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Extraktion - Chemie

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Extraktion - Chemie



Extraktion - Chemie


Einleitung

Die Extraktion ist ein Trennverfahren, bei dem ein geeigneter Stoff – meist ein Lösungsmittel – bestimmte Bestandteile aus einem Stoffgemisch herauslöst. Das kennst Du aus dem Alltag: Beim Aufbrühen von Tee oder Kaffee gehen Farb-, Geruchs- und Geschmacksstoffe in das heiße Wasser über.

In der Chemie wird die Extraktion gezielt eingesetzt. Entscheidend ist, dass sich ein Stoff in einem Lösungsmittel besser löst als die übrigen Bestandteile. Du lernst hier die Fest-Flüssig-Extraktion, die Flüssig-Flüssig-Extraktion und die Soxhlet-Extraktion kennen.


Lernziele

  1. Extraktion: Du erklärst das Grundprinzip mit eigenen Worten.
  2. Löslichkeit: Du begründest, warum ein Stoff in ein bestimmtes Lösungsmittel übergeht.
  3. Scheidetrichter: Du beschreibst die sichere Trennung zweier Flüssigkeitsphasen.
  4. Soxhlet-Aufsatz: Du erkennst die Funktion einer kontinuierlichen Extraktion.
  5. Nernstsches Verteilungsgesetz: Du deutest einen einfachen Verteilungskoeffizienten.
  6. Nachhaltige Chemie: Du bewertest Lösungsmittel nach Sicherheit und Umweltwirkung.


Grundprinzip der Extraktion

Ein Gemisch wird mit einem Extraktionsmittel in Kontakt gebracht. Der gesuchte Stoff löst sich darin und wird aus dem ursprünglichen Gemisch herausgezogen. Danach werden die entstandenen Phasen getrennt.

Wichtige Begriffe sind:

  1. Extraktionsgut: das ursprüngliche Stoffgemisch
  2. Extraktionsmittel: das verwendete Lösungsmittel
  3. Extrakt: die Phase, die den herausgelösten Stoff enthält
  4. Raffinat: der zurückbleibende, an diesem Stoff ärmere Anteil

Die Extraktion beruht vor allem auf Löslichkeit, Diffusion und einem sich einstellenden Verteilungsgleichgewicht. Eine große Kontaktfläche beschleunigt den Stoffübergang.


Warum löst sich ein Stoff?

Stoffe unterscheiden sich in ihrer Polarität. Als einfache Merkhilfe gilt: Ähnliches löst sich in Ähnlichem. Polare Stoffe lösen sich meist gut in polaren Lösungsmitteln wie Wasser. Unpolare Stoffe lösen sich meist besser in unpolaren Lösungsmitteln.

Diese Regel ist eine Orientierung, keine vollständige Vorhersage. Auch Temperatur, pH-Wert, Teilchengröße und chemische Wechselwirkungen beeinflussen die Extraktion.


Arten der Extraktion


Fest-Flüssig-Extraktion

Bei der Fest-Flüssig-Extraktion werden lösliche Bestandteile aus einem Feststoff herausgelöst. Beispiele sind Tee, Kaffee, Gewürzauszüge oder die Gewinnung pflanzlicher Farbstoffe.

Je kleiner die Feststoffteilchen sind, desto größer ist ihre Oberfläche. Dadurch kann das Lösungsmittel schneller eindringen. Höhere Temperaturen beschleunigen häufig die Extraktion, können empfindliche Stoffe aber auch verändern.


Flüssig-Flüssig-Extraktion

Hier verteilt sich ein gelöster Stoff zwischen zwei Flüssigkeiten, die sich nicht miteinander mischen. Häufig besteht eine Phase aus Wasser und die andere aus einem organischen Lösungsmittel.

Im Labor wird dafür oft ein Scheidetrichter verwendet. Nach dem Mischen bilden sich wieder zwei Schichten. Die dichtere Flüssigkeit befindet sich unten. Welche Phase unten liegt, muss anhand der Stoffdaten geprüft werden; Wasser ist nicht immer die untere Phase.


Kontinuierliche Extraktion mit dem Soxhlet-Aufsatz

Der Soxhlet-Aufsatz dient zur wiederholten Extraktion eines Feststoffs mit zirkulierendem Lösungsmittel. Das Lösungsmittel verdampft, kondensiert im Kühler und tropft auf das Extraktionsgut. Sobald die Kammer gefüllt ist, fließt der Extrakt über einen Saugheber zurück in den Kolben. Dieser Kreislauf wiederholt sich automatisch.


Arbeiten mit dem Scheidetrichter

Eine Flüssig-Flüssig-Extraktion wird im Unterricht nur unter fachkundiger Aufsicht durchgeführt.

  1. Prüfe, ob der Hahn geschlossen ist, und fülle die Ausgangslösung sowie das Extraktionsmittel ein.
  2. Verschließe den Scheidetrichter und sichere den Stopfen mit der Hand.
  3. Schüttle zunächst vorsichtig und halte die Öffnung von Menschen weg.
  4. Entlüfte regelmäßig über den Hahn, weil sich Druck aufbauen kann.
  5. Stelle den Scheidetrichter in den Stativring und warte auf eine klare Phasengrenze.
  6. Entferne vor dem Ablassen den Stopfen und trenne die Phasen in beschriftete Gefäße.
  7. Bewahre beide Phasen auf, bis sicher ist, in welcher sich der gesuchte Stoff befindet.

Datei:Extrakce v chemické laboratoři.webm


Sicherheit

Im Chemieraum gelten Schutzbrille, geeignete Schutzkleidung und die Anweisungen der Lehrkraft. Viele organische Lösungsmittel sind leicht entzündlich, gesundheitsschädlich oder umweltgefährlich. Sie dürfen nicht eingeatmet, probiert oder über den Ausguss entsorgt werden. Experimente mit solchen Stoffen gehören in ein geeignetes Labor und gegebenenfalls in den Abzug.


Einflussgrößen

  1. Löslichkeit: Das Extraktionsmittel soll den Zielstoff möglichst gut lösen.
  2. Mischbarkeit: Bei der Flüssig-Flüssig-Extraktion müssen sich zwei Phasen bilden können.
  3. Oberfläche: Zerkleinern und Mischen vergrößern die Kontaktfläche.
  4. Temperatur: Erwärmen kann den Stoffübergang beschleunigen.
  5. pH-Wert: Säuren und Basen können die Löslichkeit bestimmter Stoffe verändern.
  6. Extraktionsdauer: Die Verteilung benötigt Zeit.
  7. Mehrfache Extraktion: Mehrere kleine Portionen Extraktionsmittel sind oft wirksamer als eine einzige große Portion.


Mathematische Vertiefung: Verteilungskoeffizient

Bei einer Flüssig-Flüssig-Extraktion verteilt sich ein Stoff zwischen zwei Phasen. Ein einfacher Verteilungskoeffizient ist:

K=corgcaq

Dabei ist corg die Gleichgewichtskonzentration in der organischen Phase und caq die Gleichgewichtskonzentration in der wässrigen Phase. Bei K=3 ist die Konzentration in der organischen Phase dreimal so groß wie in der wässrigen Phase.

Für eine wässrige Phase mit dem Volumen Vaq und eine organische Phase mit dem Volumen Vorg kann der verbleibende Stoffanteil vereinfacht beschrieben werden durch:

q=VaqVaq+KVorg

Nach n gleich großen Extraktionen bleibt näherungsweise der Anteil qn zurück. Das erklärt, warum wiederholtes Extrahieren mit kleinen Lösungsmittelportionen besonders wirksam sein kann.


Vergleich mit anderen Trennverfahren

Bei der Filtration wird ein unlöslicher Feststoff von einer Flüssigkeit getrennt. Bei der Destillation nutzt man unterschiedliche Siedetemperaturen. Bei der Extraktion nutzt man vor allem unterschiedliche Löslichkeiten. Oft werden mehrere Trennverfahren kombiniert: Nach einer Fest-Flüssig-Extraktion kann filtriert werden; anschließend lässt sich das Lösungsmittel durch Destillation oder Eindampfen entfernen.


Anwendungen

Extraktionen werden in der Lebensmittelchemie, Pharmazie, Umweltanalytik, Naturstoffchemie und bei der Aufarbeitung chemischer Reaktionsgemische eingesetzt. Beispiele sind das Herauslösen von Aromastoffen, Farbstoffen, Fetten oder Spurenstoffen aus Boden- und Wasserproben.

Eine gute Verfahrenswahl berücksichtigt nicht nur die Ausbeute. Auch Energiebedarf, Wiederverwendbarkeit, Giftigkeit und Entsorgung des Lösungsmittels sind wichtig. Grüne Chemie versucht, gefährliche Stoffe und unnötigen Ressourcenverbrauch zu vermeiden.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was ist das Grundprinzip einer Extraktion? (Ein Stoff wird mit einem geeigneten Lösungsmittel aus einem Gemisch herausgelöst) (!Ein Feststoff wird ausschließlich durch Sieben getrennt) (!Eine Flüssigkeit wird immer vollständig verdampft) (!Ein Stoff wird nur durch Magnetismus abgetrennt)




Wie heißt das bei der Extraktion eingesetzte Lösungsmittel? (Extraktionsmittel) (!Raffinat) (!Katalysator) (!Indikator)




Was bezeichnet man als Extrakt? (Die an dem herausgelösten Stoff angereicherte Phase) (!Den leeren Scheidetrichter) (!Den unbenutzten Filter) (!Die Wärmequelle)




Welche Eigenschaft wird bei der Extraktion besonders genutzt? (Unterschiedliche Löslichkeit) (!Gleiche Schmelztemperatur) (!Gleiche elektrische Ladung) (!Identische Teilchengröße)




Wofür wird ein Scheidetrichter verwendet? (Zur Trennung nicht mischbarer Flüssigkeitsphasen) (!Zum Mahlen eines Feststoffs) (!Zum Messen einer Masse) (!Zum Erzeugen eines Vakuums)




Wo befindet sich im Scheidetrichter die dichtere Flüssigkeit? (Unten) (!Immer oben) (!Nur am Stopfen) (!Ausschließlich im Hahn)




Warum muss ein Scheidetrichter beim Schütteln entlüftet werden? (Weil sich im Inneren Druck aufbauen kann) (!Weil die Flüssigkeiten sonst gefrieren) (!Weil der Hahn sonst magnetisch wird) (!Weil dadurch die Dichte verschwindet)




Was bewirkt das Zerkleinern eines festen Extraktionsguts meist? (Die Kontaktfläche wird größer) (!Die Löslichkeit wird immer null) (!Das Lösungsmittel wird fest) (!Die Masse des Stoffes verdoppelt sich)




Welche Aussage zur mehrfachen Extraktion trifft häufig zu? (Mehrere kleine Portionen sind wirksamer als eine gleich große Gesamtmenge auf einmal) (!Eine zweite Extraktion kann nie Stoff übertragen) (!Nur die erste Portion enthält ein Lösungsmittel) (!Die Zahl der Extraktionen hat grundsätzlich keinen Einfluss)




Welche Aufgabe hat der Kühler in einer Soxhlet-Apparatur? (Er kondensiert den Lösungsmitteldampf) (!Er zerkleinert das Extraktionsgut) (!Er misst den pH-Wert) (!Er trennt Feststoffe durch Magnetismus)





Memory

Extraktionsgut ursprüngliches Stoffgemisch
Extraktionsmittel verwendetes Lösungsmittel
Extrakt angereicherte Phase
Raffinat zurückbleibender Anteil
Scheidetrichter Trennung nicht mischbarer Flüssigkeiten
Soxhlet-Aufsatz kontinuierliche Feststoffextraktion
Verteilungskoeffizient Verhältnis zweier Gleichgewichtskonzentrationen





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Extraktionsgut Ausgangsgemisch
Extraktionsmittel Lösungsmittel
Extrakt angereicherte Phase
Raffinat zurückbleibende Phase
Scheidetrichter Phasentrennung




...


Kreuzworträtsel

Lösungsmittel Welcher Stoff löst bei einer Extraktion den Zielstoff heraus?
Scheidetrichter Welches Laborgerät trennt zwei nicht mischbare Flüssigkeiten?
Raffinat Wie heißt der an Zielstoff ärmere Rückstand einer Extraktion?
Extrakt Wie heißt die an Zielstoff angereicherte Phase?
Soxhlet Welcher Apparat ermöglicht eine wiederholte Feststoffextraktion?
Polarität Welche Stoffeigenschaft hilft bei der Wahl des Lösungsmittels?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Bei einer Extraktion wird ein Stoff aus einem

herausgelöst. Das verwendete Lösungsmittel heißt

. Die angereicherte Phase wird als

bezeichnet. Zwei nicht mischbare Flüssigkeiten lassen sich im

trennen. Die dichtere Phase befindet sich nach der Trennung

. Regelmäßiges Entlüften verhindert einen gefährlichen

. Eine große Oberfläche kann die Extraktion

. Im Soxhlet-Aufsatz wird das Lösungsmittel durch Verdampfen und

wiederholt eingesetzt.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Alltagsextraktion: Fotografiere oder zeichne drei Beispiele aus dem Alltag und erkläre jeweils, welcher Stoff herausgelöst wird.
  2. Begriffskarten: Gestalte Karten zu Extraktionsgut, Extraktionsmittel, Extrakt und Raffinat.
  3. Phasenmodell: Zeichne einen Scheidetrichter mit zwei Flüssigkeitsschichten und beschrifte alle wichtigen Teile.
  4. Medienanalyse: Wähle eines der eingebetteten Videos und notiere drei richtige Beobachtungen sowie eine offene Frage.


Standard

  1. Tee-Experiment: Vergleiche unter Anleitung die Farbintensität eines Teeaufgusses bei kaltem und warmem Wasser. Halte die übrigen Bedingungen möglichst gleich.
  2. Teilchengröße: Plane einen Versuch dazu, wie grobe und fein zerkleinerte Pflanzenteile die Extraktionsgeschwindigkeit beeinflussen.
  3. Trennverfahrensvergleich: Erstelle ein Schaubild, das Extraktion, Filtration und Destillation gegenüberstellt.
  4. Erklärvideo: Produziere ein kurzes Video, das die sichere Arbeit mit einem Scheidetrichter modellhaft erklärt.


Schwer

  1. Verteilungsrechnung: Berechne mit selbst gewählten, plausiblen Werten den verbleibenden Stoffanteil nach einer und nach zwei Extraktionen.
  2. Versuchsplanung: Entwickle einen kontrollierten Schulversuch zur Gewinnung eines Pflanzenfarbstoffs und begründe Lösungsmittel, Temperatur und Teilchengröße.
  3. Nachhaltigkeitsbewertung: Vergleiche zwei mögliche Extraktionsmittel nach Wirksamkeit, Gefährdung, Energiebedarf und Entsorgung.
  4. Berufserkundung: Befrage eine Fachperson aus Labor, Apotheke, Lebensmitteltechnik oder Umweltanalytik zur Bedeutung der Extraktion und dokumentiere das Gespräch.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Transfer Alltag Labor: Erkläre, welche Schritte beim Kaffeekochen als Extraktion und welche als Filtration gelten.
  2. Lösungsmittelwahl: Begründe, warum ein unpolares Öl nicht gut geeignet ist, einen stark polaren Stoff aus Wasser herauszulösen.
  3. Fehleranalyse Scheidetrichter: Eine Lerngruppe lässt den Stopfen beim Ablassen eingesetzt. Erkläre die mögliche Folge und formuliere eine sichere Korrektur.
  4. Optimierung: Eine Extraktion verläuft sehr langsam. Entwickle drei begründete Verbesserungen, ohne einfach mehr Lösungsmittel zu verwenden.
  5. Mehrfache Extraktion: Erkläre qualitativ, warum zwei kleinere Extraktionen oft wirksamer sind als eine einzige Extraktion mit derselben Gesamtmenge Lösungsmittel.
  6. Nachhaltige Entscheidung: Bewerte ein wirksames, aber giftiges Lösungsmittel gegenüber einem etwas weniger wirksamen, deutlich sichereren Lösungsmittel.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis solltest Du:

  1. das Prinzip der Extraktion fachsprachlich korrekt erklären,
  2. Extraktionsgut, Extraktionsmittel, Extrakt und Raffinat unterscheiden,
  3. Fest-Flüssig- und Flüssig-Flüssig-Extraktion vergleichen,
  4. den Aufbau und die Sicherheitsregeln des Scheidetrichters beschreiben,
  5. das Soxhlet-Prinzip in einem Ablaufdiagramm darstellen,
  6. einen Verteilungskoeffizienten deuten,
  7. Einflussgrößen auf die Extraktion begründen,
  8. eine Extraktionsmethode unter Sicherheits- und Umweltaspekten bewerten.




OERs zum Thema

  1. Wikipedia: Extraktion als Trennverfahren
  2. Wikipedia: Scheidetrichter
  3. Wikipedia: Soxhlet-Aufsatz
  4. Wikimedia Commons: Medien zur chemischen Extraktion



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