Simon & Garfunkel – El Cóndor Pasa (If I Could)

Simon & Garfunkel – El Cóndor Pasa (If I Could)
Einleitung
El Cóndor Pasa (If I Could) in der Fassung von Simon & Garfunkel verbindet eine Melodie aus dem peruanischen Bühnenwerk El cóndor pasa… von Daniel Alomía Robles mit dem Arrangement der Andenmusik-Gruppe Los Incas und einem neuen englischen Text von Paul Simon. Die Aufnahme erschien 1970 auf dem Album Bridge over Troubled Water, dem letzten Studioalbum des Duos. Sie ist deshalb besonders ergiebig für den Musikunterricht: An ihr lassen sich Folk-Rock, Andenmusik, Arrangement, Overdub-Produktion, kultureller Transfer, Autorschaft und Urheberrecht ebenso untersuchen wie Melodik, Harmonik, Rhythmus, Klangfarbe und Textdeutung.[1]

Der Titel bedeutet sinngemäß „Der Kondor zieht vorüber“. Wichtig ist aber: Die 1970er Fassung von Simon & Garfunkel ist keine Übersetzung des Textes der ursprünglichen Zarzuela. Paul Simon schrieb einen eigenständigen englischen Liedtext zu einer bereits existierenden Instrumentalaufnahme von Los Incas.[2]
Offizielles Hörbeispiel: Die eingebettete Aufnahme stammt vom offiziellen Simon-&-Garfunkel-Kanal. Sie wird hier nicht kopiert, sondern über YouTube eingebettet. Für Analyseaufgaben solltest Du immer mit dieser konkreten Aufnahme arbeiten, weil verschiedene Fassungen des Stücks hörbar voneinander abweichen.
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du die Entstehungslinie vom peruanischen Bühnenwerk von 1913 über Los Incas bis zur Simon-&-Garfunkel-Fassung von 1970 erklären, mindestens drei Besonderheiten genau dieser Aufnahme belegen, musikalische Merkmale hörend untersuchen, die Textbilder sinngemäß deuten, verschiedene Fassungen vergleichen und Fragen von Autorschaft, kulturellem Transfer und Urheberrecht quellenkritisch beurteilen.
Werk und Aufnahme auf einen Blick
| Aspekt | Belegter Sachstand |
|---|---|
| Titel | El Cóndor Pasa (If I Could) |
| Interpret | Simon & Garfunkel |
| Album | Bridge over Troubled Water, veröffentlicht am 26. Januar 1970; das offizielle Duo-Archiv bezeichnet es als letztes Studioalbum von Simon & Garfunkel.[1] |
| Historischer Ursprung | Musik von Daniel Alomía Robles für die 1913 uraufgeführte peruanische Zarzuela El cóndor pasa…; das peruanische Kulturministerium nennt die Uraufführung im Teatro Mazzi in Lima und den sozialen Konflikt des Bühnenwerks zwischen indigenen Bergarbeitern und ausländischen Minenbesitzern.[3] |
| Vorlage der Popaufnahme | Bereits existierende Instrumentalaufnahme von Los Incas; Paul Simon erklärte mehrfach, dass diese Aufnahme lizenziert und für den Gesang verwendet wurde.[2][4] |
| Englischer Text | Paul Simon; der Text ist eine Neudichtung und keine Übersetzung des Zarzuela-Textes.[5] |
| US-Single | 1970 veröffentlicht; laut offizieller Simon-&-Garfunkel-Zeitleiste erreichte die Single Platz 18 der US-Pop-Single-Charts.[6] |
| Tonal-metrische Orientierung | Eine verbreitete digitale Analyse der Simon-&-Garfunkel-Fassung gibt e-Moll, ungefähr 73 BPM und 4/4-Takt an. Das ist eine Analyseangabe, keine amtliche Verlagsfestlegung.[7] |
Mindestens drei belegte Besonderheiten genau dieser Aufnahme
- Vorhandene Los-Incas-Aufnahme als Basis statt bloßer Stilkopie: Paul Simon sagte 1972, die Spur sei ursprünglich eine veröffentlichte Los-Incas-Aufnahme gewesen; 2021 beschrieb er noch einmal, dass man die Spur kaufte und darüber sang. Das unterscheidet die Produktion von einer vollständigen Neueinspielung im Studio.[2][4]
- Neue englische Worte auf eine ältere Instrumentalspur: Der englische Text stammt von Paul Simon. Er überträgt nicht den Handlungs- oder Liedtext der Zarzuela, sondern schafft eine neue Aussage über Freiheit, Bindung, Natur und Selbstbestimmung.[5]
- Eine urheberrechtlich komplizierte Herkunft wurde erst nach der Veröffentlichung geklärt: Simon war über den Ursprung zunächst falsch informiert worden; Daniel Alomía Robles war jedoch der Komponist des 1913 entstandenen Werks. Die heutige Quellenlage trennt Robles’ Komposition, Jorge Milchbergs Arrangementanteil und Simons englischen Text.[8]
- Die Aufnahme steht an einer Schnittstelle in Paul Simons späterem Schaffen: Simon selbst beschrieb sie rückblickend als frühes Beispiel für die Idee, Musik nicht auf US-amerikanische Klangwelten zu begrenzen und mit den Musikerinnen und Musikern zu arbeiten, die einen bestimmten Stil tatsächlich prägen. Er verband diese Erfahrung später ausdrücklich mit seiner Arbeitsweise bei Graceland.[4]
Entstehungsgeschichte und zeitgeschichtlicher Kontext
Peru 1913: Zarzuela, Bergbau und soziale Konflikte
Die heute weltweit bekannte Melodie ist aus einem größeren Bühnenzusammenhang hervorgegangen. El cóndor pasa… wurde 1913 in Lima als Zarzuela uraufgeführt. Nach Unterlagen des peruanischen Kulturministeriums greift das Werk eine soziale und arbeitsbezogene Konfliktlage der frühen 20. Jahrhunderts auf: indigene Bergarbeiter stehen ausländischen Besitzinteressen gegenüber. Damit ist der historische Ursprung deutlich politischer und dramatischer als der spätere englische Text von Paul Simon.[3]


Daniel Alomía Robles sammelte und bearbeitete musikalische Materialien aus der Andenregion und verband sie mit Formen europäisch geprägter Bühnenmusik. Das peruanische Kulturministerium erklärte El Cóndor Pasa 2004 zum Kulturerbe der Nation; 2025 wurden zusätzlich fünfzehn historische Partituren von Robles, darunter eine Partitur von El cóndor pasa, als Kulturerbe anerkannt.[9][10]
Los Incas 1963: die entscheidende Zwischenstufe
Die französisch-südamerikanische Andenmusik-Gruppe Los Incas nahm 1963 eine Instrumentalfassung auf. Genau diese Klangwelt wurde für Paul Simon entscheidend. Er hörte Los Incas Mitte der 1960er Jahre in Paris, freundete sich mit der Gruppe an und verwendete später deren bereits veröffentlichte Aufnahme als Grundlage für die Simon-&-Garfunkel-Fassung.[2][4]
Vergleichshören: Das Video stammt vom offiziellen Artist-Kanal von Los Incas und bezeichnet die Aufnahme als Originalaufnahme von 1963 in remasterter Form.[11]
Simon & Garfunkel 1969/1970: Einbettung in ein letztes Studioalbum
Bridge over Troubled Water erschien im Januar 1970 und wurde das letzte Studioalbum des Duos. El Cóndor Pasa (If I Could) steht dort an zweiter Stelle. Das Album gewann 1971 den Grammy für Album of the Year; diese Auszeichnung gilt dem Album, nicht speziell dem Lied.[12]
Die Aufnahmezeit fällt in eine Phase, in der Folk, Folk-Rock, Studioexperiment und internationale musikalische Einflüsse im Pop stärker miteinander verknüpft wurden. Für diese konkrete Produktion ist jedoch wichtiger als ein allgemeines Zeitgeist-Etikett, dass Paul Simon nach eigener Aussage nicht versuchte, den Los-Incas-Sound mit US-Studiomusikern einfach nachzubauen, sondern die bestehende Aufnahme selbst als Grundlage nahm.[2]
Frei lizenzierte und offizielle Hörmedien
Gemeinfreie Rekonstruktion des Robles-Stücks
Die folgende Wikimedia-Commons-Audiodatei ist eine 2015 von einem Commons-Nutzer mit LMMS erzeugte, instrumentale Rekonstruktion und wurde vom Ersteller in die Gemeinfreiheit entlassen. Sie ist keine historische Aufnahme von 1913 und nicht die Simon-&-Garfunkel-Fassung. Sie eignet sich aber als rechtssicheres Vergleichsmedium für die Melodiegeschichte.
Offizielles Simon-&-Garfunkel-Audio
Offizielle Los-Incas-Fassung von 1963 in remasterter Veröffentlichung
Paul Simon live mit Urubamba 1973
Das offizielle Paul-Simon-Audio nennt für diese Livefassung Paul Simon, die Jessy Dixon Singers und Urubamba.[13]
Musikalische Analyse der Simon-&-Garfunkel-Aufnahme
Stil und Genre
Die Aufnahme lässt sich am treffendsten als Folk-Rock-/Folk-Pop-Aufnahme mit einem übernommenen Andenmusik-Arrangement beschreiben. Das Besondere liegt nicht darin, dass Simon & Garfunkel lediglich „peruanisch klingende“ Instrumente imitieren, sondern in der konkreten Verwendung einer Los-Incas-Spur. Dadurch entsteht eine Schichtung zweier Produktions- und Bedeutungsebenen: Andenmusikalisch geprägtes Instrumentalarrangement und US-amerikanischer Folk-Pop-Gesang.
Der Begriff Weltmusik kann rückblickend helfen, Paul Simons spätere internationale Kooperationen zu beschreiben, sollte aber für 1970 nicht unkritisch als damalige Genrebezeichnung verwendet werden. Der heute verbreitete Musikmarktbegriff „world music“ wurde erst deutlich später etabliert.
Tonalität, Melodie und Harmonik
Für die Simon-&-Garfunkel-Fassung wird in digitalen Analysen häufig e-Moll als tonales Zentrum angegeben; Hooktheory nennt ungefähr 73 BPM und 4/4-Takt.[7] Die Melodie wirkt wegen ihrer weiten Bögen, Wiederholungen und der Nähe zu pentatonischen Wendungen zugleich eingängig und offen. Im harmonischen Untergrund spielt die Spannung zwischen e-Moll und dem verwandten G-Dur-Bereich eine wichtige Rolle; C-Dur-Färbungen erweitern das Klangfeld. Solche Akkordangaben sind Analysemodelle und können je nach Transkription unterschiedlich notiert werden.
Wichtig: Die folgenden Score-Beispiele sind neu für diesen aiMOOC komponiert. Sie zitieren und transkribieren nicht die geschützte Simon-&-Garfunkel-Melodie.
Score-Beispiel 1: selbst erfundene Moll-Pentatonik-Geste

Das Beispiel zeigt nur, wie ein kurzer, weitgehend pentatonischer Melodiebogen in e-Moll klingen kann. Vergleiche beim Hören: Welche Töne der echten Aufnahme wirken wie Ruhepunkte, welche wie Durchgangstöne? Notiere Deine Beobachtungen mit Zeitmarken, ohne die vollständige Originalmelodie abzuschreiben.
Score-Beispiel 2: selbst erfundener harmonischer Übungsloop

Dieser Vierklang-Loop ist ein didaktisches Eigenbeispiel, keine Akkordtranskription des Songs. Untersuche daran, wie sich Mollzentrum, VI-Stufe, relative Durregion und VII-Stufe farblich unterscheiden.
Rhythmus und Metrum
Der langsame, gleichmäßige Grundpuls unterstützt den nachdenklichen Charakter. Bei etwa 73 BPM wirkt die Musik getragen, ohne völlig statisch zu werden.[7] Entscheidend ist weniger ein aggressiver Backbeat als das ineinandergreifende Pulsieren von gezupften beziehungsweise angeschlagenen Begleitfiguren und langen melodischen Atembögen.
Score-Beispiel 3: selbst erfundene Puls- und Synkopenübung

Das Beispiel verwendet absichtlich nur einen Ton, damit Du ausschließlich den Rhythmus hörst. Klopfe zuerst gleichmäßige Achtel, dann die Pausenfigur. Übertrage die Idee anschließend auf eine eigene Begleitung.
Gesang
Die Gesangsebene stammt aus der späteren Popproduktion und liegt über der instrumentalen Los-Incas-Basis. Paul Simon schrieb den englischen Text; Simon und Art Garfunkel werden für die Aufnahme als Sänger geführt.[14] Hörbar ist ein kontrollierter, eher lyrischer Gesangsstil, der die langen Melodiebögen nicht mit starker rhythmischer Artikulation überlädt. Dadurch bleibt das instrumentale Fundament deutlich präsent.
Achte beim Hören auf drei Ebenen: die Hauptstimme, mögliche Verdopplungen beziehungsweise Harmoniestimmen und die räumliche Platzierung des Gesangs gegenüber den Instrumenten. Formuliere Beobachtungen zunächst als Höreindruck und trenne sie von belegbaren Produktionsdaten.
Instrumentierung
Der prägende Klang stammt aus dem Los-Incas-Umfeld und ist mit Andeninstrumenten wie Charango, Quena und Antara/Siku verbunden. Für Los Incas und die spätere Urubamba-Besetzung sind Charango sowie Quenas und Antaras ausdrücklich dokumentiert.[15]



Datei:Charango - Soinuenea Fundazioa.webm
Für die konkrete Simon-&-Garfunkel-Aufnahme nennen digitale Track-Metadaten zusätzlich Gitarren, Keyboards, Bass und Schlagzeug sowie Paul Simon, Fred Carter Jr., Larry Knechtel, Joe Osborn und Hal Blaine.[14] Paul Simons eigene Erinnerungen betonen dagegen vor allem, dass die bereits bestehende Los-Incas-Spur gekauft und übersungen wurde.[2][4] Deshalb ist wissenschaftlich sauber, nicht jede hörbare Einzelschicht vorschnell einer Person zuzuordnen, solange die zugänglichen Quellen die genaue Trennung von Originalspur und späteren Overdubs nicht eindeutig dokumentieren.
Arrangement
Das Arrangement lebt von Kontrasten:
- Klangfarbenkontrast: luftige Flötenfarben treffen auf gezupfte Saiteninstrumente und zurückhaltenden Popgesang.
- Registerkontrast: hohe Flötenlinien stehen über einem tiefer liegenden Begleitfundament.
- Dichtekontrast: instrumentale Passagen lassen die Klangfarben der Vorlage hervortreten; gesungene Abschnitte bündeln die Aufmerksamkeit auf Text und Stimme.
- Kulturelle Schichtung: eine südamerikanisch geprägte Instrumentalaufnahme und ein englischer Folk-Pop-Text werden nicht verschmolzen, indem alles neu eingespielt wird, sondern durch Overdub-Praxis übereinandergelegt.
Produktion
Gerade die Produktion ist für 1970 bemerkenswert. Paul Simon beschrieb die Methode rückblickend schlicht: Man nahm die vorhandene Los-Incas-Aufnahme und sang darüber.[2] Diese Arbeitsweise unterscheidet sich von einem Cover, das jede Instrumentalspur neu einspielt. Das Ergebnis ist eher eine Adaptation durch neue vokale Ebene auf einem lizenzierten Instrumentalfundament.
In einem Interview von 1990 erklärte Simon, bei El Condor Pasa habe man die Los-Incas-Spur gekauft und darüber gesungen; später habe er für internationale Projekte lieber direkt vor Ort mit Musikerinnen und Musikern aufgenommen.[16] Damit lässt sich die Aufnahme als wichtiger Schritt in seiner Entwicklung zu späteren transnationalen Produktionsformen verstehen, ohne sie mit diesen späteren Projekten gleichzusetzen.
Songform
Eine sinnvolle schulische Höranalyse kann die 1970er Aufnahme als Intro – A – B – A’ – Ausklang modellieren. Das ist keine historische Formbezeichnung von Robles, sondern eine analytische Vereinfachung für diese Popfassung.
| Formteil | Hörfunktion | Beobachtungsauftrag |
|---|---|---|
| Intro | Etabliert Klangfarbe und melodische Welt der Instrumentalbasis | Welche Instrumentenfarben treten zuerst hervor? |
| A | Erste gesungene Bildpaare und wiederkehrende melodische Gestalt | Wo liegen Ruhepunkte der Stimme? |
| B | Kontrastierender Text- und Spannungsbereich | Verändert sich die harmonische Helligkeit? |
| A’ | Rückkehr zu verwandtem Material mit neuem Text | Was ist gleich, was ist variiert? |
| Ausklang | Rückführung auf die instrumentale Klangwelt | Welche Ebene bleibt am stärksten im Ohr? |
Text, Bildsprache und sinngemäße Übersetzung
Der vollständige Songtext ist urheberrechtlich geschützt und wird hier bewusst nicht wiedergegeben. Als sehr kurzes Analysezitat genügt die Wendung „I'd rather be a sparrow“. Sie eröffnet eine Reihe von Vergleichsbildern, in denen das lyrische Ich ausdrückt, was es lieber wäre oder fühlen würde.
Sinngemäße Inhaltserschließung: Das lyrische Ich stellt bewegliche, natürliche und selbstbestimmte Lebensformen starren, festgelegten oder fremdbestimmten Zuständen gegenüber. Tiere, Werkzeuge, Landschaft und Boden werden als Bilder für Freiheit, Handlungsmacht, Vergänglichkeit und Verbundenheit mit der Erde eingesetzt. Der Text erzählt keine lineare Handlung. Er funktioniert als Folge von Metaphern und Präferenzsätzen.
Zentrale Textthemen
- Freiheit und Bindung: Beweglichkeit und Loslösung stehen gegen Festgelegtsein und Gebundensein.
- Natur und Zivilisation: Naturbilder werden gegen künstliche oder gebaute Umgebungen gestellt.
- Handlungsmacht: Das lyrische Ich möchte lieber aktiv gestalten als passiv geformt werden.
- Vergänglichkeit: Einige Bilder verbinden Freiheit mit Vorübergehen und Nicht-Festhalten.
- Entfremdung und Erdverbundenheit: Die Nähe zur Erde erhält einen positiven, körperlich erfahrbaren Wert.
Diese Deutung bezieht sich auf Paul Simons englischen Text. Sie darf nicht mit der Handlung der peruanischen Zarzuela gleichgesetzt werden, deren sozialer Konflikt ein anderer ist.[3]
Rezeption und Bedeutung
Die Single erreichte in den USA Platz 18 der Pop-Single-Charts; dies dokumentiert die offizielle Simon-&-Garfunkel-Zeitleiste.[6] In Westdeutschland erreichte sie Platz 1; die deutschsprachige Wikipedia führt hierfür historische GfK-Chartdaten an.[17] Der internationale Erfolg der Simon-&-Garfunkel-Fassung trug erheblich dazu bei, dass die Melodie außerhalb Südamerikas weltweit bekannt wurde.
Dabei ist wichtig, zwischen der Rezeption der Popaufnahme und der kulturellen Bedeutung des peruanischen Werks zu unterscheiden. Peru erklärte El Cóndor Pasa 2004 zum Kulturerbe der Nation; diese Anerkennung gilt dem Werk von Daniel Alomía Robles und nicht der amerikanischen Popaufnahme.[9]

Bedeutung im Werk von Simon & Garfunkel und Paul Simon
Auf Bridge over Troubled Water steht das Stück neben sehr unterschiedlichen Produktionen wie dem Titelsong, Cecilia und The Boxer. Das Album markiert das Ende der regulären Studioarbeit des Duos.[1] Für Paul Simon weist El Cóndor Pasa zugleich auf eine langfristige Neugier für Musik außerhalb der USA voraus. In späteren Rückblicken stellte Simon selbst eine Verbindung von dieser Erfahrung zu seiner internationalen Arbeitsweise her.[4]
Diese Verbindung sollte nicht als einfache Fortschrittsgeschichte erzählt werden. Zwischen der Aufnahme von 1970 und späteren Projekten veränderten sich technische, ästhetische und politische Rahmenbedingungen. Gerade deshalb eignet sich das Stück zur Diskussion darüber, wie musikalische Zusammenarbeit, Kreditierung und kulturelle Herkunft transparent gemacht werden können.
Vergleich von Original-, Studio- und Livefassungen
| Fassung | Quellenstatus | Hörbare beziehungsweise belegte Unterschiede |
|---|---|---|
| Robles-Werk ab 1913 | Teil einer größeren Zarzuela mit dramatischem und sozialem Kontext; historische Partitur in der Biblioteca Nacional del Perú überliefert.[3][18] | Nicht als dreiminütiger Folk-Pop-Song konzipiert; das bekannte Melodiematerial ist nur ein Teil eines größeren Bühnenwerks. |
| Los Incas 1963 | Instrumentalaufnahme; offizieller Artist-Kanal stellt eine remasterte Veröffentlichung bereit.[11] | Keine englische Gesangsebene; Andeninstrumente und Instrumentalmelodie stehen im Zentrum. |
| Simon & Garfunkel 1970 | Englische Neudichtung über der Los-Incas-Basis; offizielle Veröffentlichung auf Bridge over Troubled Water.[1][2] | Gesang wird zur neuen Bedeutungsebene; die Produktion ist durch Overdub und Pop-Mischung geprägt. |
| Paul Simon live 1973 | Offizielles Liveaudio nennt Paul Simon, Urubamba und die Jessy Dixon Singers.[13] | Live-Raum, Bühneninteraktion und eine neu ausgeführte Konzertbalance ersetzen die kontrollierte Studioüberlagerung; dadurch wirkt das Verhältnis von Stimme und Ensemble unmittelbarer. |
Hörvergleich als Methode
Höre Los Incas 1963 und Simon & Garfunkel 1970 jeweils zunächst ohne mitzulesen. Notiere bei 0:00, beim ersten markanten Flöteneinsatz, beim Gesangseinstieg und beim Schluss die jeweils dominierende Klangfarbe. Höre danach die Livefassung 1973 und vergleiche Raumklang, Dynamik, Artikulation und das Verhältnis zwischen Gesang und Ensemble. Trenne dabei Hörbefund von Quellenwissen.
Rechtssicherheit und Quellenkritik
In diesem aiMOOC werden keine vollständigen geschützten Lyrics, kein Albumcover und keine vollständige geschützte Partitur reproduziert. Das einzige direkte Textzitat ist sehr kurz und dient der Analyse. Die eingebetteten kommerziellen Aufnahmen stammen von offiziellen YouTube-Kanälen; die Audiodatei und die Instrumentenbilder stammen aus Wikimedia Commons und tragen dort freie beziehungsweise gemeinfreie Lizenzangaben.
Die historische Klavierpartitur von Robles ist auf Wikimedia Commons als Public-Domain-Datei zugänglich.[18] Sie wird hier trotzdem nicht vollständig eingebettet, weil für die musikalische Analyse kurze, eigens komponierte Score-Beispiele ausreichen. So bleibt klar getrennt zwischen Quellenmaterial und didaktischer Neuschöpfung.
Bei Produktionsdetails ist Quellenkritik besonders wichtig: Paul Simons eigene Interviews belegen die Verwendung der vorhandenen Los-Incas-Aufnahme sehr deutlich.[2][16] Digitale Metadaten führen darüber hinaus Studiomusiker und Instrumente auf.[14] Solange öffentlich zugängliche Session-Unterlagen nicht jede Spur eindeutig zuordnen, sollte eine Analyse nicht so tun, als sei jede Instrumentalstimme zweifelsfrei einer bestimmten Person zugewiesen.
Hörleitfaden
- Erster Durchgang – Gesamtwirkung: Beschreibe in fünf Adjektiven, wie die Aufnahme auf Dich wirkt, und begründe jedes Adjektiv mit einem hörbaren Merkmal.
- Zweiter Durchgang – Klangfarben: Markiere die Einsätze von Flötenklang, gezupften Saiten und Gesang.
- Dritter Durchgang – Form: Prüfe das Modell Intro – A – B – A’ – Ausklang und ändere es, wenn Dein Hörbefund besser passt.
- Vierter Durchgang – Harmonik: Achte auf Wechsel zwischen dunklerem Mollgefühl und helleren Durfeldern.
- Fünfter Durchgang – Produktion: Frage Dich, welche Elemente wie eine ältere Instrumentalaufnahme wirken und welche wie später hinzugefügte Popproduktion.
Quellen und Nachprüfbarkeit
Die folgenden Quellen decken unterschiedliche Ebenen ab: offizielle Künstlerseiten für Diskografie und Veröffentlichung, Aussagen Paul Simons zur Produktionsweise, peruanische staatliche Quellen zum historischen Werk und Kulturerbe, offizielle YouTube-Kanäle für Hörvergleiche sowie Wikimedia Commons für freie Medien. Einzelne Analysewerte wie Tonart und Tempo stammen aus einer digitalen Musikanalyse und werden deshalb als Analyseangaben, nicht als Primärquellenfakten behandelt.
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 Offizielle Simon-&-Garfunkel-Seite: Bridge Over Troubled Water, abgerufen am 19.09.2026
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 2,7 2,8 Paul Simon im Rolling Stone-Interview, 1972; Wiederveröffentlichung, abgerufen am 19.09.2026
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 Ministerio de Cultura del Perú: Anhang zur RVM 000261-2025, abgerufen am 19.09.2026
- ↑ 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 4,5 Malcolm Gladwell/Bruce Headlam: Gespräch mit Paul Simon zu Miracle and Wonder, 2021, abgerufen am 19.09.2026
- ↑ 5,0 5,1 Simon & Garfunkel: offizielles Audio auf YouTube, abgerufen am 19.09.2026
- ↑ 6,0 6,1 Offizielle Simon-&-Garfunkel-Zeitleiste, abgerufen am 19.09.2026
- ↑ 7,0 7,1 7,2 Hooktheory: Analyse der Simon-&-Garfunkel-Fassung, abgerufen am 19.09.2026
- ↑ Wikipedia: El Cóndor Pasa (song), mit weiterführenden Quellen, abgerufen am 19.09.2026
- ↑ 9,0 9,1 Ministerio de Cultura del Perú: Declaratorias del Patrimonio Cultural, Eintrag vom 16.03.2004, abgerufen am 19.09.2026
- ↑ Ministerio de Cultura del Perú, 13.10.2025, abgerufen am 19.09.2026
- ↑ 11,0 11,1 Los Incas: El Condor pasa – original remastered, offizieller Artist-Kanal, abgerufen am 19.09.2026
- ↑ GRAMMY: 13th Annual Grammy Awards, abgerufen am 19.09.2026
- ↑ 13,0 13,1 Paul Simon: El Condor Pasa (If I Could) (Live 1973), offizieller Artist-Kanal, abgerufen am 19.09.2026
- ↑ 14,0 14,1 14,2 MusicBrainz: Veröffentlichungs- und Aufnahmedaten zu The Definitive Simon and Garfunkel, abgerufen am 19.09.2026
- ↑ Los Incas: Urubamba & Paul Simon, abgerufen am 19.09.2026
- ↑ 16,0 16,1 Los Angeles Times: Interview mit Paul Simon, 14.10.1990, abgerufen am 19.09.2026
- ↑ Wikipedia deutsch: El cóndor pasa, abgerufen am 19.09.2026
- ↑ 18,0 18,1 Wikimedia Commons: historische Klavierpartitur aus Beständen der Biblioteca Nacional del Perú, als Public-Domain-Datei gekennzeichnet, abgerufen am 19.09.2026
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Aus welchem größeren Werk stammt die historische Komposition El Cóndor Pasa? (Einer peruanischen Zarzuela) (!Einer US-amerikanischen Oper) (!Einem britischen Musical) (!Einer deutschen Sinfonie)
Wer komponierte die Musik des ursprünglichen Werks von 1913? (Daniel Alomía Robles) (!Paul Simon) (!Art Garfunkel) (!Roy Halee)
Welche Gruppe lieferte die Instrumentalaufnahme, die Paul Simon als Grundlage nutzte? (Los Incas) (!The Byrds) (!The Beach Boys) (!The Mamas and the Papas)
Was fügte Paul Simon der vorhandenen Instrumentalbasis wesentlich hinzu? (Einen neuen englischen Text) (!Einen lateinischen Operntext) (!Eine deutsche Übersetzung) (!Einen gesprochenen Nachrichtenbericht)
Auf welchem Album erschien die Simon-und-Garfunkel-Fassung? (Bridge over Troubled Water) (!Bookends Two) (!Parsley Revisited) (!Graceland)
Welche Taktart wird für die Simon-und-Garfunkel-Fassung häufig analysiert? (Vier-Viertel-Takt) (!Fünf-Viertel-Takt) (!Sieben-Achtel-Takt) (!Neun-Achtel-Takt)
Welche Aussage beschreibt die Produktionsweise besonders treffend? (Gesang wurde über eine bereits vorhandene Los-Incas-Spur gelegt) (!Alle Instrumente wurden ausschließlich a cappella imitiert) (!Die Aufnahme entstand nur aus einem Klaviersolo) (!Es wurde ausschließlich ein Sinfonieorchester verwendet)
Welche Bildidee ist für Paul Simons englischen Text besonders wichtig? (Freiheit gegenüber Bindung) (!Eine genaue Nacherzählung der Zarzuela) (!Eine Sportreportage) (!Eine naturwissenschaftliche Vogelbeschreibung)
Welche Aussage zum Kulturerbe ist korrekt? (Peru erklärte das Werk El Cóndor Pasa zum Kulturerbe der Nation) (!Die Grammy-Akademie erklärte den Song zum peruanischen Nationalerbe) (!Los Incas erklärten das Album zum Weltkulturerbe) (!YouTube erklärte die Aufnahme zum Nationaldenkmal)
Warum werden die Score-Beispiele in diesem aiMOOC ausdrücklich als Eigenkompositionen bezeichnet? (Sie sollen Analyseprinzipien zeigen ohne die geschützte Aufnahme zu transkribieren) (!Sie ersetzen die historische Autorschaft von Robles) (!Sie sind vollständige Abschriften der Originalmelodie) (!Sie stammen aus dem Albumcover)
Memory
| Daniel Alomía Robles | Komponist des Bühnenwerks von 1913 |
| Los Incas | Instrumentale Basis der späteren Popfassung |
| Paul Simon | Englischer Neutext und Sänger |
| Charango | Andines Zupfinstrument |
| Quena | Andine Kerbflöte |
| Zarzuela | Musiktheatrale Gattung des ursprünglichen Werks |
| Overdub | Nachträglich hinzugefügte Aufnahmeschicht |
| Freiheit | Zentrales Deutungsthema des englischen Textes |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Zarzuela | Historischer Bühnenkontext |
| Los Incas | Instrumentale Zwischenstufe von 1963 |
| Overdub | Produktionsprinzip der Gesangsergänzung |
| e-Moll | Tonales Analysezentrum |
| Charango | Gezupfte Andenklangfarbe |
| Urubamba | Ensemble im Livevergleich von 1973 |
Kreuzworträtsel
| Robles | Wie lautet der Nachname des peruanischen Komponisten Daniel Alomía? |
| Milchberg | Wie lautet der Nachname des Los-Incas-Leiters und Arrangeurs Jorge? |
| Charango | Welches kleine andine Saiteninstrument prägt die Klangwelt? |
| Quena | Wie heißt die traditionelle Andenflöte? |
| Freiheit | Welches zentrale Thema steht im englischen Text der Bindung gegenüber? |
| Zarzuela | Welche musiktheatrale Gattung bildet den historischen Ursprung? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Hörprotokoll: Höre die offizielle Simon-&-Garfunkel-Aufnahme und notiere fünf Zeitmarken mit jeweils einer auffälligen Klangfarbe.
- Instrumentensteckbrief: Gestalte einen bebilderten Steckbrief zu Charango, Quena oder Siku und verwende ausschließlich frei lizenzierte Bilder.
- Bildsprache: Erstelle eine Collage aus eigenen Fotos oder CC-Medien zu den Gegensätzen Natur, Stadt, Bewegung und Bindung.
- Formskizze: Zeichne eine eigene Formgrafik zur Aufnahme und begründe, wo Du Abschnitte voneinander trennst.
Standard
- Fassungsvergleich: Vergleiche Los Incas 1963 und Simon & Garfunkel 1970 in einer Tabelle nach Instrumentierung, Gesang, Formwirkung und Produktion.
- Textdeutung: Schreibe eine sinngemäße deutsche Inhaltsangabe ohne Zeile-für-Zeile-Übersetzung und erkläre drei Metaphern.
- Mini-Arrangement: Komponiere acht Takte in e-Moll mit eigener Melodie, die nur die Idee von Moll-Pentatonik und ruhigem 4/4-Puls nutzt.
- Quellencheck: Vergleiche eine Künstlerquelle, eine staatliche peruanische Quelle und Wikipedia. Markiere, welche Aussage jede Quelle besonders gut belegt.
Schwer
- Produktionsanalyse: Rekonstruiere als Diagramm, wie eine bestehende Instrumentalaufnahme durch Gesangs-Overdubs zu einer neuen Popfassung werden kann. Kennzeichne sichere Fakten und Hypothesen.
- Urheberrecht und Autorschaft: Verfasse ein kurzes Dossier darüber, warum Komposition, Arrangement, Tonaufnahme und neuer Liedtext unterschiedliche Rechte betreffen können.
- Kultureller Transfer: Diskutiere anhand des Stücks Chancen und Probleme internationaler musikalischer Zusammenarbeit. Beziehe Kreditierung, Machtverhältnisse, Herkunft und Transparenz ein.
- Forschungsprojekt: Entwickle eine zehnminütige Audio- oder Videodokumentation, die 1913, 1963, 1970 und 1973 als vier Stationen erzählt und jede Tatsachenbehauptung mit einer überprüfbaren Quelle versieht.


Lernkontrolle
- Transferanalyse: Ein Produzent verwendet heute eine lizenzierte traditionelle Ensembleaufnahme als Basis für einen neuen Popsong. Vergleiche dieses Verfahren mit El Cóndor Pasa (If I Could) und nenne Gemeinsamkeiten, Unterschiede und offene Rechtsfragen.
- Hörargumentation: Begründe mit mindestens vier konkreten Hörbeobachtungen, warum die Instrumentalebene nicht einfach als gewöhnliche US-Folk-Begleitung beschrieben werden sollte.
- Quellenkritik: Paul Simons Erinnerung und digitale Credit-Daten setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Entwickle eine Methode, wie Du beide Quellen nutzen kannst, ohne Widersprüche zu übergehen.
- Kontextwechsel: Erkläre, wie sich die Bedeutung einer Melodie verändert, wenn sie aus einer sozialkritischen Zarzuela in eine internationale Popballade mit neuem Text gelangt.
- Arrangementvergleich: Entwirf zwei alternative Arrangements derselben selbst komponierten acht Takte: einmal mit Quena und Charango, einmal mit Klavier, E-Bass und Drumset. Erläutere, welche Parameter die Stilwahrnehmung verändern.
- Ethik der Zusammenarbeit: Formuliere Kriterien für faire internationale Musikproduktion, die sich aus der Entstehungs- und Rechtegeschichte des Stücks ableiten lassen.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis ist wichtig, dass Du die Entstehungskette 1913 – Los Incas 1963 – Simon & Garfunkel 1970 – Livevergleich 1973 korrekt erklären kannst, mindestens drei Besonderheiten der konkreten 1970er Aufnahme mit Quellen belegst, musikalische Beobachtungen zu Melodie, Harmonik, Rhythmus, Gesang, Instrumentierung, Arrangement, Produktion und Form formulierst, den englischen Text sinngemäß deutest, Werkgeschichte und Poprezeption auseinanderhältst und bei Urheberrechts- sowie Kulturtransferfragen zwischen belegten Fakten, Interpretation und eigener Bewertung unterscheidest.
OERs zum Thema
Die Wikimedia-Commons-Kategorie zum Werk enthält eine gemeinfreie Audiodatei und eine als Public Domain gekennzeichnete historische Partitur. Für die Unterrichtsnutzung sollten die Lizenzangaben auf der jeweiligen Dateiseite geprüft und bei Weiterverwendung übernommen werden.
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