den 2. November 1969 als Aufnahmedatum und Los Incas als Performer.[8]
1970 Veröffentlichung auf Bridge over Troubled Water Die Aufnahme wird Teil des fünften und letzten Studioalbums des Duos.[9]
2004 Peru erklärt El Cóndor Pasa zum Kulturerbe der Nation Die kulturelle und nationale Bedeutung der Komposition wird staatlich anerkannt.[1]


Mindestens drei belegte Besonderheiten genau dieser Aufnahme


Besonderheit 1: Eine bereits vorhandene Instrumentalspur bildet das Fundament

Für eine Popproduktion dieser Zeit ist bemerkenswert, dass Simon & Garfunkel nicht einfach eine Anden-Instrumentierung im New Yorker Studio nachahmten. Die Albumangaben benennen Los Incas als Interpreten der Instrumentalspur. Sekundärquellen erläutern, dass die 1963 veröffentlichte Los-Incas-Fassung die Grundlage für die Simon-&-Garfunkel-Version bildete.[7][6]

Das bedeutet für die Höranalyse: Der charakteristische Klang von Quena, Charango und der übrigen Begleitung ist kein bloßes „Anden-Klangkostüm“ einer US-Studioband, sondern steht in direkter Verbindung zu Los Incas.


Besonderheit 2: Der englische Text ist keine Übersetzung der Zarzuela

Paul Simon schrieb einen neuen englischen Text. Er übertrug nicht einfach ein peruanisches Libretto oder eine bereits existierende spanische Liedfassung. Dadurch treffen in der Aufnahme mehrere historische Ebenen aufeinander: Komposition von Alomía Robles, Arrangementtradition von Los Incas und ein neuer englischsprachiger Poptext.[6]

Ein sehr kurzes, rechtlich bewusst begrenztes Textzitat lautet: „I'd rather be a sparrow …“[3]. Sinngemäß entfaltet der Text ein wiederkehrendes Begehren nach Freiheit, Beweglichkeit, Naturverbundenheit und Selbstbestimmung. Er stellt diese Wünsche Formen der Festlegung, Bodenbindung oder künstlich gebauten Umwelt gegenüber.


Besonderheit 3: Die Aufnahme machte einen Autorschaftsirrtum sichtbar

Paul Simon war zunächst mit der Information konfrontiert, die Melodie sei traditionell und damit keinem einzelnen Komponisten zuzuordnen. Später wurde die Urheberschaft von Daniel Alomía Robles geltend gemacht und in den Credits berücksichtigt. Quellen schildern Einzelheiten des damaligen Rechtsstreits unterschiedlich; sicher ist für die heutige Einordnung, dass Alomía Robles als Komponist der 1913 entstandenen Vorlage anerkannt wird.[6][2]

Diese Besonderheit eignet sich gut für Urheberrecht und Quellenkritik: „traditionell“, „arrangiert“, „komponiert“, „bearbeitet“ und „neu betextet“ sind verschiedene Rollen.


Besonderheit 4: Andine Instrumentalfarbe trifft auf den typischen Duo-Gesang

Die Klangschicht von Los Incas bleibt deutlich hörbar, während Simon & Garfunkel darüber eine weich geführte, eng aufeinander abgestimmte Vokalebene setzen. Dadurch entsteht keine reine Folkaufnahme und keine reine Popballade, sondern ein hybrides Arrangement. AllMusic ordnet die Aufnahme unter Folk, Pop/Rock und Folk-Rock ein.[10]


Besonderheit 5: Die Melodie der Quena und die Gesangslinie sind nicht identisch

In der Aufnahme bleibt die instrumentale Melodieführung eigenständig. Eine veröffentlichte Notenausgabe weist ausdrücklich darauf hin, dass Quena-Linie und Gesang nicht durchgehend dieselbe Melodie führen.[11] Für das Hören bedeutet das: Du kannst die Aufnahme als Überlagerung zweier melodischer Ebenen untersuchen, nicht nur als „Melodie plus Akkorde“.


Stil und Genre

Die Aufnahme lässt sich am sinnvollsten als Verbindung von Folk-Rock, Folk-Pop und musikalischen Elementen aus den Anden beschreiben. Die populäre Aufnahmeform – kompakte Spieldauer, englischer Songtext, Duo-Gesang und klare Studiobalance – gehört zur US-amerikanischen Pop- und Folkrockwelt um 1970. Die Instrumentalbasis bringt dagegen Klangfarben und Spielweisen ein, die Los Incas als in Paris arbeitendes Andenmusik-Ensemble entwickelt hatten.

Der Begriff Weltmusik wurde erst später als verbreitete Vermarktungs- und Genrebezeichnung etabliert. Deshalb sollte man ihn hier eher rückblickend und kritisch verwenden. Ein Musikjournalist der Independent bezeichnete das Stück als frühes Beispiel für Paul Simons spätere intensive Beschäftigung mit Musik außerhalb des angloamerikanischen Popkanons.[12]


Instrumentierung und Klangfarbe


Quena

Die Quena ist eine randgeblasene Kerbflöte der Andenregion. Ihr Atemgeräusch, der direkte Tonansatz und die bewegliche Artikulation können eine deutlich andere Klangwirkung erzeugen als eine europäische Querflöte. In der Los-Incas-Fassung ist die Quena eine zentrale melodietragende Farbe.

Drei Quenas. Wikimedia Commons, Jordi Coll Costa und Monsieur Fou, CC BY-SA 3.0.


Charango

Das Charango ist ein kleines gezupftes Saiteninstrument der Anden. Sein heller, obertonreicher Klang kann rhythmische Bewegung liefern und zugleich die Höhenlage der Quena stützen.

Bolivianisches Charango. Wikimedia Commons, Joel Takv, CC BY-SA 2.5.

Freies Klangbeispiel: leere Charango-Saiten. Wikimedia Commons, Ferbr1, Public Domain.

Datei:Charango - Soinuenea Fundazioa.webm Kurzes Instrumentenvideo zum Charango. Wikimedia Commons / Soinuenea Fundazioa, CC BY 4.0.


Weitere Instrumente und Produktionsschichten

Quellen zur Los-Incas-Besetzung nennen neben Charango und Quena auch Gitarre und Bombo. Album- und Katalogdaten von Bridge over Troubled Water führen außerdem Studiomusiker wie Fred Carter Jr., Larry Knechtel, Joe Osborn und Hal Blaine für die Albumsessions auf. Für die konkrete Instrumentalspur von El Condor Pasa ist aber die albumseitige Angabe „Instrumental track by Los Incas“ die belastbarere Spur als pauschale Album-Personallisten.[7][8]

Das ist ein gutes Beispiel für Quellenkritik: Digitale Metadaten können Album- und Track-Credits vermischen. Eine historische LP-Angabe kann bei einer einzelnen Spur präziser sein.


Melodie und Harmonik


Tonalität

Veröffentlichte Notenausgaben geben für die Simon-&-Garfunkel-Fassung e-Moll als Originaltonart an.[13] Auch unabhängige Analyseangebote kommen zu e-Moll. Für die historische Los-Incas-Fassung findet man in manchen Quellen andere Tonartangaben; deshalb sollte man Tonarten immer auf die jeweils konkrete Aufnahme beziehen.

Die Melodik wirkt häufig pentatonisch oder pentatonisch gefärbt. Pentatonik bedeutet nicht, dass jede Note ausschließlich aus einer Fünftonleiter stammen muss. Entscheidend ist der Höreindruck aus charakteristischen Intervallen, wiederkehrenden Stufen und einer melodischen Gestik, die mit andinen Traditionen assoziiert wird.


Kurzes selbst erstelltes Analysebeispiel: pentatonisch gefärbte Kontur

Wichtig: Das folgende Beispiel ist nicht die Originalmelodie. Es ist ein selbst geschaffenes, nur zwei Takte langes Hörmodell, das eine pentatonisch gefärbte e-Moll-Kontur demonstriert.


\relative c' {
  \key e \minor
  \time 4/4
  e4 g a b | a g e2 \bar "|."
}

Achte auf die offene Wirkung ohne chromatische Durchgangstöne. Vergleiche dieses Modell anschließend mit der echten Aufnahme: Wo wirkt die Originalmelodie ähnlich offen, wo deutlich komplexer?


Harmonik

In vereinfachten Transkriptionen dominieren wenige Grundfunktionen rund um e-Moll. Häufig genannt werden e-Moll, G-Dur, C-Dur und eine dominantische Rückführung über H7 beziehungsweise B7 in internationaler Akkordschreibweise. Verschiedene Transkriptionen setzen Durchgangsakkorde unterschiedlich, weshalb die harmonische Analyse eher als Funktionsmodell als als einzig mögliche „richtige Akkordliste“ verstanden werden sollte.[14]


Kurzes selbst erstelltes Analysebeispiel: Molltonika und Dominantspannung

Auch dieses Beispiel ist didaktisch erfunden und keine Transkription des Songs.


\relative c' {
  \key e \minor
  \time 4/4
  <e g b>2 <g b d> |
  <c e g>2 <b dis fis a> |
  <e g b>1 \bar "|."
}

Du hörst hier modellhaft den Wechsel von Molltonika, verwandten Durklängen und einer Dominante mit Leitton dis, die zurück nach e-Moll zieht.


Rhythmus und Tempo

Analyseangebote geben für die Simon-&-Garfunkel-Aufnahme ungefähr 73 bis 74 Schläge pro Minute im 4/4-Takt an.[14] Manche Notenausgaben zählen in doppeltem Tempo und kommen deshalb auf ungefähr 146 bis 148 Schläge pro Minute. Beides kann denselben musikalischen Puls unterschiedlich notieren.

Der Anfang wirkt freier und atmender als ein streng quantisierter Popsong. Danach stabilisiert sich der Puls. Die Begleitung drängt sich rhythmisch nicht in den Vordergrund; sie schafft vielmehr einen ruhigen Boden für Quena und Gesang.


Kurzes selbst erstelltes Rhythmusmodell

Dieses eintaktige Beispiel ist frei erfunden und bildet nur einen ruhigen 4/4-Grundpuls ab.


\relative c' {
  \time 4/4
  c8 c4 c8 c4 c4 \bar "|."
}


Gesang

Simon & Garfunkel sind für eng aufeinander abgestimmten Zweigesang bekannt. In El Condor Pasa (If I Could) bildet die menschliche Stimme eine zusätzliche Ebene über einer bereits stark profilierten Instrumentalspur. Dadurch entsteht ein besonderer Kontrast: Die Quena klingt körperlich, luftig und teilweise rauer, die Gesangsstimmen dagegen glatt, kontrolliert und studioästhetisch nah.

Für die Höranalyse lohnt sich die Frage, ob Du den Song primär als „Vokalsong mit Begleitung“ hörst oder als „Instrumentalstück mit darübergelegtem Vokaltext“. Gerade weil die Instrumentalspur historisch vor dem Simon-&-Garfunkel-Gesang existierte, sind beide Perspektiven plausibel.


Arrangement und Produktion

Die Produzenten des Albums waren Paul Simon, Art Garfunkel und Roy Halee; Roy Halee war zugleich Toningenieur. MusicBrainz führt für El Condor Pasa (If I Could) Los Incas als Performer und Simon & Garfunkel als Sänger.[8]

Das Produktionsprinzip lässt sich als Layering beschreiben: Eine bestehende, charakteristische Instrumentalebene wird nicht komplett neu gebaut, sondern als klangliches Fundament genutzt. Darüber werden Gesang und Studiobearbeitung so platziert, dass die Instrumentalidentität erhalten bleibt. Diese Methode prägt den Song stärker als eine typische Folkrock-Produktion aus akustischer Gitarre, Bass und Schlagzeug allein.


Songform

Die Form kann je nach Analysemodell unterschiedlich benannt werden. Für den Unterricht ist folgende hörbezogene Gliederung sinnvoll:

  1. Instrumentales Intro: Die andine Klangwelt wird etabliert, bevor der Text im Vordergrund steht.
  2. Erste Vokalphase: Kurze, wiederkehrende Textgedanken werden über die bestehende Instrumentalbasis gelegt.
  3. Kontrastierender Mittelabschnitt: Text und Harmonik öffnen sich stärker, während die instrumentale Linie eigenständig bleibt.
  4. Rückkehr: Die anfängliche Vokalidee erscheint erneut.
  5. Instrumentales Ausklingen: Die instrumentale Identität erhält wieder mehr Gewicht.

Diese Gliederung ist eine didaktische Hörform und keine Behauptung, es gebe nur eine gültige formale Analyse. Datenbanken wie Hooktheory verwenden die Begriffe „Verse“ und „Chorus“, während andere Analysen eher von strophischer oder abschnittsweiser Form sprechen.[14]


Textthemen, Bildsprache und sinngemäße Übersetzung

Der englische Text arbeitet mit Gegensatzpaaren. Das lyrische Ich bevorzugt Beweglichkeit gegenüber Festlegung, natürliche Räume gegenüber künstlich geordneten Räumen und Selbstbestimmung gegenüber Gebundenheit. Das sehr kurze Zitat „I'd rather be a sparrow …“ zeigt bereits das Grundmuster: Eine erwünschte Lebensform wird einer weniger erwünschten gegenübergestellt.

Eine sinngemäße deutsche Inhaltserschließung lautet: Das lyrische Ich möchte frei, beweglich und naturverbunden sein. Es empfindet Bindung an starre Rollen oder an den Boden als bedrückend. Naturbilder werden zu Bildern für persönliche Freiheit.

Wichtig ist, dass dies keine vollständige Übersetzung des Songtexts ist. Die genaue Wortfolge des geschützten Textes wird nicht reproduziert.


Bildsprache

Die Bildsprache verbindet Tiere, Natur, Bewegung, Boden und gebaute Umwelt. Dadurch wirkt der Text zugleich konkret und symbolisch. Er erzählt keine lineare Geschichte mit Figuren und Handlung, sondern reiht Wunschbilder aneinander. Gerade diese Offenheit hat vermutlich dazu beigetragen, dass sich der Text leicht mit der weiten, schwebenden Instrumentalwirkung verbinden lässt.


Vergleich von Fassungen

Fassung Klangliche beziehungsweise historische Merkmale Hörbarer Unterschied zur Simon-&-Garfunkel-Aufnahme
Zarzuela-Kontext von 1913 Für Bühnenensemble beziehungsweise orchestrale Aufführung gedacht; Teil einer sozialkritischen Handlung. Kein englischer Poptext und keine nachträglich darübergelegte Duo-Vokalproduktion.
Los Incas, 1963 Instrumentale Andenmusik-Fassung mit Quena, Charango und weiteren Instrumenten; Arrangement von Jorge Milchberg. Die Instrumentalebene steht für sich und braucht keine englische Gesangslinie.
Simon & Garfunkel, 1970 Los-Incas-Instrumentalspur plus englischer Text und Simon-&-Garfunkel-Gesang. Stärkere Pop-Song-Wahrnehmung durch Vokaltext, Studiobalance und Albumkontext.
Orchesteraufführungen der rekonstruierten Bühnenmusik Größerer orchestraler Klangkörper und stärkerer Bezug zur ursprünglichen Theaterwelt. Andere Klangfarben, andere räumliche Wirkung, stärker klassisch-bühnenmusikalische Perspektive.

Orquesta Sinfónica Nacional del Perú im Museo Nacional, offizieller Kanal des Museo Nacional de Arqueología, Antropología e Historia del Perú. Diese Aufführung ist kein „Original von 1913“, macht aber den orchestralen Werkzusammenhang hörbar.


Vergleichsauftrag fürs Hören

Höre zuerst die offizielle Simon-&-Garfunkel-Aufnahme und danach die Orchesteraufführung. Notiere jeweils drei Beobachtungen zu Klangfarbe, Melodieführung und Form. Prüfe anschließend, welche Unterschiede wirklich hörbar sind und welche Du nur aufgrund des Vorwissens erwartet hast.


Rezeption und Bedeutung

Die Simon-&-Garfunkel-Fassung erreichte 1970 Platz 18 der US-amerikanischen Billboard-Pop-Singlecharts und Platz 6 der Easy-Listening-Charts.[6] Sie trug maßgeblich dazu bei, dass die Melodie weltweit einem noch größeren Pop-Publikum bekannt wurde. Das Stück steht auf Bridge over Troubled Water, dem letzten regulären Studioalbum des Duos.[9]

Für Paul Simons späteres Werk ist die Aufnahme interessant, weil sie bereits früh zeigt, wie stark ihn Musiktraditionen außerhalb des angloamerikanischen Folk und Rock beschäftigten. Später arbeitete Simon noch umfangreicher mit Musikerinnen und Musikern verschiedener Länder und Traditionen.

Für die peruanische Musikgeschichte bleibt dabei entscheidend, die Popularisierung durch Simon & Garfunkel nicht mit der Entstehung des Werkes zu verwechseln. Die Komposition von Alomía Robles und ihr kultureller Kontext sind deutlich älter. Peru erklärte das Werk 2004 zum Kulturerbe der Nation; 2025 wurden außerdem historische Partituren von Alomía Robles als Kulturerbe anerkannt.[1][2]


Urheberrecht, Autorschaft und kulturelle Verantwortung

El Condor Pasa (If I Could) eignet sich besonders gut, um mehrere Ebenen von Autorschaft zu unterscheiden:

  1. Daniel Alomía Robles: Komponist der 1913 entstandenen musikalischen Vorlage.
  2. Jorge Milchberg: Arrangeur der für Los Incas prägenden Fassung.
  3. Paul Simon: Verfasser des englischen Textes und Mitgestalter der Popfassung.
  4. Los Incas: Interpreten der Instrumentalspur, die in der Simon-&-Garfunkel-Aufnahme verwendet wurde.
  5. Simon & Garfunkel: Gesangsduo und Hauptinterpret der 1970 veröffentlichten Popaufnahme.

Der Fall zeigt, warum die Bezeichnung „Volkslied“ nicht automatisch bedeutet, dass ein konkretes Werk keinen Komponisten hat. Außerdem zeigt er, wie Bearbeitung, Arrangement und neuer Text eigenständige kreative Beiträge sein können, ohne die ursprüngliche Komposition unsichtbar zu machen.


Medien und Lizenzhinweise

Die folgenden Commons-Medien sind für Bildungszwecke besonders praktisch, weil ihre Lizenzlage transparent dokumentiert ist. Bei CC-Lizenzen müssen die jeweiligen Bedingungen wie Namensnennung und gegebenenfalls Weitergabe unter gleichen Bedingungen eingehalten werden.

Medium Lizenz Lernzweck
Simon and Garfunkel 10-162.jpg CC BY-SA 3.0 Interpretinnen- und Interpretenkontext
Condor flying over the Colca canyon in Peru.jpg CC BY-SA 3.0 / GFDL Bildsprache und geografischer Kontext
Mina cerro pasco.jpg CC BY-SA 3.0 Kontext Bergbau und Cerro de Pasco
Quena-assemblage.svg CC BY-SA 3.0 Instrumentenkunde Quena
Charango jt.png CC BY-SA 2.5 Instrumentenkunde Charango
Charango - cuerdas al aire.ogg Public Domain Freies Klangbeispiel
Charango - Soinuenea Fundazioa.webm CC BY 4.0 Freies Instrumentenvideo

Die eingebetteten YouTube-Aufnahmen sind keine automatisch frei lizenzierten OER. Der offizielle Simon-&-Garfunkel-Upload bleibt beim Rechteinhaber; der aiMOOC bindet nur den YouTube-Player ein. Für eine eigene Weiterverwendung außerhalb der Plattform müssen die jeweiligen Rechte erneut geprüft werden.


Höranalyse in fünf Durchgängen

  1. Erster Höreindruck: Beschreibe nur Wirkung und Stimmung, ohne Fachbegriffe zu erzwingen.
  2. Klangfarben: Konzentriere Dich auf Quena, Charango, Gesang und räumliche Mischung.
  3. Melodie und Harmonik: Markiere Stellen, an denen die Instrumentalmelodie unabhängig vom Gesang wirkt.
  4. Form: Teile den Song nach hörbaren Veränderungen in Abschnitte.
  5. Kontext: Höre erneut mit dem Wissen um 1913, Los Incas und die Produktionsgeschichte. Prüfe, ob sich Deine Wahrnehmung verändert.


Quellen und Nachprüfbarkeit

Die wichtigsten Aussagen dieses aiMOOCs stützen sich auf amtliche peruanische Quellen, historische Albumangaben, offizielle Veröffentlichungen und ergänzende musikwissenschaftliche beziehungsweise katalogbasierte Quellen. Wikipedia wird als gut zugänglicher Überblick verwendet, aber bei zentralen historischen Punkten durch amtliche oder primärnahe Quellen ergänzt.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Wer komponierte die musikalische Vorlage von El cóndor pasa im Jahr 1913? (Daniel Alomía Robles) (!Paul Simon) (!Art Garfunkel) (!Roy Halee)




Zu welcher Bühnenform gehörte El cóndor pasa ursprünglich? (Zarzuela) (!Operette von Broadway) (!Sinfonie) (!Jazzsuite)




Welche Gruppe spielte die Instrumentalspur, die für die Simon-&-Garfunkel-Aufnahme verwendet wurde? (Los Incas) (!The Byrds) (!The Wrecking Crew) (!The Beach Boys)




Wo hörte Paul Simon Los Incas in den 1960er-Jahren? (Paris) (!Lima) (!New York) (!London)




Auf welchem Album erschien die Simon-&-Garfunkel-Aufnahme 1970? (Bridge over Troubled Water) (!Bookends) (!Parsley Sage Rosemary and Thyme) (!Sounds of Silence)




Wer schrieb den englischen Text von El Condor Pasa If I Could? (Paul Simon) (!Daniel Alomía Robles) (!Jorge Milchberg) (!Roy Halee)




Welches Instrument gehört besonders deutlich zur andinen Klangfarbe der Aufnahme? (Quena) (!Saxofon) (!Cembalo) (!Tuba)




Welche Tonart wird für die veröffentlichte Simon-&-Garfunkel-Fassung häufig als Originaltonart angegeben? (e-Moll) (!C-Dur) (!Fis-Dur) (!b-Moll)




Welches Taktmodell wird für die Aufnahme meist angegeben? (Vier-Viertel-Takt) (!Drei-Viertel-Takt) (!Fünf-Viertel-Takt) (!Sieben-Achtel-Takt)




Was geschah 2004 in Peru mit El Cóndor Pasa? (Es wurde zum Kulturerbe der Nation erklärt) (!Es wurde erstmals komponiert) (!Es wurde erstmals von Los Incas aufgenommen) (!Es wurde zum ersten Mal von Simon und Garfunkel gesungen)





Memory

Daniel Alomía Robles Komponist der musikalischen Vorlage von 1913
Jorge Milchberg Arrangeur der Los-Incas-Fassung
Paul Simon Verfasser des englischen Textes
Los Incas Instrumentalgrundlage der Popaufnahme
Quena Andine Kerbflöte
Charango Kleines gezupftes Saiteninstrument der Anden
Bridge over Troubled Water Album von 1970
Cerro de Pasco Sozialer und geografischer Bezug der Zarzuela





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Zarzuela Bühnenkontext der ursprünglichen Komposition
Los Incas Instrumentalspur der Simon-und-Garfunkel-Fassung
Quena Luftig klingendes andines Blasinstrument
e-Moll Tonales Zentrum der veröffentlichten Popfassung
Freiheitsbilder Zentrales Thema des englischen Textes






Kreuzworträtsel

Robles Wie lautet der Nachname des Komponisten der musikalischen Vorlage?
Milchberg Wie lautet der Nachname des Arrangeurs der Los-Incas-Fassung?
Charango Wie heißt das kleine gezupfte Saiteninstrument der Anden?
Quena Wie heißt die charakteristische andine Kerbflöte?
Zarzuela Wie heißt die ursprüngliche Bühnenform?
Peru In welchem Land wurde das Werk 2004 zum Kulturerbe erklärt?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Die musikalische Vorlage von El cóndor pasa stammt von

. Sie entstand ursprünglich im Zusammenhang mit einer

. Die Handlung bezog sich auf soziale Konflikte im Bergbaugebiet von

. Die später weltbekannte Instrumentalfassung von Los Incas verwendet unter anderem die andine Flöte

. Ein weiteres prägendes Instrument ist das

. Paul Simon hörte Los Incas in

. Für die Popaufnahme schrieb er einen neuen

. Die Instrumentalspur der Fassung von Simon und Garfunkel stammt von

. Die veröffentlichte Fassung wird häufig in

analysiert. Im Jahr 2004 erklärte Peru das Werk zum

der Nation.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Hörprotokoll: Höre die Aufnahme zweimal und beschreibe fünf Klangereignisse in der Reihenfolge ihres Auftretens.
  2. Instrumentensteckbrief: Erstelle einen bebilderten Steckbrief zur Quena oder zum Charango und nenne Bauweise, Klang und musikalische Funktion.
  3. Bildsprache: Gestalte ein eigenes Bild oder eine Fotocollage zu den Themen Freiheit, Natur und Gebundenheit, ohne den Songtext zu kopieren.
  4. Zeitleiste: Entwickle eine grafische Zeitleiste von 1913 bis 2004 mit mindestens sechs Stationen.


Standard

  1. Vergleichshören: Vergleiche die Simon-&-Garfunkel-Aufnahme mit der eingebetteten Orchesteraufführung und beschreibe Unterschiede in Klangfarbe, Form und Wirkung.
  2. Arrangement: Erfinde ein eigenes acht- bis sechzehntaktiges Arrangement in e-Moll, das nur die Idee „Andenklang trifft Folk-Pop“ aufgreift, ohne die geschützte Melodie nachzuspielen.
  3. Quellenkritik: Vergleiche die Angaben von Wikipedia, MusicBrainz und einer amtlichen peruanischen Quelle. Markiere Übereinstimmungen, Unterschiede und mögliche Gründe.
  4. Podcast: Produziere einen dreiminütigen Audio-Beitrag über die Frage, warum der Begriff „traditionelles Volkslied“ bei diesem Werk zu kurz greift.


Schwer

  1. Produktionsanalyse: Erstelle ein Spurdiagramm, das Instrumentalgrundlage, Gesang, mögliche Overdubs und Studiobearbeitung voneinander trennt.
  2. Urheberrecht und Arrangement: Verfasse eine Fallanalyse zu den Rollen Komposition, Arrangement, neuer Text und Interpretation.
  3. Interkulturelle Musikgeschichte: Untersuche kritisch, wie Musik aus den Anden in europäischen und nordamerikanischen Popkontexten vermittelt wurde. Beziehe mindestens drei überprüfbare Quellen ein.
  4. Eigenes Forschungsprojekt: Führe ein Interview mit einer Musikerin oder einem Musiker, die oder der Quena, Charango oder lateinamerikanische Folklore spielt, und vergleiche die Aussagen mit den Quellen dieses aiMOOCs.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Transferanalyse: Erkläre, warum die Verwendung einer bereits existierenden Instrumentalspur die Rolle von „Interpret“ und „Produzent“ komplizierter macht als bei einer komplett neu eingespielten Aufnahme.
  2. Kontext und Wirkung: Begründe, wie sich die Wahrnehmung des Songs verändert, wenn man die sozialkritische Zarzuela von 1913 kennt.
  3. Harmonik und Klangfarbe: Zeige an einem selbst erfundenen e-Moll-Beispiel, wie eine einfache Harmonik durch Instrumentierung stark verändert werden kann.
  4. Text und Musik: Analysiere, warum ein englischer Text über persönliche Freiheit auch dann plausibel wirken kann, wenn er keine Übersetzung des ursprünglichen Bühnenstoffs ist.
  5. Quellenbewertung: Entwickle Kriterien, mit denen Du entscheidest, ob eine Angabe aus einer Streaming-Metadatenbank, einer historischen LP und einer amtlichen Kulturquelle gleich zuverlässig ist.
  6. Kulturelle Verantwortung: Diskutiere, wie eine populäre Coverfassung die Bekanntheit eines Werkes steigern und zugleich die Wahrnehmung seiner ursprünglichen Urheberschaft verändern kann.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Daten auswendig kennst, sondern Zusammenhänge belegen und hörend nachvollziehen kannst.

  1. Du kannst die Entwicklung von 1913 über Los Incas bis 1970 erklären.
  2. Du kannst mindestens drei Besonderheiten der Simon-&-Garfunkel-Aufnahme mit Quellen belegen.
  3. Du kannst Quena und Charango klanglich und instrumentenkundlich einordnen.
  4. Du kannst e-Moll, 4/4-Takt und den ruhigen Grundpuls der Aufnahme fachsprachlich beschreiben.
  5. Du kannst erläutern, warum die englische Textfassung keine Übersetzung der Zarzuela ist.
  6. Du kannst Originalkomposition, Arrangement, Interpretation, neuen Text und Produktion unterscheiden.
  7. Du kannst Medienlizenzen und die Unterschiede zwischen OER-Medien und offiziellen, aber nicht frei lizenzierten YouTube-Einbettungen erklären.
  8. Du kannst eine eigene Analyse formulieren, ohne geschützte Songtexte oder vollständige Notationen zu vervielfältigen.




OERs zum Thema



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