Nacherzählungen verfassen - aiMOOC


Nacherzählungen verfassen - aiMOOC
Nacherzählungen verfassen
Einleitung
Eine Nacherzählung ist eine schriftliche Form der Textwiedergabe, bei der Du eine bereits vorhandene Erzählung, Fabel, Märchen, Sage, Kurzgeschichte oder eine andere erzählende Vorlage mit eigenen Worten erneut erzählst. Dabei geht es nicht darum, den Ausgangstext auswendig zu lernen oder Satz für Satz abzuschreiben. Entscheidend ist, dass Du den Handlungsverlauf, die wichtigsten Figuren, den Konflikt, den Höhepunkt und die Auflösung richtig erfasst und so wiedergibst, dass Leserinnen und Leser die ursprüngliche Geschichte verstehen können.
Eine gute Nacherzählung verbindet zwei Anforderungen: Sie bleibt dem Original treu und ist zugleich sprachlich eigenständig. Du darfst also nicht frei eine neue Geschichte erfinden, aber Du sollst die Vorlage lebendig, klar und sinnvoll zusammenhängend nacherzählen. Besonders wichtig sind die richtige Reihenfolge, eine passende Erzählperspektive, das Präteritum als typische Erzählzeit, abwechslungsreiche Satzanfänge, treffende Verben, passende Adjektive und Verknüpfungswörter.

In diesem aiMOOC lernst Du, wie Du eine Nacherzählung planst, schreibst, überarbeitest und bewertest. Du untersuchst, wie eine Geschichte aufgebaut ist, wie Spannung entsteht, wie Du direkte Rede sinnvoll einsetzen kannst und wie Du typische Fehler vermeidest. Die interaktiven Aufgaben helfen Dir dabei, Dein Wissen zu prüfen und das Schreiben praktisch zu trainieren.
Was ist eine Nacherzählung?
Eine Nacherzählung ist ein Schulaufsatz, in dem Du eine erzählende Vorlage mit eigenen Worten wiedergibst. Sie unterscheidet sich von einer Inhaltsangabe, weil sie ausführlicher, anschaulicher und erzählender gestaltet ist. Eine Inhaltsangabe fasst sachlich und knapp zusammen, meist im Präsens. Eine Nacherzählung dagegen folgt dem Verlauf der Geschichte genauer und nutzt erzählende Mittel, damit die Handlung lebendig wirkt. Trotzdem darf sie keine völlig neuen Ereignisse hinzufügen, die nicht zur Vorlage gehören.
Die Nacherzählung wird häufig im Deutschunterricht der Grundschule und der Sekundarstufe I geübt. Sie trainiert mehrere Fähigkeiten gleichzeitig: genaues Lesen, sinnvolles Textverständnis, Erkennen von Handlungsschritten, sprachliches Umformulieren, geordnetes Schreiben und bewusste Überarbeitung.
Ziele einer Nacherzählung
Eine Nacherzählung zeigt, dass Du eine Geschichte verstanden hast und sie eigenständig wiedergeben kannst. Dabei sollen Leserinnen und Leser merken, was in der Vorlage geschieht, warum die Figuren handeln und wie sich die Spannung entwickelt. Eine gelungene Nacherzählung erfüllt vor allem folgende Ziele:
- Textverständnis: Du erkennst die wichtigsten Ereignisse, Figuren, Orte, Zeiten und Zusammenhänge der Vorlage.
- Struktur: Du ordnest die Handlung in Einleitung, Hauptteil und Schluss.
- Erzählweise: Du erzählst in einer passenden Erzählperspektive und meistens im Präteritum.
- Sprachgestaltung: Du nutzt eigene Wörter, abwechslungsreiche Sätze und treffende Formulierungen.
- Texttreue: Du bleibst bei der Handlung der Vorlage und erfindest keine unpassenden neuen Ereignisse.
- Überarbeitung: Du prüfst Deinen Text auf Inhalt, Aufbau, Sprache, Rechtschreibung und Zeichensetzung.
Unterschied zwischen Nacherzählung, Inhaltsangabe und Zusammenfassung
Die Nacherzählung, die Inhaltsangabe und die Zusammenfassung gehören alle zur Textwiedergabe, unterscheiden sich aber deutlich.
Eine Nacherzählung ist erzählend, ausführlich und folgt dem Handlungsverlauf. Sie eignet sich besonders für literarische Texte wie Märchen, Fabeln, Sagen oder kurze Erzählungen. Sie darf spannend und anschaulich sein, solange sie inhaltlich nah am Original bleibt.
Eine Inhaltsangabe ist sachlich, knapp und konzentriert sich auf das Wesentliche. Sie wird in der Regel im Präsens verfasst, enthält einen Basissatz und verzichtet auf Spannung, direkte Rede und ausführliche Ausschmückungen.
Eine Zusammenfassung kann je nach Aufgabe sehr kurz sein und wird häufig genutzt, um Informationen aus Sachtexten, Filmen, Kapiteln oder Gesprächen zu bündeln. Sie ist weniger an eine literarische Erzählform gebunden.
Typische Textvorlagen
Für Nacherzählungen eignen sich vor allem Texte, die eine klare Handlung haben. Besonders häufig werden folgende Textsorten verwendet:
- Märchen: Märchen enthalten oft typische Figuren, magische Elemente, Aufgaben, Prüfungen und eine klare Lösung.
- Fabel: Fabeln erzählen häufig von Tieren mit menschlichen Eigenschaften und enden mit einer Moral.
- Sage: Sagen verbinden oft historische Orte oder Ereignisse mit wundersamen Elementen.
- Kurzgeschichte: Kurzgeschichten haben meist wenige Figuren, eine kurze Handlung und oft ein offenes oder überraschendes Ende.
- Erlebnisgeschichte: Erlebnisgeschichten stellen ein besonderes Ereignis in den Mittelpunkt.
- Anekdote: Anekdoten erzählen eine kurze, pointierte Begebenheit, die oft eine überraschende Wendung enthält.
Der Aufbau einer Nacherzählung
Eine Nacherzählung besteht meist aus Einleitung, Hauptteil und Schluss. Diese Dreiteilung hilft Dir, den Text übersichtlich und verständlich zu gestalten.
Einleitung
In der Einleitung nennst Du knapp, worum es in der Vorlage geht. Du kannst den Titel, die Textsorte, die wichtigsten Figuren und die Ausgangssituation erwähnen. Die Einleitung sollte nicht zu lang sein. Sie bereitet die Leserinnen und Leser darauf vor, was sie im Hauptteil erwartet.
Ein möglicher Einstieg lautet: In der Fabel „Der Fuchs und der Rabe“ geht es um einen Raben, der durch Schmeichelei getäuscht wird. Danach beginnt die eigentliche Nacherzählung.
Hauptteil
Der Hauptteil ist der längste Teil der Nacherzählung. Hier erzählst Du die Handlung in der richtigen Reihenfolge nach. Achte darauf, alle wichtigen Handlungsschritte aufzunehmen. Unwichtige Kleinigkeiten kannst Du weglassen, wenn sie für das Verständnis nicht nötig sind. Der Hauptteil sollte lebendig, aber nicht übertrieben ausgeschmückt sein.
Wichtige Fragen für den Hauptteil sind: Wer handelt? Was geschieht zuerst? Was verändert sich? Wo entsteht ein Problem? Wie reagieren die Figuren? Wann erreicht die Handlung ihren Höhepunkt? Wie wird der Konflikt gelöst?
Schluss
Im Schluss führst Du die Handlung zu Ende. Du zeigst, wie das Ereignis ausgeht und welche Folgen es für die Figuren hat. Bei einer Fabel kannst Du auch die Moral deutlich machen, ohne die Geschichte zu lange zu erklären. Bei einem Märchen endet der Schluss häufig mit der Lösung einer Aufgabe, einer Belohnung oder einer Bestrafung.
Der Spannungsbogen
Viele Erzählungen folgen einem Spannungsbogen. Zunächst wird die Ausgangssituation vorgestellt, dann entsteht ein Problem oder Konflikt. Die Handlung steigert sich, bis sie einen Höhepunkt erreicht. Danach kommt es zur Lösung oder zum Ende. Wenn Du diesen Aufbau erkennst, kannst Du die Geschichte besser nacherzählen.

Für die Nacherzählung ist der Spannungsbogen besonders wichtig, weil Du nicht nur einzelne Ereignisse aufzählen sollst. Du sollst zeigen, wie die Ereignisse miteinander zusammenhängen. Eine Geschichte wirkt verständlich, wenn Ursache und Wirkung klar werden. Ein Satz wie Weil der Rabe sich geschmeichelt fühlte, öffnete er den Schnabel zeigt den Zusammenhang besser als eine bloße Aufzählung.
Vorbereitung: Den Ausgangstext verstehen
Bevor Du schreibst, musst Du die Vorlage gründlich verstehen. Lies den Text mindestens zweimal. Beim ersten Lesen geht es darum, den Inhalt insgesamt zu erfassen. Beim zweiten Lesen achtest Du genauer auf Figuren, Orte, Zeit, Handlungsschritte, wichtige Wendungen und sprachliche Besonderheiten.
Hilfreich ist eine Lesestrategie in drei Schritten: markieren, ordnen, planen. Markiere Schlüsselstellen, schreibe kurze Randnotizen und fasse die Handlung in wenigen Stichworten zusammen. Danach kannst Du eine Schreibplanung erstellen.
Einen Erzählplan erstellen
Ein Erzählplan ist eine kurze Übersicht über die Handlung. Er hilft Dir, beim Schreiben nicht den Überblick zu verlieren. Du kannst ihn als Tabelle, Stichwortliste oder Mindmap gestalten. Wichtig ist, dass Du die Handlungsschritte in der richtigen Reihenfolge festhältst.
- Ausgangssituation: Wer kommt vor? Wo und wann beginnt die Geschichte?
- Auslöser: Welches Ereignis bringt die Handlung in Gang?
- Steigerung: Welche Probleme, Hindernisse oder Entscheidungen entstehen?
- Höhepunkt: An welcher Stelle ist die Spannung am größten?
- Auflösung: Wie endet die Geschichte?
- Folge: Was verändert sich für die Figuren?
Schritt für Schritt zur Nacherzählung
Schritt 1: Lies die Vorlage genau
Lies die Geschichte aufmerksam. Achte darauf, wer handelt, was passiert und welche Gefühle oder Absichten die Figuren haben. Unklare Wörter solltest Du nachschlagen oder aus dem Zusammenhang erschließen. Wenn Du die Vorlage nur oberflächlich liest, fehlen später wichtige Zusammenhänge.
Schritt 2: Markiere wichtige Stellen
Markiere nur die wirklich wichtigen Informationen. Zu viele Markierungen helfen nicht. Besonders wichtig sind Figuren, Orte, Zeitangaben, Wendepunkte, Gründe für Handlungen und der Höhepunkt. Schreibe kurze Randnotizen wie Problem, Entscheidung, Wendepunkt oder Lösung.
Schritt 3: Gliedere die Handlung
Teile die Geschichte in Sinnabschnitte ein. Jeder Sinnabschnitt enthält einen wichtigen Handlungsschritt. Dadurch erkennst Du, welche Ereignisse zusammengehören. Eine gute Gliederung verhindert, dass Du beim Schreiben springst oder wichtige Teile vergisst.
Schritt 4: Formuliere mit eigenen Worten
Eine Nacherzählung ist keine Abschrift. Verwende eigene Sätze und eigene Formulierungen. Einzelne Schlüsselbegriffe aus dem Original darfst Du übernehmen, wenn sie wichtig sind. Ganze Sätze solltest Du aber nicht abschreiben. Besonders bei direkter Rede kannst Du entscheiden, ob Du sie übernimmst, kürzt oder in indirekte Rede verwandelst.
Schritt 5: Schreibe zusammenhängend
Achte auf sinnvolle Übergänge. Wörter wie zunächst, danach, plötzlich, deshalb, währenddessen, schließlich und am Ende helfen, den Verlauf klar zu machen. Verwende aber nicht immer dieselben Wörter. Eine gute Nacherzählung liest sich flüssig.
Schritt 6: Überarbeite Deinen Text
Nach dem Schreiben beginnt die Überarbeitung. Prüfe zuerst den Inhalt: Ist die Handlung vollständig? Stimmt die Reihenfolge? Ist der Höhepunkt erkennbar? Danach prüfst Du die Sprache: Sind die Sätze abwechslungsreich? Steht der Text im Präteritum? Sind die Satzzeichen bei direkter Rede richtig? Zum Schluss kontrollierst Du Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung.
Sprache einer guten Nacherzählung
Die Sprache einer Nacherzählung soll verständlich, anschaulich und passend zur Vorlage sein. Besonders wichtig sind treffende Verben. Statt immer nur ging, sagte oder machte zu schreiben, kannst Du genauere Verben verwenden: schlich, rief, flüsterte, bemerkte, entdeckte, zögerte, befahl oder antwortete.
Auch passende Adjektive können helfen, eine Situation anschaulich zu machen. Du solltest sie aber sparsam einsetzen. Zu viele Ausschmückungen wirken überladen und können vom Original abweichen. Schreibe also nicht aus jeder kleinen Bewegung ein großes Abenteuer, wenn die Vorlage das nicht hergibt.
Erzählzeit: Das Präteritum
Nacherzählungen werden meistens im Präteritum geschrieben. Das Präteritum ist die typische Erzählvergangenheit. Beispiele sind: ging, sah, rief, dachte, wartete, kam, fragte und antwortete.
Achte darauf, nicht ständig zwischen den Zeiten zu wechseln. Ein häufiger Fehler ist der Wechsel vom Präteritum ins Präsens oder Perfekt. Falsch wäre: Der Junge lief in den Wald und sieht plötzlich ein Licht. Richtig ist: Der Junge lief in den Wald und sah plötzlich ein Licht.
Erzählperspektive
Die Erzählperspektive der Vorlage sollte in der Nacherzählung möglichst beibehalten werden. Wenn die Geschichte von einem Ich-Erzähler erzählt wird, kann auch Deine Nacherzählung in der Ich-Form stehen, sofern die Aufgabe das verlangt. Häufig wird jedoch in der dritten Person erzählt: er, sie oder es.
Wichtig ist, dass Du die Perspektive nicht unabsichtlich wechselst. Wenn Du am Anfang aus der Sicht einer Figur erzählst, solltest Du nicht plötzlich alles wissen, was andere Figuren denken, falls die Vorlage das nicht zeigt. Die Perspektive beeinflusst, was Leserinnen und Leser erfahren können.
Direkte Rede und indirekte Rede
Direkte Rede macht eine Nacherzählung lebendig. Du solltest sie aber gezielt einsetzen. Nicht jedes Gespräch aus der Vorlage muss vollständig übernommen werden. Wichtige Aussagen, Drohungen, Versprechen, Fragen oder Wendepunkte können als direkte Rede erscheinen. Weniger wichtige Gespräche kannst Du zusammenfassen.
Beispiel für direkte Rede: Der Fuchs rief: „Was für eine schöne Stimme du bestimmt hast!“ Beispiel für indirekte Rede: Der Fuchs behauptete, der Rabe habe bestimmt eine schöne Stimme. Beide Formen können sinnvoll sein. Entscheidend ist, dass die Aussage verständlich bleibt und zur Handlung passt.
Spannung erzeugen, ohne zu übertreiben
Eine Nacherzählung darf spannend sein, aber sie muss zur Vorlage passen. Spannung entsteht nicht nur durch viele Adjektive oder Ausrufezeichen. Sie entsteht vor allem durch die richtige Reihenfolge der Informationen, genaue Verben, passende Satzlängen und deutliche Wendepunkte.
Ein kurzer Satz kann Spannung erhöhen: Da hörte sie ein Geräusch. Danach kann ein längerer Satz erklären, was geschieht. Wechsel zwischen kurzen und längeren Sätzen machen Deinen Text lebendiger. Trotzdem solltest Du nicht künstlich dramatisieren, wenn das Original ruhig erzählt ist.
Texttreue und eigene Sprache
Texttreue bedeutet, dass Deine Nacherzählung inhaltlich zur Vorlage passt. Du darfst keine wichtigen Figuren weglassen, keine Ursachen verändern und kein anderes Ende erfinden. Gleichzeitig sollst Du eigene Sprache verwenden. Das ist eine wichtige Balance: inhaltlich treu, sprachlich eigenständig.

Eine gute Frage bei der Überarbeitung lautet: Würde jemand, der die Vorlage kennt, meine Nacherzählung wiedererkennen? Wenn ja, bist Du inhaltlich nah genug am Original. Eine zweite Frage lautet: Klingt mein Text wie eine eigene Formulierung? Wenn ja, hast Du nicht bloß abgeschrieben.
Häufige Fehler und wie Du sie vermeidest
Viele Fehler bei Nacherzählungen entstehen nicht durch fehlende Fantasie, sondern durch ungenaues Lesen oder fehlende Planung. Häufige Fehler sind: Die Reihenfolge wird vertauscht, wichtige Handlungsschritte fehlen, unwichtige Einzelheiten werden zu lang erzählt, die Zeitform wechselt, die direkte Rede ist falsch gezeichnet oder das Ende wird verändert.
Du kannst diese Fehler vermeiden, indem Du vor dem Schreiben einen Erzählplan erstellst und nach dem Schreiben mit einer Checkliste arbeitest. Lies Deinen Text außerdem laut vor. Dabei merkst Du oft, ob Sätze zu lang sind, ob Übergänge fehlen oder ob etwas unklar klingt.
Checkliste für Deine Nacherzählung
- Inhalt: Habe ich alle wichtigen Ereignisse richtig wiedergegeben?
- Reihenfolge: Erzähle ich die Handlung in der richtigen Abfolge?
- Aufbau: Hat mein Text Einleitung, Hauptteil und Schluss?
- Erzählzeit: Schreibe ich überwiegend im Präteritum?
- Erzählperspektive: Bleibe ich bei einer passenden Perspektive?
- Sprache: Verwende ich eigene Wörter und abwechslungsreiche Sätze?
- Spannung: Ist der Höhepunkt deutlich erkennbar?
- Texttreue: Habe ich nichts Wichtiges verändert oder frei erfunden?
- Direkte Rede: Sind Redezeichen und Satzzeichen korrekt gesetzt?
- Überarbeitung: Habe ich Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung geprüft?
Beispiel: Von Stichworten zur Nacherzählung
Angenommen, die Vorlage erzählt von einem Kind, das auf dem Schulweg eine verlorene Geldbörse findet. Die wichtigsten Stichworte könnten lauten: Schulweg, Geldbörse im Gebüsch, Versuchung, Name im Ausweis, Entscheidung, Rückgabe, Dank. Aus diesen Stichworten kann eine geordnete Nacherzählung entstehen.
Eine schwache Nacherzählung würde nur auflisten: Ein Kind fand eine Geldbörse. Dann gab es sie zurück. Die Besitzerin freute sich. Eine bessere Nacherzählung macht den inneren Konflikt deutlich: Das Kind bemerkte zuerst das Geld, zögerte kurz, entdeckte dann den Ausweis und entschied sich, ehrlich zu handeln. Dadurch werden Ursache, Entscheidung und Folge verständlich.
Schreibkonferenz: Gemeinsam überarbeiten
Eine Schreibkonferenz ist eine Methode, bei der Lernende ihre Texte gegenseitig lesen und Rückmeldungen geben. Dabei geht es nicht darum, jemanden bloßzustellen. Ziel ist, den Text zu verbessern. Eine gute Rückmeldung ist konkret, freundlich und hilfreich.
Du kannst zum Beispiel sagen: Der Höhepunkt ist gut erkennbar, weil die Entscheidung der Hauptfigur deutlich wird. Oder: An dieser Stelle fehlt mir ein Übergang, weil ich nicht verstehe, warum die Figur plötzlich den Ort wechselt. Solche Rückmeldungen helfen mehr als allgemeine Sätze wie Gut oder Schlecht.
Digitale Unterstützung beim Schreiben
Digitale Werkzeuge können beim Planen, Schreiben und Überarbeiten helfen. Du kannst Stichworte in einem Textverarbeitungsprogramm ordnen, eine Mindmap erstellen oder Deinen Text mit einer Checkliste prüfen. Auch eine Künstliche Intelligenz kann Fragen stellen, Alternativformulierungen vorschlagen oder auf unklare Stellen hinweisen. Wichtig bleibt aber: Die inhaltliche Verantwortung liegt bei Dir. Du musst prüfen, ob die Vorschläge zur Vorlage passen und ob Deine Nacherzählung texttreu bleibt.
Erklärvideo
Das folgende Video kann Dir helfen, die wichtigsten Schritte beim Verfassen einer Nacherzählung zu wiederholen.
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Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was ist das wichtigste Ziel einer Nacherzählung? (Eine vorhandene Geschichte mit eigenen Worten texttreu wiedergeben) (!Eine völlig neue Geschichte mit ähnlichen Figuren erfinden) (!Nur die Überschrift der Geschichte erklären) (!Eine Liste aller schwierigen Wörter erstellen)
Welche Zeitform wird in Nacherzählungen meistens verwendet? (Präteritum) (!Futur II) (!Plusquamperfekt als einzige Zeitform) (!Imperativ)
Was gehört in den Hauptteil einer Nacherzählung? (Die wichtigen Handlungsschritte in richtiger Reihenfolge) (!Nur die Meinung der Autorin oder des Autors) (!Eine vollständige Wort-für-Wort-Abschrift) (!Eine Liste mit Rechtschreibregeln)
Was bedeutet Texttreue bei einer Nacherzählung? (Die Handlung bleibt inhaltlich nah an der Vorlage) (!Die Geschichte bekommt ein neues Ende) (!Alle Sätze werden auswendig abgeschrieben) (!Die Figuren werden beliebig ausgetauscht)
Welche Aussage beschreibt den Unterschied zur Inhaltsangabe richtig? (Eine Nacherzählung ist ausführlicher und erzählender) (!Eine Nacherzählung ist immer kürzer als eine Inhaltsangabe) (!Eine Inhaltsangabe enthält immer viele Dialoge) (!Beide Textformen haben genau denselben Zweck)
Warum ist ein Erzählplan hilfreich? (Er ordnet die Handlungsschritte vor dem Schreiben) (!Er ersetzt das Lesen der Vorlage vollständig) (!Er verhindert jede Überarbeitung) (!Er macht die Rechtschreibung automatisch richtig)
Welche Information ist für die Einleitung besonders geeignet? (Titel, Textsorte und Ausgangssituation) (!Alle Dialoge der Geschichte) (!Jede einzelne Beschreibung aus dem Hauptteil) (!Eine ausführliche Bewertung der Rechtschreibung)
Was sollte beim Einsatz direkter Rede beachtet werden? (Sie sollte gezielt und korrekt gezeichnet verwendet werden) (!Sie muss jeden Satz der Vorlage ersetzen) (!Sie darf keine Satzzeichen enthalten) (!Sie ist in Nacherzählungen immer verboten)
Welche Formulierung zeigt einen Zusammenhang besonders gut? (Weil der Junge Angst hatte, versteckte er sich) (!Der Junge Angst und versteckte) (!Angst. Versteck. Junge.) (!Der Junge versteckt sich morgen)
Was gehört zur Überarbeitung einer Nacherzählung? (Inhalt, Aufbau, Sprache und Rechtschreibung prüfen) (!Nur die Überschrift farbig gestalten) (!Alle Sätze länger machen) (!Die Vorlage durch ein neues Abenteuer ersetzen)
Memory
| Präteritum | Erzählvergangenheit |
| Höhepunkt | Stelle größter Spannung |
| Einleitung | Ausgangssituation |
| Hauptteil | Handlungsschritte |
| Texttreue | Nähe zur Vorlage |
| Überarbeitung | Text verbessern |
| Direkte Rede | Wörtliche Äußerung |
| Erzählplan | Geordnete Stichworte |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Vorlage lesen | Text zuerst genau verstehen |
| Wichtiges markieren | Figuren, Orte und Wendepunkte erkennen |
| Erzählplan erstellen | Handlungsschritte ordnen |
| Rohfassung schreiben | Geschichte mit eigenen Worten erzählen |
| Spannung prüfen | Höhepunkt deutlich machen |
| Text überarbeiten | Inhalt, Sprache und Fehler kontrollieren |
...
Kreuzworträtsel
| Handlung | Wie nennt man die Abfolge der Ereignisse in einer Geschichte? |
| Spannung | Was steigt in vielen Erzählungen bis zum Höhepunkt? |
| Präteritum | Welche Erzählzeit wird meistens in Nacherzählungen verwendet? |
| Perspektive | Was bestimmt, aus welcher Sicht erzählt wird? |
| Reihenfolge | Was muss bei den Handlungsschritten unbedingt stimmen? |
| Höhepunkt | Wie heißt die Stelle der größten Spannung? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Lesetagebuch: Lies eine kurze Fabel und notiere die wichtigsten Figuren, Orte und Handlungsschritte in fünf Stichworten.
- Erzählplan: Erstelle zu einem Märchen einen einfachen Erzählplan mit Ausgangssituation, Problem, Höhepunkt und Lösung.
- Satzanfang: Sammle zehn abwechslungsreiche Satzanfänge, die Du in einer Nacherzählung verwenden kannst.
- Präteritum: Schreibe zehn Verben aus einer Geschichte ins Präteritum und bilde damit eigene Beispielsätze.
Standard
- Nacherzählung: Verfasse eine Nacherzählung zu einer kurzen Fabel und achte besonders auf Texttreue und eigene Sprache.
- Schreibkonferenz: Tausche Deine Nacherzählung mit einer Mitschülerin oder einem Mitschüler und gib eine Rückmeldung mit zwei Stärken und einem Verbesserungsvorschlag.
- Direkte Rede: Überarbeite eine Nacherzählung so, dass an zwei wichtigen Stellen passende direkte Rede verwendet wird.
- Spannungsbogen: Zeichne den Spannungsbogen einer Geschichte und markiere Einleitung, Steigerung, Höhepunkt und Schluss.
Schwer
- Perspektivwechsel: Schreibe eine Nacherzählung aus der Sicht einer Nebenfigur und erkläre anschließend, was sich dadurch verändert.
- Vergleich: Vergleiche eine Nacherzählung mit einer Inhaltsangabe zur gleichen Vorlage und arbeite drei Unterschiede heraus.
- Überarbeitung: Nimm eine absichtlich fehlerhafte Nacherzählung und verbessere Aufbau, Zeitform, Reihenfolge und Sprache.
- Medienprojekt: Gestalte ein kurzes Erklärvideo oder eine digitale Präsentation mit fünf Tipps für gelungene Nacherzählungen.

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Lernkontrolle
- Textverständnis: Erkläre an einer unbekannten kurzen Erzählung, welche Ereignisse unverzichtbar sind und welche Einzelheiten beim Nacherzählen gekürzt werden können.
- Transfer: Übertrage die Handlung einer Fabel in einen Erzählplan und begründe, warum Du den Höhepunkt genau an dieser Stelle siehst.
- Sprachbewusstsein: Überarbeite einen Abschnitt, der zwischen Präsens und Präteritum wechselt, und erkläre die Wirkung der korrigierten Zeitform.
- Textvergleich: Vergleiche zwei Nacherzählungen zur gleichen Vorlage und entscheide begründet, welche texttreuer, verständlicher und sprachlich gelungener ist.
- Schreibentscheidung: Entscheide bei drei Dialogstellen einer Vorlage, ob direkte Rede, indirekte Rede oder Zusammenfassung am besten passt, und begründe Deine Wahl.
- Reflexion: Beschreibe nach dem Schreiben Deiner eigenen Nacherzählung, welche Überarbeitung Deinen Text am stärksten verbessert hat.
Lernnachweis
Für den Lernnachweis erstellst Du eine vollständige Nacherzählung zu einer vorgegebenen literarischen Vorlage. Zusätzlich gibst Du Deinen Erzählplan, eine überarbeitete Endfassung und eine kurze Reflexion ab. In der Reflexion erklärst Du, wie Du Texttreue, Spannungsbogen, Erzählzeit und Sprache geprüft hast.
- Planung: Der Erzählplan enthält die wichtigsten Handlungsschritte in richtiger Reihenfolge.
- Ausarbeitung: Die Nacherzählung ist verständlich, vollständig und sprachlich eigenständig.
- Überarbeitung: Die Endfassung zeigt Verbesserungen gegenüber der ersten Fassung.
- Begründung: Die Reflexion erklärt konkrete Schreibentscheidungen.
- Sorgfalt: Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung wurden überprüft.
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