Koalitionen bilden - Deutschland

Koalitionen bilden - Deutschland
Einleitung
Nach einer Bundestagswahl ist nicht automatisch entschieden, wer Deutschland regiert. Die Wählerinnen und Wähler wählen die Abgeordneten des Deutschen Bundestages, nicht direkt den Bundeskanzler oder die Bundesregierung. Weil in einem Mehrparteiensystem nur selten eine Partei allein über die nötige Mehrheit verfügt, suchen Parteien häufig Partner, mit denen sie gemeinsam regieren können. Ein solches zeitlich begrenztes Bündnis heißt Koalition.
Für die Regierungsbildung zählen deshalb drei Dinge besonders: Mehrheiten im Bundestag, politische Verhandlungen zwischen Parteien und die verfassungsrechtlich geregelte Wahl und Ernennung der Regierung. Dabei musst Du unterscheiden: Was Parteien politisch vereinbaren, ist nicht automatisch schon staatliches Recht.

Was ist eine Koalition?
Eine Koalition ist ein Bündnis von zwei oder mehr Parteien, die für eine bestimmte Zeit gemeinsam Regierungsverantwortung übernehmen wollen. Meist versuchen sie, im Parlament zusammen eine stabile Mehrheit zu erreichen. Eine Koalition ist aber nicht selbst ein Verfassungsorgan. Im Grundgesetz stehen der Bundestag, der Bundespräsident und die Bundesregierung im Mittelpunkt der formellen Regierungsbildung.
Parteien schließen Koalitionen, weil sie gemeinsam mehr politische Vorhaben durchsetzen können als allein. Gleichzeitig müssen sie Kompromisse eingehen. Je weiter ihre politischen Programme auseinanderliegen, desto schwieriger können die Verhandlungen werden.
Wichtig ist außerdem die Unterscheidung zwischen Partei, Fraktion und Regierung: Parteien treten zu Wahlen an, Fraktionen organisieren die parlamentarische Arbeit von Abgeordneten, und die Bundesregierung besteht nach Artikel 62 des Grundgesetzes aus dem Bundeskanzler und den Bundesministern.
Mehrheiten verstehen
Für Koalitionsbildungen reicht es nicht, nur die größten Parteien zu betrachten. Entscheidend ist, wie viele Sitze ihre Abgeordneten zusammen im Bundestag haben.
Bei der Bundestagswahl 2025 wurden 630 Sitze vergeben. Für die Wahl des Bundeskanzlers war damit eine absolute Mehrheit von mindestens 316 Stimmen erforderlich. Diese Mehrheit wird häufig auch Kanzlermehrheit genannt.
| Mehrheitsart | Bedeutung | Bedeutung für die Regierungsbildung |
|---|---|---|
| Absolute Mehrheit | Mehr als die Hälfte aller Mitglieder des Bundestages | Im ersten Wahlgang der Kanzlerwahl erforderlich |
| Einfache Mehrheit | Mehr Ja- als Nein-Stimmen unter den abgegebenen gültigen Stimmen | Für viele gewöhnliche Bundestagsbeschlüsse ausreichend |
| Relative Mehrheit | Mehr Stimmen als jeder andere Kandidat | Kann in der dritten Phase einer gescheiterten Kanzlerwahl wichtig werden |
| Qualifizierte Mehrheit | Eine besonders hohe vorgeschriebene Mehrheit, zum Beispiel zwei Drittel | Unter anderem bei Änderungen des Grundgesetzes wichtig |
Beispiel: Sitzverteilung nach der Bundestagswahl 2025
Das endgültige Wahlergebnis von 2025 verteilte die 630 Sitze folgendermaßen:
| Partei oder gemeinsame Fraktion | Sitze nach dem endgültigen Wahlergebnis 2025 |
|---|---|
| CDU und CSU | 208 |
| AfD | 152 |
| SPD | 120 |
| Bündnis 90/Die Grünen | 85 |
| Die Linke | 64 |
| SSW | 1 |

Rechnerisch ergaben CDU/CSU und SPD zusammen 328 Sitze. Damit lag diese Kombination über der für die Kanzlerwahl nötigen Grenze von 316 Sitzen. Eine reine Sitzrechnung zeigt aber nur, welche Bündnisse mathematisch eine Mehrheit haben könnten. Ob Parteien tatsächlich miteinander regieren wollen, hängt von Programmen, politischen Beschlüssen, gegenseitigem Vertrauen und Verhandlungsergebnissen ab.
Außerdem stimmen Abgeordnete bei der Kanzlerwahl geheim ab. Sie besitzen nach Artikel 38 des Grundgesetzes ein freies Mandat und sind rechtlich nicht an Weisungen gebunden. Deshalb garantiert eine rechnerische Koalitionsmehrheit nicht automatisch, dass ein Kanzlerkandidat genau so viele Stimmen erhält.
Von der Wahl zur Koalition
Nach einer Bundestagswahl beginnt meist eine politische Phase, für die das Grundgesetz keine detaillierte Verhandlungsordnung vorgibt.
- Sondierungen: Parteien prüfen, ob genügend Gemeinsamkeiten für ernsthafte Koalitionsverhandlungen bestehen.
- Koalitionsverhandlungen: Verhandlungsteams arbeiten an politischen Zielen, Finanzierungsfragen, Ministerien und Regeln der Zusammenarbeit.
- Koalitionsvertrag: Die gemeinsam vereinbarten Ziele werden in der Regel schriftlich festgehalten.
- Parteitage oder andere parteiinterne Verfahren: Je nach Partei müssen Gremien oder Mitglieder dem Ergebnis zustimmen.
- Kanzlerwahl: Erst danach folgt die verfassungsrechtlich entscheidende Wahl im Bundestag.
Sondierungen sind also noch keine Regierungsbildung im rechtlichen Sinn. Sie dienen dazu herauszufinden, ob eine Zusammenarbeit überhaupt tragfähig erscheint.
Was wird in Koalitionsverhandlungen ausgehandelt?
Koalitionsverhandlungen betreffen meist mehrere Ebenen gleichzeitig. Die Parteien versuchen, aus unterschiedlichen Wahlprogrammen ein gemeinsames Regierungsprogramm zu entwickeln. Dazu gehören beispielsweise Wirtschafts-, Sozial-, Bildungs-, Klima-, Innen-, Außen- und Finanzpolitik.
Auch der Zuschnitt und die politische Besetzung von Ministerien spielen eine große Rolle. Parteien verhandeln außerdem darüber, wie Konflikte während der Wahlperiode gelöst werden sollen. Häufig wird festgelegt, welche Vorhaben besonders wichtig sind und wie die Zusammenarbeit zwischen den Koalitionspartnern organisiert werden soll.
Ein Koalitionsvertrag ist dabei politisch sehr bedeutsam, aber rechtlich nicht wie ein Gesetz einklagbar. Er kann Abgeordnete nicht von ihrem freien Mandat entbinden und auch die verfassungsrechtlichen Zuständigkeiten von Bundestag, Bundeskanzler oder Bundespräsident nicht ersetzen.

Der Koalitionsvertrag
Der Koalitionsvertrag ist die politische Arbeitsgrundlage der beteiligten Parteien. Darin können sie gemeinsame Ziele, geplante Gesetze, finanzielle Prioritäten, die Aufteilung von Ministerien und Verfahren für Streitfälle festhalten.
Er ist jedoch kein Gesetz. Ein Gericht kann eine Partei nicht dazu zwingen, ein politisches Versprechen aus dem Koalitionsvertrag umzusetzen. Politisch kann ein Bruch solcher Vereinbarungen trotzdem erhebliche Folgen haben: Vertrauen kann verloren gehen, ein Koalitionsausschuss kann einberufen werden oder die Koalition kann im Extremfall zerbrechen.
Gerade für den Politikunterricht ist deshalb wichtig: Politische Verbindlichkeit und rechtliche Verbindlichkeit sind nicht dasselbe.
Die Kanzlerwahl nach Artikel 63 Grundgesetz
Die eigentliche Wahl des Bundeskanzlers ist im Grundgesetz geregelt. Der Bundespräsident schlägt dem Bundestag zunächst eine Person vor. Der Bundestag stimmt darüber ohne Aussprache und geheim ab.
In der ersten Wahlphase ist gewählt, wer die Stimmen der Mehrheit der Mitglieder des Bundestages erhält. Bei 630 Abgeordneten sind das mindestens 316 Stimmen.
Erhält die vorgeschlagene Person diese Mehrheit nicht, beginnt eine zweite Phase. Der Bundestag kann innerhalb von vierzehn Tagen selbst einen Bundeskanzler mit der absoluten Mehrheit seiner Mitglieder wählen.
Kommt auch innerhalb dieser Frist keine solche Wahl zustande, folgt unverzüglich eine weitere Wahlphase. Dann ist zunächst gewählt, wer die meisten Stimmen erhält. Hat diese Person zugleich die absolute Mehrheit, muss der Bundespräsident sie ernennen. Hat sie nur eine relative Mehrheit, kann der Bundespräsident innerhalb von sieben Tagen entweder die gewählte Person ernennen oder den Bundestag auflösen.
Beispiel 2025: Mehrheit auf dem Papier und Mehrheit in der Wahl
Die Regierungsbildung 2025 zeigt besonders deutlich, warum rechnerische Koalitionsmehrheiten und tatsächliche Abstimmungen unterschieden werden müssen.
CDU, CSU und SPD verfügten nach dem Wahlergebnis gemeinsam über 328 Sitze. Für die Kanzlerwahl waren 316 Stimmen nötig. Am 6. Mai 2025 erhielt Friedrich Merz im ersten Wahlgang jedoch nur 310 Stimmen und verfehlte damit die erforderliche Mehrheit. Noch am selben Tag fand ein weiterer Wahlgang statt. Dort erhielt er 325 Stimmen und wurde zum Bundeskanzler gewählt.
Dieses Beispiel zeigt: Abgeordnete stimmen bei der Kanzlerwahl geheim ab, und eine Koalitionsvereinbarung ersetzt nicht die parlamentarische Wahl.
Bundespräsident, Bundeskanzler und Minister
Nach erfolgreicher Kanzlerwahl ernennt der Bundespräsident den gewählten Bundeskanzler. Anschließend schlägt der Bundeskanzler die Bundesminister vor; auch sie werden vom Bundespräsidenten ernannt. Danach werden Kanzler und Minister vereidigt.

Der Bundespräsident wirkt damit an wichtigen formellen Schritten mit. Die politische Leitung der Bundesregierung liegt aber beim Bundeskanzler und dem Kabinett.

Minderheitsregierung: Regieren ohne eigene Mehrheit?
Eine Koalition muss nicht zwingend über die Mehrheit der Sitze verfügen. Auch eine Minderheitsregierung ist möglich. Dann haben die Regierungsfraktionen im Bundestag zusammen weniger als die Hälfte der Sitze und müssen für Gesetze Unterstützung von Oppositionsfraktionen oder einzelnen Abgeordneten gewinnen.
Eine Minderheitsregierung kann entstehen, wenn sich keine Mehrheitskoalition bildet oder wenn ein Koalitionspartner während der Wahlperiode aus der Regierung ausscheidet. Sie kann handlungsfähig sein, muss aber für wichtige Entscheidungen immer wieder neue parlamentarische Mehrheiten organisieren.
Warum Koalitionsbildung ein demokratischer Aushandlungsprozess ist
Koalitionsbildung ist mehr als politische Mathematik. Parteien müssen Interessen ausgleichen, Wahlversprechen gewichten und gemeinsame Lösungen finden. Kompromisse gehören deshalb zum parlamentarischen Regierungssystem.
Dabei entstehen typische Spannungen: Eine Partei möchte ihr eigenes Programm möglichst stark durchsetzen, muss aber gleichzeitig Zugeständnisse machen. Abgeordnete sollen die gemeinsame Politik ihrer Fraktion unterstützen, behalten aber ihr freies Mandat. Eine Regierung braucht verlässliche Mehrheiten, während Opposition und Öffentlichkeit die Ergebnisse kritisch kontrollieren.
Für Dich ist deshalb eine zentrale Frage: Wann ist ein Kompromiss eine sinnvolle gemeinsame Lösung, und wann verliert eine Partei dabei zu viel von ihren eigenen politischen Zielen?
Stand August 2026
Seit dem 6. Mai 2025 regiert auf Bundesebene eine Koalition aus CDU, CSU und SPD. Der Koalitionsvertrag trägt den Titel „Verantwortung für Deutschland“. Bundeskanzler ist Friedrich Merz. Das Beispiel wird hier vor allem genutzt, um den Ablauf von Mehrheitsbildung, Koalitionsverhandlungen und Kanzlerwahl verständlich zu machen.
Quellen und Vertiefung
- Artikel 63 des Grundgesetzes: Verfassungsrechtliche Regeln zur Kanzlerwahl
- Artikel 42 des Grundgesetzes: Mehrheit der abgegebenen Stimmen bei Bundestagsbeschlüssen
- Deutscher Bundestag: Kanzlerwahl: Ablauf und institutionelle Rollen
- Bundeswahlleiterin: Bundestagswahl 2025: Endgültige Sitzverteilung
- Bundesregierung: Koalitionsvertrag 2025: Informationen zur Koalition von CDU, CSU und SPD
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was ist eine Koalition in der deutschen Politik? (Ein zeitlich begrenztes Bündnis von Parteien) (!Eine Gerichtsentscheidung) (!Eine Behörde des Bundespräsidenten) (!Ein Zusammenschluss aller Bundesländer)
Wie viele Stimmen waren bei 630 Bundestagsmitgliedern für die absolute Mehrheit nötig? (316) (!300) (!315) (!330)
Was ist das Hauptziel von Sondierungsgesprächen? (Prüfen ob eine gemeinsame Regierungsbasis möglich ist) (!Bundesminister sofort ernennen) (!Den Bundestag auflösen) (!Ein Gesetz ohne Abstimmung beschließen)
Welche Aussage über einen Koalitionsvertrag ist richtig? (Er ist politisch bedeutsam aber nicht wie ein Gesetz einklagbar) (!Er ersetzt das Grundgesetz) (!Er wird vom Bundesverfassungsgericht beschlossen) (!Er bindet jeden Abgeordneten rechtlich an Weisungen)
Wer schlägt in der ersten Phase einen Kandidaten für das Kanzleramt vor? (Der Bundespräsident) (!Der Bundesrat) (!Das Bundesverfassungsgericht) (!Die Bundesversammlung)
Welches Organ wählt den Bundeskanzler? (Der Deutsche Bundestag) (!Der Bundesrat) (!Die Bundesregierung) (!Der Bundespräsident allein)
Was bedeutet absolute Mehrheit bei der Kanzlerwahl? (Mehr als die Hälfte aller Mitglieder des Bundestages) (!Mehr Ja als Nein unter beliebig wenigen Stimmen) (!Die meisten Stimmen unter mehreren Kandidaten) (!Zwei Drittel aller Wahlberechtigten)
Was geschieht wenn der Kandidat des Bundespräsidenten im ersten Wahlgang keine Kanzlermehrheit erhält? (Der Bundestag kann innerhalb von vierzehn Tagen selbst einen Kanzler mit absoluter Mehrheit wählen) (!Die Regierung wird automatisch für vier Jahre verlängert) (!Der Bundesrat übernimmt die Kanzlerwahl) (!Es muss am nächsten Tag eine Bundestagswahl stattfinden)
Warum garantiert eine rechnerische Koalitionsmehrheit nicht automatisch das Ergebnis einer Kanzlerwahl? (Weil die Abgeordneten geheim abstimmen und ein freies Mandat haben) (!Weil nur Bundesminister abstimmen dürfen) (!Weil der Bundespräsident alle Stimmen verteilt) (!Weil Koalitionsparteien bei Kanzlerwahlen nicht teilnehmen dürfen)
Wer ernennt die Bundesminister auf Vorschlag des Bundeskanzlers? (Der Bundespräsident) (!Der Bundestagspräsident) (!Der Bundesrat) (!Das Bundesverfassungsgericht)
Memory
| Sondierung | Prüft eine mögliche gemeinsame Regierungsbasis |
| Koalitionsvertrag | Politische Vereinbarung über gemeinsame Regierungsziele |
| Kanzlermehrheit | Mehr als die Hälfte aller Bundestagsmitglieder |
| Bundespräsident | Schlägt einen Kanzlerkandidaten vor und ernennt |
| Bundestag | Wählt den Bundeskanzler |
| Minderheitsregierung | Regiert ohne eigene Mehrheit der Sitze |
| Ressort | Zuständigkeitsbereich eines Ministeriums |
| Freies Mandat | Abgeordnete sind nicht an Weisungen gebunden |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Sondierung | Möglichkeiten der Zusammenarbeit prüfen |
| Koalitionsverhandlung | Gemeinsames Regierungsprogramm aushandeln |
| Koalitionsvertrag | Politische Vereinbarungen schriftlich festhalten |
| Kanzlerwahl | Parlamentarische Mehrheit für das Regierungsamt herstellen |
| Ministerernennung | Bundesregierung personell vervollständigen |
...
Kreuzworträtsel
| Koalition | Wie heißt ein zeitlich begrenztes Bündnis von Parteien zur gemeinsamen Regierungsarbeit? |
| Sondierung | Wie heißt die Phase, in der Parteien zunächst prüfen, ob eine Zusammenarbeit möglich ist? |
| Mehrheit | Welcher Begriff bezeichnet die nötige Stimmenüberlegenheit für eine Entscheidung? |
| Bundestag | Welches Verfassungsorgan wählt den Bundeskanzler? |
| Kanzler | Welches Regierungsamt wird nach Artikel 63 vom Bundestag gewählt? |
| Bundesregierung | Wie heißt das Organ aus Bundeskanzler und Bundesministern? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Mehrheitsrechnung: Erfinde ein Parlament mit fünf Parteien und insgesamt 100 Sitzen. Markiere alle Zwei-Parteien-Bündnisse, die eine absolute Mehrheit erreichen.
- Politisches Glossar: Erstelle Lernkarten zu Koalition, Sondierung, Koalitionsvertrag, Kanzlermehrheit und Minderheitsregierung.
- Medienanalyse: Wähle eines der eingebetteten Erklärvideos aus und fasse die drei wichtigsten Aussagen in eigenen Worten zusammen.
- Ablaufdiagramm: Zeichne den Weg von der Bundestagswahl bis zur Ernennung der Bundesminister als Flussdiagramm.
Standard
- Sondierungssimulation: Bildet Gruppen mit unterschiedlichen politischen Zielen und führt zehn Minuten Sondierungsgespräche. Haltet fest, wo Einigkeit und Konflikte bestehen.
- Koalitionsverhandlung: Erstellt für drei fiktive Parteien kurze Wahlprogramme und handelt daraus fünf gemeinsame Regierungsziele aus.
- Koalitionsvertrag und Grundgesetz: Vergleiche politische Vereinbarungen eines Koalitionsvertrags mit den verfassungsrechtlichen Regeln zur Kanzlerwahl. Erkläre die Unterschiede.
- Bundestagswahl 2025: Analysiere die Sitzverteilung von 2025. Unterscheide zwischen rechnerisch möglichen Mehrheiten und politisch tatsächlich vereinbarten Bündnissen.
Schwer
- Minderheitsregierung: Entwickle ein Szenario, in dem keine Mehrheitskoalition zustande kommt. Erkläre, wie eine Minderheitsregierung trotzdem Gesetze beschließen könnte.
- Freies Mandat und Fraktionsdisziplin: Diskutiere, warum eine Regierung verlässliche Mehrheiten braucht, Abgeordnete aber trotzdem rechtlich nicht an Weisungen gebunden sind.
- Artikel 63 Grundgesetz: Erstelle einen Fall, in dem die Kanzlerwahl in die dritte Wahlphase gelangt. Beschreibe die Handlungsmöglichkeiten des Bundespräsidenten.
- Pressekonferenz zur Regierungsbildung: Simuliere eine Pressekonferenz nach schwierigen Koalitionsverhandlungen. Rollen sind Parteivorsitzende, Journalistinnen und Journalisten sowie politische Beobachter.


Lernkontrolle
- Koalitionsarithmetik: In einem fiktiven Bundestag gibt es 200 Sitze. Partei A hat 78, Partei B 61, Partei C 34 und Partei D 27 Sitze. Prüfe mehrere Koalitionen und erkläre, warum eine mathematische Mehrheit noch keine politische Koalition bedeutet.
- Gescheiterte Kanzlerwahl: Eine Koalition besitzt rechnerisch die absolute Mehrheit, ihr Kandidat verfehlt sie aber im ersten Wahlgang. Erkläre, welche demokratischen und verfassungsrechtlichen Gründe dafür denkbar sind und wie das Verfahren weitergeht.
- Koalitionsvertrag im Konflikt: Eine Abgeordnete hält ein Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag für falsch. Beurteile den Konflikt zwischen politischer Zusammenarbeit und freiem Mandat.
- Koalitionsbruch: Ein Partner verlässt während der Wahlperiode die Regierung. Entwickle mindestens zwei Möglichkeiten, wie es politisch weitergehen könnte.
- Mehrheitsarten: Vergleiche absolute, einfache und relative Mehrheit anhand eigener Beispiele und erkläre, warum sie nicht verwechselt werden dürfen.
- Bund und Länder: Eine Regierungskoalition besitzt im Bundestag eine sichere Mehrheit, im Bundesrat aber nicht. Erkläre, warum dadurch politische Verhandlungen mit Ländern zusätzlich wichtig werden können.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du:
- Koalition als politisches Bündnis erklären kannst.
- absolute, einfache und relative Mehrheit unterscheiden kannst.
- die notwendige Kanzlermehrheit aus einer gegebenen Zahl von Bundestagsmitgliedern berechnen kannst.
- den Ablauf von Sondierung, Koalitionsverhandlung, Koalitionsvertrag und Kanzlerwahl beschreiben kannst.
- die Rollen von Bundestag, Bundespräsident und Bundeskanzler bei der Regierungsbildung erklären kannst.
- den politischen, aber nicht gesetzesgleichen Charakter eines Koalitionsvertrags beurteilen kannst.
- erklären kannst, warum eine rechnerische Mehrheit nicht automatisch ein bestimmtes Abstimmungsergebnis garantiert.
- die Möglichkeit und die Schwierigkeiten einer Minderheitsregierung erläutern kannst.
- einen neuen Fall zur Regierungsbildung mit Hilfe von Artikel 63 des Grundgesetzes selbstständig analysieren kannst.
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