Objektkunst - Kunst


Objektkunst - Kunst
Objektkunst - Kunst
Einleitung
Objektkunst macht reale Gegenstände zu Kunst. Ein Alltagsding kann ausgewählt, umbenannt, verfremdet, kombiniert oder neu präsentiert werden. Entscheidend sind nicht nur handwerkliches Können, sondern auch Idee, Kontext und Wirkung.
Leitfrage: Wann wird ein gewöhnlicher Gegenstand zum Kunstwerk?

„Fountain“ stellte 1917 den traditionellen Kunstbegriff infrage.
Lernziele
Du kannst ...
- Objektkunst von Skulptur, Ready-made, Objet trouvé, Assemblage und Installation unterscheiden.
- erklären, wie Auswahl, Kontext, Titel und Präsentation eine Bedeutung erzeugen.
- ein Objektkunstwerk mit passenden Fachbegriffen untersuchen.
- eine eigene sichere Objektarbeit planen, gestalten und reflektieren.
Was ist Objektkunst?
Die Objektkunst entwickelte sich besonders seit dem Ende der 1950er Jahre aus der Assemblage. Ihre Wurzeln liegen in Kubismus, Dadaismus, Surrealismus und den Readymades von Marcel Duchamp. Vorgefundene Dinge werden aus ihrer üblichen Funktion gelöst und erhalten einen neuen Sinn.

Ein Fundstück kann durch Auswahl, Verbindung und Präsentation als Kunst wahrgenommen werden.
Wichtige Formen
| Form | Kernidee | Typisches Vorgehen |
|---|---|---|
| Ready-made | Ein fertiger Alltagsgegenstand wird als Kunst ausgewählt. | Auswählen, benennen, präsentieren |
| Objet trouvé | Ein gefundener Alltags- oder Naturgegenstand wird künstlerisch genutzt. | Finden, deuten, integrieren |
| Assemblage | Mehrere Gegenstände und Materialien bilden ein räumliches Werk. | Sammeln, ordnen, verbinden |
| Installation | Objekte, Raum, Licht oder Klang gehören gemeinsam zum Werk. | Raum planen, Wege und Blickrichtungen gestalten |
Eine Schneeschaufel wird durch Auswahl, Titel und Ausstellungskontext zum Ready-made.
Künstlerische Entscheidungen
| Entscheidung | Leitfrage |
|---|---|
| Auswahl | Warum gerade dieses Objekt? |
| Verfremdung | Was wird verändert, verdeckt, vergrößert oder kombiniert? |
| Kontext | Was bewirkt der neue Ort? |
| Präsentation | Welche Wirkung haben Sockel, Licht, Abstand und Blickhöhe? |
| Titel | Welche neue Deutung wird angestoßen? |
| Rezeption | Wie reagieren verschiedene Betrachtende? |

Ein Traktorsitz erhält in einer neuen Konstruktion eine andere Funktion und Wirkung.
Kurzer geschichtlicher Überblick
| Zeit | Entwicklung |
|---|---|
| Anfang des 20. Jahrhunderts | Collage, Kubismus und Dadaismus öffnen die Kunst für Alltagsmaterialien. |
| 1910er Jahre | Marcel Duchamp entwickelt das Ready-made als radikale Idee. |
| 1920er und 1930er Jahre | Dadaismus und Surrealismus verbinden Dinge überraschend und traumartig. |
| Seit Ende der 1950er Jahre | Die Objektkunst entwickelt sich aus der Assemblage weiter. |
| Seit den 1960er Jahren | Werke werden größer, beweglich oder begehbar; Übergänge zu Installation, Environment und Land Art entstehen. |
| Gegenwart | Objektkunst behandelt unter anderem Konsum, Umwelt, Identität, Technik und Erinnerung. |

Der Merzbau von Kurt Schwitters erweiterte die Arbeit mit Fundmaterial in den Raum.

Robert Rauschenberg verband reale Fahrräder, Licht und Stadtraum.
Beispiele und Bildimpulse
Marcel Duchamp: Fountain
Ein industriell hergestelltes Urinal wurde 1917 unter dem Namen „R. Mutt“ eingereicht, neu benannt und als Kunst präsentiert. Das Werk wird traditionell Marcel Duchamp zugeschrieben; die Urheberschaft wird auch diskutiert. Auswahl und Kontext können wichtiger sein als handwerkliche Herstellung. Das ursprüngliche Objekt ist verschollen; Fotografien und spätere Repliken machten die Idee bekannt.

Meret Oppenheim: Object
Meret Oppenheim überzog 1936 Tasse, Untertasse und Löffel mit Pelz. Das vertraute Trinkgeschirr wirkt dadurch weich, fremd und unbrauchbar. Die Verfremdung löst widersprüchliche Vorstellungen und Gefühle aus.
Jean Tinguely: Maschinenobjekte
Jean Tinguely schuf bewegliche Maschinenplastiken. Fundteile, Bewegung, Geräusch und Zufall machen den Ablauf zum Teil des Kunstwerks.
Objektkunst im Raum
Eine Objektarbeit kann den ganzen Raum verändern. Größe, Weg, Abstand und Körpererfahrung werden dann Teil der Wahrnehmung.

So analysierst Du Objektkunst
Nutze die Reihenfolge Wahrnehmen – Beschreiben – Untersuchen – Deuten – Bewerten.
| Bereich | Fragen |
|---|---|
| Objekt und Material | Was wurde verwendet? Welche frühere Funktion hatte es? |
| Form und Oberfläche | Welche Farben, Formen, Spuren und Texturen fallen auf? |
| Anordnung und Raum | Wie liegen, stehen, hängen oder bewegen sich die Teile? |
| Veränderung | Was wurde kombiniert, verdeckt, beschädigt oder umgedeutet? |
| Titel und Kontext | Wie verändern Name und Ausstellungsort die Bedeutung? |
| Wirkung und Aussage | Welche Gefühle, Fragen oder gesellschaftlichen Themen entstehen? |
Eigene Objektkunst in der Schule
Arbeitsweg: Idee finden, sichere Gegenstände sammeln, Skizze anfertigen, Verbindung erproben, Präsentation planen, Titel wählen und Wirkung prüfen.
Sicherheit: Verwende nur saubere, stabile und erlaubte Materialien. Verzichte auf scharfe Kanten, Giftstoffe, offene Elektrik, verdorbene Lebensmittel und fremdes Eigentum. Kläre größere Aufbauten mit der Lehrkraft.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was kennzeichnet Objektkunst besonders? (Reale Gegenstände werden zum Ausgangspunkt eines Kunstwerks) (!Nur Marmor darf verwendet werden) (!Objektkunst besteht immer aus Malerei) (!Die Gegenstände müssen ihre alte Funktion behalten)
Was ist ein Ready-made? (Ein ausgewählter fertiger Alltagsgegenstand, der als Kunst präsentiert wird) (!Eine naturgetreue Zeichnung eines Gegenstands) (!Ein aus Ton modelliertes Gefäß) (!Eine digitale Farbmischung)
Was bezeichnet eine Assemblage? (Eine räumliche Zusammenfügung verschiedener Gegenstände und Materialien) (!Eine einzige Linie auf Papier) (!Eine reine Klangaufnahme) (!Eine perspektivische Landschaftsmalerei)
Welche Entscheidung verändert die Bedeutung eines Alltagsobjekts besonders? (Seine Versetzung in einen neuen Kontext) (!Seine Rückgabe an den Hersteller) (!Sein unveränderter Gebrauch im Haushalt) (!Seine genaue Preisauszeichnung)
Welcher Künstler ist eng mit dem Ready-made verbunden? (Marcel Duchamp) (!Claude Monet) (!Albrecht Dürer) (!Caspar David Friedrich)
Was bewirkt Verfremdung? (Ein vertrauter Gegenstand erscheint ungewohnt) (!Ein Gegenstand bleibt sicher unsichtbar) (!Ein Werk verliert immer seinen Titel) (!Ein Material erhält automatisch seine alte Funktion zurück)
Welche Rolle kann ein Titel spielen? (Er lenkt die Deutung des Objekts) (!Er bestimmt das Gewicht des Objekts) (!Er ersetzt immer das Kunstwerk) (!Er verhindert jede unterschiedliche Meinung)
Was gehört zu einer sachlichen Werkanalyse? (Material, Anordnung, Kontext und Wirkung untersuchen) (!Nur den Geldwert schätzen) (!Nur die Lieblingsfarbe nennen) (!Nur das Herstellungsjahr auswendig lernen)
Warum ist eine Installation raumbezogen? (Der Ausstellungsraum gehört zur Wirkung des Werks) (!Sie darf nur im Freien stehen) (!Sie besteht immer aus einem einzigen Bild) (!Sie kann nicht betrachtet werden)
Welche Materialwahl ist für ein Schulprojekt geeignet? (Saubere und stabile Fundstücke ohne Verletzungsgefahr) (!Scharfe Glasscherben ohne Schutz) (!Unbekannte Chemikalien) (!Fremde Gegenstände ohne Erlaubnis)
Memory
| Ready-made | Fertiger Alltagsgegenstand als Kunst |
| Objet trouvé | Gefundener Gegenstand |
| Assemblage | Räumliche Zusammenfügung |
| Kontext | Bedeutungsgebende Umgebung |
| Verfremdung | Ungewohnte Veränderung |
| Sockel | Hervorhebende Präsentationsfläche |
| Installation | Raumbezogenes Kunstwerk |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Arbeitsschritt |
|---|---|
| Auswahl | Einen passenden Gegenstand bewusst bestimmen |
| Verfremdung | Eine vertraute Funktion sichtbar verändern |
| Kombination | Mehrere Dinge zu einem neuen Zusammenhang verbinden |
| Präsentation | Ort, Sockel, Licht und Abstand planen |
| Titel | Eine mögliche Deutung anregen |
Kreuzworträtsel
| Readymade | Wie heißt ein fertiger Alltagsgegenstand, der als Kunst präsentiert wird? |
| Assemblage | Wie heißt eine räumliche Zusammenfügung mehrerer Dinge? |
| Duchamp | Welcher Nachname gehört zu dem Künstler, der das Ready-made bekannt machte? |
| Kontext | Welcher Begriff bezeichnet die bedeutungsgebende Umgebung? |
| Sockel | Worauf kann ein Objekt hervorgehoben präsentiert werden? |
| Verfremdung | Wie heißt das Ungewohntmachen eines vertrauten Gegenstands? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Objektporträt: Wähle einen ungefährlichen Alltagsgegenstand und zeichne ihn aus drei Blickrichtungen.
- Neuer Titel: Fotografiere einen Gegenstand in ungewohnter Lage, gib ihm einen neuen Titel und erkläre die Wirkung in drei Sätzen.
- Materialsammlung: Sammle saubere Verpackungen oder Fundstücke und ordne sie nach Oberfläche, Form oder Farbe.
- Minimuseum: Präsentiere einen Gegenstand auf einem selbst gebauten Sockel und ergänze ein kurzes Museumsschild.
Standard
- Ready-made: Wähle einen Gegenstand, entwickle eine klare Aussage und begründe Ort, Titel und Präsentation.
- Assemblage: Verbinde mindestens drei sichere Fundstücke zu einer neuen Figur, Maschine oder Zeichenform.
- Verfremdung: Verändere einen Alltagsgegenstand durch Umhüllen, Wiederholen oder Umfärben und dokumentiere Vorher und Nachher.
- Kuration: Plant in einer Gruppe eine kleine Klassenausstellung mit Reihenfolge, Abständen, Beschriftungen und Rundgang.
Schwer
- Gesellschaftskritische Kunst: Entwickle ein Objektkunstwerk zu Konsum, Umwelt, Identität oder digitalem Alltag und erläutere Deine Bildidee.
- Rauminstallation: Entwirf ein begehbares Werk als Modell und zeige Wege, Licht, Maßstab und Blickrichtungen.
- Interview: Befrage eine kunstschaffende oder museumspädagogische Person zur Arbeit mit Gegenständen und werte die Antworten aus.
- Prozessvideo: Produziere ein kurzes Video über die Verwandlung eines Alltagsobjekts und stelle darin die Frage „Wann wird etwas zu Kunst?“.


Lernkontrolle
- Kontextwechsel: Vergleiche denselben Stuhl im Klassenraum, auf einem Sockel und in einer dunklen Installation. Erkläre, wie sich Bedeutung und Wahrnehmung verändern.
- Kriteriengeleitetes Urteil: Beurteile ein unbekanntes Fundobjekt als mögliches Kunstwerk. Nutze mindestens vier Kriterien und formuliere ein begründetes Urteil.
- Wirkungsanalyse: Untersuche, wie Material, Größe, Anordnung, Titel und Raum gemeinsam eine Aussage erzeugen.
- Transferaufgabe: Entwickle aus einem ausgedienten Gegenstand eine Arbeit zu einem aktuellen Schulthema. Begründe jede gestalterische Entscheidung.
- Perspektivwechsel: Schreibe zwei gegensätzliche Deutungen desselben Objektkunstwerks und zeige, welche Beobachtungen beide stützen.
- Ausstellungskonzept: Kuratiere drei sehr unterschiedliche Gegenstände zu einer gemeinsamen Aussage und entwirf Titel, Reihenfolge und Wandtext.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis sind wichtig:
- sichere Verwendung der Fachbegriffe Objektkunst, Ready-made, Objet trouvé, Assemblage, Verfremdung, Kontext und Installation
- nachvollziehbare Beschreibung und Analyse eines Objektkunstwerks
- eine eigene gestalterische Idee mit begründeter Material- und Ortswahl
- Dokumentation von Skizze, Erprobung, Aufbau und Ergebnis
- Reflexion über Wirkung, Aussage, Sicherheit und Verbesserungsmöglichkeiten
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