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Liebherr

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Liebherr




Einleitung

Liebherr ist eine international tätige, familiengeführte Firmengruppe mit Wurzeln im süddeutschen Kirchdorf an der Iller. Das Unternehmen wurde 1949 von Hans Liebherr gegründet. Ausgangspunkt war die Entwicklung eines leicht transportierbaren und auf Baustellen vergleichsweise schnell montierbaren Turmdrehkrans. Aus dem damaligen Baumaschinenunternehmen entwickelte sich eine stark diversifizierte Technologiegruppe, die heute in sehr unterschiedlichen Branchen tätig ist – von Baumaschinen, Bergbaumaschinen und Kranen über Luftfahrttechnik und Verkehrstechnik bis zu Kühl- und Gefriergeräten, Komponenten, Automationssystemen und Hotels.

Die Dachgesellschaft ist die Liebherr-International AG mit Sitz in Bulle in der Schweiz. Liebherr ist weiterhin vollständig im Besitz der Familie Liebherr. Die Firmengruppe ist dezentral organisiert: Produktsegmente und Gesellschaften verfügen über weitreichende operative Verantwortung, während zentrale Aufgaben auf Ebene der Dachgesellschaft gebündelt werden.

Dieser aiMOOC verbindet Unternehmensgeschichte, Technik, Wirtschaft, Globalisierung, Innovation, Nachhaltigkeit und Berufsorientierung. Du lernst nicht nur Produkte und Unternehmensdaten kennen, sondern untersuchst auch, warum Diversifikation für ein Industrieunternehmen wichtig sein kann, welche Rolle Forschung und Entwicklung spielt und wie Unternehmensquellen kritisch ausgewertet werden.


Unternehmensprofil

Liebherr bezeichnet sich als familiengeführtes Technologieunternehmen. Die Firmengruppe umfasst 13 Produktsegmente und mehr als 150 Gesellschaften in über 50 Ländern auf allen Kontinenten. Die internationale Expansion begann bereits Ende der 1950er-Jahre.

Die folgenden Kennzahlen beziehen sich auf das Geschäftsjahr 2025 und damit auf den zum Zeitpunkt der Erstellung jüngsten veröffentlichten vollständigen Geschäftsbericht:

Kennzahl Wert 2025 Bedeutung
Umsatz 14,772 Milliarden Euro Gesamtwert der im Geschäftsjahr erzielten Erlöse
Beschäftigte zum Jahresende 55.963 weltweite Belegschaft der Firmengruppe
Forschung und Entwicklung 708 Millionen Euro Investitionen in neue Technologien, Produkte und Verfahren
Investitionen 1,059 Milliarden Euro Mittel für Sachanlagen und weitere langfristige Unternehmensentwicklung
Jahresergebnis 272 Millionen Euro Ergebnis der Firmengruppe im Berichtsjahr

Die Zahlen zeigen, dass Liebherr nicht als einzelnes Werk oder als einzelner Maschinenhersteller betrachtet werden kann. Die Firmengruppe besteht aus vielen Gesellschaften, Standorten und Geschäftsfeldern. Diese Vielfalt wird als Diversifikation bezeichnet.


Familienunternehmen und Organisation

Ein Familienunternehmen befindet sich wesentlich oder vollständig im Eigentum einer Familie und wird häufig über Generationen hinweg geprägt. Bei Liebherr gehören die Anteilseigner der Familie Liebherr an. Das oberste Führungsorgan ist ein Gesellschaftergremium, dem Familienmitglieder angehören.

Gleichzeitig arbeitet Liebherr dezentral. Das bedeutet, dass viele Entscheidungen zu Entwicklung, Produktion, Vertrieb oder Marketing in den jeweiligen Sparten und Gesellschaften getroffen werden. Eine solche Struktur kann Vorteile haben: Spezialisierte Einheiten können näher an Produkten, Märkten und Kundengruppen arbeiten. Sie stellt aber auch hohe Anforderungen an Koordination, Standards, Finanzierung und gemeinsame Unternehmensziele.

Für die wirtschaftliche Analyse ist wichtig: Familienbesitz und dezentrale Organisation sind zwei unterschiedliche Merkmale. Familienbesitz beschreibt Eigentum und Kontrolle. Dezentralisierung beschreibt, wie Verantwortung innerhalb der Organisation verteilt ist.


Weltweite Präsenz

Aus einem Unternehmen in Süddeutschland entstand schrittweise eine globale Firmengruppe. Heute bestehen Gesellschaften unter anderem in Europa, Nord- und Südamerika, Afrika, Asien und Ozeanien. Gründe für internationale Standorte können Kundennähe, Service, Logistik, Fachkräfte, Produktionsbedingungen und der Zugang zu regionalen Märkten sein.

Die weltweite Präsenz schafft Chancen, aber auch Risiken. Wechselkurse, politische Rahmenbedingungen, Handelsbeschränkungen, Rohstoffpreise, Lieferketten und regionale Konjunktur können einzelne Märkte unterschiedlich beeinflussen. Ein breit aufgestelltes Unternehmen kann Rückgänge in einem Bereich teilweise durch Wachstum in anderen Bereichen ausgleichen. Genau dieser Effekt war auch im Geschäftsjahr 2025 zu beobachten.


Geschichte


1949: Der mobile Turmdrehkran als Ausgangspunkt

Nach dem Zweiten Weltkrieg bestand in Deutschland und anderen europäischen Ländern ein großer Bedarf an Wohnraum und Infrastruktur. Hans Liebherr erkannte, dass Baustellen Krane benötigten, die sich leichter transportieren und montieren ließen als viele damals verbreitete Konstruktionen. 1949 entwickelte er mit Fachleuten den TK 10, einen mobilen Turmdrehkran. Im selben Jahr wurde das zugehörige Patent erteilt.

Der Kran ist ein gutes Beispiel dafür, wie technische Innovation aus einem konkreten Problem entstehen kann: Nicht allein eine größere Maschine war gefragt, sondern eine Maschine, die Transport, Aufbau und Einsatz auf wechselnden Baustellen erleichterte.


1950er-Jahre: Diversifikation beginnt

Liebherr blieb nicht beim Turmdrehkran. In den 1950er-Jahren wurde das Produktprogramm erweitert. 1954 entwickelte das Unternehmen einen eigenen Kühlschrank; 1955 begann die Serienproduktion in Ochsenhausen. Auch Betontechnik und weitere Baumaschinen kamen hinzu.

Dieser Schritt ist wirtschaftlich bemerkenswert: Ein Kühlschrank und ein Kran bedienen völlig verschiedene Märkte. Dennoch lassen sich Kompetenzen wie Konstruktion, Fertigung, Qualitätsmanagement, Metallverarbeitung, Zulieferorganisation und technischer Vertrieb in mehreren Geschäftsfeldern nutzen.


1958 bis 1960: Internationalisierung und Luftfahrt

1958 errichtete Liebherr in Killarney in Irland eine Produktionsstätte. Damit begann eine frühzeitige internationale Ausrichtung. Im selben Zeitraum entwickelte das Unternehmen maritime Kranlösungen.

1960 gründete Hans Liebherr die Liebherr-Aero-Technik GmbH in Lindenberg im Allgäu. Aus den frühen Luftfahrtaktivitäten entwickelte sich später der Bereich Liebherr-Aerospace mit Systemen und Komponenten unter anderem für Fahrwerke sowie Flugsteuerungs- und Betätigungssysteme.


1970er- und 1980er-Jahre: Expansion und neue Technologien

Ab 1970 verstärkte Liebherr seine Aktivitäten in Nordamerika. 1977 stellte das Unternehmen mit dem LTM 1025 einen frühen und für die Unternehmensgeschichte bedeutenden All-Terrain-Mobilkran vor. Das Konzept verband Straßenfahrfähigkeit mit Geländeeinsatz.

1983 wurden die verschiedenen Unternehmensbereiche unter der zentralen Dachgesellschaft Liebherr-International AG in Bulle zusammengeführt. Damit entstand eine Organisationsstruktur, die zentrale Führung mit weitgehend selbstständig arbeitenden Sparten verbindet.


1993 und der Generationswechsel

Hans Liebherr starb am 7. Oktober 1993. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich das Unternehmen bereits zu einer weltweit tätigen Firmengruppe entwickelt. Die zweite Generation der Familie übernahm die unternehmerische Verantwortung. Später kamen Mitglieder der dritten Generation hinzu.

Der Generationswechsel ist ein typisches Schlüsselthema bei Familienunternehmen: Eigentum, Führung, Erfahrung und langfristige Strategie müssen so übertragen werden, dass Kontinuität möglich bleibt und zugleich neue Entscheidungen getroffen werden können.


2024 und 2025: Jubiläum und Zukunftstechnologien

2024 feierte Liebherr sein 75-jähriges Bestehen. Auf der Bauma 2025 präsentierte die Firmengruppe zahlreiche technische Entwicklungen. Dazu gehörten elektrifizierte Baumaschinen, digitale Assistenzlösungen und ein autonom arbeitender Radlader. Die Schwerpunkte Forschung und Entwicklung lagen 2025 besonders auf alternativen Antrieben, Digitalisierung und Autonomie.


Die 13 Produktsegmente

Die breite Aufstellung gehört zu den wichtigsten Merkmalen von Liebherr. Die Produktsegmente zeigen, wie weit sich das Unternehmen von seinem Ursprung im Kranbau entfernt und zugleich technische Verbindungen zwischen den Bereichen erhalten hat.

Produktsegment Typische Produkte oder Leistungen Typische Einsatzfelder
Erdbewegung Bagger, Radlader, Planierraupen Bau, Infrastruktur, Gewinnung
Materialumschlag Umschlagmaschinen Häfen, Recycling, Holz, Schrott
Spezialtiefbau Bohr- und Rammgeräte Fundamente, Baugruben, Tiefbau
Mining Großhydraulikbagger, Muldenkipper Tagebau und Rohstoffgewinnung
Mobil- und Raupenkrane Teleskop- und Gittermastkrane Schwerlastmontage, Industrie, Energie
Turmdrehkrane Oben- und Untendreher, Mobilbaukrane Hochbau und Baustellenlogistik
Betontechnik Fahrmischer, Mischanlagen, Betonpumpen Betonherstellung und -transport
Maritime Krane Hafenmobilkrane, Schiffs- und Offshorekrane Häfen, Schiffe, Offshore
Aerospace und Verkehrstechnik Fahrwerk-, Flugsteuerungs- und Klimasysteme, Bahntechnik Flugzeuge, Hubschrauber, Schienenfahrzeuge
Verzahntechnik und Automationssysteme Verzahnmaschinen, Mess- und Automationslösungen industrielle Fertigung
Kühl- und Gefriergeräte Haushalts- und Gewerbekühlgeräte Haushalte, Handel, Gastronomie, Labor
Komponenten Dieselmotoren, Hydraulik, Elektronik, Antriebstechnik eigene Produkte und externe Anwendungen
Hotels Hotel- und Tourismusangebote Dienstleistungen und Tourismus


Erdbewegung und Materialumschlag

Bagger und Radlader sind zentrale Maschinen auf Baustellen, in Steinbrüchen, in Recyclingbetrieben und beim Materialumschlag. Entscheidend sind nicht nur Motorleistung und Größe. Hydraulik, Antrieb, Steuerung, Assistenzsysteme, Anbauwerkzeuge, Energieverbrauch, Wartbarkeit und Arbeitssicherheit bestimmen die Gesamtleistung einer Maschine.

Bei modernen Baumaschinen werden mechanische, hydraulische, elektrische und digitale Systeme immer enger miteinander verbunden. Dadurch entstehen neue Berufsbilder und Anforderungen: Neben Mechanik und Metalltechnik werden zunehmend Elektronik, Software, Sensorik und Datenanalyse wichtig.


Mining

Im Tagebau werden sehr große Maschinen eingesetzt, weil enorme Materialmengen bewegt werden. Liebherr fertigt dafür unter anderem Großbagger und Muldenkipper. Solche Maschinen müssen unter hohen Lasten, Staub, Temperaturschwankungen und langen Einsatzzeiten zuverlässig funktionieren.

Der bekannte Liebherr T 282B zeigt die Dimensionen dieser Fahrzeugklasse. Großmaschinen sind technisch faszinierend, zugleich führen sie zu wichtigen Fragen über Rohstoffbedarf, Flächennutzung, Energieverbrauch und die ökologischen Folgen von Bergbau.


Mobil-, Raupen- und Turmdrehkrane

Krane gehören bis heute zu den sichtbarsten Liebherr-Produkten. Unterschiedliche Bauarten erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Ein Turmdrehkran kann große Baustellen über längere Zeit versorgen. Ein Mobilkran kann auf eigener Achse zum Einsatzort fahren. Raupenkrane sind für sehr hohe Traglasten und spezielle Montageaufgaben geeignet.

Das Foto zeigt einen Raupenkran beim Aufbau einer Windenergieanlage. Hier wird deutlich, dass dieselbe Maschine Teil verschiedener Wirtschaftsbereiche sein kann: Maschinenbau, Bauwirtschaft, Energietechnik, Schwertransport und Logistik greifen ineinander.


Maritime Krane

Häfen sind Knotenpunkte globaler Lieferketten. Hafenkrane bewegen Container, Schüttgüter, Stückgut und schwere Lasten zwischen Schiff, Lager und Landverkehr. Moderne Hafenmobilkrane verbinden Tragfähigkeit mit digitalen Steuerungen, Assistenzfunktionen und teilweise hybriden Antriebskonzepten.

Ein Hafenkran ist damit nicht nur eine einzelne Maschine, sondern Bestandteil eines komplexen Logistiksystems aus Schiffen, Terminals, Lagerflächen, Bahn- und Straßenverbindungen sowie digitalen Warenströmen.


Aerospace und Verkehrstechnik

Liebherr-Aerospace entwickelt und fertigt Systeme und Komponenten für die Luftfahrt. Dazu gehören je nach Standort und Programm beispielsweise Fahrwerke, Flugsteuerungs- und Betätigungssysteme sowie Luftmanagementsysteme. In der Verkehrstechnik werden Lösungen für Schienenfahrzeuge entwickelt.

Die Anforderungen in der Luftfahrt unterscheiden sich stark von einer Baustelle. Bauteile müssen unter strengen Sicherheits-, Qualitäts- und Zulassungsanforderungen entwickelt, dokumentiert, gefertigt und gewartet werden. Dieser Bereich zeigt besonders deutlich, warum ein Technologieunternehmen hochspezialisierte Ingenieurinnen, Ingenieure, Technikerinnen, Techniker und Fachkräfte benötigt.


Kühl- und Gefriergeräte

Der Einstieg in die Kühlgerätetechnik begann 1954. Seit 1955 wurden in Ochsenhausen Kühlschränke in Serie gefertigt. Das Produktsegment zeigt eine besondere Form der Diversifikation: Ein Unternehmen, das für riesige Krane und Bergbaumaschinen bekannt ist, produziert gleichzeitig Geräte für Haushalte, Gastronomie, Handel und weitere professionelle Anwendungen.

Aus technischer Sicht geht es bei Kühlgeräten um Thermodynamik, Kältekreisläufe, Dämmung, Sensorik, Regelung und Energieeffizienz. Damit verbindet dieses Segment Maschinenbau, Elektrotechnik und Haushaltsanwendung.


Komponenten, Verzahntechnik und Automation

Liebherr entwickelt auch Komponenten wie Verbrennungsmotoren, Hydrauliksysteme, Antriebstechnik, Elektronik und weitere technische Baugruppen. Ein Teil dieser Kompetenzen kann in unterschiedlichen Produktsegmenten genutzt werden.

In der Verzahntechnik entstehen Maschinen und Systeme für die Herstellung von Zahnrädern. Automationssysteme verbinden Werkzeugmaschinen, Roboter, Werkstücktransport und digitale Steuerungen. Diese Bereiche sind weniger öffentlich sichtbar als ein Kran, für moderne Industrieproduktion aber von großer Bedeutung.


Wirtschaftliche Bedeutung der Diversifikation

Diversifikation bedeutet, dass ein Unternehmen in mehreren Produkten, Branchen oder Märkten tätig ist. Bei Liebherr ist diese Diversifikation besonders ausgeprägt. Im Geschäftsjahr 2025 stiegen die Umsätze in sieben der 13 Produktsegmente, während andere Bereiche Rückgänge verzeichneten.

Ein vereinfachtes Beispiel: Wenn die Nachfrage nach bestimmten Baumaschinen sinkt, können stärkere Geschäfte in Luftfahrt, maritimer Technik oder Kühlgeräten einen Teil der Belastung ausgleichen. Das beseitigt wirtschaftliche Risiken nicht, verteilt sie aber auf mehrere Märkte.

Diversifikation hat zugleich Kosten. Unterschiedliche Branchen benötigen eigene Forschung, Produktionsanlagen, Zertifizierungen, Vertriebsnetze und Fachkräfte. Die Herausforderung besteht darin, Vielfalt wirtschaftlich zu organisieren und gemeinsame technische Kompetenzen sinnvoll zu nutzen.


Umsatz nach ausgewählten Produktsegmenten 2025

Produktsegment Umsatz 2025
Mobil- und Raupenkrane 3.650 Mio. Euro
Erdbewegung 2.586 Mio. Euro
Aerospace und Verkehrstechnik 1.966 Mio. Euro
Mining 1.542 Mio. Euro
Maritime Krane 1.246 Mio. Euro
Kühl- und Gefriergeräte 1.171 Mio. Euro
Komponenten 634 Mio. Euro
Materialumschlag 489 Mio. Euro
Spezialtiefbau 480 Mio. Euro
Turmdrehkrane 406 Mio. Euro
Verzahntechnik und Automationssysteme 296 Mio. Euro
Betontechnik 192 Mio. Euro

Die Tabelle eignet sich für wirtschaftliche Analysen: Du kannst Marktanteile innerhalb der Firmengruppe berechnen, Produktsegmente vergleichen oder untersuchen, warum besonders kapitalintensive Industriegüter andere Umsatzstrukturen aufweisen als Konsumgüter.


Forschung, Digitalisierung und Autonomie

2025 investierte Liebherr nach eigenen Angaben 708 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung. Zu den Schwerpunkten gehörten alternative Antriebe, Digitalisierung und Autonomie.

Digitalisierung kann in einer Maschine viele Formen annehmen: Sensoren erfassen Zustände, Assistenzsysteme unterstützen Bedienende, Software plant Arbeitsschritte, Telematik überträgt Betriebsdaten und digitale Modelle helfen bei Wartung oder Einsatzplanung.

Autonomie bedeutet, dass Maschinen bestimmte Aufgaben mit weniger unmittelbaren Bedienhandlungen ausführen können. Das kann Arbeitsabläufe verändern, ersetzt aber nicht automatisch menschliche Verantwortung. Planung, Überwachung, Sicherheit, Wartung, Systemverständnis und rechtliche Rahmenbedingungen bleiben wichtig.


Technik und Nachhaltigkeit differenziert betrachten

Technische Innovation wird häufig mit Nachhaltigkeit verbunden, aber beides ist nicht identisch. Ein elektrisch angetriebener Bagger kann lokale Emissionen reduzieren, doch für eine Gesamtbewertung müssen Stromerzeugung, Herstellung, Rohstoffe, Lebensdauer, Wartung und Recycling berücksichtigt werden.

Auch eine effizientere Miningmaschine kann pro transportierter Tonne weniger Energie benötigen, während der Bergbau selbst erhebliche Eingriffe in Natur und Landschaft verursacht. Eine sachliche Nachhaltigkeitsanalyse betrachtet deshalb den gesamten Lebenszyklus und unterscheidet zwischen Effizienzverbesserung, Emissionsminderung und den grundsätzlichen Auswirkungen eines Anwendungsfeldes.


Produktion, Logistik und Service

Industrieprodukte entstehen in komplexen Wertschöpfungsketten. Rohstoffe und Zulieferteile müssen beschafft, Bauteile gefertigt, Maschinen montiert, geprüft, ausgeliefert und über viele Jahre gewartet werden.

Gerade bei Großmaschinen spielt Service eine zentrale Rolle. Ein ausgefallener Miningbagger, Hafenkran oder Mobilkran kann hohe Folgekosten verursachen. Ersatzteilversorgung, technische Diagnose, Wartung und Schulung gehören deshalb zum wirtschaftlichen Gesamtangebot eines Maschinenbauunternehmens.


Messen, Markenkommunikation und Unternehmensmedien

Fachmessen wie die Bauma sind für Hersteller von Baumaschinen bedeutende Orte der Produktpräsentation. Dort treffen Hersteller, Kundschaft, Zulieferer, Fachpresse und weitere Akteure aufeinander.

Unternehmensvideos können technische Zusammenhänge sehr anschaulich zeigen. Gleichzeitig sind sie Teil der Unternehmenskommunikation. Du solltest daher zwischen Information und Werbung beziehungsweise Selbstdarstellung unterscheiden.


Quellenkritik

Ein Geschäftsbericht ist eine wichtige Primärquelle für Umsätze, Beschäftigtenzahlen und Investitionen. Er wird jedoch vom Unternehmen selbst veröffentlicht. Pressemitteilungen und Produktvideos zeigen meist gezielt positive Aspekte. Wikipedia und journalistische Beiträge können zusätzliche Perspektiven liefern, müssen aber ebenfalls auf Aktualität, Quellenlage und mögliche Fehler geprüft werden.

Für eine gute Recherche vergleichst Du deshalb verschiedene Quellentypen: Unternehmensquellen für Originaldaten, unabhängige Medien für Einordnung, Fachliteratur für technische Hintergründe und Wikimedia Commons für frei lizenzierte Abbildungen.


Ausbildung, Studium und Berufe

Eine Firmengruppe mit Maschinenbau, Elektronik, Software, Luftfahrt, Kältetechnik, Produktion, Vertrieb und Service benötigt sehr unterschiedliche Qualifikationen. Mögliche Berufsfelder reichen von Mechatronik, Industriemechanik, Elektronik, Informatik und Logistik bis zu Maschinenbau, Elektrotechnik, Wirtschaftsingenieurwesen, Betriebswirtschaft, Personalwesen und Kommunikation.

Für die Berufsorientierung ist wichtig, nicht nur bekannte Produkte anzuschauen. Hinter einem Kran stehen beispielsweise Konstruktion, Statik, Werkstofftechnik, Schweißtechnik, Hydraulik, Elektronik, Software, Einkauf, Produktion, Qualitätsmanagement, Vertrieb, Ersatzteillogistik und Kundendienst.


Mediengalerie

Die folgenden frei lizenzierten Wikimedia-Commons-Bilder zeigen unterschiedliche Produkte und Einsatzfelder der Firmengruppe.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

In welchem Jahr wurde Liebherr gegründet? (1949) (!1958) (!1977) (!1983)




Wer gründete die Firmengruppe Liebherr? (Hans Liebherr) (!Willi Liebherr) (!Carl Benz) (!Robert Bosch)




Welche Maschine stand am Anfang der Unternehmensgeschichte? (Mobiler Turmdrehkran) (!Diesellokomotive) (!Kühlschrank) (!Hafencontainer)




Wo hat die Liebherr-International AG ihren Sitz? (Bulle) (!Kirchdorf an der Iller) (!München) (!Hamburg)




Wie viele Produktsegmente umfasst die Firmengruppe? (13) (!7) (!20) (!50)




Wie hoch war der Umsatz der Firmengruppe im Jahr 2025? (14,772 Milliarden Euro) (!1,477 Milliarden Euro) (!27,2 Milliarden Euro) (!55,963 Milliarden Euro)




Welcher Bereich gehört zu den Produktsegmenten von Liebherr? (Aerospace und Verkehrstechnik) (!Filmproduktion) (!Pharmaforschung) (!Telekommunikationsnetze)




Welcher Begriff beschreibt die breite Verteilung auf verschiedene Geschäftsfelder? (Diversifikation) (!Monopolisierung) (!Privatisierung) (!Standardisierung)




Welcher Forschungsbereich war 2025 ein Schwerpunkt bei Liebherr? (Autonomie) (!Astrologie) (!Textilfärbung) (!Papierherstellung)




Warum ist Quellenkritik bei Unternehmensvideos wichtig? (Sie sind Teil der Unternehmenskommunikation) (!Sie enthalten grundsätzlich keine Bilder) (!Sie dürfen keine Produkte zeigen) (!Sie werden immer von Behörden produziert)





Memory

Hans Liebherr Firmengründer
TK 10 Mobiler Turmdrehkran
Bulle Dachgesellschaftssitz
Ochsenhausen Kühlgeräteproduktion
Lindenberg Luftfahrttechnik
Killarney Frühe Internationalisierung
Bauma Baumaschinenfachmesse
Diversifikation Risikostreuung





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Turmdrehkran Hochbau
Miningbagger Tagebau
Hafenmobilkran Güterumschlag im Hafen
Fahrwerkssystem Luftfahrt
Kühlschrank Lebensmittelkühlung
Verzahnmaschine Zahnradfertigung






Kreuzworträtsel

Turmdrehkran Welche Maschinenart stand am Anfang der Liebherr-Geschichte?
Lindenberg Welcher Allgäuer Standort ist eng mit der Luftfahrttechnik verbunden?
Bulle In welcher Schweizer Stadt sitzt die Dachgesellschaft?
Mining Wie heißt das Produktsegment für große Tagebaumaschinen?
Ochsenhausen Welcher Standort ist historisch mit Liebherr-Kühlgeräten verbunden?
Autonomie Welcher Forschungsbereich gehört neben Digitalisierung zu den Zukunftsschwerpunkten?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Liebherr wurde 1949 von

gegründet.
Die technische Ausgangsidee war ein mobiler

.
Die Dachgesellschaft hat ihren Sitz in

.
Die Firmengruppe umfasst insgesamt

Produktsegmente.
Die Serienproduktion von Kühlschränken begann in

.
Der Luftfahrtstandort in Deutschland liegt in

.
Eine breite Verteilung auf mehrere Geschäftsfelder nennt man

.
Im Jahr 2025 beschäftigte Liebherr weltweit

Menschen.
Zu den Forschungsschwerpunkten gehörte die

.
Unternehmensvideos müssen wegen ihrer Funktion als Unternehmenskommunikation

ausgewertet werden.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Unternehmensgeschichte: Erstelle eine Zeitleiste mit mindestens acht wichtigen Stationen der Liebherr-Geschichte und ergänze zu jeder Station eine kurze Begründung ihrer Bedeutung.
  2. Produktportfolio: Wähle drei Produktsegmente aus und gestalte zu jedem eine Infokarte mit Produktbeispiel, Einsatzort und benötigter Technik.
  3. Medienanalyse: Wähle ein Commons-Bild aus diesem aiMOOC und beschreibe möglichst genau, welche technischen Details darauf erkennbar sind.
  4. Berufsorientierung: Finde vier unterschiedliche Berufe, die bei der Entwicklung, Herstellung oder Wartung eines Krans zusammenarbeiten könnten, und erkläre ihre Aufgaben.


Standard

  1. Diversifikation: Erkläre anhand von Liebherr, welche Chancen und Kosten eine breite Diversifikation für ein Industrieunternehmen haben kann.
  2. Unternehmenskommunikation: Vergleiche ein offizielles Liebherr-Video mit dem Wikipedia-Artikel. Notiere, welche Informationen beide Quellen bieten und welche Perspektiven sich unterscheiden.
  3. Wertschöpfungskette: Zeichne die mögliche Wertschöpfungskette eines Mobilkrans von Rohstoffen und Komponenten bis zu Verkauf, Wartung und Recycling.
  4. Globalisierung: Wähle drei Liebherr-Standorte auf verschiedenen Kontinenten und recherchiere, welche Produkte oder Dienstleistungen dort im Mittelpunkt stehen.


Schwer

  1. Nachhaltigkeitsbewertung: Entwickle Kriterien, mit denen Du die Nachhaltigkeit einer großen Baumaschine über ihren gesamten Lebenszyklus bewerten würdest, und wende sie beispielhaft an.
  2. Geschäftsbericht: Analysiere die Umsatzdaten 2025. Berechne für mindestens fünf Produktsegmente den Anteil am Gesamtumsatz und interpretiere die Ergebnisse.
  3. Automatisierung: Entwirf ein Konzept für einen teilautonomen Baustellenprozess und beschreibe Sensorik, Sicherheitsregeln, menschliche Verantwortung und mögliche Fehlerfälle.
  4. Unternehmensstrategie: Verfasse eine begründete Strategieempfehlung für die nächsten zehn Jahre. Berücksichtige Konjunktur, Digitalisierung, Fachkräfte, Klimaschutz, internationale Märkte und technologische Risiken.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Diversifikation analysieren: Erkläre, warum ein Rückgang im Baumaschinengeschäft für Liebherr andere Folgen haben kann als für ein Unternehmen, das ausschließlich Baumaschinen herstellt.
  2. Technologietransfer: Zeige an zwei Produktsegmenten, welche technischen Kompetenzen möglicherweise in beiden Bereichen nutzbar sind, und begründe Deine Auswahl.
  3. Standortentscheidung: Entwickle Kriterien für die Wahl eines neuen Produktionsstandorts und wende sie auf ein hypothetisches Liebherr-Werk an.
  4. Quellenkritik anwenden: Vergleiche einen Geschäftsbericht, ein Unternehmensvideo und einen Wikipedia-Artikel. Beurteile, für welche Fragestellungen die jeweilige Quelle besonders geeignet ist.
  5. Nachhaltigkeit bewerten: Diskutiere, warum eine effizientere Maschine nicht automatisch bedeutet, dass ihr gesamtes Einsatzfeld nachhaltig ist.
  6. Zukunft der Arbeit: Beurteile, wie autonome Baumaschinen Tätigkeiten auf Baustellen verändern könnten. Berücksichtige neue Qualifikationen, Sicherheit und Verantwortung.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis solltest Du zeigen können, dass Du:

  1. die wichtigsten Entwicklungsschritte von der Gründung 1949 bis zur heutigen Firmengruppe zeitlich und sachlich einordnen kannst.
  2. die dezentrale Organisation und den Charakter als Familienunternehmen erklären kannst.
  3. mehrere Produktsegmente mit typischen Produkten und Einsatzbereichen sicher unterscheiden kannst.
  4. zentrale Unternehmenskennzahlen des Geschäftsjahres 2025 interpretieren kannst.
  5. die wirtschaftliche Funktion der Diversifikation erklären und kritisch beurteilen kannst.
  6. Zusammenhänge zwischen Maschinenbau, Digitalisierung, Autonomie und Berufsprofilen herstellen kannst.
  7. Chancen und Grenzen technischer Nachhaltigkeitsmaßnahmen differenziert bewerten kannst.
  8. Unternehmensquellen von unabhängigen Informationsquellen unterscheiden und quellenkritisch auswerten kannst.




Quellen und Mediennachweise

Quelle Verwendung im aiMOOC
Liebherr: Geschäftsbericht 2025 Umsatz, Beschäftigte, Forschung und Entwicklung
Liebherr: Unternehmensprofil Organisationsstruktur und Produktsegmente
Liebherr weltweit internationale Präsenz
Liebherr: Historie 1949 bis 1960 Gründung, Turmdrehkran, Internationalisierung und Luftfahrt
Wikipedia: Liebherr unabhängiger enzyklopädischer Überblick
Wikimedia Commons: Kategorie Liebherr frei lizenzierte Abbildungen

Hinweis zur Quellenkritik: Unternehmensangaben geben die Sicht des Unternehmens wieder. Für wissenschaftliche Arbeiten oder vertiefte Recherchen solltest Du sie mit unabhängigen Quellen vergleichen.


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