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Landwirtschaft und Artenvielfalt - Deutschland

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Landwirtschaft und Artenvielfalt - Deutschland




Landwirtschaft und Artenvielfalt - Deutschland


Einleitung

Landwirtschaft produziert Lebensmittel, Futtermittel und nachwachsende Rohstoffe. Gleichzeitig ist sie in Deutschland die größte Flächennutzerin und prägt damit einen großen Teil der Lebensräume von Pflanzen, Tieren, Pilzen und Mikroorganismen. Etwa die Hälfte der Fläche Deutschlands, rund 16,6 Millionen Hektar, wird landwirtschaftlich genutzt. Auf diesen Flächen treffen mehrere Ziele direkt aufeinander: hohe und verlässliche Erträge, wirtschaftlich tragfähige Betriebe, bezahlbare Lebensmittel, Schutz von Boden, Wasser und Klima sowie der Erhalt der Biodiversität.

Artenvielfalt ist ein Teil der biologischen Vielfalt. Zur Biodiversität gehören außerdem die genetische Vielfalt innerhalb von Arten und die Vielfalt der Ökosysteme. Für die Landwirtschaft ist Biodiversität nicht nur ein Naturschutzthema. Bestäubung, natürliche Schädlingsregulation, Humusbildung, Nährstoffkreisläufe und ein vielfältiges Bodenleben sind Ökosystemdienstleistungen, von denen landwirtschaftliche Produktion abhängt.

Ein Blühstreifen am Ackerrand kann Nahrung, Deckung und Fortpflanzungsräume bieten. Entscheidend ist aber nicht nur, dass eine solche Fläche vorhanden ist, sondern auch, welche Pflanzen dort wachsen, wie lange sie bestehen bleibt, wann sie gepflegt wird und ob sie mit anderen Lebensräumen verbunden ist.

In diesem aiMOOC untersuchst Du Landwirtschaft deshalb als Agrarökosystem: Menschen steuern ein biologisches System, um Güter zu erzeugen. Dabei verändern sie Lebensräume und Stoffkreisläufe. Du lernst, warum Landwirtschaft Artenvielfalt sowohl schaffen und erhalten als auch gefährden kann und wie Zielkonflikte sachlich bewertet werden können.


Basiswissen: Produktion in Deutschland

Landwirtschaftliche Produktion umfasst Ackerbau, Grünlandwirtschaft, Tierhaltung, Obst- und Gemüsebau sowie weitere Sonderkulturen. Nach Angaben des Umweltbundesamtes wurden 2023 rund 71 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche als Ackerland und rund 28 Prozent als Dauergrünland bewirtschaftet; der kleine Rest entfiel auf Dauerkulturen und weitere Nutzungen. Auf einem großen Teil der Flächen werden Futtermittel erzeugt. Damit ist die Frage, was angebaut wird, eng mit Ernährung, Tierhaltung, Preisen, Importen und Umweltwirkungen verbunden.

Auf Ackerflächen wachsen zum Beispiel Weizen, Gerste, Mais, Raps, Zuckerrüben, Kartoffeln und Leguminosen. Hohe Erträge können durch geeignete Sorten, Düngung, Pflanzenschutz, Bewässerung, Bodenbearbeitung und moderne Technik abgesichert werden. Diese Maßnahmen sind nicht automatisch gut oder schlecht für Artenvielfalt. Ihre Wirkung hängt von Intensität, Zeitpunkt, Standort, Wirkstoff, Fruchtfolge und Landschaftsstruktur ab.

Ein wichtiger Begriff ist die Intensität der Nutzung. Intensiv bewirtschaftete Flächen liefern häufig hohe Erträge pro Hektar, werden aber meist häufiger befahren, gedüngt, gemäht oder mit Pflanzenschutzmitteln behandelt. Extensiver bewirtschaftete Flächen erhalten weniger Betriebsmittel und werden oft später oder seltener genutzt. Auch hier gibt es keinen einfachen Gegensatz: Ein Betrieb kann einzelne Flächen intensiv bewirtschaften und zugleich besonders wertvolle Randstrukturen, Brachen oder artenreiches Grünland erhalten.


Landwirtschaft als Lebensraum

Die Agrarlandschaft besteht nicht nur aus dem Inneren eines Ackers. Für viele Arten ist ein Mosaik verschiedener Strukturen wichtig: Äcker, Wiesen, Weiden, Hecken, Feldgehölze, Säume, Ackerränder, Gräben, Kleingewässer, Brachen und Streuobstwiesen. Je nach Art erfüllen diese Elemente unterschiedliche Funktionen als Nahrungsraum, Brutplatz, Überwinterungsort, Versteck oder Wanderkorridor.

Ein Feldrain kann Blütenpflanzen, Insekten, Spinnen und anderen Kleintieren Lebensraum bieten. Hecken und Feldgehölze erhöhen die Strukturvielfalt. Sie können außerdem Wind bremsen und Erosion mindern. Für die ökologische Wirkung ist die Vernetzung entscheidend: Einzelne kleine Lebensräume helfen mehr Arten, wenn sie nicht völlig isoliert liegen.


Ackerland: Spezialisten unter Druck

Ackerflächen verändern sich im Jahreslauf stark. Aussaat, Pflanzenwachstum, Bodenbearbeitung und Ernte schaffen immer wieder neue Bedingungen. Einige Arten sind an offene Feldfluren angepasst. Die Feldlerche brütet am Boden und benötigt geeignete, ausreichend offene Bereiche. Werden Bestände sehr dicht, fehlen ungestörte Brutplätze oder gehen Randstrukturen verloren, verschlechtern sich die Bedingungen.

Der BfN-Teilindikator Artenvielfalt und Landschaftsqualität – Agrarland beobachtet ausgewählte Vogelarten als Zeiger für den Zustand der Agrarlandschaft. Für 2023 lag dieser Index bei 77 Prozent des für 2030 festgelegten Zielwerts. Wichtig: Die 77 Prozent bedeuten nicht, dass 77 Prozent aller Arten vorhanden sind. Es handelt sich um einen zusammengesetzten Indikator aus Bestandsentwicklungen ausgewählter Vogelarten.

Das Video von Planet Schule zeigt, wie Forschende Veränderungen von Artenbeständen untersuchen und warum der Verlust von Lebensräumen, Pflanzenvielfalt und Insekten Auswirkungen auf Nahrungsnetze haben kann.


Grünland: Wiesen und Weiden

Grünland kann zu den artenreichsten Lebensräumen der Kulturlandschaft gehören, wenn Standort und Bewirtschaftung passen. Besonders artenreich können nährstoffarme, extensiv genutzte Wiesen und Weiden sein. Dort wachsen viele Kräuter und Gräser, die wiederum Insekten und anderen Tieren Nahrung bieten. Das Umweltbundesamt verweist darauf, dass ein großer Anteil der in Deutschland gefährdeten Farn- und Blütenpflanzen im Grünland vorkommt.

Die Artenzusammensetzung hängt stark vom Management ab. Häufige frühe Mahd, hohe Nährstoffzufuhr und die Entwässerung feuchter Standorte begünstigen andere Arten als eine spätere, weniger intensive Nutzung. Gleichzeitig brauchen landwirtschaftliche Betriebe Futter in ausreichender Menge und Qualität. Genau hier entsteht ein typischer Zielkonflikt zwischen Futterproduktion und Lebensraumschutz.

Eine mögliche Lösung ist räumliche und zeitliche Differenzierung: Nicht jede Fläche muss gleich bewirtschaftet werden. Altgrasstreifen, gestaffelte Mahd, Rückzugsflächen oder eine extensive Nutzung besonders wertvoller Standorte können Lebensräume erhalten, während andere Flächen stärker der Produktion dienen.


Streuobstwiesen, Hecken und Säume

Streuobstwiesen verbinden Obstproduktion mit Grünland und alten Baumbeständen. Höhlen, Totholz, Blüten und unterschiedliche Vegetationsschichten können vielen Organismen Lebensräume bieten. Gleichzeitig ist ihre Pflege arbeitsaufwendig und wirtschaftlich nicht immer leicht zu finanzieren.

Hecken und Säume sind sogenannte lineare Landschaftselemente. Sie verbinden Lebensräume, bieten Deckung und können Nützlingen Wege in die Ackerflächen ermöglichen. Werden sie entfernt, um größere Schläge effizienter mit Maschinen zu bewirtschaften, sinkt häufig die Strukturvielfalt der Landschaft. Werden sie neu angelegt, muss wiederum Fläche bereitgestellt und Pflege organisiert werden.


Bodenbiodiversität: Vielfalt unter unseren Füßen

Ein landwirtschaftlicher Boden ist ein Lebensraum. Regenwürmer, Springschwänze, Milben, Bakterien und Pilze zersetzen organisches Material, bilden Bodenaggregate und beeinflussen Nährstoffkreisläufe. Ein vielfältiges Bodenleben trägt damit zur Bodenfruchtbarkeit bei.

Bodenorganismen reagieren auf Verdichtung, Humusgehalt, Feuchtigkeit, Bodenbearbeitung und Pflanzenschutz. Eine ganzjährige oder lange Bodenbedeckung kann den Boden vor Erosion und Austrocknung schützen. Zwischenfrüchte und Untersaaten liefern außerdem Wurzeln und organische Substanz.


Bestäubung, Nützlinge und Nahrungsnetze

Viele Kultur- und Wildpflanzen profitieren von tierischer Bestäubung. Wildbienen, Hummeln, Schwebfliegen und andere Insekten benötigen jedoch nicht nur Blüten, sondern auch geeignete Nistplätze und eine zeitlich möglichst durchgehende Nahrungsversorgung. Ein einzelner Blühstreifen kann deshalb hilfreich sein, ersetzt aber kein vielfältiges Lebensraumnetz.

Auch Räuber wie Laufkäfer, Spinnen, Marienkäfer und bestimmte Vögel können Schädlinge fressen. Solche Wechselwirkungen werden als biologische Schädlingsregulation bezeichnet. Sie macht Pflanzenschutz nicht in jeder Situation überflüssig, kann aber Teil eines integrierten Pflanzenschutzes sein.


Ursachen des Artenrückgangs in Agrarlandschaften

Der Rückgang biologischer Vielfalt hat selten nur eine einzige Ursache. In Agrarlandschaften wirken häufig mehrere Faktoren zusammen: Vereinfachung der Landschaft, Verlust von Hecken, Brachen und Kleingewässern, enge Fruchtfolgen, hohe Nährstoffeinträge, Pflanzenschutzmittel, intensive Bodenbearbeitung, häufige Mahd, Entwässerung sowie der Klimawandel. Welche Ursache an einem konkreten Ort am wichtigsten ist, muss untersucht werden.

Nährstoffeinträge können konkurrenzstarke Pflanzen fördern und dadurch nährstoffarme Lebensräume verändern. Pflanzenschutzmittel sollen Kulturpflanzen vor Krankheiten, Schädlingen oder unerwünschter Konkurrenz schützen. Je nach Wirkstoff und Anwendung können jedoch auch Nichtzielorganismen oder ihre Nahrungsgrundlage betroffen sein. Eine fachlich saubere Bewertung fragt deshalb nach Wirkstoff, Dosis, Zeitpunkt, Exposition und betroffener Art.

Große, einheitlich bewirtschaftete Schläge sind mit moderner Technik effizient zu bearbeiten. Gleichzeitig fehlen dort oft Übergangsbereiche und Rückzugsräume. Aus Sicht der Biodiversität ist deshalb nicht nur die Bewirtschaftung einzelner Felder wichtig, sondern auch die Landschaftsebene.


Maßnahmen für mehr Artenvielfalt

Biodiversitätsförderung funktioniert besonders gut, wenn Maßnahmen zur jeweiligen Landschaft und zu den Zielarten passen. Mehrjährige Brachen können für manche Feldvögel und Insekten wertvoll sein. Blühstreifen bieten Blüten und Deckung. Hecken, Säume und Gewässerrandstreifen erhöhen die Strukturvielfalt. Vielfältige Fruchtfolgen und Leguminosen können Anbausysteme abwechslungsreicher machen. Im Grünland können spätere oder gestaffelte Mahd und weniger Nährstoffzufuhr auf geeigneten Flächen helfen. Zwischenfrüchte, Untersaaten und schonende Bodenbearbeitung fördern Bodenbedeckung und können das Bodenleben unterstützen.

Wichtig ist die Qualität einer Maßnahme. Ein Blühstreifen, der nur kurz existiert, isoliert liegt oder zur falschen Zeit gemulcht wird, kann weniger wirksam sein als ein dauerhaftes, gut vernetztes System aus Brachen, Säumen und Hecken. Naturschutz in der Landwirtschaft ist deshalb keine Sammlung einzelner Dekorationen, sondern Landschaftsmanagement.


Ökologischer Landbau und Artenvielfalt

Der ökologische Landbau verzichtet auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und leicht lösliche mineralische Stickstoffdünger und arbeitet mit Fruchtfolgen, organischer Düngung und weiteren Regeln. Viele Untersuchungen zeigen im Mittel positive Effekte auf zahlreiche Artengruppen. Das bedeutet aber nicht, dass jeder Ökobetrieb automatisch überall eine hohe Artenvielfalt hat. Landschaftsstruktur, Standort, Kulturarten und konkrete Bewirtschaftung bleiben wichtig.

Ein weiterer Zielkonflikt entsteht, wenn niedrigere Erträge pro Hektar für bestimmte Produkte mehr Fläche zur Erzeugung derselben Menge erfordern. Deshalb muss man Biodiversität sowohl pro Fläche als auch im Zusammenhang mit Ertrag, Konsum und gesamtem Flächenbedarf betrachten.


Agroforst: Bäume auf Acker und Weide

Bei Agroforstwirtschaft werden Gehölze gezielt mit Ackerbau oder Grünland kombiniert. Baum- und Strauchreihen können Wind bremsen, Schatten schaffen, Kohlenstoff speichern, Lebensraumstrukturen ergänzen und zusätzliche Produkte wie Holz, Obst oder Nüsse liefern. Gleichzeitig beanspruchen sie Fläche, verändern Arbeitsabläufe und erfordern langfristige Planung.

Agroforst zeigt gut, dass eine Maßnahme mehrere Ziele gleichzeitig berühren kann: Produktion, Klimaanpassung, Bodenschutz, Biodiversität und Wirtschaftlichkeit. Ob sie sinnvoll ist, hängt vom Standort und Betrieb ab.


Zielkonflikte: Warum es keine einfache Lösung gibt

Ein Zielkonflikt liegt vor, wenn die Verbesserung eines Ziels ein anderes Ziel erschweren kann. Landwirtschaft soll gleichzeitig Erträge liefern, Einkommen sichern, Arbeitszeit effizient nutzen, Lebensmittel bezahlbar halten und Umweltziele erfüllen. Manche Maßnahmen erzeugen Synergien, andere benötigen Fläche, Geld oder zusätzliche Arbeit.

Ein Beispiel ist eine mehrjährige Brache. Sie kann Lebensräume für Feldvögel, Insekten und Wildpflanzen schaffen. Auf dieser Fläche wird in dieser Zeit aber keine Marktfrucht geerntet. Für einen Betrieb entstehen Opportunitätskosten. Soll die Gesellschaft mehr solcher Leistungen erhalten, stellt sich die politische Frage, wie Naturschutzleistungen finanziert werden.

Ein zweites Beispiel ist die Schlaggröße. Große Schläge erleichtern effiziente Maschinenarbeit. Mehr Hecken, Säume und kleine Strukturen erhöhen dagegen oft die ökologische Vielfalt, können aber Arbeitswege verlängern und die Bewirtschaftung komplizierter machen.

Ein drittes Beispiel betrifft Ertrag und Flächenbedarf. Hohe Erträge pro Hektar können theoretisch Fläche für andere Nutzungen freihalten. In einer intensiv genutzten Landschaft fehlen jedoch möglicherweise Lebensräume direkt zwischen den Produktionsflächen. In der Forschung wird deshalb zwischen Ansätzen des Land Sparing und des Land Sharing unterschieden. Beim Land Sparing werden Produktion und Schutzflächen stärker räumlich getrennt. Beim Land Sharing werden Naturschutz und Produktion stärker auf denselben Flächen kombiniert. In der Praxis sind Mischformen häufig sinnvoll.

Ein viertes Beispiel ist der Preis. Viele biodiversitätsfördernde Maßnahmen verursachen Kosten oder Ertragsrisiken. Verbraucherinnen und Verbraucher wünschen oft zugleich hohe Umweltstandards und niedrige Lebensmittelpreise. Dieser Konflikt kann nicht allein auf einzelne Landwirtinnen und Landwirte abgewälzt werden; Handel, Politik und Konsum spielen mit.


Politik und Anreize

Die Gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union beeinflusst die Rahmenbedingungen landwirtschaftlicher Betriebe. In der Förderperiode 2023 bis 2027 gehören in Deutschland unter anderem Öko-Regelungen sowie Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen zur sogenannten grünen Architektur. Bestimmte Umweltleistungen wie Blühflächen, vielfältige Kulturen, Agroforst oder extensiveres Grünland können damit finanziell honoriert werden.

Solche Zahlungen machen einen zentralen Zielkonflikt sichtbar: Biodiversität ist ein öffentliches Gut, während viele Kosten des Schutzes zunächst auf dem Betrieb entstehen. Förderprogramme versuchen, einen Teil dieser Kosten auszugleichen. Gleichzeitig müssen Programme ökologisch wirksam, für Betriebe praktikabel und kontrollierbar sein.


Was kann eine biodiversitätsfreundliche Agrarlandschaft leisten?

Eine zukunftsfähige Agrarlandschaft verbindet Produktion mit einem Netz funktionsfähiger Lebensräume. Dafür braucht es keine Rückkehr zu einer Landwirtschaft ohne Technik. Moderne Produktion, Präzisionslandwirtschaft, integrierter Pflanzenschutz, ökologische Verfahren, Agroforst, Landschaftselemente und gezielte Schutzflächen können kombiniert werden.

Für die Bewertung solltest Du immer vier Fragen stellen: Welche Art oder Funktion soll geschützt werden? Welche Maßnahme wirkt nachweislich? Welche Kosten und Nebenwirkungen entstehen? Auf welcher räumlichen und zeitlichen Ebene wird bewertet? So wird aus einem einfachen Gegensatz von „Landwirtschaft gegen Naturschutz“ eine überprüfbare, naturwissenschaftliche und gesellschaftliche Fragestellung.


Vertiefung für Klasse 11–13

Auf höherem Niveau kannst Du Biodiversitätsfragen als Systemanalyse betrachten. Ein Agrarsystem hat Inputs wie Energie, Dünger, Pflanzenschutz, Saatgut, Wasser und Arbeit. Es erzeugt Outputs wie Lebensmittel, Futtermittel, Biomasse, Einkommen, aber auch Emissionen oder Nährstoffverluste. Biodiversität beeinflusst zugleich Prozesse im System und reagiert auf seine Bewirtschaftung.

Für Vergleiche reicht daher eine einzige Kennzahl selten aus. Ein Betrieb kann pro Hektar sehr biodiversitätsfreundlich sein, aber geringe Erträge erzielen. Ein anderer kann hohe Erträge haben, aber wenig Strukturvielfalt. Eine faire Bewertung kann deshalb Ertrag, Flächenbedarf, Artenindikatoren, Bodenqualität, Treibhausgasemissionen, Nährstoffverluste und wirtschaftliche Tragfähigkeit gemeinsam betrachten.

Auch Zeit spielt eine Rolle. Eine neu gepflanzte Hecke liefert nicht sofort dieselben Funktionen wie eine alte Hecke. Eine mehrjährige Brache kann mit zunehmender Dauer andere Arten fördern. Umgekehrt können sich Populationen erst verzögert erholen. Gute Entscheidungen berücksichtigen deshalb Langzeitwirkungen und nicht nur die nächste Ernte.


Medien: Vielfalt im Ackerbau

Kulturpflanzenvielfalt kann zeitlich durch weite Fruchtfolgen und räumlich durch Mischkulturen erhöht werden. Beide Ansätze können ökologische Prozesse beeinflussen, müssen aber zu Standort, Technik, Absatz und Wirtschaftlichkeit des Betriebs passen.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was gehört zur biologischen Vielfalt? (Artenvielfalt genetische Vielfalt und Vielfalt der Ökosysteme) (!Nur die Zahl der Nutzpflanzen) (!Nur seltene Tierarten) (!Nur die Vielfalt von Landschaftsbildern)




Warum kann ein Blühstreifen die Artenvielfalt fördern? (Er bietet Nahrung Deckung und Lebensraum) (!Er erhöht automatisch den Ertrag jeder Kultur) (!Er ersetzt alle anderen Lebensräume) (!Er verhindert jede Form von Schädlingsbefall)




Wofür steht die Feldlerche im Agrarland besonders gut? (Für eine typische Vogelart offener Agrarlandschaften) (!Für einen Bodenorganismus) (!Für eine Kulturpflanze) (!Für einen Bestäuber im Obstbau)




Was beschreibt der Agrarland-Indikator des BfN? (Bestandsentwicklungen ausgewählter Vogelarten) (!Die Zahl aller Bauernhöfe) (!Den Anteil ökologischer Lebensmittel) (!Die Menge des eingesetzten Saatguts)




Welche Maßnahme schützt den Boden besonders vor langer unbedeckter Zeit? (Zwischenfrüchte und Untersaaten) (!Entfernen aller Pflanzenreste) (!Häufiges Offenhalten des Bodens) (!Vergrößern der Schlagfläche)




Warum können Hecken für die Biodiversität wichtig sein? (Sie bieten Lebensraum und verbinden Strukturen) (!Sie ersetzen jede Form von Grünland) (!Sie erhöhen immer die nutzbare Ackerfläche) (!Sie verhindern vollständig die Bodenerosion)




Was ist ein Zielkonflikt in der Landwirtschaft? (Eine Situation in der sich Ziele gegenseitig erschweren können) (!Eine Pflanzenkrankheit) (!Eine Form der Bodenbearbeitung) (!Eine Methode zur Ertragsmessung)




Was kennzeichnet Land Sharing? (Produktion und Naturschutz werden stärker auf derselben Fläche kombiniert) (!Alle Schutzflächen werden aus der Landschaft entfernt) (!Landwirtschaft findet nur in Gewächshäusern statt) (!Produktion und Naturschutz werden vollständig getrennt)




Warum ist Bodenbiodiversität für Landwirtschaft wichtig? (Sie unterstützt Zersetzung Nährstoffkreisläufe und Bodenstruktur) (!Sie macht Wasser vollständig überflüssig) (!Sie verhindert jede Pflanzenkrankheit) (!Sie ersetzt die Photosynthese)




Welche Aussage zu biodiversitätsfreundlicher Landwirtschaft ist richtig? (Wirksame Lösungen hängen von Standort Zielarten und Bewirtschaftung ab) (!Eine einzelne Maßnahme wirkt überall gleich) (!Hohe Artenvielfalt entsteht automatisch ohne Pflege) (!Nur eine einzige Landwirtschaftsform kann Arten schützen)





Memory

Biodiversität Vielfalt von Genen Arten und Ökosystemen
Blühstreifen Nahrungs- und Rückzugsraum am oder im Feld
Feldlerche Typischer Vogel offener Agrarlandschaften
Regenwurm Bodenorganismus mit Bedeutung für Bodenstruktur
Fruchtfolge Zeitlicher Wechsel verschiedener Kulturpflanzen
Streuobstwiese Verbindung von Obstbäumen und Grünland
Agroforst Kombination von Gehölzen mit Acker oder Grünland
Zielkonflikt Gleichzeitige Ziele erschweren sich teilweise





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Wirkung in der Agrarlandschaft
Hecke Vernetzt Lebensräume und schafft Deckung
Zwischenfrucht Hält den Boden länger bedeckt
Späte Mahd Verlängert Entwicklungszeit für manche Wiesenarten
Brache Schafft zeitweise ungenutzten Lebensraum
Vielfältige Fruchtfolge Erhöht die zeitliche Vielfalt der Kulturen




...


Kreuzworträtsel

Feldlerche Welcher typische Agrarvogel brütet am Boden in offenen Landschaften?
Regenwurm Welcher Bodenbewohner lockert und durchmischt den Boden?
Fruchtfolge Wie heißt der zeitliche Wechsel verschiedener Kulturpflanzen?
Blühstreifen Wie heißt eine gezielt eingesäte blütenreiche Fläche am oder im Acker?
Bestäubung Welcher Prozess überträgt Pollen und ermöglicht bei vielen Pflanzen die Fortpflanzung?
Agroforst Wie heißt die Kombination von Gehölzen mit Ackerbau oder Grünland?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Die Vielfalt von Arten, Genen und Ökosystemen nennt man

. Landwirtschaftliche Flächen bilden zusammen mit Hecken, Säumen und Gewässern eine

. Ein Streifen mit blühenden Pflanzen am Feldrand kann als

Lebensraum bieten. Die Feldlerche ist ein typischer Vogel des offenen

. Artenreiches Grünland kann durch eine angepasste

erhalten werden. Regenwürmer gehören zur biologischen Vielfalt im

. Der zeitliche Wechsel verschiedener Kulturen heißt

. Gehölze auf Acker oder Grünland sind Bestandteil eines

. Wenn zwei erwünschte Ziele sich teilweise gegenseitig erschweren, spricht man von einem

. Bestäubung und natürliche Schädlingsregulation sind Beispiele für

. Beim Land Sharing werden Produktion und Naturschutz stärker auf derselben

verbunden. Dauerhafte Wirkungen entstehen besonders dann, wenn Lebensräume in der Landschaft gut

sind.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Lebensraumkartierung: Gehe mit einer Gruppe in eine landwirtschaftlich geprägte Umgebung und zeichne eine Karte mit Äckern, Wiesen, Hecken, Säumen, Wegen und Gewässern. Markiere, wo Du besonders viele unterschiedliche Strukturen findest.
  2. Artenbeobachtung: Beobachte an zwei unterschiedlich gestalteten Feldrändern jeweils 15 Minuten lang sichtbare Tiergruppen. Vergleiche Deine Beobachtungen, ohne aus einer einzelnen Beobachtung vorschnell allgemeine Schlüsse zu ziehen.
  3. Fotodokumentation: Erstelle eine Bildserie mit mindestens sechs Strukturen einer Agrarlandschaft und schreibe zu jedem Bild, welche Lebensraumfunktion die Struktur haben könnte.
  4. Begriffsplakat: Gestalte ein Lernplakat zu Biodiversität, Artenvielfalt, Lebensraum, Ökosystemdienstleistung und Zielkonflikt mit eigenen Beispielen.


Standard

  1. Interview Landwirtschaft: Entwickle fünf sachliche Fragen zu Biodiversitätsmaßnahmen und führe ein Interview mit einer Landwirtin, einem Landwirt oder einer landwirtschaftlichen Beratung. Trenne im Protokoll Beobachtungen, Aussagen und Deine Bewertung.
  2. Mahd und Artenvielfalt: Entwirf ein Experiment oder Modell, mit dem Du untersuchen könntest, wie unterschiedliche Mahdzeitpunkte Pflanzen oder Insekten beeinflussen. Formuliere Hypothese, Variablen und erwartbare Grenzen.
  3. Blühstreifen bewerten: Untersuche einen Blühstreifen anhand selbst entwickelter Kriterien wie Pflanzenvielfalt, Blühdauer, Breite, Vernetzung und Pflege. Begründe, warum Deine Kriterien für Biodiversität relevant sind.
  4. Zielkonflikt-Debatte: Simuliere eine Gemeinderatssitzung, in der über neue Hecken und Brachen entschieden wird. Verteile Rollen für Landwirtschaft, Naturschutz, Verbraucherinnen und Verbraucher, Politik und Handel und entwickelt einen begründeten Kompromiss.


Schwer

  1. Land Sharing und Land Sparing: Vergleiche zwei fiktive Landnutzungsszenarien und bewerte sie nach Ertrag, Flächenbedarf, Lebensraumqualität, Vernetzung und Umsetzbarkeit. Begründe, warum ein eindeutiger Sieger nicht zwingend existiert.
  2. Indikatoren analysieren: Recherchiere den BfN-Teilindikator Agrarland und erkläre, warum ausgewählte Vogelarten als Indikatoren genutzt werden. Diskutiere Stärken und Grenzen eines solchen Index.
  3. Betriebsplan Biodiversität: Entwickle für einen fiktiven 100-Hektar-Betrieb einen Plan mit Produktionsflächen, Brachen, Hecken, Gewässerrandstreifen und Fruchtfolgen. Begründe jede Maßnahme ökologisch und wirtschaftlich.
  4. Forschungsprojekt: Plane eine kleine Untersuchung zur Frage, ob Strukturvielfalt die Zahl beobachtbarer Insektengruppen beeinflusst. Lege Stichproben, Erfassungsdauer, Kontrollflächen und Auswertung fest und bespreche mögliche Störfaktoren.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Zielkonflikte analysieren: Ein Betrieb möchte zehn Prozent seiner Fläche für biodiversitätsfördernde Maßnahmen nutzen, befürchtet aber Einkommensverluste. Entwickle drei Lösungswege und bewerte sie nach ökologischer Wirkung, Wirtschaftlichkeit und Fairness.
  2. Landschaft vergleichen: Vergleiche eine großflächig einheitliche Agrarlandschaft mit einer kleinteiligen Landschaft aus Äckern, Hecken, Brachen und Grünland. Erkläre, wie sich beide auf Wanderung, Nahrungssuche und Fortpflanzung verschiedener Arten auswirken können.
  3. Maßnahmenkombination: Begründe, warum ein Netzwerk aus Hecken, Säumen, Brachen und vielfältigen Fruchtfolgen oft wirksamer sein kann als nur ein einzelner Blühstreifen.
  4. Ökosystemdienstleistungen übertragen: Erkläre an einem selbst gewählten Kulturpflanzenbeispiel, wie Bestäubung, Bodenleben und natürliche Schädlingsregulation die Produktion beeinflussen können.
  5. Bewertung von Bio und Konventionell: Entwickle Kriterien, mit denen Du zwei Betriebe unabhängig von ihrem Label hinsichtlich Biodiversität vergleichen könntest. Begründe, warum das Label allein nicht alle Unterschiede erklärt.
  6. Politik und öffentliches Gut: Erkläre, warum Biodiversitätsschutz als öffentliches Gut finanziert werden kann und welche Probleme entstehen, wenn ökologische Leistungen allein über den Produktpreis bezahlt werden sollen.


Lernnachweis

Für einen überzeugenden Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du nicht nur Begriffe kennst, sondern Zusammenhänge erklären, Daten einordnen und Zielkonflikte begründet beurteilen kannst.

  1. Fachbegriffe: Du erklärst Biodiversität, Agrarökosystem, Ökosystemdienstleistung, Fruchtfolge, Grünland, Brache, Agroforst und Zielkonflikt korrekt.
  2. Lebensräume: Du kannst wichtige Lebensräume der Agrarlandschaft benennen und ihre Funktionen für verschiedene Organismengruppen beschreiben.
  3. Ursachenanalyse: Du kannst mehrere Ursachen des Biodiversitätsrückgangs unterscheiden und Wechselwirkungen erläutern.
  4. Maßnahmenbewertung: Du beurteilst Maßnahmen nach Wirksamkeit, Standortbezug, Dauer, Vernetzung und möglichen Nebenwirkungen.
  5. Datenkompetenz: Du kannst einen Indikator wie den BfN-Agrarlandindex erklären, ohne ihn mit einem direkten Artenanteil zu verwechseln.
  6. Transfer: Du entwickelst für einen neuen Fall einen begründeten Kompromiss zwischen Produktion, Wirtschaftlichkeit und Naturschutz.




OERs zum Thema

Als frei zugängliche Vertiefung kannst Du den Wikipedia-Artikel zur Landwirtschaft in Deutschland nutzen und mit Artikeln zu Biodiversität, Agrarökologie, Ökologische Landwirtschaft und Agroforstwirtschaft verbinden.



Verknüpfte Lernbereiche


Quellenhinweise

Die fachlichen Grundlagen und aktuellen Kennzahlen dieses aiMOOCs orientieren sich vor allem an Veröffentlichungen des Umweltbundesamtes, des Bundesamtes für Naturschutz, des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft und des Bundesministeriums für Landwirtschaft sowie an frei zugänglichen Wikipedia-Artikeln. Die eingebundenen Bilder stammen aus Wikimedia Commons; die Videos stammen unter anderem von Planet Schule und dem Bundesinformationszentrum Landwirtschaft.


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