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Mohammed - Geschichte

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Mohammed - Geschichte




Mohammed - Geschichte

Mohammed, in wissenschaftlicher Umschrift meist Muḥammad oder Muhammad, gehört zu den folgenreichsten Persönlichkeiten der Weltgeschichte. Er lebte im frühen 7. Jahrhundert auf der Arabischen Halbinsel, trat in Mekka als Verkünder einer monotheistischen Botschaft auf und begründete in Medina eine neue religiöse und politische Gemeinschaft. Für Musliminnen und Muslime ist er der letzte Prophet Gottes. Die Geschichtswissenschaft untersucht ihn dagegen als historische Person der Spätantike, als Religionsstifter, Gemeindeleiter, Diplomat und politischen Akteur.

Dieser aiMOOC behandelt Mohammed aus der Perspektive des Studienfachs Geschichte. Du lernst deshalb nicht nur eine überlieferte Biografie kennen, sondern untersuchst, woher unser Wissen stammt, welche Aussagen sicher, wahrscheinlich oder umstritten sind und wie religiöse Erinnerung, politische Interessen und historische Forschung miteinander verflochten sind. Dabei werden islamische Glaubensaussagen respektiert, aber von historisch überprüfbaren Aussagen unterschieden.

Da es kein zeitgenössisch gesichertes Porträt Mohammeds gibt und bildliche Darstellungen in islamischen Kulturen unterschiedlich bewertet werden, verwendet dieser Kurs vor allem Kalligrafie, historische Orte, Karten, Handschriften und Sachquellen. Einzelne muslimische Kunsttraditionen kannten durchaus figürliche Darstellungen Mohammeds; ein allgemeines, zu allen Zeiten und überall gültiges Bilderverbot lässt sich historisch nicht behaupten.


Lernziele

Nach der Bearbeitung dieses aiMOOCs kannst Du:

  1. Quellen zum Leben Mohammeds nach Entstehungszeit, Perspektive und Aussagewert unterscheiden.
  2. die wichtigsten Stationen der überlieferten Biografie zeitlich und räumlich einordnen.
  3. Mohammeds Wirken in den Kontext der Spätantike, der arabischen Stammesgesellschaften sowie des Byzantinischen und Sassanidischen Reiches stellen.
  4. die Bedeutung von Hidschra, Umma, Koran, Sunna und Sīra erklären.
  5. religiöse Überlieferung und historisch-kritische Rekonstruktion voneinander unterscheiden, ohne eine der Perspektiven abzuwerten.
  6. Konflikte, Bündnisse und Herrschaftsbildung in Mekka und Medina mehrperspektivisch analysieren.
  7. die Wirkung Mohammeds auf Religion, Recht, Politik, Erinnerungskultur und Weltgeschichte beurteilen.
  8. moderne Darstellungen auf Vereinfachungen, apologetische Absichten, antimuslimische Vorurteile und fehlende Quellenkritik prüfen.


Sprache, Namen und Perspektiven

Der arabische Name Muḥammad bedeutet ungefähr „der Gepriesene“. Im Deutschen ist die Form Mohammed weit verbreitet. Historische Fachliteratur nutzt häufig Muhammad oder die wissenschaftliche Umschrift Muḥammad. Die verschiedenen Schreibweisen bezeichnen dieselbe Person.

Im islamischen Sprachgebrauch wird Mohammed oft mit ehrenden Formeln genannt. In einem geschichtswissenschaftlichen Text wird sein Name meist ohne solche Formeln verwendet. Das ist keine Geringschätzung, sondern entspricht der methodischen Trennung zwischen Glauben und wissenschaftlicher Analyse.

Auch Begriffe müssen quellenkritisch behandelt werden. Die Bezeichnung Dschāhilīya wird häufig mit „Zeit der Unwissenheit“ übersetzt und bezeichnet in islamischer Tradition die vorislamische Epoche. Als neutraler historischer Epochenbegriff ist sie problematisch, weil Arabien vor Mohammed keineswegs kultur-, religions- oder schriftlos war.


Historischer Kontext


Die Arabische Halbinsel um 600

Die Arabische Halbinsel war um 600 kein einheitlicher Staat. Unterschiedliche Stammesverbände, Oasenstädte, Handelsplätze und regionale Herrschaftszentren prägten das Gebiet. Im Süden hatten Königreiche wie Himyar lange Schriftkultur, Landwirtschaft und internationale Beziehungen entwickelt. Im Norden und Nordosten bestanden enge Kontakte zu den Großmächten Byzanz und Persien.

Das Byzantinische und das Sassanidische Reich führten im frühen 7. Jahrhundert erschöpfende Kriege gegeneinander. Ihre arabischen Verbündeten, darunter die christlichen Ghassaniden und Lachmiden, verbanden die Halbinsel mit den politischen Entwicklungen des östlichen Mittelmeerraums. Mohammeds Lebenszeit gehört deshalb nicht isoliert in eine „Wüstengeschichte“, sondern in die Umbruchsphase der Spätantike.

Religiös war Arabien vielfältig. Neben lokalen Kulten und der Verehrung verschiedener Gottheiten existierten jüdische, christliche und andere monotheistische Gemeinschaften. In der Forschung wird diskutiert, wie stark einzelne Regionen durch Judentum, Christentum, iranische Religionen und monotheistische Reformbewegungen geprägt waren. Der spätere Islam entstand somit in einer Welt intensiver religiöser Kommunikation.


Mekka, die Kaaba und die Quraisch

Mekka lag im westarabischen Hedschas. Die Stadt war mit der Kaaba ein bedeutender Kultort. Die Quraisch, zu denen Mohammeds Sippe gehörte, übten in Mekka politischen und kultischen Einfluss aus. In der älteren Forschung wurde Mekka oft als Zentrum eines sehr weitreichenden internationalen Karawanenhandels dargestellt. Neuere Forschung beurteilt Umfang und Bedeutung dieses Handels vorsichtiger. Sicher ist, dass Mekka in regionale Netzwerke, Pilgerpraktiken und Stammesbeziehungen eingebunden war.

Die Fotografie zeigt die Kaaba im Jahr 1880. Sie ist keine Quelle für das Aussehen Mekkas im 7. Jahrhundert, veranschaulicht aber die lange Geschichte des Ortes und die Veränderung religiöser Architektur.

Eine spätere Fotografie darf nicht unkritisch in die Vergangenheit zurückprojiziert werden. Gebäude, Wege, Bevölkerungszahl und Rituale veränderten sich über viele Jahrhunderte. Für die Geschichte Mohammeds sind solche Bilder deshalb vor allem Quellen der Rezeptionsgeschichte und der Entwicklung heiliger Räume.


Medina vor der Hidschra

Das spätere Medina hieß ursprünglich Yathrib. Die Oasenstadt wurde von verschiedenen arabischen und jüdischen Gruppen bewohnt. Rivalitäten zwischen den arabischen Stämmen Aus und Chazradsch sowie komplizierte Bündnisse prägten die politische Lage. Mohammed wurde nach der Überlieferung von Gruppen aus Yathrib als Vermittler und Führungsfigur eingeladen. Diese lokale Konfliktlage war eine wichtige Voraussetzung für die Hidschra.


Quellen und Methoden


Warum die Quellenlage schwierig ist

Für Mohammeds Leben existiert keine lückenlose zeitgenössische Biografie. Die ausführlichen Lebensbeschreibungen wurden erst Generationen nach seinem Tod schriftlich zusammengestellt. Historikerinnen und Historiker müssen daher verschiedene Quellengruppen vergleichen, ihre Entstehungskontexte untersuchen und zwischen möglichem historischem Kern, theologischer Deutung und späterer Ausschmückung unterscheiden.

Eine quellenkritische Untersuchung fragt:

  1. Wer hat eine Aussage verfasst oder überliefert?
  2. Wann entstand die erhaltene Fassung?
  3. Für welches Publikum wurde sie formuliert?
  4. Welche religiösen, politischen oder rechtlichen Interessen könnten eine Rolle spielen?
  5. Wird die Aussage durch unabhängige Quellen, Inschriften, Münzen, Papyri oder archäologische Befunde gestützt?
  6. Welche Begriffe stammen aus der beschriebenen Zeit und welche aus späteren Deutungen?


Der Koran

Der Koran ist die früheste zentrale Textquelle für Mohammeds Verkündigung und die entstehende Gemeinde. Er nennt Mohammed nur wenige Male ausdrücklich und ist keine chronologisch geordnete Biografie. Viele Passagen reagieren offenbar auf Konflikte, Fragen und Debatten der frühen Gemeinschaft, nennen jedoch selten konkrete Daten oder ausführliche Hintergründe.

Für die Geschichtswissenschaft ist der Koran besonders wichtig, weil große Teile seines Textbestandes sehr früh bezeugt sind. Zugleich ist seine Deutung anspruchsvoll: Einzelne Verse müssen sprachlich, literarisch und im Kontext spätantiker religiöser Traditionen untersucht werden. Spätere Kommentare können wertvolle Überlieferungen bewahren, dürfen aber nicht automatisch als zeitgenössische Erklärung gelten.

Die Birmingham-Handschrift enthält Korantext auf Pergament. Die Radiokarbondatierung betrifft das Alter des Pergaments, nicht automatisch den genauen Zeitpunkt der Beschriftung. Solche Handschriften sind wichtige materielle Quellen für die frühe Textgeschichte.


Sīra und Maghāzī

Als Sīra wird die islamische Literatur über Mohammeds Leben bezeichnet. Besonders einflussreich war das Werk von Ibn Ishāq, der im 8. Jahrhundert lebte. Sein Original ist nicht vollständig erhalten. Bekannt ist es vor allem durch die spätere Bearbeitung von Ibn Hischām sowie durch Zitate bei anderen Autoren.

Die Maghāzī-Literatur befasst sich besonders mit Feldzügen, Bündnissen und Konflikten der medinensischen Zeit. Zu den bekannten Autoren gehört Al-Wāqidī. Diese Texte enthalten umfangreiche Erzählungen, Reden, Namenslisten und Datierungen. Ihre Nähe zu mündlichen Überlieferungen kann wertvoll sein, doch ihr zeitlicher Abstand, literarische Gestaltung und spätere politische Interessen verlangen sorgfältige Kritik.


Hadithe und Überliefererketten

Hadithe berichten über Worte, Handlungen oder Billigungen Mohammeds. Viele wurden in großen Sammlungen des 9. Jahrhunderts geordnet. Ein Hadith besteht häufig aus dem Berichtstext und einer Überliefererkette, die nennt, von wem die Nachricht weitergegeben worden sein soll.

Muslimische Gelehrte entwickelten differenzierte Verfahren der Hadithkritik. Moderne Forschung untersucht zusätzlich Sprachform, Rechtsentwicklung, Varianten, gemeinsame Überlieferer und mögliche Entstehungsmilieus. Ein Hadith kann für die Geschichte späterer Debatten sehr aussagekräftig sein, auch wenn seine Zuschreibung an Mohammed unsicher bleibt.


Nichtmuslimische Texte, Inschriften, Münzen und Papyri

Syrische, griechische, armenische und andere nichtmuslimische Texte des 7. Jahrhunderts erwähnen arabische Eroberer, eine neue religiöse Bewegung oder einen arabischen Propheten. Diese Zeugnisse sind zeitlich teilweise näher, aber oft knapp, polemisch oder von außen geschrieben.

Inschriften, Münzen, Papyri und frühe Handschriften liefern materielle Hinweise. Sie zeigen, wann religiöse Formeln, Namen und politische Titel öffentlich verwendet wurden. Solche Quellen können spätere Erzählungen bestätigen, verändern oder offenlassen. Sie ersetzen die literarische Überlieferung nicht, sondern müssen mit ihr kombiniert werden.


Quellenmatrix

Quellengruppe Zeitliche Nähe Historischer Nutzen Zentrale Grenze
Koran sehr früh Verkündigung, Konflikte und Selbstverständnis der Gemeinde keine fortlaufende Biografie
frühe Handschriften und Inschriften 7. Jahrhundert materielle Datierung von Texten, Formeln und Herrschaft meist fragmentarisch und erklärungsbedürftig
nichtmuslimische Berichte teilweise 7. Jahrhundert Außenperspektive und unabhängige Hinweise oft knapp, ungenau oder polemisch
Sīra und Maghāzī vor allem 8. und 9. Jahrhundert ausführliche Chronologie, Personen und Ereignisse später verschriftlicht und literarisch gestaltet
Hadith Sammlungen besonders ab dem 9. Jahrhundert religiöse Praxis, Recht und Erinnerung Datierung einzelner Aussagen häufig umstritten
spätere Chroniken mehrere Generationen später Überlieferungsvarianten und politische Deutungen starke Rückprojektion späterer Verhältnisse möglich


Mohammeds Leben in historischer Rekonstruktion


Herkunft und frühe Lebensjahre

Mohammed wurde nach traditioneller Chronologie ungefähr um 570 in Mekka geboren. Er gehörte zum Clan der Haschimiten innerhalb der Quraisch. Sein Vater soll vor seiner Geburt, seine Mutter in seiner Kindheit gestorben sein. Spätere Überlieferungen berichten, dass zunächst sein Großvater und danach sein Onkel Abu Talib für ihn sorgten.

Über Mohammeds Jugend ist historisch nur wenig sicher. Die Sīra beschreibt ihn als Händler und als vertrauenswürdigen Vermittler. Seine Heirat mit der wohlhabenden Kaufmannswitwe Chadidscha wird in der Tradition als wirtschaftlich, familiär und religiös bedeutsam dargestellt. Chadidscha gilt dort als erste Person, die seiner Botschaft glaubte.


Die ersten Offenbarungen

Nach islamischer Überlieferung empfing Mohammed um 610 in der Höhle Hirāʾ am Berg Dschabal an-Nūr seine ersten Offenbarungen. Der Engel Gabriel habe ihn zum Verkünden aufgefordert. Historisch lässt sich das Offenbarungserlebnis nicht unabhängig überprüfen. Sicher ist jedoch, dass Mohammed in Mekka eine Botschaft verkündete, die zur Verehrung des einen Gottes, zu moralischer Verantwortung, Gebet, Fürsorge und einem kommenden Gericht aufrief.

Die heutigen Fotografien zeigen den mit der Offenbarungstradition verbundenen Ort. Sie belegen nicht das konkrete Ereignis, machen aber die räumliche Erinnerungskultur sichtbar.

Die frühen koranischen Verkündigungen kritisierten soziale Ungerechtigkeit, religiöse Selbstsicherheit und die Ablehnung des Jüngsten Gerichts. Die genaue Reihenfolge einzelner Texte ist Gegenstand der Koranforschung. Traditionelle Einteilungen unterscheiden mekkanische und medinensische Suren.


Die mekkanische Verkündigung und der Widerstand

Mohammed gewann zunächst einen kleinen Kreis von Anhängerinnen und Anhängern. Zu den früh genannten Personen gehören Chadidscha, Ali ibn Abi Talib, Abu Bakr und Zaid ibn Haritha. Die neue Botschaft stellte bestehende religiöse Praktiken und Machtverhältnisse infrage. Führende Gruppen der Quraisch lehnten sie ab.

Die Überlieferung berichtet von Spott, sozialem Druck, Gewalt gegen einzelne Anhänger und einem zeitweisen Boykott von Mohammeds Sippe. Ein Teil der Gemeinde wanderte nach Aksum aus. Die Einzelheiten dieser Ereignisse stammen überwiegend aus späteren Quellen und müssen jeweils gesondert bewertet werden.

Um 619 starben nach traditioneller Datierung Chadidscha und Abu Talib. Mohammed verlor damit familiären und politischen Schutz. Verhandlungen mit Gruppen aus Yathrib eröffneten schließlich eine neue Perspektive.


Die Hidschra von 622

Die Hidschra bezeichnet Mohammeds Auswanderung von Mekka nach Yathrib im Jahr 622. Sie war kein bloßer Ortswechsel, sondern ein politischer und sozialer Neubeginn. Die muslimische Zeitrechnung setzt später mit diesem Ereignis ein.

Die Karte rekonstruiert eine traditionell überlieferte Route. Sie ist eine moderne Darstellung und muss von einer zeitgenössischen Quelle unterschieden werden.

In Yathrib, das zunehmend Medina genannt wurde, konnte Mohammed als Vermittler, religiöser Verkünder und politischer Leiter wirken. Mit der Hidschra wandelte sich die Gemeinschaft von einer verfolgten mekkanischen Gruppe zu einem eigenständigen Gemeinwesen.


Die Gemeindeordnung von Medina

Ein in späteren Quellen überlieferter Text wird als Gemeindeordnung von Medina oder „Verfassung von Medina“ bezeichnet. Er regelt Beziehungen zwischen verschiedenen Gruppen, gegenseitige Unterstützung, Konfliktlösung und Verteidigung. Der Text verwendet den Begriff Umma für eine vertraglich verbundene Gemeinschaft.

Viele Forschende halten wesentliche Teile für früh, diskutieren aber, ob mehrere Vereinbarungen zusammengefügt wurden. Der moderne Begriff „Verfassung“ kann irreführend sein, weil er Vorstellungen eines neuzeitlichen Staates nahelegt. Historisch sinnvoller ist es, von einer Bündnis- und Gemeindeordnung zu sprechen.


Religiöse und soziale Neuordnung

In Medina entwickelten sich Gebetsordnung, Fastenpraxis, Abgaben, Familienrecht und Regeln des Zusammenlebens weiter. Der Koran reagiert auf konkrete Fragen der Gemeinde und verknüpft religiöse Normen mit sozialer Organisation.

Die Qibla, die Gebetsrichtung, wurde nach islamischer Überlieferung von Jerusalem nach Mekka geändert. Die Kaaba erhielt dadurch eine zentrale Stellung in der neuen Gemeinschaft. Gleichzeitig verstand sich Mohammeds Botschaft als Fortführung der Offenbarungen an Abraham, Mose und Jesus.

Die Beziehungen zu jüdischen Gruppen in Medina waren nicht einheitlich. Es gab Kooperation, religiöse Auseinandersetzungen, politische Bündnisse und gewaltsame Konflikte. Spätere Darstellungen dürfen nicht pauschal auf „Muslime gegen Juden“ reduziert werden. Die Konflikte müssen in ihrer lokalen politischen Situation untersucht und dürfen nicht zur Rechtfertigung moderner Feindbilder benutzt werden.


Badr, Uhud und der Grabenkampf

Die medinensische Zeit war von militärischen Auseinandersetzungen mit den Quraisch und wechselnden Bündnissen geprägt.

Ereignis Traditionelle Datierung Historische Bedeutung
Schlacht von Badr 624 Überraschender Erfolg der muslimischen Gemeinschaft; starke religiöse Deutung im Koran und in der Sīra
Schlacht von Uhud 625 Rückschlag für Mohammeds Anhänger; Diskussion über Gehorsam, Standhaftigkeit und Führung
Grabenschlacht 627 Abwehr einer mekkanischen Koalition durch Befestigung und Bündnispolitik

Der Koran kommentiert einzelne Konflikte, liefert aber keine vollständige Militärgeschichte. Spätere Sīra- und Maghāzī-Berichte ergänzen viele Details. Historikerinnen und Historiker vergleichen deshalb Textschichten, Ortskenntnis, Namenslisten und politische Plausibilität.

Nach dem Grabenkampf kam es der Überlieferung zufolge zum Konflikt mit den Banū Quraiza. Berichte über Urteil, Hinrichtungen und Versklavung gehören zu den besonders kontrovers diskutierten Episoden. Die Quellen sind später überliefert, variieren und wurden in religiösen sowie politischen Debatten instrumentalisiert. Eine seriöse Analyse muss den Quellenabstand, antike Kriegsnormen und die Gefahr moderner Kollektivzuschreibungen berücksichtigen.


Der Vertrag von Hudaybiyya

Im Jahr 628 schloss Mohammed nach der Überlieferung mit den Quraisch den Vertrag von Hudaybiyya. Obwohl einige Anhänger die Bedingungen zunächst als nachteilig empfanden, ermöglichte der Vertrag eine Phase politischer Stabilisierung und erweiterte Mohammeds Handlungsspielraum.

Das Ereignis zeigt, dass Mohammeds Aufstieg nicht nur militärisch erklärt werden kann. Diplomatie, Heiratsbeziehungen, Bündnisse, Verhandlungen, religiöse Autorität und die Aufnahme neuer Gruppen waren ebenso wichtig.


Die Einnahme Mekkas

630 zog Mohammed mit einer starken Streitmacht nach Mekka. Die Stadt ergab sich nach traditioneller Darstellung mit relativ geringem Widerstand. Die Kaaba wurde zum Zentrum des islamischen Kultes, und mit ihr verbundene Götterbilder wurden entfernt.

Die Einnahme Mekkas verband religiöse Symbolpolitik mit politischer Macht. Mohammed integrierte ehemalige Gegner in die neue Ordnung und stärkte Bündnisse auf der Arabischen Halbinsel. Die traditionelle Erinnerung betont häufig Vergebung und Amnestie, während die Geschichtswissenschaft zugleich nach Machtinteressen, Ausnahmen und späterer Idealisierung fragt.


Die letzten Jahre und der Tod

Nach 630 schlossen sich zahlreiche arabische Gruppen Mohammed an oder gingen Bündnisse mit ihm ein. Die spätere Tradition spricht vom „Jahr der Gesandtschaften“. Die tatsächliche Reichweite direkter Herrschaft, religiöser Bindung und politischer Loyalität dürfte regional unterschiedlich gewesen sein.

632 unternahm Mohammed nach islamischer Überlieferung eine letzte Pilgerfahrt. Die ihm zugeschriebene Abschiedspredigt ist in mehreren Fassungen überliefert. Kurz darauf starb er in Medina.

Die Aufnahme zeigt die Prophetenmoschee im Jahr 1908. Der Bau wurde seit dem 7. Jahrhundert vielfach erweitert und umgestaltet. Die Fotografie dokumentiert daher eine späte Phase der Erinnerung an Mohammed.

Mohammed hinterließ keine allgemein unbestrittene schriftliche Nachfolgeregelung. Die Frage, wer die Gemeinde führen sollte, prägte die weitere Geschichte des Kalifats und wurde später zu einem wichtigen Bezugspunkt für die Entstehung sunnitischer und schiitischer Traditionen.


Chronologischer Überblick

Zeitraum Ereignis Quellenkritischer Hinweis
um 570 Geburt in Mekka genaue Jahresangabe unsicher
um 595 Heirat mit Chadidscha vor allem aus späterer Biografie bekannt
um 610 Beginn der Verkündigung islamische Tradition und koranische Textgeschichte
um 615 Auswanderung eines Teils der Gemeinde nach Aksum Einzelheiten aus Sīra-Berichten
622 Hidschra nach Medina historischer Wendepunkt und Beginn der islamischen Zeitrechnung
624 Badr im Koran und in späterer Überlieferung behandelt
625 Uhud koranische Deutung und Sīra-Erzählung
627 Grabenkampf genaue Chronologie aus späteren Quellen rekonstruiert
628 Hudaybiyya Beispiel für Diplomatie und Bündnispolitik
630 Einnahme Mekkas politische und religiöse Neuordnung
632 letzte Pilgerfahrt und Tod in Medina Beginn der Nachfolgekonflikte


Mohammed als religiöser und politischer Akteur


Verkünder des Monotheismus

Mohammeds Botschaft stellte die Einheit Gottes, das Jüngste Gericht und menschliche Verantwortung in den Mittelpunkt. Der Koran verbindet Glauben mit sozialer Fürsorge, Gebet, gerechtem Handeln und Kritik an Hochmut. Mohammed verstand seine Verkündigung nicht als völlig beziehungslose Neugründung, sondern als Bestätigung und Erneuerung einer prophetischen Tradition, die auf Abraham, Mose, Jesus und weitere Gestalten verwies.

Aus historischer Sicht ist wichtig, dass sich die Identität der frühen Bewegung entwickelte. In der Forschung wird diskutiert, wann eine klar abgegrenzte islamische Gemeinschaft entstand und wie lange sich Mohammeds Anhänger als breitere Bewegung von „Gläubigen“ verstanden.


Gemeindeleiter und Schiedsrichter

In Medina verband Mohammed religiöse Autorität mit politischer Führung. Er entschied Streitfälle, organisierte Bündnisse, regelte Abgaben und vertrat die Gemeinde nach außen. Seine Stellung entsprach weder exakt einem modernen Staatsoberhaupt noch ausschließlich einem Geistlichen.

Die entstehende Ordnung blieb stark personenbezogen. Verwandtschaft, Stammeszugehörigkeit, Treueversprechen und religiöse Bindung wirkten gleichzeitig. Gerade diese Verbindung erklärt, weshalb Mohammeds Tod eine schwierige Nachfolgefrage auslöste.


Krieg, Frieden und Diplomatie

Mohammed führte oder autorisierte militärische Unternehmungen. Zugleich schloss er Verträge, akzeptierte Waffenruhen, verhandelte mit Gegnern und integrierte neue Verbündete. Historische Urteile dürfen weder Gewalt ausblenden noch die gesamte Entwicklung auf Gewalt reduzieren.

Kriegerische Beute, Gefangenschaft und Sklaverei gehörten zur Welt des 7. Jahrhunderts. Der Koran und die frühe Gemeinde regelten bestehende Praktiken, schafften sie aber nicht vollständig ab. Für eine ethische Bewertung ist es sinnvoll, zwischen historischer Erklärung, zeitgenössischen Normen und heutigen Menschenrechtsvorstellungen zu unterscheiden.


Frauen in Überlieferung und Geschichte

Frauen erscheinen in den Quellen als Unterstützerinnen, Überlieferinnen, Familienmitglieder, Gegnerinnen und politische Akteurinnen. Chadidscha wird als wirtschaftlich selbstständige Unternehmerin und erste Gläubige erinnert. Aischa wurde zu einer bedeutenden Hadithüberlieferin und spielte nach Mohammeds Tod eine politische Rolle. Fatima erhielt besonders in schiitischen Traditionen zentrale Bedeutung.

Die Berichte entstanden in patriarchal geprägten Gesellschaften. Deshalb muss gefragt werden, welche Stimmen erhalten blieben, welche Rollen idealisiert wurden und wie spätere Rechtsdebatten biografische Erzählungen beeinflussten.


Forschungsdebatten


Tradition, Revision und methodische Mitte

Die Forschung zu Mohammed bewegt sich zwischen unterschiedlichen Ansätzen. Manche Darstellungen folgen der späteren islamischen Überlieferung weitgehend. Stark revisionistische Ansätze misstrauen ihr grundsätzlich und stützen sich bevorzugt auf zeitnahe materielle oder nichtmuslimische Quellen. Viele neuere Arbeiten versuchen, Berichte einzeln zu prüfen, Überlieferungswege zu rekonstruieren und verschiedene Quellengruppen miteinander ins Gespräch zu bringen.

Ein pauschales Urteil wie „alles historisch“ oder „alles erfunden“ wird der Quellenlage nicht gerecht. Wissenschaftlich sinnvoll ist eine abgestufte Bewertung: Manche Ereignisse sind gut belegt, andere plausibel, wieder andere bleiben offen.


Umstrittene Fragen

Forschungsfrage Warum sie umstritten ist Mögliche Untersuchungsmethode
Wie bedeutend war der Fernhandel Mekkas? spätere Überlieferung und ökonomische Modelle führen zu unterschiedlichen Bildern Vergleich von Handelswegen, Geografie, Texten und Archäologie
Wie früh wurde der Koran gesammelt? religiöse Tradition, Handschriften und Textgeschichte müssen verbunden werden Paläografie, Radiokarbondatierung und Variantenanalyse
Wie zuverlässig ist Ibn Ishāq? zeitlicher Abstand und verlorenes Original Vergleich der Bearbeitungen, Überlieferer und Parallelberichte
Welche Gruppen gehörten anfangs zur Umma? Begriffe und Grenzen entwickelten sich Analyse früher Koranstellen und der Gemeindeordnung
Wie sind Konfliktberichte zu bewerten? spätere rechtliche und politische Interessen können Erzählungen formen Variantenvergleich und Kontextualisierung antiker Kriegsnormen
Wann wurde „Islam“ zu einer klaren Konfession? frühe Selbstbezeichnungen und spätere Systematisierungen unterscheiden sich Inschriften, Münzen, Papyri und literarische Quellen kombinieren

Der Vortrag von Fred M. Donner stellt eine wissenschaftliche These zu den Ursprüngen des Islam vor. Auch ein Universitätsvortrag ist keine endgültige Wahrheit, sondern muss mit anderen Forschungspositionen verglichen werden.


Historische Gewissheit richtig formulieren

Eine gute historische Darstellung markiert ihren Sicherheitsgrad sprachlich:

  1. gut belegt: Mehrere unabhängige oder zeitnahe Quellen stimmen in einem Kernpunkt überein.
  2. wahrscheinlich: Die Erklärung passt zu Quellenlage und Kontext, bleibt aber nicht vollständig beweisbar.
  3. nach islamischer Überlieferung: Die Aussage ist für die religiöse Tradition wichtig, aber nicht unabhängig überprüfbar.
  4. umstritten: Fachleute bewerten Quellen oder Methoden unterschiedlich.
  5. nicht belegt: Eine populäre Behauptung besitzt keine ausreichende Quellenbasis.


Nachfolge und historische Wirkung


Die Nachfolge nach 632

Nach Mohammeds Tod wurde Abu Bakr in Medina zum Führer der Gemeinde gewählt beziehungsweise anerkannt. Er erhielt später den Titel Kalif, also Nachfolger oder Stellvertreter. Es folgten Umar ibn al-Chattab, Uthman ibn Affan und Ali ibn Abi Talib.

Die spätere sunnitische Tradition verehrte diese vier als „rechtgeleitete Kalifen“. Schiitische Traditionen betonten dagegen den besonderen Anspruch Alis und seiner Familie. Die Trennung zwischen Sunniten und Schiiten entstand nicht in einem einzigen Moment, sondern entwickelte sich aus politischen, theologischen und erinnerungskulturellen Konflikten.


Expansion und Staatsbildung

Nach 632 dehnten arabisch-muslimische Heere ihre Herrschaft rasch über Gebiete des Byzantinischen und Sassanidischen Reiches aus. Diese Expansion wurde durch religiöse Motivation, politische Bündnisse, Beuteinteressen, militärische Organisation und die Schwäche der Großreiche beeinflusst.

Die Karte unterscheidet mehrere Phasen. Sie darf nicht den Eindruck erwecken, alle eroberten Bevölkerungen seien sofort muslimisch geworden. Politische Herrschaft, arabische Besiedlung, sprachliche Veränderung und religiöse Konversion verliefen in vielen Regionen über Jahrhunderte.


Koran, Sunna und Recht

Mohammeds Verkündigung wurde im Koran gesammelt. Berichte über seine Lebensweise bildeten die Sunna. Zusammen wurden Koran und Sunna zu grundlegenden Bezugspunkten islamischer Theologie und Rechtsgelehrsamkeit.

Das spätere islamische Recht entstand jedoch nicht einfach als fertiges Gesetzbuch aus Mohammeds Lebenszeit. Juristen entwickelten Methoden, verglichen Hadithe, berücksichtigten Konsens, Analogie und lokale Praxis. Die Berufung auf Mohammed wurde dadurch zu einem zentralen Mittel rechtlicher Legitimation.


Erinnerungskultur und Verehrung

Mohammed wurde in Predigt, Dichtung, Kalligrafie, Festen, Pilgerpraxis und Biografien erinnert. Die Mawlid-Feier seines Geburtstags verbreitete sich erst in späteren Jahrhunderten und wurde innerhalb des Islam unterschiedlich bewertet.

Eine osmanische Hilye beschreibt Mohammeds Eigenschaften in kunstvoller Kalligrafie. Sie zeigt, wie Schrift an die Stelle eines Porträts treten und zugleich Verehrung ausdrücken konnte.

In Europa war das Mohammedbild lange von christlicher Polemik geprägt. Später entstanden aufklärerische, romantische, orientalistische und koloniale Deutungen. Moderne Darstellungen schwanken teilweise zwischen Idealisierung und Dämonisierung. Die Geschichtswissenschaft muss beide Extreme vermeiden.


Globale Bedeutung

Mohammeds Wirkung reicht weit über seine Lebenszeit hinaus. Sie betrifft:

  1. die Entstehung und weltweite Verbreitung des Islam.
  2. die Herausbildung neuer Reiche, Handelsräume und Wissenskulturen.
  3. die Geschichte des Arabischen als Religions-, Verwaltungs- und Wissenschaftssprache.
  4. die Entwicklung islamischer Theologie, Philosophie, Kunst und Rechtskultur.
  5. politische Legitimationsformen vom Kalifat bis zu modernen Bewegungen.
  6. interreligiöse Beziehungen zwischen Muslimen, Juden, Christen und anderen Gruppen.
  7. Erinnerungskonflikte, Identitätspolitik und globale Medienkultur der Gegenwart.


Medien- und Quellenkritik


Bilder richtig lesen

Ein Bild eines historischen Ortes ist nicht automatisch ein Bild der Vergangenheit. Bei jeder Darstellung solltest Du fragen:

  1. Wann entstand das Bild?
  2. Wer stellte den Ort oder Gegenstand dar?
  3. Welche Veränderungen fanden seit Mohammeds Lebenszeit statt?
  4. Ist es eine Fotografie, Rekonstruktionszeichnung, Karte, Kalligrafie oder spätere Buchmalerei?
  5. Welche religiöse oder politische Botschaft vermittelt die Darstellung?
  6. Welche Informationen fehlen außerhalb des Bildausschnitts?


Videos und populäre Darstellungen prüfen

Dokumentationen vereinfachen häufig, um eine klare Erzählung zu erzeugen. Prüfe deshalb, ob ein Video:

  1. zwischen islamischer Tradition und historischer Rekonstruktion unterscheidet.
  2. die verwendeten Quellen nennt.
  3. Unsicherheiten sichtbar macht.
  4. unterschiedliche Forschungspositionen fair darstellt.
  5. dramatische Bilder nicht als Beweis missbraucht.
  6. gegenwärtige politische Konflikte nicht unzulässig in das 7. Jahrhundert zurückprojiziert.


Literatur und wissenschaftliche Orientierung

Für eine vertiefte Beschäftigung eignen sich unter anderem folgende Werke:

  1. Sean W. Anthony: Muhammad and the Empires of Faith. The Making of the Prophet of Islam. University of California Press, 2020.
  2. Fred M. Donner: Muhammad and the Believers. At the Origins of Islam. Harvard University Press, 2010.
  3. Gregor Schoeler: The Biography of Muhammad. Nature and Authenticity. Routledge, 2011.
  4. Harald Motzki als Herausgeber: The Biography of Muhammad. The Issue of the Sources. Brill, 2000.
  5. Angelika Neuwirth: Der Koran als Text der Spätantike. Verlag der Weltreligionen, 2010.
  6. Rudi Paret: Mohammed und der Koran. Kohlhammer.
  7. Tilman Nagel: Mohammed. Leben und Legende. Oldenbourg, 2008.
  8. Ibn Ishāq und Ibn Hischām: überlieferte frühe Prophetenbiografie, quellenkritisch zu lesen.
  9. At-Tabarī: historische Überlieferungen zur Frühzeit des Islam, in späterer Kompilation.
  10. Koran: möglichst in mehreren Übersetzungen und mit wissenschaftlichem Kommentar vergleichen.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welche Quellengruppe ist für Mohammeds Verkündigung zeitlich am frühesten und zentral? (Der Koran) (!Die Chronik des at-Tabari) (!Die Hadithsammlung des al-Buchari) (!Eine europäische Biografie des 19. Jahrhunderts)




In welche Stadt führte Mohammeds Hidschra? (Nach Yathrib dem späteren Medina) (!Nach Jerusalem) (!Nach Damaskus) (!Nach Bagdad)




Welche Jahreszahl ist mit der Hidschra verbunden? (622) (!570) (!610) (!750)




Was bezeichnet die Sira? (Die literarische Überlieferung über Mohammeds Leben) (!Eine Münzreform der Umayyaden) (!Eine byzantinische Gesetzessammlung) (!Eine vorislamische Gottheit)




Welches Ereignis fand nach traditioneller Chronologie im Jahr 624 statt? (Die Schlacht von Badr) (!Die Einnahme Mekkas) (!Der Tod Mohammeds) (!Die Gründung Bagdads)




Welche Funktion hatte der Vertrag von Hudaybiyya? (Er regelte einen zeitweiligen Ausgleich zwischen Mohammed und den Quraisch) (!Er bestimmte den ersten Kalifen) (!Er beendete das Sassanidenreich) (!Er führte die arabische Schrift ein)




Welche Aussage zur Gemeindeordnung von Medina ist historisch angemessen? (Sie regelte Bündnisse und Pflichten verschiedener Gruppen) (!Sie war eine moderne parlamentarische Verfassung) (!Sie wurde als Originalhandschrift von 622 gefunden) (!Sie schaffte alle Stammesbindungen sofort ab)




Warum müssen Hadithe quellenkritisch untersucht werden? (Weil ihre Sammlungen später entstanden und einzelne Zuschreibungen geprüft werden müssen) (!Weil sie ausschließlich auf Griechisch verfasst wurden) (!Weil sie keine religiöse Bedeutung besitzen) (!Weil sie nur von europäischen Autoren überliefert wurden)




Wann starb Mohammed nach der üblichen Chronologie? (632) (!622) (!661) (!711)




Welche Aussage entspricht historischer Quellenkritik? (Religiöse Überlieferung und historische Rekonstruktion müssen unterschieden und verglichen werden) (!Alle späteren Quellen sind grundsätzlich wertlos) (!Jede traditionelle Erzählung ist automatisch zeitgenössisch) (!Eine moderne Karte beweist den exakten Verlauf eines historischen Weges)





Memory

Koran früheste zentrale Textquelle der Verkündigung
Sira literarische Prophetenbiografie
Hadith Bericht über Worte und Handlungen
Hidschra Auswanderung nach Medina
Umma verbundene Gemeinschaft
Hudaybiyya diplomatischer Vertrag
Isnad Überliefererkette
Kalifat politische Nachfolgeordnung





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Historische Bedeutung
Jabal an-Nur Ort der ersten Offenbarung nach islamischer Tradition
Yathrib früherer Name Medinas
Quraisch einflussreiche Stammesgruppe Mekkas
Badr früher militärischer Erfolg der medinensischen Gemeinde
Uhud militärischer Rückschlag für Mohammeds Anhänger
Hudaybiyya Beispiel für Verhandlung und Waffenruhe
Kaaba zentraler Kultort in Mekka
Ibn Ishaq früher Verfasser einer umfangreichen Prophetenbiografie






Kreuzworträtsel

Medina Wie heißt die Stadt, in die Mohammed auswanderte?
Hidschra Wie heißt Mohammeds Auswanderung von Mekka nach Medina?
Koran Welche zentrale Textquelle enthält Mohammeds Verkündigung?
Hadith Wie heißt ein Bericht über ein Wort oder eine Handlung Mohammeds?
Isnad Wie heißt die Kette der Überlieferer eines Berichts?
Quraisch Welcher Stammesgruppe gehörte Mohammed an?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Mohammed wurde wahrscheinlich um

in Mekka geboren. Seine Stammesgruppe waren die

. Nach islamischer Überlieferung erhielt er um 610 seine erste Offenbarung in der Höhle

. Die zentrale frühe Textquelle seiner Verkündigung ist der

. Die Auswanderung nach Medina heißt

. Sie fand im Jahr

statt. Der frühere Name Medinas war

. Die verbundene Gemeinde wurde als

bezeichnet. Der frühe militärische Erfolg der Gemeinde war die Schlacht von

. Ein späterer Rückschlag ereignete sich bei

. Der Vertrag von

zeigt Mohammeds diplomatische Strategie. Mekka wurde nach der üblichen Chronologie im Jahr

eingenommen. Mohammed starb im Jahr

. Die Literatur über sein Leben heißt

. Eine Überliefererkette wird

genannt. Die politische Nachfolgeinstitution wurde als

bezeichnet.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Zeitleiste Mohammeds: Gestalte eine Zeitleiste mit mindestens acht Ereignissen. Kennzeichne bei jedem Ereignis, ob es gut belegt, traditionell überliefert oder umstritten ist.
  2. Historische Karte: Markiere Mekka, Medina, Aksum, Jerusalem, das Byzantinische Reich und das Sassanidenreich auf einer selbst gestalteten Karte. Erläutere die räumlichen Beziehungen.
  3. Begriffslexikon: Erstelle kurze, eigene Definitionen zu Koran, Sīra, Hadith, Hidschra, Umma und Kalifat. Ergänze zu jedem Begriff eine quellenkritische Frage.
  4. Bildanalyse: Wähle ein im Kurs verwendetes Bild aus und untersuche Entstehungszeit, Bildtyp, Aussagekraft und Grenzen als historische Quelle.


Standard

  1. Quellenvergleich: Vergleiche eine koranische Passage zu einem historischen Konflikt mit einer späteren Sīra-Erzählung. Arbeite Gemeinsamkeiten, Ergänzungen und mögliche spätere Deutungen heraus.
  2. Podcast zur Hidschra: Produziere einen fünf- bis achtminütigen Podcast, der die Hidschra als religiöses, soziales und politisches Ereignis erklärt.
  3. Debatte um Medina: Verfasse zwei kurze Stellungnahmen zur Gemeindeordnung von Medina. Eine soll den Begriff „Verfassung“ verteidigen, die andere seine Verwendung kritisieren.
  4. Dokumentationscheck: Analysiere ein Video über Mohammed. Erstelle ein Prüfprotokoll zu Quellenangaben, Sprache, Dramatisierung, Unsicherheiten und Perspektiven.


Schwer

  1. Forschungsessay: Erörtere auf Grundlage mehrerer wissenschaftlicher Positionen, wie zuverlässig die Sīra für eine Biografie Mohammeds genutzt werden kann.
  2. Digitale Ausstellung: Entwickle eine virtuelle Ausstellung mit mindestens sechs Objekten zu „Mohammed zwischen Geschichte und Erinnerung“. Nutze Karten, Handschriften, Kalligrafien, Münzen oder Architektur und verfasse quellenkritische Objekttexte.
  3. Historiografievergleich: Vergleiche eine muslimische, eine ältere europäische und eine aktuelle akademische Darstellung Mohammeds. Untersuche Begriffe, Wertungen, Quellen und politische Kontexte.
  4. Transferprojekt Religionsstifter: Vergleiche die Quellenprobleme bei Mohammed mit der Erforschung einer anderen religiösen Gründungsfigur. Entwickle Kriterien, die für beide Fälle gelten, ohne die Traditionen gleichzusetzen.




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Lernkontrolle

  1. Quellenhierarchie: Du erhältst einen Koranvers, eine Sīra-Erzählung, eine Münze des späten 7. Jahrhunderts und eine moderne Dokumentation. Entwickle eine begründete Reihenfolge, in welcher Du die Quellen für eine konkrete Forschungsfrage untersuchen würdest. Erkläre, warum eine allgemeine Rangliste nicht für jede Frage funktioniert.
  2. Hidschra als Wendepunkt: Beurteile die Aussage „Mit der Hidschra wurde aus einer religiösen Bewegung ein politisches Gemeinwesen“. Zeige, was für und was gegen diese Zuspitzung spricht.
  3. Macht und Religion: Analysiere, wie religiöse Autorität, Stammesbeziehungen, Diplomatie und militärische Macht in Mohammeds medinensischer Führung zusammenwirkten. Vermeide eine monokausale Erklärung.
  4. Konfliktanalyse: Entwickle ein Schema, mit dem Du einen Konfliktbericht aus der Sīra prüfen kannst. Wende es auf Badr, Uhud oder den Konflikt mit den Banu Quraiza an.
  5. Kartenkritik: Eine Karte zeigt ein einheitliches islamisches Herrschaftsgebiet im Jahr 632. Erkläre, welche falschen Vorstellungen die Darstellung hervorrufen kann und wie eine differenziertere Karte gestaltet werden müsste.
  6. Nachfolgeproblem: Erkläre, weshalb Mohammeds Tod sowohl ein politisches als auch ein religiöses Nachfolgeproblem auslöste. Beziehe spätere sunnitische und schiitische Erinnerung ein.
  7. Historisches Urteil: Formuliere ein ausgewogenes Urteil zur Aussage „Mohammed war vor allem Religionsstifter“. Berücksichtige mindestens drei Rollen und die Grenzen moderner Kategorien.
  8. Gegenwartsbezug: Untersuche eine aktuelle öffentliche Aussage über Mohammed. Prüfe, ob sie historische Information, Glaubensaussage, Polemik oder politische Instrumentalisierung enthält.




Lernnachweis

Für einen erfolgreichen Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du:

  1. die wichtigsten Stationen von Mohammeds Leben chronologisch und räumlich einordnen kannst.
  2. zwischen Koran, Sīra, Hadith, nichtmuslimischen Texten und materiellen Quellen unterscheidest.
  3. Entstehungszeit, Perspektive, Überlieferungsweg und Aussagegrenze einer Quelle benennst.
  4. religiöse Tradition respektvoll von historischer Rekonstruktion trennst.
  5. Mohammeds Wirken in die Spätantike und die Geschichte Arabiens einordnest.
  6. Hidschra, Umma, Hudaybiyya, Einnahme Mekkas und Nachfolgeproblem in ihren Zusammenhängen erklärst.
  7. Forschungsdebatten ohne falsche Gewissheit zusammenfassen kannst.
  8. Karten, Bilder und Videos als konstruierte Darstellungen analysierst.
  9. ein begründetes historisches Urteil formulierst und Gegenargumente berücksichtigst.
  10. pauschale, apologetische oder antimuslimische Darstellungen quellenkritisch erkennst.

Als Lernprodukt eignet sich ein Portfolio aus Zeitleiste, Quellenanalyse, Kartenkritik, Forschungsessay und mündlicher Präsentation. Bewertet werden Sachgenauigkeit, Methodenbewusstsein, Multiperspektivität, Argumentation und ein reflektierter Umgang mit Unsicherheit.




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  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Mittlere Reife

  1. Der Markisenmann - Jan Weiler oder Als die Welt uns gehörte - Liz Kessler
  2. Ein Schatten wie ein Leopard - Myron Levoy oder Pampa Blues - Rolf Lappert

Abitur Dorfrichter-Komödie über Wahrheit/Schuld; Roman über einen Ort und deutsche Geschichte. Mittlere Reife Wahllektüren (Roadtrip-Vater-Sohn / Jugendroman im NS-Kontext / Coming-of-age / Provinzroman).

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  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
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Berlin/Brandenburg

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Hessen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
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Abitur Gerichtskomödie; Fragmentdrama über Gewalt/Entmenschlichung; Erinnerungsroman über deutsche Brüche; moderner Roman über Schuld, Macht und Bürokratie.

Niedersachsen

Abitur

  1. Der zerbrochene Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun
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  4. Über das Marionettentheater - Heinrich von Kleist

Abitur Schwerpunkt auf Drama/Roman sowie Kleist-Prosatext und Essay (Ehre, Gewalt, Unschuld; Ästhetik/„Anmut“).

Nordrhein-Westfalen

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  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Komödie über Wahrheit und Autorität; Roman als literarische „Geschichtsschichtung“ an einem Ort.

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Sachsen (berufliches Gymnasium)

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  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Irrungen, Wirrungen - Theodor Fontane
  4. Der gute Mensch von Sezuan - Bertolt Brecht
  5. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  6. Der Trafikant - Robert Seethaler

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  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Themenfelder)

Abitur Schwerpunktsetzung über Themenfelder (u. a. Literatur um 1900; Sprache in politisch-gesellschaftlichen Kontexten), ohne feste Einzeltitel.

Schleswig-Holstein

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  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Recht/Gerechtigkeit und historische Tiefenschichten eines Ortes – umgesetzt über Drama und Gegenwartsroman.

Thüringen

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  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool)

Abitur In der Praxis häufig Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool; landesweite Einzeltitel je nach Vorgabe/Handreichung nicht einheitlich ausgewiesen.

Mecklenburg-Vorpommern

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  1. (Quelle aktuell technisch nicht abrufbar; Beteiligung am gemeinsamen Aufgabenpool bekannt)

Abitur Land beteiligt sich am länderübergreifenden Aufgabenpool; konkrete, veröffentlichte Einzeltitel konnten hier nicht ausgelesen werden.

Rheinland-Pfalz

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  1. (keine landesweit einheitliche Pflichtlektüre; schulische Auswahl)

Abitur Keine landesweite Einheitsliste; Auswahl kann schul-/kursbezogen erfolgen.




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