Fette und Öle in industriell hergestellten Backwaren

Fette und Öle in industriell hergestellten Backwaren
Fette und Öle in industriell hergestellten Backwaren
Einleitung
Fette und Öle sind in der industriellen Backwarenherstellung weit mehr als Energieträger oder Geschmackskomponenten. Sie sind funktionelle Rohstoffe, deren chemische Zusammensetzung, Kristallstruktur, Schmelzprofil, Plastizität, Emulgierverhalten und Oxidationsstabilität die Verarbeitung und die Qualität eines Gebäcks wesentlich bestimmen. Ob ein Mürbekeks mürbe statt zäh wird, ein Rührkuchen ein feines Porenbild erhält oder ein Croissant klar getrennte Schichten ausbildet, hängt unter anderem davon ab, wie die eingesetzte Fettphase während Mischen, Kneten, Tourieren, Gären, Backen, Kühlen und Lagern reagiert.
In diesem aiMOOC lernst Du, Fette und Öle aus Sicht der Lebensmitteltechnologie und Bäckereitechnologie zu beurteilen. Im Mittelpunkt stehen die Begriffe Triacylglycerid, Fettsäure, Schmelzbereich, Solid Fat Content, Plastizität, Kristallisation, Polymorphie, Emulsion, Emulgator, Fetthärtung, Umesterung und Oxidation. Ziel ist nicht, ein Fett pauschal als „gut“ oder „schlecht“ zu bewerten, sondern seine technologische Eignung für eine konkrete Backware und einen konkreten Prozess zu verstehen.



Lernziele
Nach der Bearbeitung kannst Du die chemische Struktur von Fetten und Ölen erklären, den Einfluss von Kettenlänge und Sättigungsgrad auf das Schmelzverhalten begründen, den Festfettanteil als technologischen Kennwert einordnen und die Plastizität eines Backfetts mit seinem Kristallnetzwerk verknüpfen. Du kannst Wasser-in-Öl- und Öl-in-Wasser-Systeme unterscheiden, die Wirkung von Emulgatoren an Grenzflächen erläutern und Fettarten für unterschiedliche industrielle Backwaren auswählen. Außerdem kannst Du typische Verarbeitungsfehler auf Fettzustand, Temperaturführung, Kristallisation oder Oxidation zurückführen.
Chemische Grundlagen von Fetten und Ölen
Triacylglyceride als Hauptbestandteile
Speisefette und Speiseöle bestehen überwiegend aus Triacylglyceriden, häufig auch Triglyceride oder TAG genannt. Ein Triacylglycerid entsteht, wenn die drei Hydroxygruppen des dreiwertigen Alkohols Glycerin mit drei Fettsäuren verestert sind. Die drei Fettsäurereste können gleich oder verschieden sein. Natürliche Fette sind deshalb keine einzelne chemische Verbindung, sondern komplexe Gemische vieler verschiedener TAG.

Die technologische Funktion wird nicht allein durch die Gesamtmenge an gesättigten und ungesättigten Fettsäuren bestimmt. Entscheidend ist auch, welche Fettsäuren in welchen Triacylglyceriden kombiniert und an welchen Positionen des Glycerins gebunden sind. Diese Molekülverteilung beeinflusst, welche TAG bei einer bestimmten Temperatur kristallisieren, wie die Kristalle wachsen und wie viel flüssiges Öl im Kristallnetzwerk gebunden bleibt.
Gesättigte und ungesättigte Fettsäuren
Gesättigte Fettsäuren besitzen keine Kohlenstoff-Kohlenstoff-Doppelbindung. Ihre relativ geradlinigen Kohlenwasserstoffketten können im Kristall dichter packen. Bei vergleichbarer Kettenlänge führt ein höherer Sättigungsgrad daher meist zu einem höheren Schmelzbereich.
Ungesättigte Fettsäuren besitzen eine oder mehrere Doppelbindungen. Bei den in natürlichen Pflanzenölen häufigen cis-Doppelbindungen entsteht ein Knick in der Molekülkette. Dadurch wird eine dichte Packung erschwert und der Schmelzpunkt sinkt. Deshalb sind viele pflanzliche Lipide bei Raumtemperatur flüssige Öle. Mit zunehmender Zahl cis-konfigurierter Doppelbindungen nimmt gleichzeitig die Empfindlichkeit gegenüber oxidativem Verderb tendenziell zu.

Trans-Fettsäuren besitzen trotz Doppelbindung eine räumlich geradlinigere Struktur als entsprechende cis-Isomere. Sie können unter anderem bei partieller Hydrierung entstehen. Für Lebensmittel, die für Endverbraucher oder den Einzelhandel bestimmt sind, gilt in der Europäischen Union für andere Trans-Fettsäuren als natürlich in tierischem Fett vorkommende Trans-Fettsäuren eine Höchstmenge von 2 g je 100 g Fett. Für die industrielle Rezepturentwicklung ist deshalb eine transarme beziehungsweise transfreie Strukturierung der Fettphase ein wichtiges Entwicklungsziel.
Kettenlänge und Molekülpackung
Neben dem Sättigungsgrad wirkt die Kettenlänge auf die Schmelzeigenschaften. Längere Fettsäureketten zeigen stärkere zwischenmolekulare Wechselwirkungen und besitzen bei vergleichbarer Struktur meist höhere Schmelzpunkte als kürzere Ketten. In realen Backfetten überlagern sich jedoch Kettenlänge, Sättigungsgrad, cis-trans-Geometrie, TAG-Zusammensetzung und Kristallform. Deshalb lässt sich die Verarbeitbarkeit eines industriellen Backfetts nicht aus einer einzigen Fettsäure ableiten.
Fettarten in industriellen Backwaren
Butter und Milchfett
Butter ist eine wasserhaltige Fettphase mit charakteristischem Milcharoma. Strukturell ist Butter eine Wasser-in-Öl-Emulsion: Die Fettphase bildet die kontinuierliche Phase, in der kleine Wassertröpfchen verteilt sind. Milchfett enthält zahlreiche verschiedene Fettsäuren und Triacylglyceride und besitzt deshalb keinen scharfen Schmelzpunkt, sondern einen Schmelzbereich. Butter wird beim Erwärmen zunehmend weich und schmilzt ungefähr im Bereich der Körpertemperatur.
Für Backwaren bietet Butter intensives Aroma und einen günstigen Schmelzeindruck im Mund. Technologisch ist sie jedoch temperaturempfindlich. Wird sie beim Tourieren zu kalt, kann die Fettplatte brechen; wird sie zu warm, kann sie schmieren, in den Teig einziehen und die Schichttrennung beeinträchtigen. Industrielle Prozesse müssen daher Temperatur, Ruhezeiten und mechanische Beanspruchung präzise abstimmen.

Margarine, Backmargarine und Ziehmargarine
Margarine ist eine streichfähige beziehungsweise plastische Emulsion, deren Fettphase überwiegend aus pflanzlichen Fetten und Ölen formuliert werden kann. Die technologische Leistung lässt sich durch Auswahl, Mischung, Fraktionierung und Umesterung der Fettkomponenten sowie durch Kristallisationsführung und Emulgatoren gezielt einstellen.
Backmargarinen werden auf Anwendungen wie Mürbeteige, Hefefeinteige oder Rührmassen abgestimmt. Ziehmargarinen für Blätterteig, Plunder und croissantähnliche Produkte benötigen einen breiten Plastizitätsbereich, hohe mechanische Belastbarkeit und ein Schmelzprofil, das während des Tourierens stabile Schichten ermöglicht, im fertigen Produkt aber keinen wachsig-festen Eindruck hinterlässt.

Shortening und wasserfreie Backfette
Als Shortening bezeichnet man in der Backtechnologie funktionelle Backfette, häufig mit sehr geringem Wassergehalt oder als weitgehend wasserfreie Fettphase. Ihre Zusammensetzung wird gezielt auf Zartheit, Mürbung, Luftaufnahme, Gleitwirkung, Struktur und Lagerstabilität ausgelegt.
Der Begriff „shortening“ verweist auf die Wirkung, die Ausbildung eines zusammenhängenden Gluten-Netzwerks zu begrenzen. Fett benetzt Mehlpartikel und Proteinoberflächen, wodurch der Kontakt von Wasser mit den glutenbildenden Proteinen teilweise reduziert wird. In Mürbeteigen und Keksmassen fördert dies eine kurze, mürbe Textur. In Rührmassen ist dagegen zusätzlich die Creaming-Fähigkeit wichtig: Feine Fettkristalle unterstützen die Aufnahme und Stabilisierung kleiner Luftblasen während des Aufschlagens.
Flüssige Pflanzenöle
Pflanzenöle wie Raps-, Sonnenblumen- oder Sojaöl sind bei Raumtemperatur überwiegend flüssig. Sie können Teige und Massen schmieren und zur Saftigkeit beitragen, besitzen aber kein tragfähiges Kristallnetzwerk. Deshalb können sie ein plastisches Backfett nicht in jeder Anwendung im Verhältnis 1:1 ersetzen.
In ölreichen Rührmassen kann die flüssige Fettphase erwünscht sein, weil das Öl auch bei niedriger Temperatur flüssig bleibt und ein weiches Mundgefühl unterstützt. Für intensives Creaming oder für die Schichtbildung beim Tourieren fehlt einem reinen Öl dagegen die feste kristalline Phase. High-Oleic-Öle besitzen einen hohen Anteil an Ölsäure und sind oxidativ meist stabiler als stark mehrfach ungesättigte Varianten. Sie sind daher für lagerstabile industrielle Produkte und thermisch beanspruchte Prozesse interessant.
Palmöl, Palmfraktionen und laurische Fette
Palmöl ist aufgrund seiner Triacylglycerid-Zusammensetzung bei typischen Verarbeitungstemperaturen teilweise fest und teilweise flüssig. Durch Fraktionierung kann es in Fraktionen mit unterschiedlichen Schmelzbereichen getrennt werden. Eine höher schmelzende Stearinfraktion kann Struktur geben, während eine flüssigere Oleinfraktion die Weichheit erhöht. Solche Fraktionen werden häufig mit anderen Fetten oder Ölen kombiniert, um ein gewünschtes Solid-Fat-Content-Profil zu erreichen.
Palmkernöl und Kokosöl gehören zu den laurischen Fetten und enthalten vergleichsweise viele kurzkettigere beziehungsweise mittelkettige gesättigte Fettsäuren, insbesondere Laurinsäure. Sie können ein relativ ausgeprägtes Schmelzverhalten und eine feste Struktur liefern und kommen deshalb beispielsweise in Füllungs- und Überzugsfetten zum Einsatz. Bei Mischungen mit anderen kristallinen Fettphasen muss die Kompatibilität geprüft werden, weil unterschiedliche TAG-Systeme gemeinsam andere Kristallisations- und Schmelzeigenschaften zeigen können.

Kakaobutter und Spezialfette
Kakaobutter ist für Schokoladenüberzüge, Füllungen und kakaohaltige Backwaren relevant. Sie zeigt ausgeprägte Polymorphie: Die gleichen TAG können in mehreren Kristallformen mit unterschiedlichen Schmelz- und Stabilitätseigenschaften vorliegen. Das gezielte Temperieren fördert eine erwünschte Kristallstruktur und damit Glanz, Bruch, Kontraktion und Schmelzverhalten.

Das Beispiel Kakaobutter zeigt besonders deutlich, dass die Rezeptur allein nicht genügt. Auch die thermische Vorgeschichte einer Fettphase entscheidet über die spätere Funktion.
Vergleich der Fettarten nach technologischen Kriterien
| Fettart | Typischer physikalischer Zustand | Technologische Stärke | Typische Grenze | Geeignete Anwendungen |
|---|---|---|---|---|
| Butter | Plastische Wasser-in-Öl-Emulsion | Aroma, gute Lamination bei passender Temperatur, angenehmer Mundschmelz | Relativ enges Temperaturfenster und Wasseranteil | Feingebäck, Croissant, Plunder, Mürbeteig |
| Backmargarine | Plastische Wasser-in-Öl-Emulsion | Einstellbare Plastizität, Emulgierung und Prozessrobustheit | Sensorik und Schmelzprofil hängen stark von der Fettformulierung ab | Rührmassen, Mürbeteige, Hefefeinteige |
| Ziehmargarine | Stark plastische Spezialfett-Emulsion | Breiter Arbeitsbereich und hohe Schichtstabilität | Bei falscher Konditionierung trotzdem Bruch oder Schmieren | Blätterteig, Plunder, Croissant |
| Shortening | Plastische weitgehend wasserfreie Fettphase | Mürbung, Luftaufnahme, neutrale Sensorik, definierte Konsistenz | Fehlender Buttergeschmack und je nach Formulierung wachsiger Schmelz möglich | Kekse, Kuchen, Füllungen, Cremes |
| Flüssiges Pflanzenöl | Flüssig | Saftigkeit, Schmierung und je nach Öl günstiges Fettsäureprofil | Keine tragfähige Kristallstruktur für klassisches Creaming oder Lamination | Ölbasierte Kuchen, weiche Backwaren |
| Palmfraktionen | Von flüssig bis fest einstellbar | Strukturierung über Fraktionierung und Blending | Rohstoffherkunft und Nachhaltigkeitsanforderungen müssen berücksichtigt werden | Backfette, Füllungen, Margarinen |
| Laurische Fette | Fest bis plastisch mit relativ ausgeprägtem Schmelz | Gute Festigkeit und schneller Schmelzeindruck bei geeigneter Formulierung | Mischungsverträglichkeit mit anderen Fettkristallsystemen ist zu prüfen | Füllungen, Überzüge, Spezialfette |
| Kakaobutter | Kristallines Spezialfett | Definierter Schmelz und charakteristischer Bruch bei richtiger Kristallform | Stark polymorph und prozesssensibel | Schokoladenüberzüge und kakaohaltige Komponenten |
Modifikation und Strukturierung von Fetten
Mischen und Blending
Beim Blending werden Fette und Öle unterschiedlicher Zusammensetzung gemischt. Ziel ist, Härte, Schmelzprofil, Kosten, Geschmack, Oxidationsstabilität und ernährungsphysiologische Eigenschaften auszubalancieren. Eine Mischung verhält sich jedoch nicht zwangsläufig wie der Mittelwert ihrer Komponenten. Gemeinsame Kristallisation, eutektische Effekte und unterschiedliche Kristallisationsgeschwindigkeiten können das Ergebnis verändern.
Fraktionierung
Bei der Fraktionierung wird ein Fett kontrolliert abgekühlt. Bestimmte hochschmelzende TAG kristallisieren bevorzugt und können anschließend von der flüssigeren Phase getrennt werden. So entstehen Fraktionen mit unterschiedlichen Schmelzbereichen und Festfettanteilen. Das Verfahren verändert primär die Verteilung vorhandener TAG zwischen den Fraktionen und ist eine wichtige Möglichkeit, funktionelle Fettphasen ohne partielle Hydrierung herzustellen.
Hydrierung oder Fetthärtung
Bei der Hydrierung werden Doppelbindungen ungesättigter Fettsäurereste mit Wasserstoff umgesetzt. Dadurch steigt der Sättigungsgrad und das Fett wird im Allgemeinen höher schmelzend und oxidativ stabiler. Bei partieller Hydrierung können cis-Doppelbindungen teilweise in trans-Konfiguration übergehen. Aus diesem Grund hat die partielle Hydrierung bei Lebensmitteln in vielen Anwendungen stark an Bedeutung verloren.

Eine vollständige Hydrierung erzeugt dagegen sehr hoch gesättigte und harte Fettkomponenten. Solche harten Fettanteile können in kleinen Mengen mit flüssigen Ölen kombiniert und anschließend beispielsweise durch Umesterung funktionell eingestellt werden. Vollständig hydriertes Fett ist technologisch deshalb nicht mit partiell hydriertem Fett gleichzusetzen.
Umesterung und Interesterifizierung
Bei der Umesterung werden Fettsäurereste zwischen Glyceridmolekülen neu verteilt. Die Gesamt-Fettsäurezusammensetzung kann dabei nahezu gleich bleiben, während sich die Triacylglycerid-Verteilung verändert. Dadurch lassen sich Schmelzprofil, Kristallisationsverhalten und Festfettanteil verändern, ohne neue Doppelbindungen zu erzeugen. Industriell werden chemische und enzymatische Verfahren eingesetzt. Enzymatische Verfahren können positionsselektiv arbeiten.
Die Umesterung ist besonders wichtig, wenn flüssige Öle und hochschmelzende Fettkomponenten zu einer transarmen plastischen Fettphase kombiniert werden sollen.
Schmelzverhalten
Warum Backfette einen Schmelzbereich besitzen
Ein reiner Stoff hat unter definierten Bedingungen einen charakteristischen Schmelzpunkt. Ein natürliches oder formuliertes Backfett besteht dagegen aus zahlreichen TAG mit unterschiedlichen Schmelzeigenschaften. Deshalb schmilzt es über einen Temperaturbereich. Während der Erwärmung lösen sich zuerst niedrig schmelzende Kristallanteile, danach zunehmend höher schmelzende Komponenten.
Für die industrielle Verarbeitung sind drei Temperaturbereiche besonders wichtig: die Temperatur beim Dosieren und Mischen, die Temperatur während Formgebung oder Tourieren und die Temperatur beim Verzehr. Ein Fett kann bei 20 °C technologisch stabil sein und dennoch bei Mundtemperatur weitgehend abschmelzen. Genau diese Kombination ist für viele Backwaren erwünscht.
Solid Fat Content als Schlüsselkennwert
Der Solid Fat Content, abgekürzt SFC, beschreibt den Anteil der Fettphase, der bei einer bestimmten Temperatur fest vorliegt. Ein SFC-Wert ist deshalb immer an eine Temperatur gebunden. Für die Produktentwicklung ist häufig nicht ein einzelner Wert, sondern die SFC-Kurve über mehrere Temperaturen aussagekräftig.
Ein hoher SFC bei niedriger Temperatur kann Festigkeit und Formstabilität geben. Ein ausreichender, aber nicht zu hoher SFC bei Verarbeitungstemperatur unterstützt Plastizität, Luftaufnahme und Schichtstabilität. Ein niedriger SFC bei Mundtemperatur vermindert einen wachsigen Nachschmelz. Welches Profil optimal ist, hängt vom Produkt ab.
Schmelzprofil und sensorische Wahrnehmung
Ein Fett, das im Mund zu viel feste Phase behält, kann als wachsig oder talgig wahrgenommen werden. Schmilzt es dagegen schon während Lagerung oder Verpackung zu stark, kann es zu Ölabscheidung, Fettmigration oder Strukturverlust kommen. Produktentwicklung bedeutet deshalb, Prozessfenster und sensorisches Fenster gleichzeitig zu berücksichtigen.
Bei gefüllten Keksen oder Waffeln muss die Füllung beispielsweise beim Lagern formstabil sein, beim Beißen aber schnell genug erweichen. Bei Ziehfetten muss die Fettplatte beim Tourieren deformierbar bleiben, ohne zwischen den Teiglagen herauszuquetschen.
Kristallisation und Polymorphie
Entstehung eines Fettkristallnetzwerks
Beim Abkühlen einer Fettschmelze entsteht zunächst eine treibende Kraft für die Kristallisation. Es bilden sich Keime, an denen weitere TAG anlagern. Aus vielen Kristallen entsteht ein dreidimensionales Netzwerk, das flüssiges Öl einschließen kann. Die makroskopische Konsistenz eines plastischen Fetts ergibt sich deshalb aus einem Zweiphasensystem aus festen Fettkristallen und flüssigem Öl.
Kühlrate, Kristallisationstemperatur, Scherung, Ruhezeit und Lagerung beeinflussen Keimbildung, Kristallgröße und Netzwerkstruktur. Schnelles Kühlen kann viele kleine Keime erzeugen; anschließende Temperierung und mechanische Bearbeitung können die Struktur weiter verändern.
α-, β′- und β-Kristalle
Viele Nahrungsfette können in mehreren Kristallmodifikationen vorliegen. Häufig werden die Formen α, β′ und β unterschieden. Sie besitzen unterschiedliche Molekülpackungen und Stabilitäten. Für viele plastische Backfette ist eine feine β′-Kristallstruktur technologisch günstig, weil sie eine glatte Konsistenz und gute Luftaufnahme unterstützen kann.
Grobere oder unerwünscht umgewandelte Kristallstrukturen können dagegen Körnigkeit, schlechte Creaming-Eigenschaften oder Ölabscheidung fördern. Temperaturschwankungen während Lagerung können Kristalle teilweise schmelzen und neu wachsen lassen. Dadurch kann sich ein Fett verändern, obwohl seine chemische Rezeptur unverändert bleibt.
Temperaturgeschichte als Prozessparameter
Die Kristallstruktur eines Fettes trägt ein „Gedächtnis“ seiner thermischen und mechanischen Vorgeschichte. Zwei Chargen mit gleicher chemischer Zusammensetzung können sich unterschiedlich verhalten, wenn sie verschieden schnell gekühlt, unterschiedlich stark geschert oder mehrfach erwärmt und wieder abgekühlt wurden. Für die Qualitätssicherung sind deshalb standardisierte Konditionierung und definierte Prüftemperaturen wichtig.
Plastizität
Definition
Plastizität bezeichnet bei Backfetten die Fähigkeit, sich unter Belastung dauerhaft zu verformen, ohne spröde zu brechen und ohne wie eine Flüssigkeit zu fließen. Dafür ist ein geeignetes Verhältnis zwischen fester und flüssiger Fettphase erforderlich.
Ist der Festfettanteil zu hoch, wird das Fett hart und brüchig. Ist er zu niedrig, wird es weich, schmierig oder ölig. Dazwischen liegt ein plastischer Arbeitsbereich. Industrielle Spezialfette werden so formuliert und kristallisiert, dass dieser Bereich möglichst gut zu den Temperaturen der Produktionslinie passt.
Plastizität beim Tourieren
Bei Blätterteig, Plunder und Croissant müssen Teig und Ziehfett mechanisch kompatibel sein. Ist das Fett deutlich härter als der Teig, zerbricht es beim Ausrollen in Stücke. Ist es deutlich weicher, wird es herausgedrückt oder in den Teig eingearbeitet. In beiden Fällen gehen kontinuierliche Fettlagen verloren.

Beim Backen verdampft Wasser aus Teig und gegebenenfalls Fettphase. Die entstehenden Dampfdrücke trennen die durch Fett gegeneinander abgegrenzten Teigschichten. Das Fett verzögert gleichzeitig das direkte Verkleben benachbarter Schichten. Das Ergebnis ist die typische blättrige Struktur.
Rheologische Sicht auf plastische Fette
Plastische Fette sind keine idealen Festkörper und keine idealen Flüssigkeiten. Sie zeigen ein rheologisch komplexes, viskoelastisch-plastisches Verhalten. Unter kleiner Belastung kann das Kristallnetzwerk eine Form halten; oberhalb einer charakteristischen Belastung wird es zunehmend verformt. Die gemessene Härte hängt deshalb nicht nur von der Temperatur, sondern auch von Deformationsgeschwindigkeit, Vorbehandlung und Messmethode ab.
Für die Produktion bedeutet das: Ein Fett, das im Lager scheinbar „gleich fest“ ist, kann sich auf einer schnell laufenden Ausrollanlage anders verhalten als bei langsamer manueller Bearbeitung. Deshalb werden Laborwerte immer gemeinsam mit anwendungsnahen Verarbeitungstests bewertet.
Emulgierung und Grenzflächen
Was ist eine Emulsion?
Eine Emulsion ist ein disperses System aus zwei normalerweise nicht miteinander mischbaren Flüssigkeiten. In einer Öl-in-Wasser-Emulsion sind Fett- oder Öltröpfchen in einer kontinuierlichen Wasserphase verteilt. In einer Wasser-in-Öl-Emulsion sind Wassertröpfchen in einer kontinuierlichen Fettphase verteilt.


Butter und viele Margarinen sind Beispiele für Wasser-in-Öl-Systeme. Backmassen sind wesentlich komplexere Mehrphasensysteme: Wasser, gelöste Stoffe, Mehlbestandteile, Fett, Luftblasen und gegebenenfalls weitere disperse Bestandteile müssen während des Mischens ausreichend stabil verteilt bleiben.
Wirkprinzip von Emulgatoren
Emulgatoren sind amphiphile Moleküle. Ein Teil des Moleküls besitzt Affinität zur Wasserphase, ein anderer zur Fettphase. Emulgatoren ordnen sich bevorzugt an der Grenzfläche an, senken die Grenzflächenspannung und können die Bildung und Stabilisierung kleiner Tropfen erleichtern.

Wichtige lebensmitteltechnologische Emulgatoren sind Lecithine wie E 322 sowie Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren wie E 471. In Backwaren können Emulgatoren je nach Molekülstruktur und Prozess unter anderem die Verteilung der Fettphase, die Stabilität von Luftblasen, die Teig- oder Massenstruktur und Wechselwirkungen mit Stärke beeinflussen.
Emulgierung, Luft und Aufschlagfähigkeit
Bei einer Rührmasse ist nicht nur die Verteilung von Wasser und Fett relevant. Beim Creaming werden auch Luftzellen erzeugt. Feine Fettkristalle können an der Grenzfläche der Luftzellen eine wichtige strukturelle Rolle übernehmen. Deshalb besitzt ein gut kristallisiertes plastisches Backfett häufig eine bessere Luftaufnahme als ein vollständig flüssiges Öl.
Emulgatoren können die Grenzflächen in der Masse zusätzlich stabilisieren. Eine stabile, fein verteilte Luftphase trägt zu Volumen, feiner Porung und gleichmäßiger Krume bei. Zu warmes Fett, ungeeignete Kristallformen oder eine falsche Reihenfolge der Rohstoffzugabe können diese Struktur verschlechtern.
Technologische Funktionen in verschiedenen Backwaren
Funktionsmatrix
| Backware oder Anwendung | Hauptanforderung an die Fettphase | Geeignete Fettcharakteristik | Typischer Fehler bei ungeeignetem Fett |
|---|---|---|---|
| Mürbekeks und Spritzgebäck | Mürbung, Formbarkeit, kontrollierter Auslauf | Plastisches Backfett mit passendem SFC und guter Schmierwirkung | Zu zäh, zu starker Auslauf oder schlechte Formdefinition |
| Rührkuchen | Luftaufnahme, Emulsionsstabilität, zarte Krume | β′-begünstigtes plastisches Fett oder funktionelle Margarine mit Emulgatorsystem | Geringes Volumen, grobe Porung, instabile Masse |
| Blätterteig und Croissant | Durchgehende Fettlagen, Dehnbarkeit, Temperaturtoleranz | Ziehfett oder Ziehmargarine mit breitem Plastizitätsbereich | Brechende Fettlagen, Schmieren, schlechte Schichtung |
| Hefefeinteig | Schmierung, Zartheit, Volumenunterstützung, Frischhaltung | Backmargarine, Butter oder angepasstes Backfett | Feste, trockene Krume oder ungünstige Teigbearbeitung |
| Cracker | Mürbung und kontrollierte Schichtbildung | Fett mit ausreichender Plastizität und reproduzierbarer Konsistenz | Zähe Textur oder ungleichmäßige Blasenstruktur |
| Kuchen auf Ölbasis | Saftigkeit und weiches Mundgefühl | Oxidativ stabiles flüssiges Öl | Bei ungeeigneter Rezeptur geringe Lufteinbringung oder instabile Emulsion |
| Füllcreme | Stand, Schmelz, Ölbindung | Fett mit steiler, anwendungsgerechter SFC-Kurve | Ölabscheidung oder wachsiges Mundgefühl |
| Überzug und kakaohaltige Fettphase | Glanz, Bruch, definierter Schmelz | Kakaobutter oder kompatibles Spezialfett mit kontrollierter Kristallisation | Mattheit, Fettblüte, weiche oder wachsige Textur |
Mürbung und Glutenbegrenzung
In Teigen aus Weizenmehl entsteht durch Hydratation und mechanische Arbeit ein Netzwerk aus glutenbildenden Proteinen. Fett kann Mehlpartikel und Proteinoberflächen benetzen und dadurch Wasserzugang und Protein-Protein-Kontakte begrenzen. Dieser Effekt trägt zur Mürbung bei. Je früher und vollständiger Fett Mehloberflächen umhüllt, desto stärker kann die Ausbildung eines elastischen Netzwerks eingeschränkt werden.
Für industrielle Keksprozesse ist dabei die Balance entscheidend: Zu wenig Struktur kann zu starkem Auslauf und brüchigen Produkten führen, zu viel Struktur zu harter oder zäher Textur.
Creaming und Aerierung
Beim Aufschlagen von Fett mit Zucker entstehen Luftzellen. Kristalline Fettanteile sind für diesen Prozess besonders wertvoll. Sie unterstützen das Festhalten der eingearbeiteten Luft und bilden Ausgangspunkte für die spätere Porenstruktur. Das erklärt, warum der bloße Austausch eines plastischen Fettes durch flüssiges Öl häufig Volumen und Porenbild verändert.
In industriellen Kuchenlinien werden Fettkonsistenz, Mischenergie, Mischzeit, Rohstofftemperatur und Emulgatorsystem deshalb gemeinsam optimiert.
Schichtung und Lamination
Beim Tourieren werden abwechselnde Teig- und Fettlagen erzeugt. Das Fett dient als Trennschicht und mechanisch verformbare Barriere. Während des Backens fördert Wasserdampf die Schichthebung. Gleichzeitig muss die Fettphase lange genug strukturell wirksam bleiben, damit die Schichten nicht frühzeitig verkleben.
Der ideale Ziehfettzustand ist daher kein „möglichst hartes Fett“, sondern ein Fett, dessen Härte und Dehnverhalten zum Teig passen. Temperaturkontrolle ist ein zentrales Werkzeug zur Anpassung dieser Konsistenz.
Saftigkeit, Mundgefühl und Aromatransport
Fett schmiert die Mundoberflächen und beeinflusst dadurch Zartheit, Cremigkeit und wahrgenommene Saftigkeit. Viele Aromastoffe sind lipophil und verteilen sich bevorzugt in der Fettphase. Butter liefert zusätzlich eigene Aromastoffe; neutralere Pflanzenfette erlauben dagegen eine stärkere Kontrolle des Produktaromas.
Die sensorische Qualität hängt stark vom Schmelzprofil ab. Ein Fett kann chemisch stabil und technologisch fest sein, aber dennoch ungeeignet, wenn bei Mundtemperatur zu viel feste Phase verbleibt.
Feuchtemigration und Frischhaltung
Fettphasen können den Stofftransport innerhalb zusammengesetzter Backwaren beeinflussen. In gefüllten Keksen oder Waffeln ist die Wanderung von Wasser und Öl zwischen Komponenten ein Qualitätsproblem. Eine geeignete Fettphase kann als teilweise Barriere wirken und die Textur stabilisieren.
Bestimmte Emulgatoren, insbesondere Mono- und Diglyceride, können außerdem mit Stärkekomponenten wechselwirken. Dadurch können sie je nach System die Krumenstruktur und die Wahrnehmung der Frischhaltung beeinflussen. Die Alterung von Backwaren ist jedoch ein Mehrfaktorenprozess aus Stärkerekristallisation, Wasserumlagerung und Strukturänderungen und darf nicht allein dem Fett zugeschrieben werden.
Wärmeübertragung bei Fettgebäck
Bei frittierten Backwaren wie Donuts oder Berlinern dient Fett zusätzlich als Wärmeübertragungsmedium. Das Frittierfett muss thermisch und oxidativ belastbar sein. Während des Frittierens laufen Oxidation, Hydrolyse und Polymerisation ab. Deshalb sind Fettwahl, Temperatur, Nachfüllstrategie, Filtration und Austauschmanagement wichtige Prozessparameter.
Oxidative Stabilität und Lagerung
Autoxidation
Ungesättigte Fettsäurereste können mit Sauerstoff über radikalische Reaktionen oxidieren. Dabei entstehen zunächst Hydroperoxide und später zahlreiche sekundäre Reaktionsprodukte, die ranzige oder kartonartige Fehlaromen verursachen können. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind im Allgemeinen empfindlicher als einfach ungesättigte und gesättigte Fettsäuren.
Beschleunigt wird die Oxidation unter anderem durch Sauerstoff, Licht, Wärme und prooxidativ wirkende Metallspuren. Schutz bieten geeignete Rohstoffauswahl, begrenzter Sauerstoffeintrag, licht- und sauerstoffarme Verpackung, kontrollierte Lagertemperatur und zugelassene Antioxidationssysteme.
High-Oleic-Öle und Rezepturoptimierung
High-Oleic-Sonnenblumen- oder Rapsöle besitzen einen erhöhten Anteil an Ölsäure und weniger mehrfach ungesättigte Fettsäuren als die entsprechenden konventionellen Varianten. Dadurch steigt die oxidative Stabilität. Sie sind besonders interessant, wenn eine flüssige Fettphase gewünscht wird. Für Anwendungen mit hoher struktureller Anforderung müssen sie jedoch häufig mit strukturgebenden Komponenten kombiniert oder in strukturierte Systeme überführt werden.
Qualitätskontrolle in der industriellen Praxis
Wichtige Prüfgrößen
| Prüfgröße | Aussage | Typische Bedeutung |
|---|---|---|
| Fettsäureprofil | Verteilung gesättigter, einfach und mehrfach ungesättigter Fettsäuren | Rohstoffidentität, Ernährung, Oxidationsneigung |
| Solid Fat Content | Anteil fester Fettphase bei definierten Temperaturen | Härte, Plastizität, Schmelzverhalten |
| Differential Scanning Calorimetry | Wärmeflüsse bei Schmelzen und Kristallisieren | Schmelz- und Kristallisationsereignisse |
| Penetration oder Konsistenzmessung | mechanische Härte beziehungsweise Verformungswiderstand | Dosierbarkeit, Tourierbarkeit, Aufschlagverhalten |
| Polarisationsmikroskopie | Morphologie und Verteilung von Fettkristallen | Kristallgröße und Netzwerkbeurteilung |
| Peroxidzahl | primäre Oxidationsprodukte | Frische und beginnende Oxidation |
| p-Anisidinzahl | ausgewählte sekundäre Oxidationsprodukte | fortgeschrittene oxidative Schädigung |
| Säurezahl | freie Fettsäuren | hydrolytische Veränderungen und Rohstoffqualität |
Fehlerdiagnose über Prozesssignale
Wenn eine Ziehmargarine beim Ausrollen reißt, sollte nicht sofort die Rezeptur geändert werden. Zuerst sind Produkttemperatur, Konditionierungszeit, Teigtemperatur, Walzenspalt und Scherbeanspruchung zu prüfen. Wenn eine Kuchenmasse schlecht aufschlägt, sind Fettkristallzustand, Fett- und Raumtemperatur, Mischreihenfolge und Emulgatorsystem mögliche Ursachen.
Diese Vorgehensweise ist typisch für industrielle Prozessdiagnostik: Fehlerbild → mögliche physikalische Ursache → messbarer Prozessparameter → gezielte Korrektur.
Praxisbeispiel: Auswahl eines Fettes für drei Produkte
Eine Fabrik möchte aus einer gemeinsamen Rohstoffstrategie drei Produkte herstellen: einen mürben Keks, einen Rührkuchen und ein laminiertes Gebäck. Ein einziges flüssiges Pflanzenöl wäre für alle drei Anwendungen wirtschaftlich attraktiv, erfüllt aber nicht alle technologischen Funktionen.
Beim Keks kann Öl zwar schmieren und Mürbung unterstützen, aber das Auslaufverhalten und die Formstabilität verändern. Beim Rührkuchen fehlt ohne geeignete Struktur oder Emulgierung die typische Creaming-Funktion eines plastischen Fettes. Beim laminierten Gebäck kann ein flüssiges Öl keine zusammenhängende Ziehschicht bilden. Die Produktentwicklung muss daher entweder unterschiedliche Fettphasen einsetzen oder mit strukturierten Fettblends, Emulgatoren und angepassten Prozessführungen arbeiten.
Die wichtigste berufliche Schlussfolgerung lautet: Fett ist kein austauschbarer Mengenbaustein, sondern ein strukturgebender Prozessrohstoff.
Zukunft: strukturierte Öle und Fettreduktion
Oleogele strukturieren flüssige Öle mithilfe geeigneter Netzwerkbildner. Ziel ist, einen Teil der Funktion fester Fette zu erreichen, ohne zwingend hohe Anteile gesättigter Fettsäuren zu benötigen. Solche Systeme sind Gegenstand intensiver Forschung. Für den industriellen Einsatz müssen jedoch nicht nur Härte und SFC, sondern auch Verarbeitung, Aroma, Oxidationsstabilität, regulatorische Zulässigkeit, Kosten, Skalierbarkeit und Verbraucherakzeptanz bewertet werden.
Auch enzymatische Umesterung, optimierte Fraktionierung und neue Kristallisationsprozesse werden genutzt, um Fettphasen mit gezielter Funktion zu entwickeln. Die Herausforderung bleibt, Ernährungsziele und technologische Leistung gleichzeitig zu erfüllen.
Fachliche Vertiefung durch Medien
Das folgende Video zeigt die professionelle Laminierung eines Croissantteigs und macht sichtbar, weshalb Konsistenzabgleich und Temperaturführung für die Fettlagen entscheidend sind.
Das folgende Bild zeigt untemperierte Schokolade als Beispiel dafür, wie eine ungeeignete Fettkristallstruktur die makroskopische Produktqualität beeinflussen kann.

Fachliche Quellen
- Wikipedia: Fette – Grundlagen zu Struktur, Fettsäuren und Eigenschaften.
- Wikipedia: Emulgator – Grundlagen zur Grenzflächenwirkung und zu Lebensmittel-Emulgatoren.
- Wikipedia: Margarine – Herstellung, Zusammensetzung und Streichfähigkeit.
- Annual Review of Food Science and Technology: Recent Advances in Lipid Crystallization in the Food Industry – Kristallisation, Polymorphie und industrielle Strukturierung.
- Oklahoma State University: Shortenings – Funktionen von Backfetten, Plastizität und Kristallstruktur.
- Verordnung EU 2019/649 – Begrenzung industrieller Trans-Fettsäuren in Lebensmitteln.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Warum besitzen viele industrielle Backfette keinen einzelnen scharfen Schmelzpunkt? (Sie bestehen aus Gemischen vieler Triacylglyceride mit unterschiedlichen Schmelzeigenschaften) (!Sie enthalten grundsätzlich nur eine einzige Fettsäure) (!Sie sind immer Wasser in Öl Emulsionen) (!Sie können nicht kristallisieren)
Was beschreibt der Solid Fat Content? (Den Anteil der Fettphase der bei einer bestimmten Temperatur fest vorliegt) (!Den Wasseranteil eines Mehls) (!Den Anteil gelöster Salze in einer Emulsion) (!Die Menge eingearbeiteter Luft in einem Teig)
Welche Kristallform ist für viele plastische Backfette wegen feiner Struktur und guter Luftaufnahme besonders günstig? (Beta Strich Kristalle) (!Nur Alpha Kristalle) (!Ausschließlich Glaskristalle) (!Natriumchlorid Kristalle)
Was bedeutet Plastizität bei einem Backfett? (Es lässt sich dauerhaft verformen ohne spröde zu brechen oder frei zu fließen) (!Es verdampft vollständig bei Raumtemperatur) (!Es löst sich vollständig in Wasser) (!Es enthält grundsätzlich keine feste Fettphase)
Welche Aufgabe erfüllt Ziehfett beim Tourieren besonders? (Es bildet verformbare Trennschichten zwischen Teiglagen) (!Es baut das Gluten chemisch vollständig ab) (!Es ersetzt die Hefe als biologisches Triebmittel) (!Es erhöht ausschließlich die Süße)
Warum können cis Doppelbindungen den Schmelzpunkt eines Fettsäurerestes senken? (Sie erzeugen einen Knick und erschweren die dichte Molekülpackung) (!Sie verlängern jede Fettsäure automatisch um zehn Kohlenstoffatome) (!Sie entfernen den Glycerinanteil) (!Sie machen jede Fettphase zu einer Wasserphase)
Welche Aussage beschreibt einen Emulgator korrekt? (Er besitzt wasserfreundliche und fettfreundliche Molekülbereiche und wirkt an Grenzflächen) (!Er besteht ausschließlich aus Stärke) (!Er verhindert jede Form der Kristallisation) (!Er wandelt Fett vollständig in Eiweiß um)
Warum ist flüssiges Pflanzenöl nicht immer ein direkter Ersatz für plastisches Backfett? (Ihm fehlt bei Verarbeitungstemperatur häufig ein tragfähiges Fettkristallnetzwerk) (!Es enthält grundsätzlich kein Triacylglycerid) (!Es kann keine Fettsäuren enthalten) (!Es ist immer vollständig mit Wasser mischbar)
Was verändert eine Umesterung besonders direkt? (Die Verteilung der Fettsäurereste auf die Glyceridmoleküle und damit die Triacylglycerid Zusammensetzung) (!Die Menge des Mehls im Rezept) (!Die Anzahl der Hefe Zellen) (!Den Proteingehalt des Weizens)
Welche Prozessbedingung fördert oxidative Fettveränderungen? (Ein hoher Eintrag von Sauerstoff bei erhöhter Temperatur) (!Sauerstoffarme Verpackung) (!Kontrollierte kühle Lagerung) (!Geeigneter Lichtschutz)
Memory
| Triacylglycerid | Glycerin mit drei veresterten Fettsäuren |
| Solid Fat Content | Anteil fester Fettphase bei definierter Temperatur |
| Plastizität | Dauerhafte Verformbarkeit ohne freies Fließen |
| Beta Strich Kristall | Feine Fettkristallform mit günstiger Luftaufnahme |
| Emulgator | Amphiphiler Stoff zur Stabilisierung von Grenzflächen |
| Ziehfett | Plastische Fettphase für laminierte Teige |
| Oxidation | Reaktion die ranzige Fehlaromen verursachen kann |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Festfettanteil | Solid Fat Content |
| Luftaufnahme | Creaming |
| Schichttrennung | Lamination |
| Grenzflächenstabilisierung | Emulgierung |
| Fettsäure Neuverteilung | Umesterung |
Kreuzworträtsel
| Triglycerid | Wie heißt ein Ester aus Glycerin und drei Fettsäuren? |
| Plastizität | Wie heißt die dauerhafte Verformbarkeit eines Backfettes ohne freies Fließen? |
| Emulgator | Wie heißt ein Stoff der Öl Wasser Grenzflächen stabilisieren kann? |
| Shortening | Wie heißt ein funktionelles Backfett zur Mürbung und Strukturierung? |
| Lamination | Wie heißt die Erzeugung abwechselnder Teig und Fettlagen? |
| Oxidation | Wie heißt die Reaktion mit Sauerstoff die zu ranzigen Fehlaromen führen kann? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Fettvergleich: Vergleiche die Zutatenlisten von drei industriell hergestellten Backwaren. Markiere Butter, Margarine, pflanzliche Fette, pflanzliche Öle und Emulgatoren und ordne ihnen mögliche technologische Funktionen zu.
- Temperaturbeobachtung: Untersuche Butter, Backmargarine und ein Pflanzenöl bei Kühlschranktemperatur und Raumtemperatur. Beschreibe Festigkeit, Verformbarkeit und Fließverhalten mit fachlichen Begriffen.
- Emulsionsmodell: Stelle mit Wasser, Speiseöl und einem geeigneten Lebensmittel-Emulgator ein einfaches Modell her. Dokumentiere, wie sich Tropfengröße und Stabilität durch intensiveres Mischen verändern.
- Fachbegriffe: Erstelle eine selbst gestaltete Lernkarte zu Triacylglycerid, Solid Fat Content, Plastizität, Polymorphie, Emulsion und Oxidation und ergänze zu jedem Begriff ein Beispiel aus der Bäckerei.
Standard
- Keksversuch: Backe vergleichbare Kekse einmal mit plastischem Fett und einmal mit flüssigem Öl. Halte Rezeptur und Prozess möglichst konstant und bewerte Auslauf, Bruch, Mürbung und Mundgefühl.
- Creaming-Versuch: Vergleiche die Volumenzunahme einer Fett-Zucker-Mischung bei zwei unterschiedlichen Fett-Temperaturen. Begründe die Beobachtung über Festfettanteil und Kristallzustand.
- Laminationsanalyse: Dokumentiere beim Tourieren eines Teiges die Temperatur von Teig und Ziehfett. Ordne Risse, Schmieren oder austretendes Fett einer möglichen Abweichung im Plastizitätsbereich zu.
- Qualitätsdiagramm: Entwirf für ein fiktives Backfett eine qualitative SFC-Kurve über die Bereiche Kühlung, Verarbeitung, Lagerung und Mundtemperatur. Erkläre, welche Eigenschaften Du in jedem Bereich erwartest.
Schwer
- Rezepturentwicklung: Entwickle ein Konzept für einen transarmen industriellen Keks, bei dem ein bisher verwendetes festes Backfett teilweise durch High-Oleic-Öl ersetzt werden soll. Begründe, welche technologische Funktion kompensiert werden muss.
- Fehleranalyse: Erstelle ein Ishikawa-Diagramm für den Fehler „Croissant ohne klare Schichtung“. Berücksichtige Fett-SFC, Plastizität, Temperatur, Walzprozess, Teigkonsistenz, Gärung und Backprozess.
- Betriebsinterview: Interviewe eine Fachkraft aus Bäckerei, Lebensmittelindustrie oder Rohstoffentwicklung zu Auswahl, Lagerung und Qualitätsprüfung von Backfetten. Werte die Aussagen anhand der Begriffe dieses aiMOOCs aus.
- Produktentwicklungsprojekt: Plane eine industrielle Rührkuchenrezeptur mit reduziertem Anteil gesättigter Fettsäuren. Lege fest, welche Prüfungen nötig sind, um Volumen, Porung, Saftigkeit, Oxidationsstabilität und Lagerqualität abzusichern.


Lernkontrolle
- Transfer Fettwahl: Ein Hersteller ersetzt in einer Rührkuchenrezeptur ein plastisches Backfett vollständig durch Rapsöl. Erkläre, welche Veränderungen bei Luftaufnahme, Emulsionsstabilität und Porenstruktur zu erwarten sind und welche Prozess- oder Rezepturmaßnahmen das ausgleichen könnten.
- Prozessdiagnose Ziehfett: Eine Ziehmargarine bricht beim ersten Walzdurchgang in Plattenstücke. Entwickle eine systematische Fehlerdiagnose und nenne mindestens drei prüfbare Prozessparameter, bevor die Rezeptur verändert wird.
- SFC Interpretation: Zwei Fette besitzen bei 10 °C einen ähnlichen Festfettanteil, unterscheiden sich aber bei 25 °C und 35 °C stark. Leite daraus ab, warum sie sich bei Verarbeitung und Verzehr unterschiedlich verhalten können.
- Emulsionsstörung: Eine industrielle Kuchenmasse zeigt nach einer Rohstoffumstellung Fettabscheidung. Erkläre mögliche Ursachen auf Ebene von Grenzfläche, Emulgator, Mischenergie und Temperatur und schlage Prüfversuche vor.
- Oxidationsstrategie: Ein lang haltbarer Keks entwickelt nach mehreren Monaten kartonartige Fehlaromen. Entwickle eine Ursachenhypothese und einen Prüfplan, der Rohstoff, Verpackung, Sauerstoff, Licht und Lagertemperatur berücksichtigt.
- Rohstoffentscheidung: Vergleiche Butter, Ziehmargarine und ein flüssiges High-Oleic-Öl für ein laminiertes Gebäck. Entscheide begründet, welche Variante ohne zusätzliche Strukturierung am besten geeignet ist und welche Zielkonflikte bestehen.
- Innovationsbewertung: Beurteile ein Oleogel als möglichen Ersatz für konventionelles Backfett. Formuliere technologische Mindestanforderungen und zeige, welche Untersuchungen vor einer industriellen Einführung erforderlich wären.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du nicht nur Begriffe wiedergeben, sondern Fettfunktionen aus chemischer Struktur und Prozessbedingungen ableiten kannst.
- Du erklärst den Aufbau von Triacylglyceriden und den Einfluss von Kettenlänge, Sättigungsgrad sowie cis-trans-Geometrie auf das Schmelzverhalten.
- Du interpretierst den Solid Fat Content als temperaturabhängigen Kennwert und verknüpfst ihn mit Härte, Plastizität und Mundschmelz.
- Du erklärst die Entstehung eines Fettkristallnetzwerks und ordnest α-, β′- und β-Formen in die Polymorphie von Nahrungsfetten ein.
- Du unterscheidest Wasser-in-Öl- und Öl-in-Wasser-Emulsionen und erklärst die amphiphile Wirkung von Emulgatoren.
- Du begründest die Funktionen von Fett bei Mürbung, Creaming, Lamination, Schmierung, Mundgefühl, Feuchtemigration und Wärmeübertragung.
- Du vergleichst Butter, Margarine, Shortening, Pflanzenöle, Palmfraktionen, laurische Fette und Kakaobutter anhand technologischer Kriterien.
- Du erklärst Blending, Fraktionierung, Hydrierung und Umesterung als Verfahren zur Einstellung funktioneller Fettphasen.
- Du analysierst typische Produktionsfehler anhand von Temperatur, SFC, Plastizität, Kristallisation, Emulgierung und Oxidation.
- Du kannst für eine konkrete industrielle Backware eine Fettphase auswählen und Deine Entscheidung fachlich sowie prozesstechnisch begründen.
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