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Frank Jackson - Philosophie

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Frank Jackson - Philosophie



Frank Jackson - Philosophie


Einleitung

Frank Jackson (* 1943) ist ein australischer Vertreter der Analytischen Philosophie. Bekannt wurde er durch das Wissensargument und das Gedankenexperiment Marys Zimmer. Seine Arbeiten betreffen besonders die Philosophie des Geistes, Metaphysik, Erkenntnistheorie, Metaethik und Begriffsanalyse.[1]

Fach: Philosophie Niveau: Klasse 11–13 und Studium

Du lernst,

  1. das Wissensargument zu rekonstruieren,
  2. Qualia, Physikalismus und Epiphänomenalismus zu unterscheiden,
  3. wichtige Einwände zu beurteilen,
  4. Jacksons späteren Physikalismus und den Canberra-Plan einzuordnen.


Frank Jackson im Überblick

Jackson studierte Mathematik und Philosophie und lehrte unter anderem an der Australian National University. Sein philosophischer Stil ist argumentativ, begriffsorientiert und typisch für die Analytische Philosophie.

Zentrale Veröffentlichungen sind:

  1. Epiphenomenal Qualia (1982): frühe Verteidigung nichtphysischer Qualia.
  2. What Mary Didn't Know (1986): prägnante Form des Wissensarguments.
  3. From Metaphysics to Ethics (1998): Verteidigung der Begriffsanalyse.


Marys Zimmer

Mary ist eine brillante Wissenschaftlerin. Sie lebt in einer schwarz-weißen Umgebung und kennt alle physischen Tatsachen über Farbwahrnehmung, Gehirn und Licht. Dann sieht sie erstmals Rot.

Leitfrage: Lernt Mary etwas Neues – nämlich, wie Rot aussieht?


Das Wissensargument

Jacksons frühe Argumentation lässt sich so ordnen:[2]

  1. Wenn der Physikalismus wahr ist, umfasst vollständiges physisches Wissen alle Tatsachen.
  2. Mary kennt vor ihrer Freilassung alle physischen Tatsachen über das Farbsehen.
  3. Beim ersten Sehen von Rot gewinnt Mary Wissen.
  4. Also gab es eine Tatsache, die nicht in ihrem physischen Wissen enthalten war.
  5. Daher scheint der Physikalismus unvollständig oder falsch.

Der Streit konzentriert sich besonders auf Schritt 3: Erwirbt Mary eine neue Tatsache, eine Fähigkeit oder nur einen neuen Zugang zu einer bereits bekannten Tatsache?


Qualia und Perspektive

Qualia sind die subjektiven Erlebnisweisen bewusster Zustände: wie Rot aussieht, Schmerz sich anfühlt oder Musik klingt. Das Gedankenexperiment stellt Dritte-Person-Wissen und Erste-Person-Erfahrung gegenüber.

Die Grafik zeigt messbare Reaktionen von Sinneszellen. Jacksons Frage lautet: Reichen solche Messdaten aus, um den Erlebnischarakter vollständig zu erfassen?

Das Problem vertauschter Farberlebnisse verdeutlicht, dass gleiches Verhalten möglicherweise mit unterschiedlichen subjektiven Erfahrungen verbunden sein könnte.


Frühe Position: Epiphänomenale Qualia

Jackson verband das Wissensargument zunächst mit einem Eigenschaftsdualismus. Danach können physische Vorgänge nichtphysische Qualia verursachen; die Qualia besitzen jedoch keine eigene physische Wirkung. Diese Position heißt Epiphänomenalismus.

Ein Problem lautet: Wenn Qualia keine Wirkung haben, wie kann Mary wegen ihres neuen Farberlebnisses „Wow!“ sagen?


Wichtige Antworten auf das Wissensargument


Fähigkeitshypothese

Nach David Lewis und Laurence Nemirow erwirbt Mary keine neue Tatsache, sondern neue Fähigkeiten: Farben erkennen, erinnern und vorstellen. Der Physikalismus könnte deshalb wahr bleiben.


Bekanntschaftshypothese

Nach der Bekanntschaftshypothese gewinnt Mary unmittelbare Vertrautheit mit einem Erlebnis. Diese neue Beziehung muss keine neue nichtphysische Tatsache voraussetzen.


Neuer Zugang zu alter Tatsache

Eine weitere Antwort besagt: Mary kennt dieselbe physische Tatsache nun unter einer neuen Darstellungsweise. Neu wäre die Perspektive, nicht der Gegenstand des Wissens.


Kritik an der Versuchsanordnung

Kritiker wie Daniel Dennett bezweifeln, dass wir uns wirklich vorstellen können, was vollständiges physisches Wissen umfasst. Vielleicht wäre eine tatsächlich allwissende Mary beim Anblick von Rot nicht überrascht.


Jacksons Positionswechsel

Jackson verwarf später seine frühere antiphysikalistische Deutung und verteidigte einen Physikalismus. Er hielt die Intuition, Mary müsse eine neue nichtphysische Tatsache lernen, nicht mehr für zwingend.[3]

Der Positionswechsel ist philosophisch wichtig: Ein Argument kann ein Problem sichtbar machen, ohne seine ursprüngliche Schlussfolgerung endgültig zu beweisen.


Begriffsanalyse und Canberra-Plan

Im Canberra-Plan werden Begriffe zunächst durch ihre Rollen beschrieben. Danach sucht man, was diese Rollen in der Welt erfüllt.

Beispiel:

  1. Welche Rolle spielt ein mentaler Zustand in Wahrnehmung, Denken und Verhalten?
  2. Welche physischen Zustände verwirklichen diese Rolle?
  3. Kann so eine reduktive Erklärung entstehen?

Jackson verteidigte diese Form der Begriffsanalyse als Brücke zwischen Alltagsbegriffen und wissenschaftlichen Erklärungen.[4]


Philosophische Bedeutung

Jacksons Werk verbindet vier Grundfragen:

  1. Was kann die Naturwissenschaft über Bewusstsein erklären?
  2. Gibt es Wissen, das nur durch Erfahrung entsteht?
  3. Welche Rolle spielen Intuition und Gedankenexperiment?
  4. Wie können Begriffe auf physische Strukturen zurückgeführt werden?

Das Wissensargument bleibt ein Prüfstein für Theorien des Geist-Körper-Verhältnisses.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Wofür ist Frank Jackson besonders bekannt? (Für das Wissensargument mit Marys Zimmer) (!Für das Höhlengleichnis) (!Für den kategorischen Imperativ) (!Für Pascals Wette)




Was bezeichnet der Begriff Qualia? (Den subjektiven Erlebnischarakter bewusster Zustände) (!Messbare Lichtwellen) (!Logische Schlussregeln) (!Gesellschaftliche Normen)




Welche Frage stellt Marys Zimmer? (Ob vollständiges physisches Wissen den Erlebnischarakter umfasst) (!Ob Farben nur sprachliche Konventionen sind) (!Ob Mary moralisch handeln kann) (!Ob Erinnerungen immer zuverlässig sind)




Welche Schlussfolgerung zog Jackson ursprünglich? (Der Physikalismus erfasst möglicherweise nicht alle Tatsachen) (!Alle mentalen Zustände sind sprachliche Fehler) (!Bewusstsein ist grundsätzlich unbewusst) (!Nur moralische Tatsachen sind real)




Was gewinnt Mary laut Fähigkeitshypothese? (Neue Fähigkeiten im Umgang mit Farberlebnissen) (!Eine neue nichtphysische Substanz) (!Ein zusätzliches Sinnesorgan) (!Vollständige moralische Erkenntnis)




Was betont die Bekanntschaftshypothese? (Unmittelbare Vertrautheit mit einem Erlebnis) (!Die Unmöglichkeit von Wahrnehmung) (!Die Identität von Sprache und Welt) (!Die Ablehnung jeder Erfahrung)




Was behauptet der Epiphänomenalismus über Qualia? (Sie werden physisch verursacht und haben keine physische Wirkung) (!Sie verursachen alle Naturgesetze) (!Sie bestehen nur aus Sprache) (!Sie sind mit moralischen Pflichten identisch)




Welche Position vertrat Jackson später? (Eine Form des Physikalismus) (!Radikalen Skeptizismus) (!Platonischen Idealismus) (!Religiösen Fideismus)




Was ist ein Ziel des Canberra-Plans? (Begriffliche Rollen mit ihren Realisierern zu verbinden) (!Gedankenexperimente vollständig zu verbieten) (!Naturwissenschaft durch Mythologie zu ersetzen) (!Alle Begriffe als bedeutungslos zu erklären)




Warum bleibt das Wissensargument bedeutsam? (Es prüft die Reichweite physischer Erklärungen des Bewusstseins) (!Es beweist eine bestimmte Religion) (!Es widerlegt jede Form von Wissenschaft) (!Es erklärt ausschließlich Farbenblindheit)





Memory

Qualia subjektiver Erlebnischarakter
Physikalismus Vollständigkeit physischer Tatsachen
Wissensargument Schluss von neuem Wissen auf nichtphysische Tatsachen
Fähigkeitshypothese neue Kompetenzen statt neuer Fakten
Bekanntschaftshypothese unmittelbare Vertrautheit mit Erfahrung
Epiphänomenalismus wirkungslose mentale Eigenschaften
Canberra-Plan Rollen analysieren und Realisierer finden





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Vollständiges physisches Wissen Mary vor der Freilassung
Erstes Farberlebnis Mary sieht Rot
Neue Fähigkeit Antwort von Lewis
Unmittelbare Bekanntschaft Antwort von Conee
Physikalistische Neubewertung Jacksons spätere Position






Kreuzworträtsel

Qualia Wie heißen subjektive Erlebnisqualitäten?
Mary Welche Wissenschaftlerin lebt im schwarz-weißen Raum?
Physikalismus Welche Lehre erklärt alle Tatsachen als physisch?
Erfahrung Was macht Mary erstmals mit der Farbe Rot?
Canberra Welche Stadt gibt Jacksons Analyseprogramm seinen Namen?
Dualismus Welche Position unterscheidet physische und nichtphysische Eigenschaften?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Frank Jackson entwickelte das bekannte

. Mary besitzt vor ihrer Freilassung vollständiges

Wissen über Farben. Beim ersten Sehen von Rot gewinnt sie nach der ursprünglichen Deutung neues

. Der subjektive Erlebnischarakter wird als

bezeichnet. Die Fähigkeitshypothese spricht statt neuer Tatsachen von neuen

. Der Epiphänomenalismus bestreitet Qualia eine physische

. Später verteidigte Jackson eine Form des

. Im Canberra-Plan spielt die

eine zentrale Rolle.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Begriffskarte: Erstelle eine Karte mit den Begriffen Qualia, Physikalismus, Wissen und Erfahrung.
  2. Marys Zimmer: Erzähle das Gedankenexperiment in höchstens 120 Wörtern nach.
  3. Alltagserfahrung: Nenne ein Beispiel für Wissen über etwas und ein Beispiel für unmittelbares Erleben.
  4. Bildanalyse: Beschreibe, welche philosophische Frage eine Mary-Illustration sichtbar macht.


Standard

  1. Argumentrekonstruktion: Formuliere das Wissensargument als nummerierte Prämissen mit Schlussfolgerung.
  2. Fähigkeitshypothese: Erkläre, ob das Erkennen und Vorstellen von Rot als bloße Fähigkeit gelten kann.
  3. Streitgespräch: Verfasse einen Dialog zwischen Mary und einer Vertreterin des Physikalismus.
  4. Gedankenexperiment: Entwirf eine Variante mit Geschmack, Musik oder Schmerz und prüfe die Übertragbarkeit.


Schwer

  1. Prämissenkritik: Untersuche, welche Prämisse des Wissensarguments am stärksten angreifbar ist.
  2. Theorienvergleich: Vergleiche Fähigkeitshypothese, Bekanntschaftshypothese und neue Darstellungsweise.
  3. Positionswechsel: Beurteile, ob Jacksons spätere Haltung das ursprüngliche Argument widerlegt oder nur neu deutet.
  4. Canberra-Plan: Analysiere einen mentalen Begriff durch Rollenbeschreibung und mögliche physische Realisierung.




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Lernkontrolle

  1. Transfer auf Künstliche Intelligenz: Beurteile, ob ein System alle Daten über Schmerz besitzen könnte, ohne Schmerz zu erleben.
  2. Erklärungsreichweite: Entwickle Kriterien dafür, wann eine wissenschaftliche Erklärung als vollständig gelten kann.
  3. Perspektivenvergleich: Zeige an einem Beispiel, was Erste-Person- und Dritte-Person-Wissen jeweils leisten.
  4. Gegenargument: Formuliere die stärkste physikalistische Antwort auf Mary und verteidige sie gegen einen Einwand.
  5. Intuitionskritik: Prüfe, ob die Überzeugung, Mary lerne etwas Neues, bereits eine Theorie über Bewusstsein voraussetzt.
  6. Methodenreflexion: Vergleiche Gedankenexperiment, Begriffsanalyse und empirisches Experiment als philosophische Methoden.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis solltest Du:

  1. das Wissensargument formal und verständlich rekonstruieren,
  2. die Begriffe Qualia, Physikalismus und Epiphänomenalismus sicher unterscheiden,
  3. mindestens zwei Einwände erläutern und bewerten,
  4. Jacksons Positionswechsel sachgerecht darstellen,
  5. eine begründete eigene Position entwickeln,
  6. einen Transfer auf ein neues Beispiel leisten.




Quellen und Vertiefung

  1. Australian National University: Frank Jackson
  2. Stanford Encyclopedia of Philosophy: The Knowledge Argument
  3. Internet Encyclopedia of Philosophy: Knowledge Argument
  4. Frank Jackson: Epiphenomenal Qualia
  5. Frank Jackson: What Mary Didn't Know


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