Postimpressionismus - Kunst


Postimpressionismus - Kunst
Postimpressionismus - Kunst
Einleitung
Der Postimpressionismus ist eine Sammelbezeichnung für unterschiedliche Wege der Malerei nach dem Impressionismus. Die Werke entstanden vor allem in Frankreich zwischen etwa 1880 und 1905. Die Kunstschaffenden übernahmen helle Farben und sichtbare Pinselspuren, suchten aber stärker nach Ausdruck, Ordnung, Symbolik oder optischer Wirkung.
Der Name wurde erst 1910 durch den britischen Kunstkritiker Roger Fry bekannt. Postimpressionismus war keine feste Gruppe mit einem gemeinsamen Programm. Gerade die Unterschiede zwischen Vincent van Gogh, Paul Cézanne, Paul Gauguin, Georges Seurat und Henri de Toulouse-Lautrec machen das Thema spannend.

Lernziele
Nach diesem Kurs kannst Du:
- Postimpressionismus zeitlich und kunstgeschichtlich einordnen.
- typische Mittel wie Farbe, Pinselduktus, Fläche, Komposition und Pointillismus erkennen.
- ausgewählte Werke beschreiben, analysieren und deuten.
- verschiedene künstlerische Lösungen vergleichen.
- eigene Bilder mit bewusster Farb- und Formwirkung gestalten.
Vom Impressionismus zu neuen Bildideen
Impressionistische Maler interessierten sich besonders für Licht, Atmosphäre und den flüchtigen Augenblick. Postimpressionistische Künstler gingen von diesen Erfahrungen aus, veränderten sie jedoch auf sehr unterschiedliche Weise.
| Schwerpunkt | Impressionismus | Postimpressionismus |
|---|---|---|
| Wahrnehmung | momentaner Seheindruck | persönliche oder systematische Bildidee |
| Farbe | Wirkung von Licht | Ausdruck, Ordnung oder Symbol |
| Form | oft locker und aufgelöst | häufig betont, vereinfacht oder aufgebaut |
| Komposition | scheinbar zufälliger Ausschnitt | oft bewusst geordnet oder spannungsvoll |

Fünf künstlerische Wege
Vincent van Gogh: Farbe als Ausdruck
Vincent van Gogh setzte kräftige Farben, bewegte Linien und deutlich sichtbare Pinselspuren ein. Seine Bilder geben die sichtbare Welt nicht nur wieder, sondern steigern ihre Wirkung. Farbe und Pinselduktus können Ruhe, Spannung oder Bewegung vermitteln.
Beobachtungsfrage: Wo führen Linien Deinen Blick durch das Bild?

Paul Cézanne: Form durch Farbe
Paul Cézanne untersuchte, wie sich Körper, Landschaften und Räume aus Farbflächen aufbauen lassen. Gegenstände wirken oft fest und zugleich leicht verschoben. Seine Bildordnung wurde wichtig für den späteren Kubismus.
Beobachtungsfrage: Welche Formen lassen sich auf Kugel, Kegel oder Zylinder zurückführen?


Georges Seurat: Farbe als System
Georges Seurat setzte kleine getrennte Farbtupfen nebeneinander. Beim Betrachten aus einiger Entfernung können sie sich optisch mischen. Diese Methode wird Pointillismus genannt und gehört zum Neoimpressionismus.
Beobachtungsfrage: Wie verändert sich das Bild, wenn Du näher herangehst?

Paul Gauguin: Fläche und Symbol
Paul Gauguin vereinfachte Formen, verwendete deutliche Umrisse und setzte Farben häufig unabhängig von der Natur ein. Seine Bilder verbinden Beobachtung, Erinnerung und Vorstellung. Bei Werken aus Tahiti solltest Du zusätzlich fragen, aus welcher europäischen und kolonial geprägten Perspektive Menschen und Orte dargestellt werden.
Beobachtungsfrage: Welche Farben wirken wirklichkeitsnah, welche symbolisch?


Henri de Toulouse-Lautrec: Bild und Plakat
Henri de Toulouse-Lautrec beobachtete das Pariser Nachtleben. Klare Silhouetten, flächige Farben und ungewöhnliche Ausschnitte machten seine Lithografien und Plakate besonders einprägsam. Damit verband er freie Kunst und frühe moderne Werbung.
Beobachtungsfrage: Was erkennst Du zuerst, und wodurch entsteht diese Blickführung?

Bilder untersuchen
Eine gute Bildanalyse trennt mehrere Schritte:
| Schritt | Leitfrage |
|---|---|
| Beschreiben | Was ist ohne Deutung sichtbar? |
| Analysieren | Wie wirken Farbe, Form, Linie, Raum und Komposition? |
| Deuten | Welche Stimmung, Idee oder Aussage entsteht? |
| Einordnen | Welche Merkmale passen zum Künstler und zur Zeit? |
| Beurteilen | Wie überzeugend ist die Gestaltung? Begründe mit Bildbelegen. |
Merksatz: Erst genau sehen, dann deuten.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was bezeichnet der Postimpressionismus? (Verschiedene Kunstwege nach dem Impressionismus) (!Eine einheitliche Künstlergruppe mit festen Regeln) (!Eine mittelalterliche Maltechnik) (!Eine Form der Fotografie)
In welchem Land lag ein Schwerpunkt des Postimpressionismus? (Frankreich) (!Ägypten) (!Kanada) (!Indien)
Wer machte den Begriff Postimpressionismus 1910 bekannt? (Roger Fry) (!Claude Monet) (!Pablo Picasso) (!Leonardo da Vinci)
Welches Merkmal passt besonders zu Vincent van Gogh? (Ausdrucksstarke Farbe und bewegter Pinselduktus) (!Unsichtbare Pinselspuren und reine Grautöne) (!Streng mathematische Zentralperspektive) (!Ausschließlich fotografische Genauigkeit)
Worauf richtete Paul Cézanne besondere Aufmerksamkeit? (Auf den Aufbau von Form und Raum durch Farbe) (!Auf mittelalterliche Goldgründe) (!Auf bewegte Filmaufnahmen) (!Auf vollständig zufällige Kompositionen)
Welche Technik ist eng mit Georges Seurat verbunden? (Pointillismus) (!Freskomalerei) (!Kalligrafie) (!Fotomontage)
Was geschieht bei der optischen Farbmischung? (Benachbarte Farbpunkte verbinden sich im Auge zu einem Farbeindruck) (!Alle Farben werden vor dem Malen zu Schwarz gemischt) (!Die Leinwand verändert selbstständig ihre Farbe) (!Die Farbe verschwindet bei großer Entfernung)
Welches Gestaltungsmerkmal passt zu Paul Gauguin? (Flächige Farben und vereinfachte Formen) (!Nur naturgetreue Schatten in Graustufen) (!Ausschließlich geometrische Fotografie) (!Verzicht auf jede Umrisslinie)
Wofür ist Henri de Toulouse-Lautrec besonders bekannt? (Plakate und Szenen des Pariser Nachtlebens) (!Kirchenfenster des Mittelalters) (!Marmorskulpturen der Antike) (!Abstrakte Computergrafik)
Womit beginnt eine sorgfältige Bildanalyse? (Mit einer sachlichen Beschreibung) (!Mit einem unbegründeten Urteil) (!Mit dem Preis des Werkes) (!Mit einer Vermutung über den Künstler)
Memory
| Vincent van Gogh | ausdrucksstarker Pinselduktus |
| Paul Cézanne | Aufbau von Form und Raum |
| Paul Gauguin | flächige symbolische Farbe |
| Georges Seurat | Farbpunkte und optische Mischung |
| Henri de Toulouse-Lautrec | Plakate des Pariser Nachtlebens |
| Roger Fry | Begriff Postimpressionismus |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Künstler |
|---|---|
| bewegter Pinselduktus | Vincent van Gogh |
| Formaufbau durch Farbe | Paul Cézanne |
| optische Mischung | Georges Seurat |
| flächige Symbolfarbe | Paul Gauguin |
| markante Plakatsilhouette | Henri de Toulouse-Lautrec |
...
Kreuzworträtsel
| Pointillismus | Wie heißt die Malweise aus vielen kleinen Farbtupfen? |
| Cezanne | Welcher Künstler baute Formen besonders durch Farbe auf? |
| Gauguin | Welcher Künstler arbeitete oft mit flächigen Farben und Symbolen? |
| Seurat | Welcher Künstler ist eng mit der optischen Farbmischung verbunden? |
| Lautrec | Welcher Künstler entwarf bekannte Plakate für das Pariser Nachtleben? |
| London | In welcher Stadt zeigte Roger Fry 1910 seine berühmte Ausstellung? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Farbwirkung: Gestalte sechs Farbfelder und notiere zu jedem Feld eine mögliche Stimmung.
- Pinselduktus: Erprobe mit einem Pinsel fünf unterschiedliche Spuren und ordne ihnen Begriffe wie ruhig, nervös oder kraftvoll zu.
- Bildbeschreibung: Beschreibe ein Werk aus dem Kurs in fünf sachlichen Sätzen, ohne es zu deuten.
- Pointillismus: Gestalte eine kleine Postkarte nur aus Punkten in mindestens drei Farben.
Standard
- Stilvergleich: Zeichne dasselbe Motiv einmal mit bewegten Linien nach van Gogh und einmal mit geordneten Farbflächen nach Cézanne.
- Museumstext: Verfasse ein Schild mit höchstens 80 Wörtern zu einem Werk und erkläre dessen wichtigste Gestaltungsmittel.
- Plakatgestaltung: Entwirf ein Schulveranstaltungsplakat mit klarer Silhouette, großer Schrift und begrenzter Farbpalette.
- Optische Farbmischung: Setze blaue und gelbe Punkte nebeneinander, prüfe die Wirkung aus drei Entfernungen und dokumentiere Deine Beobachtung.
Schwer
- Perspektivkritik: Untersuche bei einem Tahiti-Bild Gauguins, wessen Blick sichtbar wird und welche Informationen über die dargestellten Menschen fehlen.
- Ausstellungskonzept: Wähle vier Werke für eine Mini-Ausstellung und begründe Reihenfolge, Titel und Leitidee.
- Kunsttransfer: Fotografiere ein Alltagsmotiv und übertrage es anschließend mit bewusst veränderter Farbe, Form und Komposition in ein eigenes Bild.
- Begriffsdebatte: Diskutiere, ob der Sammelbegriff Postimpressionismus trotz der großen Stilunterschiede sinnvoll ist.


Lernkontrolle
- Unbekanntes Werk analysieren: Ordne ein unbekanntes Bild begründet einem der fünf vorgestellten Wege zu. Nutze mindestens drei sichtbare Bildbelege.
- Impressionismus und Postimpressionismus: Erkläre an einem selbst gewählten Motiv, wie sich ein flüchtiger Seheindruck in eine ausdrucksorientierte oder geordnete Bildidee verwandeln lässt.
- Farbe und Wirkung: Verändere die Farbigkeit eines Bildausschnitts digital oder zeichnerisch und erkläre, wie sich Stimmung und Aussage verschieben.
- Kuratorische Entscheidung: Entscheide, welches Werk den Einstieg in eine Schulausstellung bilden sollte. Begründe Deine Wahl mit Blickführung, Verständlichkeit und Aussage.
- Technik und Aussage: Vergleiche Pointillismus und van Goghs Pinselduktus. Zeige, wie unterschiedliche Techniken Bewegung und Farbe verschieden erfahrbar machen.
- Kritische Kontextualisierung: Formuliere zwei Hinweise, mit denen ein Museum Gauguins Tahiti-Bilder kunsthistorisch und kolonialgeschichtlich verantwortungsvoll einordnen könnte.
Lernnachweis
Für einen erfolgreichen Lernnachweis solltest Du:
- den Postimpressionismus als vielfältige Entwicklung nach dem Impressionismus erklären.
- zentrale Merkmale von van Gogh, Cézanne, Seurat, Gauguin und Toulouse-Lautrec unterscheiden.
- ein Kunstwerk geordnet beschreiben, analysieren, deuten und beurteilen.
- Aussagen immer mit sichtbaren Bildmerkmalen begründen.
- Fachbegriffe wie Komposition, Pinselduktus, Pointillismus und optische Farbmischung korrekt verwenden.
- eine eigene Gestaltung entwickeln und Deine Entscheidungen reflektieren.
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