Pink Floyd - Another Brick in the Wall (Long Version)

Pink Floyd - Another Brick in the Wall (Long Version)
Einleitung
Pink Floyd – Another Brick in the Wall (Long Version) ist ein aiMOOC zur musikalischen, textlichen, produktionstechnischen und kulturgeschichtlichen Analyse von Another Brick in the Wall, insbesondere von Part 2 aus dem Konzeptalbum The Wall. Der Titel „Long Version“ ist dabei kein einheitlich festgelegter offizieller Werktitel. Im offiziellen Albumkontext erscheinen drei Teile von Another Brick in the Wall, während im Radio, in Live-Programmen und in späteren Zusammenstellungen auch längere, verbundene Fassungen oder Medleys bezeichnet werden. Dieser aiMOOC untersucht deshalb vor allem die kanonische Studiofassung von Part 2, ihre Übergänge innerhalb von The Wall sowie erweiterte Live-Kontexte.[1]
Im Mittelpunkt stehen Songform, Harmonik, Rhythmik, Gitarren- und Keyboardarbeit, Gesang, Studioproduktion, Textdeutung, Rockgeschichte und Live-Kultur. Du lernst außerdem, wie sich ein urheberrechtlich geschütztes Werk analysieren lässt, ohne vollständige Lyrics, vollständige Noten oder unrechtmäßig hochgeladene Audiodateien zu verbreiten.
Urheberrechtlicher Hinweis: Der Songtext wird hier nicht vollständig wiedergegeben. Es erscheint nur ein sehr kurzes Zitat zu Analysezwecken. Die Notenbeispiele mit der MediaWiki-Erweiterung Score sind kurze, selbst erstellte Analyseübungen und keine Transkriptionen der geschützten Melodie oder des vollständigen Gitarrensolos.

Das Bild zeigt Roger Waters, Nick Mason, David Gilmour und Richard Wright in einer 1971 veröffentlichten Aufnahme. Die Datei ist auf Wikimedia Commons als gemeinfrei gekennzeichnet.
Werk und Kontext
Another Brick in the Wall ist ein wiederkehrendes musikalisches Motiv auf dem 1979 erschienenen Doppelalbum The Wall. Das Album erzählt die teilweise autobiografisch inspirierte Geschichte der Figur Pink, die belastende Erfahrungen wie Verlust, überfürsorgliche Beziehungen, Schule, Ruhm und Entfremdung symbolisch als „Steine“ einer inneren Mauer erlebt. Roger Waters entwickelte das Grundkonzept nach der Animals-Tour 1977; ein Schlüsselerlebnis war die zunehmende Entfremdung zwischen Band und großem Stadionpublikum.[2]
Die drei Another-Brick-Teile erfüllen innerhalb des Albums unterschiedliche dramaturgische Funktionen. Part 2 ist mit dem Schulthema verbunden und wurde zusätzlich als Single veröffentlicht. Dadurch erhielt ein Abschnitt aus einer großen Rockoper ein eigenständiges Leben als international verbreiteter Rock- und Popsong.
Das eingebettete Video stammt vom offiziellen Pink-Floyd-Kanal. Nutze es als Hör- und Sehbeispiel für Form, Klangfarben, Bildsprache und die Verbindung von Musik und The-Wall-Ästhetik.
Was bedeutet „Long Version“?
Im offiziellen Album The Wall stehen Another Brick in the Wall, Part 1, Part 2 und Part 3 an verschiedenen Stellen der Handlung. Eine eindeutig standardisierte Studioversion mit dem offiziellen Titel „Long Version“ gehört nicht zur ursprünglichen Albumtitelliste. In Radiohitparaden, Fanbezeichnungen und Live-Zusammenstellungen taucht der Ausdruck dennoch für längere oder verbundene Fassungen auf. Für eine fachlich saubere Analyse solltest Du daher immer angeben, welche konkrete Aufnahme Du hörst.
Für diesen aiMOOC gilt:
- Studioversion: Schwerpunkt ist Another Brick in the Wall, Part 2 auf The Wall.
- Albumkontext: Der Übergang von The Happiest Days of Our Lives in Part 2 wird mitgedacht.
- Live-Version: Erweiterungen durch Soli, Übergänge, Bühnendramaturgie und Medleys werden gesondert untersucht.
- Long Version: Der Begriff dient hier als Sammelbezeichnung für einen erweiterten Hör- und Analysekontext, nicht als Behauptung eines einzigen offiziellen Mixes dieses Namens.
Entstehung und Studioproduktion
Roger Waters schrieb das Stück im Zusammenhang mit der Schulthematik von The Wall. Produzent Bob Ezrin erkannte in dem ursprünglich knapperen Material das Potential für eine stärker songorientierte Fassung und regte einen tanzbaren, von der damaligen Disco-Ästhetik beeinflussten Groove an. David Gilmour beschrieb später, dass die knappe musikalische Idee durch Produktion, Wiederholung, Chor und Solo zu einer wirkungsvolleren Form ausgebaut wurde.[3]
Eine besonders prägnante Produktionsentscheidung war der Einsatz eines Kinderchors. Schülerinnen und Schüler der damaligen Islington Green School in London wurden aufgenommen und als Gruppenstimme in den Song integriert. In offiziellen aktuellen Credits werden die Pupils of Islington Green Primary School als beteiligte Stimmen genannt; Richard Wright wird dort mit Synthesizer und Orgel, Nick Mason mit Schlagzeug, David Gilmour mit Gitarre und Gesang sowie Roger Waters mit Gesang, Bass und Komposition geführt.[4]
Die Produktion von The Wall verband die Arbeit von Roger Waters, David Gilmour und Bob Ezrin; James Guthrie war Co-Produzent und Toningenieur. Gerade bei Part 2 ist hörbar, wie Arrangement und Studiotechnik aus vergleichsweise wenig Ausgangsmaterial eine stark profilierte Aufnahme machen.
Produktionsprinzipien
Die Aufnahme ist ein gutes Beispiel dafür, dass Wirkung nicht nur aus Melodie und Akkorden entsteht. Entscheidend sind auch Klangschichtung, Wiederholung, Kontrast und räumliche Inszenierung.
- Layering: Rhythmusgitarre, Bass, Schlagzeug, Orgel beziehungsweise Synthesizer und Stimmen werden in klar unterscheidbaren Schichten organisiert.
- Kontrast: Erwachsenenstimmen und Kinderchor erzeugen unterschiedliche Perspektiven und Klangfarben.
- Dynamik: Die relativ kontrollierten Vokalabschnitte öffnen sich in Richtung Gitarrensolo.
- Sounddesign: Übergänge, Schulhof- beziehungsweise Lehrergeräusche und weitere akustische Elemente binden den Song in das Konzeptalbum ein.
- Stereobild: Mehrere Gitarren- und Vokalspuren schaffen Breite, ohne den Groove zu verdecken.
Songform
Die bekannte Studiofassung von Part 2 wirkt formal übersichtlich und zugleich dramaturgisch stark. Der Groove wird früh etabliert, danach wechseln Vokalabschnitte, Chorwirkung und instrumentale Erweiterung. In vielen Analysen wird eine Form aus Versabschnitten, Refrainfunktion und einem längeren Gitarrensolo beschrieben.
| Abschnitt | Musikalische Funktion | Hörfokus |
|---|---|---|
| Übergang beziehungsweise Einstieg | Etabliert Puls und Klangwelt | Schlagzeug, Bass, kurze Gitarrenfiguren |
| Erwachsenenstimme | Erzählerisch und kontrolliert | Enge Melodieführung, Sprachrhythmus |
| Gruppen- beziehungsweise Kinderstimme | Verstärkung und Perspektivwechsel | Chorfarbe, Artikulation, Verdichtung |
| Instrumentale Öffnung | Erweiterung der Ausdrucksebene | Gilmours Gitarrensolo, Orgeluntergrund |
| Outro | Rückbindung an die Albumhandlung | Geräusche, Stimmen, Übergangscharakter |
Bei längeren Livefassungen kann dieses Grundmodell erweitert werden: Instrumentalteile werden ausgedehnt, Soli verlängert, Übergänge dramatisiert und visuelle Bühnenaktionen mit der musikalischen Form gekoppelt.
Harmonik
Der Song kreist um ein tonales Zentrum in d-Moll und besitzt zugleich deutlich modale Färbungen. Häufig wird die Harmonik als Nähe zu D-Dorisch beschrieben. Besonders wichtig ist dabei die große Sexte des dorischen Modus: In D-Dorisch ist dies der Ton H. Der Wechsel zwischen einem d-Moll-Klang und einem G-Dur-Klang verstärkt diesen modalen Eindruck.
Im Refrainbereich treten unter anderem F-Dur, C-Dur und d-Moll in Erscheinung. Entscheidend für den Höreindruck ist weniger eine komplexe Kadenzlogik als ein statischer, groovender harmonischer Raum, über dem Gesang und Gitarrenspiel ihre Spannung entfalten.
Score-Analysebeispiel: dorische Klangfarbe
Das folgende Beispiel ist selbst erstellt und bildet nicht die Melodie des Songs ab. Es zeigt nur das theoretische Prinzip eines Mollzentrums mit großer Sexte beziehungsweise Durakkord auf der vierten Stufe.

Wenn Du den zweiten Akkord hörst, achte auf den Ton H. Er unterscheidet die dorische Farbe von rein natürlichem d-Moll, in dem an dieser Stelle normalerweise B vorkäme.
Rhythmik und Groove
Another Brick in the Wall, Part 2 steht im Vier-Viertel-Takt und bewegt sich ungefähr im Bereich von 100 Schlägen pro Minute. Der Groove ist bewusst körperlich und repetitiv. Bob Ezrins Disco-Einfluss ist vor allem in der gleichmäßigen Pulsorientierung und im tanzbaren Fundament hörbar. Gleichzeitig bringen Gitarren und weitere Begleitspuren funkartige Synkopen ein.
Das Schlagzeug von Nick Mason arbeitet nicht als virtuose Solostimme, sondern als präzise Stabilisierung des Grooves. Der Bass stützt das tonale Zentrum und verbindet Rock- mit Dance-Elementen. Gerade diese rhythmische Disziplin ist für die Spannung des Songs wichtig: Der kontrollierte Puls steht in starkem Kontrast zu der emotionalen und gesellschaftskritischen Thematik.
Score-Analysebeispiel: synkopischer Rhythmus
Auch dieses Beispiel ist frei erfunden und dient nur dazu, einen Achtel- und Sechzehntelgroove zu untersuchen.
Sprich oder klatsche das Muster zunächst ohne Musik. Verändere danach einzelne Akzente und beobachte, wie schnell ein statischer Viertelpuls funkiger wirkt.
Gitarrenarbeit
David Gilmours Gitarrenarbeit verbindet rhythmische Ökonomie mit einem stark gesanglichen Solostil. In den Vokalabschnitten sind kurze, präzise und teilweise funkartig gedämpfte Gitarrenfiguren wichtiger als große Akkordflächen. Dadurch bleibt Raum für Stimmen, Bass und Schlagzeug.
Das Gitarrensolo bildet einen deutlichen Ausdruckskontrast. Gilmour arbeitet mit Moll-Pentatonik, Bluesvokabular, Bending, Vibrato und lang ausgehaltenen Tönen. Der Gitarrenforscher Richard Perks beschreibt Gilmours Spiel allgemein als stark „vokal“ beziehungsweise gesanglich geprägt und verweist beim Solo von Another Brick in the Wall, Part 2 unter anderem auf die Moll-Pentatonik und die charakteristische Verwendung der None über dem Mollzentrum.[5]
Für das bekannte Studiosolo verwendete Gilmour eine Gibson Les Paul Goldtop von 1955 mit P-90-Tonabnehmern. Das Signal wurde zunächst direkt über das Mischpult aufgenommen und anschließend zur Klangverdichtung erneut über einen Verstärker geführt beziehungsweise re-ampt.[6]

Das Bild zeigt eine historische Gibson Les Paul Goldtop als Instrumententyp; es handelt sich nicht um Gilmours konkretes Instrument. Die Commons-Datei steht unter CC BY-SA 2.0.
Score-Analysebeispiel: selbst erfundene Moll-Pentatonik-Phrase
Die folgende Zweitaktphrase ist keine Transkription des Originals. Sie zeigt lediglich, wie man mit wenigen Tönen einen gesanglichen Rockgitarrencharakter vorbereiten kann.

Übertrage dieses Beispiel auf ein Instrument oder eine virtuelle Tastatur. Gestalte die Töne mit Dynamik, Pausen und Artikulation, anstatt zusätzliche Noten hinzuzufügen.
Keyboardarbeit
Richard Wrights Keyboardarbeit ist weniger vordergründig als das Gitarrensolo, aber für die Klangarchitektur entscheidend. Orgel- und Synthesizerflächen stabilisieren den harmonischen Hintergrund, füllen Zwischenräume und geben dem Solo einen weichen Gegenpol zur prägnanten Gitarrenattacke. In der Solozone kann die Orgel als harmonisches Bett gehört werden, das den Eindruck eines weiten, schwebenden Raumes verstärkt.
Die Keyboardarbeit zeigt ein wichtiges Produktionsprinzip: Ein Instrument muss nicht melodisch dominant sein, um strukturell bedeutsam zu werden. Gerade durch Zurückhaltung entsteht Platz für die Hauptstimme.
Bass und Schlagzeug
Der Bass unterstützt den wiederholungsorientierten Charakter des Songs. Er definiert das tonale Zentrum, verzahnt sich mit der Bassdrum und sorgt dafür, dass die modale Harmonik trotz relativ weniger Akkordwechsel nicht statisch wirkt.
Nick Masons Schlagzeug spielt kontrolliert, geradlinig und songdienlich. Die Snare stabilisiert den Backbeat, während Becken- und Hi-Hat-Arbeit die Unterteilungen organisiert. Die rhythmische Wirkung entsteht weniger durch technische Komplexität als durch Timing, Klangbalance und Wiederholung.
Gesang und Kinderchor
Die Erwachsenenstimmen wirken vergleichsweise kontrolliert und direkt. Ihre teilweise enge Tonbewegung lässt den Text fast deklamatorisch erscheinen. Der Kinderchor verändert die soziale Perspektive: Aus einer individuellen Aussage wird eine Gruppenstimme.
Die Kinderstimmen wurden nicht zu einem klassischen, perfekt geglätteten Kunstchor verarbeitet. Gerade die erkennbare Gruppenartikulation trägt zur Wirkung bei. Dadurch entsteht eine Spannung zwischen schulischer Disziplin als Thema und einer Stimme, die sich kollektiv gegen entmündigende Behandlung richtet.
Das sehr kurze Originalzitat „We don't need no education“ zeigt zugleich eine sprachliche Besonderheit: Die doppelte Verneinung ist umgangssprachlich und rhetorisch wirksam. Eine sinnvolle deutsche Inhaltsübertragung wäre nicht einfach „Wir brauchen überhaupt keine Bildung“, sondern eher: Die dargestellten Kinder weisen eine autoritäre, entmündigende Form von Erziehung und Gedankenkontrolle zurück.
Textdeutung
Der Text wird häufig verkürzt als pauschale Ablehnung von Schule verstanden. Im Kontext von The Wall ist die Aussage differenzierter. Der Lehrer beziehungsweise das Schulsystem erscheint als einer von mehreren Faktoren, die Pinks innere Mauer verstärken. Kritisiert werden Demütigung, Zwang, Gleichschaltung und fehlende individuelle Anerkennung.
Die zentrale Mauer ist deshalb psychologisch und dramaturgisch. Jeder belastende Erfahrungsbereich kann zu einem weiteren symbolischen „Stein“ werden. Schule steht neben familiären Verlusten, Beziehungen, Ruhm und Entfremdung.

Das Bild ist eine frei nutzbare, gemeinfreie Darstellung eines Klassenzimmers und dient nur als Symbolbild für das Thema Schule. Es zeigt nicht die Islington Green School und keine an der Aufnahme beteiligten Personen.
Sinngemäße Inhaltserschließung
Statt den vollständigen englischen Songtext zu reproduzieren, kannst Du die Aussage in eigenen Worten erschließen:
- Eine autoritäre Lehrperson behandelt Kinder nicht als eigenständige Persönlichkeiten.
- Unterricht kann zur Belastung werden, wenn Kontrolle wichtiger wird als Lernen.
- Die Gruppe fordert, nicht gedemütigt oder manipuliert zu werden.
- Im Konzeptalbum wird diese Erfahrung Teil von Pinks wachsender innerer Isolation.
- Die Wiederholung verstärkt das Gefühl, dass individuelle Erfahrungen zu einem kollektiven Protest werden.
Studioproduktion als Gestaltungsmittel
Die Aufnahme gehört zu den Beispielen, bei denen Produktion unmittelbar Teil der Komposition wird. Die Wirkung entsteht aus dem Zusammenspiel von Arrangement und Technik.
| Produktionsmittel | Wirkung |
|---|---|
| Wiederholung | Macht das kurze Ausgangsmaterial größer und eingängiger |
| Kinderchor | Erzeugt Perspektivwechsel und kollektive Wirkung |
| Kompression | Verdichtet Gitarren- und Rhythmusklänge |
| Re-Amping | Verbindet direkten Gitarrenklang mit Verstärkercharakter |
| Soundeffekte | Verknüpfen den Einzelsong mit der erzählten Welt des Albums |
| Stereo-Schichtung | Trennt und verbindet mehrere Gitarren-, Stimm- und Raumebenen |
Eine gute Höranalyse fragt deshalb nicht nur: „Welche Noten werden gespielt?“, sondern auch: Wie wurde der Klang im Studio organisiert?
Rockgeschichte
Another Brick in the Wall, Part 2 wurde zu einem der kommerziell erfolgreichsten Pink-Floyd-Titel. In Großbritannien erreichte die Single Platz 1 und blieb dort fünf Wochen.[7] Der Erfolg ist musikhistorisch bemerkenswert, weil ein Ausschnitt aus einem groß angelegten Konzeptalbum zugleich als kompakter, tanzbarer Popsong funktionierte.
Der Song verbindet mehrere Entwicklungen der späten 1970er Jahre:
- Progressive Rock: konzeptioneller Albumzusammenhang und großformatige Dramaturgie
- Disco: gleichmäßiger, tanzbarer Puls
- Funk: präzise, synkopierte Rhythmusgitarren
- Blues: Phrasierung und Tonmaterial des Gitarrensolos
- Popmusik: klare Wiederholung, einprägsame Gruppenstimme und Single-Tauglichkeit
Auch gesellschaftlich entwickelte das Stück eine Wirkung, die über seinen ursprünglichen Albumkontext hinausging. 1980 wurde es im Zusammenhang mit Schülerprotesten gegen Ungleichheiten des Apartheid-Bildungssystems in Südafrika aufgegriffen und von den damaligen Behörden verboten. Historische Darstellungen von South African History Online dokumentieren diese Rezeption.[8]
Live-Kultur und Bühneninszenierung
The Wall wurde nicht nur als Album, sondern als multimediales Bühnenereignis konzipiert. Bei den Pink-Floyd-Aufführungen 1980 wurde während der Show tatsächlich eine große Mauer aus Bühnenbausteinen errichtet. Die offizielle Pink-Floyd-Chronik nennt für die erste Tourproduktion 450 faltbare „Bricks“ und eine Bühnenmauer von ungefähr 33 Fuß Höhe und 260 Fuß Breite. Projektionen, aufblasbare Figuren und weitere Bühnenelemente verbanden Rockkonzert, Theater und Installation.[9]

Das Foto zeigt Roger Waters 2012 bei einer späteren The Wall Live-Produktion. Die Commons-Datei steht unter CC BY 3.0.
Diese offizielle Pink-Floyd-Liveveröffentlichung eignet sich für einen Vergleich mit der Studiofassung. Höre insbesondere auf Tempo, Gitarrenklang, zusätzliche Bühnenenergie und die Länge der Instrumentalpassagen.
Das offizielle Roger-Waters-Video verbindet The Happiest Days of Our Lives mit Another Brick in the Wall, Part 2 und Part 3. Es ist deshalb besonders geeignet, um zu untersuchen, was eine längere, dramaturgisch verbundene Fassung gegenüber einem isolierten Single-Track verändert.
Hörleitfaden
Nutze nach Möglichkeit eine offiziell lizenzierte Aufnahme oder eines der oben eingebetteten offiziellen Videos.
| Hörphase | Beobachtungsauftrag |
|---|---|
| Einstieg | Bestimme Puls, Taktart und Klangdichte. |
| Erste Vokalphase | Achte auf Tonumfang, Artikulation und das Verhältnis von Stimme zu Rhythmusgitarre. |
| Kinderchor | Beschreibe den Wechsel von individueller zu kollektiver Klangwirkung. |
| Gitarrensolo | Höre auf Bending, Vibrato, Phrasenlänge, Pausen und die Rolle der Orgel im Hintergrund. |
| Outro | Untersuche, wie Geräusche und Sprachanteile die Musik wieder in die Albumhandlung zurückführen. |
| Live-Vergleich | Prüfe, welche Abschnitte verlängert, verdichtet oder visuell aufgewertet werden. |
Besonderheiten auf einen Blick
- Modale Harmonik: d-Moll-Zentrum mit dorischen Färbungen
- Groove: Disco- und Funk-Einflüsse in einem Rockkontext
- Kinderchor: ungewöhnliche Klang- und Bedeutungsebene
- Gitarrensolo: bluesbasierte, gesangliche Phrasierung statt bloßer Virtuosität
- Studiotechnik: Direktaufnahme, Kompression, Re-Amping und Layering als Teil des Sounds
- Konzeptalbum: Ein Popsong bleibt dramaturgisch in eine größere Erzählung eingebunden
- Live-Kultur: Musik, Bühnenbild, Projektion und Theater verschmelzen
Medien- und Urheberrecht
Für diesen aiMOOC wurden bewusst unterschiedliche Medientypen ausgewählt.
- Wikimedia Commons: Die verwendeten Bilder sind auf Commons als gemeinfrei oder unter freien Creative-Commons-Lizenzen ausgewiesen. Vor einer externen Weiterverwendung solltest Du trotzdem immer die jeweilige Dateiseite und die dort genannten Namensnennungs- und Lizenzbedingungen prüfen.
- YouTube: Eingebettet werden offizielle Künstlerkanäle von Pink Floyd beziehungsweise Roger Waters. Die Inhalte werden nicht kopiert, sondern über den von YouTube vorgesehenen Player eingebunden.
- Lyrics: Es wird kein vollständiger geschützter Songtext wiedergegeben.
- Noten: Die Score-Beispiele sind selbst erstellt und dienen ausschließlich der Vermittlung allgemeiner musiktheoretischer Prinzipien.
- Hörbeispiele: Es werden keine inoffiziellen Downloads, Bootlegs oder vollständigen fremden Audiodateien bereitgestellt.
Quellen und weiterführende Materialien
- Pink Floyd – offizieller Überblick zu The Wall
- Pink Floyd – offizielle Timeline 1980
- Pink Floyd – offizielle Timeline 1981
- Official Charts – Chartgeschichte
- Guitar.com – Gilmours The-Wall-Equipment
- Richard Perks – Gitarrenanalyse in The Routledge Handbook of Pink Floyd
- South African History Online – historische Rezeption
- Wikipedia – Another Brick in the Wall
- ↑ Pink Floyd: The Wall – offizieller Albumüberblick
- ↑ Pink Floyd: The Wall – Konzept und Entstehung
- ↑ MusicRadar: Entstehung, Disco-Einfluss und Erweiterung
- ↑ Offizielle Pink-Floyd-Veröffentlichung mit Credits
- ↑ Richard Perks: Gitarrenanalyse in The Routledge Handbook of Pink Floyd
- ↑ Guitar.com: The Wall – Gilmours Instrumente
- ↑ Official Charts: Another Brick in the Wall
- ↑ South African History Online: Schülerproteste und Rezeption des Songs
- ↑ Pink Floyd: Timeline 1980
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welches tonale Zentrum prägt Another Brick in the Wall, Part 2? (d-Moll) (!E-Dur) (!Fis-Dur) (!B-Dur)
Welche modale Färbung ist für die Harmonik besonders wichtig? (D-Dorisch) (!C-Lydisch) (!E-Phrygisch) (!A-Mixolydisch)
Welcher Produzent trieb die discoorientierte Erweiterung des Stücks besonders voran? (Bob Ezrin) (!George Martin) (!Quincy Jones) (!Brian Eno)
Welche besondere Vokalgruppe prägt einen zentralen Abschnitt der Aufnahme? (Ein Kinderchor) (!Ein Opernchor) (!Ein Gospelquartett) (!Ein Männerchor)
Wer spielt das bekannte Gitarrensolo der Studiofassung? (David Gilmour) (!Roger Waters) (!Nick Mason) (!Richard Wright)
Welcher Instrumententyp wurde für das Studiosolo verwendet? (Gibson Les Paul Goldtop) (!Rickenbacker Zwölfsaiter) (!Gretsch Hollowbody) (!Fender Jazz Bass)
Welche Taktart bildet die metrische Grundlage des Songs? (Vier-Viertel-Takt) (!Drei-Viertel-Takt) (!Fünf-Viertel-Takt) (!Sieben-Achtel-Takt)
Welche Funktion hat die Mauer im Konzeptalbum vor allem? (Sie symbolisiert zunehmende innere Isolation) (!Sie beschreibt ausschließlich ein reales Gebäude) (!Sie ist nur ein Bühnendekor ohne Bedeutung) (!Sie steht ausschließlich für eine Stadtgrenze)
Welche Rolle spielen Keyboards im Gitarrensolo besonders? (Sie bilden einen harmonischen Klangraum) (!Sie ersetzen vollständig den Bass) (!Sie spielen ein unbegleitetes Klavierkonzert) (!Sie übernehmen ausschließlich Geräuscheffekte)
Warum wird im aiMOOC keine vollständige Melodie notiert? (Weil nur kurze selbst erstellte Analysebeispiele verwendet werden) (!Weil Musiknotation technisch unmöglich ist) (!Weil der Song keine Tonhöhen besitzt) (!Weil Score nur Schlagzeug darstellen kann)
Memory
| D-Dorisch | Modale Mollfärbung mit großer Sexte |
| Bob Ezrin | Produktionsimpuls und Disco-Einfluss |
| Kinderchor | Kollektive Vokalperspektive |
| Goldtop | Instrumententyp des Studiosolos |
| Vier-Viertel-Takt | Metrische Grundlage |
| The Wall | Konzeptalbum und Rockoper |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Groove | Tanzbarer Puls mit Disco- und Funk-Einflüssen |
| Harmonik | d-Moll-Zentrum mit dorischer Färbung |
| Gitarrensolo | Bending, Vibrato und bluesbasierte Phrasierung |
| Kinderchor | Wechsel von individueller zu kollektiver Stimme |
| Live-Inszenierung | Verbindung von Musik, Projektion und Bühnenmauer |
...
Kreuzworträtsel
| Ezrin | Welcher Produzent prägte die discoorientierte Erweiterung? |
| Gilmour | Wer spielte das markante Gitarrensolo? |
| Waters | Wer entwickelte das zentrale Konzept von The Wall? |
| Goldtop | Wie heißt der verwendete Les-Paul-Instrumententyp? |
| Dorian | Welcher Modus erklärt die charakteristische große Sexte? |
| Islington | Aus welchem Londoner Schulumfeld stammte der Kinderchor? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Hörprotokoll: Höre die offizielle Studio- oder Videofassung und notiere fünf Klangereignisse in der Reihenfolge ihres Auftretens.
- Instrumentenkarte: Erstelle eine Grafik mit Gesang, Kinderchor, Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboard und beschreibe ihre jeweilige Funktion.
- Textparaphrase: Formuliere die Schulkritik des Songs in eigenen deutschen Worten, ohne weitere Originallyrics zu zitieren.
- Groove-Experiment: Klatsche einen geraden Vier-Viertel-Puls und ergänze danach selbst erfundene Synkopen. Beschreibe die Wirkung.
Standard
- Studio-Live-Vergleich: Vergleiche das offizielle Musikvideo mit einer offiziellen Livefassung hinsichtlich Tempo, Form, Solo, Klang und Inszenierung.
- Modalität: Erkläre mit einer eigenen Tonleiter oder einem eigenen Akkordbeispiel, wodurch sich d-Moll und D-Dorisch klanglich unterscheiden.
- Gitarrensprache: Entwickle eine eigene kurze Zweitaktphrase in d-Moll-Pentatonik und notiere sie mit Score, ohne die Originalmelodie nachzuahmen.
- Produktionsanalyse: Erstelle ein Schaubild, das Direktaufnahme, Kompression, Re-Amping und räumliche Mischung als mögliche Produktionskette erklärt.
Schwer
- Konzeptalbum-Analyse: Untersuche, wie Part 1, Part 2 und Part 3 dramaturgisch unterschiedliche Funktionen innerhalb von The Wall erfüllen.
- Rockgeschichte: Vergleiche den Song mit einem anderen Rocktitel der späten 1970er Jahre, der Disco- oder Funk-Elemente integriert, und begründe Gemeinsamkeiten und Unterschiede.
- Medienprojekt: Produziere ein drei- bis fünfminütiges Erklärvideo mit ausschließlich selbst erstellten Grafiken, eigenen Score-Beispielen und frei lizenzierten Bildern.
- Live-Dramaturgie: Entwirf eine eigene Bühnenkonzeption für den Song, die das Motiv Isolation sichtbar macht, ohne vorhandene The-Wall-Bühnenbilder einfach zu kopieren.


Lernkontrolle
- Form und Wirkung: Erkläre, warum eine relativ einfache Songform trotzdem eine starke dramaturgische Wirkung entfalten kann. Beziehe Chor, Solo und Produktion ein.
- Harmonik und Ausdruck: Zeige an einem selbst gewählten Mollbeispiel, wie eine dorische große Sexte den Charakter verändern kann, und übertrage die Erkenntnis auf den Song.
- Produktion als Komposition: Begründe, warum Layering, Kompression und Re-Amping nicht nur technische Schritte, sondern musikalische Gestaltungsmittel sind.
- Text und Kontext: Erläutere, weshalb die Aussage des Songs im Albumkontext differenzierter ist als eine pauschale Ablehnung von Bildung.
- Live-Kultur: Analysiere, wie eine Bühnenmauer die Wahrnehmung der Musik verändert. Trenne dabei musikalische und visuelle Wirkungen.
- Urheberrecht und Analyse: Entwickle Regeln für eine schulische Songanalyse, die wissenschaftlich aussagekräftig bleibt, ohne vollständige geschützte Texte, Noten oder Audiodateien zu kopieren.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema solltest Du zeigen können, dass Du:
- die Stellung von Another Brick in the Wall, Part 2 innerhalb von The Wall erklären kannst,
- zwischen Studiofassung, Livefassung und uneinheitlich verwendeten „Long Version“-Bezeichnungen unterscheiden kannst,
- Songform, Vier-Viertel-Groove und dorische Färbung fachsprachlich beschreiben kannst,
- die Rollen von Gitarre, Keyboard, Bass, Schlagzeug, Erwachsenenstimmen und Kinderchor erklären kannst,
- Grundzüge von Gilmours Soloästhetik mit Pentatonik, Bending und Vibrato beschreiben kannst,
- wichtige Produktionsmittel wie Layering, Kompression und Re-Amping verstehst,
- die Schulkritik in den größeren Zusammenhang von Isolation und Mauer-Metaphorik einordnen kannst,
- die rockgeschichtliche und livekulturelle Bedeutung des Stücks anhand von Beispielen erläutern kannst,
- Quellen und Medien hinsichtlich Lizenz, Urheberrecht und Verlässlichkeit prüfen kannst.
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