Figurenkonstellationen untersuchen im Deutschunterricht - aiMOOC


Figurenkonstellationen untersuchen im Deutschunterricht - aiMOOC
Einleitung
Figurenkonstellationen untersuchen bedeutet, die Beziehungen zwischen literarischen Figuren in einem epischen, dramatischen oder auch filmischen Text systematisch zu erfassen, zu beschreiben und zu deuten. Du fragst dabei nicht nur: Wer kommt vor?, sondern vor allem: Wie stehen die Figuren zueinander, welche Interessen verfolgen sie, welche Konflikte entstehen daraus und wie verändert sich das Beziehungsgefüge im Verlauf der Handlung?
Eine Figurenkonstellation ist also ein Beziehungsnetz. In diesem Netz können Figuren miteinander verwandt, befreundet, verfeindet, verliebt, abhängig, hierarchisch verbunden, durch gemeinsame Ziele verbündet oder durch gegensätzliche Interessen getrennt sein. Besonders im Deutschunterricht hilft Dir die Untersuchung der Figurenkonstellation, einen Text nicht nur nachzuerzählen, sondern seine innere Struktur, seine Konflikte und seine Aussageabsicht zu verstehen.

Das Bild eines Netzwerks zeigt anschaulich, wie einzelne Punkte durch Linien verbunden sind. Genauso kannst Du Dir eine Figurenkonstellation vorstellen: Die Punkte stehen für Figuren, die Linien für Beziehungen. Je genauer Du diese Linien untersuchst, desto besser verstehst Du die Handlung, die Figurenentwicklung, die Konflikte und die Wirkung des Textes.
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Was ist eine Figurenkonstellation?
Eine Figurenkonstellation beschreibt das soziale, psychologische und funktionale Beziehungsgefüge der Figuren eines literarischen Textes. Sie zeigt, welche Figuren miteinander verbunden sind, welche Rollen sie in der Handlung übernehmen und welche Spannungen zwischen ihnen bestehen. Der Begriff wird besonders in der Literaturwissenschaft, in der Textanalyse und im Deutschunterricht verwendet.
Wichtig ist: Eine Figurenkonstellation ist mehr als eine Figurenliste. Eine Liste nennt nur Namen und vielleicht Eigenschaften. Eine Konstellation zeigt Beziehungen, Gegensätze, Abhängigkeiten, Machtverhältnisse, Nähe und Distanz. Sie beantwortet zum Beispiel folgende Fragen: Wer unterstützt wen? Wer steht wem im Weg? Wer weiß mehr als andere? Wer hat Macht? Wer wird ausgegrenzt? Wer verändert sich? Wer bleibt gleich?
Figuren als Teil eines Systems
In literarischen Texten stehen Figuren selten isoliert. Eine Figur erhält ihre Bedeutung oft erst durch ihre Beziehung zu anderen Figuren. Ein Protagonist wirkt anders, wenn er einen starken Antagonisten hat. Eine Nebenfigur kann eine Hauptfigur spiegeln, warnen, beraten oder in einen Konflikt treiben. Eine scheinbar unwichtige Figur kann durch eine Enthüllung, eine Entscheidung oder ein Geheimnis eine zentrale Funktion bekommen.
Die Analyse einer Figurenkonstellation betrachtet daher die Figuren als System. Dieses System kann stabil sein oder sich verändern. In einer Kurzgeschichte wird oft nur ein Ausschnitt einer Beziehung gezeigt. In einem Roman oder Drama kann sich das Beziehungsnetz über viele Kapitel oder Szenen hinweg entwickeln.
Unterschied zwischen Figurenbeschreibung, Charakterisierung und Figurenkonstellation
Eine Figurenbeschreibung konzentriert sich vor allem auf äußere Merkmale wie Alter, Aussehen, Kleidung oder Auftreten. Eine Charakterisierung untersucht zusätzlich innere Merkmale wie Gefühle, Gedanken, Motive, Werte, Ziele und Verhaltensweisen. Die Figurenkonstellation fragt darüber hinaus, wie mehrere Figuren zueinander stehen und welche Funktion diese Beziehungen für die Handlung und die Deutung des Textes haben.
- Figurenbeschreibung: Sie beschreibt, wie eine Figur erscheint.
- Charakterisierung: Sie erklärt, wie eine Figur denkt, fühlt und handelt.
- Figurenkonstellation: Sie untersucht, wie Figuren miteinander verbunden sind und welche Bedeutung diese Beziehungen für den Text haben.
Zentrale Begriffe
Protagonist und Antagonist
Der Protagonist ist meist die Hauptfigur oder eine zentrale Figur, deren Ziele, Konflikte und Entwicklung im Mittelpunkt stehen. Der Antagonist ist eine Gegenfigur, die den Zielen des Protagonisten entgegensteht. Der Antagonist muss nicht unbedingt böse sein. Er kann auch eine Person, eine gesellschaftliche Ordnung, eine Familie, eine Institution oder ein innerer Konflikt sein, der die Hauptfigur behindert.
In einer Figurenkonstellation ist es wichtig zu prüfen, ob der Gegensatz zwischen Protagonist und Antagonist eindeutig ist. Manche Texte zeigen komplizierte Figuren, bei denen Sympathie und Ablehnung gemischt sind. Dann solltest Du vorsichtig formulieren und Deine Deutung immer mit Textbelegen begründen.
Hauptfiguren, Nebenfiguren und Randfiguren
Hauptfiguren beeinflussen die Handlung stark. Sie treten häufig auf, haben wichtige Ziele und stehen im Zentrum zentraler Konflikte. Nebenfiguren unterstützen, spiegeln oder kontrastieren Hauptfiguren. Randfiguren erscheinen nur kurz, können aber trotzdem eine Funktion haben, zum Beispiel eine Stimmung erzeugen, eine Information überbringen oder ein soziales Umfeld sichtbar machen.
Eine gute Analyse bewertet Figuren nicht nur nach der Anzahl ihrer Auftritte, sondern nach ihrer Funktion. Eine Nebenfigur kann entscheidend sein, wenn sie eine Wendung auslöst oder eine zentrale Eigenschaft der Hauptfigur sichtbar macht.
Beziehungstypen zwischen Figuren
Beziehungen in literarischen Texten können sehr unterschiedlich sein. Für die Untersuchung helfen Dir wiederkehrende Beziehungstypen. Du solltest sie aber nicht schematisch verwenden, sondern immer am Text überprüfen.
- Verwandtschaft: Figuren sind durch Familie, Herkunft oder Generationen verbunden.
- Freundschaft: Figuren unterstützen einander, vertrauen sich oder teilen Werte.
- Liebe: Figuren sind emotional, romantisch oder begehrend verbunden.
- Feindschaft: Figuren verfolgen gegensätzliche Interessen oder lehnen einander ab.
- Abhängigkeit: Eine Figur ist wirtschaftlich, sozial, emotional oder politisch von einer anderen abhängig.
- Machtverhältnis: Eine Figur kann über eine andere bestimmen oder sie beeinflussen.
- Konkurrenz: Figuren kämpfen um Anerkennung, Besitz, Liebe, Stellung oder Wahrheit.
- Spiegelung: Eine Figur macht Eigenschaften einer anderen Figur deutlicher sichtbar.
- Kontrastfigur: Eine Figur zeigt durch Unterschiedlichkeit, was an einer anderen Figur besonders ist.
- Vertrauensperson: Eine Figur ermöglicht Einblicke in Gedanken, Gefühle oder Geheimnisse einer anderen Figur.
Statische und dynamische Beziehungen
Eine Beziehung kann statisch sein, wenn sie sich im Verlauf des Textes kaum verändert. Sie kann dynamisch sein, wenn sie sich entwickelt, verschlechtert, verbessert, zerbricht oder neu entsteht. Gerade dynamische Beziehungen sind für die Interpretation besonders wichtig, weil sie häufig zeigen, wie eine Figur lernt, scheitert, reift oder sich selbst täuscht.
Achte deshalb auf Wendepunkte. Ein Wendepunkt kann ein Gespräch, ein Streit, eine Enthüllung, eine Entscheidung, ein Verrat, eine Begegnung oder ein Abschied sein. Solche Stellen verändern oft die Figurenkonstellation.
Figurenkonstellationen im Deutschunterricht untersuchen
Schritt 1: Figuren sammeln
Am Anfang sammelst Du alle wichtigen Figuren. Notiere Namen, Rollen, erste Informationen und Textstellen. Bei längeren Texten ist es sinnvoll, die Figuren nach Kapiteln, Szenen oder Handlungsabschnitten zu ordnen. Bei einem Drama kannst Du zusätzlich auf das Personenverzeichnis, Auftritte, Abgänge und Dialoganteile achten.
Eine einfache Tabelle kann helfen:
| Figur | Erste Informationen | Beziehung zu anderen Figuren | Wichtige Textstelle |
|---|---|---|---|
| Hauptfigur | Ziele, Eigenschaften, Konflikte | Verbündete, Gegner, Familie | Kapitel oder Szene |
| Gegenfigur | Interessen, Macht, Haltung | Konflikt mit Hauptfigur | Kapitel oder Szene |
| Nebenfigur | Funktion im Text | Unterstützung, Spiegelung, Kontrast | Kapitel oder Szene |
Schritt 2: Beziehungen bestimmen
Nun bestimmst Du, welche Beziehungen zwischen den Figuren bestehen. Dabei solltest Du nicht nur offensichtliche Beziehungen wie Mutter, Freund oder Feind notieren, sondern auch indirekte Beziehungen. Manchmal beeinflussen Figuren einander, obwohl sie kaum miteinander sprechen. Eine abwesende Figur kann zum Beispiel durch Erinnerungen, Erwartungen oder Geheimnisse sehr wichtig sein.
Hilfreiche Fragen sind:
- Beziehungsanalyse: Welche Figuren stehen sich nahe, welche stehen sich fern?
- Konfliktanalyse: Welche Figuren haben gegensätzliche Ziele?
- Machtanalyse: Wer kann über wen bestimmen?
- Kommunikationsanalyse: Wer spricht mit wem, wer schweigt, wer wird ausgeschlossen?
- Wissensverteilung: Wer kennt welche Informationen, wer wird getäuscht?
- Wertvorstellungen: Welche Figuren vertreten ähnliche oder gegensätzliche Normen?
- Handlungsfunktion: Welche Beziehung treibt die Handlung voran?
Schritt 3: Textbelege sichern
Eine Figurenkonstellation darf nicht nur behauptet werden. Du musst sie mit Textbelegen absichern. Ein Beleg kann eine Aussage des Erzählers, eine Figurenrede, eine Handlung, ein Symbol, eine Regieanweisung oder eine Reaktion einer anderen Figur sein.
Achte dabei auf direkte und indirekte Charakterisierung. Eine direkte Charakterisierung liegt vor, wenn eine Figur ausdrücklich beschrieben wird. Eine indirekte Charakterisierung entsteht, wenn Du aus Verhalten, Sprache, Entscheidungen oder Reaktionen auf Eigenschaften und Beziehungen schließt.
Beispielhafte Formulierungen:
- Textbeleg: Die Beziehung zwischen den Figuren wirkt angespannt, weil die eine Figur der anderen ausweicht und nur knapp antwortet.
- Figurenrede: Die abwertende Wortwahl zeigt eine hierarchische Beziehung.
- Handlung: Die heimliche Unterstützung deutet auf Loyalität hin.
- Regieanweisung: Die räumliche Distanz auf der Bühne kann emotionale Distanz sichtbar machen.
- Erzählverhalten: Die Perspektive lenkt die Sympathie der Lesenden auf eine bestimmte Figur.
Schritt 4: Schaubild erstellen
Ein Schaubild macht die Figurenkonstellation sichtbar. Du kannst Kreise, Kästchen, Linien, Pfeile, Farben und Symbole verwenden. Wichtig ist, dass Dein Schaubild übersichtlich bleibt und eine Legende enthält.

Ein Beziehungsdiagramm kann Dir zeigen, dass literarische Figuren in komplexen Netzen verbunden sind. Für den Unterricht genügt oft ein einfaches Schaubild, solange es begründet und lesbar ist.
Mögliche Zeichen im Schaubild:
- Pfeil: Eine einseitige Handlung, Abhängigkeit oder Einflussnahme.
- Doppelpfeil: Eine gegenseitige Beziehung.
- Durchgezogene Linie: Eine stabile oder offene Beziehung.
- Gestrichelte Linie: Eine unsichere, verborgene oder indirekte Beziehung.
- Blitzsymbol: Ein Konflikt.
- Herzsymbol: Liebe, Zuneigung oder Sehnsucht.
- Klammer: Eine Gruppe, Familie, Klasse oder soziale Einheit.
- Farbe: Nähe, Distanz, Macht, Konflikt oder Entwicklung.
Schritt 5: Deuten statt nur darstellen
Der wichtigste Schritt ist die Deutung. Ein Schaubild allein ist noch keine Analyse. Du musst erklären, was die Beziehungen für den Text bedeuten. Frage Dich: Warum sind die Figuren genau so angeordnet? Welche Konflikte entstehen daraus? Welche gesellschaftlichen, moralischen oder psychologischen Fragen werden sichtbar? Welche Aussage über Menschen, Macht, Liebe, Familie, Schuld, Freiheit oder Verantwortung entwickelt der Text?
Eine gelungene Deutung verbindet die Figurenkonstellation mit dem Thema, dem Konflikt, der Erzählperspektive, der Sprache, dem Aufbau und der Intention des Textes.
Figurenkonstellationen in verschiedenen Textsorten
Epische Texte
In epischen Texten wie Roman, Novelle oder Kurzgeschichte erfährst Du Beziehungen häufig durch den Erzähler, durch innere Vorgänge, durch Rückblenden und durch die Wahrnehmung einzelner Figuren. Besonders wichtig ist die Erzählperspektive. Wenn ein Text aus der Sicht einer Figur erzählt wird, kann die Figurenkonstellation subjektiv verzerrt erscheinen. Du solltest deshalb prüfen, ob die Darstellung zuverlässig ist.
In einer Kurzgeschichte wird die Figurenkonstellation oft nur angedeutet. Dann musst Du besonders genau auf Sprache, Gesten, Auslassungen und Andeutungen achten. Kleine Details können Hinweise auf eine lange Vorgeschichte geben.
Dramatische Texte
In einem Drama werden Beziehungen vor allem durch Dialog, Monolog, Regieanweisung, Auftrittsstruktur und szenische Anordnung sichtbar. Wer mit wem auf der Bühne steht, wer wen unterbricht, wer schweigt und wer den Raum verlässt, kann viel über die Figurenkonstellation zeigen.
Dramatische Figurenkonstellationen sind häufig stark von Konflikten geprägt. Familienkonflikte, Standesunterschiede, Liebeskonflikte, politische Machtkämpfe oder moralische Gegensätze treiben die Handlung voran. Deshalb ist die Figurenkonstellation im Drama oft eng mit dem dramatischen Konflikt verbunden.
Lyrische Texte und Rollenlyrik
Auch in lyrischen Texten kann eine Figurenkonstellation vorkommen, besonders in Rollenlyrik, Ballade oder dialogischen Gedichten. Hier untersuchst Du, wer spricht, wer angesprochen wird, welche Beziehung zwischen Sprecher und Gegenüber entsteht und welche Stimmung diese Beziehung prägt.
Bei Gedichten musst Du besonders vorsichtig sein: Das lyrische Ich ist nicht automatisch mit der Autorin oder dem Autor identisch. Auch hier gilt: Deute nur das, was der Text hergibt.
Filmische und mediale Texte
In filmischen Texten werden Figurenkonstellationen zusätzlich durch Bildgestaltung, Kamera, Schnitt, Musik, Licht, Raum und Montage erzeugt. Nähe kann durch gemeinsame Einstellungen gezeigt werden. Distanz kann durch getrennte Bildräume, Schatten, Blickrichtungen oder Kameraperspektiven entstehen. Im Deutschunterricht können solche Beobachtungen helfen, literarische und mediale Erzählweisen zu vergleichen.
Analyseaspekte im Detail
Nähe und Distanz
Nähe und Distanz sind zentrale Kategorien der Figurenkonstellation. Nähe kann räumlich, emotional, sozial oder ideologisch sein. Zwei Figuren können räumlich nah sein und sich emotional fremd bleiben. Umgekehrt können Figuren körperlich getrennt sein und dennoch innerlich eng verbunden sein, etwa durch Erinnerung, Schuld, Sehnsucht oder gemeinsame Vergangenheit.
Achte auf Begrüßungen, Anredeformen, Körperhaltung, Blickkontakte, Gesprächslänge, Geheimnisse, Hilfsbereitschaft und Schweigen. All diese Signale können Nähe oder Distanz anzeigen.
Macht und Abhängigkeit
Machtverhältnisse prägen viele literarische Konflikte. Eine Figur kann Macht durch Geld, Alter, Wissen, Geschlecht, Herkunft, soziale Stellung, Gewalt, Sprache, Bildung oder emotionale Kontrolle besitzen. Abhängigkeit kann offen oder verdeckt sein.
Bei der Analyse solltest Du unterscheiden: Hat eine Figur tatsächlich Macht? Glaubt sie nur, Macht zu haben? Wird Macht anerkannt, bestritten oder unterlaufen? Verändert sich das Machtverhältnis im Verlauf des Textes?
Konflikte und Allianzen
Konflikte entstehen, wenn Ziele, Werte, Wünsche oder Erwartungen aufeinanderprallen. Allianzen entstehen, wenn Figuren gemeinsame Interessen verfolgen oder sich gegenseitig schützen. Ein Text kann mehrere Konfliktlinien enthalten: persönliche, familiäre, gesellschaftliche, politische oder innere Konflikte.
In einer Figurenkonstellation solltest Du Konflikte nicht nur benennen, sondern in ihrer Funktion erklären. Ein Konflikt kann Handlung erzeugen, Figuren charakterisieren, gesellschaftliche Kritik ausdrücken oder eine moralische Entscheidung vorbereiten.
Spiegelung und Kontrast
Figuren können einander spiegeln oder kontrastieren. Eine Spiegelung liegt vor, wenn Figuren ähnliche Erfahrungen, Werte oder Konflikte teilen. Ein Kontrast liegt vor, wenn Unterschiede betont werden. Beide Verfahren helfen, zentrale Themen sichtbar zu machen.
Beispiel: Eine mutige Figur kann durch eine ängstliche Figur stärker hervortreten. Eine angepasste Figur kann zeigen, wie ungewöhnlich eine rebellische Figur ist. Eine Nebenfigur kann eine mögliche Zukunft der Hauptfigur andeuten.
Sprache als Beziehungssignal
Die Sprache einer Figur verrät viel über ihre Beziehungen. Achte auf Anrede, Höflichkeit, Ironie, Befehle, Fragen, Ausrufe, Unterbrechungen, Schweigen, Dialekt, Fachsprache, Metaphern und Wiederholungen. Sprache kann Nähe schaffen, Macht ausüben, Distanz markieren oder Konflikte verschärfen.
Auch Gesprächsanteile sind wichtig. Wer redet viel? Wer wird nicht gehört? Wer bestimmt das Thema? Wer weicht aus? Wer stellt Fragen? Wer antwortet nicht? Solche Beobachtungen sind besonders für Dialoganalyse und Szenenanalyse hilfreich.
Beispielmethode: Von der Beobachtung zur Deutung
Eine überzeugende Analyse folgt einem klaren Weg: Beobachtung, Beleg, Erklärung und Deutung. So vermeidest Du bloße Behauptungen.
| Schritt | Leitfrage | Beispielhafte Formulierung |
|---|---|---|
| Beobachtung | Was fällt an der Beziehung auf? | Figur A verhält sich gegenüber Figur B zurückhaltend. |
| Beleg | Wo zeigt der Text das? | Dies wird an der knappen Antwort und dem Ausweichen im Gespräch deutlich. |
| Erklärung | Was bedeutet das für die Beziehung? | Die Kommunikation ist gestört und von Unsicherheit geprägt. |
| Deutung | Welche Funktion hat das im Gesamttext? | Die gestörte Beziehung verstärkt den zentralen Konflikt um Vertrauen. |
Formulierungshilfen
- Analyseformulierung: Die Beziehung zwischen Figur A und Figur B ist von ... geprägt.
- Analyseformulierung: Während Figur A ..., verfolgt Figur B das Ziel, ...
- Analyseformulierung: Der Konflikt zeigt sich besonders daran, dass ...
- Analyseformulierung: Die Figur übernimmt die Funktion einer Kontrastfigur, weil ...
- Analyseformulierung: Die Veränderung der Beziehung wird deutlich, als ...
- Analyseformulierung: Das Schaubild macht sichtbar, dass ...
- Analyseformulierung: Für die Deutung des Textes ist diese Beziehung wichtig, weil ...
Typische Fehler und wie Du sie vermeidest
Fehler 1: Nur nacherzählen
Viele Analysen bleiben bei der Handlung stehen. Du solltest nicht nur schreiben, was passiert, sondern erklären, wie Beziehungen aufgebaut sind und warum sie wichtig sind. Eine Inhaltsangabe beantwortet die Frage Was geschieht? Eine Analyse beantwortet zusätzlich die Frage Wie ist es gestaltet und was bedeutet es?
Fehler 2: Eigenschaften ohne Belege behaupten
Aussagen wie Die Figur ist böse oder Die Figuren verstehen sich gut sind zu ungenau. Besser ist: Die Beziehung wirkt angespannt, weil die Figuren einander mehrfach unterbrechen und keine direkte Antwort geben. So verbindest Du Deutung mit Beobachtung.
Fehler 3: Beziehungen zu einfach darstellen
Literarische Beziehungen sind oft ambivalent. Eine Figur kann eine andere lieben und zugleich kontrollieren. Eine Freundschaft kann von Konkurrenz begleitet sein. Eine Feindschaft kann Respekt enthalten. Gute Analysen zeigen solche Mehrdeutigkeiten.
Fehler 4: Das Schaubild nicht erklären
Ein Schaubild ist nur dann hilfreich, wenn es erläutert wird. Erkläre, warum Du bestimmte Figuren nah beieinander anordnest, warum Du Pfeile verwendest und welche Beziehungslinien besonders wichtig sind.
Fehler 5: Veränderungen übersehen
Viele Figurenkonstellationen verändern sich. Achte deshalb auf Anfang, Mitte und Ende eines Textes. Vergleiche die Beziehungen an wichtigen Wendepunkten. Frage: Was ist am Ende anders als am Anfang?
Checkliste für Deine Analyse
- Figuren erfassen: Habe ich alle wichtigen Figuren gesammelt?
- Rollen bestimmen: Habe ich Hauptfiguren, Nebenfiguren und Randfiguren unterschieden?
- Beziehungen klären: Habe ich Nähe, Distanz, Konflikte, Abhängigkeiten und Allianzen untersucht?
- Textbelege nutzen: Habe ich meine Aussagen mit passenden Textstellen begründet?
- Entwicklung beachten: Habe ich Veränderungen im Verlauf der Handlung berücksichtigt?
- Schaubild gestalten: Habe ich die Beziehungen übersichtlich visualisiert?
- Legende erstellen: Habe ich Symbole, Pfeile und Farben erklärt?
- Deutung formulieren: Habe ich erklärt, welche Bedeutung die Konstellation für den Gesamttext hat?
- Sprache untersuchen: Habe ich Dialoge, Anredeformen, Wortwahl und Schweigen einbezogen?
- Textgattung beachten: Habe ich berücksichtigt, ob es sich um Epik, Drama, Lyrik oder Film handelt?
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Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was beschreibt eine Figurenkonstellation? (Das Beziehungsgefüge der Figuren eines literarischen Textes) (!Die reine Zusammenfassung der Handlung) (!Die äußere Beschreibung eines Schauplatzes) (!Die Rechtschreibung eines Textes)
Welche Frage passt besonders gut zur Untersuchung einer Figurenkonstellation? (Wer steht mit wem in welchem Verhältnis) (!Wie viele Seiten hat der Text) (!Welche Schriftart wurde verwendet) (!Wie lautet der Verlag des Buches)
Was ist ein Protagonist meistens? (Eine zentrale Hauptfigur) (!Eine zufällige Randnotiz) (!Ein sprachliches Satzzeichen) (!Eine Form der Reimordnung)
Was bezeichnet ein Antagonist häufig? (Eine Gegenfigur mit entgegengesetzten Zielen) (!Eine Figur ohne jede Funktion) (!Einen Erzähler in der ersten Person) (!Ein Kapitel ohne Handlung)
Warum sind Textbelege bei der Analyse wichtig? (Sie stützen die Deutung am Text) (!Sie ersetzen jede Erklärung) (!Sie machen das Lesen überflüssig) (!Sie verhindern eigene Gedanken)
Was zeigt ein Pfeil in einem Schaubild häufig? (Eine Richtung von Einfluss oder Abhängigkeit) (!Die Seitenzahl des Textes) (!Die Anzahl der Absätze) (!Die Länge einer Überschrift)
Welche Beziehung ist ein Beispiel für einen Konflikt? (Zwei Figuren verfolgen gegensätzliche Ziele) (!Zwei Figuren stehen immer neutral nebeneinander) (!Eine Figur wird nur äußerlich beschrieben) (!Ein Text enthält keine Handlung)
Was bedeutet eine dynamische Beziehung? (Sie verändert sich im Verlauf des Textes) (!Sie bleibt immer völlig gleich) (!Sie kommt im Text nicht vor) (!Sie betrifft nur die Schriftgröße)
Welche Beobachtung kann auf ein Machtverhältnis hinweisen? (Eine Figur gibt Befehle und eine andere gehorcht) (!Eine Figur wird in einer Fußnote genannt) (!Ein Text hat viele Kommas) (!Eine Überschrift ist kurz)
Was sollte eine gute Analyse der Figurenkonstellation leisten? (Sie beschreibt und deutet Beziehungen mit Belegen) (!Sie zählt nur alle Namen alphabetisch auf) (!Sie verzichtet auf Textstellen) (!Sie bewertet nur, ob Figuren sympathisch sind)
Memory
| Protagonist | zentrale Hauptfigur |
| Antagonist | Gegenfigur |
| Allianz | Bündnis zwischen Figuren |
| Konflikt | gegensätzliche Interessen |
| Textbeleg | Nachweis aus dem Text |
| Schaubild | grafische Darstellung |
| Figurenentwicklung | Veränderung einer Figur |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Protagonist | zentrale Figur |
| Antagonist | Gegenfigur |
| Allianz | Unterstützung |
| Konflikt | Gegnerschaft |
| Schaubild | Visualisierung |
| Textbeleg | Nachweis |
| Figurenentwicklung | Veränderung |
...
Kreuzworträtsel
| Protagonist | Wie nennt man meistens die zentrale Hauptfigur eines Textes? |
| Antagonist | Wie nennt man häufig die Gegenfigur zur Hauptfigur? |
| Konflikt | Wie heißt ein Zusammenstoß gegensätzlicher Ziele? |
| Allianz | Wie nennt man ein Bündnis zwischen Figuren? |
| Dialog | Wie nennt man ein Gespräch zwischen Figuren? |
| Beleg | Wie nennt man einen Nachweis aus dem Text? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Figurenliste: Erstelle zu einer Kurzgeschichte eine Liste aller wichtigen Figuren und notiere zu jeder Figur zwei gesicherte Informationen aus dem Text.
- Beziehungspfeile: Zeichne ein einfaches Schaubild mit mindestens vier Figuren und verwende Pfeile für Beziehungen.
- Textbelege finden: Suche drei Textstellen, die eine Beziehung zwischen zwei Figuren besonders deutlich zeigen.
- Figurensteckbrief: Gestalte zu einer Hauptfigur einen Steckbrief mit äußeren Merkmalen, inneren Merkmalen und wichtigen Beziehungen.
Standard
- Konfliktanalyse: Untersuche einen zentralen Konflikt zwischen zwei Figuren und erkläre, wie dieser Konflikt die Handlung beeinflusst.
- Schaubild mit Legende: Erstelle eine Figurenkonstellation mit Symbolen, Farben und einer Legende, die alle Zeichen erklärt.
- Vergleich von Beziehungen: Vergleiche zwei Beziehungen in einem Text und erkläre, welche Beziehung für die Deutung wichtiger ist.
- Dialog untersuchen: Analysiere einen Dialog und zeige, wie Wortwahl, Unterbrechungen und Schweigen das Verhältnis der Figuren sichtbar machen.
Schwer
- Entwicklung der Konstellation: Vergleiche die Figurenkonstellation am Anfang und am Ende eines Textes und erkläre die wichtigsten Veränderungen.
- Interpretationsaufsatz: Schreibe eine zusammenhängende Analyse, in der Du die Figurenkonstellation mit dem Hauptthema des Textes verbindest.
- Machtverhältnisse deuten: Untersuche, wie Macht, Abhängigkeit und Wissen zwischen den Figuren verteilt sind und welche Aussage der Text dadurch entwickelt.
- Medienvergleich: Vergleiche die Figurenkonstellation eines literarischen Textes mit einer Verfilmung oder Inszenierung und untersuche, wie Beziehungen durch Bild, Raum, Sprache und Körpersprache dargestellt werden.

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Lernkontrolle
- Transferanalyse: Wähle einen unbekannten literarischen Textausschnitt und entwickle ein begründetes Schaubild der Figurenkonstellation. Erkläre anschließend, welche Beziehung für den zentralen Konflikt am wichtigsten ist.
- Deutung statt Nacherzählung: Formuliere zu einer Figurenbeziehung eine analytische Deutung mit mindestens zwei Textbelegen und erkläre, wie diese Beziehung das Thema des Textes unterstützt.
- Perspektivwechsel: Schreibe eine kurze Szene aus der Sicht einer Nebenfigur um und erläutere danach, wie sich dadurch die Wahrnehmung der Figurenkonstellation verändert.
- Konfliktmodell: Entwickle ein Modell, das persönliche, soziale und innere Konflikte der Figuren unterscheidet. Wende dieses Modell auf einen gelesenen Text an.
- Argumentierende Bewertung: Beurteile, ob eine bestimmte Figur eher als Helferfigur, Kontrastfigur oder Gegenspieler zu verstehen ist. Begründe Deine Entscheidung mit Verhalten, Sprache und Funktion im Text.
Lernnachweis
Für den Lernnachweis erstellst Du zu einem literarischen Text Deiner Wahl eine vollständige Analyse der Figurenkonstellation. Dein Lernnachweis enthält ein übersichtliches Schaubild, eine Legende, eine kurze Erklärung der wichtigsten Figurenrollen, mindestens fünf Textbelege und eine zusammenhängende Deutung. Entscheidend ist nicht, dass Dein Schaubild besonders schön aussieht, sondern dass Du die Beziehungen genau begründest und ihre Bedeutung für Thema, Konflikt und Figurenentwicklung erklärst.
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Zusammenfassung
Eine Figurenkonstellation zeigt, wie Figuren in einem literarischen Text miteinander verbunden sind. Sie umfasst Nähe, Distanz, Liebe, Freundschaft, Feindschaft, Macht, Abhängigkeit, Konkurrenz, Allianzen und Konflikte. Für den Deutschunterricht ist die Untersuchung besonders wichtig, weil sie hilft, Handlung, Thema, Figurenentwicklung und Aussageabsicht eines Textes zu verstehen. Eine gute Analyse sammelt Figuren, bestimmt Beziehungen, nutzt Textbelege, erstellt ein Schaubild und deutet die Bedeutung der Konstellation für den gesamten Text. Entscheidend ist, dass Du nicht nur beschreibst, wer mit wem verbunden ist, sondern erklärst, warum diese Beziehungen für die Interpretation wichtig sind.
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