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Naturstein und Verwitterung am Ulmer Münster

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Naturstein und Verwitterung am Ulmer Münster




Einleitung

Das Ulmer Münster ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie Naturstein, Architektur, Geologie, Chemie, Handwerk und Denkmalpflege zusammenhängen. An seiner Fassade kannst Du sehen, dass ein historisches Bauwerk nicht einfach „fertig“ ist, sondern dauerhaft gepflegt, untersucht und restauriert werden muss. Besonders spannend ist das Thema Verwitterung, denn am Ulmer Münster treffen viele Einflussfaktoren zusammen: Regen, Frost, Wind, Temperaturwechsel, Luftschadstoffe, biologische Besiedlung, Baugeschichte und die unterschiedlichen Eigenschaften der verwendeten Sandsteine.

Das Münster wurde ab 1377 als Bürgerkirche begonnen. Es ist keine Bischofskirche, sondern ein Bauwerk, das wesentlich durch die Stadtgesellschaft getragen wurde. Der weithin sichtbare Westturm ist 161,53 Meter hoch und macht das Bauwerk zu einem der bekanntesten Kirchenbauten Europas. Für dieses Thema ist jedoch nicht nur die Höhe wichtig, sondern vor allem die Materialfrage: Viele Kanten, Maßwerke, Portale, Skulpturen, Türme und Zierformen bestehen aus Werkstein, während große Wandflächen auch aus Backstein bestehen. Der Naturstein macht die gotische Formensprache sichtbar, ist aber zugleich besonders stark der Witterung ausgesetzt.

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In diesem aiMOOC lernst Du, welche Natursteine am Ulmer Münster eine Rolle spielen, wie Verwitterung entsteht, welche Schadensbilder auftreten, wie Restauratorinnen, Restauratoren, Steinmetze und die Münsterbauhütte arbeiten und warum Denkmalschutz immer ein Abwägen zwischen Erhalten, Reinigen, Ergänzen und Ersetzen ist.


Lernziele

Nach diesem aiMOOC kannst Du erklären, warum Sandstein ein gut bearbeitbarer, aber empfindlicher Naturstein sein kann. Du kannst wichtige Formen der physikalischen, chemischen und biologischen Verwitterung unterscheiden. Du verstehst, warum Wasser, Salze, Frost und Luftschadstoffe für Bauwerke aus Naturstein gefährlich sein können. Du kannst typische Schadensbilder am Ulmer Münster beschreiben und einfache Beobachtungen fachsprachlich deuten. Außerdem kannst Du begründen, warum die Arbeit einer Bauhütte für den langfristigen Erhalt eines historischen Bauwerks notwendig ist.


Das Ulmer Münster als Lernort

Das Ulmer Münster eignet sich besonders gut als Lernort, weil sich dort mehrere Zeitschichten überlagern. Mittelalterliche Bauteile, spätere Ergänzungen, neugotische Vollendungsarbeiten und moderne Restaurierungen treffen an einem Bauwerk zusammen. Dadurch ist nicht jeder Stein gleich alt, gleich zusammengesetzt oder gleich verwittert. Für die Denkmalpflege ist genau diese Vielfalt wichtig: Ein ausgetauschtes Werkstück kann technisch notwendig sein, darf aber nicht so wirken, als hätte es die Geschichte des Bauwerks ausgelöscht.

Das Grundsteinlegungsrelief zeigt, dass Stein am Münster nicht nur Baumaterial ist, sondern auch Träger von Bildern, Zeichen und Erinnerung. Wenn Verwitterung eine Oberfläche zerstört, geht deshalb nicht nur Material verloren. Es verschwinden auch Werkzeugspuren, Formen, Bildprogramme und Informationen über frühere Bauweisen. Genau deshalb ist die Erhaltung von Originalsubstanz ein zentrales Ziel der Restaurierung.


Naturstein, Backstein und gotische Architektur

Die Gotik arbeitet mit Spitzbögen, Maßwerk, Fialen, Krabben, Kreuzblumen, Strebepfeilern und vielen feinen Profilen. Solche Formen lassen sich gut aus Werkstein herausarbeiten. Am Ulmer Münster sind viele konstruktiv und künstlerisch wichtige Teile aus Sandstein gefertigt. Große Wandflächen können dagegen aus Backstein bestehen. Dadurch entsteht eine besondere Mischung: Der Backstein trägt zu den Flächen bei, der Naturstein betont Kanten, Öffnungen, Gliederungen und Schmuckformen.

Für die Verwitterung bedeutet das: Besonders gefährdet sind hervorstehende und fein gegliederte Teile. Eine Fiale, ein Maßwerkstab oder eine Blattmaske hat viel Oberfläche, viele Kanten und oft kleine Risse oder Fugen. Wasser kann dort leichter eindringen, ablaufen, stehen bleiben oder Salze transportieren. Gerade die schönsten und feinsten Bauteile sind deshalb häufig die empfindlichsten.


Natursteine am Ulmer Münster

Am Ulmer Münster wurden über die Jahrhunderte unterschiedliche Natursteine verwendet. Besonders wichtig sind verschiedene Sandsteine, darunter Donzdorfer Sandstein, auch Eisensandstein genannt, sowie weitere regionale Sandsteine wie Schlaitdorfer Sandstein und Stubensandstein aus dem südwestdeutschen Raum. In Teilen, vor allem bei späteren Ergänzungen, kommen auch andere Werksteine vor. Für Restaurierungen werden Steine gesucht, die in Farbe, Körnung, Porosität, Festigkeit, Wasseraufnahme und Verwitterungsverhalten möglichst gut passen.

Sandstein besteht überwiegend aus Sandkörnern, häufig aus Quarz, die durch ein Bindemittel zusammengehalten werden. Dieses Bindemittel kann kieselig, kalkig, tonig oder eisenhaltig sein. Daraus ergeben sich sehr unterschiedliche Eigenschaften. Ein Sandstein kann hart und wetterbeständig sein, ein anderer kann absanden, schuppen oder schalenförmig abplatzen. Entscheidend ist nicht nur der Name des Steins, sondern sein inneres Gefüge.


Donzdorfer Sandstein und Eisensandstein

Donzdorfer Sandstein gehört zur Eisensandstein-Formation des süddeutschen Jura. Seine gelblich-braune Farbe hängt mit eisenhaltigen Bestandteilen wie Limonit zusammen. Der Stein ist feinkörnig und ließ sich historisch gut für Bau- und Bildhauerarbeiten verwenden. Gleichzeitig kann seine Bindung unter ungünstigen Bedingungen verwitterungsanfällig sein. Wenn das Bindemittel geschwächt wird, lösen sich Körner aus der Oberfläche. Dieses Schadensbild nennt man Absanden oder Abmehlen.

Wichtig ist auch die Schichtung. Naturstein ist kein industriell gleichförmiger Werkstoff. Er entstand in geologischen Prozessen, hat Lagerflächen, Poren, Kluftsysteme und manchmal unterschiedliche Härtezonen. Beim Einbau muss beachtet werden, wie der Stein im Steinbruch lag. Wird ein geschichteter Stein ungünstig eingebaut, können Wasser, Frost und Salze leichter entlang der Schichtung wirken.


Stubensandstein, Schlaitdorfer Sandstein und Ersatzsteine

Für Restaurierungen historischer Bauwerke reicht es nicht, irgendeinen neuen Stein zu kaufen. Der Ersatzstein muss zum historischen Bestand passen. Wird ein zu harter, zu dichter oder chemisch unpassender Stein eingesetzt, kann er benachbarte ältere Steine stärker belasten. Wird ein zu weicher Stein eingesetzt, verwittert er zu schnell. Deshalb werden Lagerstätten erkundet, Proben geprüft und Steine mit Blick auf ihre langfristige Verträglichkeit ausgewählt.

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Die Suche nach geeignetem Sandstein für das Ulmer Münster zeigt, dass Denkmalpflege auch Rohstoffgeologie ist. Historische Steinbrüche sind oft geschlossen, verfüllt, überbaut oder aus Naturschutzgründen schwer zugänglich. Neue Gewinnungsstellen müssen geologisch, technisch, rechtlich und ökologisch geprüft werden. So wird deutlich: Der Erhalt eines Denkmals beginnt nicht erst auf dem Gerüst, sondern bereits in der Landschaft, im Steinbruch und im Labor.


Was bedeutet Verwitterung?

Verwitterung ist die Veränderung und Zerstörung von Gesteinen an der Erdoberfläche. Sie kann langsam und kaum sichtbar ablaufen oder in einzelnen Ereignissen plötzlich auffallen, etwa wenn ein gelockerter Stein abspringt. Bei Bauwerken unterscheidet man häufig zwischen physikalischer, chemischer und biologischer Verwitterung. In Wirklichkeit wirken diese Prozesse fast immer zusammen.


Physikalische Verwitterung

Bei der physikalischen Verwitterung wird der Stein mechanisch geschädigt, ohne dass sich seine chemische Zusammensetzung zwingend ändern muss. Am Ulmer Münster spielen vor allem Temperaturwechsel, Frost-Tau-Wechsel, Wind, Schlagregen und Salzsprengung eine Rolle. Wenn Wasser in Poren eindringt und gefriert, dehnt es sich aus. Dadurch entstehen Spannungen. Wiederholt sich dieser Vorgang oft, können Risse wachsen, Körner gelockert und Schalen abgelöst werden.

Auch Wärme wirkt auf Stein. Sonnige und schattige Bereiche erwärmen sich unterschiedlich. Dunkle Krusten können sich stärker aufheizen als helle Steinflächen. Dadurch entstehen Spannungen zwischen Oberfläche und Innerem. Besonders dünne Profile und hervorstehende Teile reagieren empfindlich.


Chemische Verwitterung

Bei der chemischen Verwitterung verändern Wasser, gelöste Stoffe und Luftbestandteile die Minerale oder Bindemittel im Stein. Regenwasser ist nie völlig rein. Es enthält Kohlendioxid, Sauerstoff, Staub, Salze und je nach Umweltbedingungen auch Schadstoffe. Früher spielte Schwefeldioxid aus Kohleverbrennung eine große Rolle. Es konnte zur Bildung von Gipskrusten beitragen, besonders wenn kalkhaltige Bestandteile oder Kalkmörtel beteiligt waren.

Chemische Verwitterung ist am Münster nicht überall gleich. Geschützte Bereiche unter Vorsprüngen können dunkle Krusten behalten, weil Regen sie nicht abwäscht. Stark bewitterte Flächen können dagegen absanden oder hellere, frischere Oberflächen zeigen. Deshalb muss man Schadensbilder immer mit Lage, Wasserführung und Material verbinden.


Biologische Verwitterung

Biologische Verwitterung entsteht durch Lebewesen wie Algen, Flechten, Moose, Bakterien oder Pflanzen. Nicht jeder Bewuchs ist sofort ein schwerer Schaden. Manchmal bildet er nur eine dünne Patina. Problematisch wird Bewuchs, wenn er Feuchtigkeit lange hält, organische Säuren bildet, Wurzeln in Risse eindringen oder die Oberfläche beim Entfernen beschädigt wird. Am historischen Naturstein muss deshalb sorgfältig entschieden werden, ob Bewuchs toleriert, reduziert oder entfernt werden soll.


Schadensbilder am Ulmer Münster

Am Ulmer Münster treten unterschiedliche Schadensbilder auf. Dazu gehören Absanden, Schalenbildung, Abplatzung, Risse, offene Fugen, dunkle Krusten, gelockerte Werkstücke, beschädigte Maßwerke und Verluste an plastischen Details. Für Lernende ist wichtig: Ein Schadensbild ist noch keine vollständige Diagnose. Es ist ein sichtbares Symptom. Erst die Verbindung aus Beobachtung, Materialkenntnis, Feuchtemessung, Salzuntersuchung, Baugeschichte und Lage am Gebäude erlaubt eine fachlich begründete Deutung.


Absanden und Abmehlen

Beim Absanden lösen sich einzelne Sandkörner aus der Oberfläche. Die Oberfläche fühlt sich rau, mürbe oder mehlend an. Ursache kann ein geschwächtes Bindemittel sein. Wasser, Salze, Frost, Schadstoffe oder ungeeignete frühere Maßnahmen können diesen Prozess verstärken. Absanden ist gefährlich, weil die Oberfläche nach und nach zurückweicht. Feine Formen verlieren ihre Schärfe, Inschriften werden unleserlicher und Bildhauerarbeiten verlieren Ausdruck.


Schalenbildung und Abplatzungen

Bei der Schalenbildung löst sich eine dünne bis dickere Gesteinsschicht parallel zur Oberfläche ab. Dahinter kann das Material bereits entfestigt sein. Wenn die Schale abfällt, geht Originalsubstanz verloren. Solche Schäden entstehen häufig dort, wo Feuchte- und Salzbewegungen, Temperaturspannungen oder Schichtungen im Stein zusammenwirken. Besonders kritisch sind Bauteile, die über lange Zeit wechselnd nass und trocken werden.


Schwarze Krusten und Verschmutzung

Dunkle Krusten entstehen vor allem in geschützten Bereichen, in denen Regen die Oberfläche nicht regelmäßig abspült. Dort können Staub, Ruß, Gips und andere Bestandteile eine feste Kruste bilden. Eine schwarze Kruste ist nicht nur ein ästhetisches Problem. Unter ihr kann sich der Stein anders verhalten als an frei bewitterten Flächen. Wird sie unsachgemäß entfernt, können originale Werkzeugspuren oder empfindliche Oberflächen zerstört werden.


Wasserführung, Fugen und Wasserspeier

Wasser ist einer der wichtigsten Motoren der Verwitterung. Es transportiert gelöste Salze, dringt in Risse und Poren ein, kann bei Frost sprengen und reagiert chemisch mit Bestandteilen des Steins. Die gotische Architektur versucht, Wasser gezielt abzuleiten. Wasserspeier, Dachrinnen, Gesimse und Abdeckungen sind nicht nur Schmuck, sondern Teil eines Wasserführungssystems. Wenn Fugen und Abdeckungen defekt sind, gelangt Wasser an Stellen, die dafür nicht gedacht sind. Dadurch können Schäden stark beschleunigt werden.


Restaurierung und Denkmalpflege

Restaurierung bedeutet nicht, ein Bauwerk wie neu aussehen zu lassen. Bei einem Denkmal geht es darum, die historische Substanz, die Lesbarkeit, die Sicherheit und die Nutzung in ein verantwortbares Gleichgewicht zu bringen. Am Ulmer Münster ist diese Aufgabe besonders anspruchsvoll, weil das Bauwerk hoch, reich gegliedert und ständig der Witterung ausgesetzt ist.


Untersuchen vor dem Eingreifen

Vor jeder Maßnahme steht die genaue Untersuchung. Fachleute erstellen Schadenskartierungen, prüfen Steinarten, dokumentieren Fugen, Risse, frühere Ergänzungen und Oberflächen. Sie untersuchen Wasseraufnahme, Porosität, Salzbelastung und Festigkeit. Moderne Technik wie Laservermessung, digitale Fotogrammetrie, Ultraschallmessung oder Datenbanken kann helfen. Trotzdem bleibt die Erfahrung der Handwerkerinnen und Handwerker entscheidend, weil Naturstein unregelmäßig ist und nicht wie ein normiertes Industrieprodukt reagiert.


Reinigen, Festigen, Ergänzen, Ersetzen

Bei der Restaurierung gibt es verschiedene Möglichkeiten. Reinigung entfernt störende oder schädliche Auflagen, darf aber die Oberfläche nicht zerstören. Festigung kann mürbe Bereiche stabilisieren, muss jedoch zum Material passen. Ergänzungen mit Restauriermörtel können kleine Verluste schließen. Eine Vierung ersetzt einen geschädigten Bereich durch ein neues Steinpassstück. Der vollständige Austausch eines Werkstücks ist die stärkste Maßnahme und wird nur dann gewählt, wenn Erhaltung, Sicherheit oder Funktion anders nicht gewährleistet sind.

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Die Laserreinigung an Figuren des Ulmer Münsters zeigt, wie fein Restaurierung arbeiten muss. Ein Laser kann dunkle Auflagen kontrolliert entfernen, wenn Material, Energie, Oberfläche und Ziel genau geprüft werden. Solche Verfahren sind keine Zauberlösung, sondern Werkzeuge, die nur mit restauratorischer Erfahrung verantwortungsvoll eingesetzt werden.


Die Münsterbauhütte als Kompetenzzentrum für Stein

Die Münsterbauhütte bewahrt Wissen über Material, Konstruktion, Handwerk und Baugeschichte. Sie verbindet traditionelle Steinmetzarbeit mit moderner Dokumentation. Ein erfahrener Steinmetz erkennt beim Bearbeiten, ob ein Stein poröse Stellen, Risse, Schichtungen oder mineralische Besonderheiten hat. Diese „Intelligenz der Hände“ ist ein Grund, warum historische Bauhütten auch im Zeitalter digitaler Technik unverzichtbar bleiben.

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Nachhaltigkeit und Verantwortung

Der Erhalt des Ulmer Münsters ist auch eine Frage der Nachhaltigkeit. Ein bestehendes Bauwerk zu pflegen, spart Ressourcen gegenüber einem vollständigen Neubau. Gleichzeitig benötigt Restaurierung Material, Energie, Transport und hochqualifizierte Arbeit. Deshalb müssen Maßnahmen gut begründet sein. Denkmalpflege bedeutet, nicht nur für den Moment zu handeln, sondern Verantwortung gegenüber kommenden Generationen zu übernehmen.

Auch die Herkunft des Ersatzsteins ist wichtig. Regionale Werksteine passen oft besser zur historischen Bauweise und stärken regionales Wissen. Gleichzeitig können Steinbrüche ökologische Konflikte verursachen. Ein guter Restaurierungsplan berücksichtigt daher Bauwerk, Material, Landschaft, Naturschutz, Handwerk und Öffentlichkeit.


Methoden für eine eigene Untersuchung

Wenn Du das Ulmer Münster oder ein anderes Natursteinbauwerk untersuchst, solltest Du nicht kratzen, keine Proben entnehmen und keine Steine berühren, wenn dadurch Schäden entstehen könnten. Eine gute Untersuchung kann rein beobachtend sein. Nutze Fotos, Skizzen, Standortnotizen und Fachbegriffe. Frage: Wo ist der Stein nass? Wo ist er trocken? Wo gibt es Krusten? Wo sind Kanten scharf? Wo sind sie abgerundet? Wo wachsen Pflanzen? Wo wurden Steine ersetzt? Welche Bauteile sind besonders exponiert?

Eine einfache Schadenskartierung kann mit Symbolen arbeiten: R für Riss, A für Absanden, K für Kruste, F für offene Fuge, B für Bewuchs, E für Ersatzstein. Dadurch lernst Du, Beobachtungen zu ordnen und Muster zu erkennen. Wichtig ist, Beobachtung und Deutung zu trennen: „Dunkle Kruste unter einem Vorsprung“ ist eine Beobachtung. „Vermutlich geringe Abwaschung durch Regen und Ablagerung von Schmutzpartikeln“ ist eine Deutung.


Fachbegriffe

  1. Naturstein: Natürlich entstandenes Gestein, das als Bau- oder Werkstoff verwendet wird.
  2. Werkstein: Zugerichteter Naturstein, der im Bauwerk eine bestimmte Form oder Funktion erhält.
  3. Sandstein: Sedimentgestein aus Sandkörnern, die durch ein Bindemittel zusammengehalten werden.
  4. Porosität: Anteil der Hohlräume im Gestein, wichtig für Wasseraufnahme und Salztransport.
  5. Kapillarität: Fähigkeit kleiner Poren, Wasser gegen die Schwerkraft zu transportieren.
  6. Absanden: Verlust einzelner Sandkörner aus einer verwitterten Oberfläche.
  7. Schalenbildung: Ablösung dünner oder dickerer Steinschichten parallel zur Oberfläche.
  8. Patina: Alterungsoberfläche, die nicht automatisch ein Schaden sein muss.
  9. Schadenskartierung: Systematische Erfassung sichtbarer Schäden an einem Bauwerk.
  10. Vierung: Passgenau eingesetztes neues Stein- oder Materialstück zur Ergänzung geschädigter Bereiche.
  11. Bauhütte: Werkstatt und Wissenszentrum für Bau, Pflege und Restaurierung großer historischer Steinbauten.
  12. Originalsubstanz: Historisch überlieferte materielle Bestandteile eines Denkmals.


Zusammenfassung

Das Ulmer Münster zeigt, dass Naturstein ein lebendiger historischer Werkstoff ist. Seine Eigenschaften hängen von Entstehung, Mineralbestand, Porenraum, Bindemittel, Schichtung und Bearbeitung ab. Verwitterung entsteht durch das Zusammenwirken von Wasser, Frost, Salzen, Temperaturwechseln, Schadstoffen und biologischen Einflüssen. Am Münster werden diese Prozesse besonders sichtbar, weil viele gotische Bauteile fein gegliedert und stark exponiert sind. Die Denkmalpflege versucht, Schäden zu verstehen, Originalsubstanz zu erhalten und nur dort zu ersetzen, wo es notwendig ist. Die Münsterbauhütte spielt dabei eine zentrale Rolle, weil sie wissenschaftliche Methoden, handwerkliche Erfahrung und langfristige Verantwortung miteinander verbindet.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Warum ist Sandstein am Ulmer Münster für die Verwitterung besonders interessant? (Weil er gut bearbeitbar ist und je nach Gefüge unterschiedlich verwittert) (!Weil er grundsätzlich vollkommen wasserundurchlässig ist) (!Weil er niemals aus mehreren Mineralen besteht) (!Weil er nur im Innenraum des Münsters vorkommt)




Welche Rolle spielt Wasser bei der Verwitterung von Naturstein? (Es transportiert Salze, dringt in Poren ein und kann Frostschäden begünstigen) (!Es verhindert jede chemische Reaktion im Stein) (!Es macht Sandstein dauerhaft härter) (!Es wirkt nur bei Temperaturen über fünfzig Grad)




Was bezeichnet man als Absanden? (Das Lösen einzelner Sandkörner aus der Steinoberfläche) (!Das bewusste Auftragen von Sand auf eine Fassade) (!Das Vermessen eines Steins mit Laser) (!Das Einsetzen eines neuen Werkstücks)




Warum sind Maßwerke und feine Zierformen oft besonders gefährdet? (Weil sie viele Kanten, kleine Flächen und große Oberfläche besitzen) (!Weil sie immer aus Metall bestehen) (!Weil sie nie mit Regen in Kontakt kommen) (!Weil sie grundsätzlich im Erdreich liegen)




Was ist eine Schadenskartierung? (Eine systematische Erfassung von Schäden an einem Bauwerk) (!Eine künstlerische Bemalung neuer Steine) (!Ein Verzeichnis aller Besucherinnen und Besucher) (!Eine Methode zum schnellen Abbruch alter Bauteile)




Welche Aussage zur Restaurierung ist richtig? (Erhaltung der Originalsubstanz hat einen hohen Stellenwert) (!Alle alten Steine werden grundsätzlich sofort ersetzt) (!Restaurierung soll ein Denkmal immer wie neu aussehen lassen) (!Historische Werkzeugspuren sind für die Denkmalpflege wertlos)




Warum muss ein Ersatzstein sorgfältig ausgewählt werden? (Weil Farbe, Körnung, Porosität, Festigkeit und Verwitterungsverhalten passen müssen) (!Weil jeder beliebige Stein am Denkmal gleich gut funktioniert) (!Weil Ersatzsteine immer künstlich hergestellt werden müssen) (!Weil nur das Gewicht des Steins wichtig ist)




Welche Aufgabe hat ein Wasserspeier an einer gotischen Kirche? (Er leitet Wasser vom Bauwerk weg) (!Er verschließt die Poren des Sandsteins) (!Er misst automatisch die Luftfeuchtigkeit) (!Er ersetzt die Arbeit der Bauhütte)




Was bedeutet Porosität bei Naturstein? (Der Anteil von Hohlräumen im Gestein) (!Die Höhe eines Kirchturms) (!Die Farbe einer Glasmalerei) (!Die Anzahl der Treppenstufen)




Warum ist die Münsterbauhütte für das Ulmer Münster wichtig? (Sie verbindet Steinwissen, Handwerk, Dokumentation und langfristige Pflege) (!Sie entscheidet über den Fahrplan der Stadtbusse) (!Sie verhindert grundsätzlich jede wissenschaftliche Untersuchung) (!Sie ersetzt alle Natursteine durch Kunststoff)





Memory

Sandstein Sedimentgestein aus Sandkörnern
Porosität Hohlraumanteil im Stein
Absanden Verlust einzelner Körner
Schalenbildung Ablösung flacher Steinschichten
Wasserspeier Ableitung von Regenwasser
Schadenskartierung Systematische Schadenserfassung
Bauhütte Werkstatt für Erhaltung und Steinmetzarbeit
Vierung Passgenauer Steinersatz





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Wasser Transport von Salzen und Feuchtigkeit
Frost Sprengwirkung durch gefrierendes Porenwasser
Schadenskartierung Dokumentation sichtbarer Schäden
Laserreinigung Kontrollierte Entfernung dunkler Auflagen
Vierung Ergänzung mit passendem Stein
Bauhütte Weitergabe von Steinwissen und Handwerk




...


Kreuzworträtsel

Sandstein Welcher Naturstein prägt viele Werkstücke am Ulmer Münster?
Wasser Welches Medium transportiert Salze in Poren und Fugen?
Frost Was kann gefrierendes Porenwasser im Stein verursachen?
Gips Welches Mineral kann bei schwefelhaltiger Luftverschmutzung an Krusten beteiligt sein?
Poren Wie heißen kleine Hohlräume im Naturstein?
Bauhuette Wie heißt die Werkstatt, die Steinwissen am Münster bewahrt?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Das Ulmer Münster ist ein besonders geeigneter Lernort, weil am Bauwerk unterschiedliche

sichtbar sind.
Viele Kanten, Maßwerke und Turmteile bestehen aus

.
Verwitterung beginnt häufig dort, wo

in Poren, Fugen oder Risse eindringt.
Bei Frost kann gefrierendes Wasser den Stein durch

belasten.
Salze sind gefährlich, weil ihre Kristalle in den Poren

erzeugen.
Dunkle Krusten entstehen oft durch Schadstoffe, Staub und chemische

.
Restaurierung beginnt nicht mit dem Austausch, sondern mit genauer

.
Die Münsterbauhütte erhält Wissen, indem sie traditionelle Handarbeit mit moderner

verbindet.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Beobachtung: Suche ein Foto des Ulmer Münsters und markiere drei Stellen, an denen Naturstein besonders stark der Witterung ausgesetzt ist.
  2. Fachbegriffe: Erstelle ein kleines Glossar mit zehn Begriffen aus diesem aiMOOC und formuliere jede Erklärung in eigenen Worten.
  3. Skizze: Zeichne ein einfaches Maßwerk oder einen Wasserspeier und beschrifte, wo Wasser ablaufen könnte.
  4. Vergleich: Vergleiche ein glattes modernes Gebäude mit dem Ulmer Münster und erkläre, warum gotische Formen mehr Angriffsfläche für Verwitterung bieten.


Standard

  1. Schadenskartierung: Entwickle eine Symbollegende für Risse, Krusten, Absanden, Bewuchs und Ersatzstein und teste sie an einem Foto eines Steinbauwerks.
  2. Materialvergleich: Recherchiere die Eigenschaften von Sandstein, Kalkstein und Granit und erkläre, welcher Stein für feine Bildhauerarbeit besonders geeignet sein kann.
  3. Wasserführung: Analysiere, wie Dachrinnen, Gesimse und Wasserspeier ein Gebäude schützen, und übertrage Deine Erkenntnisse auf das Ulmer Münster.
  4. Interview: Formuliere zehn Fragen an eine Steinmetzin, einen Restaurator oder eine Denkmalpflegerin zum Umgang mit verwittertem Naturstein.


Schwer

  1. Restaurierungskonzept: Entwickle für ein fiktives beschädigtes Maßwerk ein Restaurierungskonzept mit Untersuchung, Dokumentation, Reinigung, Ergänzung und Kontrolle.
  2. Konfliktanalyse: Diskutiere den Zielkonflikt zwischen Naturschutz im Steinbruch, Erhalt des Münsters und Bedarf an geeignetem Ersatzstein.
  3. Experiment: Plane ein ungefährliches Schulmodell zur Wasseraufnahme poröser Materialien und erkläre, welche Grenzen dieses Modell gegenüber echtem Sandstein hat.
  4. Denkmalschutz: Schreibe einen argumentierenden Text zur Frage, ob ein stark verwitterter Originalstein eher erhalten oder ersetzt werden sollte.



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Lernkontrolle

  1. Schadensdiagnose: Du siehst an einer Kirchenfassade dunkle Krusten unter einem Vorsprung und helle, absandende Flächen im Regenbereich. Erkläre zwei unterschiedliche Prozesse, die diese Beobachtung erklären könnten.
  2. Transfer: Übertrage das Wissen über Wasserführung am Ulmer Münster auf ein modernes Schulgebäude und nenne drei bauliche Details, die Feuchteschäden vermeiden helfen.
  3. Bewertung: Beurteile, warum ein sehr harter Ersatzstein in einem historischen Sandsteinbauwerk problematisch sein kann.
  4. Entscheidung: Entwickle Kriterien, nach denen entschieden werden kann, ob ein verwittertes Werkstück gereinigt, gefestigt, ergänzt oder ersetzt wird.
  5. Zusammenhang: Erkläre, warum Luftverschmutzung, Regen, Porosität und Temperaturwechsel gemeinsam stärkere Schäden hervorrufen können als ein einzelner Faktor.
  6. Perspektivwechsel: Formuliere aus Sicht der Münsterbauhütte, warum traditionelle Handarbeit trotz digitaler Vermessung weiterhin wichtig ist.
  7. Nachhaltigkeit: Diskutiere, ob die Gewinnung neuer Natursteine für ein Denkmal nachhaltig sein kann, wenn dadurch ein historisches Bauwerk langfristig erhalten wird.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du die Eigenschaften von Sandstein erklären kannst. Du solltest die drei Grundformen der Verwitterung unterscheiden und an Beispielen anwenden können. Du solltest typische Schadensbilder wie Absanden, Schalenbildung, Risse, Krusten und Bewuchs fachsprachlich beschreiben. Wichtig ist außerdem, dass Du den Zusammenhang zwischen Wasser, Poren, Salzen, Frost und Luftschadstoffen erklären kannst. Ein guter Lernnachweis zeigt nicht nur Faktenwissen, sondern auch begründete Entscheidungen: Welche Maßnahme ist bei welchem Schaden sinnvoll, wo liegen Risiken und warum ist die Erhaltung von Originalsubstanz für die Denkmalpflege zentral?




OERs zum Thema



Quellen und Vertiefung

  1. Ulmer Münster: Wikipedia-Artikel zum Ulmer Münster
  2. Donzdorfer Sandstein: Wikipedia-Artikel zum Donzdorfer Sandstein
  3. Eisensandstein: LGRBwissen zu Eisensandstein und Naturwerksteinen
  4. Münsterbauhütte: Münsterbauamt Ulm zur Geschichte und Arbeit der Bauhütte
  5. Restaurierungsforschung: Hornemann Institut zu Verwitterung und Restaurierung von Brüstungselementen
  6. Naturwerkstein: Informationen zu Naturwerkstein für Restaurierungen in Baden-Württemberg


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