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Max-Planck-Forschung - Deutschland 1

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Max-Planck-Forschung - Deutschland 1



Max-Planck-Forschung - Deutschland


Einleitung

Die Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e. V. (MPG) gehört zu den bedeutenden Organisationen für Grundlagenforschung in Deutschland. Ihr Ziel ist vor allem, neues Wissen zu gewinnen: Forschende untersuchen grundlegende Strukturen, Prozesse und Zusammenhänge, auch wenn zu Beginn noch nicht feststeht, ob oder wann daraus eine konkrete Anwendung entsteht. Genau darin liegt eine Stärke der Grundlagenforschung. Sie schafft Wissen, auf dem spätere technische, medizinische, gesellschaftliche oder kulturelle Entwicklungen aufbauen können.

Die MPG betreibt Forschung in den Natur-, Lebens-, Sozial- und Geisteswissenschaften. Nach Angaben der Gesellschaft unterhält sie 85 Max-Planck-Institute und Forschungseinrichtungen (Stichtag 1. Januar 2025). Ende 2025 arbeiteten dort rund 26.700 Menschen; mehr als 63 Prozent waren dem wissenschaftlichen Bereich zugeordnet. Die Finanzierung erfolgt überwiegend aus öffentlichen Mitteln von Bund und Ländern. Damit ist die Max-Planck-Forschung auch ein Beispiel dafür, wie eine Gesellschaft langfristig in Wissen investiert.

Das Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie in Dortmund steht beispielhaft für die dezentrale Struktur der MPG: Die einzelnen Institute arbeiten an unterschiedlichen Forschungsfragen und verfügen über erhebliche wissenschaftliche Eigenständigkeit.

Das kurze Video der Max-Planck-Gesellschaft gibt einen Überblick über die Idee der Grundlagenforschung und die Organisation der MPG.


Was bedeutet Grundlagenforschung?

Grundlagenforschung ist in erster Linie erkenntnisorientiert. Sie fragt zum Beispiel: Wie entstehen Galaxien? Wie verarbeitet das Gehirn Informationen? Wie regulieren Zellen ihre Gene? Welche Regeln bestimmen soziale Institutionen? Wie verändern sich Sprachen? Welche Eigenschaften haben neue Materialien? Solche Fragen werden nicht zwingend gestellt, um sofort ein Produkt oder eine Dienstleistung zu entwickeln.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Grundlagenforschung „nutzlos“ wäre. Im Gegenteil: Viele Anwendungen beruhen auf Erkenntnissen, deren späterer Nutzen bei ihrer Entdeckung kaum vorhersehbar war. Quantenphysikalische Forschung bildet heute Grundlagen für Halbleiter, Laser und moderne Messtechnik. Erkenntnisse über DNA, Proteine und Zellprozesse sind Voraussetzungen moderner Biomedizin. Mathematische Theorien können Jahrzehnte später in Informatik oder Kryptografie relevant werden.

Grundlagenforschung und angewandte Forschung sind deshalb keine vollständig getrennten Welten. Zwischen ihnen bestehen Rückkopplungen. Eine technische Herausforderung kann neue Grundlagenfragen erzeugen, und eine unerwartete Grundlagenentdeckung kann neue Anwendungen ermöglichen.

Das Video „Durch Staub zu den Sternen. Ist Forschung ohne Nutzen nutzlos?“ eignet sich dazu, über den langfristigen Wert erkenntnisorientierter Forschung zu diskutieren.


Max Planck als Namensgeber

Die Max-Planck-Gesellschaft trägt den Namen des Physikers Max Planck (1858–1947), eines Mitbegründers der Quantenphysik. Planck erhielt 1918 den Nobelpreis für Physik. Seine Arbeiten zur Quantisierung der Energie veränderten das physikalische Weltbild grundlegend.

Wichtig ist die Unterscheidung: Max Planck selbst war nicht Forscher der heutigen Max-Planck-Gesellschaft. Diese wurde erst nach seinem Tod in ihrer heutigen Form gegründet. Sein Name stand für den wissenschaftlichen Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg.


Von der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Max-Planck-Gesellschaft

Die Vorgängerorganisation der MPG war die 1911 gegründete Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft. Sie entwickelte ein Modell außeruniversitärer Forschungsinstitute, in denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler langfristig an grundlegenden Fragen arbeiten konnten.

Die Geschichte dieser Organisation besitzt jedoch auch eine problematische Seite. Während des Nationalsozialismus kooperierten Leitung und zahlreiche Wissenschaftler der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft mit dem NS-Regime. Forschung wurde teilweise in den Dienst von Krieg, Rassenideologie und menschenverachtender Politik gestellt. Diese Geschichte zeigt, dass wissenschaftliche Leistungsfähigkeit allein keine verantwortungsvolle Wissenschaft garantiert. Forschung benötigt ethische Regeln, institutionelle Kontrolle und die Bindung an Menschenrechte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg drängten die Alliierten auf eine Neuordnung der deutschen Wissenschaftslandschaft. Am 26. Februar 1948 wurde in Göttingen die heutige Max-Planck-Gesellschaft als Nachfolgeorganisation gegründet. Erster Präsident wurde der Chemiker und Nobelpreisträger Otto Hahn. Die MPG betrachtet die kritische Aufarbeitung der Geschichte ihrer Vorgängerorganisation heute als Teil ihrer institutionellen Erinnerungskultur.


Das Harnack-Prinzip

Ein wichtiges Organisationsprinzip geht auf Adolf von Harnack zurück. Seine Grundidee war, Forschungsinstitute um besonders ausgewiesene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aufzubauen und ihnen große Freiheit bei der Wahl ihrer Forschungsfragen zu geben. Dieses sogenannte Harnack-Prinzip prägt die Max-Planck-Gesellschaft bis heute.

Die Idee dahinter lautet: Wissenschaftliche Durchbrüche lassen sich nur begrenzt planen. Forschende benötigen Zeit, qualifizierte Teams, geeignete Infrastruktur und Freiheit, ungewöhnliche Fragen zu verfolgen. Gleichzeitig muss wissenschaftliche Freiheit mit Qualitätssicherung, Transparenz und Verantwortung verbunden werden.


Wie arbeitet Wissenschaft?

Es gibt nicht die eine wissenschaftliche Methode, die in allen Fächern identisch abläuft. Ein Experiment in der Molekularbiologie funktioniert anders als eine historische Quellenanalyse, eine mathematische Beweisführung oder eine sozialwissenschaftliche Interviewstudie. Trotzdem gibt es gemeinsame Prinzipien wissenschaftlicher Arbeit.

Das Diagramm zeigt einen vereinfachten Kreislauf naturwissenschaftlicher Forschung. In realen Forschungsprojekten sind Rücksprünge, Korrekturen und mehrere parallele Arbeitsschritte üblich.


Forschungsfrage und Stand des Wissens

Am Anfang steht häufig eine Beobachtung, ein theoretisches Problem oder eine offene Frage. Forschende prüfen zunächst, was bereits bekannt ist. Dazu lesen sie Fachliteratur, vergleichen frühere Studien und identifizieren Wissenslücken. Eine gute Forschungsfrage muss so präzise sein, dass sie mit geeigneten Methoden bearbeitet werden kann.


Hypothesen und Modelle

In vielen empirischen Wissenschaften wird aus einer Theorie eine Hypothese abgeleitet. Eine Hypothese ist eine begründete und prinzipiell überprüfbare Annahme. Forschende fragen nicht nur, welche Beobachtungen zu ihrer Hypothese passen, sondern auch, welche Ergebnisse gegen sie sprechen würden.

Modelle vereinfachen komplexe Wirklichkeit. In der Physik können sie mathematisch formuliert sein, in den Lebenswissenschaften funktionale Zusammenhänge darstellen und in Sozialwissenschaften Beziehungen zwischen sozialen Faktoren beschreiben. Ein Modell ist kein identisches Abbild der Realität, sondern ein Werkzeug zum Erklären, Vorhersagen oder Strukturieren.


Operationalisierung und Versuchsdesign

Eine abstrakte Idee muss in beobachtbare oder messbare Größen übersetzt werden. Dieser Schritt heißt Operationalisierung. Wer zum Beispiel „Gedächtnisleistung“ untersucht, muss festlegen, wie sie gemessen wird. Wer den Einfluss eines Stoffes auf Zellen untersucht, muss Konzentrationen, Kontrollbedingungen und Messzeitpunkte definieren.

Ein gutes Experiment versucht Störfaktoren zu kontrollieren. Häufig werden Kontrollgruppen, Randomisierung, Verblindung oder standardisierte Messverfahren eingesetzt. Welche Verfahren sinnvoll sind, hängt von der Forschungsfrage und dem Fachgebiet ab.


Daten, Unsicherheit und Statistik

Messdaten enthalten immer Unsicherheit. Geräte haben Messgrenzen, Stichproben können zufällig schwanken, biologische Systeme variieren und menschliches Verhalten ist komplex. Wissenschaftliche Analyse bedeutet deshalb nicht nur, Zahlen zu sammeln, sondern ihre Qualität und Unsicherheit zu beurteilen.

Statistik hilft, Muster zu beschreiben und abzuschätzen, ob beobachtete Unterschiede mit Zufallsschwankungen vereinbar sind. Ein statistisch auffälliges Ergebnis ist jedoch nicht automatisch praktisch bedeutsam oder kausal. Gute Forschung unterscheidet zwischen Korrelation und Kausalität und berücksichtigt Effektstärken, Unsicherheitsintervalle, Studiendesign und mögliche Verzerrungen.


Reproduzierbarkeit und Replikation

Ein wichtiges Qualitätsmerkmal empirischer Forschung ist Reproduzierbarkeit. Methoden, Datenverarbeitung und Versuchsbedingungen sollten so dokumentiert werden, dass andere Forschende nachvollziehen können, wie ein Ergebnis zustande kam. Eine Replikation wiederholt eine Untersuchung oder prüft dieselbe Hypothese mit neuen Daten.

Wenn eine Replikation zu einem anderen Ergebnis führt, bedeutet das nicht automatisch, dass jemand „falsch“ gearbeitet hat. Unterschiede können auf Stichproben, Messmethoden, Kontextbedingungen oder bisher unbekannte Einflussfaktoren hinweisen. Wissenschaftlicher Fortschritt entsteht häufig gerade dadurch, dass Ergebnisse kritisch geprüft werden.


Peer Review und wissenschaftliche Kritik

Fachartikel werden häufig vor der Veröffentlichung von anderen Fachleuten begutachtet. Dieses Peer Review kann Fehler, methodische Schwächen oder unklare Argumente sichtbar machen. Es ist jedoch kein Unfehlbarkeitssiegel. Auch begutachtete Arbeiten können sich später als fehlerhaft erweisen.

Wissenschaft ist deshalb als organisierter Prozess der Kritik zu verstehen. Ergebnisse werden publiziert, diskutiert, überprüft, verbessert oder verworfen. Verlässliches Wissen entsteht nicht durch Autorität einzelner Personen, sondern durch nachvollziehbare Methoden, Belege und fortgesetzte Prüfung.


Methodenvielfalt in der Max-Planck-Forschung

Die Max-Planck-Gesellschaft gliedert ihre wissenschaftliche Arbeit in drei große Sektionen: Biologie und Medizin, Chemie, Physik und Technik sowie Geistes-, Sozial- und Humanwissenschaften. Entsprechend vielfältig sind die Methoden.

  1. Experimentelle Naturwissenschaften: kontrollierte Experimente, Spektroskopie, Mikroskopie, Teilchendetektion, Materialanalysen und numerische Simulationen.
  2. Lebenswissenschaften: Zellkulturen, Modellorganismen, Genomik, bildgebende Verfahren, biochemische Analysen und quantitative Modelle.
  3. Sozialwissenschaften: Umfragen, Interviews, Fallstudien, statistische Analysen, Netzwerkanalysen und vergleichende Forschung.
  4. Geisteswissenschaften: Quellenkritik, Archivarbeit, Textanalyse, historische Rekonstruktion, Sprachvergleich und hermeneutische Verfahren.
  5. Informatik: Algorithmen, mathematische Beweise, Simulationen, Benchmarks, Softwareexperimente und formale Verifikation.

Die Taufliege Drosophila melanogaster ist ein klassischer Modellorganismus der Genetik und Entwicklungsbiologie. Modellorganismen erlauben es, grundlegende biologische Mechanismen unter kontrollierten Bedingungen zu untersuchen.


Großgeräte als Werkzeuge der Grundlagenforschung

Manche Forschungsfragen benötigen technische Anlagen, die einzelne Universitätsarbeitsgruppen kaum alleine betreiben könnten. Ein Beispiel ist Wendelstein 7-X am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Greifswald. Die Anlage ist ein Stellarator und dient der Erforschung magnetisch eingeschlossener heißer Plasmen. Ziel ist es, physikalische Grundlagen zu verstehen, die für eine mögliche zukünftige Nutzung der Kernfusion wichtig sind.

Wendelstein 7-X zeigt, dass die Grenze zwischen Grundlagen- und anwendungsorientierter Forschung fließend sein kann: Das Experiment untersucht grundlegende Plasmaphysik, steht aber zugleich in einem langfristigen technologischen Kontext.

Der Querschnitt des Plasmagefäßes verdeutlicht den technischen Aufwand, der notwendig sein kann, um eine präzise wissenschaftliche Frage experimentell zu untersuchen.


Forschung als internationaler Prozess

Wissenschaft ist international. Forschende wechseln zwischen Ländern, teilen Methoden, publizieren in internationalen Fachzeitschriften und arbeiten in globalen Kooperationen. Auch die Max-Planck-Gesellschaft ist stark international ausgerichtet. Ende 2025 hatten nach Angaben der MPG 58,7 Prozent der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler keinen deutschen Pass; bei den Promovierenden mit Fördervertrag lag der Anteil bei 64,3 Prozent.

Internationale Zusammenarbeit erweitert Perspektiven und ermöglicht Zugang zu Fachwissen, Daten und Infrastruktur. Sie stellt Forschungseinrichtungen zugleich vor Aufgaben: Regeln guter wissenschaftlicher Praxis, Datenschutz, Forschungsfreiheit, Exportkontrollen, Sicherheitsinteressen und Menschenrechte müssen auch in internationalen Kooperationen berücksichtigt werden.


Qualitätssicherung in der Max-Planck-Gesellschaft

Forschungsfreiheit bedeutet nicht, dass Forschung ohne Kontrolle stattfindet. Die Institute werden durch externe wissenschaftliche Fachbeiräte regelmäßig begutachtet. Diese beurteilen unter anderem Qualität und Originalität der Forschung, die Forschungsstrategie und die wissenschaftlichen Rahmenbedingungen. Die extern besetzten Fachbeiräte tagen regulär alle drei Jahre. Zusätzlich gibt es in größeren Abständen erweiterte Evaluationen von Forschungsfeldern.

Diese Form der Evaluation ist von der alltäglichen Prüfung einzelner Experimente zu unterscheiden. Sie bewertet ganze Institute und Forschungsprogramme. Beide Ebenen ergänzen sich: Innerhalb eines Projekts werden Daten und Methoden geprüft; auf institutioneller Ebene wird betrachtet, ob die wissenschaftliche Gesamtstrategie überzeugend ist.


Gute wissenschaftliche Praxis und Forschungsethik

Wissenschaftliche Erkenntnisse sind nur belastbar, wenn ihre Entstehung nachvollziehbar ist. Zur guten wissenschaftlichen Praxis gehören sorgfältige Dokumentation, korrekter Umgang mit Daten, transparente Autorenschaft und die klare Kennzeichnung fremder Beiträge.

Plagiat, Datenfälschung und Datenmanipulation verletzen zentrale Regeln der Wissenschaft. Ebenso wichtig sind ethische Fragen, die nicht allein durch Statistik beantwortet werden können. Forschung mit Menschen verlangt beispielsweise informierte Einwilligung, Datenschutz und eine Abwägung von Nutzen und Risiken. Forschung mit Tieren unterliegt rechtlichen und ethischen Anforderungen. Neue Technologien können zudem gesellschaftliche Folgen haben, die frühzeitig reflektiert werden müssen.

Die Rede „Freie Forschung und Innovation“ eignet sich als Ausgangspunkt für die Frage, warum wissenschaftliche Freiheit und gesellschaftliche Verantwortung zusammen gedacht werden müssen.


Wissenschaftsfreiheit und Verantwortung

In Deutschland schützt Artikel 5 Absatz 3 des Grundgesetzes die Freiheit von Wissenschaft, Forschung und Lehre. Wissenschaftsfreiheit ermöglicht es, auch unbequeme Fragen zu stellen und Ergebnisse zu veröffentlichen, die politischen oder wirtschaftlichen Interessen widersprechen.

Freiheit bedeutet jedoch nicht Verantwortungslosigkeit. Forschung bewegt sich innerhalb von Gesetzen, ethischen Standards und Regeln wissenschaftlicher Integrität. Besonders bei Forschung mit möglichen Doppelverwendungen, bei künstlicher Intelligenz, Biotechnologie oder sicherheitsrelevanten Themen müssen Nutzen und Risiken sorgfältig bewertet werden.

Die Antrittsrede „Transformative Wissenschaft für eine Welt im Wandel“ bietet Material für eine Diskussion darüber, wie Grundlagenforschung, gesellschaftliche Herausforderungen und wissenschaftliche Freiheit zusammenhängen.


Die MPG im deutschen Wissenschaftssystem

Deutschland besitzt ein vielfältiges System aus Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Die Organisationen verfolgen unterschiedliche Schwerpunkte und ergänzen sich.

  1. Max-Planck-Gesellschaft: Schwerpunkt auf erkenntnisorientierter Grundlagenforschung und wissenschaftlicher Eigenständigkeit der Institute.
  2. Fraunhofer-Gesellschaft: stark anwendungs- und transferorientierte Forschung in Zusammenarbeit mit Wirtschaft und öffentlicher Hand.
  3. Helmholtz-Gemeinschaft: strategische Forschung zu großen und langfristigen gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und technologischen Herausforderungen sowie Betrieb großer Forschungsinfrastrukturen.
  4. Leibniz-Gemeinschaft: breites Spektrum von Grundlagenforschung bis Transfer und wissenschaftlicher Infrastruktur.
  5. Universitäten: verbinden Forschung mit Hochschullehre, Studium, Promotion und akademischer Ausbildung.

Diese Unterscheidungen sind Schwerpunkte, keine starren Grenzen. Auch Max-Planck-Institute kooperieren mit Unternehmen oder entwickeln Anwendungen, während Universitäten und andere Forschungsorganisationen intensive Grundlagenforschung betreiben.


Vom Wissen zur Anwendung

Grundlagenforschung kann Wirkungen entfalten, die zunächst nicht vorhersehbar sind. Deshalb ist es problematisch, ihren Wert nur an kurzfristigen Produkten zu messen. Gleichzeitig wird öffentlich finanzierte Forschung zu Recht nach Qualität, Transparenz und gesellschaftlicher Verantwortung gefragt.

Forschungsorganisationen stehen somit in einem Spannungsfeld: Sie brauchen langfristige Freiheit für offene Fragen und müssen zugleich erklären, wie sie öffentliche Mittel einsetzen. Evaluation, Publikation, wissenschaftliche Kommunikation und offene Diskussion sind wichtige Instrumente, um dieses Verhältnis zu gestalten.

Das Porträt des MPG-Präsidenten und Molekularbiologen Patrick Cramer vermittelt Einblicke in wissenschaftliche Motivation, Forschungspraxis und Leitung einer großen Forschungsorganisation.


Ein Forschungsbeispiel analysieren

Angenommen, ein Forschungsteam beobachtet, dass ein bestimmtes Protein in Zellen nach Stress häufiger vorkommt. Eine wissenschaftliche Untersuchung könnte so aufgebaut sein: Zuerst wird die Beobachtung präzisiert und mit vorhandener Literatur verglichen. Dann wird eine Hypothese formuliert, etwa dass das Protein an einer Stressantwort beteiligt ist. Anschließend werden Messverfahren, Kontrollgruppen und Versuchsbedingungen definiert. Nach der Datenerhebung folgt eine statistische Auswertung. Erst danach wird interpretiert, ob die Daten die Hypothese stützen.

Entscheidend ist: Ein einzelnes Experiment beweist selten eine weitreichende Theorie. Andere Erklärungen müssen geprüft, Grenzen der Studie benannt und Ergebnisse durch weitere Experimente oder unabhängige Gruppen abgesichert werden. Genau dieses vorsichtige Vorgehen unterscheidet wissenschaftliche Argumentation von bloßer Behauptung.


Kritisch lesen wie eine Wissenschaftlerin oder ein Wissenschaftler

Wenn Du eine Forschungsnachricht liest, kannst Du systematisch prüfen:

  1. Forschungsfrage: Was wurde tatsächlich untersucht?
  2. Methode: Passt die Methode zur Frage?
  3. Stichprobe: Wie groß und wie ausgewählt ist sie?
  4. Kontrollgruppe: Gibt es einen sinnvollen Vergleich?
  5. Kausalität: Wird nur ein Zusammenhang gezeigt oder tatsächlich eine Ursache untersucht?
  6. Unsicherheit: Werden Messfehler, Streuung und Grenzen genannt?
  7. Replikation: Wurde das Ergebnis bereits unabhängig bestätigt?
  8. Interessenkonflikt: Wer finanzierte die Forschung und welche Interessen könnten relevant sein?

Diese Fragen helfen Dir nicht nur bei Max-Planck-Forschung, sondern bei wissenschaftlichen Aussagen allgemein.


Quellen und Vertiefung

  1. Max-Planck-Gesellschaft: Zahlen und Fakten
  2. Max-Planck-Gesellschaft: Profil und Selbstverständnis
  3. Max-Planck-Gesellschaft: Geschichte
  4. Max-Planck-Gesellschaft: Fachbeiräte und Evaluation
  5. Wikipedia: Max-Planck-Gesellschaft
  6. Wikipedia: Grundlagenforschung
  7. Wikipedia: Reproduzierbarkeit
  8. Wikimedia Commons: Max Planck Institutes


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was ist das Hauptziel von Grundlagenforschung? (Grundlegende Zusammenhänge erkennen und neues Wissen gewinnen) (!Möglichst schnell ein marktfertiges Produkt herstellen) (!Ausschließlich bestehende Lehrbücher zusammenfassen) (!Nur politische Entscheidungen begründen)




In welchem Jahr wurde die heutige Max-Planck-Gesellschaft gegründet? (1948) (!1911) (!1933) (!1990)




Was beschreibt eine wissenschaftliche Hypothese am besten? (Eine begründete und prinzipiell überprüfbare Annahme) (!Eine endgültig bewiesene Wahrheit) (!Eine persönliche Meinung ohne Prüfverfahren) (!Eine zufällige Zahl aus einem Experiment)




Was bedeutet Operationalisierung in empirischer Forschung? (Einen theoretischen Begriff in beobachtbare oder messbare Größen übersetzen) (!Ein Forschungsinstitut in ein Unternehmen umwandeln) (!Eine Studie ohne Daten veröffentlichen) (!Alle Messwerte durch Durchschnittswerte ersetzen)




Wozu dient eine Replikationsstudie? (Ein Ergebnis mit einer erneuten Untersuchung zu überprüfen) (!Ein Ergebnis vor anderen Forschenden geheim zu halten) (!Eine Hypothese automatisch zu bestätigen) (!Ein Experiment durch eine Meinungsumfrage zu ersetzen)




Welche Aufgabe hat Peer Review? (Fachliche Prüfung einer wissenschaftlichen Arbeit durch andere Fachleute) (!Automatische Vergabe eines Nobelpreises) (!Politische Genehmigung jeder wissenschaftlichen Hypothese) (!Ersetzung aller Experimente durch Simulationen)




Was ist das Harnack-Prinzip? (Forschungsinstitute werden stark um herausragende Forschende und ihre wissenschaftliche Freiheit organisiert) (!Jedes Institut muss jährlich sein gesamtes Forschungsgebiet wechseln) (!Alle Forschenden bearbeiten dieselbe zentrale Fragestellung) (!Forschung darf nur an Universitäten stattfinden)




Welches Beispiel zeigt Großgeräteforschung der Max-Planck-Gesellschaft? (Wendelstein 7-X) (!Brandenburger Tor) (!Reichstagsgebäude) (!Kölner Dom)




Warum ist ein statistisch auffälliger Zusammenhang nicht automatisch ein Kausalbeweis? (Weil andere Einflussfaktoren oder das Studiendesign den Zusammenhang erklären können) (!Weil Statistik grundsätzlich keine Daten verwendet) (!Weil Kausalität nur in Geschichtsbüchern vorkommt) (!Weil jede Korrelation immer ein Messfehler ist)




Welche Aussage beschreibt Wissenschaftsfreiheit angemessen? (Forschende dürfen Fragen und Methoden frei wählen, bleiben aber an Recht und wissenschaftliche Verantwortung gebunden) (!Forschende dürfen Daten beliebig verändern) (!Forschung muss wirtschaftlichen Interessen folgen) (!Forschungsergebnisse dürfen nicht öffentlich kritisiert werden)





Memory

Grundlagenforschung Erkenntnisgewinn
Hypothese Prüfbarkeit
Operationalisierung Messbarkeit
Replikation Wiederholung
Peer Review Fachbegutachtung
Harnack-Prinzip Forschungsfreiheit
Fachbeirat Institutsevaluation





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Forschungsfrage Ausgangspunkt einer gezielten Untersuchung
Hypothese Prüffähige Annahme über einen Zusammenhang
Experiment Kontrollierte Untersuchung unter festgelegten Bedingungen
Datenanalyse Systematische Auswertung erhobener Informationen
Replikation Erneute Prüfung eines Forschungsergebnisses






Kreuzworträtsel

Harnack Welcher Name bezeichnet das Organisationsprinzip der MPG, das wissenschaftliche Freiheit um herausragende Forschende betont?
Hypothese Wie heißt eine begründete und überprüfbare wissenschaftliche Annahme?
Replikation Wie heißt die erneute Durchführung einer Untersuchung zur Prüfung eines Ergebnisses?
Fachbeirat Wie heißt das externe Gremium zur regelmäßigen wissenschaftlichen Evaluation eines Max-Planck-Instituts?
Forschung Welcher Begriff bezeichnet die systematische Gewinnung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse?
Planck Wie lautet der Nachname des Physikers, nach dem die Gesellschaft benannt ist?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Die Max-Planck-Gesellschaft betreibt vor allem

und untersucht grundlegende wissenschaftliche Fragen. Die heutige Gesellschaft wurde im Jahr

gegründet. Eine wissenschaftlich prüfbare Annahme heißt

. Die Übersetzung eines theoretischen Begriffs in messbare Größen nennt man

. Eine erneute Untersuchung zur Überprüfung eines Befundes wird als

bezeichnet. Die fachliche Prüfung einer wissenschaftlichen Arbeit durch andere Forschende heißt

. Das nach Adolf von Harnack benannte Organisationsmodell betont wissenschaftliche

. Externe

begutachten die Max-Planck-Institute regelmäßig. Die Fusionsforschungsanlage in Greifswald heißt

. Wissenschaftliche Ergebnisse müssen so dokumentiert werden, dass ihre Entstehung möglichst

ist.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Forschungsfrage entwickeln: Formuliere zu einem alltäglichen Phänomen drei wissenschaftlich untersuchbare Fragen und erkläre, welche davon sich am besten für ein kleines Forschungsprojekt eignet.
  2. Institutsporträt: Wähle ein Max-Planck-Institut aus und gestalte ein einseitiges Porträt mit Forschungsgebiet, typischen Methoden und einer aktuellen Forschungsfrage.
  3. Medienanalyse: Wähle eines der eingebetteten Videos aus und notiere drei Aussagen, die Grundlagenforschung erklären. Prüfe anschließend, welche Aussage eine Meinung und welche eine überprüfbare Tatsachenbehauptung ist.
  4. Wissenschaftssprache: Erkläre die Begriffe Hypothese, Operationalisierung, Replikation und Peer Review jeweils in einem eigenen Beispiel aus einem selbst gewählten Fachgebiet.


Standard

  1. Mini-Experiment: Plane ein ungefährliches Experiment zu einer einfachen naturwissenschaftlichen oder psychologischen Frage. Lege Hypothese, unabhängige Variable, abhängige Variable, Kontrollbedingung und mögliche Störfaktoren fest.
  2. Forschungsorganisationen vergleichen: Vergleiche Max-Planck-Gesellschaft, Fraunhofer-Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft und eine Universität. Zeige Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Forschungszielen, Finanzierung und Transfer.
  3. Replikationsplan: Suche eine einfache veröffentlichte Untersuchung oder ein Demonstrationsexperiment und entwirf einen Plan, wie Du das Ergebnis möglichst genau replizieren würdest.
  4. Forschungsethik: Entwickle zu einem selbst gewählten Forschungsbeispiel eine ethische Prüfliste. Berücksichtige mögliche Risiken, Einwilligung, Datenschutz, Interessenkonflikte und gesellschaftliche Folgen.


Schwer

  1. Forschungsantrag: Schreibe einen kurzen Antrag für ein fiktives Max-Planck-Forschungsprojekt mit Forschungsstand, Forschungsfrage, Hypothese oder theoretischem Problem, Methode, erwarteter Erkenntnis und Risiken.
  2. Datenkritik: Analysiere einen veröffentlichten Datensatz oder eine wissenschaftliche Grafik. Prüfe Skalierung, Stichprobe, Unsicherheit, mögliche Verzerrungen und alternative Interpretationen.
  3. Wissenschaftsinterview: Führe ein Interview mit einer Wissenschaftlerin, einem Wissenschaftler oder einer wissenschaftlich arbeitenden Person. Frage nach dem Weg von der Forschungsfrage bis zur Veröffentlichung und nach Situationen, in denen eine Hypothese verworfen werden musste.
  4. Wissenschaftskommunikation: Produziere ein drei- bis fünfminütiges Video oder einen Podcast mit dem Titel „Warum Grundlagenforschung Zeit braucht“. Verwende mindestens ein konkretes Forschungsbeispiel und kennzeichne Quellen transparent.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Transfer Grundlagenforschung: Eine Forschungsgruppe entdeckt einen unerwarteten Effekt, der zunächst keine erkennbare Anwendung besitzt. Begründe, warum es dennoch sinnvoll sein kann, den Effekt weiter zu untersuchen, und nenne Kriterien für eine verantwortbare Förderung.
  2. Versuchsdesign beurteilen: Eine Studie behauptet, ein neues Lernverfahren verbessere die Leistung. Es wurden jedoch nur zehn freiwillige Teilnehmende ohne Kontrollgruppe untersucht. Analysiere mindestens vier methodische Schwächen und entwirf ein besseres Studiendesign.
  3. Korrelation und Kausalität: In einer Stadt steigt gleichzeitig die Zahl der Fahrräder und die Zahl der Cafés. Erkläre, warum daraus keine direkte Ursache-Wirkungs-Beziehung folgt, und entwickle zwei alternative Erklärungen.
  4. Replikationsproblem: Eine unabhängige Forschungsgruppe kann ein viel beachtetes Ergebnis nicht wiederholen. Entwickle mehrere wissenschaftlich sinnvolle Reaktionen, ohne vorschnell Betrug oder völlige Wertlosigkeit der ursprünglichen Studie zu behaupten.
  5. Wissenschaftsfreiheit: Ein Geldgeber verlangt, dass unerwünschte Ergebnisse vor der Veröffentlichung geprüft und gegebenenfalls zurückgehalten werden. Analysiere den Konflikt zwischen Finanzierung, wissenschaftlicher Freiheit und Integrität.
  6. Forschungslandschaft: Ordne ein fiktives Projekt zur Entwicklung eines neuartigen Sensors begründet eher einer Universität, der Max-Planck-Gesellschaft, Fraunhofer oder Helmholtz zu. Zeige, wie sich die Zuordnung ändern könnte, wenn sich die Forschungsfrage verändert.




Lernnachweis

Für einen überzeugenden Lernnachweis zu diesem Thema solltest Du zeigen, dass Du wissenschaftliche Begriffe nicht nur auswendig kennst, sondern auf neue Forschungsfälle anwenden kannst.

  1. Grundlagenforschung erklären: Du kannst Grundlagenforschung von stärker anwendungsorientierter Forschung unterscheiden und die Übergänge zwischen beiden erläutern.
  2. Wissenschaftliche Methode anwenden: Du kannst aus einer Fragestellung eine überprüfbare Hypothese oder ein systematisch bearbeitbares Forschungsproblem entwickeln.
  3. Methoden beurteilen: Du kannst Versuchsdesign, Operationalisierung, Stichprobe, Kontrollbedingungen und mögliche Störfaktoren kritisch prüfen.
  4. Daten interpretieren: Du kannst zwischen Beobachtung, Korrelation, Kausalität und Interpretation unterscheiden.
  5. Reproduzierbarkeit erklären: Du kannst begründen, warum Dokumentation, Replikation und offene wissenschaftliche Kritik wichtig sind.
  6. Wissenschaftssystem einordnen: Du kannst die Rolle der Max-Planck-Gesellschaft im deutschen Wissenschaftssystem mit anderen Forschungsorganisationen vergleichen.
  7. Forschungsethik reflektieren: Du kannst wissenschaftliche Freiheit mit Verantwortung, Integrität und ethischen Grenzen in Beziehung setzen.
  8. Wissenschaft kommunizieren: Du kannst eine komplexe Forschungsfrage verständlich darstellen und dabei Unsicherheiten sowie Quellen transparent machen.




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