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Freie Texte - Pädagogik

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Freie Texte - Pädagogik




Freie Texte - Pädagogik


Einleitung

Freie Texte sind selbst gewählte und selbst verantwortete sprachliche Ausdrucksformen von Lernenden. Sie entstehen nicht primär, weil eine Lehrkraft ein einheitliches Thema vorgibt, sondern weil Schreibende etwas erzählen, untersuchen, klären, erinnern, erfinden, dokumentieren oder öffentlich mitteilen möchten. Das Konzept ist besonders mit der Freinet-Pädagogik verbunden, reicht heute aber in die Schreibdidaktik, Grundschulpädagogik, Sozialpädagogik, Erwachsenenbildung, Medienpädagogik und Hochschuldidaktik hinein.

Dieser aiMOOC richtet sich an Studierende des Studienfachs Pädagogik, an Lehramtsstudierende sowie an pädagogische Fachkräfte. Du untersuchst den Freien Text als pädagogische Praxis, als didaktisches Arrangement und als Ausdruck eines bestimmten Menschenbildes. Dabei geht es nicht nur um Schreibtechniken, sondern um Partizipation, Autonomie, Subjektorientierung, Demokratiepädagogik, Sprachbildung, Inklusion und die Frage, wie Lernende zu Autorinnen und Autoren ihrer eigenen Bildungsprozesse werden können.

Freies Schreiben als konzentrierte und selbstbestimmte Tätigkeit
Freies Schreiben als konzentrierte und selbstbestimmte Tätigkeit

Ein Freier Text kann eine Erinnerung, eine Beobachtung, ein Brief, ein Gedicht, ein Bericht, eine Fantasiegeschichte, ein Sachtext, ein Interview, eine Stellungnahme, eine digitale Reportage oder eine mehrsprachige Erzählung sein. Entscheidend ist nicht die Textsorte, sondern der Grad an Autorschaft: Lernende entscheiden wesentlich über Gegenstand, Perspektive, Aussageabsicht, Form und mögliche Veröffentlichung.

Leitfrage des Kurses: Wie kann eine pädagogische Umgebung gestaltet werden, in der freie Texte persönliche Ausdrucksräume öffnen, fachliches Lernen anregen und zugleich Schutz, Verbindlichkeit und sprachliche Entwicklung gewährleisten?

Beobachtungsauftrag zum Video: Achte darauf, wie freies Schreiben, Schriftspracherwerb und die Anerkennung individueller Schreibwege miteinander verbunden werden. Notiere anschließend zwei pädagogische Chancen und eine offene Frage.


Lernziele

Nach der Bearbeitung dieses aiMOOCs kannst Du den Begriff Freier Text fachlich bestimmen und von freiem Schreiben, kreativem Schreiben, Freewriting und traditionellem Schulaufsatz unterscheiden. Du kannst die Praxis historisch in die Reformpädagogik einordnen, einen pädagogisch begründeten Schreibprozess planen, Rückmeldungen lernförderlich gestalten, Fragen von Macht und Bewertung reflektieren und das Konzept auf analoge, digitale, inklusive sowie hochschulische Lernumgebungen übertragen.


Begriff und pädagogische Grundidee


Was macht einen Text frei?

Das Wort frei bezeichnet keine völlige Regellosigkeit. Pädagogische Lernräume besitzen immer Rahmenbedingungen: verfügbare Zeit, Rechte anderer Personen, institutionelle Vorgaben, Datenschutz, Schutz vor Bloßstellung und gemeinsame Kommunikationsregeln. Freiheit meint deshalb einen substanziellen Entscheidungsspielraum innerhalb eines transparenten und verantwortbaren Rahmens.

Ein Freier Text weist typischerweise mehrere Merkmale auf:

Dimension Pädagogische Bedeutung
Themenfreiheit Die schreibende Person wählt ein Anliegen aus ihrer Lebenswelt, ihren Interessen oder ihren Fragen.
Ausdrucksfreiheit Form, Stimme, Sprache, Textsorte und Gestaltung können mitbestimmt werden.
Prozessfreiheit Schreibtempo, Hilfsmittel, Partnerarbeit und Überarbeitungswege werden teilweise selbst gesteuert.
Verfügungsrecht Die Autorin oder der Autor entscheidet grundsätzlich, ob ein Text privat bleibt, vorgelesen, beraten oder veröffentlicht wird.
Authentische Kommunikation Der Text kann sich an reale Adressatinnen und Adressaten richten und eine tatsächliche Mitteilungsabsicht verfolgen.
Verantwortung Freiheit wird mit Rücksicht, Wahrhaftigkeit, Urheberrecht, Datenschutz und dem Schutz beteiligter Personen verbunden.

Der Freie Text ist damit zugleich Produkt und Prozess. Als Produkt ist er ein sprachliches Werk. Als Prozess umfasst er Themenfindung, Entwurf, Austausch, Überarbeitung, Veröffentlichung und Reflexion. Seine pädagogische Qualität hängt weniger davon ab, dass Lernende einfach „machen dürfen, was sie wollen“, sondern davon, ob sie als handlungsfähige Subjekte ernst genommen werden.


Abgrenzung verwandter Konzepte

Konzept Schwerpunkt Unterschied zum Freien Text
Freewriting Ununterbrochenes Schreiben für eine begrenzte Zeit Dient häufig der Ideenproduktion; Veröffentlichung und selbst gewählte kommunikative Funktion sind nicht zwingend.
Kreatives Schreiben Literarische, spielerische und imaginative Verfahren Kann durch feste Impulse stark angeleitet sein; ein Freier Text kann kreativ sein, muss es aber nicht.
Schulaufsatz Erfüllung einer meist vorgegebenen Schreibaufgabe Thema, Textsorte, Adressat und Bewertung werden häufig von der Lehrkraft festgelegt.
Lerntagebuch Reflexion von Lernwegen Hat meist eine klar definierte metakognitive Funktion; es kann jedoch als Freier Text gestaltet werden.
Freiarbeit Selbstständige Organisation von Lernhandlungen Bezeichnet ein umfassenderes Unterrichtsarrangement, in dem Freie Texte eine mögliche Arbeitstechnik sind.

Die Übergänge sind fließend. Eine Aufgabe kann mehr oder weniger frei sein. Pädagogisch sinnvoll ist daher keine starre Einteilung, sondern die Analyse konkreter Entscheidungsräume: Wer entscheidet worüber, zu welchem Zeitpunkt und mit welchen Folgen?


Historische Wurzeln


Célestin und Élise Freinet

Der französische Reformpädagoge Célestin Freinet entwickelte seit den 1920er-Jahren gemeinsam mit Élise Freinet und kooperierenden Lehrkräften eine stark praxisorientierte Schulbewegung. Im Mittelpunkt standen selbsttätiges Lernen, Klassenkooperation, Erkundungen, Korrespondenz, Druckerei, Klassenzeitung, Arbeitspläne und der freie Ausdruck der Kinder.

Célestin Freinet
Célestin Freinet

Freinet setzte in seiner Dorfschule eine kleine Druckpresse ein, damit Texte von Kindern nicht nur als Übungen für die Lehrkraft entstanden. Die Texte konnten gesetzt, vervielfältigt, illustriert, gesammelt und mit anderen Klassen ausgetauscht werden. Dadurch erhielten Schreiben und Lesen eine sichtbare soziale Funktion. Der gedruckte Text wurde nicht als unantastbares Produkt von Erwachsenen erlebt, sondern als etwas, das Kinder selbst herstellen, prüfen und verbreiten konnten.

Reflexionsimpuls: Untersuche, welche Rolle Druckpresse, Klassenrat und freie Arbeit im dargestellten pädagogischen Gesamtzusammenhang spielen. Vermeide es, die Freinet-Pädagogik auf eine einzelne Methode zu reduzieren.


Die Schuldruckerei als pädagogisches Medium

Die Schuldruckerei verband Sprache, Handwerk, Ästhetik und Kooperation. Beim Handsatz musste jeder Buchstabe ausgewählt, in eine Zeile eingeordnet, geprüft und anschließend gedruckt werden. Fehler wurden materiell sichtbar. Zugleich entstand ein Produkt, das ein reales Publikum erreichen konnte.

Arbeit an einer Freinet-Druckerei
Arbeit an einer Freinet-Druckerei
Bewegliche Lettern als Material des Handsatzes
Bewegliche Lettern als Material des Handsatzes

Die Druckerei war nicht bloß ein technisches Gerät. Sie veränderte die soziale Ordnung des Unterrichts: Texte wurden ausgewählt, Aufgaben verteilt, Ergebnisse gemeinsam verantwortet und öffentlich gemacht. Das verlangsamte den Schreibprozess und machte ihn als Abfolge von Entscheidungen erfahrbar. In digitalen Lernumgebungen können Blogs, Podcasts, Wikis, digitale Magazine oder Klassenwebseiten ähnliche Veröffentlichungsfunktionen übernehmen. Die technische Leichtigkeit digitaler Publikation ersetzt jedoch nicht die pädagogische Verantwortung für Auswahl, Zustimmung, Datenschutz und Qualität.


Freier Text, Klassenzeitung und Korrespondenz

In der Freinet-Pädagogik bildeten Freier Text, Klassenzeitung und Klassenkorrespondenz einen Zusammenhang. Ein persönlicher Text konnte zum Gesprächsanlass werden, gemeinsam bearbeitet, gedruckt und an eine Partnerklasse verschickt werden. Die Antwort der anderen Klasse erzeugte eine echte Kommunikationssituation. Lesen und Schreiben dienten damit nicht nur der Leistungskontrolle, sondern dem sozialen Austausch.

Klassenübergreifende Kommunikation in digitaler Form
Klassenübergreifende Kommunikation in digitaler Form

Die historische Klassenkorrespondenz lässt sich heute durch internationale Lernpartnerschaften erweitern. Pädagogisch entscheidend bleibt, dass Kommunikation nicht simuliert wird. Lernende brauchen ein nachvollziehbares Gegenüber, auf dessen Fragen, Interessen und Rückmeldungen sie eingehen können.


Internationale Bewegung

Freinet-Pädagogik entwickelte sich zu einer internationalen Bewegung. Dabei wurden die Grundideen in unterschiedlichen Ländern, Schulformen und gesellschaftlichen Kontexten verschieden interpretiert. Diese Vielfalt erinnert daran, dass pädagogische Konzepte nicht mechanisch übertragen werden können. Sie müssen auf Sprache, Kultur, institutionelle Bedingungen und die Rechte der Lernenden bezogen werden.

Länder mit Freinet-Bewegungen in einer historischen Übersicht
Länder mit Freinet-Bewegungen in einer historischen Übersicht


Pädagogische Begründungen


Subjektorientierung und Autorschaft

Subjektorientierung bedeutet, Lernende nicht bloß als Empfängerinnen und Empfänger geplanter Inhalte zu behandeln. Im Freien Text werden ihre Erfahrungen, Fragen und Deutungen zum Ausgangspunkt von Bildung. Die schreibende Person erhält eine Stimme und kann auswählen, was sie mitteilen möchte.

Autorschaft umfasst dabei mehr als das Verfassen von Sätzen. Sie schließt das Recht ein, eine Perspektive einzunehmen, Entscheidungen zu begründen, Rückmeldungen anzunehmen oder abzulehnen, Veränderungen vorzunehmen und über die Veröffentlichung zu entscheiden. Pädagogisch problematisch wäre es, Themenfreiheit zu versprechen und anschließend jeden Text ohne Zustimmung öffentlich vorzulesen oder nach einem starren Fehlermaßstab zu bewerten.


Lebensweltorientierung

Freie Texte können Erfahrungen aus Familie, Freizeit, Medien, Arbeit, Migration, Freundschaft, Natur, Konflikten oder Zukunftsvorstellungen aufnehmen. Lebensweltorientierung bedeutet jedoch nicht, dass Lernende intime Erlebnisse offenlegen müssen. Auch erfundene Figuren, Sachfragen und Beobachtungen können lebensweltlich bedeutsam sein.

Eine professionelle Pädagogik schützt das Recht auf Nicht-Mitteilung. Niemand darf gezwungen werden, belastende, familiäre oder private Inhalte zu veröffentlichen. Alternativen wie fiktionales Schreiben, anonymisierte Texte, gemeinsames Schreiben oder rein sachbezogene Themen erhalten die Freiheit der Beteiligten.


Selbstbestimmung und Selbstwirksamkeit

Durch eigene Entscheidungen können Lernende erleben, dass ihre Ideen Wirkung entfalten. Ein Text wird verstanden, löst Fragen aus, verändert eine Klassenregel, informiert eine Öffentlichkeit oder verbindet Menschen. Solche Erfahrungen können Selbstwirksamkeit fördern. Das gelingt aber nicht automatisch. Überforderung, fehlende Unterstützung, sprachliche Unsicherheit oder öffentliche Beschämung können den gegenteiligen Effekt haben.

Pädagogische Freiheit benötigt daher Scaffolding: Wortlisten, Beispiele, Vorlesefunktionen, Schreibgespräche, Visualisierungen, Wörterbücher, Satzanfänge, Rückzugsmöglichkeiten und freiwillige Kooperationsangebote. Unterstützung erweitert Handlungsmöglichkeiten, ohne die Autorschaft zu übernehmen.


Kooperation und demokratische Erfahrung

Freie Texte werden häufig in Schreibkonferenzen, Redaktionsgruppen oder im Klassenrat besprochen. Lernende üben, zuzuhören, Fragen zu stellen, Unterschiede auszuhalten und Entscheidungen transparent zu treffen. Dadurch kann Schreiben zu einem Feld demokratischer Erfahrung werden.

Demokratie entsteht jedoch nicht allein dadurch, dass abgestimmt wird. Eine Mehrheit darf nicht über private Texte, persönliche Würde oder Schutzrechte verfügen. Pädagogische Mitbestimmung braucht deshalb unverfügbare Rechte: freiwillige Veröffentlichung, respektvolle Rückmeldung, Schutz personenbezogener Daten und die Möglichkeit, einen Text zurückzuziehen.

Analysiere das Video unter den Gesichtspunkten Inklusion, Beteiligung und Lehrerrolle. Welche beobachtbaren Praktiken unterstützen Teilhabe? Wo bleiben Fragen offen?


Sprache als Mittel des Denkens

Beim Schreiben werden Erfahrungen geordnet, Zusammenhänge hergestellt und Begriffe präzisiert. Ein Freier Text kann daher nicht nur Sprachlernen, sondern auch fachliches Lernen unterstützen. Ein Beobachtungstext über ein Experiment, eine Reportage zu einem Stadtteil oder eine Stellungnahme zu einer pädagogischen Kontroverse verbindet Ausdruck mit Erkenntnis.

Fehler sind dabei diagnostische Hinweise auf den gegenwärtigen Entwicklungsstand. Eine lernförderliche Begleitung trennt zunächst die kommunikative Ebene von der sprachlichen Überarbeitung: Was möchte der Text sagen? und anschließend Wie kann diese Aussage für das beabsichtigte Publikum verständlicher und sprachlich genauer werden?


Der pädagogische Schreibprozess


Von der Idee zur Veröffentlichung

Ein Freier Text muss nicht immer alle folgenden Phasen durchlaufen. Das Modell macht jedoch sichtbar, an welchen Stellen pädagogische Entscheidungen erforderlich sind.

Phase Handlung der Lernenden Pädagogische Aufgabe
Resonanz und Themenfindung Erfahrungen, Beobachtungen, Fragen oder Fantasien werden als Schreibanlass wahrgenommen. Vielfältige Impulse, Zeit, Material und eine wertschätzende Atmosphäre bereitstellen.
Entwurf Eine erste Fassung entsteht, ohne dass jeder Satz sofort normgerecht sein muss. Schreibfluss schützen und bei Bedarf passende Hilfen anbieten.
Autorenentscheidung Die schreibende Person entscheidet, ob der Text privat bleibt oder geteilt wird. Freiwilligkeit und Verfügungsrecht ausdrücklich sichern.
Resonanzgespräch Zuhörende äußern Verständnisfragen, Wirkungen und Interessen. Regeln für respektvolle, konkrete und textbezogene Rückmeldung etablieren.
Überarbeitung Inhalt, Aufbau, Sprache, Gestaltung oder Rechtschreibung werden gezielt verändert. Prioritäten vereinbaren und Überforderung durch vollständige Fehlerkorrektur vermeiden.
Redaktion Text und Medium werden für ein Publikum vorbereitet. Datenschutz, Einwilligung, Quellen, Urheberrecht und Barrierefreiheit prüfen.
Veröffentlichung Der Text wird vorgelesen, ausgestellt, gedruckt oder digital geteilt. Einen realen, sicheren und passenden Kommunikationsraum gestalten.
Reflexion Lernende betrachten Wirkung, Entscheidungen und nächsten Lernschritt. Metakognitive Fragen stellen und individuelle Entwicklung dokumentieren.


Themenfindung ohne Themenzwang

Offenheit bedeutet nicht, Lernende mit einem leeren Blatt allein zu lassen. Pädagogische Fachkräfte können Angebote machen: Gegenstände, Bilder, Geräusche, Fundstücke, Exkursionen, Gesprächsrunden, Fragenboxen, Bücher, Nachrichten, Experimente oder biografische Zeitlinien. Ein Angebot bleibt frei, wenn es mehrere Zugänge ermöglicht und abgelehnt werden darf.

Hilfreiche Fragen sind: Was beschäftigt Dich? Was hast Du beobachtet? Worüber wunderst Du Dich? Wem möchtest Du etwas mitteilen? Welche Geschichte fehlt? Was sollte sich verändern? Welche Frage möchtest Du untersuchen?


Textkonferenz und Resonanz

Eine Textkonferenz ist keine öffentliche Fehlersuche. Sie unterstützt die Autorin oder den Autor dabei, die Wirkung des Textes zu verstehen und selbst über Änderungen zu entscheiden. Eine mögliche Gesprächsstruktur lautet:

Schritt Leitfrage
Wahrnehmen Was habe ich verstanden, gesehen, gefühlt oder gedacht?
Würdigen Welche Stelle wirkt besonders klar, überraschend oder bedeutsam?
Nachfragen Wo möchte ich mehr erfahren oder genauer verstehen?
Beraten Welche Veränderung könnte das beabsichtigte Ziel unterstützen?
Entscheiden Welche Hinweise übernimmt die Autorin oder der Autor?

Rückmeldungen sollten konkret, begründet und dosiert sein. Aussagen wie „Das ist schlecht“ oder das vollständige Umschreiben durch Erwachsene schwächen Autorschaft. Hilfreicher sind Beobachtungen wie: „An dieser Stelle weiß ich noch nicht, wer spricht“ oder „Der Schluss verändert meine Sicht auf den Anfang“.


Überarbeitung und sprachliche Normen

Freie Texte schließen Rechtschreibung, Grammatik und stilistische Genauigkeit nicht aus. Entscheidend sind Zeitpunkt, Umfang und Zweck der Korrektur. Während der ersten Fassung kann sprachliche Kontrolle den Ausdrucksfluss hemmen. Vor einer Veröffentlichung gewinnt Normorientierung an Bedeutung, weil Verständlichkeit und Verantwortung gegenüber dem Publikum steigen.

Eine ausgewogene Überarbeitung kann drei Ebenen unterscheiden:

  1. Inhalt: Ist die Aussage nachvollziehbar, relevant und ausreichend entwickelt?
  2. Textstruktur: Unterstützen Reihenfolge, Übergänge und Überschrift das Verständnis?
  3. Sprachrichtigkeit: Welche ausgewählten sprachlichen Aspekte werden jetzt gezielt verbessert?

Nicht jeder Fehler muss in jeder Fassung bearbeitet werden. Pädagogisch sinnvoll ist eine Auswahl, die zum Entwicklungsstand, Lernziel und Veröffentlichungszweck passt.


Veröffentlichung und Öffentlichkeit

Veröffentlichung kann motivieren, Anerkennung ermöglichen und Kommunikation herstellen. Sie erzeugt zugleich Risiken. Texte können personenbezogene Informationen enthalten, andere verletzen oder später außerhalb des beabsichtigten Kontexts verbreitet werden.

Vor einer Veröffentlichung sind mindestens folgende Fragen zu klären: Hat die Autorin oder der Autor ausdrücklich zugestimmt? Sind weitere Personen erkennbar? Wurden Bilder, Musik und Quellen rechtmäßig verwendet? Ist das Medium für die Zielgruppe geeignet? Kann der Text später gelöscht oder zurückgezogen werden? Ist eine pseudonyme oder klasseninterne Veröffentlichung sinnvoller?


Rolle der pädagogischen Fachkraft


Von der Themenvergabe zur Lernbegleitung

Die Lehrkraft oder pädagogische Fachkraft verschwindet im offenen Unterricht nicht. Ihre Rolle verändert sich. Sie beobachtet, diagnostiziert, strukturiert, schützt, berät und eröffnet Zugänge. Sie sorgt dafür, dass Freiheit nicht nur von sprachlich starken, selbstsicheren oder technisch gut ausgestatteten Lernenden genutzt werden kann.

Professionelle Lernbegleitung umfasst die Gestaltung von Zeit und Raum, die Bereitstellung differenzierter Hilfen, die Moderation von Rückmeldungen, den Schutz persönlicher Grenzen, die Anbahnung fachlicher Lernziele und die Reflexion eigener Macht.


Pädagogische Macht und das Paradox der Freiwilligkeit

Auch eine scheinbar offene Aufforderung kann Druck erzeugen. Wenn Lehrende fragen: „Wer möchte seinen Text vorlesen?“ und Schweigen sichtbar missbilligen, ist die Entscheidung nicht wirklich frei. Ebenso kann eine Note die Themenwahl indirekt steuern. Lernende schreiben dann nicht, was sie ausdrücken möchten, sondern was vermutlich positiv bewertet wird.

Für die Analyse eignet sich das Entscheidungsrechte-Modell:

Entscheidung Mögliche Zuständigkeit
Thema Primär die schreibende Person
Beratung Freiwillige Wahl zwischen Einzelberatung, Peer-Feedback und keiner Beratung
Veröffentlichung Autorin oder Autor mit Schutzprüfung durch die pädagogische Fachkraft
Sprachliches Lernziel Aushandlung zwischen individuellen Bedürfnissen und curricularen Anforderungen
Bewertung Transparente Kriterien, Selbstbeurteilung und formative Rückmeldung


Rückmeldung, Diagnose und Bewertung


Formative Rückmeldung

Formatives Assessment dient dem nächsten Lernschritt. Statt einen Text abschließend zu etikettieren, beschreibt die Rückmeldung, was bereits gelingt, welche Wirkung entsteht und welcher begrenzte Entwicklungsschritt sinnvoll ist.

Ein mögliches Rückmeldeformat lautet: Stärke – Wirkung – Frage – nächster Schritt. Beispiel: „Die konkrete Beobachtung am Anfang macht die Situation anschaulich. Ich frage mich, warum die Figur später ihre Meinung ändert. Ergänze eine Stelle, die diesen Wandel nachvollziehbar macht.“


Portfolio und Entwicklungsdokumentation

Ein Portfolio eignet sich besonders, weil es mehrere Fassungen, unterschiedliche Textsorten, Selbstreflexionen und ausgewählte Veröffentlichungen zusammenführt. Entwicklung wird sichtbar, ohne jeden spontanen Text zu benoten. Lernende können begründen, welche Texte sie aufnehmen und woran sie weiterarbeiten möchten.

Mögliche Kriterien sind kommunikative Klarheit, inhaltliche Entwicklung, adressatengerechte Gestaltung, bewusste Überarbeitung, sprachliche Genauigkeit im vereinbarten Schwerpunkt und reflektierter Umgang mit Rückmeldungen.


Notengebung als Spannungsfeld

Eine summative Bewertung kann die Freiheit des Schreibens einschränken. Wird jeder Freie Text benotet, entstehen strategische Themenwahl, Fehlervermeidung und Anpassung an vermutete Erwartungen. Vollständig bewertungsfreie Räume sind deshalb pädagogisch wertvoll.

Wo institutionell Noten erforderlich sind, können Lernende aus mehreren Texten ein Werkstück auswählen, es gezielt überarbeiten und den Prozess dokumentieren. Bewertet wird dann nicht die persönliche Erfahrung, sondern die nach transparenten Kriterien sichtbare Schreib- und Reflexionsleistung.


Inklusion, Mehrsprachigkeit und Schutz


Mehrsprachige Autorschaft

Freie Texte können in der Familiensprache, in mehreren Sprachen, mit Zeichnungen, Symbolen, Audio oder unterstützter Kommunikation entstehen. Mehrsprachigkeit ist dabei keine Abweichung, sondern eine Ressource. Übersetzungen können gemeinsam erstellt, Sprachversionen verglichen und unterschiedliche Ausdrucksmöglichkeiten sichtbar gemacht werden.

Die Unterrichtssprache bleibt ein Lerngegenstand. Sie muss aber nicht die einzige zulässige Sprache der ersten Fassung sein. Mehrsprachiges Planen oder Erzählen kann fachliche und persönliche Ausdrucksmöglichkeiten erweitern.


Barrierearme Zugänge

Nicht alle Lernenden schreiben mit Stift oder Tastatur. Sprachaufnahme, Diktierfunktion, Symbolkarten, Gebärdenvideos, Partnerdiktat, adaptive Tastaturen und Vorlesesoftware können Autorschaft ermöglichen. Entscheidend ist, dass Unterstützung nicht mit Fremdbestimmung verwechselt wird.

Teilhabe an Bildung und schriftsprachlicher Kommunikation
Teilhabe an Bildung und schriftsprachlicher Kommunikation

Ein inklusiver Freier Text fragt nicht zuerst: „Kann diese Person selbstständig schreiben?“, sondern: „Über welche Ausdruckswege kann diese Person eigene Bedeutungen gestalten und kontrollieren?“


Sensible und belastende Inhalte

Freie Texte können Hinweise auf Gewalt, Angst, Ausgrenzung oder andere Belastungen enthalten. Pädagogische Fachkräfte dürfen solche Texte weder ignorieren noch vorschnell therapeutisch deuten. Sie müssen nach institutionellen Schutzkonzepten handeln, Vertraulichkeit erklären, Grenzen der Vertraulichkeit transparent machen und bei ernsthaften Gefährdungshinweisen qualifizierte Unterstützung einbeziehen.

Der Schreibraum ist kein Ersatz für Therapie. Er kann Ausdruck ermöglichen, darf aber nicht dazu genutzt werden, persönliche Offenlegung zu erzwingen.


Digitale freie Texte und Künstliche Intelligenz


Digitale Publikationsformen

Digitale Medien erweitern den Freien Text um Hyperlinks, Bilder, Audio, Video, Animation und kollaborative Bearbeitung. Mögliche Formate sind Blog, Wiki, Podcastskript, digitales Buch, Erklärvideo, interaktive Reportage oder Online-Zeitung.

Digitale Gestaltung sollte nicht nur technisch attraktiv sein. Sie muss eine pädagogische Funktion erfüllen: Verständlichkeit erhöhen, eine passende Öffentlichkeit erreichen, Kooperation ermöglichen oder unterschiedliche Ausdrucksformen verbinden.


Datenschutz und digitale Dauerhaftigkeit

Digitale Texte sind leicht kopierbar und schwer kontrollierbar. Daher sollte zwischen privatem Entwurf, geschütztem Kursraum, schulinterner Öffentlichkeit und offenem Internet unterschieden werden. Je größer die Öffentlichkeit, desto höher sind Anforderungen an Einwilligung, Anonymisierung, Urheberrecht und redaktionelle Prüfung.


KI als Schreibwerkzeug

Künstliche Intelligenz kann Ideen strukturieren, Formulierungsvarianten anbieten, Übersetzungen unterstützen oder Rückfragen simulieren. Sie kann jedoch Autorschaft verdecken, persönliche Daten verarbeiten, stereotype Inhalte erzeugen und erfundene Informationen liefern.

Für Freie Texte gilt deshalb ein Autorschaftsprinzip: Die lernende Person muss zentrale Aussagen, Perspektive und Entscheidungen selbst verantworten. KI-Nutzung wird transparent dokumentiert. Vorschläge werden geprüft, verändert oder verworfen. Ein vollständig generierter Text, den die lernende Person weder versteht noch verantwortet, erfüllt den pädagogischen Sinn des Freien Textes nicht.

Prüfauftrag: Unterscheide im Video zwischen sinnvoller Unterstützung des Schreibprozesses und einer Verlagerung der Autorschaft auf das technische System. Formuliere anschließend drei Regeln für eine pädagogisch verantwortete KI-Schreibwerkstatt.


Umsetzung in pädagogischen Handlungsfeldern


Kindertageseinrichtung und Grundschule

Jüngere Kinder können Geschichten diktieren, Bilder beschriften, Erlebnisse erzählen, Klangfolgen aufnehmen oder gemeinsam Klassenbücher erstellen. Pädagogische Fachkräfte schreiben Gesagtes sichtbar auf und lesen es zurück. So erfahren Kinder den Zusammenhang von gesprochener und geschriebener Sprache.

Ein fester Schreibplatz, frei zugängliche Materialien, eine Geschichtenwand und regelmäßige Vorlesezeiten unterstützen die Praxis. Veröffentlichung bleibt freiwillig.


Sekundarstufe

In der Sekundarstufe können Freie Texte biografische, journalistische, literarische und fachliche Formen annehmen. Besonders produktiv sind Verbindungen mit Projektunterricht, forschendem Lernen, lokaler Geschichte, gesellschaftlichen Kontroversen und Medienproduktion.

Fachliche Anforderungen werden nicht aufgegeben, sondern in authentische Schreibsituationen integriert. Ein freier Kommentar benötigt beispielsweise Argumente, Belege, Adressatenbezug und sprachliche Präzision.


Sozialpädagogik und Jugendarbeit

In der Jugendarbeit können Zines, Raptexte, Blogs, Podcasts oder Stadtteilreportagen Räume für Selbstpositionierung schaffen. Freiwilligkeit und Schutz sind hier besonders wichtig, weil pädagogische Beziehungen nicht durch schulische Leistungspflichten geprägt sein sollten.


Erwachsenenbildung und Hochschule

In Seminaren können Studierende freie Theorieessays, Lernjournale, Fallvignetten oder wissenschaftsnahe Reflexionen verfassen. Freiheit bedeutet hier nicht den Verzicht auf fachliche Begründung. Vielmehr wählen Studierende eine eigene Fragestellung und verbinden sie mit Begriffen, Theorien und empirischen Befunden.

Für das Studienfach Pädagogik eignet sich ein Theorie-Praxis-Portfolio: Du dokumentierst einen selbst gewählten pädagogischen Fall, entwickelst eine Fragestellung, analysierst ihn mit mindestens zwei theoretischen Perspektiven und reflektierst Deine eigene Position.


Chancen und Grenzen


Pädagogische Chancen

Freie Texte können Ausdruck, Motivation, Sprachbewusstsein, Reflexion, Selbstwirksamkeit und Kooperation unterstützen. Sie ermöglichen der pädagogischen Fachkraft Einblicke in Interessen und Denkwege. Durch echte Adressatinnen und Adressaten kann Schreiben als soziale Handlung erfahrbar werden.

Diese Wirkungen sind keine automatische Folge der Methode. Sie hängen von Beziehungsqualität, Zeit, Unterstützung, Rückmeldekultur, Schutzrechten und Passung zur Lerngruppe ab.


Risiken und kritische Einwände

Offene Schreibaufgaben können Lernende überfordern, soziale Unterschiede verstärken oder private Offenlegung begünstigen. Sprachlich sichere Personen erhalten häufig mehr Anerkennung. Öffentliche Textauswahl kann Hierarchien erzeugen. Eine romantische Vorstellung kindlicher Spontaneität kann systematische Sprachförderung vernachlässigen.

Professionelle Praxis verbindet deshalb Freiheit mit Struktur, individuellem Scaffolding, expliziter Sprachreflexion, freiwilliger Veröffentlichung und kritischer Beobachtung von Machtverhältnissen.


Qualitätskriterien

Qualitätsbereich Prüffrage
Autorschaft Trifft die schreibende Person wesentliche Entscheidungen selbst?
Zugänglichkeit Können Lernende mit unterschiedlichen sprachlichen und körperlichen Voraussetzungen teilnehmen?
Schutz Sind Privatheit, Einwilligung und Rückzugsmöglichkeiten gesichert?
Resonanz Erhalten Texte aufmerksame, konkrete und respektvolle Rückmeldung?
Lernwirksamkeit Werden nächste fachliche oder sprachliche Lernschritte erkennbar?
Öffentlichkeit Gibt es ein passendes reales Publikum und eine verantwortbare Publikationsform?
Reflexion Werden Entscheidungen, Wirkungen und Machtverhältnisse gemeinsam untersucht?


Fallbeispiel für das Pädagogikstudium

Eine Seminargruppe plant mit einer achten Klasse ein digitales Magazin. Die Jugendlichen dürfen Themen selbst wählen. Einige schreiben über Musik, andere über Rassismuserfahrungen, Schulessen oder Computerspiele. Die Lehrkraft verlangt, dass jeder Text öffentlich auf der Schulwebseite erscheint und benotet wird.

Aus pädagogischer Sicht enthält das Projekt echte Themenfreiheit, aber problematische Bedingungen. Die verpflichtende Öffentlichkeit verletzt das Verfügungsrecht der Autorinnen und Autoren. Die Benotung kann Themenwahl und Offenheit beeinflussen. Sensible Inhalte erfordern Schutz und Beratung. Eine tragfähige Alternative wäre eine Wahl zwischen privatem Portfolio, kursinterner Veröffentlichung und öffentlichem Magazin. Für eine Benotung könnten die Jugendlichen ein selbst ausgewähltes Werkstück überarbeiten und ihre Entscheidungen reflektieren.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was kennzeichnet einen Freien Text im pädagogischen Sinn am deutlichsten? (Die schreibende Person verfügt über wesentliche Entscheidungen zu Thema Ausdruck und Veröffentlichung) (!Der Text enthält keine sprachlichen Regeln) (!Der Text wird ohne Rückmeldung sofort benotet) (!Der Text muss eine Fantasiegeschichte sein)




Wodurch unterscheidet sich ein Freier Text typischerweise von Freewriting? (Er kann auf selbstbestimmte Kommunikation und Veröffentlichung ausgerichtet sein) (!Er muss immer genau zehn Minuten dauern) (!Er darf niemals überarbeitet werden) (!Er wird ausschließlich von Erwachsenen verfasst)




Welche Funktion hatte die Schuldruckerei in der Freinet-Pädagogik? (Sie verband freien Ausdruck Kooperation Überarbeitung und reale Veröffentlichung) (!Sie ersetzte jede Form des Gesprächs) (!Sie diente ausschließlich der Benotung) (!Sie verhinderte den Austausch zwischen Klassen)




Welche Rolle übernimmt eine pädagogische Fachkraft bei Freien Texten? (Sie gestaltet Rahmen Schutz Unterstützung und lernförderliche Rückmeldung) (!Sie greift grundsätzlich nie ein) (!Sie bestimmt jeden Satz des Textes) (!Sie veröffentlicht alle Texte ohne Rückfrage)




Was bedeutet das Verfügungsrecht der Autorin oder des Autors? (Die schreibende Person entscheidet grundsätzlich über Teilen Beratung und Veröffentlichung) (!Die Klasse darf jeden privaten Text veröffentlichen) (!Die Lehrkraft erhält automatisch alle Nutzungsrechte) (!Jeder Entwurf muss dauerhaft online bleiben)




Was ist das zentrale Ziel einer Textkonferenz? (Die Autorin oder den Autor durch konkrete Resonanz bei eigenen Überarbeitungsentscheidungen zu unterstützen) (!Alle Fehler möglichst öffentlich zu markieren) (!Den Text durch einen besseren Text der Lehrkraft zu ersetzen) (!Eine Rangliste der Schreibenden zu erstellen)




Welche Bewertungspraxis passt besonders gut zu Freien Texten? (Ein Portfolio mit ausgewählten Fassungen Selbstreflexion und transparenter Rückmeldung) (!Eine Note für jeden spontanen Entwurf) (!Eine Bewertung der persönlichen Erfahrung) (!Eine geheime Beurteilung ohne Kriterien)




Wie kann Mehrsprachigkeit beim Freien Text berücksichtigt werden? (Planung Entwurf und Veröffentlichung können mehrere Sprachen und Ausdrucksformen verbinden) (!Nur die dominante Unterrichtssprache darf für Ideen genutzt werden) (!Übersetzungen sind grundsätzlich verboten) (!Mehrsprachige Texte werden nicht als Autorschaft anerkannt)




Welche Regel ist für KI-gestützte Freie Texte besonders wichtig? (Die lernende Person verantwortet Aussage und Entscheidungen und dokumentiert die KI-Nutzung) (!Jeder KI-Vorschlag muss unverändert übernommen werden) (!Quellenprüfung ist bei KI-Texten unnötig) (!Persönliche Daten sollen möglichst vollständig eingegeben werden)




Welche Aussage beschreibt eine zentrale Grenze Freier Texte? (Offenheit kann ohne Scaffolding Schutz und transparente Rechte überfordern oder Ungleichheit verstärken) (!Freie Texte benötigen niemals Zeit) (!Freie Texte schließen sprachliches Lernen aus) (!Freie Texte sind nur in der Grundschule möglich)





Memory

Freier Text selbstbestimmte Autorschaft
Schuldruckerei materielle Veröffentlichung
Textkonferenz lernförderliche Resonanz
Klassenkorrespondenz authentische Adressaten
Portfolio dokumentierte Entwicklung
Scaffolding unterstützende Lernhilfe
Verfügungsrecht Entscheidung über Veröffentlichung
Klassenrat demokratische Aushandlung





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Pädagogische Funktion
Themenfindung Interessen und Fragen wahrnehmen
Entwurf Ausdruck zunächst entfalten
Textkonferenz Resonanz und Nachfragen erhalten
Überarbeitung Aussage und Gestaltung präzisieren
Redaktion Schutz und Publikationsreife prüfen
Veröffentlichung Ein reales Publikum erreichen
Reflexion Entscheidungen und Lernwege auswerten






Kreuzworträtsel

Freinet Welcher Reformpädagoge machte den freien Text zu einer zentralen Arbeitstechnik?
Autorschaft Wie heißt die Verantwortung und Verfügung über den eigenen Text?
Klassenrat Welches demokratische Gremium berät gemeinsame Angelegenheiten?
Druckerei Welches Arbeitsmittel machte Schülertexte materiell vervielfältigbar?
Lebenswelt Worauf beziehen sich selbst gewählte Erfahrungen und Interessen?
Korrespondenz Wie heißt der geregelte Austausch von Texten zwischen Klassen?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Ein Freier Text stärkt die

der schreibenden Person. In der Freinet-Pädagogik erhielten Schülertexte durch die

eine reale Öffentlichkeit. Freiheit bedeutet nicht Regellosigkeit, sondern einen verantworteten

. Vor dem Teilen eines Textes besitzt die Autorin oder der Autor ein

. Eine Textkonferenz gibt konkrete

statt bloßer Fehlerurteile. Gezielte Lernhilfen werden als

bezeichnet. Die Bewertung mehrerer Fassungen kann in einem

dokumentiert werden. Mehrsprachige Entwürfe können sprachliche

erweitern. Bei digitalen Veröffentlichungen müssen Einwilligung und

geprüft werden. Beim Einsatz von KI bleibt die lernende Person für Aussage und Auswahl

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Begriffsnetz: Erstelle ein Begriffsnetz zu Freiem Text, Autorschaft, Lebenswelt, Rückmeldung, Veröffentlichung und Schutz. Formuliere zu jeder Verbindung einen erklärenden Satz.
  2. Schreibbiografie: Verfasse einen kurzen Freien Text über eine eigene Schreiblernerfahrung. Entscheide selbst, ob der Text privat bleibt oder mit einer Person geteilt wird.
  3. Medienanalyse: Wähle eines der eingebetteten Bilder und beschreibe, welche pädagogische Aussage es über Schreiben, Lernen oder Öffentlichkeit vermittelt.
  4. Feedbacksprache: Formuliere fünf wertschätzende und konkrete Rückmeldesätze, die eine Autorin oder einen Autor bei der Überarbeitung unterstützen.


Standard

  1. Unterrichtsentwurf: Plane eine neunzigminütige Schreibwerkstatt mit Themenfindung, Entwurf, freiwilliger Beratung und unterschiedlichen Veröffentlichungsoptionen.
  2. Fallanalyse: Analysiere das Fallbeispiel des digitalen Magazins mit den Begriffen Autorschaft, Macht, Freiwilligkeit, Datenschutz und formative Bewertung.
  3. Textkonferenz: Führe in einer Dreiergruppe eine Textkonferenz durch. Dokumentiert Gesprächsregeln, Autorenentscheidungen und Veränderungen zwischen zwei Fassungen.
  4. Vergleichende Pädagogik: Vergleiche den Freien Text bei Freinet mit einer Schreibpraxis aus Montessori-Pädagogik, Projektunterricht oder Hochschuldidaktik. Arbeite Gemeinsamkeiten und Unterschiede heraus.


Schwer

  1. Forschungsdesign: Entwickle eine qualitative Forschungsfrage zur Erfahrung von Autorschaft in einer Schreibwerkstatt. Plane Stichprobe, Datenerhebung, Auswertung, Einwilligung und Datenschutz.
  2. Inklusionskonzept: Entwirf eine barrierearme Umgebung für Freie Texte, die Mehrsprachigkeit, Unterstützte Kommunikation, unterschiedliche Schreibmotorik und freiwillige Öffentlichkeit berücksichtigt.
  3. Bewertungskonzept: Entwickle ein transparentes Portfolio-Raster, das Prozess, kommunikative Wirkung, Überarbeitung und Reflexion erfasst, ohne persönliche Erfahrungen zu bewerten.
  4. Digitale Redaktion: Produziere mit einer Lerngruppe eine geschützte digitale Ausgabe Freier Texte. Dokumentiere Rechteklärung, KI-Nutzung, Quellenprüfung, Barrierefreiheit und Rückzugsmöglichkeiten.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Transfer in ein neues Handlungsfeld: Übertrage das Konzept Freier Texte auf eine Jugendwohngruppe, ein Hochschulseminar oder eine berufliche Weiterbildung. Begründe, welche Elemente unverändert bleiben und welche angepasst werden müssen.
  2. Dilemma der Öffentlichkeit: Eine Lernende verfasst einen beeindruckenden Text über einen familiären Konflikt. Die Gruppe möchte ihn veröffentlichen, die Autorin ist unsicher. Entwickle ein professionelles Vorgehen und begründe jede Entscheidung.
  3. Freiheit und Curriculum: Zeige an einem konkreten Beispiel, wie selbst gewählte Themen mit verbindlichen fachlichen Lernzielen verbunden werden können, ohne die Themenfreiheit nur vorzutäuschen.
  4. Ungleichheitsanalyse: Untersuche, warum offene Schreibsituationen sprachlich sichere und sozial privilegierte Lernende begünstigen können. Entwickle mindestens vier ausgleichende Maßnahmen.
  5. KI und Autorschaft: Beurteile einen Fall, in dem ein Studierender einen freien Reflexionstext vollständig von einer KI erzeugen lässt. Entwickle Kriterien, mit denen legitime Unterstützung von einer Aufgabe der Autorschaft unterschieden werden kann.
  6. Feedbackkonflikt: In einer Textkonferenz lehnt eine Autorin alle Hinweise ab. Analysiere das Spannungsverhältnis zwischen Verfügungsrecht, Lernziel und Verantwortung der Lehrkraft. Entwickle eine dialogische Lösung.
  7. Theorie-Praxis-Reflexion: Beurteile die Aussage „Je weniger die Lehrkraft eingreift, desto freier und pädagogisch wertvoller ist der Text“. Nutze mindestens drei Fachbegriffe und ein Gegenbeispiel.




Lernnachweis

Für einen qualifizierten Lernnachweis im Studienfach Pädagogik solltest Du zeigen, dass Du Begriffe nicht nur wiedergeben, sondern auf pädagogische Situationen anwenden und kritisch beurteilen kannst.

Nachweisbereich Erwartete Leistung
Begriffsverständnis Freier Text, Autorschaft, Lebensweltorientierung, Scaffolding, formative Rückmeldung und Öffentlichkeit präzise verwenden
Historische Einordnung Die Praxis mit Freinet-Pädagogik, Schuldruckerei, Klassenzeitung und Korrespondenz verbinden
Didaktische Planung Einen vollständigen Schreibprozess mit Wahlmöglichkeiten und Unterstützungsangeboten entwickeln
Professionelle Reflexion Macht, Freiwilligkeit, Bewertung, Inklusion, Datenschutz und Schutzrechte analysieren
Transfer Das Konzept auf ein neues pädagogisches Handlungsfeld übertragen
Produkt Einen eigenen Freien Text oder ein pädagogisches Medienprodukt mit dokumentierter Überarbeitung vorlegen
Metareflexion Eigene Entscheidungen, Rückmeldungen und Grenzen der gewählten Praxis begründet reflektieren

Als Lernnachweis eignet sich ein Portfolio aus eigenem Text, zwei Fassungen, Peer-Feedback, didaktischem Konzept, Fallanalyse und abschließender Reflexion. Persönliche Inhalte werden nicht bewertet; bewertet werden fachliche Begründung, Prozessgestaltung und reflektierte Autorschaft.




OERs zum Thema


Freie Medien zur Vertiefung

  1. Wikimedia Commons: Suche nach den Kategorien Célestin Freinet, printing press, classroom writing und cooperative learning und prüfe jeweils Lizenz sowie Bildbeschreibung.
  2. Wikipedia: Nutze die Artikel Freinet-Pädagogik, Célestin Freinet, Freies Schreiben, Schuldruckerei, Freiarbeit und Offenes Lernen als Ausgangspunkte für weitere Recherche.
  3. Deutscher Bildungsserver: Vergleiche dort Praxisdarstellungen zur Freinet-Pädagogik mit wissenschaftlichen und historischen Quellen.
  4. peDOCS: Recherchiere frei zugängliche erziehungswissenschaftliche Veröffentlichungen zu Freinet-Pädagogik, freiem Schreiben und Schuldruckerei.


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Schulfach+

Prüfungsliteratur 2026
Bundesland Bücher Kurzbeschreibung
Baden-Württemberg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Mittlere Reife

  1. Der Markisenmann - Jan Weiler oder Als die Welt uns gehörte - Liz Kessler
  2. Ein Schatten wie ein Leopard - Myron Levoy oder Pampa Blues - Rolf Lappert

Abitur Dorfrichter-Komödie über Wahrheit/Schuld; Roman über einen Ort und deutsche Geschichte. Mittlere Reife Wahllektüren (Roadtrip-Vater-Sohn / Jugendroman im NS-Kontext / Coming-of-age / Provinzroman).

Bayern

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Lustspiel über Machtmissbrauch und Recht; Roman als Zeitschnitt deutscher Geschichte an einem Haus/Grundstück.

Berlin/Brandenburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Der Biberpelz - Gerhart Hauptmann
  4. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Gerichtskomödie; soziales Drama um Ausbeutung/Armut; Komödie/Satire um Diebstahl und Obrigkeit; Roman über Erinnerungsräume und Umbrüche.

Bremen

Abitur

  1. Nach Mitternacht - Irmgard Keun
  2. Mario und der Zauberer - Thomas Mann
  3. Emilia Galotti - Gotthold Ephraim Lessing oder Miss Sara Sampson - Gotthold Ephraim Lessing

Abitur Roman in der NS-Zeit (Alltag, Anpassung, Angst); Novelle über Verführung/Massenpsychologie; bürgerliche Trauerspiele (Moral, Macht, Stand).

Hamburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun

Abitur Justiz-/Machtkritik als Komödie; Großstadtroman der Weimarer Zeit (Rollenbilder, Aufstiegsträume, soziale Realität).

Hessen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  4. Der Prozess - Franz Kafka

Abitur Gerichtskomödie; Fragmentdrama über Gewalt/Entmenschlichung; Erinnerungsroman über deutsche Brüche; moderner Roman über Schuld, Macht und Bürokratie.

Niedersachsen

Abitur

  1. Der zerbrochene Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun
  3. Die Marquise von O. - Heinrich von Kleist
  4. Über das Marionettentheater - Heinrich von Kleist

Abitur Schwerpunkt auf Drama/Roman sowie Kleist-Prosatext und Essay (Ehre, Gewalt, Unschuld; Ästhetik/„Anmut“).

Nordrhein-Westfalen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Komödie über Wahrheit und Autorität; Roman als literarische „Geschichtsschichtung“ an einem Ort.

Saarland

Abitur

  1. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  2. Furor - Lutz Hübner und Sarah Nemitz
  3. Bahnwärter Thiel - Gerhart Hauptmann

Abitur Erinnerungsroman an einem Ort; zeitgenössisches Drama über Eskalation/Populismus; naturalistische Novelle (Pflicht/Überforderung/Abgrund).

Sachsen (berufliches Gymnasium)

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Irrungen, Wirrungen - Theodor Fontane
  4. Der gute Mensch von Sezuan - Bertolt Brecht
  5. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  6. Der Trafikant - Robert Seethaler

Abitur Mischung aus Klassiker-Drama, sozialem Drama, realistischem Roman, epischem Theater und Gegenwarts-/Erinnerungsroman; zusätzlich Coming-of-age im historischen Kontext.

Sachsen-Anhalt

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Themenfelder)

Abitur Schwerpunktsetzung über Themenfelder (u. a. Literatur um 1900; Sprache in politisch-gesellschaftlichen Kontexten), ohne feste Einzeltitel.

Schleswig-Holstein

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Recht/Gerechtigkeit und historische Tiefenschichten eines Ortes – umgesetzt über Drama und Gegenwartsroman.

Thüringen

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool)

Abitur In der Praxis häufig Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool; landesweite Einzeltitel je nach Vorgabe/Handreichung nicht einheitlich ausgewiesen.

Mecklenburg-Vorpommern

Abitur

  1. (Quelle aktuell technisch nicht abrufbar; Beteiligung am gemeinsamen Aufgabenpool bekannt)

Abitur Land beteiligt sich am länderübergreifenden Aufgabenpool; konkrete, veröffentlichte Einzeltitel konnten hier nicht ausgelesen werden.

Rheinland-Pfalz

Abitur

  1. (keine landesweit einheitliche Pflichtlektüre; schulische Auswahl)

Abitur Keine landesweite Einheitsliste; Auswahl kann schul-/kursbezogen erfolgen.




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THE MONKEY DANCE




The Monkey DanceaiMOOCs

  1. Trust Me It's True: #Verschwörungstheorie #FakeNews
  2. Gregor Samsa Is You: #Kafka #Verwandlung
  3. Who Owns Who: #Musk #Geld
  4. Lump: #Trump #Manipulation
  5. Filth Like You: #Konsum #Heuchelei
  6. Your Poverty Pisses Me Off: #SozialeUngerechtigkeit #Musk
  7. Hello I'm Pump: #Trump #Kapitalismus
  8. Monkey Dance Party: #Lebensfreude
  9. God Hates You Too: #Religionsfanatiker
  10. You You You: #Klimawandel #Klimaleugner
  11. Monkey Free: #Konformität #Macht #Kontrolle
  12. Pure Blood: #Rassismus
  13. Monkey World: #Chaos #Illusion #Manipulation
  14. Uh Uh Uh Poor You: #Kafka #BerichtAkademie #Doppelmoral
  15. The Monkey Dance Song: #Gesellschaftskritik
  16. Will You Be Mine: #Love
  17. Arbeitsheft
  18. And Thanks for Your Meat: #AntiFactoryFarming #AnimalRights #MeatIndustry


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