Jüdische Mitglieder und Wurzeln des FC Bayern

Jüdische Mitglieder und Wurzeln des FC Bayern
Jüdische Mitglieder und Wurzeln des FC Bayern
Einleitung
Die Geschichte des FC Bayern München ist nicht nur eine Geschichte von Meisterschaften, berühmten Spielern und großen Stadien. Sie ist zugleich ein Teil der deutschen Gesellschafts-, Stadt- und Zeitgeschichte. Von der Gründung des Vereins im Jahr 1900 an spielten Menschen mit jüdischen Wurzeln eine wichtige Rolle: als Gründer, Spieler, Trainer, Funktionäre, Mitglieder, Förderer und Freunde des Vereins. Einige von ihnen prägten die sportliche Entwicklung des FC Bayern entscheidend.
Besonders bekannt ist Kurt Landauer. Unter seiner Präsidentschaft gewann der FC Bayern 1932 erstmals die Deutsche Fußballmeisterschaft. Doch Landauer war nicht der einzige jüdische „Bayer“. Neuere Forschungen zeigen, dass der Verein vor 1933 einen für einen deutschen Fußballverein bemerkenswert hohen Anteil jüdischer Mitglieder hatte. Bis 1933 machten jüdische Mitglieder ungefähr zehn Prozent der Mitgliedschaft aus. Forschungen haben inzwischen weit über hundert jüdische Vereinsmitglieder identifiziert.
Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 veränderten sich ihre Lebensbedingungen radikal. Jüdische Mitglieder wurden entrechtet, aus dem gesellschaftlichen Leben verdrängt, zur Flucht gezwungen, deportiert und ermordet. Auch der FC Bayern passte sich dem NS-System an. Deshalb reicht es historisch nicht aus, den Verein lediglich als Opfer eines angeblichen „Judenclubs“-Images darzustellen. Neuere Forschungen des Instituts für Zeitgeschichte zeigen ein widersprüchliches Bild aus Verfolgung, persönlichen Hilfen, Anpassung, Zustimmung, Handlungsspielräumen und Beteiligung am nationalsozialistischen Ausgrenzungssystem.
Dieser aiMOOC beschäftigt sich deshalb mit drei Fragen:
- Jüdische Wurzeln: Welche jüdischen Persönlichkeiten wirkten am Aufbau und Erfolg des Vereins mit?
- Verfolgung und Ausgrenzung: Was geschah mit ihnen nach 1933?
- Erinnerung und Verantwortung: Wie geht der FC Bayern heute mit diesem Teil seiner Geschichte um?

Die Gedenktafel am Kurt-Landauer-Platz vor der Allianz Arena erinnert heute an einen der bedeutendsten Präsidenten des Vereins.
Der Beitrag von DW Deutsch zeigt, wie Fans die Erinnerung an Kurt Landauer wieder stärker in das öffentliche Bewusstsein des Vereins brachten.
Die jüdischen Wurzeln des Vereins
Der FC Bayern wurde am 27. Februar 1900 gegründet. Auf der historischen Gründungsliste stehen 17 Namen. Nach dem heutigen Forschungsstand hatten mindestens drei dieser Unterzeichner jüdische Wurzeln: Benno Elkan, Josef Pollack und Willy Hirsch. Dass ältere Darstellungen häufig nur zwei jüdische Gründungsmitglieder nannten, zeigt, dass historische Forschung nicht abgeschlossen ist. Neue Archivfunde können das Wissen über einen Verein auch mehr als hundert Jahre später verändern.
Die erhaltene Signatur Benno Elkans aus dem Jahr 1900 verweist unmittelbar auf die frühe Vereinsgeschichte.
Josef Pollack: Mitgründer, Schriftführer und Spieler
Josef Pollack wurde 1880 in Freiburg im Breisgau als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie geboren. Er gehörte zu den Fußballpionieren, die den neuen Sport in Süddeutschland verbreiteten. Gemeinsam mit Franz John war Pollack eine treibende Kraft bei der Loslösung der Fußballer vom Münchner Turnverein und bei der Gründung des FC Bayern.
Pollack war nicht nur Mitgründer. Er wurde erster Schriftführer des jungen Vereins und spielte aktiv Fußball. In frühen Darstellungen der Vereinsgeschichte erscheint er auch als einer der ersten erfolgreichen Torschützen des FC Bayern. Bereits 1903 zog er in die Vereinigten Staaten. Seine Auswanderung hatte also nichts mit der späteren nationalsozialistischen Verfolgung zu tun. Gerade deshalb ist seine Biografie wichtig: Jüdische Mitglieder gehören nicht erst durch die Geschichte ihrer Verfolgung zum FC Bayern, sondern bereits durch die Entstehungsgeschichte des Vereins.
Benno Elkan: Fußballpionier und Künstler
Benno Elkan wurde 1877 in Dortmund geboren. Schon vor seinem Aufenthalt in München hatte er Fußball gespielt und 1895 an der Gründung eines Dortmunder Fußballvereins mitgewirkt. Als Kunststudent kam er nach München und gehörte 1900 zu den Unterzeichnern der Gründungsurkunde des FC Bayern.
Später wurde Elkan ein bedeutender Bildhauer. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten war er als jüdischer Künstler von Ausgrenzung und Berufsverbot betroffen. 1934 emigrierte er nach London. Zu seinen bekanntesten späteren Werken gehört die große Menora vor der Knesset in Jerusalem.
Das Foto zeigt Benno Elkan später in seinem künstlerischen Leben. Seine Biografie verbindet die Geschichte des frühen Fußballs mit Kunstgeschichte, jüdischer Geschichte und Exilgeschichte.
Willy Hirsch und die Bedeutung neuer Forschung
Auf der Gründungsliste findet sich auch Willy Hirsch. Seine jüdischen Wurzeln wurden in der öffentlichen Darstellung der Vereinsgeschichte erst vergleichsweise spät stärker berücksichtigt. Der FC Bayern verwies 2025 ausdrücklich darauf, dass Benno Elkan, Joseph beziehungsweise Josef Pollack und Willy Hirsch drei Unterzeichner der Gründungsliste mit jüdischen Wurzeln waren.
Dieses Beispiel ist für das historische Lernen besonders wichtig: Geschichte besteht nicht nur aus bekannten Erzählungen. Historikerinnen und Historiker vergleichen Mitgliederlisten, Briefe, Vereinszeitungen, Meldeunterlagen, Fotos, Familiengeschichten und andere Quellen. Auf dieser Grundlage können frühere Annahmen ergänzt oder korrigiert werden.
Jüdische Mitglieder als Teil des Vereinslebens
Vor 1933 gab es beim FC Bayern nicht „die jüdischen Mitglieder“ als einheitliche Gruppe. Die Menschen unterschieden sich in Religion, sozialer Lage, politischen Einstellungen, Berufen und persönlicher Lebensführung. Manche waren religiös, andere kaum oder gar nicht. Manche waren Unternehmer, andere Künstler, Angestellte oder Sportler. Einige spielten Fußball, andere fuhren Ski, übernahmen Vereinsämter oder unterstützten den Club finanziell.
Gerade diese Vielfalt ist historisch wichtig. Eine jüdische Herkunft war nur ein Teil der Identität eines Menschen. Viele verstanden sich gleichzeitig als Münchner, Bayern-Mitglieder, Deutsche, Sportler, Kaufleute, Künstler, Sozialdemokraten, Konservative oder Vertreter ganz anderer Lebensentwürfe.
Nach Forschungen des Instituts für Zeitgeschichte machten jüdische Mitglieder bis 1933 ungefähr zehn Prozent der Mitgliedschaft des FC Bayern aus, möglicherweise etwas mehr. Die Forschung hat inzwischen mehr als hundert jüdische ehemalige und aktive Mitglieder nachgewiesen. Der FC Bayern selbst sprach 2026 von weit über hundert jüdischen Frauen und Männern, die den Verein geliebt, getragen und geprägt hätten.
Kurt Landauer: Präsident, Modernisierer und Verfolgter
Kurt Landauer wurde 1884 in Planegg bei München als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie geboren. 1901 trat er dem FC Bayern bei und spielte zunächst als Torhüter in einer unteren Mannschaft. Schon früh wechselte sein Schwerpunkt jedoch von der aktiven Spielerlaufbahn zur Vereinsorganisation.
1913 wurde Landauer erstmals Präsident. Nach dem Ersten Weltkrieg, an dem er als deutscher Soldat teilgenommen hatte, übernahm er 1919 erneut die Vereinsführung. Mit einer kurzen Unterbrechung blieb er bis März 1933 Präsident.
Landauer vertrat einen modernen, leistungsorientierten Fußball. Er unterstützte professionelle Trainingsmethoden, internationale Kontakte, qualifizierte Trainer und eine starke Nachwuchsarbeit. Unter seiner Führung entwickelte sich der FC Bayern von einem regional bedeutenden Verein zu einer der führenden Adressen des deutschen Fußballs.
Der größte sportliche Erfolg dieser Phase war die erste Deutsche Meisterschaft 1932. Im Finale besiegte der FC Bayern Eintracht Frankfurt mit 2:0.
Landauers Bedeutung für den modernen FC Bayern
Landauers Bedeutung lässt sich nicht auf einen einzelnen Titel reduzieren. Er setzte auf langfristige sportliche Entwicklung, auf qualifizierte Trainer und auf die Förderung junger Spieler. In einer Zeit, in der der deutsche Fußball noch offiziell vom Amateurgedanken geprägt war, gehörte Bayern zu den Vereinen, die eine stärkere Professionalisierung befürworteten.
Damit verband sich ein Vereinsmodell, das später selbstverständlich wirken sollte: sportlicher Erfolg durch Organisation, Fachwissen, Nachwuchsarbeit und internationale Orientierung.
Richard „Little“ Dombi: der Meistertrainer von 1932
Der Trainer der Meistermannschaft von 1932 war Richard Kohn, besser bekannt als Richard „Little“ Dombi. Er wurde 1888 in Wien geboren, hatte jüdische Wurzeln und war zuvor als Spieler und Trainer in mehreren europäischen Ländern tätig gewesen.
Dombi war mehr als ein Übungsleiter. Zeitgenössische Beschreibungen zeigen ihn als Trainer, Organisator, Betreuer und teilweise sogar als eine Art Physiotherapeut und Manager in einer Person. Seine individuelle Arbeit mit den Spielern galt als modern.
Der Gewinn der Meisterschaft 1932 entstand damit aus dem Zusammenwirken verschiedener Personen: Landauer organisierte und modernisierte den Verein, Dombi professionalisierte das Training, Spieler setzten diese Entwicklung auf dem Platz um.
Nach der NS-Machtübernahme konnte Dombi seine Arbeit in Deutschland nicht dauerhaft fortsetzen. 1933 verließ er das Deutsche Reich. Später feierte er vor allem in den Niederlanden große Erfolge.
Otto Albert Beer: Aufbau der Nachwuchsarbeit
Otto Albert Beer gehörte zu den wichtigsten jüdischen Funktionären des FC Bayern. Seit den 1920er Jahren arbeitete er in der Nachwuchsabteilung und war zeitweise stellvertretender Leiter beziehungsweise verantwortlicher Organisator der Schüler- und Jugendarbeit.
Die Dimension dieser Arbeit war bemerkenswert. In der Saison 1927/28 verfügte der FC Bayern über mehr als 500 Nachwuchsspieler in mehreren Dutzend Mannschaften. Diese systematische Jugendarbeit war für die damalige Zeit außergewöhnlich und bildete einen wichtigen Teil des sportlichen Aufstiegs des Vereins.
Nach 1933 musste Beer seine Funktionen beim FC Bayern aufgeben. Er engagierte sich anschließend im jüdischen Sport in München. Nach den Novemberpogromen 1938 wurde er im KZ Dachau inhaftiert. Seine wirtschaftliche Existenz war ebenfalls zerstört worden.
1941 wurden Otto Beer, seine Frau Nelly und die beiden Söhne Ernst Rudolf und Kurt Gustav nach Kaunas deportiert. Die gesamte Familie wurde dort am 25. November 1941 ermordet.
Die Biografie Otto Beers zeigt besonders deutlich, wie eng Vereinsgeschichte und Holocaustgeschichte miteinander verbunden sind. Ein Mann, der den sportlichen Nachwuchs des FC Bayern mit aufgebaut hatte, wurde wenige Jahre später wegen seiner jüdischen Herkunft aus der Gesellschaft ausgeschlossen und ermordet.
Jüdische Spieler
Jüdische Mitglieder standen auch selbst auf dem Fußballplatz. Einige spielten in der ersten Mannschaft, andere in unteren Teams oder in Mannschaften, die dem Vereinsleben angeschlossen waren.
Harry Engel
Harry Engel war Kürschner und Fußballspieler. Zwischen 1911 und 1919 bestritt er mehr als hundert Spiele für die erste Mannschaft des FC Bayern. Im März 1933 ist sein Austritt aus dem Verein dokumentiert.
Nach den Novemberpogromen wurde Engel vom 10. November bis zum 13. Dezember 1938 im Konzentrationslager Dachau inhaftiert. Nach langem Warten auf ein Visum konnte er 1940 mit seiner Frau und seinem Sohn über Italien in die Vereinigten Staaten fliehen.
Sein Beispiel macht deutlich, dass jüdische Mitglieder nicht nur Funktionäre oder Mäzene waren. Sie gehörten auch zum sportlichen Alltag des Clubs.
Anton Reitlinger
Anton Reitlinger spielte in unteren Mannschaften des FC Bayern. Während der nationalsozialistischen Verfolgung wechselte er wiederholt seinen Wohnort und versteckte sich schließlich bei einem Bauern. 1944 wurde er entdeckt und in das KZ Dachau deportiert.
Am 2. Februar 1945 starb Anton Reitlinger an den Folgen der Haft. Seine Geschichte steht für jene Vereinsmitglieder, deren Namen lange kaum mit der großen Fußballgeschichte verbunden wurden, obwohl sie zur Vereinsfamilie gehörten.
Kurt Katsch und Kurt Horwitz
Auch die Verbindung zwischen Fußball und Münchner Theaterleben gehörte zur Geschichte des Vereins. Der Schauspieler Kurt Katsch war seit den 1920er Jahren Mitglied des FC Bayern und spielte in einer Mannschaft aus dem Umfeld der Münchner Kammerspiele. Aufgrund der nationalsozialistischen Ausgrenzung jüdischer Künstler verlor er seine beruflichen Möglichkeiten in Deutschland und emigrierte später in die Vereinigten Staaten.
Kurt Horwitz, ebenfalls Schauspieler und Bayern-Mitglied, spielte in einer Theatermannschaft und floh 1933 in die Schweiz. Nach dem Krieg kehrte er nach München zurück und schloss sich erneut dem FC Bayern an.
Diese Lebenswege verdeutlichen, dass ein Sportverein ein soziales Netzwerk ist. Mitgliedschaft bedeutet nicht nur Wettkampfsport, sondern auch Freundschaft, Freizeit, Kultur und Zugehörigkeit.
Jüdische Förderer und Unterstützer
Sportvereine leben nicht allein von Spielern. Sie brauchen Menschen, die Geld, Zeit, Kontakte und Organisation einbringen. Auch hier wirkten jüdische Mitglieder des FC Bayern.
Hermann Schülein
Der Münchner Brauereimanager Hermann Schülein war seit 1927 Mitglied und Förderer des FC Bayern. Wegen seiner jüdischen Herkunft wurde auch seine wirtschaftliche Stellung im NS-Staat zunehmend unhaltbar. 1936 emigrierte er in die Vereinigten Staaten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg unterstützte Schülein den FC Bayern erneut aus den USA. Seine Biografie zeigt, dass Vereinsbindungen sogar über Emigration, politische Verfolgung und einen Ozean hinweg fortbestehen konnten.
Die Familie Klauber
Die Brüder Ernst und Ludwig Klauber waren Mitglieder des FC Bayern und führten mit ihrer Familie das Münchner Spitzen- und Wäschegeschäft Rosa Klauber. Kurt Landauer erhielt dort nach dem Verlust seiner vorherigen Arbeitsstelle eine Beschäftigung.
In der Pogromnacht 1938 wurde auch das Klauber-Geschäft zerstört. Die Brüder konnten in die Vereinigten Staaten emigrieren. Von dort halfen sie mit finanzieller Unterstützung dabei, Landauers Aufenthalt im Schweizer Exil abzusichern.
Die Klaubers waren damit nicht nur Vereinsmitglieder, sondern konkrete Helfer eines verfolgten Freundes.
1933: Der Bruch
Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Innerhalb weniger Monate zerstörten die Nationalsozialisten die demokratische Ordnung der Weimarer Republik. Parteien, Verbände, Vereine, Medien und andere gesellschaftliche Organisationen wurden gleichgeschaltet oder unter Druck gesetzt.
Auch der organisierte Sport passte sich schnell an.
Kurt Landauer trat am 22. März 1933 als Präsident des FC Bayern zurück. Seine jüdische Herkunft machte eine Weiterführung des Amtes unter den neuen politischen Bedingungen praktisch unmöglich. Wenig später verlor er auch seine berufliche Stellung.
Doch damit ist die Rolle des Vereins im Jahr 1933 noch nicht vollständig beschrieben.
Die Stuttgarter Erklärung
Am 9. April 1933 beteiligte sich der FC Bayern gemeinsam mit 13 weiteren süddeutschen Spitzenvereinen an der sogenannten Stuttgarter Erklärung. Darin erklärten die Vereine ihre Bereitschaft, die nationalsozialistische Politik auch im Sport umzusetzen und Konsequenzen gegen jüdische Mitglieder zu ziehen.
Wenige Tage später organisierte sich der FC Bayern nach dem nationalsozialistischen Führerprinzip neu.
Diese Entscheidungen sind ein wichtiger Gegenpunkt zu einer später verbreiteten Erzählung, der FC Bayern habe sich als „jüdischer Verein“ grundsätzlich gegen den Nationalsozialismus gestellt. Die unabhängige Forschung des Instituts für Zeitgeschichte zeigt vielmehr, dass der Verein 1933 aktiv an seiner Anpassung an die Diktatur mitwirkte.
Widersprüche und Handlungsspielräume
Die Geschichte war dennoch nicht völlig einheitlich. Siegfried Herrmann, Landauers Nachfolger an der Vereinsspitze, setzte zwar das Führerprinzip um, hielt aber zunächst an Kontakten zu jüdischen Vereinsmitgliedern fest. Noch 1934 wurden Namen jüdischer Mitglieder in den Clubnachrichten genannt und langjährige Mitglieder geehrt.
Gerade solche Widersprüche sind historisch wichtig: Menschen konnten einzelne jüdische Freunde unterstützen und gleichzeitig Strukturen eines antisemitischen Regimes akzeptieren. Sie konnten sich in manchen Situationen widersetzen und in anderen mitmachen.
Historisches Lernen bedeutet deshalb, nicht nur nach „Helden“ und „Tätern“ zu suchen, sondern konkrete Entscheidungen und Handlungsspielräume zu untersuchen.
1935: Ausgrenzung wird Vereinspolitik
1935 nahm der FC Bayern einen sogenannten „Arierparagraphen“ in seine Satzung auf. Zunächst gab es Ausnahmen, etwa für langjährige Mitglieder und ehemalige Frontsoldaten. Wenige Monate später wurden diese Ausnahmen gestrichen.
Damit wurde die nationalsozialistische rassistische Unterscheidung zwischen angeblichen „Ariern“ und „Nichtariern“ auch formal in die Vereinsordnung übernommen.
Dieser Schritt ist besonders bedeutsam, weil nach der Untersuchung des Instituts für Zeitgeschichte zu diesem Zeitpunkt kein unmittelbarer staatlicher Zwang bestand, jüdische Mitglieder auszuschließen. Andere Vereine hatten jüdische Mitglieder allerdings bereits früher ausgeschlossen. Der FC Bayern war in diesem Prozess vergleichsweise spät, handelte aber dennoch selbst.
Viele jüdische Mitglieder hatten den Verein bereits 1933 verlassen. Für sie war die politische Anpassung des Clubs ein deutliches Signal, dass die frühere Zugehörigkeit nicht mehr sicher war.
Der Begriff „Judenclub“ und die historische Forschung
In populären Darstellungen wird häufig erzählt, die Nationalsozialisten hätten den FC Bayern systematisch als „Judenclub“ verfolgt. Neuere Forschung mahnt hier zur Vorsicht.
Der hohe Anteil jüdischer Mitglieder ist gut belegt. Ebenso ist belegt, dass jüdische Persönlichkeiten den Verein stark prägten. Die unabhängige Untersuchung des Instituts für Zeitgeschichte fand jedoch keinen Beleg dafür, dass die Bezeichnung „Judenklub“ vor 1945 als feststehendes Etikett für den FC Bayern verbreitet oder dass der Verein deshalb systematisch sportlich benachteiligt worden wäre.
Auch die Vorstellung, der Verein habe als geschlossene Einheit dem NS-Regime gegenübergestanden, ist nicht haltbar. Der FC Bayern verfügte während der NS-Zeit über Kontakte zu nationalsozialistischen Funktionären, und die NS-Presse berichtete keineswegs durchgehend feindselig über den Verein.
Das bedeutet nicht, die jüdische Prägung des FC Bayern kleinzureden. Im Gegenteil: Gerade eine quellenkritische Darstellung macht sichtbar, wie jüdische Mitglieder tatsächlich wirkten und wie ihre Ausgrenzung erfolgte, ohne daraus eine vereinfachte Vereinslegende zu machen.
Täter, Mitläufer und Angepasste im Verein
Die vom FC Bayern selbst angestoßene unabhängige Studie des Instituts für Zeitgeschichte untersuchte auch NSDAP-Mitgliedschaften von Spielern und Funktionären.
Von den überprüften Personen gehörte ein erheblicher Anteil der NSDAP an. Unter den Funktionären der Vereinsführung zwischen 1933 und 1945 waren nach dem Forschungsstand mehr als die Hälfte Parteimitglieder. Unter den untersuchten aktiven Spielern war der Anteil deutlich niedriger.
Diese Zahlen beweisen für sich genommen weder individuelle Täterschaft noch persönliche Schuld. Eine Parteimitgliedschaft ist nicht dasselbe wie ein konkretes Verbrechen. Umgekehrt konnten auch Nichtmitglieder antisemitisch handeln oder andere verfolgen.
Der Befund zeigt aber, dass die Vereinsführung nicht einfach vom nationalsozialistischen Staat getrennt werden kann. Im FC Bayern gab es Verfolgte, Helfer, Anpasser, überzeugte Nationalsozialisten und Menschen mit widersprüchlichem Verhalten.
November 1938 und das KZ Dachau
Während der vom NS-Regime organisierten Novemberpogrome 1938 wurden Synagogen zerstört, Geschäfte geplündert, Wohnungen verwüstet, Menschen misshandelt und ermordet. Zehntausende jüdische Männer wurden in Konzentrationslager verschleppt.
In München wurden rund tausend jüdische Männer nach Dachau gebracht. Unter ihnen befanden sich mindestens 19 Mitglieder des FC Bayern.
Zu diesen inhaftierten Bayern-Mitgliedern gehörten unter anderem Kurt Landauer, Otto Beer, Franz Landauer, Harry Engel, Berthold Koppel und Siegfried Sundheimer.
Das jüdische Mahnmal auf dem Gelände der heutigen KZ-Gedenkstätte Dachau erinnert an die jüdischen Opfer des Konzentrationslagers.
Das Internationale Mahnmal in Dachau steht für das Gedenken an die Verfolgten des nationalsozialistischen Konzentrationslagersystems.
Kurt Landauer in Dachau und im Exil
Kurt Landauer wurde am Tag nach den Novemberpogromen 1938 verhaftet und in das KZ Dachau gebracht. Dort trug er die Häftlingsnummer 20009. Nach 33 Tagen wurde er entlassen. Seine frühere Teilnahme am Ersten Weltkrieg spielte bei dieser Entlassung eine Rolle.
Am 15. März 1939 gelang ihm die Emigration in die Schweiz. Auch dort war seine Lage unsicher. Aufenthaltsgenehmigungen waren befristet, und die Gefahr einer Abschiebung blieb für Flüchtlinge real.
Vier seiner sechs Geschwister wurden in der Schoa ermordet.
Landauer blieb dem FC Bayern dennoch emotional verbunden. Als der FC Bayern 1943 zu einem Spiel in Zürich war, sah Landauer die Mannschaft wieder. Überliefert ist, dass Spieler ihm trotz der politischen Überwachung ihre Verbundenheit zeigten.
Die Lesung aus dem Briefwechsel zwischen Kurt Landauer und seiner späteren Frau Maria Baumann erschließt eine persönliche Perspektive auf Verfolgung, Exil, Hoffnung und Rückkehr.
Ermordete Mitglieder des FC Bayern
Die Verfolgung jüdischer Bayern-Mitglieder endete nicht bei Vereinsverlust, Berufsverbot oder Emigration. Mindestens 27 jüdische Mitglieder des FC Bayern wurden nach dem heutigen Forschungsstand im Holocaust ermordet. Vier weitere nahmen sich unter dem Druck der Verfolgung das Leben.
Zu den ermordeten Vereinsmitgliedern gehörten Menschen mit ganz unterschiedlichen Rollen im Club. Otto Beer hatte die Jugendarbeit geprägt. Anton Reitlinger hatte in unteren Mannschaften gespielt. Franz Landauer war der Bruder des ehemaligen Präsidenten. Andere waren Mitglieder, Förderer oder Teil des sozialen Umfelds des Vereins.
Damit wird sichtbar: Hinter abstrakten Opferzahlen stehen individuelle Lebensgeschichten.
Otto Beer und seine Familie in Kaunas
Otto Beer wurde 1941 gemeinsam mit seiner Frau Nelly und den Söhnen Ernst Rudolf und Kurt Gustav deportiert. Ziel war Kaunas in Litauen. Am 25. November 1941 wurde die Familie dort ermordet.
Wer sich nur an die Meisterschaft 1932 erinnert, sieht Otto Beer als erfolgreichen Jugendfunktionär. Wer seine ganze Biografie betrachtet, erkennt zusätzlich den Bruch von 1933, die Zerstörung seiner beruflichen Existenz, die Haft in Dachau, die Deportation und den Mord.
Diese Verbindung von Vereins- und Verfolgungsgeschichte ist eine zentrale Aufgabe historischer Erinnerung.
Franz Landauer und weitere Angehörige
Kurt Landauers älterer Bruder Franz Landauer gehörte ebenfalls zum Umfeld des FC Bayern. Auch er wurde nach den Novemberpogromen 1938 im KZ Dachau inhaftiert. Später wurde er deportiert und starb 1943 im Lager Westerbork.
Die Verfolgung traf Familien, Freundeskreise und ganze soziale Netzwerke. Wenn ein Vereinsmitglied deportiert wurde, verschwand nicht nur ein Name aus einer Mitgliederliste. Freundschaften, Nachbarschaften, berufliche Beziehungen und Vereinsgemeinschaften wurden zerstört.
Flucht als Überlebensstrategie
Viele jüdische Bayern-Mitglieder konnten Deutschland verlassen. Flucht bedeutete jedoch selten Sicherheit oder einen einfachen Neuanfang.
Einige verloren fast ihr gesamtes Vermögen. Andere warteten jahrelang auf Visa. Familien wurden getrennt. Berufliche Qualifikationen wurden im Exil nicht anerkannt. Menschen mussten neue Sprachen lernen und neue Existenzen aufbauen.
Harry Engel gelang 1940 die Flucht in die USA. Benno Elkan lebte in London. Hermann Schülein baute sich in New York ein neues Leben auf. Die Brüder Klauber emigrierten ebenfalls in die Vereinigten Staaten. Richard Dombi setzte seine Trainerlaufbahn außerhalb Deutschlands fort.
Die Geschichten zeigen, warum der Begriff Exil mehr bedeutet als einen Ortswechsel. Exil bedeutet Verlust von Heimat, sozialen Beziehungen, Besitz und oft beruflicher Stellung.
Rückkehr nach 1945
Nicht alle Verfolgten kehrten nach Deutschland zurück. Für viele war eine Rückkehr in das Land der Täter unvorstellbar oder praktisch unmöglich.
Kurt Landauer entschied sich anders. Im Juni 1947 kehrte er nach München zurück. Wenige Wochen später wurde er erneut zum Präsidenten des FC Bayern gewählt.
Unter seiner erneuten Führung beteiligte er sich am Wiederaufbau des Vereins. Auch die Entwicklung des Vereinsgeländes an der Säbener Straße ist eng mit seiner Nachkriegsarbeit verbunden.
Seine letzte Amtszeit endete 1951. Landauer starb 1961 in München.
Seine Rückkehr darf nicht romantisiert werden. Sie zeigt vielmehr, wie komplex Nachkriegsgeschichten sein können: Ein Verfolgter des NS-Regimes entschied sich, in seine frühere Heimat zurückzukehren und erneut Verantwortung in einem Verein zu übernehmen, der sich während der Diktatur selbst an die Ausgrenzung jüdischer Mitglieder angepasst hatte.
Die lange Zeit des Vergessens
Obwohl Kurt Landauer zu den wichtigsten Präsidenten der Vereinsgeschichte gehörte, spielte seine Biografie über Jahrzehnte im öffentlichen Selbstbild des FC Bayern nur eine geringe Rolle.
Erst seit den 2000er Jahren rückte seine Geschichte stärker in den Mittelpunkt. Einen wichtigen Anteil daran hatten Fans, besonders die Münchner Fangruppe Schickeria München. Sie recherchierte, organisierte Veranstaltungen und gestaltete Choreografien zu Landauer.
2014 erhielt die Schickeria für ihr Engagement den Julius-Hirsch-Preis des Deutschen Fußball-Bundes.
Die Wiederentdeckung Landauers zeigt, dass Erinnerungskultur nicht nur von offiziellen Institutionen ausgeht. Auch Fans können historische Forschung anstoßen und verändern, welche Geschichten ein Verein über sich selbst erzählt.
Kurt Landauer als Ehrenpräsident
2013 ernannte der FC Bayern Kurt Landauer postum zum Ehrenpräsidenten. Vor der Allianz Arena erinnern der Kurt-Landauer-Platz und eine Gedenktafel an ihn.
Diese Formen des Gedenkens sind symbolisch wichtig. Entscheidend ist jedoch, dass Erinnerung nicht bei Denkmälern stehen bleibt. Sie muss mit Quellenarbeit, Forschung, Bildungsarbeit und der Beschäftigung mit weniger bekannten Opfern verbunden werden.
Erinnerungskultur des FC Bayern heute
Der FC Bayern hat seine Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet. Das Vereinsmuseum entwickelte Ausstellungen über verfolgte Mitglieder. Gemeinsam mit dem Institut für Zeitgeschichte wurde eine unabhängige Untersuchung über den FC Bayern im Nationalsozialismus durchgeführt.
Die Wanderausstellung „Der FC Bayern München im Nationalsozialismus. Opfer, Mitläufer, Täter“ stellt Biografien von Verfolgten ebenso vor wie Verbindungen von Funktionären zum nationalsozialistischen System.
Der Titel „Opfer, Mitläufer, Täter“ ist bewusst gewählt. Er verhindert eine reine Heldenerzählung und macht deutlich, dass Vereinsgeschichte aus vielen unterschiedlichen Handlungen besteht.
Mit der Initiative Rot gegen Rassismus verbindet der FC Bayern historische Erinnerungsarbeit mit heutiger Bildungsarbeit gegen Antisemitismus, Rassismus und andere Formen von Diskriminierung.
2026 beteiligte sich der Verein beispielsweise an Gedenkveranstaltungen für jüdische ehemalige Mitglieder wie Armand Oster und Alfred Strauß. Auch Mannschaften und Nachwuchsgruppen besuchen die KZ-Gedenkstätte Dachau und beschäftigen sich mit der Vereinsgeschichte.
Was historische Verantwortung bedeutet
Historische Verantwortung heißt nicht, heutige Vereinsmitglieder persönlich für Entscheidungen früherer Generationen verantwortlich zu machen. Sie bedeutet, die Geschichte vollständig und quellenkritisch zu erzählen.
Für den FC Bayern gehören deshalb mehrere Erkenntnisse zusammen:
- Jüdische Mitglieder prägten den Verein von seiner Gründung an.
- Kurt Landauer, Richard Dombi und Otto Beer hatten großen Anteil am sportlichen Aufstieg bis zur Meisterschaft 1932.
- Nach 1933 wurden jüdische Mitglieder diskriminiert, vertrieben, deportiert und ermordet.
- Der Verein war nicht nur Opfer äußerer NS-Politik, sondern beteiligte sich selbst an Anpassung und Ausgrenzung.
- Einzelne Menschen hielten Kontakte aufrecht oder halfen Verfolgten.
- Erinnerungskultur entstand nach 1945 nur langsam und wurde später auch durch Fans neu angestoßen.
Quellenkritik: Vereinsgeschichte ist keine Legende
Sportvereine erzählen gern Geschichten über Tradition, Zusammenhalt und große Persönlichkeiten. Solche Erzählungen können Identität stiften. Für historische Forschung reichen sie aber nicht aus.
Eine seriöse Untersuchung fragt:
- Wer hat eine Quelle verfasst?
- Wann wurde sie verfasst?
- Welches Interesse hatte die Person oder Institution?
- Welche Stimmen fehlen?
- Gibt es Gegenquellen?
- Wurde eine Geschichte erst Jahrzehnte später erzählt?
- Welche Aussagen lassen sich tatsächlich belegen?
Gerade die Geschichte des FC Bayern im Nationalsozialismus zeigt, warum diese Fragen nötig sind. Manche ältere Darstellungen stellten den Verein fast ausschließlich als liberalen Gegenpol zum Nationalsozialismus dar. Die neuere Forschung zeigt dagegen ein komplexeres Bild: Der Club hatte eine bedeutende jüdische Geschichte, aber auch Nationalsozialisten in seiner Führung und beteiligte sich an antisemitischen Ausgrenzungsmaßnahmen.
Historische Zeitleiste
| Zeitraum | Ereignis | Bedeutung |
|---|---|---|
| 1900 | Gründung des FC Bayern | Auf der Gründungsliste stehen mehrere Unterzeichner mit jüdischen Wurzeln, darunter Benno Elkan, Josef Pollack und Willy Hirsch. |
| 1901 | Kurt Landauer tritt dem Verein bei | Beginn einer jahrzehntelangen Verbindung zwischen Landauer und dem FC Bayern. |
| 1913 | Landauer wird erstmals Präsident | Ein jüdisches Vereinsmitglied übernimmt die Führung des Clubs. |
| 1920er Jahre | Ausbau von Organisation und Nachwuchsarbeit | Landauer und Otto Beer prägen Modernisierung und Jugendförderung. |
| 1930 | Richard Dombi wird Trainer | Professionalisierung der sportlichen Arbeit. |
| 1932 | Erste Deutsche Meisterschaft | Höhepunkt der erfolgreichen Zusammenarbeit von Landauer, Dombi, Funktionären und Mannschaft. |
| März 1933 | Landauer tritt zurück | Die NS-Machtübernahme beendet seine Präsidentschaft. |
| April 1933 | Stuttgarter Erklärung und Führerprinzip | Der FC Bayern beteiligt sich an der Anpassung des Sports an die NS-Diktatur. |
| 1935 | Einführung und Verschärfung des „Arierparagraphen“ | Jüdische Mitglieder werden formal aus der Vereinsgemeinschaft ausgeschlossen. |
| November 1938 | Pogrome und Verhaftungen | Mindestens 19 jüdische Bayern-Mitglieder werden nach Dachau verschleppt. |
| 1939 | Landauer flieht in die Schweiz | Exil wird für ihn zur Überlebensstrategie. |
| 1941 | Ermordung der Familie Beer in Kaunas | Ein bedeutender Jugendfunktionär des Vereins und seine Familie werden Opfer des Holocaust. |
| 1945 | Ende der NS-Diktatur | Der Verein muss sich unter völlig neuen politischen Bedingungen neu organisieren. |
| 1947 | Landauer kehrt zurück | Der ehemalige Verfolgte wird erneut Präsident des FC Bayern. |
| 2013 | Postume Ernennung Landauers zum Ehrenpräsidenten | Offizielle Anerkennung seiner Bedeutung für den Verein. |
| 2014 | Julius-Hirsch-Preis für die Schickeria | Fanarbeit wird zu einem wichtigen Teil der Erinnerungskultur. |
| seit 2020er Jahren | Vertiefte unabhängige Forschung und Bildungsarbeit | Der Verein setzt sich stärker mit Opfern, Mitläufern und Tätern seiner NS-Geschichte auseinander. |
Bedeutende Personen im Überblick
| Person | Rolle beim FC Bayern | Historische Bedeutung |
|---|---|---|
| Josef Pollack | Mitgründer, Schriftführer, Spieler | Einer der jüdischen Fußballpioniere der Vereinsgründung. |
| Benno Elkan | Gründungsmitglied | Verbindet frühe Vereinsgeschichte mit Kunst-, Exil- und jüdischer Geschichte. |
| Willy Hirsch | Unterzeichner der Gründungsliste | Beispiel dafür, dass historische Forschung auch bekannte Gründungsgeschichten weiter ergänzt. |
| Kurt Landauer | Spieler, Präsident | Prägte Modernisierung, Meisterschaft 1932, wurde verfolgt und kehrte 1947 zurück. |
| Richard Dombi | Trainer | Führte die Mannschaft mit modernen Trainingsmethoden zur Meisterschaft 1932. |
| Otto Albert Beer | Jugendfunktionär | Baute Nachwuchsarbeit mit auf und wurde 1941 mit seiner Familie ermordet. |
| Harry Engel | Spieler | Über hundert Spiele für die erste Mannschaft, 1938 Dachau, später Flucht in die USA. |
| Anton Reitlinger | Spieler | Spielte in unteren Mannschaften und starb 1945 an den Folgen der Haft in Dachau. |
| Hermann Schülein | Mitglied und Förderer | Unterstützte den Verein vor und nach seiner Emigration. |
| Familie Klauber | Mitglieder und Unterstützer | Beschäftigte Landauer und half später bei der Finanzierung seines Schweizer Exils. |
Vertiefende Quellen und Forschung
Für eine wissenschaftlich belastbare Auseinandersetzung sind besonders die unabhängige Studie des Instituts für Zeitgeschichte, die Forschungen des FC Bayern Museums, das Deutsche Fußballmuseum, das Jüdische Museum München und das Haus der Bayerischen Geschichte hilfreich.
- Institut für Zeitgeschichte: Der FC Bayern und der Nationalsozialismus
- FC Bayern Museum: Der FC Bayern München im Nationalsozialismus – Opfer, Mitläufer, Täter
- FC Bayern: Kurt Landauer
- Deutsches Fußballmuseum: Jüdische Fußballer, Funktionäre und Mitglieder
- Jüdisches Museum München: Online-Ausstellung zu Kurt Landauer
- Haus der Bayerischen Geschichte: Kurt Landauer
- Biographisches Gedenkbuch der Münchner Juden
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Person war Präsident des FC Bayern beim Gewinn der ersten Deutschen Meisterschaft 1932? (Kurt Landauer) (!Benno Elkan) (!Harry Engel) (!Hermann Schülein)
Welche Rolle hatte Richard Dombi beim FC Bayern? (Trainer) (!Vereinsarzt) (!Stadionsprecher) (!Schiedsrichter)
Welche Bedeutung hatte Otto Albert Beer für den FC Bayern? (Er prägte die Nachwuchsarbeit) (!Er baute die Allianz Arena) (!Er war Bundesligatrainer) (!Er leitete den DFB)
Was geschah mit Kurt Landauer nach den Novemberpogromen 1938? (Er wurde im KZ Dachau inhaftiert) (!Er wurde Reichstrainer) (!Er wechselte als Spieler nach Berlin) (!Er wurde Bürgermeister von München)
In welches Land emigrierte Kurt Landauer 1939? (Schweiz) (!Kanada) (!Spanien) (!Norwegen)
Welche Aussage beschreibt die Stuttgarter Erklärung von 1933 am besten? (Süddeutsche Fußballvereine bekannten sich zur Ausgrenzung jüdischer Mitglieder) (!Sie führte die Bundesliga ein) (!Sie gründete den Deutschen Fußball-Bund) (!Sie verbot Profifußball in der Schweiz)
Was führte der FC Bayern 1935 in seine Satzung ein? (Einen sogenannten Arierparagraphen) (!Eine Frauenfußballabteilung) (!Die Profispielerlizenz) (!Eine internationale Transferordnung)
Welcher jüdische Bayern-Spieler bestritt zwischen 1911 und 1919 mehr als hundert Spiele für die erste Mannschaft? (Harry Engel) (!Anton Reitlinger) (!Hermann Schülein) (!Benno Elkan)
Was zeigt die neuere Forschung zur Rolle des FC Bayern in der NS-Zeit? (Der Verein hatte Opfer Mitläufer und nationalsozialistisch belastete Funktionäre) (!Der Verein bestand 1933 bis 1945 ausschließlich aus Widerstandskämpfern) (!Der Verein wurde 1933 vollständig verboten) (!Der Verein hatte vor 1945 keine jüdischen Mitglieder)
Welche Fangruppe trug wesentlich zur Wiederentdeckung Kurt Landauers bei? (Schickeria München) (!Red Bull Crew) (!Nordkurve Bremen) (!Südtribüne Hamburg)
Memory
| Kurt Landauer | Präsident und Meisterschaft 1932 |
| Richard Dombi | Meistertrainer |
| Otto Albert Beer | Nachwuchsarbeit |
| Harry Engel | Spieler der ersten Mannschaft |
| Hermann Schülein | Förderer im Exil |
| Benno Elkan | Bildhauer und Gründungsmitglied |
| Schickeria München | Wiederentdeckung der Erinnerung |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Vereinsgründung | Benno Elkan |
| Meisterschaft | Kurt Landauer |
| Trainerarbeit | Richard Dombi |
| Nachwuchsförderung | Otto Albert Beer |
| Erinnerungskultur | Schickeria München |
Kreuzworträtsel
| Landauer | Welcher langjährige Präsident wurde wegen seiner jüdischen Herkunft verfolgt? |
| Pollack | Welcher Mitgründer war auch erster Schriftführer des Vereins? |
| Dombi | Wie hieß der Trainer der Meistermannschaft von 1932? |
| Beer | Welcher jüdische Funktionär prägte die Nachwuchsarbeit? |
| Dachau | In welchem Konzentrationslager wurde Kurt Landauer 1938 inhaftiert? |
| Schickeria | Welche Fangruppe machte sich besonders um die Erinnerung an Landauer verdient? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Biografie-Steckbrief: Erstelle einen übersichtlichen Steckbrief zu Kurt Landauer mit den Bereichen Vereinsarbeit, Verfolgung, Exil und Rückkehr.
- Kunst und Fußball: Recherchiere ein Kunstwerk Benno Elkans und erkläre, warum seine Lebensgeschichte mehr als reine Fußballgeschichte ist.
- Jugendarbeit: Gestalte ein Lernplakat darüber, welche Rolle Otto Beer für die Nachwuchsarbeit des FC Bayern spielte.
- Gedenkorte: Suche auf einer Karte den Kurt-Landauer-Platz und die KZ-Gedenkstätte Dachau und beschreibe, was an beiden Orten erinnert wird.
Standard
- Quellenvergleich: Vergleiche eine ältere Darstellung der NS-Geschichte des FC Bayern mit den Ergebnissen des Instituts für Zeitgeschichte. Notiere Gemeinsamkeiten, Unterschiede und offene Fragen.
- Stadtgeschichte: Entwickle einen historischen Stadtspaziergang zu drei Orten, die mit jüdischen Bayern-Mitgliedern verbunden sind.
- Digitale Zeitleiste: Erstelle eine digitale Zeitleiste von 1900 bis heute. Verknüpfe sportliche Ereignisse mit politischen Entwicklungen.
- Audio-Projekt: Produziere einen fünfminütigen Podcast mit der Leitfrage: „Warum gehört Otto Beer genauso zur Geschichte des FC Bayern wie die Meisterschaft 1932?“
Schwer
- Vereinsvergleich: Vergleiche den Umgang des FC Bayern mit jüdischen Mitgliedern nach 1933 mit einem anderen deutschen Fußballverein. Arbeite nur mit belegbaren Quellen.
- Ausstellungskonzept: Entwirf eine kleine Ausstellung mit dem Titel „Opfer, Mitläufer, Täter“. Wähle Quellen, Biografien und Objekte aus und begründe Deine Auswahl.
- Interviewprojekt: Führe ein Interview mit einem Fan, einer Historikerin, einem Museumsmitarbeiter oder einer Person aus der lokalen Erinnerungsarbeit. Frage danach, wie sich die Erinnerung an die NS-Zeit im Fußball verändert hat.
- Historisches Urteil: Verfasse einen Essay zur Frage: „Kann ein Verein gleichzeitig eine bedeutende jüdische Tradition besitzen und sich dennoch an antisemitischer Ausgrenzung beteiligen?“ Beziehe konkrete Beispiele aus der Vereinsgeschichte ein.


Lernkontrolle
- Urteilsaufgabe: Erkläre, warum die Beschreibung des FC Bayern als reiner „Widerstandsverein“ gegen den Nationalsozialismus historisch problematisch ist. Beziehe mindestens drei konkrete Befunde ein.
- Biografievergleich: Vergleiche die Lebenswege von Kurt Landauer und Otto Beer. Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede zeigen sich bei Vereinsarbeit, Verfolgung und Überlebenschancen?
- Handlungsanalyse: Untersuche die Einführung des „Arierparagraphen“ 1935. Welche Handlungsspielräume hatte der Verein und welche Verantwortung ergibt sich daraus?
- Transfer: Entwickle Kriterien für eine glaubwürdige Erinnerungskultur eines heutigen Sportvereins. Prüfe anschließend, inwiefern die beschriebenen Maßnahmen des FC Bayern diese Kriterien erfüllen.
- Methodenaufgabe: Ein älterer Text behauptet, der FC Bayern sei während der gesamten NS-Zeit systematisch als „Judenclub“ verfolgt worden. Beschreibe, welche Quellen Du prüfen müsstest, bevor Du diese Aussage übernimmst.
- Transferaufgabe: Erkläre anhand des FC Bayern, warum Sportvereine nicht außerhalb politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen stehen.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Namen und Jahreszahlen kennst, sondern historische Zusammenhänge erklären und Quellen kritisch beurteilen kannst.
- Du kannst die jüdischen Wurzeln des FC Bayern an mehreren konkreten Personen erläutern.
- Du kannst die Bedeutung von Kurt Landauer, Richard Dombi und Otto Beer für den sportlichen Aufstieg des Vereins erklären.
- Du kannst mindestens zwei jüdische Spieler beziehungsweise Vereinsmitglieder und ihre Verfolgungsgeschichte beschreiben.
- Du kannst erklären, wie sich der FC Bayern 1933 und 1935 an die nationalsozialistische Ordnung anpasste.
- Du kannst zwischen individueller Hilfe, institutioneller Anpassung und nationalsozialistischer Überzeugung unterscheiden.
- Du kannst die Ergebnisse neuerer Forschung zur älteren „Judenclub“-Erzählung einordnen.
- Du kannst erläutern, warum Erinnerungskultur auch die Geschichte von Tätern und Mitläufern einbeziehen muss.
- Du kannst aus der Vereinsgeschichte begründete Schlüsse für den heutigen Umgang mit Antisemitismus und Ausgrenzung ziehen.
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