IM5 - Mit KI lernen, ohne abschreiben zu lassen

IM5 - Mit KI lernen, ohne abschreiben zu lassen
IM5 - Mit KI lernen, ohne abschreiben zu lassen
Einleitung
Künstliche Intelligenz kann Dir beim Lernen helfen: Sie kann Fragen stellen, Hinweise geben, Texte kommentieren, Begriffe erklären oder mit Dir für eine Klassenarbeit üben. Sie kann aber auch Fehler machen, Dinge erfinden oder Dir eine fertige Lösung geben, bevor Du selbst nachgedacht hast. Genau deshalb kommt es darauf an, wie Du KI nutzt.
In diesem aiMOOC lernst Du eine einfache Grundregel für die 5. Klasse:
Erst selbst lösen → dann KI-Hilfe nutzen → Antwort prüfen → eigene Lösung verbessern.
Das Ziel ist nicht, dass die KI für Dich arbeitet. Das Ziel ist, dass Du nach der KI-Hilfe mehr kannst als vorher. Eine gute KI-Nutzung macht Dein Denken sichtbar, hilft Dir an schwierigen Stellen weiter und endet wieder bei Deiner eigenen Lösung.

Du arbeitest in diesem aiMOOC mit vier besonders wichtigen Lernfällen:
- Hausaufgabe: Erst selbst versuchen, dann einen Hinweis oder eine Prüfung des Rechenwegs anfordern.
- Vokabeltraining: Erst erinnern, dann von der KI abfragen lassen und Fehler gezielt wiederholen.
- Textfeedback: Erst selbst schreiben, dann Rückmeldungen erhalten und den Text selbst überarbeiten.
- Prüfungsvorbereitung: Erst eigenes Wissen abrufen, dann Fragen, Erklärungen und Übungsaufgaben nutzen.
Wichtig: Nutze nur KI-Dienste, die für Dich durch Schule, Lehrkraft oder Erziehungsberechtigte erlaubt sind. Gib keine privaten Daten wie vollständigen Namen, Adresse, Passwörter, Telefonnummern oder vertrauliche Informationen über andere Personen ein. Beachte außerdem die Regeln Deiner Schule: Manche Aufgaben sollen ausdrücklich ohne KI bearbeitet werden.
Was bedeutet Lernen mit KI?
Eine textgenerierende KI kann auf Eingaben reagieren und Texte erzeugen. Deine Eingabe nennt man oft Prompt. Ein Prompt kann eine Frage, eine Bitte, eine Aufgabe oder eine genaue Arbeitsanweisung sein.
Ein Prompt wie „Mach meine Hausaufgabe“ zielt auf eine fertige Lösung. Das hilft Dir beim Lernen oft wenig. Ein Prompt wie „Ich habe schon selbst gerechnet. Prüfe meinen Rechenweg, nenne nur die erste falsche Stelle und gib mir einen Tipp“ macht die KI eher zu einem Lerncoach.

Beim Lernen ist deshalb nicht entscheidend, ob Du KI benutzt. Entscheidend ist, welche Denkaufgabe bei Dir bleibt. Wenn Du nur kopierst, trainierst Du kaum. Wenn Du erst selbst arbeitest, gezielt Hilfe holst, die Antwort kontrollierst und anschließend selbst verbesserst, trainierst Du wichtige Fähigkeiten wie Problemlösen, Kritisches Denken, Medienkompetenz und Selbstständiges Lernen.
Die SHPV-Regel
Für diesen aiMOOC verwenden wir die SHPV-Regel:
| Schritt | Bedeutung | Deine Aufgabe |
|---|---|---|
| S – Selbst lösen | Du startest ohne KI. | Schreibe Deine erste Idee, Rechnung, Übersetzung oder Textfassung auf. |
| H – Hilfe holen | Du fragst die KI gezielt. | Bitte zuerst um einen Hinweis, eine Frage, eine Erklärung oder eine Prüfung – nicht sofort um die fertige Lösung. |
| P – Prüfen | Du kontrollierst die KI-Antwort. | Vergleiche mit Heft, Schulbuch, Wörterbuch, zuverlässiger Quelle oder Deinem eigenen Rechenweg. |
| V – Verbessern | Du arbeitest selbst weiter. | Ändere Deine eigene Lösung und erkläre am Ende, was Du verstanden hast. |

Merksatz: Wenn am Ende nur ein KI-Text dasteht, ist der Lernweg noch nicht fertig. Am Ende soll Deine verbesserte Lösung stehen.
Der 30-Sekunden-Check
Nach einer KI-Hilfe kannst Du den Chat kurz schließen oder wegscrollen. Erkläre dann in eigenen Worten, was Du gelernt hast. Wenn Du es ohne Blick auf die KI-Antwort erklären kannst, ist das ein gutes Zeichen. Wenn Du nur weißt, was dort stand, aber nicht warum, brauchst Du noch einen weiteren Lernschritt.
Reflexionsauftrag: Erkläre einer Partnerin oder einem Partner die SHPV-Regel ohne nachzusehen. Vergleicht danach Eure Erklärungen und ergänzt, was gefehlt hat.
Gute KI-Hilfe statt fertiger Lösung
Nicht jede Hilfe ist gleich stark. Du kannst KI-Hilfe wie eine Treppe benutzen. Beginne immer möglichst weit unten.
| Hilfestufe | Beispiel | Was bei Dir bleibt |
|---|---|---|
| Stufe 0: selbst denken | „Ich probiere es zuerst allein.“ | Der gesamte erste Lösungsversuch. |
| Stufe 1: Aufgabe verstehen | „Erkläre mir die Aufgabe mit einfachen Worten, ohne sie zu lösen.“ | Du entscheidest selbst über den Lösungsweg. |
| Stufe 2: kleiner Hinweis | „Gib mir nur einen Tipp für den nächsten Schritt.“ | Du führst die Lösung weiter. |
| Stufe 3: Fehler finden | „Prüfe meinen Versuch und nenne nur die erste Stelle, die ich prüfen sollte.“ | Du suchst und verbesserst den Fehler selbst. |
| Stufe 4: ähnliches Beispiel | „Zeige mir eine ähnliche Aufgabe mit anderen Zahlen und erkläre sie.“ | Deine eigentliche Aufgabe bleibt Deine Aufgabe. |
| Stufe 5: Lösung besprechen | „Vergleiche meine fertige Lösung mit einem richtigen Lösungsweg und erkläre Unterschiede.“ | Du wertest die Lösung aus und lernst aus Abweichungen. |

Reflexionsauftrag: Welche Hilfestufe würdest Du wählen, wenn Du eine Aufgabe überhaupt nicht verstehst? Welche, wenn Du fast fertig bist, aber ein Ergebnis merkwürdig aussieht? Begründe beide Entscheidungen.
Lernfall 1: Hausaufgabe
Bei Hausaufgaben ist die Versuchung groß, die Aufgabe einfach in eine KI zu kopieren. Das kann schnell gehen, aber es nimmt Dir genau die Übung weg, für die die Hausaufgabe gedacht ist.

Beispielchat: Mathematik – erst rechnen, dann prüfen
Aufgabe: Berechne 378 : 6.
Dein erster Versuch im Heft: Du zerlegst 378 in 360 und 18. 360 : 6 = 60. Bei 18 : 6 hast Du aus Versehen 2 notiert. Deshalb kommst Du auf 62.
Du an die KI: „Ich habe 378 : 6 selbst gerechnet. Mein Rechenweg ist 360 : 6 = 60 und 18 : 6 = 2, also 62. Bitte gib mir nicht das Ergebnis. Nenne nur die Stelle, die ich überprüfen sollte.“
KI: „Prüfe noch einmal den Teilschritt 18 : 6.“
Du: „Stimmt, 18 : 6 = 3. Dann verbessere ich meinen Rechenweg selbst.“
Hier übernimmt die KI nicht die Aufgabe. Sie zeigt nur auf die Stelle, die Du noch einmal prüfen solltest.
Reflexionsauftrag: Warum ist dieser Chat hilfreicher als die Frage „Was ist 378 : 6?“ Formuliere zwei Gründe.
Beispielchat: Sachunterricht – Erklärung statt Abschreiben
Aufgabe: Erkläre, warum Wasser in einer flachen Schale schneller verdunsten kann als in einem schmalen Glas.
Du zuerst: „Ich denke, in der Schale kommt mehr Wasser an die Luft.“
Du an die KI: „Das ist meine Vermutung: In der Schale kommt mehr Wasser an die Luft. Stelle mir zwei Fragen, mit denen ich meine Erklärung genauer machen kann. Schreibe noch keinen fertigen Antwortsatz.“
KI: „Welche Oberfläche ist größer? Und warum könnte eine größere Oberfläche das Verdunsten beeinflussen?“
Du danach: Du ergänzt Deine eigene Erklärung und vergleichst sie mit Deinem Schulbuch.
Reflexionsauftrag: Markiere in Deiner fertigen Erklärung, welcher Gedanke schon von Dir kam und welcher Gedanke durch die Rückfragen klarer geworden ist.
Hausaufgaben-Regel
Bevor Du KI bei einer Hausaufgabe nutzt, sollte auf Deinem Blatt schon etwas Eigenes stehen: eine Idee, ein Rechenansatz, Stichwörter, eine Skizze oder eine Frage. Wenn gar nichts Eigenes da ist, beginne mit zwei Minuten ohne KI.
Mini-Aufgabe: Nimm eine echte Hausaufgabe, die Du gerade bearbeiten darfst. Arbeite zwei Minuten selbst. Formuliere danach genau einen KI-Prompt, der nur einen Hinweis verlangt.
Lernfall 2: Vokabeltraining
Beim Vokabellernen hilft Dir die KI besonders gut, wenn sie abfragt, statt einfach eine Liste vorzulesen. Erinnern ist anstrengender als Lesen – und gerade diese Anstrengung ist ein wichtiger Teil des Lernens.

Beispielchat: Vokabeln einzeln abfragen
Angenommen, Deine Lernliste enthält diese Wörter: book – Buch, pencil – Bleistift, schoolbag – Schultasche, ruler – Lineal, exercise book – Heft.
Du zuerst: Decke die Lösungen ab und versuche, alle fünf Wörter selbst zu erinnern.
Du an die KI: „Nutze nur diese fünf Vokabelpaare. Frage mich immer nur ein deutsches Wort. Warte auf meine englische Antwort. Wenn ich falsch antworte, gib zuerst einen Hinweis und nicht sofort die Lösung. Wiederhole falsch beantwortete Wörter später noch einmal.“
KI: „Wie heißt ‚Lineal‘ auf Englisch?“
Du: „ruler“
KI: „Richtig. Wie heißt ‚Schultasche‘ auf Englisch?“
So wird aus dem Chat ein kleines Training.
Beispielchat: Fehler gezielt üben
Du: „Ich verwechsle ruler und rubber. Erfinde drei kurze Mini-Sätze, in denen ich entscheiden muss, welches Wort passt. Verrate die Lösung erst, nachdem ich geantwortet habe.“
KI: „Satz 1: I draw a straight line with my ___. Welches Wort passt?“
Du: „ruler“
KI: „Richtig. Nächster Satz …“
Reflexionsauftrag: Was ist beim Vokabeltraining besser: zehn richtige Wörter noch einmal lesen oder zwei schwierige Wörter mehrmals aktiv abrufen? Begründe mit Deinem eigenen Lernerlebnis.
Vokabeltraining ohne Schummeln
Wenn die KI nach jedem kleinen Zögern sofort die Lösung zeigt, wird die Aufgabe zu leicht. Bitte deshalb um Wartezeit, Hinweise und Wiederholungen. Du kannst auch festlegen: „Gib die Lösung erst nach meinem zweiten Versuch.“
Transferaufgabe: Erstelle einen Prompt für Französisch, Latein oder eine andere Sprache, der dieselbe Lernidee nutzt.
Lernfall 3: Textfeedback
Bei einem Text kann KI sehr schnell eine „schönere“ Fassung schreiben. Für Dein Lernen ist es aber meist besser, wenn Du Deinen Text selbst schreibst und die KI nur als Rückmeldepartner nutzt.

Beispielchat: Rückmeldung statt Neuschreiben
Dein eigener Textanfang: „Am Samstag waren wir im Wald. Es war kalt. Wir haben viele Blätter gesehen. Dann fanden wir Spuren.“
Du an die KI: „Das ist mein eigener Text. Schreibe ihn nicht neu. Nenne mir zwei Stellen, an denen ich genauer beschreiben könnte, was ich gesehen, gehört oder gefühlt habe. Gib nur Fragen als Feedback.“
KI: „Wie sahen die Spuren genau aus? Was konntest Du im Wald hören?“
Du danach: Du entscheidest selbst, ob und wie Du den Text ergänzt.
Reflexionsauftrag: Welche Formulierung in Deinem überarbeiteten Text stammt wirklich von Dir? Welche Anregung kam durch die KI? Schreibe beides getrennt auf.
Beispielchat: Rechtschreibung prüfen, Stil selbst verbessern
Du an die KI: „Markiere in meinem Text höchstens drei Wörter, bei denen ich die Rechtschreibung prüfen sollte. Nenne nicht sofort die richtige Schreibweise. Ich möchte zuerst selbst im Wörterbuch suchen.“
Diese Form der Hilfe kann Dich zu eigenen Prüfhandlungen führen.
Du an die KI: „Ich habe die drei Wörter geprüft. Jetzt sage mir, ob meine Korrekturen stimmen, und erkläre mir bei einem Fehler die Regel mit einem neuen Beispiel.“
So bleibt die Verbesserung bei Dir.
Textfeedback mit klaren Grenzen
Ein guter Feedback-Prompt kann sagen:
- „Schreibe meinen Text nicht neu.“
- „Nenne nur zwei Verbesserungspunkte.“
- „Stelle Fragen statt fertiger Sätze.“
- „Markiere Unklarheiten, aber formuliere die Lösung nicht für mich.“
- „Prüfe meine Überarbeitung erst danach.“
Reflexionsauftrag: Warum kann ein komplett neu geschriebener KI-Text schlechter für Dein Lernen sein als drei gezielte Rückfragen?
Lernfall 4: Prüfungsvorbereitung
Vor einer Klassenarbeit kann KI als Trainingspartner dienen. Besonders nützlich ist sie, wenn Du Wissen abrufst, statt nur Erklärungen zu lesen.
Beispielchat: Erstwissen prüfen
Thema: Aggregatzustände des Wassers.
Du zuerst: Schreibe aus dem Kopf auf, was Du über fest, flüssig und gasförmig weißt.
Du an die KI: „Stelle mir fünf Fragen zu den Aggregatzuständen des Wassers. Stelle immer nur eine Frage und warte auf meine Antwort. Sag nach jeder Antwort, was richtig war und welche Information noch fehlt. Nutze einfache Sprache für Klasse 5.“
KI: „Wie heißt der Übergang von flüssigem Wasser zu Wasserdampf?“
Du: „Verdunsten.“
KI: „Das passt. Nächste Frage …“
Beispielchat: Unsicherheit sichtbar machen
Du an die KI: „Ich möchte nicht nur leichte Fragen. Mische drei Arten: eine Wissensfrage, eine Erklärfrage und eine Anwendungsfrage. Sag mir nach jeder Antwort, ob ich sicher, teilweise sicher oder noch unsicher wirke. Begründe kurz.“
Danach kannst Du Themen gezielt wiederholen, statt alles gleich lange zu lernen.
Beispielchat: Lernzettel prüfen
Du zuerst: Erstelle selbst einen Lernzettel aus Heft und Schulbuch.
Du an die KI: „Hier ist mein Lernzettel. Stelle mir Fragen, mit denen ich prüfen kann, ob ich die Inhalte wirklich erklären kann. Ergänze keine neuen Fakten, die nicht in meinem Lernzettel stehen. Wenn etwas unklar ist, sage nur, welche Stelle ich im Schulbuch noch einmal prüfen sollte.“
Diese Methode hilft Dir, Deinen eigenen Stoff zu wiederholen.
Reflexionsauftrag: Was ist der Unterschied zwischen „Lies mir den Stoff vor“ und „Prüfe, ob ich den Stoff selbst erklären kann“?
Gute Prompts für Klasse 5
Ein guter Lernprompt enthält meist vier Dinge: Thema, deinen eigenen Versuch, Art der Hilfe und Grenze der Hilfe.
| Situation | Lernförderlicher Prompt |
|---|---|
| Aufgabe unklar | „Erkläre mir die Aufgabe mit einfacheren Worten, aber löse sie noch nicht.“ |
| Rechenweg begonnen | „Das ist mein Rechenweg. Nenne nur die erste Stelle, die ich prüfen sollte.“ |
| Text geschrieben | „Gib mir zwei Rückfragen zu meinem Text. Schreibe ihn nicht neu.“ |
| Vokabeln lernen | „Frage mich einzeln ab und verrate die Lösung erst nach meinem zweiten Versuch.“ |
| Klassenarbeit vorbereiten | „Stelle mir nacheinander Fragen. Ich antworte zuerst, dann gibst Du Feedback.“ |
| KI-Antwort unklar | „Erkläre nur den schwierigen Schritt mit einem neuen Beispiel.“ |
| KI-Antwort verdächtig | „Welche Aussagen in Deiner Antwort sollte ich mit einer Quelle überprüfen?“ |
Reflexionsauftrag: Formuliere einen schlechten Prompt so um, dass daraus ein Lernprompt wird: „Schreib mir die perfekte Antwort.“
Wenn die KI sofort die Lösung verrät
Manchmal antwortet eine KI ausführlicher als gewünscht. Dann musst Du nicht einfach weiterlesen. Du kannst stoppen und neu fragen:
Du: „Stopp. Ich möchte die Lösung noch nicht sehen. Gib mir nur einen Hinweis.“
Oder:
Du: „Formuliere Deine Hilfe als Frage, damit ich selbst weiterdenken kann.“
Oder:
Du: „Erstelle eine ähnliche Aufgabe mit anderen Zahlen. Meine eigentliche Aufgabe löse ich selbst.“
Das ist eine wichtige Lernkompetenz: Du steuerst die Hilfe.
KI-Antworten prüfen
KI kann überzeugend klingen und trotzdem Fehler enthalten. Deshalb gehört das Prüfen immer zum Lernweg.

Der Drei-Fragen-Check
Bei einer wichtigen KI-Antwort frage Dich:
- Passt es zu meinem Wissen? Ist die Antwort logisch und verständlich?
- Kann ich es nachprüfen? Finde ich die Information im Schulbuch, Heft, Wörterbuch oder in einer zuverlässigen Quelle?
- Kann ich es selbst erklären? Verstehe ich wirklich, warum die Antwort stimmt?
Wenn eine Antwort überraschend, sehr kompliziert oder widersprüchlich ist, ist das ein Signal zum Nachprüfen.
Beispielchat: Eine falsche Information entdecken
Du: „Die KI behauptet etwas anderes als mein Schulbuch. Was soll ich tun?“
Lernstrategie: Nimm nicht automatisch die KI oder das Schulbuch als „Sieger“. Prüfe die genaue Aussage, lies die passende Stelle im Material, frage nach einer Erklärung und hole bei Bedarf eine Lehrkraft dazu.
Reflexionsauftrag: Erfinde ein Beispiel, bei dem eine KI-Antwort zwar selbstbewusst klingt, aber nicht zu einer zuverlässigen Quelle passt. Beschreibe Deinen Prüfweg.
Verbessern: Der wichtigste letzte Schritt
Nach der KI-Hilfe musst Du noch einmal selbst aktiv werden. Das kann bedeuten, eine Rechnung neu zu schreiben, einen Satz zu verbessern, eine Vokabel erneut abzurufen oder eine Erklärung in eigenen Worten zu formulieren.

Eine einfache Regel lautet:
Keine KI-Nutzung endet mit Kopieren. Jede KI-Nutzung endet mit einer eigenen Handlung.
Diese eigene Handlung kann sein:
- eine Korrektur im Heft,
- ein selbst formulierter Erklärungssatz,
- eine neue Übungsaufgabe,
- ein kurzer Selbsttest,
- eine mündliche Erklärung ohne Chat.
Reflexionsauftrag: Wähle eine KI-Hilfe aus diesem aiMOOC und beschreibe, welche eigene Handlung danach folgen sollte.
Lernfälle zum Entscheiden
Lernfall A: Die schnelle Mathe-Lösung
Mia soll fünf Sachaufgaben rechnen. Nach der ersten Aufgabe ist sie unsicher und fragt: „Gib mir alle fünf Ergebnisse.“
Deine Entscheidung: Wie könnte Mia die Frage so ändern, dass sie noch selbst lernen muss?
Möglicher Lernweg: Mia zeigt nur ihren Versuch zur ersten Aufgabe und bittet um einen Hinweis. Danach löst sie die restlichen Aufgaben selbst und nutzt die KI nur zum Prüfen einzelner Stellen.
Lernfall B: Die Vokabelliste
Noah liest zwanzig Vokabeln dreimal in einem KI-Chat durch. Er fühlt sich sicher. Beim Abfragen kann er viele Wörter trotzdem nicht nennen.
Deine Entscheidung: Welche Trainingsform wäre wirksamer?
Möglicher Lernweg: Noah lässt sich einzeln abfragen, antwortet vor der KI und wiederholt falsch beantwortete Wörter später erneut.
Lernfall C: Der perfekte Aufsatz
Lea hat einen eigenen Text geschrieben. Sie gibt ihn in eine KI und bekommt eine sehr elegante neue Fassung. Viele Wörter würde sie selbst nie benutzen.
Deine Entscheidung: Was sollte Lea mit der neuen Fassung tun?
Möglicher Lernweg: Sie nutzt sie nicht einfach als eigenen Text. Stattdessen bittet sie um zwei konkrete Hinweise zu ihrem ursprünglichen Text und überarbeitet ihn selbst.
Lernfall D: Die Prüfung morgen
Ben fragt: „Sag mir genau, was morgen in der Klassenarbeit drankommt.“ Die KI kann das nicht sicher wissen.
Deine Entscheidung: Welche Frage wäre sinnvoller?
Möglicher Lernweg: Ben nennt die Themen aus seinem Heft und lässt sich dazu mit Fragen, Beispielen und Erklärungen trainieren.
Lernfall E: Zwei Antworten widersprechen sich
Aylin bekommt von zwei KI-Anfragen zwei verschiedene Antworten.
Deine Entscheidung: Welche Antwort soll sie nehmen?
Möglicher Lernweg: Keine ungeprüft. Sie vergleicht die genaue Aussage mit Heft, Schulbuch oder einer zuverlässigen Quelle und fragt bei Unklarheiten eine Lehrkraft.
Lernfall F: KI während einer Aufgabe, bei der sie verboten ist
Eine Lehrkraft sagt ausdrücklich, dass eine Übung ohne digitale Hilfe erledigt werden soll. Ein Schüler möchte trotzdem eine KI fragen.
Deine Entscheidung: Was ist zu tun?
Möglicher Lernweg: Die Aufgabenregel gilt. Die KI wird nicht verwendet. Nach der Abgabe kann die Lehrkraft gefragt werden, ob KI für die Nachbereitung erlaubt ist.
Beispielchats: schlecht, besser, lernförderlich
| Situation | Wenig lernförderlich | Lernförderlich |
|---|---|---|
| Mathematik | „Löse Aufgabe 4.“ | „Hier ist mein Versuch. Nenne nur meinen ersten Fehler und gib einen Tipp.“ |
| Deutsch | „Schreib meinen Aufsatz besser.“ | „Stelle mir drei Fragen, mit denen ich meinen Text selbst genauer machen kann.“ |
| Englisch | „Gib mir alle Übersetzungen.“ | „Frage mich einzeln ab. Gib nach einem Fehler zuerst einen Hinweis.“ |
| Sachunterricht | „Erkläre mir alles über Vulkane.“ | „Ich erkläre zuerst selbst, wie ein Vulkan ausbricht. Danach sagst Du mir, welche zwei Punkte noch unklar sind.“ |
| Prüfung | „Mach mich in fünf Minuten fit.“ | „Stelle mir zehn Fragen nacheinander. Nach jeder Antwort bekomme ich kurzes Feedback.“ |
Reflexionsauftrag: Wähle eine Zeile und erkläre genau, warum der lernförderliche Prompt mehr eigenes Denken verlangt.
Sicherheit, Datenschutz und Fairness
Beim Lernen mit KI gelten dieselben Grundregeln wie bei anderen digitalen Werkzeugen.
- Datenschutz: Gib keine privaten Daten, Passwörter, Adressen oder vertraulichen Informationen ein.
- Persönlichkeitsrechte: Lade keine Texte, Bilder oder Informationen anderer Personen hoch, wenn Du dafür keine Erlaubnis hast.
- Urheberrecht: Auch KI-Nutzung bedeutet nicht, dass fremde Texte oder Bilder automatisch frei übernommen werden dürfen.
- Schulregeln: Halte Dich an die Regeln Deiner Lehrkraft und Schule.
- Transparenz: Wenn verlangt wird, dass KI-Nutzung genannt wird, gib ehrlich an, wie Du sie verwendet hast.
- Eigenleistung: Gib keine KI-Leistung als Deine eigene aus, wenn die Aufgabe eine eigene Leistung verlangt.
Merksatz: Was Du nicht in ein öffentliches Klassenplakat schreiben würdest, solltest Du auch nicht gedankenlos in einen KI-Chat eingeben.
Ein Lernvertrag mit Dir selbst
Du kannst vor einer KI-Lernphase einen kleinen Lernvertrag verwenden:
| Ich verspreche mir selbst … | Kontrollfrage |
|---|---|
| zuerst selbst zu starten | Habe ich schon einen eigenen Versuch? |
| nur so viel Hilfe wie nötig zu holen | Reicht ein Hinweis statt einer Lösung? |
| KI-Antworten zu prüfen | Welche Quelle oder welches eigene Wissen nutze ich? |
| selbst zu verbessern | Was ändere ich danach selbst? |
| am Ende ohne KI zu erklären | Kann ich es jetzt aus dem Kopf sagen? |
Reflexionsauftrag: Welche dieser fünf Regeln fällt Dir wahrscheinlich am schwersten? Notiere eine konkrete Idee, wie Du sie trotzdem einhalten kannst.
Medienimpuls: KI in der Schule
Das folgende Video zeigt, wie KI in Schule genutzt werden kann und warum Verstehen trotz KI wichtig bleibt.
Beobachtungsauftrag: Achte beim Video auf Situationen, in denen KI als Unterstützung dient. Notiere danach zwei Beispiele, bei denen Lernende trotzdem selbst denken oder verstehen müssen.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was ist der erste Schritt der SHPV-Regel? (Selbst lösen) (!Hilfe holen) (!Prüfen) (!Verbessern)
Welche KI-Frage unterstützt eigenes Denken besonders gut? (Gib mir nur einen Hinweis für den nächsten Schritt) (!Löse die ganze Aufgabe für mich) (!Schreibe mir die perfekte Lösung) (!Gib mir alle Antworten zum Abschreiben)
Was soll nach einer KI-Hilfe passieren? (Die eigene Lösung wird geprüft und verbessert) (!Die KI-Antwort wird ungeprüft kopiert) (!Das Heft wird geschlossen) (!Die Aufgabe wird übersprungen)
Wie kann KI beim Vokabellernen sinnvoll helfen? (Sie fragt Dich einzeln ab und wartet auf Deine Antwort) (!Sie zeigt immer sofort alle Lösungen) (!Sie ersetzt das eigene Erinnern) (!Sie übersetzt jede Aufgabe vollständig)
Welche Bitte eignet sich für Textfeedback? (Nenne zwei Stellen für Verbesserungen und schreibe den Text nicht neu) (!Schreibe meinen gesamten Text neu) (!Erfinde einen völlig neuen Aufsatz) (!Formuliere alles so, dass ich nichts mehr ändern muss)
Was ist beim Prüfen einer KI-Antwort sinnvoll? (Mit Heft Schulbuch oder zuverlässiger Quelle vergleichen) (!Nur darauf achten ob die Antwort lang ist) (!Jede Antwort automatisch glauben) (!Nur die schönste Formulierung auswählen)
Was solltest Du bei privaten Daten tun? (Keine vertraulichen persönlichen Daten eingeben) (!Passwörter zur Erklärung mitsenden) (!Adressen immer in Prompts schreiben) (!Daten anderer Personen ohne Erlaubnis hochladen)
Was ist ein lernförderlicher Umgang mit einer schwierigen Matheaufgabe? (Erst selbst versuchen und danach einen gezielten Hinweis holen) (!Sofort nur das Endergebnis abfragen) (!Die Lösung kopieren ohne sie zu verstehen) (!Alle Aufgaben von der KI erledigen lassen)
Woran erkennst Du nach einer KI-Hilfe besser ob Du etwas verstanden hast? (Du kannst es ohne Chat in eigenen Worten erklären) (!Du kannst die KI-Antwort schnell kopieren) (!Die Antwort enthält viele Fachwörter) (!Der Chat war besonders lang)
Was gilt wenn eine Lehrkraft KI für eine Aufgabe ausdrücklich verbietet? (Die Aufgabe wird ohne KI bearbeitet) (!Die KI wird heimlich genutzt) (!Nur die Hälfte der KI-Antwort wird übernommen) (!Die Regel gilt nur bei schwierigen Aufgaben)
Memory
| Selbst lösen | eigener erster Versuch |
| Hilfe holen | gezielter Tipp |
| Prüfen | verlässlicher Vergleich |
| Verbessern | eigene Überarbeitung |
| Vokabeltraining | aktives Abfragen |
| Textfeedback | Rückfragen zum Entwurf |
| Prüfungsvorbereitung | Wissen abrufen |
| Datenschutz | private Angaben schützen |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Lernschritt |
|---|---|
| Eigener Lösungsversuch | Selbst lösen |
| Gezielter Hinweis | Hilfe holen |
| Vergleich mit Schulmaterial | Prüfen |
| Eigene Korrektur | Verbessern |
| Erklärung ohne Chat | Lernerfolg prüfen |
Kreuzworträtsel
| Eigenleistung | Wie nennt man den Teil einer Aufgabe den Du selbst erbringst? |
| Prompt | Wie heißt eine Eingabe oder Arbeitsanweisung an eine KI? |
| Prüfung | Wie heißt der Schritt bei dem Du eine KI-Antwort kontrollierst? |
| Quelle | Was nutzt Du um eine wichtige Aussage nachzuprüfen? |
| Feedback | Wie nennt man eine Rückmeldung zu Deinem Text oder Lösungsweg? |
| Vokabeln | Was kannst Du mit einer KI einzeln abfragen und wiederholen? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Lernprompt: Formuliere aus „Mach meine Hausaufgabe“ einen Prompt, der nur einen Hinweis verlangt und eigenes Denken erhält.
- Vokabeltraining: Erstelle mit fünf selbst gewählten Vokabeln einen Ablauf für ein KI-Abfragetraining mit erstem und zweitem Versuch.
- Fehlerprüfung: Nimm eine einfache Rechnung mit einem absichtlich eingebauten Fehler und formuliere einen Prompt, bei dem die KI nur die erste falsche Stelle nennen darf.
- Reflexion: Zeichne die vier Schritte Selbst lösen, Hilfe holen, Prüfen und Verbessern als kleines Lernplakat mit je einem Symbol.
Standard
- Hausaufgabe: Dokumentiere an einer erlaubten Hausaufgabe Deinen Lernweg in vier Abschnitten und notiere zu jedem Schritt was Du selbst getan hast.
- Textfeedback: Schreibe einen Absatz von mindestens fünf Sätzen, hole nur drei Rückfragen von einer KI ein und überarbeite anschließend selbst. Markiere Deine Änderungen.
- Prüfungsvorbereitung: Erstelle aus Deinem Schulstoff zehn eigene Fragen und vergleiche sie danach mit zehn KI-Fragen. Sortiere die Fragen nach leicht, mittel und schwierig.
- Quellenprüfung: Lass Dir eine kurze Erklärung zu einem bekannten Unterrichtsthema geben und überprüfe drei Aussagen mit Schulbuch, Heft oder einer von der Lehrkraft empfohlenen Quelle.
Schwer
- Lernexperiment: Vergleiche zwei Lernwege an demselben Thema: einmal sofortige KI-Lösung und einmal SHPV-Regel. Teste Dich danach ohne Hilfsmittel und werte aus, welcher Weg Dir mehr gebracht hat.
- Prompt-Design: Entwickle drei Prompts für dieselbe Aufgabe mit verschieden starker Hilfe und begründe, welcher Prompt das meiste eigene Denken übrig lässt.
- Interview: Befrage mit Erlaubnis eine Lehrkraft oder Mitschülerinnen und Mitschüler dazu, wann KI beim Lernen hilft und wann sie Lernen verhindern kann. Fasse Gemeinsamkeiten und Unterschiede zusammen.
- Erklärvideo: Plane ein ein- bis zweiminütiges Erklärvideo für Klasse 5 mit dem Titel „KI als Lerncoach statt Abschreibmaschine“. Zeige darin mindestens einen guten Beispielchat und einen Prüfschritt.


Lernkontrolle
- Transfer Hausaufgabe: Du hast eine schwierige Aufgabe begonnen und kommst nach zwei Schritten nicht weiter. Entwirf einen vollständigen SHPV-Lernweg mit einem geeigneten Prompt und beschreibe, wie Du die KI-Antwort überprüfst.
- Transfer Textfeedback: Vergleiche die Prompts „Schreib meinen Text besser“ und „Nenne zwei unklare Stellen und stelle dazu Fragen“. Erkläre, welcher Prompt mehr Eigenleistung ermöglicht und warum.
- Transfer Vokabeln: Ein Kind liest eine Vokabelliste fünfmal und ein anderes Kind lässt sich mit Wartezeit und Wiederholungen abfragen. Entwickle eine Vermutung, welches Kind beim späteren Test besser vorbereitet sein könnte, und begründe sie.
- Transfer Prüfung: Eine KI stellt Dir zehn Fragen, aber Du liest sofort jede Musterantwort. Verändere das Training so, dass Dein eigenes Erinnern im Mittelpunkt steht.
- Transfer Quellenprüfung: Eine KI-Antwort widerspricht Deinem Heft. Beschreibe einen Prüfweg mit mindestens drei Schritten, ohne einfach eine der beiden Aussagen ungeprüft zu übernehmen.
- Transfer Fairness: In einer Aufgabe ist KI-Nutzung erlaubt, muss aber angegeben werden. Formuliere eine kurze transparente Notiz, die erklärt, wofür Du KI genutzt hast und was Du selbst gemacht hast.
- Transfer Selbstkontrolle: Entwickle einen 30-Sekunden-Test, mit dem Du nach einer KI-Hilfe feststellen kannst, ob Du das Thema wirklich verstanden hast.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du zeigen kannst, wie Du KI lernförderlich und regelgerecht einsetzt. Dazu gehören insbesondere:
- Du kannst die SHPV-Regel erklären und an einem eigenen Lernbeispiel anwenden.
- Du kannst einen eigenen Lösungsversuch vor einer KI-Hilfe dokumentieren.
- Du kannst einen Prompt formulieren, der Hinweise oder Feedback statt einer vollständigen Lösung verlangt.
- Du kannst eine KI-Antwort mit Schulmaterial oder einer zuverlässigen Quelle prüfen.
- Du kannst zeigen, welche Verbesserung Du nach der KI-Rückmeldung selbst vorgenommen hast.
- Du kannst erklären, warum Vokabeltraining, Textfeedback und Prüfungsvorbereitung eigenes Abrufen und eigenes Formulieren brauchen.
- Du kannst Datenschutz, Schulregeln, Eigenleistung und Transparenz bei der KI-Nutzung berücksichtigen.
- Du kannst am Ende ohne KI erklären, was Du gelernt hast.
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