Reframing Suicide


Reframing Suicide
Einleitung
Reframing Suicide bedeutet, das Thema Suizid, Suizidalität und Suizidprävention nicht durch Schuld, Scham, Sensationslust oder einfache Erklärungen zu betrachten, sondern durch einen verantwortlichen Deutungsrahmen: Suizidalität ist meist Ausdruck einer schweren, oft vorübergehenden Krise, die verstanden, angesprochen und mit geeigneter Hilfe begleitet werden kann. Dieser aiMOOC nutzt das englischsprachige Video Reframing Suicide als Ausgangspunkt, um über psychische Gesundheit, Stigma, Medienethik, Prävention, Krisenintervention und gesellschaftliche Verantwortung zu lernen.
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Wichtiger Hinweis: Dieser aiMOOC dient der Bildung und Prävention. Er ersetzt keine medizinische, psychotherapeutische oder psychosoziale Beratung. Wenn Du selbst gerade in akuter Gefahr bist oder eine Person unmittelbar gefährdet ist, rufe sofort den Notruf 112 oder die örtliche Notrufnummer. In Deutschland erreichst Du die TelefonSeelsorge kostenlos, anonym und rund um die Uhr unter 0800 1110111, 0800 1110222 oder 116 123. In Österreich erreichst Du die Telefonseelsorge unter 142. In der Schweiz erreichst Du Die Dargebotene Hand unter 143.

Dieser Kurs spricht Suizid nicht als Tabuthema, aber auch nicht sensationsorientiert an. Er vermeidet bewusst detailreiche Darstellungen von Suizidhandlungen. Im Mittelpunkt stehen Verstehen, Zuhören, Hilfe suchen, Schutzfaktoren, professionelle Unterstützung und eine Sprache, die Menschen in Krisen nicht beschämt, sondern entlastet.
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du erklären, was mit Reframing im Zusammenhang mit Suizidprävention gemeint ist. Du kannst zwischen hilfreichen und problematischen Darstellungen von Suizidalität unterscheiden, den Papageno-Effekt und den Werther-Effekt einordnen, grundlegende Warnsignale und Schutzfaktoren benennen und Handlungsmöglichkeiten für Schule, Medien, Familie, Freundeskreis und Gesellschaft entwickeln. Du lernst außerdem, wie Du verantwortungsvoll über Krisen sprichst, ohne Dich selbst oder andere zu überfordern.
Was bedeutet Reframing?
Deutungsrahmen verändern
Ein Frame ist ein Deutungsrahmen. Er beeinflusst, welche Aspekte eines Themas sichtbar werden und welche unsichtbar bleiben. Wenn Suizid nur als persönliches Versagen, als Tabu, als Schockmeldung oder als unverständliche Einzelentscheidung dargestellt wird, geraten wichtige Zusammenhänge aus dem Blick. Reframing bedeutet, den Blick zu verändern: weg von Schuld und Sensation, hin zu Komplexität, Mitgefühl, Prävention und konkreter Hilfe.
Bei Suizidalität ist dieses Reframing besonders wichtig, weil Worte und Bilder Wirkungen haben. Eine unbedachte Sprache kann Stigma verstärken. Eine verantwortliche Sprache kann dagegen öffnen: Sie macht deutlich, dass Menschen in Krisen nicht allein sind, dass Hilfe möglich ist und dass viele suizidale Krisen überwunden werden können.
Vom Tabu zur ansprechbaren Krise
Viele Menschen vermeiden Gespräche über Suizid, weil sie Angst haben, etwas falsch zu machen. Das Schweigen kann jedoch dazu führen, dass Betroffene sich noch isolierter fühlen. Ein präventiver Deutungsrahmen sagt: Über Suizidgedanken kann ruhig, direkt und respektvoll gesprochen werden. Entscheidend ist, nicht zu urteilen, nicht zu dramatisieren und nicht allein verantwortlich handeln zu wollen.
Ein hilfreicher Satz kann sein: Ich mache mir Sorgen um Dich. Möchtest Du mir sagen, wie es Dir wirklich geht? In einer akuten Krise sollte immer professionelle Hilfe einbezogen werden. Krisenintervention ist keine Aufgabe, die Freundinnen, Freunde, Mitschülerinnen, Mitschüler oder Angehörige allein tragen müssen.
Warum Sprache wichtig ist
In der Suizidprävention wird häufig empfohlen, von Suizid statt von Selbstmord zu sprechen. Der Begriff Mord trägt eine moralische Verurteilung in sich. Auch der Begriff Freitod kann problematisch sein, weil er eine schwere Krise romantisieren oder beschönigen kann. Eine sensible Sprache erkennt Leid an, ohne die Person zu verurteilen oder die Krise zu verklären.
Hilfreich sind Formulierungen wie an Suizid gestorben, suizidale Krise, Suizidgedanken oder Hilfe in Lebenskrisen. Problematisch sind sensationalistische, romantisierende, beschämende oder vereinfachende Formulierungen. Sprache ist damit nicht nur Stil, sondern Teil von Prävention, Ethik und Menschenwürde.
Suizidalität verstehen
Begriffsklärung
Suizidalität ist ein Oberbegriff für Suizidgedanken, Suizidabsicht, Suizidversuch und Suizid. Nicht jeder belastende Gedanke bedeutet unmittelbare Gefahr, aber jeder Hinweis auf Suizidalität verdient Aufmerksamkeit. Selbstverletzendes Verhalten und Suizidalität können sich überschneiden, sind aber nicht dasselbe. Entscheidend ist immer die konkrete Situation, die Absicht, die Belastung und die verfügbare Unterstützung.
Suizidprävention umfasst alle Maßnahmen, die dazu beitragen, suizidale Krisen zu verhindern, früh zu erkennen, sicher zu begleiten und langfristig Hilfesysteme zu stärken. Dazu gehören Psychotherapie, Psychiatrie, Soziale Arbeit, Schulsozialarbeit, Telefonseelsorge, Notfallversorgung, Medienrichtlinien, Antidiskriminierung, Armutsprävention, Suchtprävention und eine Kultur des Hinsehens.
Keine einfache Ursache
Eine zentrale Botschaft des Reframings lautet: Suizidalität hat selten nur eine Ursache. Meist wirken mehrere Faktoren zusammen. Dazu können psychische Erkrankungen wie Depression, Angststörung, Trauma, Sucht oder Psychose gehören. Auch soziale Belastungen wie Einsamkeit, Mobbing, Diskriminierung, Gewalt, Trauer, Schulden, Arbeitslosigkeit, chronische Krankheit oder familiäre Konflikte können eine Rolle spielen.
Ein verantwortlicher Kurs vermeidet monokausale Aussagen wie Der Auslöser war nur ein Streit oder Die Person war einfach schwach. Solche Sätze sind falsch, beschämend und verhindern Verständnis. Besser ist: Eine suizidale Krise entsteht häufig durch ein Zusammenspiel von innerer Not, äußerer Belastung, fehlender Unterstützung und dem Gefühl, keinen anderen Ausweg mehr zu sehen.
Krise ist veränderbar
In einer schweren Krise kann der Blick auf die Zukunft stark eingeengt sein. Betroffene können das Gefühl haben, dass Schmerz, Schuld, Angst oder Scham nie enden. Gerade deshalb ist Hilfe so wichtig: Andere Menschen können Sicherheit herstellen, Hoffnung halten und konkrete nächste Schritte ermöglichen, wenn Betroffene selbst gerade keinen Weg sehen.
Dieses Reframing ist kein Schönreden. Es bedeutet nicht, Leid kleinzureden. Es bedeutet, Leid ernst zu nehmen und gleichzeitig daran festzuhalten, dass Unterstützung, Behandlung, Entlastung und Veränderung möglich sind.
Warnsignale und Schutzfaktoren
Mögliche Warnsignale
Warnsignale sind Hinweise, die auf eine ernste seelische Krise hindeuten können. Dazu gehören Äußerungen von Hoffnungslosigkeit, Rückzug, starke Veränderungen im Verhalten, extreme Verzweiflung, das Gefühl, anderen zur Last zu fallen, oder direkte Hinweise auf Suizidgedanken. Solche Signale sind keine Diagnose, aber sie sollten ernst genommen werden.
Wenn Du solche Hinweise bemerkst, bleibe ruhig, nimm die Person ernst und hole Unterstützung. Versprich nicht, alles geheim zu halten. In einer akuten Krise ist Sicherheit wichtiger als Vertraulichkeit. Du darfst sagen: Ich bleibe damit nicht allein, weil Du mir wichtig bist. Wir holen jetzt Hilfe.
Schutzfaktoren stärken
Schutzfaktoren sind Bedingungen, die Menschen in Krisen stabilisieren können. Dazu gehören verlässliche Beziehungen, Zugang zu professioneller Hilfe, sichere Orte, Zugehörigkeit, Hoffnung, Problemlösefähigkeiten, kulturelle oder spirituelle Ressourcen, körperliche Versorgung, Schlaf, Alltagsstruktur und das Wissen, an wen man sich wenden kann.
Schutzfaktoren sind nicht als Schuldumkehr zu verstehen. Es geht nicht darum, Betroffenen zu sagen, sie müssten nur stärker sein. Es geht darum, Netzwerke und Bedingungen zu schaffen, die Menschen tragen, bevor eine Krise lebensgefährlich wird.
Was Du tun kannst
Wenn Du Dir Sorgen um jemanden machst, ist ein respektvolles Gespräch oft ein wichtiger erster Schritt. Suche einen ruhigen Moment, sprich Deine Beobachtung konkret an, höre zu und vermeide vorschnelle Ratschläge. Frage nicht neugierig nach Details, sondern nach Belastung, Sicherheit und Unterstützung. Gute Fragen sind: Bist Du gerade sicher?, Hast Du jemanden, der jetzt bei Dir sein kann? und Wollen wir gemeinsam professionelle Hilfe kontaktieren?
In akuter Gefahr gilt: Lass die Person nicht allein, rufe den Notruf oder eine Krisenstelle, informiere eine erwachsene Vertrauensperson oder eine zuständige Fachkraft. In Schule und Ausbildung können das Schulsozialarbeit, Beratungslehrkraft, Schulleitung, Schulpsychologie oder ein Krisenteam sein.
Medien, Wirkung und Verantwortung
Werther-Effekt
Der Werther-Effekt beschreibt die Gefahr, dass bestimmte Medienberichte über Suizide Nachahmung begünstigen können. Besonders problematisch sind sensationsorientierte Schlagzeilen, detaillierte Beschreibungen, romantisierende Darstellungen, Schuldzuweisungen, monokausale Erklärungen oder die Darstellung einer verstorbenen Person als Heldin oder Held.
Für Journalismus, Social Media, Film, Podcast, Unterricht und private Kommunikation bedeutet das: Berichte über Suizid müssen sorgfältig gestaltet werden. Es ist nicht hilfreich, Schock, Details oder Spekulationen in den Mittelpunkt zu stellen. Hilfreich ist es, auf Hilfeangebote, Krisenbewältigung, Behandlungsmöglichkeiten und Unterstützungssysteme hinzuweisen.
Papageno-Effekt
Der Papageno-Effekt beschreibt die mögliche schützende Wirkung von Darstellungen, in denen Menschen eine suizidale Krise überwinden, Hilfe annehmen und neue Perspektiven finden. Der Name bezieht sich auf Papageno aus Mozarts Oper Die Zauberflöte. Papageno denkt in einer ausweglos wirkenden Situation an Suizid, wird aber durch andere an Alternativen erinnert.
Für das Reframing ist der Papageno-Effekt zentral: Gute Präventionskommunikation erzählt nicht voyeuristisch vom Tod, sondern verantwortungsvoll vom Überleben, vom Aushalten, von Hilfe, von Therapie, von Freundschaft, von gesellschaftlicher Verantwortung und von Wegen aus der Krise.
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Verantwortliche Berichterstattung
Verantwortliche Medienethik fragt: Welche Wirkung kann diese Darstellung auf verletzliche Menschen haben? Werden Hilfen genannt? Wird Hoffnung realistisch gezeigt? Werden Schuldzuweisungen vermieden? Wird auf Details verzichtet, die Nachahmung begünstigen könnten? Wird deutlich, dass Suizidalität komplex ist und Hilfe möglich ist?
Eine gute Darstellung erfüllt mehrere Kriterien: Sie vermeidet Sensationalisierung, nennt professionelle Hilfen, respektiert Betroffene und Hinterbliebene, erklärt Komplexität, stärkt Hilfeverhalten und zeigt Alternativen. Damit wird Medienarbeit selbst zu einem Baustein von Public Health, also öffentlicher Gesundheit.
Reframing im Unterricht
Sicherer Lernraum
Ein Unterricht zu Suizidprävention braucht klare Regeln. Niemand muss persönliche Erfahrungen teilen. Fallbeispiele sollten fiktiv und nicht detailreich sein. Lernende dürfen eine Pause machen oder sich an eine Vertrauensperson wenden. Lehrkräfte sollten vorab wissen, welche schulischen und regionalen Hilfesysteme verfügbar sind.
Ein sicherer Lernraum bedeutet nicht, schwierige Themen zu vermeiden. Es bedeutet, sie verantwortungsvoll, vorbereitet und unterstützend zu behandeln. Besonders wichtig ist eine klare Botschaft: Du musst eine Krise nicht allein lösen. Hilfe holen ist kein Verrat, sondern Fürsorge.
Perspektivenwechsel als Kompetenz
Reframing ist eine Medienkompetenz, eine Sozialkompetenz und eine Gesundheitskompetenz. Du lernst, problematische Deutungen zu erkennen und bessere Deutungen zu entwickeln. Aus Darüber spricht man nicht wird Darüber kann man sicher und hilfreich sprechen. Aus Die Person wollte einfach nicht mehr wird Die Person war in einer schweren Krise und hätte Unterstützung gebraucht. Aus Das geht mich nichts an wird Ich kann aufmerksam sein und Hilfe vermitteln.
Diese Kompetenz ist auch außerhalb des Themas wichtig. Sie hilft beim Umgang mit Mobbing, Diskriminierung, Trauer, Armut, Krankheit, Behinderung, Migration, Rassismus und anderen Situationen, in denen Sprache entscheidet, ob Menschen ausgeschlossen oder unterstützt werden.
Gesellschaftliche Rahmenbedingungen
Prävention ist mehr als individuelles Verhalten
Suizidprävention ist nicht nur Aufgabe einzelner Personen. Sie ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Sie umfasst leicht zugängliche Psychotherapie, gute Krisendienste, Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen, sichere Schulen, Schutz vor Gewalt, Unterstützung bei Armut, wirksame Suchtprävention, Inklusion und verantwortliche Medienarbeit.
Ein rein individuelles Framing fragt: Was stimmt mit dieser Person nicht? Ein präventives gesellschaftliches Framing fragt zusätzlich: Welche Unterstützung hat gefehlt? Welche Barrieren verhindern Hilfe? Welche Gruppen sind besonders belastet? Wie können Institutionen früher reagieren?
Ungleichheit und Belastung
Soziale Ungleichheit kann seelische Krisen verschärfen. Menschen, die Diskriminierung, Armut, Wohnungslosigkeit, Isolation, Gewalt oder unsichere Lebensbedingungen erleben, haben oft weniger Zugang zu Schutzfaktoren. Auch Menschen mit Behinderung, chronischen Krankheiten, Fluchterfahrung, queerer Identität oder belastender Pflegeverantwortung können besonderen Stress erleben.
Reframing bedeutet hier: Nicht einzelne Gruppen werden problematisiert, sondern die Bedingungen, die Menschen belasten. Prävention heißt, Teilhabe, Würde, Zugang zu Hilfe und soziale Sicherheit zu stärken.
Hilfe, Gespräch und Krisenplan
Ansprechen ohne Überfordern
Ein hilfreiches Gespräch beginnt mit Aufmerksamkeit. Du kannst sagen, was Du beobachtest, ohne zu bewerten: Du wirkst in letzter Zeit sehr belastet. Ich mache mir Sorgen. Dann höre zu. Vermeide Sätze wie Das wird schon wieder oder Andere haben es schlimmer. Solche Sätze können gut gemeint sein, aber verletzend wirken.
Besser ist: Danke, dass Du es sagst., Du musst damit nicht allein bleiben., Wir holen gemeinsam Hilfe., Ich bleibe jetzt bei Dir, bis Unterstützung da ist. Bei akuter Gefahr zählt nicht perfekte Formulierung, sondern schnelles Handeln und professionelle Unterstützung.
Krisenplan als Sicherheitsnetz
Ein Krisenplan ist eine einfache, konkrete Vereinbarung für schwierige Momente. Er kann enthalten, welche Warnzeichen eine Person bei sich wahrnimmt, welche beruhigenden Schritte helfen, welche Menschen erreichbar sind, welche professionellen Stellen kontaktiert werden können und was in akuter Gefahr zu tun ist. Ein Krisenplan sollte mit Fachpersonen erstellt werden, wenn Suizidalität bekannt ist.
Im Unterricht kann ein allgemeiner, nicht persönlicher Hilfsplan geübt werden: Welche Anlaufstellen gibt es in unserer Schule? Welche Notrufnummern gelten? Welche erwachsenen Vertrauenspersonen sind erreichbar? Wie kann man Hilfe holen, ohne Gerüchte zu verbreiten?
Fachliche Informationen und Hilfeangebote
- Weltgesundheitsorganisation: Die WHO beschreibt Suizid als großes globales Problem der öffentlichen Gesundheit und betont einen mehrsektoralen Ansatz der Suizidprävention.
- International Association for Suicide Prevention: Der Welttag der Suizidprävention steht für die Jahre 2024 bis 2026 unter dem Motto Changing the Narrative on Suicide.
- TelefonSeelsorge Deutschland: 0800 1110111, 0800 1110222 oder 116 123, kostenlos, anonym und rund um die Uhr.
- Telefonseelsorge Österreich: 142, kostenlos und rund um die Uhr.
- Die Dargebotene Hand Schweiz: 143, anonym und vertraulich.
- Notruf: Bei unmittelbarer Gefahr immer 112 oder die örtliche Notrufnummer wählen.
Zentrale Begriffe
- Reframing: Veränderung des Deutungsrahmens, durch den ein Thema verstanden wird.
- Suizidalität: Oberbegriff für Gedanken, Absichten, Versuche und Handlungen im Zusammenhang mit Suizid.
- Suizidprävention: Maßnahmen zur Verhinderung suizidaler Krisen und zur Unterstützung gefährdeter Menschen.
- Stigma: soziale Abwertung, die Betroffene beschämen und Hilfe erschweren kann.
- Krisenintervention: unmittelbare Unterstützung in einer akuten psychischen oder sozialen Krise.
- Papageno-Effekt: mögliche Schutzwirkung von Darstellungen, die Bewältigung und Hilfe zeigen.
- Werther-Effekt: mögliches Nachahmungsrisiko durch problematische Darstellungen von Suizid.
- Schutzfaktor: Ressource, die Stabilität, Verbundenheit und Hilfezugang stärkt.
- Medienethik: verantwortliches Handeln bei Veröffentlichung, Darstellung und Kommunikation.
- Public Health: Blick auf Gesundheit als gesellschaftliche Aufgabe.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was bedeutet Reframing im Zusammenhang mit Suizidprävention? (Einen Deutungsrahmen bewusst verändern) (!Ein Thema absichtlich dramatisieren) (!Eine Krise ignorieren) (!Eine einzelne Ursache festlegen)
Warum wird in der Prävention häufig der Begriff Suizid statt Selbstmord verwendet? (Weil Suizid weniger moralisch verurteilend ist) (!Weil Selbstmord ein medizinischer Fachbegriff ist) (!Weil Suizid immer freiwillig geschieht) (!Weil Sprache keine Wirkung hat)
Was beschreibt der Papageno-Effekt? (Die schützende Wirkung von Geschichten über bewältigte Krisen) (!Die Verherrlichung einer Krise) (!Die absichtliche Verschweigung von Hilfeangeboten) (!Die Darstellung von Suizid als einfache Lösung)
Was gehört zu verantwortlicher Berichterstattung über Suizid? (Hilfeangebote nennen und Sensationalisierung vermeiden) (!Möglichst schockierende Schlagzeilen verwenden) (!Eine einzelne Person verantwortlich machen) (!Detaillierte Abläufe in den Mittelpunkt stellen)
Welche Aussage ist für ein hilfreiches Gespräch am besten geeignet? (Ich mache mir Sorgen um Dich und hole mit Dir Hilfe) (!Du darfst darüber mit niemandem sprechen) (!Reiß Dich einfach zusammen) (!Andere haben es viel schlimmer)
Was ist ein Schutzfaktor in suizidalen Krisen? (Verlässliche Unterstützung durch andere Menschen) (!Soziale Isolation) (!Beschämende Kommentare) (!Fehlender Zugang zu Hilfe)
Was ist bei akuter Gefahr besonders wichtig? (Sofort professionelle Hilfe oder den Notruf einschalten) (!Alle Informationen geheim halten) (!Die Person allein lassen) (!Erst im Internet nach Meinungen fragen)
Warum sind monokausale Erklärungen für Suizidalität problematisch? (Weil suizidale Krisen meist durch mehrere Faktoren entstehen) (!Weil sie immer wissenschaftlich genau sind) (!Weil sie Betroffene automatisch entlasten) (!Weil sie professionelle Hilfe ersetzen)
Was kann Stigma bewirken? (Menschen suchen später oder gar keine Hilfe) (!Menschen fühlen sich immer stärker) (!Krisen verschwinden dadurch schneller) (!Gespräche werden dadurch automatisch leichter)
Welche Regel ist für Unterricht zu Suizidprävention besonders wichtig? (Niemand muss persönliche Erfahrungen offenlegen) (!Alle müssen eigene Krisen erzählen) (!Warnsignale sollen lächerlich gemacht werden) (!Hilfeangebote sollen nicht erwähnt werden)
Memory
| Reframing | neuer Deutungsrahmen |
| Stigma | soziale Abwertung |
| Papageno-Effekt | Hoffnung durch Bewältigung |
| Werther-Effekt | Risiko durch Nachahmung |
| Krisenplan | konkrete Schritte für Sicherheit |
| Schutzfaktor | stärkende Ressource |
| Warnsignal | Hinweis auf akute Belastung |
| Hilfeangebot | professionelle Unterstützung |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Papageno-Effekt | Hoffnungsorientierte Darstellung |
| Werther-Effekt | Nachahmungsrisiko |
| Reframing | Perspektivwechsel |
| Stigma | Scham und Abwertung |
| Krisenintervention | Soforthilfe |
| Krisenplan | vereinbarte nächste Schritte |
Kreuzworträtsel
| Papageno | Welcher Effekt beschreibt hoffnungsfördernde Geschichten über überwundene Krisen? |
| Werther | Welcher Effekt beschreibt ein mögliches Nachahmungsrisiko durch problematische Darstellung? |
| Empathie | Welche Haltung hilft beim Zuhören ohne Bewertung? |
| Stigma | Was kann Menschen daran hindern über seelische Not zu sprechen? |
| Hoffnung | Welches Gefühl kann durch Unterstützung wieder wachsen? |
| Krisenplan | Wie nennt man eine vereinbarte Abfolge von Hilfeschritten? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Begriffskarte Reframing: Erstelle eine Begriffskarte, die erklärt, was Reframing bedeutet und warum ein neuer Deutungsrahmen bei Suizidprävention wichtig ist.
- Hilfekarte für Krisen: Gestalte eine sachliche Hilfekarte mit Notruf, Telefonseelsorge, schulischen Anlaufstellen und dem Satz: Du musst damit nicht allein bleiben.
- Sprachvergleich: Vergleiche drei Formulierungen zum Thema Suizid und bewerte, welche respektvoll, welche beschämend und welche missverständlich sein können.
- Videoimpuls: Schaue das Video nur, wenn es Dir damit gut geht, und notiere drei Aussagen, die Hoffnung, Verständnis oder Hilfe betonen.
Standard
- Medienanalyse: Analysiere einen fiktiven Social-Media-Beitrag zum Thema Krise und überarbeite ihn so, dass er verantwortlicher, weniger sensationalistisch und hilfreicher wird.
- Papageno-Geschichte: Schreibe eine kurze fiktive Geschichte über eine Person, die in einer schweren Krise Unterstützung findet, ohne persönliche Details aus Deinem Leben zu verwenden.
- Schulisches Hilfenetz: Recherchiere, welche Unterstützungsangebote es an Deiner Schule, Hochschule oder in Deiner Kommune gibt, und erstelle ein übersichtliches Hilfenetz.
- Gesprächsleitfaden: Entwickle einen Leitfaden für ein erstes unterstützendes Gespräch, der Zuhören, Sicherheit und Weitervermittlung an Fachpersonen verbindet.
Schwer
- Präventionskampagne: Entwirf eine Mini-Kampagne zum Motto Changing the Narrative on Suicide für Schule oder Jugendarbeit mit Plakatidee, Textbausteinen und Hilfekontakten.
- Ethik der Darstellung: Vergleiche den Werther-Effekt und den Papageno-Effekt und erkläre, welche Verantwortung daraus für Journalismus, Unterricht und Social Media entsteht.
- Krisenkonzept Schule: Erarbeite ein Konzept, wie eine Schule sicher über Suizidprävention informieren kann, ohne Betroffene zu überfordern oder private Offenbarungen zu erzwingen.
- Policy Brief: Schreibe eine kurze Empfehlung an eine Kommune, wie niedrigschwellige Hilfen, Entstigmatisierung und sichere Kommunikation gestärkt werden können.

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Lernkontrolle
- Transfer Medienethik: Du bekommst zwei fiktive Überschriften über eine suizidale Krise. Erkläre, welche Überschrift problematisch ist, und formuliere eine verantwortliche Alternative mit Hilfeperspektive.
- Fallanalyse Unterstützung: Eine Freundin zieht sich stark zurück und sagt, sie sehe keinen Ausweg mehr. Beschreibe, wie Du respektvoll reagierst, welche Grenzen Du beachtest und welche Hilfe Du einbeziehst.
- Gesellschaftliche Prävention: Erkläre, warum Suizidprävention nicht nur eine private Aufgabe ist, sondern auch mit Schule, Gesundheitssystem, Medien und sozialer Gerechtigkeit zusammenhängt.
- Reframing anwenden: Verwandle die Aussage Die Person wollte einfach nicht mehr in eine differenzierte, präventionsorientierte Erklärung.
- Kampagnenbewertung: Bewerte eine fiktive Präventionskampagne danach, ob sie Stigma reduziert, Hilfe sichtbar macht, Betroffene respektiert und keine riskanten Details verbreitet.
- Schutzfaktoren planen: Entwickle für eine fiktive Schulklasse drei Maßnahmen, die Zugehörigkeit, Gesprächskultur und Wissen über Hilfen stärken.
Lernnachweis
Für den Lernnachweis erstellst Du ein kurzes Portfolio mit drei Teilen. Im ersten Teil erklärst Du Reframing Suicide mit eigenen Worten. Im zweiten Teil analysierst Du eine fiktive mediale Darstellung und überarbeitest sie nach Grundsätzen der Medienethik. Im dritten Teil entwickelst Du eine konkrete Präventionsidee für Schule, Ausbildung, Jugendgruppe, Hochschule oder Gemeinde. Der Lernnachweis soll keine persönlichen Krisenerfahrungen verlangen und keine auslösenden Details enthalten.
OERs zum Thema
Weiterführende Fachinformationen
- Weltgesundheitsorganisation: Suicide prevention
- International Association for Suicide Prevention: Changing the Narrative on Suicide
- CDC: Risk and Protective Factors for Suicide
- NIMH: Warning Signs of Suicide
- TelefonSeelsorge Deutschland
- Telefonseelsorge Österreich
- Die Dargebotene Hand Schweiz
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