Kaltnadelradierung - Kunst


Kaltnadelradierung - Kunst
Kaltnadelradierung - Kunst

Einleitung
Die Kaltnadelradierung ist ein Tiefdruckverfahren der Druckgrafik. Du ritzt eine Zeichnung direkt in eine Druckplatte. Dabei entstehen Vertiefungen und ein feiner Grat. In beiden bleibt später Druckfarbe. Unter hohem Druck überträgt sich die Farbe auf feuchtes Papier.
Wichtig: Es wird keine Säure verwendet. In der Schule eignen sich besonders glatte Kunststoffplatten oder gereinigte Getränkekartons. Spitze Werkzeuge und Druckpressen benutzt Du nur nach Einweisung und unter Aufsicht.
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du die Kaltnadelradierung erklären, den Arbeitsablauf ordnen, typische Gestaltungsmittel erkennen, einen eigenen Druck planen und ein Druckergebnis begründet beurteilen.
Das Prinzip des Tiefdrucks
Beim Tiefdruck liegt die Farbe in den vertieften Linien. Die glatte Oberfläche wird weitgehend sauber gewischt. Feuchtes Papier wird durch starken Druck in die Rillen gepresst und nimmt die Farbe auf. Der Abdruck erscheint spiegelverkehrt.
Datei:Intaglio printing demonstration.webm
Material und Sicherheit
| Material | Aufgabe | Schulregel |
|---|---|---|
| Druckplatte | Trägt die eingeritzte Zeichnung | Kanten müssen glatt sein |
| Radiernadel | Ritzt Linien und Strukturen | Nur auf fester Unterlage und vom Körper weg arbeiten |
| Druckfarbe | Füllt Rillen und Grat | Möglichst wasserlösliche Farbe verwenden |
| Gaze oder weiches Papier | Wischt die Plattenoberfläche | Langsam und sparsam wischen |
| Feuchtes Druckpapier | Nimmt die Farbe auf | Gleichmäßig anfeuchten und abtupfen |
| Druckpresse | Erzeugt den notwendigen Druck | Nur nach Einweisung bedienen |
Schulgeeignete Druckplatten
Für erste Versuche eignen sich saubere Getränkekartons mit glatter Innenseite oder dünne Kunststoffplatten. Metallplatten gehören wegen scharfer Kanten und aufwendiger Vorbereitung in die Hand einer fachkundigen Lehrkraft.


Arbeitsablauf
| Schritt | Tätigkeit | Merksatz |
|---|---|---|
| Entwerfen | Motiv auf Papier planen | Schrift und Richtung später spiegeln |
| Übertragen | Motiv seitenverkehrt auf die Platte zeichnen | Ein einfacher Umriss hilft |
| Ritzen | Linien mit unterschiedlichem Druck einarbeiten | Mehr Druck erzeugt meist kräftigere Spuren |
| Einfärben | Farbe über die ganze Platte verteilen | Die Farbe muss in die Vertiefungen |
| Wischen | Oberfläche vorsichtig reinigen | Farbe in Rillen und Grat stehen lassen |
| Papier vorbereiten | Papier anfeuchten und abtupfen | Es soll feucht, nicht tropfnass sein |
| Platte und Papier durch die Presse führen | Gleichmäßiger Druck ist entscheidend | |
| Prüfen | Abzug trocknen und vergleichen | Veränderungen auf der Platte sind möglich |
Gestaltungsmittel
| Gestaltungsmittel | Wirkung |
|---|---|
| Linie | Zeigt Kontur, Bewegung und Richtung |
| Schraffur | Erzeugt Schatten und Grauwerte |
| Kreuzschraffur | Verdichtet dunkle Flächen |
| Unterschiedlicher Druck | Verändert Stärke und Ausdruck der Linie |
| Enge Linien | Wirken dunkler |
| Lockere Linien | Wirken heller und ruhiger |
| Plattenton | Erzeugt einen flächigen Schleier durch bewusstes Restwischen |
| Weißraum | Lenkt den Blick und schafft Kontrast |
Der Grat als Besonderheit
Beim Ritzen wird Material seitlich hochgedrückt. Dieser aufgeworfene Rand heißt Grat. Er hält zusätzliche Farbe fest und erzeugt die typische weiche, samtige Linie. Durch wiederholtes Drucken wird der Grat flacher. Deshalb verändern sich spätere Abzüge.

Kunstwerke betrachten
Historische Künstlerinnen und Künstler kombinierten die Kaltnadel häufig mit anderen Tiefdruckverfahren. Achte deshalb genau auf Linien, Flächen und Tonwerte.

Bei Rembrandt van Rijn verstärken Kaltnadelspuren dunkle, samtige Bereiche. Das Werk verbindet mehrere Techniken.

Mary Cassatt nutzte Kaltnadel und Aquatinta, um Linie, Farbe und Fläche zu verbinden.

Bei Lovis Corinth wirken die Linien schnell, bewegt und ausdrucksstark.
Vergleich mit anderen Drucktechniken
| Technik | Wo liegt die Farbe? | Herstellung | Typische Wirkung |
|---|---|---|---|
| Kaltnadelradierung | In geritzten Vertiefungen und am Grat | Direktes Ritzen ohne Säure | Weich, samtig, spontan |
| Ätzradierung | In geätzten Vertiefungen | Säure vertieft freigelegte Linien | Klar bis körnig |
| Linolschnitt | Auf stehen gebliebenen Flächen | Nichtdruckende Teile werden entfernt | Flächig und kontrastreich |
| Monotypie | Auf einer bemalten Platte | Einmaliger Abdruck | Malerisch und einzigartig |
Fehler erkennen und verbessern
| Beobachtung | Mögliche Ursache | Verbesserung |
|---|---|---|
| Der Druck ist sehr blass | Zu wenig Farbe oder zu geringer Druck | Rillen besser füllen und Pressendruck prüfen |
| Die Fläche ist fast ganz schwarz | Zu wenig ausgewischt | Oberfläche vorsichtiger reinigen |
| Linien fehlen | Zu flach geritzt oder zu stark gewischt | Linien vertiefen und weniger Druck beim Wischen |
| Das Papier ist fleckig | Papier war zu nass | Papier gleichmäßig abtupfen |
| Schrift ist falsch herum | Vorlage wurde nicht gespiegelt | Schrift seitenverkehrt auf die Platte übertragen |
| Platte verrutscht | Druckpaket war nicht fixiert | Ruhig auflegen und nicht mehr verschieben |
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Zu welcher Druckart gehört die Kaltnadelradierung? (Tiefdruck) (!Hochdruck) (!Flachdruck) (!Durchdruck)
Wie entsteht die Zeichnung auf der Druckplatte? (Sie wird direkt eingeritzt) (!Sie wird nur aufgeklebt) (!Sie wird mit Licht projiziert) (!Sie wird aus Papier ausgeschnitten)
Warum heißt das Verfahren Kaltnadelradierung? (Es arbeitet ohne Ätzsäure) (!Die Platte wird eingefroren) (!Die Farbe muss kalt sein) (!Das Papier wird gekühlt)
Was ist der Grat? (Ein aufgeworfener Rand neben der Rille) (!Eine glatte Papierkante) (!Ein Teil der Druckpresse) (!Eine Farbmischung)
Wo bleibt die Druckfarbe vor allem zurück? (In den Vertiefungen und am Grat) (!Nur auf der glatten Oberfläche) (!Nur auf der Rückseite der Platte) (!Nur am Rand des Papiers)
Warum wird die Plattenoberfläche ausgewischt? (Damit vor allem die vertieften Linien drucken) (!Damit die Platte vollständig farblos bleibt) (!Damit das Papier trocken wird) (!Damit die Linien verschwinden)
Warum wird Druckpapier häufig angefeuchtet? (Damit es sich besser in die Vertiefungen drückt) (!Damit es durchsichtig wird) (!Damit es nicht bedruckt werden kann) (!Damit die Farbe sofort abblättert)
Wie erscheint das Motiv auf dem Abdruck? (Spiegelverkehrt) (!Unverändert räumlich) (!Immer vergrößert) (!Immer farbig)
Was unterscheidet die Kaltnadelradierung von der Ätzradierung? (Die Linien werden ohne Säure vertieft) (!Die Kaltnadelradierung ist ein Hochdruck) (!Die Kaltnadelradierung braucht keine Platte) (!Die Ätzradierung verwendet nur Papier)
Wie lässt sich ein dunkler Ton erzeugen? (Durch dichte Schraffuren) (!Durch das Entfernen aller Linien) (!Durch sehr große Weißräume) (!Durch trockenes Papier ohne Farbe)
Memory
| Grat | Aufgeworfener Rand |
| Tiefdruck | Farbe in Vertiefungen |
| Radiernadel | Werkzeug zum Ritzen |
| Druckplatte | Träger des Motivs |
| Druckfarbe | Füllt Rillen |
| Wischen | Reinigt die Oberfläche |
| Druckpresse | Erzeugt hohen Druck |
| Spiegelverkehrt | Richtung des Abdrucks |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Ergebnis |
|---|---|
| Ritzen | Linien in die Platte einarbeiten |
| Einfärben | Farbe in die Vertiefungen drücken |
| Wischen | Farbe von der Oberfläche entfernen |
| Anfeuchten | Papier aufnahmefähig machen |
| Motiv auf Papier übertragen |
Kreuzworträtsel
| Kaltnadel | Welches Werkzeug ritzt die Zeichnung direkt in die Platte? |
| Tiefdruck | Wie heißt die Druckart mit Farbe in Vertiefungen? |
| Schraffur | Wie heißt eine Gruppe paralleler Linien für Tonwerte? |
| Druckfarbe | Welches Material füllt die eingeritzten Linien? |
| Spiegelbild | Wie erscheint die Richtung des gedruckten Motivs? |
| Plattenton | Wie heißt ein bewusst stehen gelassener Farbschleier? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Linienprobe: Ritze auf einer Übungsplatte gerade, gebogene, dichte und lockere Linien. Drucke die Probe und beschrifte die Wirkungen.
- Spiegelbild: Entwirf ein einfaches Symbol mit einem kurzen Wort. Übertrage es seitenverkehrt und prüfe das Druckergebnis.
- Schraffur: Erstelle eine Tonwertleiter von hell bis dunkel nur mit parallelen und gekreuzten Linien.
- Materialforschung: Vergleiche zwei schulgeeignete Plattenmaterialien und notiere Unterschiede beim Ritzen und Drucken.
Standard
- Tierporträt: Gestalte ein Tier aus Konturlinien, Schraffuren und mindestens drei unterschiedlichen Strukturen.
- Stadt bei Nacht: Entwickle eine kontrastreiche Szene mit Lichtquellen, Schatten und bewusstem Weißraum.
- Druckserie: Stelle drei Abzüge derselben Platte her und verändere bei jedem Abzug das Auswischen.
- Bildanalyse: Untersuche ein historisches Werk nach Linie, Tonwert, Blickführung und möglicher Kombination von Drucktechniken.
Schwer
- Zustandsdruck: Drucke die Platte, ergänze neue Linien und drucke erneut. Erkläre die Entwicklung zwischen den Zuständen.
- Experimenteller Plattenton: Plane einen Druck, in dem Restfarbe auf der Oberfläche gezielt Atmosphäre erzeugt.
- Kunst und Umwelt: Entwickle eine kleine Druckserie auf wiederverwendetem Material zum Thema Ressourcen und Konsum.
- Ausstellungskonzept: Kuratiere eine Klassenpräsentation mit Werkangaben, Prozessfotos, Sicherheitsregeln und einer kurzen Audiostation.


Lernkontrolle
- Verfahrensvergleich: Erkläre an einem selbst gewählten Motiv, warum Kaltnadelradierung, Linolschnitt und Monotypie zu unterschiedlichen Bildwirkungen führen.
- Fehlerdiagnose: Ein Druck ist flächig schwarz, einzelne Linien fehlen und das Papier ist fleckig. Entwickle eine begründete Reihenfolge von Verbesserungen.
- Gestaltungsentscheidung: Plane eine ruhige und eine dramatische Version desselben Motivs. Begründe Deine Linienführung, Schraffurdichte und Weißräume.
- Spiegelung und Komposition: Untersuche, wie die Spiegelung des Motivs Blickrichtung und Bildaussage verändern kann. Zeige dies mit zwei Skizzen.
- Auflagenvergleich: Vergleiche einen frühen und einen späten Abzug derselben Platte. Leite aus Veränderungen der Linie eine Erklärung zum Grat ab.
- Museumstransfer: Wähle eine Kaltnadelradierung aus einer digitalen Sammlung und entwickle daraus eine eigene schulgeeignete Bildidee, ohne das Werk zu kopieren.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis sind wichtig:
- Fachwissen: Du erklärst Tiefdruck, Rille, Grat, Plattenton und Spiegelung richtig.
- Praxis: Du führst Entwurf, Ritzen, Einfärben, Wischen und Drucken sicher aus.
- Gestaltung: Du setzt Linie, Schraffur, Kontrast und Weißraum bewusst ein.
- Dokumentation: Du hältst Arbeitsphasen, Veränderungen und Ergebnisse nachvollziehbar fest.
- Reflexion: Du begründest Entscheidungen und entwickelst konkrete Verbesserungen.
- Präsentation: Du versiehst den Druck mit Titel, Technik, Jahr, Format und Name.
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