Open Educational Resources - Pädagogik


Open Educational Resources - Pädagogik
Open Educational Resources - Pädagogik
Einleitung
Open Educational Resources (OER) sind offen lizenzierte oder gemeinfreie Lern-, Lehr- und Forschungsmaterialien, die kostenfrei zugänglich sind und von anderen genutzt, bearbeitet, kombiniert und weiterverbreitet werden dürfen. Für die Pädagogik sind OER nicht nur eine Materialfrage. Sie berühren grundlegende Themen wie Bildungsgerechtigkeit, Partizipation, Didaktik, Medienpädagogik, Professionalisierung, Urheberrecht, Inklusion, Wissensproduktion und die gesellschaftliche Verantwortung von Bildungseinrichtungen.
Dieser aiMOOC richtet sich an Studierende der Erziehungswissenschaft, angehende pädagogische Fachkräfte, Lehramtsstudierende, Hochschullehrende und alle, die offene Bildungspraktiken wissenschaftlich reflektieren und praktisch gestalten möchten. Du lernst, OER zu erkennen, rechtssicher zu verwenden, pädagogisch zu beurteilen, barrierearm zu gestalten und als Teil einer offenen Lernkultur weiterzuentwickeln.

Lernziele
Nach der Bearbeitung dieses aiMOOCs kannst Du den Begriff Open Educational Resources fachlich definieren, OER von lediglich kostenlosen Materialien unterscheiden und die Bedeutung offener Lizenzen erklären. Du kannst die 5V-Freiheiten auf pädagogische Situationen übertragen, Creative-Commons-Lizenzen interpretieren, geeignete Lizenzhinweise formulieren und Risiken beim Remix verschiedener Materialien einschätzen.
Darüber hinaus kannst Du OER aus Perspektiven der Allgemeinen Pädagogik, Hochschuldidaktik, Medienpädagogik, Inklusive Pädagogik, Kritische Pädagogik und Erwachsenenbildung analysieren. Du entwickelst Kriterien für Qualität, Barrierefreiheit, Datenschutz, kulturelle Sensibilität und Nachhaltigkeit und planst eigene offene Lehr-Lern-Szenarien.
Grundlagen von Open Educational Resources
Definition
Die UNESCO versteht OER als Lern-, Lehr- und Forschungsmaterialien in jedem Format und Medium, die entweder gemeinfrei sind oder unter einer offenen Lizenz stehen. Diese Lizenz soll kostenlosen Zugang sowie Wiederverwendung, Bearbeitung, Anpassung und Weiterverbreitung ermöglichen. OER können Texte, Bilder, Arbeitsblätter, Lehrbücher, Podcasts, Videos, Simulationen, Datensätze, Fallbeispiele, Aufgaben, Prüfungsformate, Software, Kurskonzepte oder vollständige Onlinekurse sein.
Entscheidend ist nicht, ob ein Material digital vorliegt. Auch ein gedrucktes Arbeitsblatt kann OER sein, wenn die rechtlichen Bedingungen eine offene Nutzung erlauben. Umgekehrt ist ein frei abrufbares Video nicht automatisch OER. Kostenloser Zugang beantwortet nur die Frage, ob Du etwas ansehen kannst. Eine offene Lizenz beantwortet zusätzlich, was Du mit dem Material tun darfst.

OER, Open Access und Open Education
Die Begriffe Open Educational Resources, Open Access und Open Education sind miteinander verbunden, aber nicht identisch. Open Access bezeichnet vor allem den offenen Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen. Je nach Lizenz ist eine Open-Access-Publikation nur lesbar oder auch bearbeitbar und weiterverwendbar. Open Education ist weiter gefasst und umfasst politische, institutionelle und pädagogische Ansätze, die Zugang, Teilhabe, Kooperation und Transparenz in Bildung fördern.
OER sind konkrete Ressourcen innerhalb dieses größeren Feldes. Open Educational Practices (OEP) bezeichnen die sozialen und didaktischen Praktiken rund um das Finden, Erstellen, Anpassen, Teilen und gemeinsame Weiterentwickeln offener Materialien. Open Pedagogy rückt zusätzlich die Rolle der Lernenden als Mitgestaltende und Wissensproduzierende in den Mittelpunkt.
Historische Entwicklung
Das Teilen von Wissen ist älter als digitale Medien. Bibliotheken, öffentliche Vorlesungen, Lehrsammlungen und kollegiale Materialbörsen sind historische Formen gemeinsamer Wissensnutzung. Der moderne OER-Begriff entstand jedoch im Kontext digitaler Netzwerke, offener Softwarekulturen und internationaler Bildungspolitik.
Im Jahr 2002 wurde der Ausdruck Open Educational Resources auf einem UNESCO-Forum zu offenem Kursmaterial geprägt. In den folgenden Jahren entwickelten sich offene Lehrbuchprojekte, frei zugängliche Hochschulkurse, Wikis, Repositorien und offene Lizenzmodelle. Die UNESCO-Empfehlung zu OER von 2019 schuf einen international abgestimmten politischen Rahmen. Sie betont fünf Handlungsfelder: Kompetenzaufbau, unterstützende politische Rahmenbedingungen, inklusive und gerechte Qualitätsangebote, nachhaltige Modelle sowie internationale Zusammenarbeit.
In Deutschland wurde 2022 eine langfristig angelegte OER-Strategie des Bundes veröffentlicht. Sie verbindet OER mit digitaler Bildung, Kooperation, Infrastruktur, Qualitätssicherung, Forschung und Professionalisierung pädagogischer Fachkräfte.
Die 5V-Freiheiten
Die 5V-Freiheiten übertragen David Wileys englisches 5R-Modell in den deutschsprachigen OER-Diskurs. Sie beschreiben Rechte, die eine offene Bildungsressource möglichst weitgehend gewähren sollte.
- Verwahren und Vervielfältigen: Du darfst Kopien eines Inhalts herunterladen, speichern, kontrollieren und vervielfältigen.
- Verwenden: Du darfst den Inhalt in unterschiedlichen Kontexten einsetzen, zum Beispiel in einem Seminar, einem Lernmanagementsystem, einer Fortbildung oder einem Video.
- Verarbeiten: Du darfst den Inhalt anpassen, übersetzen, kürzen, erweitern, aktualisieren oder in ein anderes Format übertragen.
- Vermischen: Du darfst den ursprünglichen oder bearbeiteten Inhalt mit anderen offenen Materialien verbinden und daraus ein neues Werk erstellen.
- Verbreiten: Du darfst das Original, Deine Bearbeitung oder Deinen Remix mit anderen teilen und veröffentlichen.
Pädagogische Bedeutung der 5V
Die 5V sind mehr als eine juristische Checkliste. Sie eröffnen pädagogische Handlungsspielräume. Ein Fallbeispiel kann an eine lokale Einrichtung angepasst, ein Fachtext in Leichte Sprache übertragen, ein Video mit Untertiteln ergänzt oder ein Arbeitsblatt gemeinsam mit Studierenden weiterentwickelt werden. Dadurch kann Material stärker an Lernvoraussetzungen, Sprachen, Lebenswelten und institutionelle Kontexte angepasst werden.
Gleichzeitig entstehen neue Verantwortlichkeiten. Wer Materialien verändert, muss fachliche Qualität sichern, Änderungen kennzeichnen, Persönlichkeitsrechte beachten, Quellen dokumentieren und die Lizenzbedingungen einhalten. Offenheit bedeutet daher nicht Regellosigkeit, sondern transparente und verantwortliche Gestaltung.
Urheberrecht und offene Lizenzen
Grundprinzip des Urheberrechts
Das Urheberrecht schützt persönliche geistige Schöpfungen automatisch. Eine Registrierung ist in Deutschland grundsätzlich nicht erforderlich. Schutzfähig können unter anderem Texte, Fotos, Grafiken, Musik, Videos und individuell gestaltete Lehrmaterialien sein. Nicht jede Information oder Idee ist geschützt; geschützt ist in der Regel die konkrete schöpferische Gestaltung.
Ohne Erlaubnis dürfen fremde Werke nur in den Grenzen gesetzlicher Schranken genutzt werden, etwa unter bestimmten Voraussetzungen durch das Zitatrecht oder spezielle Bildungs- und Wissenschaftsschranken. Diese Ausnahmen sind zweckgebunden und erlauben nicht automatisch eine offene Weiterveröffentlichung. OER lösen dieses Problem durch freiwillig erteilte Nutzungsrechte.
Creative Commons
Creative Commons stellt standardisierte Lizenzverträge bereit. Urheberinnen und Urheber können damit im Voraus erklären, unter welchen Bedingungen andere ein Werk nutzen dürfen. Die vier wichtigsten Lizenzmodule sind:
- BY: Die Urheberin oder der Urheber muss angemessen genannt werden.
- SA: Bearbeitungen müssen unter derselben oder einer kompatiblen Lizenz weitergegeben werden.
- NC: Die Nutzung zu überwiegend kommerziellen Zwecken ist ausgeschlossen.
- ND: Veränderungen und die Veröffentlichung bearbeiteter Fassungen sind nicht erlaubt.
Aus diesen Modulen entstehen sechs verbreitete CC-Lizenzen. Hinzu kommt CC0, mit der Rechte so weit wie rechtlich möglich freigegeben werden.
| Lizenz | Bearbeitung | Kommerzielle Nutzung | Besondere Bedingung |
|---|---|---|---|
| CC0 | erlaubt | erlaubt | weitestmögliche Freigabe |
| CC BY | erlaubt | erlaubt | Namensnennung |
| CC BY-SA | erlaubt | erlaubt | Namensnennung und Weitergabe unter gleichen Bedingungen |
| CC BY-NC | erlaubt | eingeschränkt | Namensnennung und nicht-kommerzielle Nutzung |
| CC BY-NC-SA | erlaubt | eingeschränkt | Namensnennung, nicht-kommerziell und ShareAlike |
| CC BY-ND | nicht als bearbeitete Fassung veröffentlichbar | erlaubt | Namensnennung und keine Bearbeitung |
| CC BY-NC-ND | nicht als bearbeitete Fassung veröffentlichbar | eingeschränkt | restriktivste CC-Lizenz |


Welche Lizenzen eignen sich für OER?
Im engeren Verständnis vollständig offener Bildungsressourcen gelten besonders CC0, CC BY und CC BY-SA als geeignet. Sie erlauben Bearbeitungen und eine breite Weiterverwendung. CC BY-SA verbindet Offenheit mit dem Share-Alike-Prinzip: Bearbeitete Fassungen müssen offen bleiben.
Lizenzen mit dem Modul ND verhindern die Veröffentlichung von Bearbeitungen und widersprechen damit der zentralen OER-Idee des Anpassens. Das Modul NC kann sinnvolle Nutzungen, Kooperationen und Lizenzkombinationen einschränken. Materialien unter CC BY-NC oder CC BY-NC-SA werden deshalb häufig als nur eingeschränkt offen eingeordnet. Ob eine konkrete Ressource als OER bezeichnet wird, hängt auch von der verwendeten Definition und dem institutionellen Kontext ab. Für maximale Nachnutzbarkeit sind CC0, CC BY und CC BY-SA meist die klarsten Optionen.

Lizenzhinweise mit der TULLU-Regel
Die TULLU-Regel hilft Dir, einen vollständigen Lizenzhinweis zu formulieren:
- Titel: Wie heißt das Werk?
- Urheber: Wer hat es geschaffen?
- Lizenz: Unter welcher Lizenz steht es?
- Link zur Lizenz: Wo ist der Lizenztext erreichbar?
- Ursprungsort: Wo wurde das Werk gefunden?
Bei einer Bearbeitung solltest Du zusätzlich angeben, was verändert wurde. Ein transparenter Hinweis könnte lauten: „Grafikname“ von Name, CC BY-SA 4.0, Quelle: Wikimedia Commons; zugeschnitten, farblich angepasst und deutsch beschriftet durch Name.
Lizenzkompatibilität und Remix
Beim Remix reicht es nicht, dass jedes Einzelmaterial irgendeine CC-Lizenz trägt. Die Bedingungen müssen miteinander vereinbar sein. Ein ND-lizenziertes Werk darf nicht in einer bearbeiteten Gesamtfassung veröffentlicht werden. Ein NC-lizenziertes Element kann eine kommerzielle Nachnutzung des gesamten Remixes verhindern. SA-Lizenzen verlangen bei Bearbeitungen eine bestimmte Weitergabelizenz.
Für die Praxis ist es sinnvoll, bereits vor der Gestaltung eine Lizenzmatrix anzulegen. Darin dokumentierst Du für jedes Element Titel, Urheber, Quelle, Lizenz, Bearbeitungen und geplante Weitergabelizenz. Bei Unsicherheit solltest Du auf leichter kombinierbare Materialien ausweichen oder eine ausdrückliche Erlaubnis einholen.

Pädagogische Perspektiven auf OER
Konstruktivistische Perspektive
Aus konstruktivistischer Sicht lernen Menschen nicht durch bloße Übernahme fertiger Informationen. Sie konstruieren Bedeutung, indem sie neues Wissen mit Erfahrungen, Vorwissen und sozialen Kontexten verbinden. OER können diese aktive Wissenskonstruktion unterstützen, weil Lernende Materialien kommentieren, umstrukturieren, übersetzen und für reale Adressatinnen und Adressaten aufbereiten können.
Ein offenes Lehrbuch muss daher nicht nur gelesen werden. Studierende können Beispiele ergänzen, Begriffe diskutieren, Quellen prüfen und alternative Erklärungen entwickeln. Entscheidend ist die didaktische Rahmung: Offen lizenzierte Materialien führen nicht automatisch zu aktivem Lernen.
Sozial-konstruktivistische und kollaborative Perspektive
Sozialer Konstruktivismus betont, dass Lernen in Kommunikation, Kooperation und kulturellen Praktiken entsteht. OER bieten gemeinsame Gegenstände, an denen Lernende und Lehrende arbeiten können. Versionierung, Kommentierung und Peer-Review machen Lernprozesse sichtbar.
In einem pädagogischen Seminar können Studierende etwa gemeinsam ein Glossar zu Bildungstheorie, Sozialisation, Erziehung und Lernen erstellen. Die offene Veröffentlichung verändert die Kommunikationssituation: Die Texte richten sich nicht nur an eine prüfende Lehrperson, sondern potenziell an eine größere Öffentlichkeit. Dadurch steigen Authentizität und Verantwortung, zugleich müssen Datenschutz, Einwilligung und alternative Leistungsformen gewährleistet werden.
Open Pedagogy und OER-enabled Pedagogy
Open Pedagogy beschreibt Lehr-Lern-Ansätze, die Offenheit, Beteiligung, Transparenz und gemeinschaftliche Wissensproduktion betonen. OER-enabled Pedagogy fokussiert Praktiken, die erst durch die 5V-Freiheiten möglich oder praktikabel werden.
Ein bekanntes Prinzip sind erneuerbare Aufgaben. Im Gegensatz zu Wegwerfaufgaben, die nach der Bewertung ungelesen bleiben, erzeugen erneuerbare Aufgaben einen weiterverwendbaren Beitrag. Studierende können beispielsweise eine barrierearme Erklärung, ein Fallbeispiel, einen Podcast oder eine kommentierte Quellensammlung erstellen. Die Veröffentlichung darf jedoch nie erzwungen werden. Lernende benötigen eine informierte Wahl, Möglichkeiten zur anonymen oder pseudonymen Mitarbeit und gleichwertige nichtöffentliche Alternativen.
Kritische Pädagogik und epistemische Gerechtigkeit
Kritische Pädagogik fragt danach, wer Wissen produziert, wessen Perspektiven sichtbar werden und welche Machtverhältnisse durch Bildungsmedien stabilisiert werden. OER können Zugangsbarrieren senken und marginalisierten Gruppen ermöglichen, eigene Perspektiven einzubringen. Offenheit allein beseitigt jedoch keine Ungleichheit.
Auch offene Materialien können eurozentrisch, ableistisch, rassistisch, sexistisch oder sprachlich ausschließend sein. Eine kritische OER-Praxis prüft Repräsentation, Quellenvielfalt, Bildsprache, zugrunde liegende Normen und die Beteiligung der dargestellten Gruppen. Epistemische Gerechtigkeit verlangt, dass unterschiedliche Wissensformen nicht nur ergänzt, sondern in ihrer Bedeutung ernst genommen werden.
Medienpädagogische Perspektive
Aus medienpädagogischer Sicht fördern OER eine reflexive Medienkompetenz. Lernende analysieren nicht nur Inhalte, sondern auch Produktionsbedingungen, Plattformlogiken, Rechte, Datenflüsse und Qualitätskriterien. Sie lernen, digitale Materialien zu bewerten, zu gestalten und gesellschaftlich verantwortlich zu teilen.
OER-Arbeit verbindet damit mehrere Kompetenzbereiche: Informationsrecherche, Quellenkritik, Gestaltung, Kooperation, Rechtswissen, Datenschutz, Barrierefreiheit und Öffentlichkeit. Besonders wertvoll ist die Verbindung von praktischer Medienproduktion mit kritischer Reflexion.
Inklusive Pädagogik und Barrierefreiheit
OER können an unterschiedliche Lernbedürfnisse angepasst werden. Texte lassen sich vereinfachen, Fachbegriffe erklären, Kontraste verbessern, Untertitel ergänzen oder in alternative Formate übertragen. Diese Anpassbarkeit ist ein starkes inklusives Potenzial.
Barrierefreiheit muss jedoch aktiv geplant werden. Dazu gehören aussagekräftige Überschriften, Alternativtexte für Bilder, Untertitel und Transkripte, verständliche Sprache, ausreichende Kontraste, tastaturbedienbare Interaktionen, strukturierte Dokumente und möglichst offene Dateiformate. Universal Design for Learning empfiehlt, verschiedene Wege der Darstellung, Handlung und Motivation bereitzustellen.
OER im Studium der Pädagogik
Einsatzfelder
Im Studienfach Pädagogik können OER in Vorlesungen, Seminaren, Projekten, Praxisphasen und Selbstlernangeboten eingesetzt werden. Typische Einsatzfelder sind:
- Theorieseminar: Studierende kommentieren offene Primär- und Sekundärtexte und erstellen Begriffslandkarten.
- Forschungsmethoden: Offene Datensätze, Codebücher und Auswertungsbeispiele werden geprüft und weiterentwickelt.
- Praxisreflexion: Anonymisierte Fallvignetten aus pädagogischen Handlungsfeldern werden multiperspektivisch analysiert.
- Medienpädagogisches Projekt: Lernende produzieren offen lizenzierte Podcasts, Erklärvideos oder Tutorials.
- Inklusive Didaktik: Bestehende Materialien werden auf Barrieren untersucht und in zugänglichere Fassungen übertragen.
- Professionalisierung: Studierende dokumentieren Entscheidungsprozesse, Rechteklärung und Qualitätssicherung in einem offenen Portfolio.
Beispiel: Offenes Falllabor
In einem offenen Falllabor bearbeiten Studierende eine anonymisierte pädagogische Situation, etwa einen Konflikt in einer Wohngruppe, eine Herausforderung in der Erwachsenenbildung oder eine Barriere in einer Lehrveranstaltung. Zunächst analysieren sie den Fall mit mehreren theoretischen Perspektiven. Anschließend erstellen sie Handlungsoptionen, kennzeichnen Unsicherheiten und dokumentieren die verwendeten Quellen.
Die Ergebnisse können als OER veröffentlicht werden, wenn Einwilligungen, Datenschutz, Anonymisierung und Lizenzrechte geklärt sind. Andere Lerngruppen dürfen die Fallanalyse kommentieren, erweitern oder in alternative Formate übertragen. So entsteht ein wachsender Pool reflektierter Praxisfälle.
Beispiel: Studierende als Autorinnen und Autoren
Studierende können einzelne Kapitel eines offenen Studienbuchs erstellen. Der Prozess umfasst Themenwahl, Literaturrecherche, Quellenkritik, Schreibberatung, Peer-Review, fachliche Prüfung, barrierearme Gestaltung und Lizenzierung. Lehrende übernehmen dabei nicht nur die Rolle der Bewertenden, sondern gestalten eine redaktionelle Lernumgebung.
Die Aufgabe fördert Fachwissen, wissenschaftliches Schreiben, Urteilsfähigkeit, Kooperation und digitale Publikationskompetenz. Gleichzeitig sind Machtasymmetrien zu beachten: Studierende dürfen nicht dazu gedrängt werden, persönliche Daten preiszugeben oder unfertige Arbeiten dauerhaft öffentlich zu machen.
Beispiel: OER in der pädagogischen Praxis
Eine pädagogische Fachkraft findet ein offen lizenziertes Material zur Konfliktmoderation. Sie passt Sprache und Beispiele an die Altersgruppe an, ergänzt Piktogramme, erstellt eine Version für Screenreader und übersetzt zentrale Aussagen. Danach veröffentlicht sie die neue Fassung mit korrektem Lizenzhinweis und Veränderungsvermerk.
Dieses Beispiel zeigt die Verbindung von rechtlicher, didaktischer und inklusiver Kompetenz. Gute OER-Praxis beginnt nicht beim Hochladen, sondern bei einer begründeten Analyse der Zielgruppe und endet nicht mit der Veröffentlichung, sondern umfasst Rückmeldungen, Pflege und Aktualisierung.
OER finden, prüfen und weiterverwenden
Rechercheorte
Für die Suche nach OER eignen sich spezialisierte Repositorien, Suchindizes und Plattformen. Beispiele sind OERSI, Wikimedia Commons, Wikibooks, Wikiversity, OERinfo, WirLernenOnline, ZOERR, ORCA.nrw und hochschuleigene Repositorien. Auch Suchmaschinen können nach Nutzungsrechten filtern, doch Filter ersetzen nicht die Prüfung der Originalquelle.
Prüfschritte bei der Auswahl
Bevor Du ein Material einsetzt, prüfst Du mehrere Ebenen:
- Fachliche Qualität: Sind Aussagen korrekt, aktuell, belegt und differenziert?
- Didaktische Passung: Unterstützt das Material die Lernziele, Lernvoraussetzungen und geplanten Aktivitäten?
- Lizenzklarheit: Sind Urheber, Lizenz, Quelle und Bearbeitungsrechte eindeutig dokumentiert?
- Barrierefreiheit: Ist das Material wahrnehmbar, verständlich und mit unterstützenden Technologien nutzbar?
- Datenschutz: Werden personenbezogene Daten verarbeitet oder externe Trackingdienste eingebunden?
- Repräsentation: Welche Perspektiven werden sichtbar, welche fehlen und welche Stereotype könnten reproduziert werden?
- Technische Offenheit: Liegt das Material in bearbeitbaren, möglichst offenen Formaten vor?
- Nachhaltigkeit: Ist eine Pflege, Versionierung und langfristige Auffindbarkeit erkennbar?
Der OER-Arbeitsprozess
Ein professioneller OER-Arbeitsprozess lässt sich als Kreislauf verstehen. Zuerst analysierst Du Lernziele, Zielgruppe, Kontext und Barrieren. Danach recherchierst und bewertest Du bestehende Ressourcen. Anschließend entscheidest Du, ob Du übernimmst, bearbeitest, kombinierst oder neu erstellst. Während der Gestaltung dokumentierst Du alle Quellen und Änderungen.
Vor der Veröffentlichung folgen fachliche Prüfung, Peer-Review, Barrierefreiheitscheck, Datenschutzprüfung und Lizenzentscheidung. Nach der Veröffentlichung sammelst Du Rückmeldungen, pflegst Versionen und aktualisierst Inhalte. OER sind damit keine fertigen Produkte, sondern potenziell fortlaufende Bildungsprozesse.
Datei:A Basic Guide to Open Educational Resources.pdf
Qualität von OER
Qualität ist nicht automatisch offen oder geschlossen
Eine offene Lizenz garantiert keine fachliche oder didaktische Qualität. Umgekehrt kann ein urheberrechtlich geschlossenes Material hochwertig sein. Offenheit und Qualität sind unterschiedliche Dimensionen. OER ermöglichen allerdings besondere Formen transparenter Qualitätssicherung, weil Fehler sichtbar korrigiert, Versionen verglichen und Materialien gemeinschaftlich verbessert werden können.
Qualität ist zudem kontextabhängig. Ein fachlich korrekter Text kann für eine bestimmte Zielgruppe zu komplex sein. Ein ästhetisch ansprechendes Video kann didaktisch passiv bleiben. Eine gute Ressource muss deshalb an Lernziele, Voraussetzungen, Handlungsfelder und technische Bedingungen angepasst werden.
Qualitätsdimensionen
- Inhaltsqualität: fachliche Richtigkeit, Aktualität, Belege, Differenzierung und Transparenz von Unsicherheiten.
- Didaktische Qualität: klare Lernziele, Aktivierung, Rückmeldung, Transfer und angemessene kognitive Belastung.
- Gestaltungsqualität: verständliche Struktur, lesbare Typografie, sinnvolle Medienwahl und konsistente Navigation.
- Inklusive Qualität: Barrierefreiheit, sprachliche Zugänglichkeit, Vielfalt und diskriminierungskritische Perspektiven.
- Rechtliche Qualität: korrekte Lizenzierung, Quellenangaben, Datenschutz und geklärte Persönlichkeitsrechte.
- Technische Qualität: offene Formate, Interoperabilität, geringe Zugangshürden und langfristige Nutzbarkeit.
- Prozessqualität: dokumentierte Autorenschaft, Peer-Review, Versionierung, Feedbackkanäle und Pflegezuständigkeiten.
Peer-Review und Community-Review
Peer-Review kann bei OER formal oder informell organisiert werden. Fachkolleginnen und Fachkollegen prüfen Inhalte, Studierende testen Verständlichkeit, Expertinnen für Barrierefreiheit untersuchen Zugänglichkeit und Praktikerinnen beurteilen die Anschlussfähigkeit an reale Handlungsfelder.
Ein gutes Review-Verfahren trennt unterschiedliche Prüffragen. Fachliche Korrektheit, didaktische Eignung und rechtliche Klarheit sollten nicht in einer einzigen pauschalen Bewertung verschwinden. Transparente Kriterien und dokumentierte Überarbeitungen erhöhen die Nachvollziehbarkeit.
Forschung zu OER
Forschungsübersichten aus der Hochschulbildung berichten häufig vergleichbare Lernergebnisse bei offenen und traditionellen Lehrmaterialien sowie finanzielle Entlastungen für Lernende. Diese Befunde dürfen jedoch nicht als allgemeiner Beweis verstanden werden, dass OER immer bessere Ergebnisse erzeugen. Studien unterscheiden sich in Fächern, Zielgruppen, Designs und Qualität der untersuchten Materialien.
Neuere Forschung zu Open Educational Practices und Open Pedagogy untersucht zusätzlich Beteiligung, Selbstwirksamkeit, Zugehörigkeit, Wissensproduktion und soziale Gerechtigkeit. Die empirische Basis ist noch heterogen. Für pädagogische Forschung bedeutet dies: Wirkungen sollten nicht allein anhand von Prüfungsergebnissen bewertet werden. Auch Zugang, Teilhabe, Qualität der Interaktion, Nachhaltigkeit, Arbeitsaufwand und ungleiche Voraussetzungen sind relevant.
Forschungsfragen für die Pädagogik
- Wie beeinflusst die aktive Bearbeitung von OER das fachliche Verständnis?
- Unter welchen Bedingungen erleben Studierende offene Publikationsaufgaben als selbstbestimmt?
- Welche Gruppen profitieren von OER und welche neuen Barrieren entstehen?
- Wie wirken Anerkennung, Arbeitszeit und institutionelle Unterstützung auf die OER-Praxis von Lehrenden?
- Welche Qualitätsmodelle verbinden fachliche, didaktische, rechtliche und inklusive Kriterien?
- Wie verändern KI-Werkzeuge Autorenschaft, Prüfung, Transparenz und Lizenzpraxis?
Herausforderungen und ethische Fragen
Digitale Ungleichheit
Kostenfreier Zugang beseitigt nicht automatisch Ungleichheit. Lernende benötigen Geräte, Internetzugang, Zeit, sprachliche Ressourcen, digitale Kompetenzen und unterstützende Lernumgebungen. OER können bestehende Ungleichheiten verringern, aber auch verstärken, wenn Materialien ausschließlich online, datenintensiv, sprachlich komplex oder technisch unzugänglich sind.
Eine gerechte OER-Praxis bietet daher Downloadmöglichkeiten, druckbare Fassungen, geringe Dateigrößen, mobile Nutzbarkeit, alternative Formate und lokale Unterstützungsangebote.
Unsichtbare Arbeit und Nachhaltigkeit
OER-Erstellung umfasst Recherche, Rechteklärung, Gestaltung, Review, Veröffentlichung, Metadatenpflege und Aktualisierung. Diese Arbeit bleibt in Hochschulen und Bildungseinrichtungen häufig unsichtbar. Nachhaltige OER-Strukturen benötigen Zeitbudgets, Beratung, technische Infrastruktur, Anerkennung in Leistungsbewertungen und klare Verantwortlichkeiten.
Offenheit bedeutet nicht, dass pädagogische Arbeit wertlos oder kostenlos sein muss. Finanzierung kann durch öffentliche Förderung, institutionelle Stellen, Kooperationen, Dienstleistungen oder offene Geschäftsmodelle erfolgen. Entscheidend ist, dass die Nutzungsrechte der Materialien nicht mit der Unsichtbarmachung von Arbeit verwechselt werden.
Datenschutz und Öffentlichkeit
Bei offenen Projekten können Lernprodukte dauerhaft auffindbar werden. Namen, Stimmen, Bilder, Fallgeschichten oder Standortdaten können personenbezogene Informationen enthalten. Lehrende müssen Datenschutz, Recht am eigenen Bild, Einwilligung und mögliche Folgen öffentlicher Sichtbarkeit berücksichtigen.
Eine ethisch tragfähige Praxis arbeitet mit Datensparsamkeit, informiert über Reichweite und Widerrufsmöglichkeiten und bietet gleichwertige Alternativen ohne Veröffentlichung. Besonders bei Minderjährigen, vulnerablen Gruppen und Praxisfällen sind hohe Schutzstandards erforderlich.
Künstliche Intelligenz und OER
Künstliche Intelligenz kann bei Recherche, Übersetzung, Strukturierung, Bilderstellung, Untertitelung und barrierearmer Aufbereitung unterstützen. KI-generierte Inhalte sind jedoch nicht automatisch korrekt, rechtlich unbedenklich oder offen. Trainingsdaten, Rechteketten, Halluzinationen, Verzerrungen und fehlende Quellen können die Nachnutzung erschweren.
Für OER mit KI-Unterstützung sind transparente Hinweise sinnvoll: Welches Werkzeug wurde wofür eingesetzt? Welche Teile wurden menschlich geprüft? Welche Quellen liegen den Aussagen zugrunde? Welche Lizenz gilt für die menschlich verantwortete Gesamtfassung? Welche personenbezogenen Daten wurden verarbeitet? Pädagogische Verantwortung kann nicht an ein System delegiert werden.
Kulturelle und dekoloniale Perspektiven
Offene Lizenzen ermöglichen weite Verbreitung, können aber lokale Wissensordnungen, kulturelle Protokolle und kollektive Rechte übersehen. Nicht jedes Wissen soll unabhängig vom Kontext beliebig extrahiert, remixt oder kommerzialisiert werden. Eine dekoloniale OER-Praxis respektiert die Selbstbestimmung von Gemeinschaften, benennt Herkunftskontexte und prüft, ob eine formale Offenheit kulturell angemessen ist.
Institutionelle OER-Strategien
Eine Hochschule oder Bildungseinrichtung benötigt mehr als einzelne engagierte Personen. Eine institutionelle Strategie verbindet Leitbild, Rechtsberatung, Repositorien, Bibliothek, Mediendidaktik, Barrierefreiheit, Datenschutz, Anreizsysteme, Fortbildung und Qualitätsmanagement.
Sinnvolle Bausteine sind:
- OER-Policy: klare Ziele, Zuständigkeiten und Empfehlungen für Lizenzen.
- Beratung: niedrigschwellige Unterstützung zu Recht, Didaktik, Medienproduktion und Barrierefreiheit.
- Infrastruktur: Repositorien, Versionierung, offene Formate, persistente Identifikatoren und Schnittstellen.
- Anerkennung: Berücksichtigung von OER in Lehrpreisen, Arbeitszeit, Karrierewegen und Leistungsberichten.
- Qualitätssicherung: transparente Review-Verfahren und regelmäßige Aktualisierung.
- Community: Werkstätten, offene Sprechstunden, Netzwerke und Peer-Learning.
- Forschung: Evaluation von Nutzung, Wirkung, Zugang und Nachhaltigkeit.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was kennzeichnet Open Educational Resources im Kern? (Sie sind gemeinfrei oder offen lizenziert und erlauben weitgehende Nachnutzung) (!Sie sind ausschließlich kostenlos abrufbar) (!Sie dürfen nur an Hochschulen eingesetzt werden) (!Sie bestehen immer aus digitalen Videos)
Welche Aussage beschreibt die Freiheit des Verarbeitens? (Einen Inhalt bearbeiten anpassen oder übersetzen) (!Eine unveränderte Kopie nur privat ansehen) (!Ein Material ohne Quellenangabe verkaufen) (!Eine Datei lediglich auf einem Bildschirm öffnen)
Welche Lizenz erlaubt Bearbeitungen und verlangt Namensnennung sowie gleiche Weitergabe? (CC BY-SA) (!CC BY-ND) (!CC BY-NC-ND) (!Alle Rechte vorbehalten)
Warum ist ein kostenloses Onlinevideo nicht automatisch OER? (Weil kostenlose Ansicht keine Bearbeitungsrechte garantiert) (!Weil OER niemals Videos sein dürfen) (!Weil nur gedruckte Materialien offen sein können) (!Weil kostenlose Inhalte kein Urheberrecht besitzen)
Wofür steht das Lizenzmodul ND? (Keine Bearbeitungen) (!Keine Downloads) (!Keine Didaktik) (!Keine Daten)
Was gehört zur TULLU-Regel? (Titel Urheber Lizenz Link zur Lizenz und Ursprungsort) (!Thema Unterricht Lernziel Leistung und Umfang) (!Text Untertitel Layout Länge und Upload) (!Technik Urheberrecht Lernen Lehre und Universität)
Welche Aussage zu OER-Qualität ist richtig? (Eine offene Lizenz garantiert allein noch keine fachliche Qualität) (!OER sind grundsätzlich hochwertiger als alle anderen Materialien) (!OER benötigen keine fachliche Prüfung) (!Qualität hängt nur vom Dateiformat ab)
Was ist eine erneuerbare Aufgabe? (Eine Lernaufgabe deren Ergebnis für andere weiterverwendbar sein kann) (!Eine Prüfung die jedes Semester unverändert wiederholt wird) (!Eine Aufgabe ohne Rückmeldung) (!Eine Aufgabe die nur von Lehrenden gelesen werden darf)
Welche Maßnahme unterstützt barrierearme OER? (Alternativtexte Untertitel klare Strukturen und zugängliche Formate) (!Ausschließlich kleine Schriftgrößen verwenden) (!Alle Informationen nur durch Farbe darstellen) (!Videos grundsätzlich ohne Transkript veröffentlichen)
Was ist bei studentischen OER-Projekten ethisch besonders wichtig? (Freiwillige informierte Veröffentlichung und gleichwertige Alternativen) (!Veröffentlichung aller Namen als Pflicht) (!Dauerhafte Speicherung persönlicher Daten) (!Bewertung ausschließlich nach Reichweite im Internet)
Memory
| Verwahren | Kopien speichern und kontrollieren |
| Verwenden | Inhalt in verschiedenen Kontexten einsetzen |
| Verarbeiten | Inhalt anpassen oder übersetzen |
| Vermischen | Material mit offenen Inhalten kombinieren |
| Verbreiten | Original oder Bearbeitung teilen |
| Attribution | Angemessene Namensnennung |
| ShareAlike | Weitergabe unter gleichen Bedingungen |
| Barrierefreiheit | Zugänglichkeit für unterschiedliche Bedürfnisse |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Gemeinfreiheit | Nutzung ohne urheberrechtliche Beschränkung des Werkes |
| CC BY | Namensnennung bei erlaubter Bearbeitung und Weitergabe |
| CC BY-SA | Namensnennung und Weitergabe unter gleichen Bedingungen |
| CC BY-ND | Weitergabe nur ohne veröffentlichte Bearbeitung |
| CC0 | Weitestmögliche Freigabe ohne Lizenzbedingungen |
Kreuzworträtsel
| Urheberrecht | Welches Rechtsgebiet schützt persönliche geistige Schöpfungen? |
| Attribution | Wie heißt die englische Bezeichnung für Namensnennung? |
| Barrierefreiheit | Welches Prinzip fordert zugängliche Bildungsangebote? |
| Remix | Wie heißt die kreative Verbindung mehrerer Materialien? |
| Metadaten | Welche strukturierten Angaben verbessern die Auffindbarkeit? |
| Qualität | Was muss unabhängig von der Offenheit fachlich geprüft werden? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- OER-Erkennung: Suche drei frei zugängliche pädagogische Materialien und prüfe, ob sie tatsächlich eine offene Lizenz besitzen. Dokumentiere Titel, Quelle, Lizenz und erlaubte Nutzungen.
- Lizenzvergleich: Erstelle eine übersichtliche Gegenüberstellung von CC0, CC BY, CC BY-SA und CC BY-ND. Formuliere für jede Lizenz ein pädagogisches Anwendungsbeispiel.
- TULLU-Training: Wähle zwei Bilder aus Wikimedia Commons und verfasse vollständige Lizenzhinweise nach der TULLU-Regel mit Veränderungsvermerk.
- Barrieren finden: Untersuche ein digitales Lernmaterial auf mindestens fünf mögliche Barrieren und schlage konkrete Verbesserungen vor.
Standard
- OER-Remix: Kombiniere mindestens drei kompatibel lizenzierte Materialien zu einer neuen Lernressource für ein Thema der Pädagogik. Dokumentiere alle Quellen, Bearbeitungen und Lizenzentscheidungen.
- Didaktische Analyse: Analysiere eine vorhandene OER mit einem selbst entwickelten Kriterienraster zu Fachlichkeit, Didaktik, Inklusion, Gestaltung, Recht und Technik.
- Erneuerbare Aufgabe: Entwirf eine Seminaraufgabe, deren Ergebnis von späteren Lerngruppen weiterverwendet werden kann. Plane Freiwilligkeit, Datenschutz, Feedback und Alternativen.
- OER-Interview: Führe ein Interview mit einer Lehrperson, Bibliotheksmitarbeiterin, Medienpädagogin oder einem Studierenden über Chancen und Hürden von OER und veröffentliche eine anonymisierte Auswertung.
Schwer
- Open-Pedagogy-Projekt: Plane eine vollständige Lehrveranstaltung, in der Studierende als Mitautorinnen und Mitautoren einer offenen Ressource arbeiten. Begründe Lernziele, Rollen, Review, Einwilligung und Bewertung.
- Institutionelle OER-Policy: Entwirf für eine Hochschule oder pädagogische Einrichtung eine OER-Policy mit Zuständigkeiten, Lizenzempfehlungen, Qualitätsverfahren, Anreizen und Nachhaltigkeitsmodell.
- Forschungsdesign: Entwickle eine empirische Studie zur Wirkung von OER oder Open Pedagogy. Formuliere Forschungsfrage, theoretischen Rahmen, Methode, Stichprobe, Ethik und Auswertungsstrategie.
- Dekoloniale Revision: Analysiere eine OER auf Machtverhältnisse, Repräsentation und epistemische Ausschlüsse. Überarbeite sie gemeinsam mit relevanten Perspektivträgerinnen und Perspektivträgern und dokumentiere den Prozess.


Lernkontrolle
- Fallanalyse Lizenzkonflikt: Eine Seminargruppe möchte Texte unter CC BY-SA, Bilder unter CC BY-NC und ein Video unter CC BY-ND zu einem offenen Modul kombinieren. Analysiere die Konflikte und entwickle eine rechtlich und didaktisch tragfähige Alternative.
- Transfer in die Praxis: Entwirf für eine pädagogische Einrichtung mit geringer technischer Ausstattung ein OER-Konzept, das Offline-Nutzung, Barrierefreiheit, Datenschutz und lokale Anpassbarkeit berücksichtigt.
- Abwägung Öffentlichkeit: Beurteile einen Fall, in dem Studierende für eine benotete Leistung persönliche Praxiserfahrungen öffentlich veröffentlichen sollen. Entwickle Kriterien für eine ethisch vertretbare Aufgabenstellung.
- Qualitätskonzept: Erstelle ein mehrstufiges Review-Verfahren für ein offenes Studienbuch. Begründe, welche Personen welche Qualitätsdimension prüfen und wie Rückmeldungen dokumentiert werden.
- Bildungsgerechtigkeit: Erörtere, unter welchen Bedingungen OER soziale Ungleichheit reduzieren können und wann sie neue Ausschlüsse erzeugen. Beziehe materielle, sprachliche, technische und kulturelle Faktoren ein.
- KI und Verantwortung: Entwickle Leitlinien für den Einsatz generativer KI bei der Erstellung von OER. Berücksichtige Quellenprüfung, Bias, Datenschutz, Transparenz, Autorenschaft und Lizenzierung.
- Nachhaltigkeitsstrategie: Plane, wie ein OER-Projekt nach Ende einer Förderung gepflegt, aktualisiert, finanziert und institutionell verankert werden kann.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema solltest Du zeigen, dass Du OER fachlich definieren und von kostenlosen, aber geschlossenen Materialien unterscheiden kannst. Du solltest die 5V-Freiheiten sicher auf konkrete Situationen übertragen, CC-Lizenzen lesen und begründete Lizenzentscheidungen treffen können.
Wichtig ist außerdem, dass Du einen vollständigen Lizenzhinweis formulierst, Lizenzkompatibilität bei einem Remix prüfst und Veränderungen transparent dokumentierst. Ein überzeugender Lernnachweis verbindet rechtliche Korrektheit mit didaktischer Qualität, Barrierefreiheit, Datenschutz, Repräsentationskritik und nachhaltiger Publikationspraxis.
Als Produkt eignet sich ein selbst erstelltes oder substanziell überarbeitetes OER mit:
- klarer Zielgruppe und begründeten Lernzielen,
- fachlich geprüften und belegten Inhalten,
- dokumentierten Quellen und Lizenzhinweisen,
- nachvollziehbarer didaktischer Gestaltung,
- barrierearmen Alternativen,
- Peer-Feedback und Überarbeitungsprotokoll,
- Reflexion zu Chancen, Grenzen und ethischen Entscheidungen,
- geeigneter offener Lizenz und bearbeitbarem Dateiformat.
Literatur und Quellen
- UNESCO: Recommendation on Open Educational Resources
- Deutsche UNESCO-Kommission: Open Educational Resources
- Creative Commons: About CC Licenses
- OERinfo: Die 5V-Freiheiten
- OER-Strategie des Bundes
- Hilton: Open Educational Resources and College Textbook Choices
- Tlili und weitere: Meta-Analyse zu OER und offenen Bildungspraktiken
- Clinton-Lisell: Open Pedagogy – Systematic Review
OERs zum Thema
Weiterführende offene Lernorte
- Wikimedia Commons: Freie Bilder, Grafiken, Audio- und Videodateien mit detaillierten Lizenzangaben.
- Wikibooks: Gemeinschaftlich entwickelte freie Lehrbücher und Lerntexte.
- Wikiversity: Offene Lern- und Forschungsprojekte.
- OERSI: Suchindex für offene Bildungsressourcen in der Hochschullehre.
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