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Niko Kovač und der FC Bayern

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Niko Kovač und der FC Bayern




Einleitung

Der FC Bayern München erlebte zwischen Sommer 2018 und Herbst 2019 eine kurze, aber bemerkenswerte Trainerphase unter Niko Kovač. Sie verbindet sportlichen Erfolg mit taktischen Spannungen: In seiner ersten Saison gewann Kovač mit Bayern 2019 das nationale Double aus Deutscher Meisterschaft und DFB-Pokal, obwohl die Mannschaft zwischenzeitlich deutlich hinter Borussia Dortmund lag. Gleichzeitig blieb die Frage offen, ob Bayerns Spiel mit Ball, das Pressing und die Absicherung nach Ballverlusten bereits stabil genug für die höchsten internationalen Ansprüche waren.

Dieser aiMOOC untersucht deshalb nicht nur Ergebnisse und Titel. Du lernst, wie sich Bayerns Spiel unter Kovač entwickelte, warum bestimmte Partien als taktische Wendepunkte gelten können und weshalb der Wechsel zu Hansi Flick im November 2019 mehr war als ein bloßer Austausch des Cheftrainers. Im Mittelpunkt stehen die Zusammenhänge zwischen Fußballtaktik, Kaderrollen, Pressinghöhe, Kompaktheit, Ballbesitz, Übergangsspiel und Trainerentscheidungen.

Kovač kannte den FC Bayern bereits aus seiner Spielerzeit. Als Trainer kam er 2018 ausgerechnet von Eintracht Frankfurt, mit der er im DFB-Pokalfinale 2018 Bayern besiegt hatte. Ein Jahr später gewann er denselben Wettbewerb mit den Münchnern. Damit bildet seine Amtszeit ein besonders geeignetes Beispiel dafür, wie sportlicher Erfolg und taktische Kritik gleichzeitig bestehen können.


Lernziele

Nach diesem aiMOOC kannst Du die Amtszeit von Niko Kovač beim FC Bayern historisch einordnen, das Double 2019 erklären und zentrale taktische Entwicklungen beschreiben. Du sollst außerdem Ergebnisse von Spielweisen unterscheiden können und beurteilen, warum Hansi Flick nach seiner Übernahme zunächst mit ähnlichem Personal, aber veränderten Abständen, Rollen und Pressingmechanismen eine andere Dynamik erzeugte.

  1. Sportgeschichte: Du kannst die wichtigsten Stationen von Kovačs Bayern-Amtszeit in eine sinnvolle Reihenfolge bringen.
  2. Fußballtaktik: Du kannst Grundordnungen wie 4-2-3-1 und 4-3-3 von tatsächlichen Bewegungsmustern im Spiel unterscheiden.
  3. Pressing: Du kannst erklären, warum Pressinghöhe allein noch kein gutes Pressing garantiert.
  4. Spielanalyse: Du kannst Bayerns Entwicklung anhand von Schlüsselspielen untersuchen.
  5. Quellenkritik: Du kannst Ergebnis, journalistische Bewertung und taktische Interpretation voneinander trennen.


Vom Pokalsieger gegen Bayern zum Bayern-Trainer

Niko Kovač übernahm den FC Bayern zur Saison 2018/19 von Jupp Heynckes. Seine Verpflichtung war ungewöhnlich aufgeladen: Nur wenige Wochen zuvor hatte er Eintracht Frankfurt im DFB-Pokalfinale 2018 zu einem 3:1 gegen Bayern geführt. Kovač galt als Trainer, dessen Frankfurter Mannschaften intensiv, kompakt und konterstark auftreten konnten. In München waren die Anforderungen jedoch anders. Bayern musste in vielen Bundesliga-Spielen selbst das Spiel machen, gegen tief verteidigende Gegner Lösungen finden und gleichzeitig in der UEFA Champions League auf höchstem Niveau bestehen.

Sein erstes Pflichtspiel verlief ideal. Im DFL-Supercup 2018 gewann Bayern 5:0 gegen Eintracht Frankfurt. Dieser Titel gehört allerdings nicht zum klassischen Double. Mit dem Double ist im deutschen Vereinsfußball die Kombination aus Meisterschaft und DFB-Pokal in derselben Saison gemeint.

Die Saison begann in der Bundesliga ebenfalls mit vier Siegen. Danach wurde das Bild unruhiger. Bayern verlor Punkte gegen Gegner, die kompakt verteidigten, und wirkte im eigenen Ballbesitz phasenweise weniger klar als in früheren Jahren. Gleichzeitig blieb die individuelle Qualität des Kaders hoch. Diese Spannung zwischen Qualität, Ergebnissen und struktureller Stabilität prägte die gesamte Kovač-Zeit.


Die Saison 2018/19: Krise, Aufholjagd und Meisterschaft


Der schwierige Herbst

Im Herbst 2018 geriet Bayern in eine Phase mit mehreren Punktverlusten. Nach 15 Bundesliga-Spieltagen lag die Mannschaft neun Punkte hinter Borussia Dortmund. Zur Winterpause betrug der Rückstand noch sechs Punkte. Für einen Verein, der die vorherigen sechs Meisterschaften in Folge gewonnen hatte, entstand dadurch erheblicher Druck.

Wichtig ist dabei, die Situation nicht nur mit einem einzelnen taktischen Fehler zu erklären. Mehrere Faktoren wirkten zusammen: Verletzungen und Formschwankungen, die Alterung wichtiger Flügelspieler, die Integration von Serge Gnabry und Leon Goretzka, wechselnde Mittelfeldbesetzungen sowie die Frage, wie schnell Kovač seine eher auf Kompaktheit und Umschalten ausgerichteten Trainerideen an Bayerns dominante Ballbesitzrolle anpassen konnte.


Verbesserungen im Ballbesitz

Im Verlauf der Hinrunde waren Fortschritte erkennbar. Spieler besetzten Zwischenräume bewusster, Flügelspieler rückten häufiger diagonal ein und Thomas Müller, Goretzka oder Gnabry tauschten situativ ihre Positionen. Robert Lewandowski ließ sich teilweise in den Halbraum fallen, um Verbindungen zwischen Mittelfeld und Angriff herzustellen.

Diese Entwicklung zeigt einen wichtigen Grundsatz der Fußballtaktik: Eine Formation auf dem Papier sagt wenig darüber aus, wie eine Mannschaft tatsächlich angreift. Ein 4-2-3-1 kann im Ballbesitz sehr unterschiedlich aussehen, je nachdem, wie hoch die Außenverteidiger stehen, ob Flügelspieler breit bleiben oder einrücken und welche Spieler die Halbräume besetzen.


Die Aufholjagd

Nach der schwächeren Phase gewann Bayern wieder deutlich konstanter. Im Frühjahr 2019 entwickelte sich ein enges Titelrennen mit Borussia Dortmund. Am 9. März 2019 brachte ein 6:0 gegen den VfL Wolfsburg Bayern aufgrund der besseren Tordifferenz wieder an die Tabellenspitze. Besonders wichtig wurde anschließend das direkte Duell mit Dortmund.


Das 5:0 gegen Borussia Dortmund

Am 6. April 2019 gewann Bayern in München 5:0 gegen Borussia Dortmund und übernahm mit einem Punkt Vorsprung wieder die Tabellenführung. Kovač setzte in diesem Spitzenspiel unter anderem auf Javi Martínez und Thiago Alcântara im Zentrum. Bayern spielte druckvoll, eroberte Bälle früh und nutzte Fehler im Dortmunder Aufbau konsequent.

Das Spiel ist für die taktische Bewertung interessant, weil es zeigt, dass Kovačs Bayern sehr wohl dominant pressen und ein Spitzenteam kontrollieren konnte. Die zentrale Kritik an seiner Amtszeit lautet deshalb nicht, dass solche Mechanismen nie vorhanden waren. Entscheidend war vielmehr, dass sie nicht in jeder Partie mit derselben Klarheit, Kompaktheit und Konsequenz funktionierten.


Taktische Entwicklung unter Niko Kovač


Grundordnungen und Rollen

Kovač nutzte häufig Varianten eines 4-2-3-1 oder 4-3-3. Die Grundordnung war jedoch nur der Ausgangspunkt. Joshua Kimmich spielte überwiegend als Rechtsverteidiger, konnte aber auch ins Mittelfeld rücken. Thiago war für den Spielaufbau zentral, während Martínez vor allem in bestimmten Spitzenspielen zusätzliche defensive Stabilität gab. Auf den Flügeln sorgten Gnabry, Kingsley Coman, Franck Ribéry und Arjen Robben für Breite und Dribblings.

Ein wiederkehrendes Muster war die starke Nutzung der Außenbahnen. Bayern versuchte, Gegner auseinanderzuziehen und über Flügelkombinationen, Überlappungen der Außenverteidiger sowie Flanken und Rückpässe in den Strafraum zu Chancen zu kommen.


Stärken gegen den Ball

Kovač brachte aus Frankfurt Erfahrung mit kompakter Defensivorganisation und Umschaltmomenten mit. In einzelnen Spielen konnte Bayern gegnerische Aufbauspieler sehr gezielt zustellen. Besonders deutlich wurde das im Champions-League-Achtelfinalhinspiel beim FC Liverpool im Februar 2019. Bayern verteidigte vorsichtig, schloss zentrale Räume und erreichte an der Anfield Road ein 0:0.

Diese Herangehensweise zeigte Kovačs Fähigkeit, einen defensiven Matchplan für einen starken Gegner zu entwickeln. Gleichzeitig machte sie den grundsätzlichen Zielkonflikt sichtbar: Der FC Bayern erwartet traditionell nicht nur Ergebnisstabilität, sondern auch aktive Spielkontrolle und eine hohe eigene Dominanz.


Probleme gegen tiefe Gegner

Gegen tief stehende Mannschaften entstanden häufiger Schwierigkeiten. Wenn die Halbräume nicht ausreichend besetzt waren und die Abstände zwischen den offensiven Spielern zu groß wurden, konnte der Gegner Bayerns Angriffe leichter nach außen lenken. Dann wurden viele Angriffe über Flanken oder Einzelaktionen abgeschlossen, ohne dass genügend kurze Verbindungen im Zentrum vorhanden waren.

Auch das Gegenpressing hing von diesen Abständen ab. Stehen Spieler nach einem Ballverlust weit auseinander, kann die Mannschaft den Ballführenden schlechter gemeinsam unter Druck setzen. Ein hohes Positionsspiel muss deshalb immer mit einer guten Restverteidigung verbunden werden.


Das Champions-League-Aus als Kontrast

Nach dem 0:0 in Liverpool verlor Bayern das Rückspiel in München 1:3. Das Achtelfinal-Aus wurde zu einem Gegenbild der national erfolgreichen Saison. Während Bayern in Deutschland die Meisterschaft wieder an sich zog, zeigte das Duell mit dem späteren Champions-League-Sieger Liverpool Grenzen im internationalen Vergleich.

Für Deine Analyse ist wichtig: Ein Ausscheiden beweist nicht automatisch, dass eine Taktik grundsätzlich falsch war. Es zeigt aber, welche Anforderungen ein Gegner stellt und ob eine Mannschaft mehrere Spielphasen kontrollieren kann. Genau diese Frage wurde im Frühjahr 2019 intensiv diskutiert.


Das Double 2019


Die Deutsche Meisterschaft

Am letzten Bundesliga-Spieltag musste Bayern die Meisterschaft noch sichern. Am 18. Mai 2019 gewann die Mannschaft 5:1 gegen Eintracht Frankfurt. Damit beendete Bayern die Saison mit 78 Punkten vor Borussia Dortmund mit 76 Punkten.

Besonders emotional war das Spiel auch deshalb, weil Robben, Ribéry und Rafinha vor heimischem Publikum verabschiedet wurden. Ribéry und Robben erzielten beim 5:1 jeweils ein Tor. Sportlich bedeutete der Sieg die siebte deutsche Meisterschaft des FC Bayern in Folge.

Das Video zeigt die offizielle Pressekonferenz des FC Bayern nach dem entscheidenden Meisterschaftsspiel. Achte beim Anschauen darauf, wie Trainer über Ergebnis, Druck und Saisonverlauf sprechen und welche Aussagen eher sportlich-taktisch oder eher emotional geprägt sind.


Der DFB-Pokal

Eine Woche nach der Meisterschaft stand Bayern im Berliner Olympiastadion im DFB-Pokalfinale gegen RB Leipzig. Kovač setzte auf eine 4-2-3-1-nahe Ordnung mit Martínez und Thiago im zentralen Mittelfeld, Müller hinter Lewandowski sowie Gnabry und Coman auf den Flügeln.

Die Aufstellungsgrafik verdeutlicht die Ausgangspositionen beider Mannschaften im Pokalfinale. Sie darf nicht mit den tatsächlichen Laufwegen verwechselt werden: Im Spiel bewegten sich die Akteure ständig aus diesen Positionen heraus.

Leipzig begann mit aggressivem Pressing und kam früh zu Chancen. Manuel Neuer verhinderte einen Rückstand. In der 29. Minute traf Lewandowski per Kopf zum 1:0. Nach der Pause blieb Leipzig gefährlich, doch Coman erhöhte in der 78. Minute. Lewandowski erzielte in der 85. Minute das 3:0. Bayern gewann damit das DFB-Pokalfinale und machte das Double perfekt.

In der offiziellen Pressekonferenz nach dem Finale sprechen Niko Kovač und Ralf Rangnick über das Spiel. Für eine taktische Auswertung kannst Du ihre Aussagen mit dem tatsächlichen Spielverlauf vergleichen: Welche Probleme benennen sie, welche Stärken heben sie hervor und welche Perspektive eines Trainers unterscheidet sich von einer neutralen Spielanalyse?


Warum das Double die taktischen Fragen nicht beendete

Titel sind im Leistungssport das wichtigste sichtbare Ergebnis. Trotzdem beantwortet ein Titel nicht jede taktische Frage. Kovač hatte 2018/19 bewiesen, dass seine Mannschaft unter Druck reagieren, eine große Punktedifferenz aufholen und entscheidende Spiele gewinnen konnte. Gleichzeitig blieben in manchen Partien Probleme beim Besetzen der Zwischenräume, in der Absicherung und in der Konstanz des Pressings erkennbar.

Diese Gleichzeitigkeit ist für eine faire Bewertung entscheidend. Es wäre zu einfach, Kovač nur über das Double als uneingeschränkt erfolgreich oder nur über taktische Probleme als gescheitert zu beschreiben. Eine differenzierte Analyse trennt mindestens drei Ebenen: Ergebnis, Spielweise und langfristige Entwicklung.


Die Saison 2019/20: Vom Double zur Krise

Im Sommer 2019 veränderte sich Bayerns Kader. Robben und Ribéry hatten den Verein verlassen. Gleichzeitig kamen unter anderem Benjamin Pavard, Lucas Hernández, Ivan Perišić und Philippe Coutinho. Bereits im Juli 2019 stieß Hansi Flick als Co-Trainer zum Trainerteam von Niko Kovač.

Diese Konstellation ist für den späteren Übergang wichtig. Flick kam nicht von außen als völlig neuer Beobachter, sondern kannte die Mannschaft, Trainingsarbeit und internen Abläufe bereits aus mehreren Monaten gemeinsamer Arbeit.

Sportlich verlief der Saisonstart wechselhaft. Bayern zeigte gute Phasen, verlor aber wiederholt Kontrolle. Besonders problematisch waren Abstände zwischen Angriff und Abwehr sowie die Absicherung nach Ballverlusten. Am 2. November 2019 verlor Bayern 1:5 bei Eintracht Frankfurt. Dabei spielte die Mannschaft nach einer Roten Karte gegen Jérôme Boateng ab der 9. Minute lange in Unterzahl. Das Ergebnis darf deshalb nicht isoliert als reines Taktikurteil gelesen werden.

Trotzdem wurde die Niederlage zum unmittelbaren Wendepunkt. Am 3. November 2019 trennten sich Verein und Niko Kovač einvernehmlich. Nach zehn Bundesliga-Spieltagen hatte Bayern 18 Punkte und stand auf Rang vier.


Der Übergang zu Hansi Flick

Hansi Flick übernahm zunächst interimistisch. Schon seine ersten Spiele zeigten sichtbare Veränderungen. Am 6. November gewann Bayern in der Champions League 2:0 gegen Olympiakos Piräus. Drei Tage später folgte ein 4:0 gegen Borussia Dortmund. Danach gewann Bayern auch 4:0 bei Fortuna Düsseldorf. In den ersten drei Pflichtspielen unter Flick blieb die Mannschaft ohne Gegentor.

Dieses offizielle FC-Bayern-Video entstand unmittelbar vor Flicks erstem Spiel als verantwortlicher Trainer. Es dokumentiert den Übergang aus der Perspektive des Vereins und eignet sich deshalb besonders für eine Quellenanalyse: Was zeigt der Verein, welche Stimmung wird vermittelt und welche taktischen Informationen bleiben offen?


Aggressiveres Pressing

Unter Flick wurde das Pressing unmittelbar konsequenter. Die vorderste Linie setzte den gegnerischen Aufbau früher unter Druck, während Mittelfeld und Abwehr entschlossener nachschoben. Dadurch verkürzten sich die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen.

Das ist taktisch entscheidend: Ein Stürmer kann noch so aggressiv anlaufen. Wenn das Mittelfeld nicht nachrückt, entstehen hinter ihm Räume. Erst durch abgestimmtes Nachschieben wird aus individuellem Anlaufen ein kollektives Pressing.


Höhere Abwehrlinie und kürzere Wege

Bayern verteidigte nun häufiger mit einer höheren letzten Linie. Dadurch wurde das Spielfeld für den Gegner enger, und nach Ballverlusten waren mehr Bayern-Spieler in der Nähe des Balls. Das verbesserte das Gegenpressing.

Eine hohe Abwehrlinie bringt jedoch Risiken mit sich. Wird das Pressing überspielt, liegt hinter den Innenverteidigern viel Raum. Flicks Ansatz funktionierte deshalb besonders gut, wenn das Nachrücken gemeinsam erfolgte und schnelle Verteidiger sowie Manuel Neuer als mitspielender Torwart Tiefe absichern konnten.


Kimmich, Alaba, Davies und Müller

Flick stabilisierte bestimmte Rollen. Joshua Kimmich wurde zunehmend im zentralen Mittelfeld eingesetzt und konnte von dort das Spiel lenken. David Alaba rückte aufgrund der personellen Situation in die Innenverteidigung, während der schnelle Alphonso Davies sich als Linksverteidiger etablierte. Thomas Müller erhielt wieder eine zentrale Rolle hinter oder neben Lewandowski.

Diese Veränderungen entstanden nicht vollständig am ersten Tag. Einige waren unter Kovač bereits ausprobiert worden. Unter Flick wurden sie jedoch zu einem immer klareren Gesamtmodell verbunden.


Vom 4-2-3-1 zur dynamischen Angriffsstruktur

Auf dem Mannschaftsbogen blieb häufig ein 4-2-3-1 zu erkennen. Im Ballbesitz sah Bayern jedoch zunehmend anders aus. Die Außenverteidiger rückten hoch, Mittelfeldspieler sicherten dahinter ab und mehrere Offensivspieler besetzten gleichzeitig die letzte Linie und die Halbräume. Im weiteren Verlauf der Saison entstand dadurch oft eine 2-3-5- oder 3-2-5-artige Angriffsstruktur.

Das zeigt erneut: Moderne Fußballtaktik lässt sich nicht sinnvoll nur über eine starre Zahlenfolge erklären. Entscheidend sind Staffelung, Abstände, Rollen und Bewegungen.

Die Pressekonferenz nach Flicks 4:0 gegen Dortmund ist ein sinnvoller Vergleich mit Kovačs 5:0 gegen denselben Gegner im April 2019. Beide Spiele waren hohe Bayern-Siege, aber sie fanden in unterschiedlichen taktischen und psychologischen Situationen statt.


Kovač und Flick im taktischen Vergleich

Die folgende Tabelle beschreibt Tendenzen. Sie darf nicht als Behauptung verstanden werden, dass jeder Spielzug unter Kovač oder Flick genau diesem Muster folgte.

Bereich Tendenz unter Niko Kovač Tendenz nach der Übernahme durch Hansi Flick
Grundordnung Häufig 4-2-3-1 oder 4-3-3 mit wechselnder Rollenverteilung Häufig 4-2-3-1 als Ausgangsordnung, aber klarere dynamische Staffelungen
Pressing Phasenweise hoch und wirksam, aber nicht durchgehend gleich konsequent Früheres Anlaufen und entschlosseneres kollektives Nachrücken
Vertikale Abstände In problematischen Phasen größere Lücken zwischen den Mannschaftsteilen Tendenziell kürzere Abstände zwischen Angriff, Mittelfeld und Abwehr
Ballbesitz Starker Flügelfokus, teils wechselhafte Halbraumbesetzung Mehr gleichzeitige Besetzung von Breite, Halbräumen und letzter Linie
Gegenpressing Stark abhängig von der jeweiligen Staffelung Durch kompaktere Positionierung häufiger sofortiger Zugriff nach Ballverlusten
Kimmich Meist Rechtsverteidiger, punktuell im Zentrum Zunehmend zentrale Schaltstelle im Mittelfeld
Müller Rolle und Einsatzzeit schwankten Wieder stärker als zentraler Verbindungsspieler eingebunden
Risiko Teilweise vorsichtigere Matchpläne gegen sehr starke Gegner Höhere Linie und aggressiveres Pressing mit größerem Raum im Rücken


Kontinuität statt vollständiger Bruch

Der Übergang von Kovač zu Flick wird manchmal wie ein kompletter taktischer Neustart dargestellt. Das greift zu kurz. Flick hatte bereits seit Juli 2019 im Trainerstab gearbeitet. Viele Spieler, Grundordnungen und Trainingsinhalte waren ihm vertraut. Auch unter Kovač hatte Bayern bereits gute Pressingphasen, hohes Gegenpressing und dominante Ballbesitzspiele gezeigt.

Der Unterschied lag vor allem in der Konsequenz der Ausführung, in kürzeren Abständen, klareren Rollen und einer aggressiveren kollektiven Vorwärtsverteidigung. Flick verband vorhandene Qualitäten zu einem stabileren Gesamtmodell. Gerade deshalb ist dieser Trainerwechsel für die Taktikanalyse interessant: Nicht immer braucht eine Mannschaft völlig neue Ideen. Manchmal verändert eine präzisere Organisation die Wirkung bereits bekannter Prinzipien.


Zeitleiste

Zeitpunkt Ereignis Bedeutung
Sommer 2018 Niko Kovač übernimmt den FC Bayern Wechsel von Eintracht Frankfurt zum deutschen Rekordmeister
August 2018 5:0 im DFL-Supercup gegen Frankfurt Erster Pflichtspieltitel unter Kovač
Nach 15 Bundesliga-Spieltagen 2018/19 Bayern liegt neun Punkte hinter Dortmund Höhepunkt der sportlichen Krise im Titelrennen
März 2019 6:0 gegen Wolfsburg Bayern kehrt an die Tabellenspitze zurück
April 2019 5:0 gegen Borussia Dortmund Schlüsselspiel im Meisterschaftskampf
Mai 2019 5:1 gegen Eintracht Frankfurt Meisterschaft mit 78 Punkten gesichert
Mai 2019 3:0 gegen RB Leipzig DFB-Pokalsieg und Double
Juli 2019 Hansi Flick wird Co-Trainer Beginn der später wichtigen personellen Kontinuität
November 2019 1:5 bei Eintracht Frankfurt Letztes Spiel unter Kovač
November 2019 Flick übernimmt interimistisch Beginn einer veränderten Pressing- und Kompaktheitsphase


Wie Du taktische Aussagen bewertest

Taktikanalyse ist keine reine Sammlung von Zahlen. Zwei Beobachter können denselben Spielzug unterschiedlich beschreiben. Deshalb solltest Du zwischen überprüfbaren Fakten und Interpretation unterscheiden.

Ein Ergebnis wie 5:0 ist ein Fakt. Die Aussage, eine Mannschaft habe „perfektes Pressing“ gespielt, ist bereits eine Bewertung. Prüfe deshalb, welche Spielszenen als Belege dienen. Achte auf Abstände zwischen den Linien, Pressingauslöser, Laufwege, Stellung der Außenverteidiger, Restverteidigung und das Verhalten unmittelbar nach Ballverlust.

Die in diesem aiMOOC verwendete Einordnung stützt sich auf offizielle Spielberichte von FC Bayern und Bundesliga, historische Vereinsangaben, UEFA-Hintergrundmaterial sowie taktische Analysen. Gerade bei taktischen Begriffen werden keine starren Wahrheiten behauptet, sondern wiederkehrende Muster beschrieben.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welche beiden Titel bilden das Double des FC Bayern 2019? (Deutsche Meisterschaft und DFB-Pokal) (!DFL-Supercup und Champions League) (!Bundesliga und Europa League) (!DFB-Pokal und Klub-Weltmeisterschaft)




Gegen welchen Verein gewann Bayern das DFB-Pokalfinale 2019? (RB Leipzig) (!Eintracht Frankfurt) (!Borussia Dortmund) (!Werder Bremen)




Wie endete das DFB-Pokalfinale 2019 aus Sicht des FC Bayern? (3 zu 0) (!1 zu 0) (!2 zu 1) (!4 zu 2)




Mit wie vielen Punkten beendete Bayern die Bundesliga-Saison 2018/19? (78) (!76) (!82) (!84)




Welches Ergebnis erzielte Bayern im April 2019 gegen Borussia Dortmund? (5 zu 0) (!1 zu 1) (!2 zu 3) (!3 zu 2)




Welche taktische Schwierigkeit trat unter Kovač in problematischen Ballbesitzphasen auf? (Zu große Abstände und schwache Besetzung von Zwischenräumen) (!Vollständiger Verzicht auf Flügelspieler) (!Dauerhafte Dreierkette in jedem Spiel) (!Ausschließliche Manndeckung über das ganze Feld)




Was änderte sich nach Flicks Übernahme besonders sichtbar? (Das Pressing wurde aggressiver und das Nachrücken konsequenter) (!Bayern stellte das Pressing vollständig ein) (!Bayern spielte ohne Außenverteidiger) (!Lewandowski wurde dauerhaft ins defensive Mittelfeld versetzt)




Welche Rolle hatte Hansi Flick vor seiner Übernahme als Cheftrainer? (Co-Trainer von Niko Kovač) (!Sportdirektor des FC Bayern) (!Trainer von Borussia Dortmund) (!Torwarttrainer von Eintracht Frankfurt)




Welches Spiel war das letzte unter Niko Kovač? (Die 1 zu 5 Niederlage bei Eintracht Frankfurt) (!Das 3 zu 0 gegen RB Leipzig) (!Das 5 zu 0 gegen Borussia Dortmund) (!Das 2 zu 0 gegen Olympiakos Piräus)




Warum war der Übergang von Kovač zu Flick kein vollständiger taktischer Neuanfang? (Flick kannte Mannschaft und Abläufe bereits aus dem Trainerstab) (!Der gesamte Kader wurde gleichzeitig ausgetauscht) (!Kovač blieb nach dem Wechsel Cheftrainer) (!Flick übernahm erst mehrere Jahre später)





Memory

Double 2019 Meisterschaft und DFB-Pokal
Niko Kovač Cheftrainer bis November 2019
Hansi Flick Co-Trainer und später Interimstrainer
RB Leipzig Pokalfinalgegner
Gegenpressing Balljagd direkt nach Ballverlust
Vertikale Kompaktheit Kurze Abstände zwischen Mannschaftsteilen
Olympiastadion Berlin Austragungsort des Pokalfinales





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Hohes Pressing Frühe Störung des gegnerischen Spielaufbaus
Gegenpressing Sofortiger Zugriff nach eigenem Ballverlust
Halbraum Raum zwischen Zentrum und Außenbahn
Breitenstaffelung Auseinanderziehen der gegnerischen Defensive
Hohe Abwehrlinie Verkürzung des bespielten Feldes für das eigene Pressing






Kreuzworträtsel

Kovac Welcher Trainer gewann mit Bayern das Double 2019?
Leipzig Gegen welchen Verein gewann Bayern das Pokalfinale?
Pressing Wie heißt das organisierte Unter-Druck-Setzen des gegnerischen Ballbesitzes?
Flick Wer übernahm im November 2019 zunächst interimistisch?
Berlin In welcher Stadt fand das Pokalfinale statt?
Kompaktheit Wie heißt das taktische Prinzip kurzer Abstände zwischen den Mannschaftsteilen?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Niko Kovač übernahm den FC Bayern zur Saison 2018/19 von

.
In der Bundesliga lag Bayern nach 15 Spieltagen neun Punkte hinter

.
Am Ende der Saison 2018/19 erreichte Bayern

.
Das DFB-Pokalfinale gewann Bayern gegen

.
Das Endspiel fand im Berliner

statt.
Eine wichtige taktische Stärke Kovačs lag in der Organisation von

.
Problematisch waren phasenweise zu große Abstände und eine schwache Besetzung der

.
Hansi Flick arbeitete ab Juli 2019 zunächst als

.
Nach Flicks Übernahme wurde das Pressing deutlich

.
Ein zentraler Spieler im Mittelfeld unter Flick wurde zunehmend

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Zeitleiste: Gestalte eine eigene Zeitleiste von Kovačs Amtsantritt bis zu Flicks ersten drei Spielen als verantwortlicher Trainer. Markiere sportliche und taktische Wendepunkte unterschiedlich.
  2. Spielbericht: Schreibe einen kurzen neutralen Spielbericht zum 5:0 gegen Borussia Dortmund im April 2019 und trenne Beobachtungen von Bewertungen.
  3. Fußballformation: Zeichne die Startformation des Pokalfinales 2019 und ergänze mit Pfeilen mögliche Laufwege von Außenverteidigern, Flügelspielern und Thomas Müller.
  4. Quellenkritik: Vergleiche die beiden eingebetteten Pressekonferenzen zum Meisterschafts- und Pokalsieg. Notiere, welche Aussagen Fakten, Emotionen oder taktische Deutungen enthalten.


Standard

  1. Pressing: Analysiere fünf Spielszenen aus einem frei zugänglichen Video und beschreibe jeweils, wer den Pressingimpuls gibt und welche Spieler nachrücken.
  2. Halbraum: Erstelle eine Grafik, die Zentrum, Halbräume und Außenbahnen zeigt. Trage ein, welche Bayern-Spieler diese Räume unter Kovač typischerweise besetzen konnten.
  3. Trainerwechsel: Schreibe einen Vergleichstext darüber, welche Veränderungen Flick sofort vornahm und welche Entwicklungen erst im weiteren Saisonverlauf sichtbar wurden.
  4. Taktikanalyse: Untersuche das 5:0 unter Kovač und das 4:0 unter Flick gegen Borussia Dortmund. Vergleiche Pressinghöhe, Abstände, Ballgewinne und Rollen im Mittelfeld.


Schwer

  1. Restverteidigung: Entwickle ein taktisches Modell, wie Bayern mit hoch stehenden Außenverteidigern angreifen und trotzdem Konter absichern kann. Begründe jede Position.
  2. Datenanalyse im Sport: Erstelle für mehrere Spiele eine kleine Datensammlung zu Ballbesitz, Schüssen und zugelassenen Chancen. Diskutiere, welche Werte taktische Qualität tatsächlich erklären und welche nicht.
  3. Trainerphilosophie: Verfasse einen argumentativen Essay zur Frage, ob das Double 2019 Kovačs taktische Arbeit ausreichend legitimierte. Verwende mindestens zwei gegensätzliche Perspektiven.
  4. Videoanalyse: Produziere ein kurzes Erklärvideo zum Übergang von Kovač zu Flick. Zeige anhand selbst erstellter Spielfeldgrafiken, wie kürzere Abstände das Gegenpressing verändern.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Taktischer Transfer: Eine Mannschaft presst sehr hoch, aber ihre Abwehr bleibt tief stehen. Erkläre, welche Räume dadurch entstehen und wie ein Gegner sie nutzen könnte.
  2. Spielanalyse: Begründe, warum ein 5:0-Sieg allein nicht beweist, dass eine Mannschaft taktisch in allen Bereichen überlegen ist.
  3. Trainerwechsel: Erkläre anhand des Übergangs von Kovač zu Flick, warum ein Trainerwechsel trotz ähnlicher Grundformation eine deutlich andere Spielweise hervorbringen kann.
  4. Positionsspiel: Entwickle zwei unterschiedliche Möglichkeiten, wie ein 4-2-3-1 im Ballbesitz zu einer Fünfer-Angriffslinie werden kann.
  5. Quellenkritik im Sport: Ein Vereinsvideo beschreibt eine Mannschaft als dominant. Formuliere Kriterien, mit denen Du diese Behauptung unabhängig überprüfen würdest.
  6. Vergleich: Bewerte die Aussage „Flick erfand Bayerns Pressing neu“. Zeige, welche Aspekte Kontinuität darstellen und welche unter Flick tatsächlich intensiviert wurden.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Ergebnisse auswendig kennst, sondern historische Entwicklung und taktische Zusammenhänge erklären kannst.

  1. Historische Einordnung: Kovačs Amtszeit von Sommer 2018 bis November 2019 und den Übergang zu Flick korrekt darstellen.
  2. Double: Meisterschaft und DFB-Pokal als Bestandteile des Doubles 2019 erklären.
  3. Taktische Begriffe: Pressing, Gegenpressing, Halbraum, Restverteidigung und vertikale Kompaktheit fachlich korrekt verwenden.
  4. Analysekompetenz: Formation auf dem Papier und tatsächliche Staffelung im Spiel unterscheiden.
  5. Vergleichskompetenz: Kovač und Flick anhand nachvollziehbarer taktischer Kriterien vergleichen.
  6. Urteilskompetenz: Sportlichen Erfolg und taktische Qualität getrennt bewerten und anschließend zu einem begründeten Gesamturteil verbinden.
  7. Quellenkritik: Vereinsdarstellungen, Spielberichte und taktische Analysen hinsichtlich Perspektive und Aussagekraft unterscheiden.




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