Elvis Presley – Just Pretend


Elvis Presley – Just Pretend
Elvis Presley – Just Pretend

Einleitung
Just Pretend ist eine von Elvis Presley interpretierte Ballade aus dem Jahr 1970. Geschrieben wurde das Lied von Guy Fletcher und Doug Flett. Presley nahm es am 6. Juni 1970 im RCA Studio B in Nashville auf. Im November desselben Jahres erschien die Aufnahme auf dem Album That's the Way It Is.[1]
In diesem aiMOOC untersuchst Du das Lied nicht nur als Aufnahme eines berühmten Sängers, sondern als Ergebnis vieler künstlerischer Entscheidungen. Du lernst, zwischen Komposition, Interpretation, Arrangement, Musikproduktion und Rezeption zu unterscheiden. Außerdem analysierst Du, wie Stimme, Instrumente, Dynamik und Aufnahmetechnik eine Erzählung über Trennung, Erinnerung und erhoffte Nähe formen.
Der Kurs verwendet keine vollständigen Liedtexte. Inhaltliche Aussagen werden zusammengefasst und mit musikalischen Beobachtungen verbunden. So kannst Du eine fundierte Songanalyse durchführen und zugleich einen verantwortungsvollen Umgang mit urheberrechtlich geschützten Werken einüben.
Hörauftrag: Achte beim ersten Hören nur auf den Spannungsverlauf. Notiere, an welchen Stellen die Stimme zurückhaltend wirkt und an welchen Stellen das Arrangement größer, dichter oder eindringlicher wird.
Lernbereiche
- Musikgeschichte: Einordnung des Liedes in Elvis Presleys Schaffensphase um 1970.
- Songanalyse: Untersuchung von Form, Harmonik, Rhythmus, Dynamik, Klangfarbe und Gesang.
- Musikproduktion: Verständnis von Grundaufnahme, Overdub, Mischung und analoger Studiotechnik.
- Englisch: Deutung zentraler Motive und sprachlicher Gestaltung des Songs.
- Medienbildung: Kritischer Umgang mit Quellen, Videos, Bildern, Bearbeitungen und Urheberrecht.
- Kulturelle Bildung: Reflexion über Authentizität, Erinnerungskultur und posthume Werkbearbeitung.
Lernziele
- Historische Einordnung: Du kannst Just Pretend in Presleys Schaffensphase um 1970 und in den Kontext von That's the Way It Is einordnen.
- Musikalische Analyse: Du kannst Form, Klangfarbe, Dynamik, Rhythmus, Harmonik und Gesang beschreiben.
- Textdeutung: Du kannst die Perspektive des lyrischen Ichs untersuchen, ohne Interpret und erzählende Figur gleichzusetzen.
- Studioaufnahme: Du kannst erklären, wie Grundaufnahme, Overdubs, Arrangement und Mischung zusammenwirken.
- Vergleichendes Hören: Du kannst Studio-, Live- und Orchesterfassungen nach nachvollziehbaren Kriterien vergleichen.
- Medienkompetenz: Du kannst Quellen, Videos, Bilder und spätere Bearbeitungen kritisch beurteilen.
- Kreativer Transfer: Du kannst Gestaltungsprinzipien des Liedes auf eigene musikalische oder mediale Projekte übertragen.
Historischer und künstlerischer Kontext
Elvis Presley um 1970
Nach seinem im Fernsehen ausgestrahlten Comeback von 1968 und der Rückkehr zu regelmäßigen Bühnenauftritten begann für Elvis Presley eine neue künstlerische Phase. Neben Rock-'n'-Roll-Titeln präsentierte er nun verstärkt Balladen, Country-Songs, Gospel-Einflüsse und groß angelegte Bühnenarrangements. Seine Aufnahmen aus dieser Zeit zeigen ihn als Interpreten, der vorhandene Kompositionen durch Stimme, Phrasierung, Dynamik und persönliche Ausdrucksweise neu formte.
Für eine sachgerechte Analyse ist deshalb eine wichtige Unterscheidung notwendig: Elvis Presley war bei Just Pretend der Interpret, nicht der Urheber der Komposition. Das Lied stammt von Guy Fletcher und Doug Flett. Presleys künstlerische Leistung liegt in der gesanglichen Ausgestaltung und in der Zusammenarbeit mit den beteiligten Studiomusikern, Arrangeuren und Produzenten.
Das Album That's the Way It Is
Das Album That's the Way It Is verbindet Studioaufnahmen aus Nashville mit Liveaufnahmen aus Las Vegas. Es erschien parallel zum dokumentarischen Konzertfilm gleichen Namens, gilt jedoch nicht einfach als herkömmliches Soundtrackalbum. Der Film zeigt Proben, Vorbereitungen und Bühnenauftritte und macht dadurch sichtbar, wie aus musikalischer Planung eine öffentliche Aufführung entsteht.[2]
Just Pretend gehört zu den Studioaufnahmen des Albums. Die Verbindung von Studioproduktion und Konzertfilm ist für die Analyse besonders ergiebig: Du kannst untersuchen, wie ein Lied im kontrollierten Aufnahmeraum gestaltet wird und wie es sich unter Livebedingungen verändert.
Nashville, Las Vegas und zwei Produktionsräume
Nashville steht in diesem Zusammenhang für konzentrierte Studioarbeit, kontrollierbare Wiederholungen und nachträgliche Ergänzungen. Las Vegas steht für unmittelbare Kommunikation mit dem Publikum, sichtbare Körpersprache, spontane Reaktionen und die Energie eines einmaligen Auftritts.
Die beiden Räume erzeugen unterschiedliche Formen musikalischer Wahrheit. Eine Studioaufnahme kann durch Präzision, Klangbalance und Overdubs überzeugen. Eine Liveaufnahme kann durch Risiko, Präsenz und Interaktion wirken. Keine der beiden Formen ist grundsätzlich authentischer als die andere; sie stellen unterschiedliche künstlerische Situationen dar.
Entstehung und Aufnahme
| Merkmal | Information |
|---|---|
| Titel | Just Pretend |
| Interpret | Elvis Presley |
| Autoren | Guy Fletcher und Doug Flett |
| Aufnahmedatum | 6. Juni 1970 |
| Aufnahmeort | RCA Studio B, Nashville, Tennessee |
| Veröffentlichungskontext | Album That's the Way It Is, November 1970 |
| Plattenfirma | RCA |
| Musikalischer Charakter | Groß angelegte Popballade mit Elementen des Nashville-Studioklangs |
Beteiligte Musiker und Klangfarben
Die offizielle Trackdokumentation nennt unter anderem Elvis Presley, James Burton und Chip Young an Gitarren, Norbert Putnam am Bass, Jerry Carrigan am Schlagzeug, David Briggs am Klavier sowie Charlie McCoy an Orgel und Mundharmonika. Für spätere Ergänzungen wurden weitere Instrumente aufgenommen, darunter Perkussion, Vibraphon, Steel Guitar, Trompeten und Saxophone.[1]
Diese Besetzung zeigt, dass der Klang nicht aus einer einzelnen Begleitgruppe allein entstand. Die Produktion verbindet eine rhythmische Basis mit zusätzlichen Farben. Gitarren und Klavier tragen Harmonie und Puls, Bass und Schlagzeug stabilisieren den Ablauf, während Orgel, Vibraphon, Steel Guitar und Bläser die emotionale Wirkung erweitern.
Grundaufnahme und Overdubs
Eine Grundaufnahme entsteht, wenn Sänger und Musiker einen Titel zunächst gemeinsam oder in wesentlichen Teilen einspielen. Ein Overdub ist eine später hinzugefügte Tonspur. Damit lassen sich Instrumente ergänzen, Klangfarben verdichten oder bestimmte Stellen verstärken.
Overdubs sind nicht bloß technische Korrekturen. Sie können die Dramaturgie eines Liedes gestalten. Ein zurückhaltender Beginn kann im Verlauf durch zusätzliche Instrumente, Hintergrundstimmen und stärkere Akzente anwachsen. Bei Just Pretend unterstützt diese Verdichtung den Eindruck, dass sich eine zunächst private Vorstellung zu einem großen emotionalen Bekenntnis entwickelt.

Bildanalyse: Das Foto zeigt den Hauptraum des historischen RCA Studio B. Überlege, welche Vorteile ein akustisch kontrollierter Raum für die Abstimmung von Stimme, Rhythmusgruppe und weiteren Instrumenten bietet.
Frühe Takes als Lernmaterial
Frühe Takes können hörbar machen, welche Elemente bereits feststehen und welche noch entwickelt werden. Vergleiche dabei nicht nur Fehler oder Abweichungen. Untersuche auch Tempoempfinden, Einsatzsicherheit, Artikulation, Begleitmuster und die Frage, wie geschlossen das Ensemble bereits wirkt.
Ein Take ist keine bloße Vorstufe zu einer vermeintlich perfekten Endfassung. Er dokumentiert Entscheidungen, Suchbewegungen und Zusammenarbeit. Dadurch wird Musikproduktion als Prozess erkennbar.
Analoge Studiotechnik

1970 wurde mit analoger Studiotechnik gearbeitet. Schall wurde über Mikrofone in elektrische Signale umgewandelt, auf Band aufgezeichnet und über Mischpulte bearbeitet. Die Zahl der verfügbaren Spuren war im Vergleich zu heutiger Software begrenzt. Deshalb mussten Aufnahmeplanung, Balance und Zusammenspiel besonders sorgfältig organisiert werden.
Begrenzungen können Kreativität fördern. Musiker und Produktionsteam müssen früh entscheiden, welche Elemente wichtig sind, welche gemeinsam aufgenommen werden und welche später ergänzt werden. Die Aufnahme wird dadurch zu einer gemeinsamen Konstruktion aus musikalischer Darbietung und technischer Gestaltung.
Musikalische Analyse
Form und Dramaturgie
Die Aufnahme lässt sich höranalytisch in eine Einleitung, mehrere wiederkehrende Gesangsabschnitte, deutliche Steigerungsphasen und einen abschließenden Spannungsbogen gliedern. Je nach Notenausgabe können einzelne Abschnitte unterschiedlich als Strophe, Refrain oder Übergang bezeichnet werden. Entscheidend ist deshalb nicht nur die Benennung, sondern die Begründung durch hörbare Merkmale.
Die Titelzeile übernimmt eine Ankerfunktion. Ihre Wiederkehr stabilisiert den Inhalt und verbindet verschiedene Abschnitte miteinander. Gleichzeitig verändert sich ihre Wirkung durch Lautstärke, Begleitung und gesangliche Intensität.
Eine mögliche Formskizze lautet:
- Einleitung: Instrumentaler Klangraum und Vorbereitung der Gesangsstimme.
- Erster Hauptabschnitt: Einführung der Situation und zurückhaltende Ausdrucksweise.
- Wiederkehrender Kern: Verdichtung der zentralen Vorstellung.
- Steigerungsabschnitt: Größere Lautstärke, breiteres Register und dichteres Arrangement.
- Schluss: Zusammenführung von musikalischer und emotionaler Spannung.
Tonalität und Harmonik
Gängige Notenausgaben führen das Lied in Es-Dur. Die Harmonik arbeitet mit vertrauten Beziehungen zwischen tonalem Zentrum, spannungsaufbauenden Akkorden und Auflösungen. Dadurch bleibt die Musik zugänglich, während die Gesangslinie Raum für expressive Dehnung erhält.
Besonders interessant ist der Gegensatz zwischen Dur-Klang und sehnsuchtsvollem Inhalt. Dur bedeutet nicht automatisch Fröhlichkeit. In einer Ballade kann eine Durtonart Hoffnung, Wärme oder idealisierte Nähe ausdrücken, während Text und Vortrag zugleich Verlust und Unsicherheit vermitteln.
Achte beim Hören auf folgende Fragen:
- Wann wirkt ein Akkord stabil und angekommen?
- Wann entsteht der Eindruck, dass die Musik weiterführen muss?
- Welche harmonischen Wendungen begleiten besonders intensive Gesangsmomente?
- Wie verändert sich die Wirkung derselben Harmonie durch Instrumentation und Dynamik?
Metrum, Puls und Bewegung
Die Begleitung erzeugt einen langsam schwingenden Balladencharakter mit deutlich wahrnehmbarer ternärer Unterteilung. Je nach Notationsweise kann dieser Eindruck als zusammengesetzter Takt oder als Dreiergliederung eines langsameren Pulses beschrieben werden. Für die Höranalyse ist wichtiger, dass Du die schwingende Bewegung erkennst und ihre Wirkung erklärst.
Der Rhythmus drängt nicht nach vorn wie bei einem schnellen Rock-'n'-Roll-Titel. Er schafft Raum für lange Vokale, Atembögen und verzögerte Auflösungen. Dadurch kann die Stimme einzelne Worte und musikalische Höhepunkte stärker gewichten.
Melodie und Gesang
Die Melodie verbindet schrittweise Bewegungen mit größeren Sprüngen und ausgehaltenen Tönen. In ruhigen Passagen wirkt der Vortrag nah und erzählend. In Steigerungen wird die Stimme voller, lauter und räumlich präsenter.
Wichtige Merkmale der Interpretation sind:
- Phrasierung: Die Einteilung längerer musikalischer Gedanken in sinnvolle Bögen.
- Artikulation: Die Gestaltung von Konsonanten, Vokalen und Wortübergängen.
- Dynamik: Der Wechsel zwischen zurückhaltenden und kraftvollen Passagen.
- Vibrato: Leichte periodische Tonhöhenschwankungen auf gehaltenen Tönen.
- Register: Der Wechsel zwischen tieferen, mittleren und höheren Lagen.
- Timing: Das bewusste Platzieren einer Silbe leicht vor, auf oder hinter dem erwarteten Puls.
Presleys Interpretation wirkt nicht allein durch Lautstärke. Entscheidend ist die Abstufung. Ein Höhepunkt erscheint groß, weil vorher leisere und enger geführte Passagen vorhanden sind.
Arrangement und Instrumentation
Das Arrangement verteilt musikalische Aufgaben auf Stimme und Instrumente. Die Rhythmusgruppe trägt Puls und harmonisches Fundament. Gitarren, Klavier und Orgel füllen den mittleren Klangbereich. Zusätzliche Instrumente erweitern Farbe und Raum. Bläser und perkussive Klänge können Akzente setzen oder Steigerungen unterstützen.
Ein wirkungsvolles Arrangement beantwortet mehrere Fragen:
- Welches Instrument führt?
- Welches Instrument stützt unauffällig?
- Wann wird der Klang dichter?
- Wann entstehen Pausen oder freie Flächen?
- Welche Klangfarbe ist mit einer bestimmten Emotion verbunden?

Ein Studiomikrofon nimmt nicht nur Tonhöhe und Lautstärke auf. Es erfasst Atemgeräusche, Nähe, Artikulation und Raumanteile. Mikrofonwahl, Abstand und Nachbearbeitung beeinflussen deshalb, ob eine Stimme intim, direkt, weich oder monumental wirkt.
Dynamik und Klangraum
Die Aufnahme entwickelt ihren Spannungsbogen durch kontrollierte Zunahme von Lautstärke, Klangdichte und Registerweite. Der Eindruck von Größe entsteht nicht an einer einzigen Stelle, sondern durch das Zusammenwirken mehrerer Ebenen.
Der Klangraum wird außerdem durch Hall und Mischung gestaltet. Eine Stimme kann im Vordergrund stehen, während Instrumente sie seitlich oder in größerer räumlicher Tiefe umgeben. Solche Entscheidungen beeinflussen, ob Du die Aufführung als persönliches Gespräch oder als große Bühnenszene wahrnimmst.
Text, Perspektive und Deutung
Inhaltliche Grundsituation
Der Titel Just Pretend lässt sich sinngemäß als Aufforderung verstehen, sich etwas vorzustellen oder so zu tun, als wäre eine gewünschte Situation bereits Wirklichkeit. Das lyrische Ich richtet sich an eine abwesende oder verlorene nahestehende Person. Es entwirft in Gedanken eine erneute Nähe und versucht, die Trennung durch Vorstellungskraft vorübergehend zu überwinden.
Diese Grundsituation erzeugt eine Spannung zwischen Realität und Wunsch. Die Vorstellung tröstet, zeigt aber zugleich, dass die ersehnte Nähe im gegenwärtigen Moment nicht sicher verfügbar ist.
Lyrisches Ich und Interpret
Das lyrische Ich ist die Stimme innerhalb des Songtexts. Es darf nicht automatisch mit Elvis Presley als Privatperson gleichgesetzt werden. Presley gestaltet eine Rolle, ähnlich wie ein Schauspieler eine Figur verkörpert.
Diese Unterscheidung schützt vor biografischen Kurzschlüssen. Ein emotional überzeugender Vortrag beweist nicht, dass der Sänger genau dieselbe Situation selbst erlebt hat. Künstlerische Glaubwürdigkeit kann durch Einfühlung, Technik, Erfahrung und musikalische Gestaltung entstehen.
Sprachliche Gestaltung
Auch ohne den vollständigen Text abzudrucken, lassen sich zentrale sprachliche Mittel untersuchen:
- Direkte Anrede: Eine angesprochene Person wird in die imaginierte Situation einbezogen.
- Wiederholung: Der zentrale Gedanke erhält Gewicht und Wiedererkennbarkeit.
- Vorstellung: Ein nicht gegenwärtiger Zustand wird sprachlich so behandelt, als könne er erlebt werden.
- Zeitkontrast: Gegenwärtige Trennung und erhoffte zukünftige Nähe stehen nebeneinander.
- Nähe und Distanz: Bilder von Vertrautheit treffen auf die Tatsache des Getrenntseins.
- Mehrdeutigkeit: Hoffnung und Selbsttäuschung bleiben gleichzeitig möglich.
Drei mögliche Deutungen
- Selbsttröstung: Das lyrische Ich nutzt Vorstellungskraft, um einen schmerzhaften Verlust für kurze Zeit erträglicher zu machen.
- Hoffnung: Die imaginierte Nähe kann als Vorbereitung auf eine tatsächliche Rückkehr verstanden werden.
- Inszenierte Erinnerung: Das Lied zeigt, wie Menschen vergangene Nähe in Gedanken rekonstruieren und dadurch emotional gegenwärtig machen.
Keine dieser Deutungen ist automatisch die einzig richtige. Eine überzeugende Interpretation muss Beobachtungen aus Textinhalt, musikalischem Verlauf und Vortrag miteinander verbinden.
Studiofassung, Liveaufführung und spätere Bearbeitung
Studio und Bühne im Vergleich
Eine Studiofassung erlaubt Wiederholungen, Auswahl, Overdubs und kontrollierte Mischung. Eine Liveaufführung muss im Moment gelingen und steht in direkter Beziehung zum Publikum. Dadurch verändern sich häufig Tempoempfinden, Phrasierung, Lautstärke und Körpersprache.
Vergleiche beide Formen anhand derselben Kriterien:
- Beginn und Tempoempfinden
- Deutlichkeit der Stimme
- Dynamischer Spannungsbogen
- Rolle der Begleitmusiker
- Klangdichte
- Ausdruck einzelner Phrasen
- Wirkung des Publikums
- Gestaltung des Schlusses
Ein Vergleich ist nur dann aussagekräftig, wenn Du Unterschiede beschreibst und ihre mögliche Wirkung erklärst.
Die Orchesterfassung von 2016
2016 erschien Just Pretend auf dem Album The Wonder of You: Elvis Presley with the Royal Philharmonic Orchestra. Für diese Produktion wurde Presleys historische Gesangsspur mit neu aufgenommenem Orchesterklang verbunden. Zusätzlich erschien eine Duettfassung mit Helene Fischer.[3]
Diese Bearbeitung eröffnet Fragen nach Authentizität, Postproduktion und musikalischem Erbe. Die Stimme stammt aus einer historischen Aufnahme, das orchestrale Umfeld aus einer späteren Zeit. Das Ergebnis ist weder eine originale Aufführung von 1970 noch eine vollständig neue Gesangsaufnahme.
Authentizität als Diskussionsbegriff
Authentizität kann Verschiedenes bedeuten:
- Historische Nähe zur ursprünglichen Aufnahmesituation
- Ausdrucksstärke einer Interpretation
- Transparenz über technische Bearbeitung
- Übereinstimmung mit vermuteten künstlerischen Absichten
- Glaubwürdigkeit für ein heutiges Publikum
Bei posthum entstandenen Bearbeitungen solltest Du deshalb nicht nur fragen, ob sie Dir gefallen. Prüfe auch, wie offen die Produktionsweise erklärt wird und welche Verantwortung Produzenten gegenüber dem Werk und dem verstorbenen Künstler tragen.
Hörleitfaden
| Hörphase | Beobachtungsauftrag | Fachbegriffe |
|---|---|---|
| Einleitung | Beschreibe Klangfarbe, Raumwirkung und Erwartung vor dem ersten Gesangseinsatz. | Klangfarbe, Intro, Klangraum |
| Erster Gesangsabschnitt | Untersuche Lautstärke, Artikulation und Verhältnis zwischen Stimme und Begleitung. | Phrasierung, Artikulation, Balance |
| Erste Verdichtung | Bestimme, welche Instrumente oder Stimmen den Klang erweitern. | Arrangement, Instrumentation, Overdub |
| Emotionaler Höhepunkt | Begründe, wodurch die Steigerung entsteht. | Dynamik, Register, Vibrato |
| Schluss | Beschreibe, ob die Musik eher beruhigt, offenbleibt oder nachwirkt. | Kadenz, Coda, Spannungsauflösung |
Methode des wiederholten Hörens
- Erster Durchgang: Höre ohne Notizen und formuliere einen Gesamteindruck.
- Zweiter Durchgang: Konzentriere Dich ausschließlich auf die Stimme.
- Dritter Durchgang: Höre nur auf Rhythmusgruppe und harmonische Begleitung.
- Vierter Durchgang: Markiere Verdichtungen, Pausen und Höhepunkte.
- Fünfter Durchgang: Formuliere eine Deutung, die mindestens drei musikalische Beobachtungen einbezieht.
Urheberrecht und verantwortungsvoller Medieneinsatz
Just Pretend ist ein urheberrechtlich geschütztes Werk, und auch konkrete Ton- und Filmaufnahmen besitzen eigene Schutzrechte. Verwende deshalb legale Zugänge, zitiere nur in angemessenem Umfang und veröffentliche keine vollständigen Liedtexte oder unautorisierten Aufnahmen.
Wikimedia-Commons-Dateien können unterschiedliche freie Lizenzen besitzen. Prüfe auf der jeweiligen Dateiseite Urheber, Lizenz und notwendige Namensnennung. Bei eigenen Projekten solltest Du selbst erstellte Bilder, freie Medien oder Materialien mit klar ausgewiesener Lizenz verwenden.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Wer schrieb Just Pretend? (Guy Fletcher und Doug Flett) (!Elvis Presley und James Burton) (!David Briggs und Jerry Carrigan) (!Felton Jarvis und Charlie McCoy)
Wann wurde die Studioaufnahme von Just Pretend aufgenommen? (Am 6. Juni 1970) (!Am 8. Januar 1935) (!Am 21. Dezember 1970) (!Am 16. August 1977)
Wo entstand die Studioaufnahme? (Im RCA Studio B in Nashville) (!Im Sun Studio in Memphis) (!In den Abbey Road Studios in London) (!Im International Hotel in Las Vegas)
Auf welchem Album erschien Just Pretend im Jahr 1970? (That's the Way It Is) (!Blue Hawaii) (!Elvis Is Back) (!From Elvis in Memphis)
Was bezeichnet ein Overdub? (Eine nachträglich hinzugefügte Tonspur) (!Eine besonders laute Konzertzugabe) (!Eine fehlerhafte Schallplattenpressung) (!Eine unbegleitete Gesangspassage)
Welche Aussage zum lyrischen Ich ist richtig? (Es ist die Stimme oder Figur innerhalb des Songtexts) (!Es ist immer mit dem Privatleben des Sängers identisch) (!Es bezeichnet ausschließlich den Komponisten) (!Es ist ein technischer Begriff für das Mikrofon)
Wodurch kann ein musikalischer Spannungsaufbau entstehen? (Durch zunehmende Dynamik und Klangdichte) (!Durch das vollständige Entfernen aller Tonhöhen) (!Durch gleichbleibende Lautstärke ohne Veränderung) (!Durch das Abschalten sämtlicher Instrumente während des ganzen Liedes)
Was ist ein sinnvoller Unterschied zwischen Studio- und Liveaufnahme? (Im Studio sind Wiederholungen und nachträgliche Ergänzungen möglich) (!Liveaufnahmen enthalten grundsätzlich keine Instrumente) (!Studioaufnahmen entstehen immer vor Publikum) (!Liveaufnahmen besitzen niemals eine Gesangsstimme)
Welche Funktion kann die wiederkehrende Titelzeile übernehmen? (Sie bildet einen inhaltlichen und musikalischen Anker) (!Sie ersetzt sämtliche Instrumente der Aufnahme) (!Sie bestimmt automatisch die Plattenfirma) (!Sie macht jede weitere Deutung unmöglich)
Warum wird der vollständige Liedtext in diesem Kurs nicht abgedruckt? (Weil geschützte Songtexte verantwortungsvoll genutzt werden müssen) (!Weil Balladen grundsätzlich keinen Text besitzen) (!Weil Elvis Presley ausschließlich Instrumentalmusik aufnahm) (!Weil Songtitel nicht analysiert werden dürfen)
Memory
| Interpret | Elvis Presley |
| Autorenduo | Guy Fletcher und Doug Flett |
| Aufnahmeort | RCA Studio B |
| Aufnahmestadt | Nashville |
| Albumkontext | That's the Way It Is |
| Overdub | Nachträglich ergänzte Tonspur |
| Dramaturgie | Musikalischer Spannungsaufbau |
| Lyrisches Ich | Stimme innerhalb des Songtexts |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Bedeutung |
|---|---|
| Interpretation | Ausdrucksvolle Gestaltung eines vorhandenen Werkes |
| Komposition | Erfindung und Festlegung musikalischer Grundideen |
| Arrangement | Verteilung musikalischer Aufgaben auf Stimmen und Instrumente |
| Produktion | Technische und klangliche Gestaltung einer Aufnahme |
| Rezeption | Wahrnehmung und Bewertung durch Publikum und Kritik |
Kreuzworträtsel
| Nashville | In welcher Stadt befindet sich das RCA Studio B? |
| Ballade | Wie nennt man ein meist langsames und ausdrucksbetontes Lied dieser Art? |
| Overdub | Wie heißt eine nachträglich hinzugefügte Tonspur? |
| Dynamik | Welcher Fachbegriff bezeichnet Veränderungen der Lautstärke? |
| Interpret | Wie nennt man eine Person, die ein vorhandenes Lied aufführt? |
| Vibrato | Wie heißt die leichte periodische Schwankung eines gehaltenen Tons? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Hörprotokoll: Höre die Aufnahme zweimal und beschreibe in zehn Sätzen, wie sich Lautstärke, Instrumentation und Stimme verändern. Verwende keine Liedzeilen.
- Personen und Rollen: Erstelle eine Übersicht, die Interpret, Songwriter, Studiomusiker und Produktion voneinander unterscheidet.
- Covergestaltung: Entwirf ein eigenes, vollständig selbst gestaltetes Coverbild, das die Spannung zwischen Erinnerung und Hoffnung sichtbar macht.
- Begriffskarte: Gestalte eine Mindmap zu den Begriffen lyrisches Ich, Interpret, Komposition, Arrangement, Aufnahme und Rezeption.
Standard
- Formskizze: Entwickle nach mehrmaligem Hören eine grafische Formdarstellung. Kennzeichne Einleitung, wiederkehrende Teile, Verdichtungen, Höhepunkt und Schluss.
- Studio-Live-Vergleich: Vergleiche eine Studio- und eine Livefassung anhand von mindestens sechs Kriterien und belege jedes Urteil mit einer konkreten Hörbeobachtung.
- Podcast: Produziere einen drei- bis fünfminütigen Audio-Beitrag über die Aufnahme im RCA Studio B und die Bedeutung von Overdubs.
- Wirkungsinterview: Befrage drei Personen unterschiedlicher Altersgruppen zur Wirkung des Liedes. Vergleiche Gemeinsamkeiten und Unterschiede, ohne ihre Urteile als objektive Fakten darzustellen.
Schwer
- Quellenkritik: Erstelle ein Dossier aus offizieller Trackseite, Albumseite, Wikipedia und Wikimedia Commons. Bewerte Urheberschaft, Aktualität, Nachprüfbarkeit und mögliche Interessen der Quellen.
- Eigenkomposition: Komponiere eine eigenständige kurze Ballade, die mit dynamischer Steigerung und wachsender Klangdichte arbeitet, ohne Melodie oder Text von Just Pretend zu kopieren.
- Produktionsanalyse: Vergleiche die Aufnahme von 1970 mit der Orchesterbearbeitung von 2016. Untersuche, wie neue Instrumentation die historische Gesangsspur umdeutet.
- Debatte zur Authentizität: Führe eine strukturierte Diskussion darüber, ob posthume Bearbeitungen künstlerisches Erbe bewahren, verändern oder vermarkten. Formuliere anschließend ein begründetes eigenes Urteil.


Lernkontrolle
- Zusammenhang von Text und Musik: Erkläre, wie eine musikalische Steigerung die Bedeutung einer imaginierten Wiederannäherung verstärken kann. Beziehe mindestens drei musikalische Parameter ein.
- Transfer auf eine andere Ballade: Wähle ein anderes Lied über Erinnerung oder Trennung. Übertrage den Hörleitfaden dieses Kurses und zeige, welche Kriterien funktionieren und welche angepasst werden müssen.
- Produktionsentscheidung: Entwirf für eine neue Aufnahme zwei unterschiedliche Arrangements, eines intim und eines monumental. Begründe Instrumentation, Klangraum und Dynamik.
- Perspektivwechsel: Zeige an einem selbst erfundenen Beispiel, warum Interpret und lyrisches Ich nicht gleichgesetzt werden dürfen.
- Bewertung einer Livefassung: Entwickle ein Bewertungsraster, das Präzision, Ausdruck, Publikumsbezug und klangliche Bedingungen berücksichtigt. Begründe die Gewichtung.
- Ethik posthumer Bearbeitung: Formuliere Kriterien, nach denen eine spätere Bearbeitung mit historischer Gesangsspur transparent und verantwortungsvoll produziert werden sollte.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu Elvis Presley – Just Pretend sind folgende Leistungen wichtig:
- Du ordnest das Lied historisch korrekt in das Jahr 1970, das RCA Studio B und den Albumkontext ein.
- Du unterscheidest nachvollziehbar zwischen Songwritern, Interpret, Studiomusikern, Arrangement und Produktion.
- Du verwendest musikalische Fachbegriffe korrekt und verbindest sie mit konkreten Hörbeobachtungen.
- Du entwickelst eine Textdeutung, ohne das lyrische Ich mit Elvis Presley als Privatperson gleichzusetzen.
- Du vergleichst mindestens zwei Fassungen anhand einheitlicher Kriterien.
- Du bewertest Quellen und Medien hinsichtlich Herkunft, Lizenz, Aussagekraft und möglicher Interessen.
- Du zeigst in einer kreativen Transferleistung, wie Dynamik, Klangdichte und Form gezielt gestaltet werden können.
- Du dokumentierst verwendete Quellen vollständig und gehst verantwortungsvoll mit Urheberrechten um.
Als Lernnachweis eignet sich ein Portfolio aus Hörprotokoll, Formskizze, Vergleichsanalyse, Quellenbewertung und eigener kreativer Arbeit. Die Bewertung sollte fachliche Genauigkeit, Begründungstiefe, Selbstständigkeit und transparente Dokumentation berücksichtigen.
OERs zum Thema
Quellen und Mediennachweise
- Offizielle Trackseite zu Just Pretend
- Offizielle Albumseite zu That's the Way It Is
- Offizielle Seite zur Duettfassung von 2016
- Englischsprachiger Wikipedia-Artikel zum Lied
- Deutschsprachiger Wikipedia-Artikel zum Konzertfilm
- Wikimedia Commons: Elvis Presley 1970
- Wikimedia Commons: RCA Studio B Main Recording Room
- Wikimedia Commons: Historisches Mischpult im RCA Studio B
- Wikimedia Commons: Studiomikrofon mit Popschutz
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