Zum Inhalt springen

Johann Friedrich Herbart - Pädagogik

Aus MOOCsWiki Staging

Johann Friedrich Herbart - Pädagogik



Johann Friedrich Herbart - Pädagogik

Studienfach: Pädagogik Niveau: Studium, insbesondere Erziehungswissenschaft, Lehramtsstudium und pädagogische Professionalisierung Schwerpunkt: Allgemeine Pädagogik, Geschichte der Pädagogik, Didaktik, Erziehungsphilosophie und Pädagogische Psychologie

Johann Friedrich Herbart als Philosoph, Psychologe und Pädagoge des frühen 19. Jahrhunderts.


Einleitung

Johann Friedrich Herbart (1776–1841) gehört zu den prägenden Gestalten der modernen Pädagogik. Er versuchte, pädagogisches Denken systematisch zu begründen und Erziehung weder auf bloße Gewohnheit noch auf spontane Intuition zu reduzieren. Seine Pädagogik verbindet drei Perspektiven: Die Ethik fragt nach den Zielen der Erziehung, die Psychologie untersucht Bedingungen und Wege des Lernens, und die eigenständige pädagogische Reflexion prüft, wie Ziele und Bedingungen in verantwortliches Handeln übersetzt werden können.

Im Zentrum steht die Frage, wie ein Mensch zu selbstständigem und moralisch verantwortlichem Handeln befähigt werden kann. Herbart fasst dies im Begriff der Moralität und verbindet es mit der Entwicklung von Charakter, Urteilskraft, Interesse und Selbsttätigkeit. Unterricht ist für ihn deshalb nie nur Wissensübertragung. Er soll Vorstellungen ordnen, vielseitige Interessen eröffnen und zur Charakterbildung beitragen. Diese Verbindung wird häufig als Erziehender Unterricht bezeichnet.

Für das Studium ist eine zentrale Unterscheidung wichtig: Herbarts eigene Pädagogik ist nicht mit dem späteren Herbartianismus gleichzusetzen. Seine Schüler und Nachfolger entwickelten aus seinen Überlegungen stärker schematisierte Lehrgänge und Formalstufen. Manche verbreitete Kritik richtet sich daher eher gegen eine verschulte Rezeptionsform als gegen Herbarts ursprüngliche Theorie. Zugleich bleiben an Herbarts Denken gewichtige Kritikpunkte bestehen, etwa die starke normative Steuerung, ein historisch hierarchisches Verhältnis zwischen Erziehenden und Heranwachsenden sowie die Gefahr, Individualität an vorgegebene Moralvorstellungen zu binden.

Das Video erschließt Herbarts erste Vorlesung zur Pädagogik und eignet sich als Einstieg in die Arbeit mit historischen Primärtexten.


Leitfragen des aiMOOCs

  1. Pädagogik als Wissenschaft: Wie begründet Herbart eine eigenständige wissenschaftliche Pädagogik?
  2. Erziehungsziel: Warum wird Moralität zum übergeordneten Ziel der Erziehung?
  3. Bildsamkeit: Was bedeutet die Offenheit des Menschen für Lernen und Erziehung?
  4. Erziehender Unterricht: Wie verbindet Herbart Wissenserwerb, Interesse und Charakterbildung?
  5. Pädagogischer Takt: Wie kann Theorie in einer einmaligen Situation verantwortlich wirksam werden?
  6. Herbartianismus: Welche Unterschiede bestehen zwischen Herbart und seiner späteren Schule?
  7. Kritik der Pädagogik: Welche Elemente sind historisch problematisch und welche bleiben diskussionswürdig?


Lernziele

Nach der Bearbeitung kannst Du Herbarts Pädagogik historisch einordnen, zentrale Begriffe präzise erklären, Primär- und Sekundärtexte unterscheiden, die vier formalen Momente von späteren Fünfstufenmodellen abgrenzen, Fallbeispiele mit Herbarts Kategorien analysieren und die Theorie aus heutiger erziehungswissenschaftlicher Sicht kritisch beurteilen. Du kannst außerdem begründen, warum der Pädagogische Takt für das Verhältnis von Theorie und Praxis bedeutsam ist und wie Herbarts Überlegungen zu Vorwissen, Interesse und Urteilskraft in heutige Lehr-Lern-Kontexte übertragen werden können, ohne historische Begriffe vorschnell mit modernen Konzepten gleichzusetzen.


Biografie und historischer Kontext

Herbart wurde am 4. Mai 1776 in Oldenburg geboren und starb am 14. August 1841 in Göttingen. Er studierte ab 1794 in Jena und stand zunächst im Umfeld von Johann Gottlieb Fichte. Als Hauslehrer in der Schweiz sammelte er zwischen 1797 und 1800 intensive pädagogische Erfahrungen. Dort begegnete er auch dem Denken und der Praxis Pestalozzis, dessen anschaulicher Unterricht und Interesse an der Selbsttätigkeit des Kindes für Herbarts weitere Entwicklung wichtig wurden.

Pestalozzis Unterrichtsdenken gab Herbart wichtige Anstöße, die er jedoch in ein eigenes philosophisch-psychologisches System überführte.

1802 promovierte und habilitierte sich Herbart in Göttingen. 1806 veröffentlichte er sein pädagogisches Hauptwerk Allgemeine Pädagogik aus dem Zweck der Erziehung abgeleitet. 1809 folgte er einem Ruf nach Königsberg auf einen früher von Immanuel Kant geprägten Lehrstuhl. Dort leitete er ein pädagogisches Seminar, in dem theoretische Analyse mit Unterrichtsübungen verbunden wurde. 1833 kehrte er nach Göttingen zurück. Die zweite, erweiterte Fassung des Umriss pädagogischer Vorlesungen erschien 1841.

Zeitraum Station Pädagogische Bedeutung
1776–1794 Oldenburg Frühe Beschäftigung mit Philosophie, Mathematik, Musik und Fragen menschlicher Freiheit
1794–1797 Jena Studium im Umfeld Fichtes und zunehmende Distanz zum Deutschen Idealismus
1797–1800 Schweiz Hauslehrertätigkeit, Beobachtung individueller Lernprozesse und Begegnung mit Pestalozzi
1802–1809 Göttingen Akademische Qualifikation und Veröffentlichung der Allgemeinen Pädagogik
1809–1833 Königsberg Professur, pädagogisches Seminar und Ausarbeitung der Psychologie
1833–1841 Göttingen Spätwerk, erneute Lehrtätigkeit und erweiterter Umriss pädagogischer Vorlesungen

Die alte Universität Königsberg steht für Herbarts Verbindung von philosophischer Lehre, psychologischer Theoriebildung und pädagogischer Ausbildung.

Göttingen war Herbarts erste und letzte universitäre Wirkungsstätte.


Hauptwerke und Quellenlage

Herbarts Theorie erschließt sich nicht aus einem einzigen Text. Seine pädagogischen, psychologischen, ethischen und metaphysischen Arbeiten bilden ein System, dessen Teile aufeinander bezogen sind.

Werk Erscheinungsjahr Bedeutung für die Pädagogik
Pestalozzi’s Idee eines ABC der Anschauung 1802, erweitert 1804 Kritische Auseinandersetzung mit Anschauungsunterricht und elementarer Bildung
Über die ästhetische Darstellung der Welt als das Hauptgeschäft der Erziehung 1804 Frühe Grundlegung moralischer Charakterbildung
Allgemeine Pädagogik aus dem Zweck der Erziehung abgeleitet 1806 Systematische Verbindung von Erziehungszweck, Unterricht, Interesse und Charakter
Lehrbuch zur Psychologie 1816 Psychologische Begriffe für Vorstellung, Aufmerksamkeit und Lernen
Psychologie als Wissenschaft 1824–1825 Versuch einer wissenschaftlich-systematischen Psychologie
Umriss pädagogischer Vorlesungen 1835, erweitert 1841 Verdichtete Darstellung zentraler pädagogischer Begriffe und Handlungsfelder

Die audiovisuelle Primärtextlektüre zur ästhetischen Darstellung der Welt unterstützt eine textnahe Rekonstruktion des Erziehungsziels.


Pädagogik als Wissenschaft

Herbart zählt zu den frühen Denkern, die Pädagogik als systematisch begründete Wissenschaft profilieren wollten. Dabei soll sie nicht bloß Vorschriften aus Philosophie oder Psychologie übernehmen. Sie benötigt einen eigenen pädagogischen Gedankenkreis, weil Erziehung eine besondere Praxis mit eigener Verantwortung ist.

Die häufig zitierte Arbeitsteilung lautet sinngemäß:

  1. Ethik beziehungsweise Praktische Philosophie klärt, welches Ziel Erziehung verfolgen soll.
  2. Psychologie untersucht, unter welchen Bedingungen Menschen lernen, Vorstellungen bilden und Charakter entwickeln.
  3. Pädagogik verbindet Ziel- und Bedingungswissen mit der Reflexion verantwortbaren Handelns.

Diese Ordnung darf nicht als moderne empirische Erziehungswissenschaft missverstanden werden. Herbarts Psychologie beruht auf einer spekulativen Theorie dynamischer Vorstellungen und auf dem Versuch, seelische Prozesse mathematisch zu modellieren. Dennoch formuliert er eine bis heute relevante wissenschaftstheoretische Frage: Wie kann pädagogische Praxis begründet werden, ohne Einzelfälle mechanisch aus allgemeinen Regeln abzuleiten?


Die Eigenständigkeit pädagogischen Denkens

Pädagogisches Handeln ist für Herbart zielbezogen, situationsabhängig und auf eine Person gerichtet, deren Entwicklung nicht vollständig vorhersehbar ist. Deshalb genügt weder reine Theorie noch ungeprüfte Erfahrung. Theorie schafft Begriffe und Perspektiven; Erfahrung konfrontiert diese mit konkreten Situationen; professionelle Reflexion prüft, welche Handlung unter den gegebenen Bedingungen vertretbar ist.

Damit eröffnet Herbart ein Grundproblem der Professionalisierung: Wissenschaftliches Wissen kann pädagogische Entscheidungen orientieren, aber die Entscheidung nicht vollständig automatisieren. Jede Situation enthält Besonderheiten, die erst wahrgenommen und beurteilt werden müssen.


Normative Grundlage: Moralität und Charakter

Herbart fasst die Aufgabe der Erziehung im Begriff der Moralität. Gemeint ist nicht bloßer Gehorsam gegenüber äußeren Regeln. Ziel ist eine Person, die das Gute einsieht, urteilt und aus eigenem Willen handelt. Charakterbildung verlangt daher mehr als Verhaltenssteuerung: Sie soll Einsicht, Wollen und Handeln in ein verantwortliches Verhältnis bringen.

Ein kurzer Leitsatz Herbarts lautet: „Man kann die eine und ganze Aufgabe der Erziehung in den Begriff Moralität fassen.“ Diese starke Konzentration auf Moral macht seine Pädagogik normativ durchsichtig. Sie wirft aber zugleich die Frage auf, wer bestimmt, was als gutes und richtiges Leben gelten soll.

Herbarts Ethik steht in einem nachkantischen Zusammenhang, entwickelt jedoch eine eigenständige Lehre ästhetisch beurteilter Willensverhältnisse.


Die fünf praktischen Ideen

Herbart beschreibt fünf grundlegende Ideen, an denen Willensverhältnisse beurteilt werden. Sie bilden keine einfache Liste von Tugenden, sondern Kriterien für die ästhetisch-ethische Beurteilung des Wollens.

Praktische Idee Grundgedanke Pädagogische Reflexionsfrage
Innere Freiheit Übereinstimmung zwischen Einsicht und eigenem Wollen Handelt die Person aus eingesehener Überzeugung?
Vollkommenheit Verhältnis von Stärke, Vielfalt und Ordnung des Wollens Entwickelt sich ein kraftvoller und zugleich geordneter Wille?
Wohlwollen Bejahende Beziehung zum Willen anderer Werden andere Personen als eigenständige Subjekte anerkannt?
Recht Begrenzung und Regelung widerstreitender Willensansprüche Wie können Konflikte ohne Willkür bearbeitet werden?
Billigkeit Angemessene Beurteilung von Verdienst, Schuld und Ausgleich Welche Reaktion ist der konkreten Handlung und Situation angemessen?

Aus heutiger Sicht müssen diese Ideen in demokratische, menschenrechtliche und pluralistische Rahmen übersetzt und kritisch geprüft werden. Besonders wichtig ist, moralische Bildung nicht mit Anpassung zu verwechseln. Pädagogisch tragfähig wird der Gedanke erst, wenn Lernende Gründe prüfen, Perspektiven wechseln und eigene Urteile verantworten können.


Bildsamkeit

Bildsamkeit bezeichnet die grundsätzliche Offenheit des Menschen für Lernen, Entwicklung und Erziehung. Der Mensch ist weder vollständig festgelegt noch beliebig formbar. Herbart verbindet damit eine doppelte Grenze:

  1. Entwicklung ist möglich, weil Vorstellungen, Interessen und Handlungsorientierungen verändert und geordnet werden können.
  2. Entwicklung ist nicht frei verfügbar, weil Individualität, Erfahrung, Umwelt und Eigenaktivität des Lernenden pädagogische Absichten begrenzen.

Bildsamkeit ist daher keine Lizenz zur Manipulation. Sie verpflichtet vielmehr dazu, die Eigenaktivität und Unverfügbarkeit des anderen Menschen anzuerkennen. Pädagogisches Handeln kann Bedingungen schaffen, Anstöße geben und Erfahrungen strukturieren; Lernen und Charakterbildung müssen jedoch von der Person selbst vollzogen werden.


Drei Bereiche pädagogischen Handelns

Herbart unterscheidet in seinem System Regierung, Unterricht und Zucht. Die historischen Begriffe dürfen nicht unkommentiert in die Gegenwart übertragen werden. Besonders Regierung und Zucht können heute autoritär klingen. Bei der Rekonstruktion ist deshalb zwischen ihrer systematischen Funktion und ihrer möglichen problematischen Anwendung zu unterscheiden.

Bereich Funktion bei Herbart Heutige Anschlussfrage
Regierung Sichert die gegenwärtige Ordnung, begrenzt Gefährdungen und schafft Bedingungen, unter denen Erziehung überhaupt stattfinden kann Wie werden Schutz, Regeln und Lernzeit gesichert, ohne Würde und Partizipation zu verletzen?
Unterricht Erweitert und ordnet den Vorstellungskreis, weckt vielseitiges Interesse und eröffnet Urteilsgelegenheiten Wie werden Vorwissen, Sachstruktur, Aktivität und Reflexion verbunden?
Zucht Begleitet die längerfristige Willens- und Charakterbildung und soll Selbstführung ermöglichen Wie kann moralische Orientierung Selbstbestimmung fördern, statt Konformität zu erzwingen?

Regierung ist bei Herbart noch nicht die eigentliche moralische Erziehung. Sie richtet sich auf die aktuelle Situation. Unterricht eröffnet Welt- und Selbstverhältnisse. Zucht zielt auf die Ausbildung einer stabilen, selbstgeführten Haltung. In heutiger Sprache lassen sich vorsichtige Parallelen zu Klassenführung, Bildung, Beratung und Erziehung zur Mündigkeit ziehen. Diese Parallelen sind jedoch Übersetzungen, keine begriffliche Identität.


Erziehender Unterricht

Der Erziehende Unterricht ist ein Schlüsselgedanke: Unterricht bildet nicht nur Kenntnisse und Fertigkeiten, sondern beeinflusst auch Interessen, Urteile und Handlungsorientierungen. Inhalte sind deshalb nie vollständig neutral. Die Auswahl eines Gegenstandes, die Art seiner Darstellung und die zugelassenen Perspektiven prägen, was Lernende als bedeutsam wahrnehmen.

Herbart denkt diesen Zusammenhang über den Vorstellungskreis. Neue Vorstellungen treten in Beziehung zu vorhandenen Vorstellungen. Gut strukturierter Unterricht erweitert den geistigen Horizont, verbindet Einzelnes zu Zusammenhängen und schafft Möglichkeiten moralischer Urteilsbildung. Literatur, Geschichte und soziale Erfahrung besitzen dabei besonderes Gewicht, weil Lernende an Konflikten, Figuren und Handlungen Perspektiven erproben können.

Ein moderner Transfer verlangt drei Korrekturen:

  1. Erziehender Unterricht darf nicht zur verdeckten Indoktrination werden.
  2. Lernende müssen an Auswahl, Deutung und Bewertung beteiligt werden.
  3. Kontroverse Fragen sind als kontrovers zu behandeln und an demokratische Rechte zu binden.


Erfahrung und Umgang

Herbart unterscheidet zwei wichtige Quellen des geistigen Lebens: Erfahrung im Umgang mit Dingen und Sachverhalten sowie Umgang mit Menschen. Unterricht soll beides nicht ersetzen, sondern ergänzen, ordnen und erweitern. Wo direkte Erfahrung begrenzt ist, können Texte, historische Fälle, Modelle, Experimente und Gespräche neue Perspektiven eröffnen.

Damit wird Unterricht zur Vermittlung zwischen Lebenswelt und systematischem Wissen. Er schließt an vorhandene Vorstellungen an, korrigiert Fehlannahmen, differenziert Begriffe und führt über den unmittelbaren Erfahrungshorizont hinaus.


Lernen, Vorstellung und Apperzeption

Herbarts Psychologie erklärt Lernen als Bewegung, Verbindung und Konkurrenz von Vorstellungen. Vorstellungen können sich hemmen, verbinden, ins Bewusstsein treten oder unter eine Bewusstseinsschwelle sinken. Neue Inhalte werden nicht isoliert aufgenommen. Sie treffen auf bereits organisierte Vorstellungszusammenhänge.

Apperzeption bezeichnet die Aufnahme und Deutung neuer Vorstellungen durch vorhandene Vorstellungsbestände. Didaktisch bedeutet dies: Neues Lernen gelingt eher, wenn Vorwissen aktiviert, Anschlussmöglichkeiten sichtbar und Widersprüche bearbeitet werden. Diese historische Theorie ist nicht mit heutigen kognitionspsychologischen Modellen gleichzusetzen. Sie formuliert jedoch früh die Einsicht, dass Wahrnehmen und Lernen durch bereits erworbene Strukturen geprägt sind.


Didaktische Folgerungen

Ein Unterricht im Anschluss an Herbart würde zunächst klären, welche Vorstellungen bereits vorhanden sind. Er würde einen Gegenstand so darbieten, dass klare Aufmerksamkeit möglich wird, Beziehungen zu Bekanntem herstellen, Zusammenhänge systematisieren und eigenständige Anwendung oder Weiterführung ermöglichen. Entscheidend ist nicht das starre Abarbeiten einer Methode, sondern die geistige Bewegung zwischen Vertiefung und Besinnung.


Vielseitigkeit des Interesses

Interesse ist bei Herbart mehr als momentane Motivation oder Unterhaltung. Es bezeichnet eine aktive, aufmerksame und suchende Beziehung zur Welt. Vielseitigkeit bedeutet nicht, möglichst viele Dinge oberflächlich zu kennen. Gemeint ist ein differenzierter, zusammenhängender Horizont, in dem verschiedene Erkenntnis- und Teilnahmerichtungen ausgebildet werden.

Herbart ordnet die Interessen in zwei große Bereiche:

Bereich Interessenrichtung Gegenstand
Erkenntnis Empirisches Interesse Tatsachen, Erscheinungen und konkrete Erfahrung
Erkenntnis Spekulatives Interesse Gründe, Zusammenhänge und theoretische Erklärung
Erkenntnis Ästhetisches Interesse Form, Verhältnis, Gestaltung und wertende Anschauung
Teilnahme Sympathetisches Interesse Anteilnahme am einzelnen Menschen
Teilnahme Soziales Interesse Beziehungen, Gruppen, Gesellschaft und Gemeinwesen
Teilnahme Religiöses Interesse Fragen nach Sinn, Weltordnung und Transzendenz im historischen System Herbarts

Für einen heutigen pluralistischen Bildungskontext ist diese Systematik keine verbindliche Lehrplantafel. Sie kann aber als Prüfinstrument dienen: Eröffnet ein Curriculum unterschiedliche Zugänge zur Welt? Verbindet es sachliches Erkennen mit Perspektivübernahme und gesellschaftlicher Verantwortung? Verhindert es einseitige Spezialisierung?


Vertiefung, Besinnung und formale Momente

Herbart unterscheidet zwei Grundbewegungen des Lernens: Vertiefung und Besinnung. Vertiefung richtet die Aufmerksamkeit auf einen Gegenstand; Besinnung ordnet das Erarbeitete in größere Zusammenhänge ein. Beide Bewegungen besitzen jeweils einen ruhenden und einen fortschreitenden Moment.

Grundbewegung Moment Bedeutung
Vertiefung Klarheit Ein Gegenstand wird aufmerksam und bestimmt erfasst
Vertiefung Assoziation Das Neue wird mit anderen Vorstellungen in Beziehung gesetzt
Besinnung System Beziehungen werden geordnet und als Zusammenhang überblickt
Besinnung Methode Das geordnete Wissen wird selbstständig bewegt, geprüft und angewendet

Diese vier Momente sind keine minutengenaue Unterrichtsdramaturgie. Sie beschreiben geistige Bewegungen. Erst der spätere Herbartianismus entwickelte daraus verbreitete Fünfstufenmodelle mit Bezeichnungen wie Vorbereitung, Darbietung, Verknüpfung, Verallgemeinerung und Anwendung. Für eine wissenschaftlich saubere Darstellung gilt deshalb: Die bekannte Fünferfolge darf nicht unbesehen Herbart selbst zugeschrieben werden.

Das Video stellt Herbarts Didaktik dar. Prüfe beim Ansehen kritisch, ob zwischen Herbarts vier Momenten und späteren Formalstufen unterschieden wird.


Pädagogischer Takt

Der Pädagogische Takt bezeichnet die Vermittlung zwischen allgemeiner Theorie und besonderer Situation. Theorie kann pädagogische Wahrnehmung schärfen, Begriffe liefern und Folgen abschätzen helfen. Sie kann aber nicht jede konkrete Entscheidung vorwegnehmen. Lehrende müssen unter Zeitdruck handeln, mehrdeutige Signale deuten und die Einmaligkeit einer Person berücksichtigen.

Takt ist deshalb weder bloßes Bauchgefühl noch mechanische Regelanwendung. Er entsteht durch die Verbindung von theoretischer Bildung, reflektierter Erfahrung, genauer Wahrnehmung und verantwortlicher Urteilskraft. Zugleich bleibt er fehlbar. Professioneller Takt muss nachträglich begründet, mit anderen Perspektiven konfrontiert und korrigiert werden können.

Die praktische Demonstration lädt dazu ein, beobachtbares Handeln, situative Wahrnehmung und theoretische Deutung voneinander zu unterscheiden.


Theorie und Praxis

Herbarts Taktproblem ist für Studium und Berufsfeld besonders wichtig. Zwischen einer wissenschaftlichen Aussage und einer pädagogischen Handlung liegen mehrere Übersetzungsschritte:

  1. Die Situation muss wahrgenommen und beschrieben werden.
  2. Relevante Begriffe und Forschungsergebnisse müssen ausgewählt werden.
  3. Normative Ansprüche und mögliche Folgen sind abzuwägen.
  4. Eine Handlung muss unter Unsicherheit entschieden werden.
  5. Die Wirkung ist zu beobachten und anschließend zu reflektieren.

Damit wird Praxis nicht theoriefeindlich, und Theorie wird nicht zur fertigen Handlungsanweisung. Beide Seiten stehen in einem spannungsreichen Verhältnis, das professionelle Reflexion erfordert.

Das Video vertieft die Frage, welchen Nutzen pädagogische Theorie für professionelles Handeln besitzt.


Das pädagogische Seminar in Königsberg

Herbart verband in Königsberg universitäre Lehre mit einem pädagogischen Seminar und praktischen Unterrichtsübungen. Diese Verbindung ist ein früher Beitrag zur institutionellen Lehrerbildung. Studierende sollten nicht nur pädagogische Sätze kennen, sondern Unterricht beobachten, erproben und theoretisch auswerten.

Aus heutiger Sicht lässt sich dieses Modell mit Forschendem Lernen, Unterrichtsbeobachtung, Praxissemester und Fallarbeit vergleichen. Der Vergleich darf jedoch historische Unterschiede nicht verdecken: Moderne Lehrerbildung arbeitet in demokratischen Schulsystemen, bezieht empirische Forschung ein und ist an Rechte, Inklusion und professionelle Standards gebunden.


Herbartianismus und Wirkungsgeschichte

Der Herbartianismus war eine internationale pädagogische Bewegung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Zu wichtigen Vertretern gehören Tuiskon Ziller und Wilhelm Rein. Sie systematisierten Lehrplan, Unterrichtsaufbau und Formalstufen stärker, als es Herbarts eigene Texte nahelegen.

Datei:Einleitung in die allgemeine pädagogik (IA einleitungindie00zillgoog).pdf

Tuiskon Zillers Einleitung in die allgemeine Pädagogik dokumentiert die Ausarbeitung herbartianischer Grundsätze in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Die Bewegung trug dazu bei, Unterricht planbar zu machen, Lehrerbildung zu systematisieren und pädagogische Fragen wissenschaftlich zu diskutieren. Gleichzeitig führte die Rezeptionsgeschichte häufig zu schematischen Lektionen, stoffzentrierten Lehrgängen und einer starken Steuerung durch Lehrende.

Herbarts Theorie Später Herbartianismus
Vier formale Momente als Beschreibung geistiger Bewegung Häufig feste Abfolge von Unterrichtsstufen
Interesse als aktive, vielseitige Weltbeziehung Teilweise curriculare Ordnung nach vorgegebenen Stoffkreisen
Takt als notwendige Vermittlung zwischen Theorie und Einzelfall Gefahr methodischer Standardisierung
Charakterbildung durch Einsicht, eigenes Wollen und Tätigkeit In der Praxis teilweise stärkere Lehrerzentrierung und Disziplinierung

Diese Gegenüberstellung ist idealtypisch. Auch innerhalb des Herbartianismus gab es Unterschiede, und nicht jede schematische Unterrichtsplanung lässt sich auf Herbart zurückführen.

Das Relief an einer Ausbildungsschule in Jászberény verweist auf die internationale Wirkungsgeschichte Herbarts.


Kritik und aktuelle Bedeutung

Eine zeitgemäße Auseinandersetzung muss weder hagiografisch noch pauschal ablehnend sein. Herbarts Theorie enthält produktive Fragen, aber auch historische Begrenzungen.

Potenzial Kritik Gegenwärtige Weiterführung
Systematische Begründung pädagogischer Ziele Gefahr eines vorgegebenen einheitlichen Moralbegriffs Demokratische, menschenrechtliche und pluralistische Normen explizit machen
Verbindung von Unterricht und Erziehung Risiko verdeckter Beeinflussung Transparenz, Kontroversität und Partizipation sichern
Anschluss neuen Wissens an vorhandene Vorstellungen Spekulative und historisch überholte Psychologie Mit empirischer Lernforschung und Diagnostik neu prüfen
Vielseitigkeit des Interesses Kulturkanon kann sozial selektiv und eurozentrisch werden Diverse Wissensformen, Lebenslagen und Perspektiven einbeziehen
Pädagogischer Takt Gefahr, subjektive Willkür als Takt auszugeben Entscheidungen dokumentieren, kollegial beraten und evidenzsensibel reflektieren
Unterscheidung von Regierung, Unterricht und Zucht Hierarchische und disziplinierende Begrifflichkeit Schutz, Lernorganisation und Autonomie klar voneinander unterscheiden


Anschluss an heutige Diskurse

Herbarts Denken kann mit aktuellen Diskursen verbunden werden, sofern Unterschiede ausdrücklich benannt werden:

  1. Vorwissen und Conceptual Change: Apperzeption verweist historisch darauf, dass neue Inhalte durch vorhandene Deutungsmuster aufgenommen werden.
  2. Motivation und Interesse: Vielseitiges Interesse fordert mehr als kurzfristige Aktivierung; es zielt auf dauerhafte Weltbeziehungen.
  3. Professionelle Urteilskraft: Pädagogischer Takt thematisiert Entscheidungen unter Unsicherheit.
  4. Ethische Bildung: Erziehender Unterricht macht die normative Dimension von Bildung sichtbar.
  5. Inklusion: Bildsamkeit kann gegen Defizitdenken gelesen werden, muss aber mit Anerkennung von Differenz und Rechten verbunden werden.
  6. Demokratiepädagogik: Moralische Bildung ist heute an Mitbestimmung, Kontroversität und Menschenrechte zu binden.
  7. Künstliche Intelligenz in der Bildung: Auch algorithmische Empfehlungen können pädagogischen Takt nicht ersetzen, weil Verantwortung, Situationsdeutung und normative Abwägung nicht vollständig automatisierbar sind.


Studienwerkstatt: Einen Fall mit Herbart analysieren

Fall: In einem Seminar arbeitet eine Gruppe an einem kontroversen historischen Thema. Eine Studentin dominiert das Gespräch, zwei Studierende ziehen sich zurück, und ein Teilnehmer verbreitet eine sachlich falsche Behauptung. Die Lehrperson muss in kurzer Zeit entscheiden, wie sie reagiert.

Eine herbartisch informierte Analyse trennt mehrere Ebenen. Die Regierung betrifft die Sicherung einer respektvollen Gesprächsordnung. Der Unterricht verlangt die sachliche Klärung der Behauptung und die Erweiterung des Vorstellungskreises. Die Zucht im historischen Sinne fragt nach längerfristiger Urteils- und Verantwortungsbildung. Der pädagogische Takt entscheidet, wie direkt eingegriffen, wer angesprochen und wie die Situation anschließend reflektiert wird. Das Ziel eines erziehenden Unterrichts wäre nicht bloßer Gehorsam, sondern eine Gesprächspraxis, in der die Beteiligten Gründe prüfen, andere Perspektiven anerkennen und Verantwortung für gemeinsame Erkenntnis übernehmen.


Analyseschema

Schritt Leitfrage
Situationsbeschreibung Was ist beobachtbar, ohne Motive vorschnell zu unterstellen?
Sachanalyse Welche fachlichen Irrtümer, Interessen und Deutungen sind relevant?
Normative Analyse Welche Rechte, Werte und pädagogischen Ziele stehen auf dem Spiel?
Handlungsoptionen Welche Eingriffe sind möglich und welche Nebenfolgen haben sie?
Taktentscheidung Welche Option passt unter den konkreten Bedingungen am besten?
Reflexion Was hat die Handlung bewirkt und wie müsste sie korrigiert werden?


Zusammenfassung

Herbart entwickelt eine systematische Pädagogik, die moralische Zielklärung, psychologische Bedingungsanalyse und professionelles Handeln verbindet. Zentrale Begriffe sind Bildsamkeit, Moralität, Charakter, Vielseitigkeit des Interesses, Apperzeption, Erziehender Unterricht und Pädagogischer Takt. Seine vier formalen Momente lauten Klarheit, Assoziation, System und Methode. Die verbreitete Fünfstufenfolge gehört vor allem zur späteren herbartianischen Ausarbeitung. Für die Gegenwart bleibt Herbart bedeutsam, weil er die normative Dimension des Unterrichts, den Anschluss an Vorwissen und die Nicht-Automatisierbarkeit professioneller Entscheidungen sichtbar macht. Seine Theorie muss jedoch hinsichtlich Hierarchie, Moralvorgaben, Psychologie, gesellschaftlicher Vielfalt und demokratischer Teilhabe kritisch weitergedacht werden.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welches übergeordnete Ziel gibt Herbart der Erziehung? (Moralität und Charakterbildung) (!Berufliche Spezialisierung) (!Staatliche Machtausweitung) (!Unterhaltung im Unterricht)




Wie ordnet Herbart Ethik und Psychologie der Pädagogik zu? (Ethik klärt Ziele und Psychologie untersucht Bedingungen) (!Ethik untersucht Gedächtnis und Psychologie setzt Ziele) (!Beide Wissenschaften werden für überflüssig erklärt) (!Psychologie ersetzt die Pädagogik vollständig)




Was bedeutet Bildsamkeit im pädagogischen Zusammenhang? (Offenheit des Menschen für Lernen und Entwicklung) (!Grenzenlose Formbarkeit durch Lehrende) (!Angeborene Unveränderlichkeit des Charakters) (!Ausschließliche Begabung für bildende Kunst)




Was kennzeichnet erziehenden Unterricht? (Er verbindet Wissenserwerb mit Interessen und Urteilsbildung) (!Er trennt Unterricht vollständig von Erziehung) (!Er beschränkt sich auf das Auswendiglernen) (!Er verzichtet auf fachliche Inhalte)




Was bezeichnet Apperzeption bei Herbart? (Die Aufnahme neuer Vorstellungen durch vorhandene Vorstellungszusammenhänge) (!Das vollständige Vergessen früherer Erfahrungen) (!Eine Methode körperlicher Bestrafung) (!Die zufällige Auswahl von Unterrichtsstoff)




Welche Reihe nennt Herbarts vier formale Momente korrekt? (Klarheit Assoziation System Methode) (!Vorbereitung Prüfung Belohnung Abschluss) (!Erfahrung Zucht Regierung Strafe) (!Analyse Diagnose Therapie Kontrolle)




Wie ist die bekannte Fünfstufenfolge historisch einzuordnen? (Sie wurde vor allem im späteren Herbartianismus ausgearbeitet) (!Sie stammt vollständig aus Herbarts erster Hauslehrerzeit) (!Sie wurde von Pestalozzi als Prüfungssystem erfunden) (!Sie gehört ausschließlich zur heutigen Mediendidaktik)




Was leistet der pädagogische Takt? (Er vermittelt zwischen Theorie und besonderer Situation) (!Er ersetzt jede wissenschaftliche Reflexion) (!Er garantiert unfehlbare Entscheidungen) (!Er macht Erfahrung und Beobachtung unnötig)




Welche Funktion hat Regierung in Herbarts System? (Sie sichert zunächst Ordnung und begrenzt Gefährdungen) (!Sie ist mit moralischer Selbstbestimmung identisch) (!Sie ersetzt Unterricht und Beratung) (!Sie beschreibt ausschließlich staatliche Schulpolitik)




Warum muss zwischen Herbart und Herbartianismus unterschieden werden? (Spätere Anhänger schematisierten seine Lehre teilweise stärker) (!Herbartianismus entstand mehrere Jahrhunderte vor Herbart) (!Herbart lehnte jede Form von Unterricht ab) (!Beide Begriffe bezeichnen verschiedene Personen)





Memory

Bildsamkeit Offenheit für Lernen und Entwicklung
Moralität Verantwortliches Handeln aus Einsicht
Apperzeption Neues wird durch vorhandene Vorstellungen gedeutet
Vielseitigkeit Zusammenhängende Entfaltung verschiedener Interessen
Regierung Sicherung der gegenwärtigen pädagogischen Ordnung
Unterricht Erweiterung und Ordnung des Vorstellungskreises
Pädagogischer Takt Situative Vermittlung von Theorie und Praxis
Herbartianismus Spätere internationale Schulbildung und Rezeption





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Pädagogische Funktion
Ethik Begründung der Ziele von Erziehung
Psychologie Untersuchung der Bedingungen des Lernens
Regierung Sicherung der aktuellen Ordnung
Unterricht Aufbau und Ordnung von Vorstellungen
Zucht Begleitung langfristiger Charakterbildung
Takt Entscheidung zwischen allgemeiner Theorie und Einzelfall






Kreuzworträtsel

Bildsamkeit Wie heißt die Offenheit des Menschen für Erziehung und Entwicklung?
Moralität Welcher Begriff bezeichnet Herbarts übergeordnetes Erziehungsziel?
Apperzeption Wie heißt die Aufnahme neuer Inhalte durch vorhandene Vorstellungen?
Interesse Welcher Begriff beschreibt eine aktive und aufmerksame Weltbeziehung?
Klarheit Wie heißt das erste der vier formalen Momente?
Herbartianismus Wie heißt die spätere pädagogische Bewegung im Anschluss an Herbart?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Herbart bestimmt die grundsätzliche Offenheit des Menschen für Entwicklung als

.
Das übergeordnete Ziel der Erziehung fasst er im Begriff der

.
Die Wissenschaft, die pädagogische Ziele begründet, ist in seinem System die

.
Die Bedingungen und Wege des Lernens sollen mithilfe der

untersucht werden.
Die Deutung neuer Vorstellungen durch vorhandene Vorstellungsbestände heißt

.
Die aktive und suchende Beziehung zur Welt nennt Herbart

.
Das erste formale Moment der Vertiefung heißt

.
Die geordnete Übersicht über verbundene Vorstellungen bezeichnet Herbart als

.
Zwischen allgemeiner Theorie und konkreter Situation vermittelt der pädagogische

.
Die spätere Bewegung, die Herbarts Lehre teilweise schematisierte, heißt

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Begriffskarte Herbart: Erstelle eine digitale oder handschriftliche Begriffskarte, die Bildsamkeit, Moralität, Interesse, Apperzeption, Unterricht und Takt durch beschriftete Beziehungen verbindet.
  2. Biografische Zeitleiste: Gestalte eine Zeitleiste mit mindestens sechs Stationen und ergänze zu jeder Station eine Aussage über ihre pädagogische Bedeutung.
  3. Medienanalyse: Wähle ein Bild und ein Video aus diesem aiMOOC aus. Erkläre, welche Lernfunktion beide Medien erfüllen und welche Informationen sie nicht vermitteln.
  4. Glossar zur Herbart-Pädagogik: Verfasse für acht Fachbegriffe jeweils eine Definition in eigenen Worten und ein passendes Beispiel aus Schule, Hochschule oder Sozialpädagogik.


Standard

  1. Primärtextanalyse: Untersuche einen kurzen Ausschnitt aus der Allgemeinen Pädagogik oder dem Umriss pädagogischer Vorlesungen. Rekonstruiere These, Begründung, Menschenbild und offene Fragen.
  2. Unterrichtsentwurf nach formalen Momenten: Plane eine 45-minütige Lerneinheit, in der Klarheit, Assoziation, System und Methode als flexible Denkbewegungen sichtbar werden. Begründe ausdrücklich, warum Dein Entwurf kein starres Stufenschema ist.
  3. Pädagogische Fallanalyse: Analysiere einen Konflikt aus einem Praktikum mit den Kategorien Regierung, Unterricht, Zucht und Takt. Formuliere mindestens drei Handlungsoptionen und prüfe ihre Nebenfolgen.
  4. Interview zum pädagogischen Takt: Führe ein leitfadengestütztes Interview mit einer pädagogischen Fachkraft. Frage nach Situationen, in denen allgemeine Regeln nicht ausreichten, und werte die Antworten mit Herbarts Taktbegriff aus.


Schwer

  1. Herbart und Herbartianismus: Erstelle eine quellenkritische Studie, die Herbarts vier formale Momente mit einem späteren Fünfstufenmodell vergleicht. Kennzeichne Primärtext, spätere Rezeption und eigene Interpretation.
  2. Normativität des Unterrichts: Verfasse eine wissenschaftliche Erörterung darüber, ob Unterricht erziehen darf oder unvermeidlich erzieht. Beziehe Herbart, demokratische Bildung und das Indoktrinationsproblem ein.
  3. Mini-Forschungsprojekt Vorwissen: Entwickle eine kleine Untersuchung dazu, wie unterschiedliches Vorwissen die Deutung eines neuen Lerngegenstands beeinflusst. Erhebe Daten transparent, beachte Datenschutz und diskutiere Grenzen des Vergleichs mit Apperzeption.
  4. Digitale Ausstellung: Produziere eine kuratierte Online-Ausstellung oder einen wissenschaftlichen Podcast mit freien Medien, Primärquellen und Kommentaren zur internationalen Wirkung Herbarts. Weise Lizenzen und Quellen vollständig nach.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Falltransfer Klassenführung: Eine Lerngruppe arbeitet unruhig und einzelne Personen fühlen sich ausgeschlossen. Trenne Maßnahmen der unmittelbaren Ordnung von langfristiger moralischer Bildung und begründe eine taktvolle Handlungsfolge.
  2. Vergleich von Lerntheorien: Vergleiche Apperzeption mit einem aktuellen Modell zu Vorwissen oder Begriffslernen. Zeige mindestens zwei Gemeinsamkeiten, zwei Unterschiede und eine Grenze des historischen Vergleichs.
  3. Analyse eines Unterrichtsplans: Prüfe einen realen oder selbst erstellten Unterrichtsentwurf darauf, ob Klarheit, Verknüpfung, Systematisierung und selbstständige Anwendung ermöglicht werden. Begründe Verbesserungsvorschläge.
  4. Normativer Konflikt: Diskutiere an einem kontroversen Unterrichtsthema, wie erziehender Unterricht moralische Orientierung geben kann, ohne Lernende zu indoktrinieren.
  5. Theorie-Praxis-Dilemma: Entwickle für eine mehrdeutige pädagogische Situation zwei theoretisch begründete Handlungsoptionen. Entscheide Dich taktbezogen für eine Option und formuliere Kriterien für die nachträgliche Evaluation.
  6. Rezeptionskritik: Beurteile eine Darstellung, die Herbart direkt die fünf Unterrichtsstufen zuschreibt. Rekonstruiere den historischen Fehler und erkläre, warum die Unterscheidung zwischen Autor und Wirkungsgeschichte wissenschaftlich relevant ist.




Lernnachweis

Für einen qualifizierten Lernnachweis sind folgende Leistungen wichtig:

  1. Begriffliche Präzision: Bildsamkeit, Moralität, Apperzeption, Interesse, erziehender Unterricht und pädagogischer Takt werden korrekt erklärt.
  2. Historische Einordnung: Biografie, Hauptwerke und wissenschaftsgeschichtlicher Kontext werden nachvollziehbar verbunden.
  3. Quellenkompetenz: Primärtexte, spätere herbartianische Ausarbeitungen und moderne Forschung werden unterschieden und korrekt belegt.
  4. Systemverständnis: Ethik, Psychologie und Pädagogik sowie Regierung, Unterricht und Zucht werden in ihrem Zusammenhang dargestellt.
  5. Transferleistung: Ein pädagogischer Fall wird mit theoretischen Kategorien analysiert, ohne die Situation auf ein Rezept zu reduzieren.
  6. Kritische Urteilskraft: Potenziale und Grenzen werden an demokratischen, menschenrechtlichen, inklusiven und wissenschaftlichen Maßstäben geprüft.
  7. Eigenständiges Produkt: Eine Fallstudie, ein Essay, eine Lehrplanung, ein Podcast oder eine digitale Ausstellung dokumentiert die selbstständige Auseinandersetzung.
  8. Reflexion: Methodische Grenzen, Unsicherheiten und mögliche Gegenpositionen werden transparent ausgewiesen.




OERs zum Thema


Freie Primärtexte und vertiefende Quellen

  1. Johann Friedrich Herbart: Allgemeine Pädagogik aus dem Zweck der Erziehung abgeleitet, Digitalisat der Ausgabe von 1806
  2. Johann Friedrich Herbart in Wikisource
  3. Umriss pädagogischer Vorlesungen in der Deutschen Digitalen Bibliothek
  4. Johann Friedrich Herbart in der Stanford Encyclopedia of Philosophy
  5. Biografie der Internationalen Herbart-Gesellschaft
  6. Johann Friedrich Herbart in der Deutschen Biographie
  7. Johann Friedrich Herbart
  8. Allgemeine Pädagogik
  9. Herbartianismus
  10. Pädagogischer Takt

Die Gedenkplakette am Geburtshaus in Oldenburg macht Erinnerungskultur selbst zum Gegenstand historischer Quellenkritik.

Herbarts Grab in Göttingen verweist auf seine letzte Wirkungsstätte und die fortdauernde wissenschaftsgeschichtliche Erinnerung.


Verknüpfte Lernbereiche


aiMOOC-Projekte





Schulfach+

Prüfungsliteratur 2026
Bundesland Bücher Kurzbeschreibung
Baden-Württemberg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Mittlere Reife

  1. Der Markisenmann - Jan Weiler oder Als die Welt uns gehörte - Liz Kessler
  2. Ein Schatten wie ein Leopard - Myron Levoy oder Pampa Blues - Rolf Lappert

Abitur Dorfrichter-Komödie über Wahrheit/Schuld; Roman über einen Ort und deutsche Geschichte. Mittlere Reife Wahllektüren (Roadtrip-Vater-Sohn / Jugendroman im NS-Kontext / Coming-of-age / Provinzroman).

Bayern

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Lustspiel über Machtmissbrauch und Recht; Roman als Zeitschnitt deutscher Geschichte an einem Haus/Grundstück.

Berlin/Brandenburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Der Biberpelz - Gerhart Hauptmann
  4. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Gerichtskomödie; soziales Drama um Ausbeutung/Armut; Komödie/Satire um Diebstahl und Obrigkeit; Roman über Erinnerungsräume und Umbrüche.

Bremen

Abitur

  1. Nach Mitternacht - Irmgard Keun
  2. Mario und der Zauberer - Thomas Mann
  3. Emilia Galotti - Gotthold Ephraim Lessing oder Miss Sara Sampson - Gotthold Ephraim Lessing

Abitur Roman in der NS-Zeit (Alltag, Anpassung, Angst); Novelle über Verführung/Massenpsychologie; bürgerliche Trauerspiele (Moral, Macht, Stand).

Hamburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun

Abitur Justiz-/Machtkritik als Komödie; Großstadtroman der Weimarer Zeit (Rollenbilder, Aufstiegsträume, soziale Realität).

Hessen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  4. Der Prozess - Franz Kafka

Abitur Gerichtskomödie; Fragmentdrama über Gewalt/Entmenschlichung; Erinnerungsroman über deutsche Brüche; moderner Roman über Schuld, Macht und Bürokratie.

Niedersachsen

Abitur

  1. Der zerbrochene Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun
  3. Die Marquise von O. - Heinrich von Kleist
  4. Über das Marionettentheater - Heinrich von Kleist

Abitur Schwerpunkt auf Drama/Roman sowie Kleist-Prosatext und Essay (Ehre, Gewalt, Unschuld; Ästhetik/„Anmut“).

Nordrhein-Westfalen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Komödie über Wahrheit und Autorität; Roman als literarische „Geschichtsschichtung“ an einem Ort.

Saarland

Abitur

  1. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  2. Furor - Lutz Hübner und Sarah Nemitz
  3. Bahnwärter Thiel - Gerhart Hauptmann

Abitur Erinnerungsroman an einem Ort; zeitgenössisches Drama über Eskalation/Populismus; naturalistische Novelle (Pflicht/Überforderung/Abgrund).

Sachsen (berufliches Gymnasium)

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Irrungen, Wirrungen - Theodor Fontane
  4. Der gute Mensch von Sezuan - Bertolt Brecht
  5. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  6. Der Trafikant - Robert Seethaler

Abitur Mischung aus Klassiker-Drama, sozialem Drama, realistischem Roman, epischem Theater und Gegenwarts-/Erinnerungsroman; zusätzlich Coming-of-age im historischen Kontext.

Sachsen-Anhalt

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Themenfelder)

Abitur Schwerpunktsetzung über Themenfelder (u. a. Literatur um 1900; Sprache in politisch-gesellschaftlichen Kontexten), ohne feste Einzeltitel.

Schleswig-Holstein

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Recht/Gerechtigkeit und historische Tiefenschichten eines Ortes – umgesetzt über Drama und Gegenwartsroman.

Thüringen

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool)

Abitur In der Praxis häufig Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool; landesweite Einzeltitel je nach Vorgabe/Handreichung nicht einheitlich ausgewiesen.

Mecklenburg-Vorpommern

Abitur

  1. (Quelle aktuell technisch nicht abrufbar; Beteiligung am gemeinsamen Aufgabenpool bekannt)

Abitur Land beteiligt sich am länderübergreifenden Aufgabenpool; konkrete, veröffentlichte Einzeltitel konnten hier nicht ausgelesen werden.

Rheinland-Pfalz

Abitur

  1. (keine landesweit einheitliche Pflichtlektüre; schulische Auswahl)

Abitur Keine landesweite Einheitsliste; Auswahl kann schul-/kursbezogen erfolgen.




aiMOOCs



aiMOOC Projekte












THE MONKEY DANCE




The Monkey DanceaiMOOCs

  1. Trust Me It's True: #Verschwörungstheorie #FakeNews
  2. Gregor Samsa Is You: #Kafka #Verwandlung
  3. Who Owns Who: #Musk #Geld
  4. Lump: #Trump #Manipulation
  5. Filth Like You: #Konsum #Heuchelei
  6. Your Poverty Pisses Me Off: #SozialeUngerechtigkeit #Musk
  7. Hello I'm Pump: #Trump #Kapitalismus
  8. Monkey Dance Party: #Lebensfreude
  9. God Hates You Too: #Religionsfanatiker
  10. You You You: #Klimawandel #Klimaleugner
  11. Monkey Free: #Konformität #Macht #Kontrolle
  12. Pure Blood: #Rassismus
  13. Monkey World: #Chaos #Illusion #Manipulation
  14. Uh Uh Uh Poor You: #Kafka #BerichtAkademie #Doppelmoral
  15. The Monkey Dance Song: #Gesellschaftskritik
  16. Will You Be Mine: #Love
  17. Arbeitsheft
  18. And Thanks for Your Meat: #AntiFactoryFarming #AnimalRights #MeatIndustry


© The Monkey Dance on Spotify, YouTube, Amazon, MOOCit, Deezer, ...



Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen