Kiriku und die Zauberin

Kiriku und die Zauberin
Kiriku und die Zauberin
Einleitung
Kiriku und die Zauberin ist ein farbenreicher Zeichentrickfilm und ein Filmmärchen von Michel Ocelot. Der Film kam 1998 heraus. Er wurde in Frankreich, Belgien und Luxemburg produziert, die Musik schrieb der senegalesische Musiker Youssou N’Dour. Die deutsche Fassung dauert etwa 74 Minuten. Die FSK-Freigabe lautet 0; Kinderfilmwelt empfiehlt den Film ab 6 Jahren.
Im Mittelpunkt steht Kiriku: Er ist winzig, sehr schnell, mutig und vor allem neugierig. Er akzeptiert einfache Antworten nicht sofort. Immer wieder fragt er: Warum? Warum hat das Dorf kein Wasser? Warum fürchten sich die Menschen vor Karaba? Warum handelt Karaba so verletzend? Kirikus besondere Stärke ist deshalb nicht nur sein Mut, sondern auch sein Wunsch, die Ursachen eines Problems zu verstehen.
Der Film ist von westafrikanischen Erzählwelten und einem westafrikanischen Märchen angeregt. Michel Ocelot verbrachte einen Teil seiner Kindheit in Guinea. Trotzdem ist wichtig: Der Film zeigt kein vollständiges oder allgemeingültiges Bild von „Afrika“. Westafrika besteht aus vielen Ländern, Sprachen, Religionen, Landschaften und Kulturen. Das Dorf im Film ist eine künstlerisch gestaltete Märchenwelt. Bilder aus Senegal, Mali oder Niger in diesem aiMOOC dienen deshalb nur als echte Beispiele aus verschiedenen Teilen Westafrikas und nicht als „Vorlage“ für Kirikus Dorf.

Die Karte zeigt Westafrika als Region. Schon die vielen Länder machen deutlich: Es gibt nicht die eine westafrikanische Kultur.
Das Video des Annecy-Festivals bietet einen Einblick in Kirikou and the Sorceress. Achte beim Anschauen besonders darauf, wie Farben, Musik, Bewegung und Sprache zusammenwirken.
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du
- Filmhandlung: wichtige Stationen der Geschichte in eigenen Worten wiedergeben.
- Figuren: Kiriku, Karaba, Kirikus Mutter, den Großvater und die Dorfgemeinschaft beschreiben.
- Mut: erklären, warum Mut mehr sein kann als Kämpfen oder Starksein.
- Konflikte: zwischen sichtbaren Folgen eines Konflikts und tieferen Ursachen unterscheiden.
- Fragen und Wissen: zeigen, wie Kiriku durch Fragen, Beobachten und Nachdenken Lösungen findet.
- Gemeinschaft: beschreiben, wie Angst, Gerüchte, Zusammenhalt und gegenseitige Hilfe eine Gruppe beeinflussen.
- Erzähltraditionen: erklären, dass Geschichten in Teilen Westafrikas über lange Zeit auch mündlich weitergegeben wurden und werden.
- Medienkompetenz: zwischen einer erfundenen Filmwelt und realen Kulturen unterscheiden.
- Respekt: kulturelle Darstellungen aufmerksam betrachten, ohne Menschen oder Länder über einen Kamm zu scheren.
Der Film auf einen Blick
| Merkmal | Information |
|---|---|
| Deutscher Titel | Kiriku und die Zauberin |
| Originaltitel | Kirikou et la Sorcière |
| Jahr | 1998 |
| Regie | Michel Ocelot |
| Drehbuch | Michel Ocelot |
| Musik | Youssou N’Dour |
| Form | traditionell animierter Zeichentrickfilm / Filmmärchen |
| Produktionsländer | Frankreich, Belgien, Luxemburg |
| Länge der deutschen Fassung | etwa 74 Minuten |
| FSK | 0 |
| Empfohlene Zielgruppe dieses aiMOOCs | ab 6 Jahren |
Der Film verbindet Abenteuer, Fantasie, Humor, Spannung und ernste Fragen. Besonders interessant ist, dass Kiriku sich nicht mit der Behauptung zufriedengibt, Karaba sei einfach „böse“. Er sucht nach einem Grund. Dadurch wird aus einem Kampf zwischen „gut“ und „böse“ eine Geschichte über Ursachen, Wissen, Schmerz, Verantwortung und Veränderung.
Worum geht es?
Kiriku wird in einem Dorf geboren, das unter großer Angst lebt. Die mächtige Karaba bedroht die Menschen, verlangt Wertsachen und wird für viele Unglücke verantwortlich gemacht. Die Wasserquelle ist versiegt. Außerdem sind viele Männer des Dorfes verschwunden. Die Menschen erzählen, Karaba habe sie verschlungen.
Kiriku hört diese Erklärungen, aber er fragt weiter. Er hilft seinem Onkel, schützt Kinder, sucht nach dem Grund für das fehlende Wasser und macht sich schließlich auf den Weg zu seinem weisen Großvater. Auf seinem Weg wird deutlich: Nicht jedes Gerücht stimmt genau so, wie es erzählt wird, und nicht jedes Problem hat nur eine sichtbare Ursache.

Dieses Foto zeigt einen Dorfbrunnen im Senegal. Es ist kein Bild aus dem Film. Es kann Dir aber helfen, darüber nachzudenken, warum ein sicherer Zugang zu Wasser für eine Gemeinschaft so wichtig ist.
Die Geschichte in wichtigen Stationen
- Kirikus Geburt: Kiriku kommt als außergewöhnliches Kind zur Welt. Er kann sofort sprechen, laufen und Fragen stellen.
- Das ängstliche Dorf: Die Menschen fürchten Karaba. Viele erklären Schwierigkeiten mit ihrer Macht.
- Kiriku hilft: Obwohl er klein ist und oft unterschätzt wird, greift Kiriku ein, wenn andere in Gefahr sind.
- Die Quelle: Kiriku untersucht das Problem selbst und entdeckt, dass ein Wesen in der Quelle das Wasser blockiert beziehungsweise verbraucht. Er sorgt dafür, dass das Wasser wieder fließt.
- Die Suche nach Wissen: Kiriku will verstehen, warum Karaba so handelt. Er sucht seinen Großvater auf.
- Die tiefere Ursache: Kiriku erfährt, dass Karaba selbst schwer verletzt wurde und unter einem Dorn in ihrem Rücken leidet.
- Eine andere Lösung: Kiriku besiegt Karaba nicht durch Töten. Er schafft es, den Dorn zu entfernen.
- Veränderung: Mit dem Ende des Schmerzes verändert sich Karabas Verhalten. Auch die Wahrheit über die verschwundenen Männer wird sichtbar.
- Rückkehr zur Gemeinschaft: Die Geschichte endet mit einer neuen Ordnung, in der Menschen wieder zusammenfinden können.
Achtung: Verstehen ist nicht dasselbe wie Entschuldigen
Ein wichtiger Gedanke des Films lautet: Hinter verletzendem Verhalten kann eine Ursache liegen. Karaba hat selbst Schmerz erlebt. Das hilft Kiriku zu verstehen, warum sie so geworden ist. Aber: Eine Ursache zu verstehen bedeutet nicht, dass schädliches Verhalten dadurch richtig wird. Man kann gleichzeitig Mitgefühl für erlittenes Leid haben und Grenzen gegenüber gefährlichem Verhalten setzen.
Für Kinder ab 6 Jahren reicht die Aussage: Karaba wurde schwer verletzt und trägt einen schmerzhaften Dorn im Rücken. Der Regisseur hat dieser Verletzung eine tiefere Bedeutung gegeben. Für jüngere Kinder muss diese Ebene nicht weiter ausgedeutet werden.
Figuren und ihre Beziehungen
Kiriku
Kiriku ist körperlich sehr klein, aber geistig wach und selbstbewusst. Andere unterschätzen ihn deshalb oft. Seine wichtigsten Fähigkeiten sind:
- Neugier: Er fragt nach.
- Beobachtung: Er schaut genau hin.
- Nachdenken: Er prüft, ob Erklärungen wirklich passen.
- Mut: Er handelt, auch wenn andere Angst haben.
- Mitgefühl: Er will Karaba am Ende nicht nur besiegen, sondern verstehen.
Kirikus Figur zeigt: Größe, Alter oder Stärke entscheiden nicht allein darüber, ob jemand gute Ideen haben kann.
Karaba
Karaba erscheint zunächst als mächtige Gegnerin. Sie lebt außerhalb des Dorfes, wird von verzauberten Figuren begleitet und verbreitet Angst. Im Verlauf der Geschichte wird ihr Verhalten komplizierter. Sie ist nicht nur die Figur, vor der alle Angst haben, sondern auch eine Figur mit eigener Verletzung und eigener Vergangenheit.
Gerade deshalb eignet sich Karaba gut für eine wichtige Frage: Kann ein Mensch zugleich anderen schaden und selbst verletzt sein? Der Film antwortet: Ja. Diese beiden Dinge können gleichzeitig wahr sein.
Kirikus Mutter
Kirikus Mutter bleibt ruhig und vertraut ihrem Sohn. Sie beantwortet Fragen, ohne ihn unnötig aufzuhalten. Ihre Haltung unterscheidet sich von der Angst vieler anderer Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner. Sie zeigt, dass Fürsorge auch bedeuten kann, einem Kind etwas zuzutrauen.
Der Großvater
Der Großvater steht für Wissen, Erinnerung und einen weiteren Blick auf das Geschehen. Er wiederholt nicht einfach die Gerüchte des Dorfes. Er hilft Kiriku, zwischen dem zu unterscheiden, was Menschen glauben, und dem, was hinter den Ereignissen steckt.
Damit wird der Großvater zu einer Figur des Wissens: Wissen hilft nicht nur dabei, eine Antwort zu kennen. Es hilft auch, bessere Fragen zu stellen.
Die Dorfgemeinschaft
Die Dorfgemeinschaft ist keine einzige Figur. Manche Menschen sind mutig, andere ängstlich, manche vorschnell, manche hilfsbereit. Oft orientieren sie sich aneinander. Dadurch zeigt der Film, wie Gruppen funktionieren können:
- Zusammenhalt kann schützen.
- Angst kann sich von Mensch zu Mensch ausbreiten.
- Gerüchte können wie Wissen wirken, obwohl sie nicht geprüft wurden.
- Vorurteile können dazu führen, dass jemand wegen seiner Größe oder seines Alters unterschätzt wird.
- Gemeinschaft kann sich verändern, wenn neue Informationen bekannt werden.

Dieses Foto zeigt ein reales Dorf in Mali. Es ist nicht Kirikus Dorf. Vergleiche vorsichtig: Welche Dinge wirken ähnlich wie im Film, welche ganz anders? Achte darauf, aus einem einzelnen Foto keine Aussage über alle Dörfer in Westafrika abzuleiten.
Mut: Mehr als kämpfen
In vielen Abenteuergeschichten bedeutet Mut, gegen einen Gegner zu kämpfen. Kiriku zeigt mehrere Arten von Mut.
- Körperlicher Mut: Er wagt sich an gefährliche Orte.
- Mut zum Denken: Er zweifelt an Erklärungen, die alle anderen für selbstverständlich halten.
- Mut zum Fragen: Er fragt weiter, auch wenn Erwachsene keine Antwort geben.
- Sozialer Mut: Er handelt, obwohl andere ihn auslachen oder unterschätzen.
- Mut zum Mitgefühl: Er versucht, Karaba zu verstehen, obwohl sie dem Dorf geschadet hat.
Du kannst daraus eine eigene Definition bilden: Mut bedeutet, trotz Angst oder Widerstand verantwortungsvoll zu handeln.
Fragen, Wissen und Problemlösen
Kirikus wichtigste Methode kann man wie einen kleinen Forschungsweg beschreiben:
- Wahrnehmen: Was geschieht wirklich?
- Fragen: Warum geschieht es?
- Vermutungen prüfen: Stimmt das, was alle erzählen?
- Informationen suchen: Wer könnte mehr wissen?
- Beobachten: Welche Hinweise gibt es?
- Handeln: Welche Lösung passt zur Ursache?
- Neu bewerten: Was wissen wir jetzt anders als vorher?
Das ist erstaunlich nah an forschendem Lernen. Kiriku glaubt nicht einfach alles. Er bleibt aber auch nicht beim Zweifeln stehen. Er sucht Informationen und überprüft seine Ideen.
Gerücht oder Wissen?
Im Dorf werden Erzählungen über Karaba weitergegeben. Einige enthalten Wahrheit, andere sind unvollständig oder falsch verstanden. Das ist ein guter Anlass für Medienkompetenz:
Gerücht: „Jemand hat gesagt, dass ...“
Beobachtung: „Ich habe gesehen, dass ...“
Vermutung: „Vielleicht ist es so, weil ...“
Geprüftes Wissen: „Wir haben mehrere Hinweise und können erklären, warum ...“
Auch heute ist diese Unterscheidung wichtig, zum Beispiel bei Nachrichten, Videos und Posts im Internet.
Ursachen von Konflikten
Ein Konflikt hat oft mehrere Ebenen. Bei Kiriku und die Zauberin kannst Du unterscheiden:
| Ebene | Beispiel aus dem Film | Leitfrage |
|---|---|---|
| Sichtbares Problem | Das Dorf hat Angst vor Karaba. | Was sehen die Menschen zuerst? |
| Folge | Wasser fehlt, Menschen verlieren Besitz, das Dorf fühlt sich bedroht. | Was passiert dadurch? |
| Gerücht | Über Karaba und die verschwundenen Männer werden Geschichten erzählt. | Was wird behauptet? |
| Verdeckte Ursache | Karaba trägt eine schwere Verletzung und großen Schmerz. | Was liegt tiefer? |
| Lösung | Kiriku sucht Wissen und handelt an der Ursache. | Welche Lösung verändert mehr als nur die Oberfläche? |
Der Film lädt damit zu einem wichtigen Gedanken ein: Wenn wir nur gegen die sichtbare Folge eines Problems kämpfen, kann die Ursache bestehen bleiben. Wer nach Ursachen fragt, kann manchmal eine nachhaltigere Lösung finden.
Konflikte im Alltag
Stell Dir vor, zwei Kinder streiten jeden Tag um einen Platz. Man könnte nur sagen: „Hört auf zu streiten!“ Vielleicht liegt die Ursache aber darin, dass sich eines der Kinder immer ausgeschlossen fühlt. Dann braucht es zusätzlich eine Lösung für das Gefühl des Ausgeschlossenseins.
So wie Kiriku solltest Du bei Konflikten fragen:
- Was ist passiert?
- Wer fühlt sich wie?
- Was braucht Schutz?
- Was ist nur eine Vermutung?
- Welche Ursache könnte hinter dem Streit liegen?
- Welche Lösung ist fair und sicher?
Dorfgemeinschaft: Gemeinsam stark, gemeinsam lernfähig
Im Film braucht die Gemeinschaft Wasser, Sicherheit, Vertrauen und gegenseitige Hilfe. Gleichzeitig macht die Geschichte deutlich, dass eine Gemeinschaft Fehler machen kann. Menschen können Gerüchte wiederholen, jemanden unterschätzen oder aus Angst vorschnell urteilen.
Eine gute Gemeinschaft ist deshalb nicht eine Gruppe, in der alle immer dasselbe denken. Sie ist eine Gruppe, in der Menschen
- einander zuhören,
- Fragen zulassen,
- Schwächere schützen,
- Wissen teilen,
- Fehler verbessern,
- Verantwortung übernehmen und
- nach einem Konflikt wieder Wege zueinander suchen.
Baobabs wachsen in verschiedenen Regionen Afrikas, darunter im Senegal. Das Foto ist kein Filmstill. Nutze es als Anlass, über Landschaftsbilder nachzudenken: Welche Landschaften zeigt der Film? Welche echten Landschaften Westafrikas kennst Du noch? Westafrika besteht nicht nur aus Savanne.
Westafrikanisch inspirierte Erzähltraditionen
Michel Ocelot bezeichnet die Geschichte als von einem afrikanischen beziehungsweise westafrikanischen Märchen angeregt. Er verbrachte einen Teil seiner Kindheit in Guinea. Seine Filmwelt verbindet persönliche Erinnerungen, Märchenelemente und künstlerische Erfindung.
In verschiedenen westafrikanischen Gesellschaften spielen mündliche Erzähltraditionen eine wichtige Rolle. Geschichten, Familiengeschichten, Wissen, Lieder und Erinnerungen können durch Sprechen, Singen und Musizieren weitergegeben werden.
In Teilen Westafrikas gibt es dafür spezialisierte Erzählerinnen, Erzähler, Musikerinnen und Musiker, die oft mit den Begriffen Griot oder – in manchen Manding-Sprachen – Jeli/Jali bezeichnet werden. Diese Begriffe gehören zu bestimmten kulturellen Zusammenhängen. Sie sind kein Name für alle Geschichtenerzählenden in Afrika.

Das Foto zeigt einen Griot bei einem Auftritt in Diffa im Niger. Es ist ein reales Dokument und kein Bild aus Kirikus Geschichte.
Erzählen mit Musik
Mündliches Erzählen kann Stimme, Wiederholung, Rhythmus, Musik, Gestik und die Reaktion des Publikums verbinden. In der westafrikanischen Jeli-Tradition können Instrumente wie die Kora, das Balafon oder verschiedene Lauten eine Rolle spielen.

Hier siehst Du Jali Fily Cissokho, einen Mandinka-Kora-Spieler aus Senegal. Die Kora ist ein Saiteninstrument, das in mehreren westafrikanischen Musiktraditionen verwendet wird.
In diesem Video hörst Du Sona Jobarteh und ihre Band. Es zeigt eine heutige musikalische Praxis mit der Kora. Höre auf die Klangfarbe des Instruments und vergleiche sie mit der Musik im Film, ohne anzunehmen, dass alle westafrikanischen Musikstile gleich klingen.
Was hat das mit Kiriku zu tun?
Der Film nutzt Merkmale, die an mündliches Erzählen erinnern können:
- Die Geschichte ist klar gegliedert und arbeitet mit Wiederholungen.
- Figuren sprechen oft direkt und knapp.
- Lieder und Rhythmus gehören zum Erleben der Handlung.
- Wissen wird von einer älteren Generation an eine jüngere weitergegeben.
- Eine zentrale Frage wird wiederholt: Warum handelt Karaba so?
Das bedeutet nicht, dass der Film einfach eine bestimmte traditionelle Erzählung „originalgetreu“ wiedergibt. Er ist eine moderne künstlerische Bearbeitung.
Kulturelle Darstellungen respektvoll einordnen
Beim Lernen mit dem Film ist es wichtig, neugierig und respektvoll zu bleiben.
1. Westafrika ist vielfältig. Senegal, Guinea, Mali, Niger, Ghana, Benin und viele weitere Länder haben unterschiedliche Sprachen, Religionen, Städte, Dörfer, Kleidungsformen, Musikstile und Geschichten.
2. Ein Märchen ist keine Dokumentation. Kirikus Dorf ist erfunden. Die Architektur, Kleidung, Landschaften und Figuren sind künstlerisch gestaltet.
3. Nicht „die Afrikaner“ sagen. Besser ist: „Im Film sehen wir ...“, „In dieser Geschichte ...“, „In dieser Region ...“ oder „Bei dieser kulturellen Tradition ...“.
4. Körper und Kleidung nicht verspotten. Der Film zeigt Kinder und Erwachsene teilweise anders bekleidet, als Du es vielleicht aus europäischen Kinderfilmen kennst. Das soll weder lächerlich gemacht noch als Bild für alle Menschen in Westafrika verallgemeinert werden.
5. Masken, Figuren und Musik haben Kontexte. Gegenstände oder Klänge aus verschiedenen Kulturen sind nicht bloß „exotische Dekoration“. Frage: Wer nutzt sie? Wann? Wofür? Welche Bedeutung haben sie?
6. Echte Gegenwart mitdenken. Westafrika besteht heute auch aus Millionenstädten, Schulen, Universitäten, Filmstudios, Sportvereinen, digitalen Medien, moderner Musik und vielen unterschiedlichen Lebensweisen.
Filmgestaltung
Traditionelle Animation
Die offizielle Filmseite nennt als Technik traditionelle Animation. Das bedeutet: Die Bewegung entsteht aus vielen nacheinander gezeigten gezeichneten Bildern. Für die Produktion arbeiteten mehrere Animationsstudios in verschiedenen europäischen Ländern zusammen.
Achte auf:
- klare Umrisse,
- kräftige Farbflächen,
- stark gestaltete Hintergründe,
- wiederkehrende Formen,
- den Gegensatz zwischen ruhigen und schnellen Bewegungen,
- die kleine Gestalt Kirikus im Verhältnis zu großen Gefahren.
Farben als Erzählsprache
Farben sind nicht nur Schmuck. Sie können Stimmung erzeugen. Warme Gelb- und Ockertöne können Hitze oder Trockenheit spürbar machen. Grün kann mit Pflanzen und Wasser verbunden sein. Dunklere Räume können Geheimnis oder Gefahr ausdrücken.
Aufgabe beim nächsten Sehen: Stoppe an drei Stellen und frage Dich: Welche Farbe fällt zuerst auf, und was lässt sie mich fühlen?
Musik von Youssou N’Dour
Die Filmmusik stammt von Youssou N’Dour, einem international bekannten Musiker aus Senegal. Kinderfilmwelt hebt hervor, dass senegalesische Musiker für den Film traditionelle Instrumente verwendeten.
Musik kann im Film:
- Spannung ankündigen,
- Bewegung verstärken,
- eine Figur begleiten,
- Ruhe schaffen,
- Gemeinschaft hörbar machen.
Höre einmal eine Szene mit geschlossenen Augen. Kannst Du allein an Musik, Stimmen und Geräuschen erkennen, ob die Szene ruhig, gefährlich oder fröhlich ist?
Regisseur Michel Ocelot
Michel Ocelot schrieb das Drehbuch, entwarf die grafische Gestaltung und führte Regie. Er verbrachte einen Teil seiner Kindheit in Guinea-Conakry. Auf seiner offiziellen Website erklärt er, dass Kirikus Wunsch, die Ursache von Karabas Verhalten zu verstehen, ein Kern der Geschichte ist.
Das Interview ist auf Französisch und eignet sich besonders für Erwachsene, Lehrkräfte oder ältere Lernende. Du kannst trotzdem auf Bilder, Zeichnungen und Filmausschnitte achten und überlegen, wie ein Animationsfilm entsteht.
Das große „Warum?“
Kirikus vielleicht stärkste Frage lautet sinngemäß: Warum ist Karaba so?
Diese Frage verändert die ganze Geschichte. Ohne sie bliebe Karaba nur eine Gegnerin. Durch die Frage wird sie zu einer Figur mit einer Vergangenheit. Kiriku gewinnt neues Wissen, und dieses Wissen ermöglicht eine andere Lösung.
Du kannst Kirikus Methode auf viele Situationen übertragen:
- Warum ist jemand wütend?
- Warum funktioniert etwas nicht?
- Warum glauben viele Menschen dasselbe?
- Woher stammt eine Information?
- Welche Seite der Geschichte kenne ich noch nicht?
- Was müsste ich wissen, bevor ich urteile?
Fragen sind deshalb kein Zeichen von Unwissenheit. Gute Fragen sind ein Werkzeug, um Wissen aufzubauen.
Gemeinsam über schwierige Szenen sprechen
Der Film enthält Gefahr, Bedrohung, Angst und die Vorstellung, Menschen seien verschwunden oder „gefressen“ worden. Für Kinder ab 6 Jahren kann es hilfreich sein, nach dem Sehen darüber zu sprechen.
Du darfst sagen:
- „Diese Stelle hat mir Angst gemacht.“
- „Ich habe nicht verstanden, warum ...“
- „Ich fand etwas unfair.“
- „Ich glaube, die Figur hat sich so gefühlt, weil ...“
- „Ich hätte an Kirikus Stelle etwas anderes getan.“
Es gibt bei Gefühlen keine Quiz-Antwort. Zwei Kinder können dieselbe Szene sehr unterschiedlich erleben.
Mini-Glossar
| Begriff | Einfache Erklärung |
|---|---|
| Animation | Viele Einzelbilder werden so gezeigt, dass Bewegung entsteht. |
| Märchen | Eine erfundene Erzählung, in der Wunder, Magie oder besondere Aufgaben vorkommen können. |
| Dorfgemeinschaft | Menschen, die an einem Ort zusammenleben und vieles miteinander teilen oder gemeinsam regeln. |
| Konflikt | Eine Situation, in der Wünsche, Ziele oder Bedürfnisse aufeinanderstoßen. |
| Ursache | Etwas, das dazu beiträgt, dass ein Ereignis entsteht. |
| Gerücht | Eine weitergegebene Behauptung, die nicht sicher geprüft ist. |
| Griot | Bezeichnung für spezialisierte Erzähler, Sänger, Dichter oder Musiker in bestimmten westafrikanischen Traditionen. |
| Kora | Ein westafrikanisches Saiteninstrument. |
| Empathie | Die Fähigkeit, sich in Gefühle oder Sichtweisen anderer hineinzuversetzen. |
| Medienkompetenz | Medien verstehen, Informationen prüfen und Darstellungen kritisch einordnen können. |
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Wer führte bei „Kiriku und die Zauberin“ Regie? (Michel Ocelot) (!Youssou N’Dour) (!Jali Fily Cissokho) (!Sona Jobarteh)
Welche besondere Stärke zeigt Kiriku immer wieder? (Er stellt beharrlich Fragen) (!Er besitzt die größte Armee) (!Er kann alle Gedanken lesen) (!Er will nie etwas wissen)
Was untersucht Kiriku bei der versiegten Quelle? (Die tatsächliche Ursache des Wasserproblems) (!Den Bau eines Schlosses) (!Eine verschwundene Landkarte) (!Ein kaputtes Musikinstrument)
Was lernt Kiriku über Karaba? (Sie trägt selbst eine schwere Verletzung und Schmerz) (!Sie hat niemals Angst oder Schmerz erlebt) (!Sie ist nur eine erfundene Geschichte im Dorf) (!Sie möchte das Dorf wegen eines Wettrennens verlassen)
Was bedeutet im Film Ursachen verstehen? (Man sucht nach dem Grund hinter einem Problem) (!Man erklärt jedes schädliche Verhalten für richtig) (!Man glaubt jedes Gerücht sofort) (!Man hört auf Fragen zu stellen)
Was ist ein wichtiges Thema der Dorfgemeinschaft? (Angst und Zusammenhalt beeinflussen das gemeinsame Handeln) (!Alle Menschen denken immer genau gleich) (!Niemand braucht die Hilfe anderer) (!Nur die stärkste Person darf sprechen)
Wie sollte die kulturelle Darstellung des Films eingeordnet werden? (Als künstlerisch gestaltete und westafrikanisch inspirierte Märchenwelt) (!Als genaue Darstellung aller Menschen in Afrika) (!Als Dokumentarfilm über jedes Dorf in Westafrika) (!Als Beweis dafür dass alle Kulturen gleich sind)
Was ist eine Kora? (Ein westafrikanisches Saiteninstrument) (!Ein europäisches Blechblasinstrument) (!Eine Filmkamera) (!Eine Wasserquelle)
Welche Aussage über Gerüchte passt zu Kirikus Lernweg? (Gerüchte sollten geprüft werden) (!Gerüchte sind immer wahr) (!Gerüchte sind dasselbe wie Beobachtungen) (!Gerüchte darf man niemals hinterfragen)
Was zeigt Kirikus Mut besonders gut? (Er denkt selbstständig und handelt trotz Widerstand) (!Er ist immer der körperlich Größte) (!Er hat vor nichts jemals Angst) (!Er gewinnt jedes Problem durch Gewalt)
Memory
| Kiriku | Fragen und Forschergeist |
| Karaba | Schmerz und Veränderung |
| Großvater | Wissen und Erinnerung |
| Dorf | Gemeinschaft und Zusammenhalt |
| Quelle | Wasser und Lebensgrundlage |
| Griot | Mündliche Überlieferung |
| Kora | Saiteninstrument |
| Animation | Bewegung aus Einzelbildern |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Beobachten | Kiriku schaut genau hin und sammelt Hinweise. |
| Fragen | Kiriku will wissen warum etwas geschieht. |
| Prüfen | Kiriku glaubt nicht jedes Gerücht ungeprüft. |
| Verstehen | Kiriku sucht nach tieferen Ursachen. |
| Handeln | Kiriku wählt eine Lösung die zur Ursache passt. |
...
Kreuzworträtsel
| Kiriku | Wie heißt der kleine Held des Films? |
| Karaba | Wie heißt die mächtige Zauberin? |
| Wissen | Was sucht Kiriku durch Fragen und Beobachten? |
| Quelle | Welcher Ort ist für die Wasserversorgung des Dorfes wichtig? |
| Kora | Wie heißt ein westafrikanisches Saiteninstrument? |
| Griot | Wie kann ein spezialisierter Erzähler oder Musiker in bestimmten westafrikanischen Traditionen heißen? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Mut-Moment: Male eine Szene, in der Kiriku mutig ist. Schreibe oder erzähle dazu einen Satz: „Mutig ist Kiriku hier, weil ...“
- Warum-Fragen: Sammle drei gute Warum-Fragen zum Film. Wähle eine davon aus und suche im Film nach Hinweisen für eine Antwort.
- Gefühlsfarben: Wähle drei Farben für Kiriku, Karaba und die Dorfgemeinschaft. Erkläre, welches Gefühl jede Farbe für Dich ausdrückt.
- Gerücht oder Beobachtung: Erfinde je ein einfaches Beispiel für ein Gerücht und eine Beobachtung. Erkläre den Unterschied.
Standard
- Figureninterview: Spiele mit einer Partnerin oder einem Partner ein Interview mit Kiriku. Eine Person fragt, die andere antwortet aus Kirikus Sicht.
- Konfliktbaum: Zeichne einen Baum. In die Wurzeln schreibst Du mögliche Ursachen eines Konflikts, an den Stamm das sichtbare Problem und in die Krone mögliche Lösungen.
- Filmgeräusche: Erzeuge mit Alltagsgegenständen eine kurze Geräuschkulisse für eine Szene am Wasser, im Dorf oder auf Kirikus Weg. Nimm sie auf und erkläre Deine Klangentscheidungen.
- Westafrika entdecken: Wähle ein westafrikanisches Land aus. Finde drei gesicherte Informationen zu Sprachen, Landschaften, Städten, Musik oder Alltag und gestalte eine kleine Infokarte. Zeige ausdrücklich, dass ein Land vielfältig ist.
Schwer
- Darstellung und Wirklichkeit: Vergleiche ein Bild aus dem Film mit zwei seriösen Fotos aus unterschiedlichen Orten Westafrikas. Formuliere mindestens drei Gemeinsamkeiten oder Unterschiede und erkläre, warum ein Film kein Beweis für „das Leben in Afrika“ ist.
- Erzählwerkstatt: Erfinde ein kurzes Märchen, in dem eine kleine Figur ein großes Problem nicht durch Stärke, sondern durch Fragen und Wissen löst. Erzähle es frei vor der Gruppe.
- Konfliktforscher: Beobachte einen erfundenen oder echten harmlosen Alltagskonflikt. Unterscheide Auslöser, Gefühle, Bedürfnisse, Gerüchte, überprüfbare Fakten und mögliche faire Lösungen.
- Mini-Dokumentation: Produziere mit einer Gruppe ein zwei- bis dreiminütiges Video zum Thema „Warum Fragen mutig sein können“. Nutzt Beispiele aus dem Film und aus dem Alltag, ohne geschützte Filmausschnitte zu kopieren.


Lernkontrolle
- Ursache und Folge: Erkläre an einem Beispiel aus dem Film den Unterschied zwischen einer sichtbaren Folge und einer tieferen Ursache. Übertrage das Prinzip anschließend auf einen harmlosen Streit aus dem Schulalltag.
- Mut beurteilen: Wähle zwei Szenen, in denen Kiriku mutig handelt. Vergleiche die Arten von Mut und begründe, welche davon Du für besonders wichtig hältst.
- Gerüchte prüfen: Erkläre, warum die Dorfgemeinschaft manches über Karaba glaubt. Entwickle drei Regeln, mit denen Du heute Gerüchte in einer Klassengruppe oder im Internet prüfen würdest.
- Kulturelle Einordnung: Ein Kind sagt nach dem Film: „So leben die Menschen in Afrika.“ Erkläre freundlich, warum dieser Satz zu allgemein ist, und formuliere eine bessere Aussage.
- Konfliktlösung: Beurteile Kirikus Entscheidung, nach der Ursache von Karabas Verhalten zu suchen. Welche Chancen hat dieser Weg, und wo wären trotzdem klare Grenzen und Schutz nötig?
- Wissen teilen: Vergleiche den Großvater im Film mit einer Person oder Einrichtung, bei der Du heute verlässliches Wissen suchen würdest. Begründe Gemeinsamkeiten und Unterschiede.
- Filmmittel: Wähle Farbe, Musik oder Bewegung und erkläre, wie dieses Gestaltungsmittel Deine Wahrnehmung einer Szene verändert.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu Kiriku und die Zauberin ist wichtig, dass Du nicht nur einzelne Fakten auswendig kennst, sondern Zusammenhänge erklären kannst.
- Du kannst die wichtigsten Stationen der Handlung verständlich wiedergeben.
- Du kannst Kirikus Mut mit konkreten Beispielen beschreiben.
- Du kannst erklären, warum Fragen und Wissen für die Lösung der Konflikte wichtig sind.
- Du kannst zwischen Ursache, Folge, Gerücht und überprüfter Information unterscheiden.
- Du kannst beschreiben, wie Angst und Zusammenhalt die Dorfgemeinschaft beeinflussen.
- Du kannst Karabas Verletzung als Ursache mitdenken, ohne ihr schädliches Verhalten zu entschuldigen.
- Du kannst erklären, warum der Film westafrikanisch inspiriert ist, aber nicht „ganz Afrika“ abbildet.
- Du kannst mindestens ein Beispiel für eine westafrikanische Erzähl- oder Musiktradition respektvoll einordnen.
- Du kannst ein filmisches Gestaltungsmittel wie Farbe, Musik oder Animation untersuchen.
- Du kannst eine Erkenntnis aus dem Film auf einen neuen Alltagsfall übertragen.
Quellen und Medienhinweise
- Offizielle Website von Michel Ocelot: Kirikou and the Sorceress – Angaben zu Handlung, Technik, Mitwirkenden und Musik.
- Kinderfilmwelt: Kiriku und die Zauberin – Filminformationen und Altersempfehlung ab 6 Jahren.
- Institut français: Kirikou et la Sorcière – Hintergrund zu Michel Ocelot und der Entstehung des Films.
- The Metropolitan Museum of Art: How Griots Tell Legendary Epics Through Stories and Songs in West Africa – Einführung in Griot/Jeli-Traditionen.
- Wikipedia: Kiriku und die Zauberin – Überblick zum Film.
- Wikimedia Commons: West-Africa.svg
- Wikimedia Commons: Senegal village well.jpg
- Wikimedia Commons: Baobab forest senegal.JPG
- Wikimedia Commons: Lougourougoumbou Village Mali.jpg
- Wikimedia Commons: Diffa Niger Griot DSC 0177.jpg
- Wikimedia Commons: Jali Fily Cissokho - Kora-Player.jpg
OERs zum Thema
Verknüpfte Lernbereiche
aiMOOC-Projekte
NEWSLernweltNOAH fragen