Erinnerungskultur - Deutschland

Erinnerungskultur - Deutschland
Einleitung
Erinnerungskultur beschreibt die Formen, in denen eine Gesellschaft mit ihrer Vergangenheit umgeht: Was wird erinnert? An wen wird erinnert? Wer entscheidet darüber? Und welche Bedeutung hat Geschichte für die Gegenwart? In Deutschland ist Erinnerungskultur besonders eng mit der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, dem Holocaust beziehungsweise der Shoah, dem Zweiten Weltkrieg und der Verantwortung für die nationalsozialistischen Verbrechen verbunden. Nach der deutschen Wiedervereinigung gewann außerdem die Erinnerung an die SED-Diktatur, die deutsche Teilung und die Opfer des DDR-Grenzregimes an Bedeutung.
Erinnerungskultur besteht nicht nur aus Geschichtsbüchern. Sie zeigt sich in Gedenkstätten, Denkmälern, Mahnmalen, Museen, Gedenktagen, Filmen, Reden, Straßennamen, Schulprojekten, digitalen Archiven und persönlichen Familiengeschichten. Sie verändert sich, weil jede Generation neue Fragen an die Vergangenheit stellt. Deshalb ist Erinnerungskultur kein fertiges Ergebnis, sondern ein gesellschaftlicher Prozess.

Das Berliner Denkmal für die ermordeten Juden Europas gehört zu den bekanntesten Erinnerungsorten Deutschlands. Sein Stelenfeld wurde von Peter Eisenman entworfen und 2005 eröffnet. Unter dem Stelenfeld befindet sich der Ort der Information, der die Verfolgung und Ermordung europäischer Jüdinnen und Juden anhand historischer Informationen und Biografien vermittelt.
Was bedeutet Erinnerungskultur?
Erinnerung ist immer eine Auswahl. Kein Mensch und keine Gesellschaft kann alles Vergangene gleichzeitig im Gedächtnis behalten. Deshalb wird darüber entschieden, welche Ereignisse öffentlich sichtbar werden, welche Opfergruppen benannt werden, welche Orte erhalten bleiben und welche Geschichten in Schule, Politik und Medien erzählt werden.
Eine wissenschaftlich verantwortete Erinnerungskultur muss zwischen historischen Fakten und späteren Deutungen unterscheiden. Historische Forschung fragt nach Quellen, Ursachen, Handlungsspielräumen und Folgen. Erinnerungskultur fragt zusätzlich danach, wie Menschen und Institutionen diese Geschichte in der Gegenwart darstellen und bewerten. Beide Bereiche hängen zusammen, sind aber nicht identisch.
Ein Denkmal erzählt deshalb niemals „die ganze Geschichte“. Schon seine Gestaltung enthält Entscheidungen: Wird eine einzelne Person genannt oder eine große Opfergruppe? Wird ein Tatort erhalten oder ein neues Symbol geschaffen? Werden Täter sichtbar gemacht? Gibt es erklärende Texte? Soll der Ort Trauer ermöglichen, warnen, informieren oder politische Verantwortung deutlich machen?
Merke: Erinnerungskultur bedeutet nicht, die Vergangenheit unverändert aufzubewahren. Sie bedeutet, sich quellenbasiert, kritisch und verantwortungsvoll mit Vergangenheit und ihren Folgen auseinanderzusetzen.
Erinnerungskultur in Deutschland seit 1945
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 standen in Deutschland zunächst Zerstörung, Versorgung, Flucht, Vertreibung, Gefangenschaft und Wiederaufbau im Mittelpunkt vieler persönlicher Erinnerungen. Die Verbrechen des Nationalsozialismus wurden zwar juristisch verfolgt und von Überlebenden öffentlich benannt, doch in großen Teilen der westdeutschen Gesellschaft blieb die Auseinandersetzung mit eigener Beteiligung, Mitwissen und Verantwortung zunächst begrenzt.
In der Bundesrepublik Deutschland veränderte sich dies schrittweise. Gerichtsverfahren wie der Frankfurter Auschwitz-Prozess in den 1960er-Jahren, eine jüngere Generation, kritische Geschichtsforschung, Medienberichte und lokale Initiativen rückten die Verfolgten und Ermordeten stärker in den Mittelpunkt. Der Kniefall von Warschau Willy Brandts 1970 wurde zu einem international beachteten Zeichen der Anerkennung deutscher Verantwortung. 1985 bezeichnete Bundespräsident Richard von Weizsäcker den 8. Mai 1945 in einer viel beachteten Rede als einen „Tag der Befreiung“ von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Diese Deutung prägte die weitere öffentliche Erinnerung stark.
In der DDR erklärte sich der Staat als antifaschistisch. Die Erinnerung an kommunistischen Widerstand und an die Befreiung durch die Sowjetunion nahm einen besonders großen Raum ein. Ehemalige Konzentrationslager wie Buchenwald, Sachsenhausen und Ravensbrück wurden zu Nationalen Mahn- und Gedenkstätten ausgebaut. Gleichzeitig wurden andere Opfergruppen und die vielfältigen gesellschaftlichen Ursachen und Beteiligungen am Nationalsozialismus häufig weniger stark thematisiert. Auch die spätere Nutzung einiger Orte als sowjetische Speziallager wurde in der DDR-Gedenkpolitik weitgehend ausgeblendet.
Nach 1990 mussten unterschiedliche Erinnerungstraditionen zusammengeführt und neu diskutiert werden. Neben der Aufarbeitung der NS-Verbrechen wurde die Erinnerung an die SED-Diktatur, politische Verfolgung, Flucht, die Berliner Mauer und die Opfer des Grenzregimes zu einem wichtigen Teil gesamtdeutscher Erinnerungskultur.
Seit 1999 gibt es eine Gedenkstättenkonzeption des Bundes, die später mehrfach weiterentwickelt wurde. Die 2025 erneuerte Konzeption betont die dauerhafte Verantwortung Deutschlands für die Aufarbeitung staatlicher Verbrechen des 20. Jahrhunderts, die wissenschaftliche Unabhängigkeit von Gedenkstätten, den Erhalt historischer Orte, digitale Vermittlung und Bildungsarbeit. Zugleich bekräftigt sie die besondere historische Bedeutung und Singularität der Shoa und benennt das Unrecht der SED-Diktatur.
Gedenkstätten: Lernen am historischen Ort
Eine Gedenkstätte befindet sich häufig an einem Ort, an dem Verfolgung, Gewalt, Widerstand oder politische Unterdrückung tatsächlich stattgefunden haben. Gebäude, Fundamente, Gegenstände, Fotografien, Akten und Zeugnisse können dort als historische Quellen erhalten sein. Eine Gedenkstätte ist deshalb zugleich Erinnerungsort, Lernort, Forschungsort und häufig auch ein Ort der Trauer.
Die Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar zeigt besonders deutlich, dass ein Ort mehrere historische Schichten besitzen kann. Von 1937 bis 1945 bestand dort das Konzentrationslager Buchenwald. Nach Kriegsende nutzte die sowjetische Besatzungsmacht Teile des Geländes von 1945 bis 1950 als Speziallager Nr. 2. Seit den 1950er-Jahren entwickelte sich Buchenwald zu einer Gedenkstätte. Heute werden diese unterschiedlichen Zeitschichten wissenschaftlich dokumentiert und vermittelt.
Eine andere Form des Lernens am historischen Ort bietet die Topographie des Terrors in Berlin. Auf dem Gelände befanden sich während der NS-Diktatur zentrale Einrichtungen von Gestapo, SS und Reichssicherheitshauptamt. Der Erinnerungsort lenkt damit den Blick ausdrücklich auf Täter, Institutionen und Strukturen nationalsozialistischer Herrschaft.
Gedenkstättenpädagogik versucht, historische Zusammenhänge zu erklären, ohne die Opfer nur als anonyme Zahlen darzustellen. Biografien können zeigen, dass Verfolgte individuelle Lebensgeschichten, Familien, Berufe, Interessen und Zukunftspläne hatten. Ebenso wichtig ist die Frage, wie Täter handelten, welche Institutionen beteiligt waren und welche Handlungsmöglichkeiten Zuschauerinnen, Zuschauer, Mitläufer oder Widerständige besaßen.
Denkmäler und Mahnmale im öffentlichen Raum
Ein Denkmal muss nicht an einem historischen Tatort stehen. Es kann später errichtet werden, um öffentlich an Menschen oder Ereignisse zu erinnern. Der Begriff Mahnmal betont besonders die warnende Funktion: Vergangenes soll nicht nur geehrt oder betrauert werden, sondern zum Nachdenken über Gegenwart und Zukunft anregen.
Die Neue Wache in Berlin zeigt, wie sich die Bedeutung eines Ortes verändern kann. Das Gebäude wurde ursprünglich im 19. Jahrhundert als Wachgebäude errichtet, später mehrfach als Gedenkort umgestaltet und dient seit 1993 als Zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Damit ist die Neue Wache selbst ein Beispiel dafür, dass Denkmäler unterschiedliche politische Systeme und historische Deutungen durchlaufen können.

Das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas in Berlin erinnert an eine Opfergruppe, deren Verfolgung und Ermordung in der deutschen Öffentlichkeit lange nicht angemessen anerkannt wurde. Seine Existenz macht sichtbar, dass Erinnerungskultur auch davon abhängt, welche Gruppen gesellschaftlich Gehör finden und wann ihre Erfahrungen in öffentliche Formen des Gedenkens aufgenommen werden.

Zur nationalsozialistischen Verfolgung gehörten neben dem Völkermord an etwa sechs Millionen europäischen Jüdinnen und Juden auch die Verfolgung und Ermordung von Sinti und Roma, Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen, politischen Gegnerinnen und Gegnern, Homosexuellen, Zeugen Jehovas sowie vielen weiteren Menschen. Millionen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und Menschen in den besetzten Gebieten waren ebenfalls Gewalt, Ausbeutung, Hunger, Verschleppung und Mord ausgesetzt. Erinnerungskultur muss diese unterschiedlichen Verfolgungserfahrungen sichtbar machen, ohne historische Unterschiede zwischen ihnen einzuebnen.
Stolpersteine: Erinnerung im Alltag
Die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig sind ein Beispiel für dezentrale Erinnerung. Kleine Messingtafeln werden in den Gehweg eingelassen und erinnern meist vor dem letzten freiwillig gewählten Wohnort an Menschen, die vom NS-Regime verfolgt, deportiert, vertrieben, ermordet oder in den Suizid getrieben wurden. Die Steine bringen große Geschichte in die unmittelbare Nachbarschaft.

Stolpersteine regen häufig lokale Recherche an. Schülerinnen und Schüler, Vereine, Angehörige oder Geschichtsinitiativen suchen in Archiven nach Biografien und rekonstruieren Lebenswege. Dadurch wird deutlich, dass Verfolgung nicht nur in weit entfernten Lagern stattfand, sondern in Straßen, Schulen, Betrieben und Wohnhäusern begann.
Auch Stolpersteine werden diskutiert. Manche Menschen schätzen ihre Nähe zum Alltag und die Nennung einzelner Namen. Andere kritisieren, dass auf den Tafeln herumgetreten wird oder dass komplexe Biografien auf wenige Zeilen reduziert werden. Solche Debatten gehören zur Erinnerungskultur, solange sie respektvoll, quellenbasiert und unter Einbeziehung der Betroffenen und ihrer Angehörigen geführt werden.
Erinnerung an deutsche Teilung und SED-Diktatur
Die deutsche Erinnerungskultur endet nicht 1945. Die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße erinnert an die deutsche Teilung, den Mauerbau von 1961, Fluchtversuche, Zwangsmaßnahmen des SED-Regimes und Menschen, die an der Grenze ihr Leben verloren. Teile des ehemaligen Grenzstreifens sind am historischen Ort erhalten.

Die Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur darf nicht dazu führen, NS-Verbrechen zu relativieren oder beide Diktaturen gleichzusetzen. Historischer Vergleich ist möglich und sinnvoll, wenn Gemeinsamkeiten und Unterschiede präzise untersucht werden. Die Shoah bleibt ein spezifisches, in seiner systematischen und europaweiten Vernichtungsabsicht singuläres Verbrechen. Zugleich haben auch die Opfer politischer Verfolgung in der DDR Anspruch auf historische Aufarbeitung und öffentliches Gedenken.
Gesellschaftliche Verantwortung
Verantwortung ist nicht dasselbe wie persönliche Schuld. Menschen, die Jahrzehnte nach den Verbrechen geboren wurden, tragen keine persönliche Schuld für Taten früherer Generationen. Eine demokratische Gesellschaft kann jedoch Verantwortung dafür übernehmen, historische Verbrechen aufzuklären, Opfer zu würdigen, Quellen zu bewahren, Gedenkstätten zu schützen und aus der Geschichte Konsequenzen für die Gegenwart zu ziehen.
Diese Verantwortung betrifft Staat, Schulen, Wissenschaft, Medien, Familien, Religionsgemeinschaften, Vereine und einzelne Bürgerinnen und Bürger. Sie zeigt sich beispielsweise darin, Antisemitismus, Rassismus, Antiziganismus, Menschenfeindlichkeit und Geschichtsverfälschung zu widersprechen, die Menschenwürde zu achten und demokratische Rechte zu verteidigen.
Erinnerungskultur kann Demokratie nicht automatisch garantieren. Ein Gedenkstättenbesuch macht einen Menschen nicht von selbst demokratisch. Historisches Lernen kann aber helfen, Mechanismen von Ausgrenzung, Entrechtung und Gewalt zu erkennen. Es kann zeigen, welche Folgen entstehen, wenn Menschenrechte abgeschafft, Minderheiten entmenschlicht, Medien kontrolliert, politische Gegner verfolgt und staatliche Gewalt nicht begrenzt werden.
Streit gehört zur Erinnerungskultur
Öffentliches Erinnern war in Deutschland immer umstritten. Debatten entzünden sich an Fragen wie: Welche Opfergruppen werden sichtbar? Wie sollen Täter dargestellt werden? Darf ein Denkmal verändert oder entfernt werden? Wie kann koloniale Gewalt angemessen erinnert werden? Welche Rolle spielen Familiengeschichten von Flucht und Vertreibung? Wie verändert eine Einwanderungsgesellschaft den Blick auf deutsche Geschichte?
Solche Fragen haben nicht immer nur eine richtige Antwort. Entscheidend ist, dass historische Tatsachen nicht geleugnet oder verfälscht werden und dass unterschiedliche Perspektiven anhand überprüfbarer Quellen diskutiert werden. Besonders problematisch ist Geschichtsrevisionismus, wenn nachweisbare Verbrechen verharmlost, geleugnet oder bewusst umgedeutet werden.
Auch die deutsche Kolonialgeschichte wird zunehmend in erinnerungskulturelle Debatten einbezogen. Dabei geht es unter anderem um koloniale Gewalt, geraubte Kulturgüter, menschliche Überreste in Sammlungen und die Frage nach angemessenen Formen von Anerkennung, Rückgabe und Gedenken. Diese Auseinandersetzung erweitert die Erinnerungskultur, ohne die spezifische Bedeutung der NS-Verbrechen zu ersetzen.
Digitale Erinnerungskultur und Zeitzeugenschaft
Mit dem zeitlichen Abstand zum Nationalsozialismus sterben immer mehr direkte Zeitzeuginnen und Zeitzeugen. Interviews, Videoarchive, Briefe, Tagebücher und digitale Sammlungen gewinnen deshalb an Bedeutung. Digitale Angebote können Quellen weltweit zugänglich machen und neue Formen des Lernens ermöglichen.
Gleichzeitig entstehen neue Probleme. Bilder können aus dem Zusammenhang gerissen, Videos manipuliert und mit künstlicher Intelligenz scheinbar historische Dokumente erzeugt werden. Deshalb wird Quellenkritik noch wichtiger. Du solltest fragen: Wer hat dieses Material erstellt? Wann entstand es? Ist die Herkunft dokumentiert? Wurde es bearbeitet? Passt es zu anderen unabhängigen Quellen? Welche Absicht könnte hinter seiner Veröffentlichung stehen?
Zeitzeugenberichte sind wertvolle persönliche Quellen, aber auch Erinnerungen verändern sich. Ein Interview zeigt eine individuelle Perspektive und ersetzt nicht die Überprüfung durch weitere Quellen. Gerade die Verbindung von persönlicher Erfahrung und wissenschaftlicher Forschung macht historisches Lernen besonders aussagekräftig.
Erinnerungskultur untersuchen: Leitfragen
Wenn Du einen Gedenkort, ein Denkmal oder ein digitales Erinnerungsangebot untersuchst, kannst Du Dich an einigen Leitfragen orientieren. Frage nach dem historischen Ereignis, an das erinnert wird, nach den Initiatorinnen und Initiatoren, nach dem Zeitpunkt der Entstehung, nach den dargestellten und nicht dargestellten Gruppen, nach verwendeten Quellen, nach der Gestaltung und nach der Wirkung auf heutige Besucherinnen und Besucher.
Besonders wichtig ist die Frage, welche Verbindung zur Gegenwart hergestellt wird. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Geschichte bedeutet nicht, aus jedem historischen Ereignis eine einfache Moral abzuleiten. Er bedeutet vielmehr, die Vergangenheit genau zu untersuchen und daraus Fragen an heutiges Handeln, Menschenrechte und demokratische Verantwortung zu entwickeln.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was beschreibt der Begriff Erinnerungskultur am besten? (Gesellschaftliche Formen des Erinnerns und Deutens von Vergangenheit) (!Nur das private Erinnern einzelner Familien) (!Das vollständige Auswendiglernen historischer Jahreszahlen) (!Eine ausschließlich staatliche Form der Geschichtsschreibung)
Welche Aufgabe haben viele Gedenkstätten? (Erinnern Lernen Forschen und Trauern am historischen Ort) (!Vergangenheit durch neue Geschichten zu ersetzen) (!Nur touristische Unterhaltung anzubieten) (!Ausschließlich Kunstwerke ohne historischen Bezug zu zeigen)
Woran erinnert das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin? (An die jüdischen Opfer des Holocaust) (!An die Teilung Berlins) (!An die Opfer des Ersten Weltkriegs) (!An die Revolution von 1848)
Welche Besonderheit zeigt die Geschichte der Gedenkstätte Buchenwald? (Der Ort besitzt mehrere historische Zeitschichten) (!Der Ort wurde erst nach 1990 errichtet) (!Der Ort war ausschließlich ein Kunstmuseum) (!Der Ort erinnert nur an die Berliner Mauer)
Was ist ein zentrales Merkmal der Stolpersteine? (Sie erinnern dezentral an einzelne verfolgte Menschen) (!Sie stehen nur in staatlichen Museen) (!Sie erinnern ausschließlich an militärische Siege) (!Sie bestehen aus großen Marmorsäulen)
Welche Erinnerung prägte die offizielle DDR besonders stark? (Der antifaschistische Widerstand und die Befreiung durch die Sowjetunion) (!Die koloniale Expansion des Kaiserreichs) (!Die Geschichte der Europäischen Union) (!Die westdeutsche Studentenbewegung)
Welche Bedeutung hatte die Rede Richard von Weizsäckers von 1985? (Sie bezeichnete den 8 Mai 1945 als Tag der Befreiung von der NS-Gewaltherrschaft) (!Sie erklärte den Mauerbau zum Beginn der Wiedervereinigung) (!Sie schaffte alle Gedenkstätten in Deutschland ab) (!Sie begründete die DDR)
Wie unterscheiden sich persönliche Schuld und gesellschaftliche Verantwortung? (Später Geborene tragen keine persönliche Schuld können aber Verantwortung für Aufarbeitung übernehmen) (!Jeder heute lebende Mensch trägt persönliche Schuld an historischen Verbrechen) (!Gesellschaftliche Verantwortung bedeutet die Vergangenheit zu vergessen) (!Persönliche Schuld und gesellschaftliche Verantwortung sind immer identisch)
Woran erinnert die Gedenkstätte Berliner Mauer besonders? (An deutsche Teilung Mauerbau Flucht und Opfer des Grenzregimes) (!An die Reformation) (!An die Gründung des Deutschen Kaiserreichs) (!An die mittelalterliche Stadtmauer Berlins)
Warum ist Quellenkritik in der digitalen Erinnerungskultur besonders wichtig? (Digitale Inhalte können verändert aus dem Zusammenhang gerissen oder künstlich erzeugt werden) (!Digitale Quellen sind grundsätzlich immer falsch) (!Historische Quellen dürfen niemals miteinander verglichen werden) (!Nur gedruckte Bücher können historische Informationen enthalten)
Memory
| Gedenkstätte | historischer Lern- und Erinnerungsort |
| Mahnmal | warnendes Erinnerungszeichen |
| Stolperstein | dezentrales biografisches Kleindenkmal |
| Buchenwald | Konzentrationslager und später sowjetisches Speziallager |
| Topographie des Terrors | Erinnerungsort am ehemaligen Täterzentrum von Gestapo und SS |
| Bernauer Straße | Erinnerungsort der deutschen Teilung |
| Neue Wache | zentrale Gedenkstätte für Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft |
| Zeitzeugnis | persönliche historische Erfahrung als Quelle |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Stolperstein | biografisches Kleindenkmal |
| Buchenwald | historischer Ort mit mehreren Zeitschichten |
| Topographie des Terrors | Tätergeschichte nationalsozialistischer Institutionen |
| Stelenfeld | Denkmal für die ermordeten Juden Europas |
| Bernauer Straße | Erinnerung an Mauer und Teilung |
| Quellenkritik | Prüfung von Herkunft Perspektive und Aussagekraft |
Kreuzworträtsel
| Erinnerung | Wie heißt der bewusste Bezug auf Vergangenes als Teil des Gedenkens? |
| Buchenwald | Welche Gedenkstätte bei Weimar erinnert an ein Konzentrationslager und ein sowjetisches Speziallager? |
| Stolperstein | Wie heißt das in Gehwege eingelassene biografische Kleindenkmal im Singular? |
| Demokratie | Welche Staats- und Gesellschaftsform soll historisch-politische Bildungsarbeit stärken? |
| Mahnmal | Wie nennt man ein Denkmal das besonders zum Nachdenken und Warnen anregen soll? |
| Quellenkritik | Welche Methode prüft Herkunft Perspektive und Aussagekraft historischer Zeugnisse? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Denkmalanalyse: Suche in Deinem Wohnort oder in Deiner Region ein Denkmal, eine Gedenktafel oder einen Stolperstein. Beschreibe Gestaltung, Standort und Inschrift und erkläre, an wen oder was erinnert wird.
- Biografiearbeit: Recherchiere die Lebensgeschichte einer Person, an die ein Stolperstein erinnert. Nutze mindestens zwei überprüfbare Quellen und gestalte eine kurze biografische Seite.
- Bildanalyse: Vergleiche zwei Bilder von Gedenkorten aus diesem aiMOOC. Beschreibe zuerst nur, was Du siehst, und deute anschließend, welche Wirkung die Gestaltung erzeugen könnte.
- Gedenktag: Wähle einen Gedenktag wie den 27. Januar oder den 9. November und erstelle eine kurze Erklärung dazu, welche historischen Ereignisse mit diesem Datum verbunden sind.
Standard
- Oral History: Führe ein Interview mit einer älteren Person über ihre Erinnerung an ein historisches Ereignis oder einen Gedenktag. Trenne im Ergebnis klar zwischen persönlicher Erinnerung und überprüfbaren historischen Fakten und beachte Einverständnis und Datenschutz.
- Gedenkstättenbesuch: Plane einen Besuch einer Gedenkstätte. Entwickle vorher fünf historische Fragen und fünf Regeln für einen respektvollen Umgang am Ort. Werte anschließend aus, welche Fragen beantwortet wurden.
- Podcast: Produziere eine fünf- bis siebenminütige Audiofolge über einen Erinnerungsort. Erkläre seine Geschichte, seine heutige Gestaltung und eine aktuelle gesellschaftliche Frage, die sich daraus ergibt.
- Digitale Erinnerungskultur: Vergleiche drei digitale Angebote von Gedenkstätten oder Archiven. Untersuche Quellenangaben, Benutzerfreundlichkeit, Perspektivenvielfalt und Möglichkeiten zur eigenen Recherche.
Schwer
- Kontroverse Erinnerung: Untersuche eine öffentliche Debatte über ein Denkmal, einen Straßennamen oder einen Gedenkort. Rekonstruiere mindestens drei unterschiedliche Positionen und bewerte ihre historischen Begründungen.
- Ausstellungskonzept: Entwirf eine kleine Ausstellung mit sechs Objekten oder Quellen zum Thema Erinnerungskultur in Deutschland. Begründe Auswahl, Reihenfolge, Texte und Zielgruppe.
- Geschichtspolitik: Vergleiche die offizielle Erinnerung an den Nationalsozialismus in Bundesrepublik und DDR. Zeige Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Veränderungen nach 1990 anhand von Quellen.
- Public History: Entwickle für Schule, Gemeinde oder Verein ein eigenes Erinnerungsprojekt. Formuliere Ziel, Zielgruppe, historische Grundlage, Medien, Kooperationspartner, ethische Regeln und eine Methode zur Evaluation.


Lernkontrolle
- Gedenkstätte und Denkmal: Erkläre an zwei konkreten Beispielen, warum ein historischer Tatort andere Lernmöglichkeiten bietet als ein später errichtetes Denkmal. Beziehe Gestaltung, Quellen und Wirkung ein.
- Erinnerungskonflikt: Eine Kommune möchte ein umstrittenes Denkmal entfernen, eine andere Gruppe möchte es unverändert stehen lassen. Entwickle eine dritte Lösung und begründe, wie historische Information, Opferperspektiven und öffentlicher Diskurs berücksichtigt werden können.
- Vergleich von Diktaturerfahrungen: Zeige, wie NS-Verbrechen und SED-Unrecht gemeinsam in einer Ausstellung behandelt werden können, ohne beide Systeme gleichzusetzen. Formuliere Kriterien für einen verantwortungsvollen Vergleich.
- Digitale Quellenprüfung: Ein verbreitetes Video behauptet, eine historische Aufnahme zu zeigen, nennt aber keine Quelle. Entwirf ein Prüfverfahren, mit dem Du Echtheit, Kontext und Aussagekraft untersuchen würdest.
- Gesellschaftliche Verantwortung: Beurteile die Aussage „Wer keine persönliche Schuld trägt, braucht sich mit den Verbrechen früherer Generationen nicht zu beschäftigen.“ Entwickle eine begründete Gegenposition oder Zustimmung auf Grundlage des aiMOOCs.
- Multiperspektivität: Entwirf für einen Erinnerungsort drei Ausstellungstexte aus unterschiedlichen Perspektiven, etwa Opfer, Angehörige und historische Forschung. Erkläre anschließend, warum keine einzelne Perspektive allein ausreicht.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Fakten nennst, sondern historische Zusammenhänge, Deutungen und gesellschaftliche Folgen erklären kannst.
- Begriffskompetenz: Du kannst Erinnerungskultur, Gedenkstätte, Denkmal, Mahnmal, Zeitzeugnis und Quellenkritik unterscheiden und anwenden.
- Historische Entwicklung: Du kannst wichtige Veränderungen der deutschen Erinnerungskultur seit 1945 in Bundesrepublik, DDR und vereinigtem Deutschland erklären.
- Fallbeispiele: Du kannst mindestens drei konkrete Erinnerungsorte historisch einordnen und ihre Gestaltung untersuchen.
- Opferperspektiven: Du kannst unterschiedliche Gruppen nationalsozialistisch Verfolgter benennen und erklären, warum ihre öffentliche Anerkennung unterschiedlich verlief.
- Vergleichskompetenz: Du kannst NS-Verbrechen und SED-Unrecht untersuchen, ohne historische Unterschiede zu verwischen oder Verbrechen gegeneinander aufzurechnen.
- Quellenkompetenz: Du kannst Bilder, Interviews, Denkmäler und digitale Angebote hinsichtlich Herkunft, Perspektive und Aussagekraft kritisch prüfen.
- Urteilskompetenz: Du kannst zu einer erinnerungskulturellen Kontroverse ein eigenes, sachlich begründetes Urteil formulieren.
- Handlungskompetenz: Du kannst erläutern, wie historisches Erinnern mit Menschenwürde, Menschenrechten, Zivilcourage und demokratischer Verantwortung verbunden ist.
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