Frottage - Kunst


Frottage - Kunst
Frottage - Kunst
Einleitung
Bei der Frottage überträgst Du die Oberflächenstruktur eines Gegenstands auf Papier. Dazu legst Du das Papier auf eine fühlbare Struktur und reibst mit einem flach gehaltenen Bleistift, einer Wachsmalkreide oder Zeichenkohle darüber. Erhabene Stellen werden sichtbar, Vertiefungen bleiben heller.

Die Technik ist einfach, schnell und überraschend. Aus Münzen, Holz, Blättern, Gittern oder Stoffen entstehen Spuren, die Du sammeln, vergleichen und zu eigenen Bildern weiterentwickeln kannst.
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du:
- Frottage erklären und sicher ausführen.
- geeignete Materialien und Oberflächen auswählen.
- Struktur, Kontrast und Komposition bewusst gestalten.
- Zufallsformen deuten und zu Bildern weiterentwickeln.
- eigene Ergebnisse beschreiben und begründet beurteilen.
Was ist eine Frottage?
Das französische Wort frotter bedeutet „reiben“. Bei einer Frottage wird ein Relief nicht abgezeichnet, sondern durch Reibung sichtbar gemacht. Das Ergebnis hängt von vier Dingen ab: Oberfläche, Papier, Zeichenmittel und Druck.

Eine Steinoberfläche erzeugt andere Spuren als eine Münze oder Baumrinde. Deshalb ist jede Frottage auch eine Untersuchung von Textur.

Frottage und Abdruck
Bei einem Abdruck berührt Farbe meist direkt den Druckstock. Bei der Frottage liegt Papier zwischen Oberfläche und Zeichenmittel. Die Struktur wird durch Reibung übertragen. Das Verfahren kann dokumentieren, aber auch frei künstlerisch eingesetzt werden.
Geschichte und Kunst
Das Abreiben von reliefartigen Oberflächen ist ein altes Verfahren. Der Künstler Max Ernst entdeckte 1925 sein künstlerisches Potenzial neu und entwickelte es für den Surrealismus weiter. Vorgefundene Maserungen regten seine Fantasie an. Er deutete die Spuren als Wälder, Tiere, Landschaften oder geheimnisvolle Wesen.

In der Mappe Histoire naturelle verband Max Ernst Frottagespuren mit zeichnerischen Ergänzungen. Wichtig war nicht nur die genaue Abbildung einer Oberfläche, sondern das Entdecken unerwarteter Bilder.

Material und Arbeitsplatz
Du brauchst dünnes Papier und ein Zeichenmittel, das seitlich reibt. Besonders geeignet sind weiche Bleistifte, Wachsmalkreiden ohne Papierhülle, Grafitblöcke und Zeichenkohle.

Geeignete Oberflächen besitzen ein deutliches, flaches Relief: Münzen, Holz, Blätter, Wellpappe, Netze, Spitzenstoff oder raue Fliesen. Nutze nur saubere, stabile und ungefährliche Gegenstände. Reibe nicht auf fremden Kunstwerken, Denkmälern, Fahrzeugen oder empfindlichen Oberflächen.


So gelingt die Frottage
- Oberfläche: Wähle eine feste, deutlich strukturierte Unterlage.
- Papier: Lege ein dünnes Blatt glatt darüber und halte es fest.
- Zeichenmittel: Entferne bei Wachsmalkreiden die Papierhülle und nutze die breite Seite.
- Reibung: Reibe gleichmäßig mit wenig Druck über die Fläche.
- Gestaltung: Verstärke ausgewählte Stellen oder ergänze Linien, Formen und Farbe.
Zu starker Druck kann das Papier zerreißen oder die Struktur verdecken. Beginne leicht und erhöhe den Druck nur langsam.
Gestaltungsmöglichkeiten
Strukturen sammeln
Lege mehrere Frottagen als Struktursammlung an. Beschrifte die Rückseite mit Fundort, Material und Zeichenmittel. So entsteht ein persönliches Oberflächenarchiv.

Formen entdecken
Drehe Deine Frottage. Suche nach Figuren, Tieren, Pflanzen, Gebäuden oder Landschaften. Ergänze nur so viel, dass die ursprüngliche Struktur sichtbar bleibt.
Komposition gestalten
Du kannst Frottagen überlagern, ausschneiden, verschieben oder als Collage anordnen. Helle und dunkle Flächen erzeugen Kontrast. Wiederholungen schaffen Rhythmus. Große und kleine Formen bestimmen die Bildwirkung.
Frottage-Werkstatt für die Schule
Gestalte ein „Strukturwesen“:
- Sammle mindestens fünf unterschiedliche Frottagen.
- Wähle drei besonders interessante Ausschnitte.
- Ordne sie zu Körper, Kopf und Umgebung.
- Ergänze wenige Linien mit Fineliner oder Bleistift.
- Gib Deinem Wesen einen Namen und beschreibe seine Eigenschaften.
Häufige Probleme und Lösungen
| Problem | Mögliche Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Die Struktur bleibt blass. | Das Zeichenmittel ist zu hart oder der Druck zu gering. | Nutze einen weicheren Stift und reibe etwas kräftiger. |
| Das Papier verrutscht. | Es wird nicht festgehalten. | Fixiere es mit einer Hand oder mit ablösbarem Klebeband. |
| Das Papier reißt. | Der Druck ist zu stark oder die Oberfläche zu spitz. | Reibe leichter und wähle eine flachere Struktur. |
| Alles wirkt gleich. | Es fehlen Unterschiede. | Wechsle Oberfläche, Farbe, Richtung und Druck. |
| Die Frottage wird verdeckt. | Zu viele Linien wurden ergänzt. | Lass größere Strukturflächen unverändert. |
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was wird bei einer Frottage sichtbar gemacht? (Die Oberflächenstruktur) (!Der Geruch eines Gegenstands) (!Das Gewicht des Papiers) (!Die Temperatur des Raumes)
Welche Handlung gehört zur Frottage? (Papier auf eine Struktur legen und darüberreiben) (!Papier in Wasser auflösen) (!Farbe durch ein Sieb sprühen) (!Ton in einer Form brennen)
Welches Zeichenmittel eignet sich besonders gut? (Ein weich geführter Bleistift) (!Ein geschlossener Füller) (!Ein leerer Klebestift) (!Eine stumpfe Schere)
Warum wird eine Wachsmalkreide seitlich gehalten? (Damit eine breite Fläche über das Papier reibt) (!Damit das Papier gefaltet wird) (!Damit die Oberfläche nass wird) (!Damit die Kreide nicht färbt)
Welcher Künstler entwickelte die Frottage ab 1925 künstlerisch weiter? (Max Ernst) (!Albrecht Dürer) (!Claude Monet) (!Piet Mondrian)
Mit welcher Kunstrichtung wird Max Ernst besonders verbunden? (Surrealismus) (!Klassizismus) (!Romanik) (!Pointillismus)
Was ist eine geeignete Frottage-Oberfläche? (Eine deutlich gemaserte Holzfläche) (!Eine bewegte Wasseroberfläche) (!Eine brennende Kerze) (!Eine frisch gestrichene Wand)
Was hilft gegen verrutschendes Papier? (Das Blatt vorsichtig festhalten) (!Das Papier vollständig zerknüllen) (!Die Oberfläche mit Wasser bedecken) (!Nur in die Luft zeichnen)
Wie entsteht in einer Frottage ein stärkerer Kontrast? (Durch bewusst helle und dunkle Bereiche) (!Durch unsichtbare Linien) (!Durch gleichmäßiges Radieren aller Flächen) (!Durch das Entfernen des Papiers)
Wie kann eine Frottage weitergestaltet werden? (Durch Zeichnung oder Collage) (!Nur durch Wegwerfen) (!Nur durch Fotografieren ohne Veränderung) (!Nur durch Falten in der Mitte)
Memory
| Frottage | Abreibung einer Oberfläche |
| Relief | Erhabene und vertiefte Form |
| Graphit | Zeichenmaterial im Bleistift |
| Textur | Sichtbare und fühlbare Beschaffenheit |
| Max Ernst | Künstler des Surrealismus |
| Kontrast | Unterschied zwischen hell und dunkel |
| Collage | Zusammensetzen verschiedener Bildelemente |
| Komposition | Anordnung im Bild |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Arbeitsschritt |
|---|---|
| Oberfläche auswählen | Eine deutliche Struktur suchen |
| Papier auflegen | Das Blatt glatt positionieren |
| Zeichenmittel neigen | Mit der breiten Seite arbeiten |
| Struktur abreiben | Gleichmäßig über die Fläche führen |
| Bild weiterentwickeln | Spuren deuten und ergänzen |
Kreuzworträtsel
| Abreiben | Welche Bewegung überträgt die Oberfläche auf das Papier? |
| Struktur | Wie nennt man den Aufbau einer Oberfläche? |
| Graphit | Welches Material befindet sich in vielen Bleistiftminen? |
| Relief | Wie heißt eine Oberfläche mit Erhöhungen und Vertiefungen? |
| Ernst | Wie lautet der Nachname des bekannten Frottage-Künstlers? |
| Surrealismus | Zu welcher Kunstrichtung wird Max Ernst gezählt? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Struktur-Fundstücke: Finde vier ungefährliche Oberflächen im Klassenraum und fertige je eine Frottage an.
- Materialvergleich: Reibe dieselbe Oberfläche mit Bleistift und Wachsmalkreide ab. Beschreibe zwei Unterschiede.
- Frottage-Farbkarte: Gestalte eine Seite mit drei Farben und drei verschiedenen Strukturen.
- Struktur-Tier: Entdecke in einer Frottage ein Tier und ergänze Augen, Beine oder Flügel.
Standard
- Oberflächenarchiv: Sammle acht Frottagen und ordne sie nach Natur, Alltag und Architektur.
- Frottage-Collage: Schneide Strukturflächen aus und gestalte daraus eine Landschaft.
- Bildanalyse: Untersuche eine Frottage nach Kontrast, Rhythmus, Fläche und Bildwirkung.
- Partnerarbeit: Tauscht Frottagen, entwickelt das fremde Blatt weiter und erklärt Eure Entscheidungen.
Schwer
- Surreales Wesen: Verbinde mindestens sechs Strukturen zu einer erfundenen Figur mit Umgebung.
- Schulweg-Projekt: Dokumentiere erlaubte Oberflächen entlang des Schulwegs mit Frottage, Notiz und Skizze.
- Technik-Experiment: Verändere Papierstärke, Druck und Zeichenmittel systematisch und werte die Ergebnisse aus.
- Ausstellungskonzept: Plane eine Klassenausstellung mit Titel, Auswahlkriterien, Beschriftungen und Besucherauftrag.


Lernkontrolle
- Materialentscheidung: Begründe, welches Papier und welches Zeichenmittel Du für eine feine Blattader wählen würdest.
- Fehleranalyse: Eine Frottage ist dunkel, flach und kaum lesbar. Erkläre mögliche Ursachen und entwickle zwei Verbesserungen.
- Bildvergleich: Vergleiche eine Münz- und eine Rindenfrottage hinsichtlich Linie, Fläche, Rhythmus und Wirkung.
- Transfer: Entwickle aus drei Alltagsstrukturen eine Bildidee zum Thema „Geheimnisvolle Stadt“.
- Kompositionsentscheidung: Begründe, wo Du helle, dunkle, große und kleine Frottageflächen in einem Bild platzierst.
- Kunstgeschichtlicher Zusammenhang: Erkläre, warum zufällig entstehende Strukturen gut zu Ideen des Surrealismus passen.
Lernnachweis
Für Deinen Lernnachweis sind wichtig:
- eine technisch saubere Sammlung verschiedener Frottagen.
- ein eigenständig gestaltetes Abschlussbild.
- erkennbare Entscheidungen zu Struktur, Kontrast und Komposition.
- eine kurze Dokumentation des Arbeitsprozesses.
- eine begründete Reflexion über Wirkung, Probleme und Lösungen.
- ein sorgfältiger und respektvoller Umgang mit Materialien und Oberflächen.
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