Räumlichkeit durch Tonwerte - Kunst


Räumlichkeit durch Tonwerte - Kunst
Räumlichkeit durch Tonwerte - Kunst
Einleitung
Auf einem flachen Blatt kann ein Gegenstand räumlich wirken. Entscheidend sind Tonwerte: helle, mittlere und dunkle Bildbereiche. Sie zeigen, wo Licht auftrifft, wo Schatten liegt und wie sich eine Form wölbt. In diesem aiMOOC lernst Du, Tonwerte zu erkennen, zu ordnen und gezielt für räumliche Zeichnungen einzusetzen.

Bildimpuls: Decke nacheinander einzelne Stufen der Grauskala ab. Welche Übergänge wirken weich, welche deutlich?
Lernziele
Du kannst Tonwert, Lichtquelle, Eigenschatten, Kernschatten, Reflexlicht und Wurfschatten unterscheiden. Du kannst eine einfache Form mit einer Tonwertskala räumlich darstellen und die Wirkung von Kontrast begründen.
Grundlagen
Was ist ein Tonwert?
Ein Tonwert beschreibt, wie hell oder dunkel eine Fläche erscheint. Zwischen Weiß und Schwarz liegen viele Grauwerte. Auch Farben besitzen eine Helligkeit: Gelb wirkt meist heller als Violett, selbst wenn beide kräftig sind.

Merksatz: Nicht die Umrisslinie allein, sondern die Verteilung von Hell und Dunkel macht eine Form plastisch.
Vom Kreis zur Kugel
Ein Kreis bleibt flach, wenn seine Fläche gleichmäßig gefüllt ist. Eine Kugel entsteht als Bildwirkung, wenn die Tonwerte der Form und der Richtung des Lichts folgen.

| Bereich | Wirkung |
|---|---|
| Glanzlicht | hellster Punkt auf einer glänzenden Oberfläche |
| Lichtseite | direkt beleuchteter Bereich |
| Halbton | Übergang zwischen Licht und Schatten |
| Kernschatten | dunkelster Teil des Eigenschattenbereichs |
| Reflexlicht | schwaches zurückgeworfenes Licht im Schatten |
| Wurfschatten | Schatten, den der Körper auf seine Umgebung wirft |
Lichtquelle und Schatten
Die Position der Lichtquelle bestimmt die Lage der hellen und dunklen Bereiche. Der Eigenschatten liegt auf dem Körper selbst. Der Wurfschatten liegt auf Boden, Wand oder anderen Gegenständen. Nahe am Gegenstand ist der Wurfschatten oft dunkler und klarer; mit größerem Abstand kann sein Rand weicher werden.

Beobachtungsauftrag: Suche Lichtquelle, beleuchtete Figur und Schatten an der Wand.
Zeichentechniken
Schraffur
Bei der Schraffur entstehen Tonwerte durch Linien. Eng gesetzte Linien wirken dunkel, weit gesetzte Linien hell. Bei der Kreuzschraffur überlagern sich mehrere Linienrichtungen. Ein Formstrich folgt der Wölbung und unterstützt dadurch die räumliche Wirkung.
Schummern und Verwischen
Beim Schummern liegt der Stift flacher auf dem Papier. So entstehen breite, weiche Tonflächen. Verwischen kann Übergänge glätten, darf aber Konturen und Tonwertunterschiede nicht vollständig auflösen.

Tipp: Arbeite zuerst mit wenigen klaren Tonwertgruppen. Verfeinere die Übergänge erst danach.
Tonwertkontrast
Ein starker Hell-Dunkel-Kontrast lenkt den Blick und trennt Formen deutlich. Ein schwacher Kontrast wirkt ruhig, weich oder fern. Räumlichkeit entsteht häufig durch eine Kombination: klare Kontraste im Vordergrund, feinere Unterschiede im Hintergrund.
Räumlichkeit im Kunstwerk
Chiaroscuro
Chiaroscuro bedeutet Hell-Dunkel. In der Malerei werden starke Licht-Schatten-Gegensätze genutzt, um Körper, Raum und Stimmung zu steigern. Caravaggio und Rembrandt van Rijn sind bekannte Beispiele.

Bildfrage: Welche Körperteile treten durch Licht hervor, welche verschwinden im Dunkel?

Vergleich: Wirkt das Licht hier weich, hart, ruhig oder dramatisch? Begründe mit Tonwerten.

Suchauftrag: Finde die hellste Stelle, die dunkelste Stelle und den stärksten Kontrast.
Räumliche Tiefe in Landschaften
Bei der Luftperspektive erscheinen entfernte Bereiche oft heller, kontrastärmer und weniger deutlich. Nahe Formen können dunkler, schärfer und detailreicher wirken. Tonwerte gliedern so Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund.

Drei-Zonen-Blick: Zeige auf Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund. Beschreibe die Tonwertunterschiede.
Arbeitsweg: Eine Kugel zeichnen
- Beobachtung: Stelle eine helle Kugel oder ein Ei unter eine seitliche Lampe.
- Tonwertskala: Lege fünf Stufen von Weiß bis Dunkelgrau an.
- Grundform: Zeichne den Umriss leicht und bestimme die Lichtquelle.
- Tonwertgruppen: Setze Lichtseite, Halbton, Kernschatten und Wurfschatten.
- Übergänge: Passe die Abstufungen an die Rundung an.
- Kontrolle: Kneife die Augen leicht zusammen und prüfe die großen Hell-Dunkel-Flächen.
Typische Fehler und Lösungen
| Fehler | Lösung |
|---|---|
| Alle Graustufen sind ähnlich | Hellstes Hell und dunkelstes Dunkel bewusst trennen |
| Die Schraffur bleibt flach | Linien der Form folgen lassen |
| Der Wurfschatten fehlt | Lichtquelle und Bodenfläche gemeinsam beachten |
| Konturen sind überall gleich stark | Kanten im Licht weicher und wichtige Kanten gezielter setzen |
| Reflexlicht wird zu hell | Reflexlicht deutlich dunkler als die Lichtseite halten |
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was beschreibt ein Tonwert? (Die Helligkeit oder Dunkelheit einer Bildfläche) (!Die Größe eines Zeichenblatts) (!Die Länge einer Umrisslinie) (!Die Anzahl der verwendeten Stifte)
Was macht einen gezeichneten Kreis räumlich zur Kugel? (Abgestufte Tonwerte entsprechend der Lichtquelle) (!Eine besonders dicke Außenlinie) (!Ein bunter Hintergrund ohne Schatten) (!Viele gleich helle Muster)
Wo liegt der Eigenschatten? (Auf dem beleuchteten Körper selbst) (!Nur auf dem Boden) (!Immer hinter der Lichtquelle) (!Außerhalb des gesamten Bildes)
Was ist ein Wurfschatten? (Der Schatten eines Körpers auf seiner Umgebung) (!Die hellste Stelle einer Oberfläche) (!Eine Linie innerhalb der Tonwertskala) (!Ein farbiger Rand am Gegenstand)
Wodurch entsteht bei einer Schraffur ein dunkler Tonwert? (Durch eng gesetzte oder überlagerte Linien) (!Durch das vollständige Weglassen von Linien) (!Durch besonders große Papierflächen) (!Durch eine einzige sehr helle Linie)
Was unterstützt ein Formstrich? (Die Wölbung und Richtung einer Form) (!Die Beschriftung des Bildrands) (!Die Größe des Bilderrahmens) (!Die Auswahl des Papierformats)
Wie wirkt ein starker Hell-Dunkel-Kontrast häufig? (Deutlich und blicklenkend) (!Unsichtbar und wirkungslos) (!Immer flach und zufällig) (!Nur farbig und niemals räumlich)
Was bedeutet Chiaroscuro? (Hell-Dunkel) (!Rot-Blau) (!Linie-Punkt) (!Vorne-Hinten)
Wie erscheinen weit entfernte Bereiche bei Luftperspektive oft? (Heller und kontrastärmer) (!Dunkler und schärfer als alles Nahe) (!Größer und detailreicher) (!Immer vollständig schwarz)
Wie sollte Reflexlicht im Vergleich zur Lichtseite erscheinen? (Dunkler als die Lichtseite) (!Heller als jedes Glanzlicht) (!Genauso schwarz wie die tiefste Schattenstelle) (!Ohne Bezug zur Beleuchtung)
Memory
| Tonwert | Helligkeitsstufe |
| Lichtseite | direkt beleuchteter Bereich |
| Kernschatten | dunkelster Bereich am Körper |
| Reflexlicht | zurückgeworfenes Licht |
| Wurfschatten | Schatten auf der Umgebung |
| Formstrich | Linie folgt der Wölbung |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Beschreibung |
|---|---|
| Glanzlicht | hellster Lichtpunkt |
| Halbton | Übergang zwischen Licht und Schatten |
| Kernschatten | dunkelste Zone am Körper |
| Reflexlicht | aufgehellte Zone im Schatten |
| Wurfschatten | Schatten auf Boden oder Wand |
Kreuzworträtsel
| Tonwert | Wie heißt eine Helligkeitsstufe im Bild? |
| Schraffur | Welche Zeichentechnik erzeugt Grauwerte durch Linien? |
| Kontrast | Wie heißt der Unterschied zwischen hellen und dunklen Flächen? |
| Kernschatten | Wie heißt die dunkelste Schattenzone auf einem Körper? |
| Wurfschatten | Welcher Schatten liegt auf Boden oder Wand? |
| Lichtquelle | Was bestimmt die Richtung von Licht und Schatten? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Tonwertskala: Zeichne eine Skala mit fünf klar unterscheidbaren Stufen von Weiß bis Dunkelgrau.
- Schattenjagd: Fotografiere drei Gegenstände mit deutlich sichtbarem Licht- und Wurfschatten.
- Kreis und Kugel: Zeichne zweimal denselben Kreis. Lass einen flach und verwandle den anderen durch Tonwerte in eine Kugel.
- Bildanalyse: Markiere an einem Kunstwerk Glanzlicht, Halbton, Kernschatten und Wurfschatten.
Standard
- Stillleben: Zeichne ein Ei, einen Würfel und eine Tasse unter einer gemeinsamen Lichtquelle.
- Schraffurvergleich: Stelle denselben Körper einmal mit Parallelschraffur und einmal mit Kreuzschraffur dar.
- Tonwertcollage: Schneide helle, mittlere und dunkle Papierflächen aus und gestalte daraus einen räumlichen Gegenstand.
- Lichtwechsel: Zeichne einen Gegenstand zweimal mit Licht von links und Licht von rechts und vergleiche die Wirkung.
Schwer
- Chiaroscuro: Inszeniere und zeichne eine Figur mit einer starken seitlichen Lichtquelle und dunklem Hintergrund.
- Luftperspektive: Gestalte eine Landschaft mit klar getrenntem Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund nur in Grauwerten.
- Kunstexperiment: Erstelle drei Fassungen desselben Motivs mit niedrigem, mittlerem und hohem Tonwertkontrast.
- Erklärvideo: Produziere ein kurzes Lernvideo, in dem Du die Entstehung von Räumlichkeit durch Tonwerte demonstrierst und Fachbegriffe korrekt nutzt.


Lernkontrolle
- Fehleranalyse: Eine Kugelzeichnung besitzt nur zwei fast gleiche Grautöne und keinen Wurfschatten. Erkläre, warum sie flach wirkt, und beschreibe drei gezielte Verbesserungen.
- Lichttransfer: Ein Gegenstand wird von links oben beleuchtet. Leite ab, wo Lichtseite, Kernschatten, Reflexlicht und Wurfschatten ungefähr liegen.
- Bildvergleich: Vergleiche zwei Darstellungen desselben Motivs mit starkem und schwachem Hell-Dunkel-Kontrast. Beurteile ihre Raumwirkung und Stimmung.
- Technikwahl: Entscheide für Fell, Metall und eine matte Kugel jeweils zwischen Schraffur, Formstrich und Schummern. Begründe Deine Wahl.
- Kompositionsplanung: Plane ein Stillleben, in dem der Blick zuerst auf einen Hauptgegenstand fällt. Lege dafür Lichtquelle, hellste Stelle, dunkelste Stelle und Hintergrundton fest.
- Landschaftstransfer: Erkläre, wie Du ohne Fluchtlinien allein durch Tonwerte Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund unterscheiden würdest.
Lernnachweis
Für Deinen Lernnachweis sind folgende Leistungen wichtig:
- Fachbegriffe: Du verwendest Tonwert, Lichtseite, Eigenschatten, Kernschatten, Reflexlicht und Wurfschatten richtig.
- Tonwertumfang: Deine Arbeit zeigt mehrere klar unterscheidbare Helligkeitsstufen.
- Lichtlogik: Licht- und Schattenzonen passen zu einer erkennbaren Lichtquelle.
- Räumlichkeit: Formen wirken durch Tonwertverläufe und Kontraste plastisch.
- Technik: Schraffur, Formstrich oder Schummern sind kontrolliert eingesetzt.
- Reflexion: Du kannst Entscheidungen, Wirkung und Verbesserungsmöglichkeiten begründen.
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