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Die mittelalterliche Stadt - Geschichte

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Die mittelalterliche Stadt - Geschichte




Die mittelalterliche Stadt - Geschichte

Studienfach: Geschichte

Die mittelalterliche Stadt war weder ein einheitlicher Siedlungstyp noch eine vollständig autonome „Insel der Freiheit“. Zwischen etwa dem 11. und dem 15. Jahrhundert entstanden, wuchsen und veränderten sich in Europa sehr unterschiedliche Bischofsstädte, Burgstädte, Marktstädte, Gründungsstädte, Freie Reichsstädte und Hafenstädte. Gemeinsam war ihnen häufig eine Verdichtung von Bevölkerung, Handel, Handwerk, Herrschaft, Recht und religiösen Einrichtungen. Zugleich blieben sie eng mit ihrem ländlichen Umland verbunden.

Dieser aiMOOC untersucht die mittelalterliche Stadt als Rechtsraum, Wirtschaftsraum, Sozialraum, gebauten Raum und Erinnerungsraum. Du lernst, Stadtansichten, Urkunden, Stadtrechtsbücher, Rechnungen, archäologische Funde und Bauwerke quellenkritisch auszuwerten. Dabei wird deutlich, dass Begriffe wie „Freiheit“, „Bürgerschaft“ oder „Sauberkeit“ nicht mit heutigen Vorstellungen gleichgesetzt werden dürfen.

Quellenhinweis: Die Ansicht Nürnbergs aus der Schedelschen Weltchronik von 1493 ist eine wertvolle Bildquelle. Sie zeigt jedoch keine fotografisch genaue Bestandsaufnahme, sondern eine gestaltete Stadtvedute mit symbolischen und repräsentativen Elementen.


Lernziele

Nach der Bearbeitung des Kurses kannst Du:

  1. Stadtgeschichte: Entstehungsbedingungen, Wachstumsphasen und regionale Varianten mittelalterlicher Städte erklären.
  2. Quellenkritik: Schriftliche, bildliche, archäologische und bauliche Quellen nach Entstehung, Perspektive und Aussagegrenzen untersuchen.
  3. Stadtrecht: Herrschaft, Recht, Bürgerschaft, Rat und kommunale Konflikte differenziert einordnen.
  4. Sozialgeschichte: Städtische Gruppen, soziale Ungleichheiten, Geschlechterordnungen und Formen der Ausgrenzung analysieren.
  5. Wirtschaftsgeschichte: Markt, Handwerk, Zünfte, Kredit, Fernhandel und Stadt-Umland-Beziehungen miteinander verknüpfen.
  6. Historischer Vergleich: Städte aus unterschiedlichen Regionen Europas vergleichen, ohne ein starres Einheitsmodell vorauszusetzen.
  7. Geschichtskultur: Romantisierende Bilder von der „mittelalterlichen Stadt“ erkennen und mit historischen Befunden abgleichen.


Historischer Rahmen und Begriffe


Was bedeutet „mittelalterliche Stadt“?

Der Begriff Stadt bezeichnet im Mittelalter nicht allein eine bestimmte Einwohnerzahl. Entscheidend war eine Kombination aus verdichteter Bebauung, zentralen Funktionen, besonderem Recht, Marktgeschehen, Arbeitsteilung und politischer Organisation. Keine einzelne Eigenschaft musste überall vorhanden sein. Eine Stadt konnte etwa Stadtrecht besitzen, ohne vollständig ummauert zu sein, oder wirtschaftlich bedeutend sein, obwohl der Stadtherr weiterhin erheblichen Einfluss ausübte.

Die europäische Stadtentwicklung verlief nicht geradlinig. In ehemaligen Gebieten des Römischen Reiches bestanden manche Siedlungs- und Bischofszentren fort. Andere Städte entstanden bei Burgen, Klöstern, Flussübergängen, Häfen, Bergbaugebieten oder planmäßig angelegten Märkten. Deshalb ist es sinnvoll, von urbanen Prozessen statt von einem einzigen Idealtyp zu sprechen.

Die Karte Europas um 1430 verdeutlicht den politischen und regionalen Rahmen. Für die Stadtgeschichte ist wichtig, dass Europa aus zahlreichen Herrschaftsräumen bestand und städtische Rechte, Verfassungen und Wirtschaftsbeziehungen entsprechend unterschiedlich ausfielen.


Periodisierung

Die Geschichte mittelalterlicher Städte lässt sich nur näherungsweise gliedern:

  1. Frühmittelalter: Fortbestehen oder Wandel spätantiker Zentren, Ausbau von Bischofssitzen, Pfalzen, Klöstern und Handelsplätzen.
  2. Hochmittelalter: Starkes Wachstum bestehender Orte, zahlreiche Stadtgründungen, Ausweitung von Märkten und Fernhandel, Verdichtung kommunaler Organisationsformen.
  3. Spätmittelalter: Ausbau städtischer Verfassungen, soziale und politische Konflikte, Bündnisse, Krisen, Seuchen sowie stärkere Schriftlichkeit in Verwaltung und Wirtschaft.

Diese Gliederung ist ein Arbeitsmodell. Entwicklungen verliefen regional zeitversetzt, und die Übergänge waren fließend.


Entstehung und Wachstum


Voraussetzungen des Städtewachstums

Ab dem Hochmittelalter nahm die Zahl städtischer Siedlungen in vielen Regionen deutlich zu. Zu den Voraussetzungen gehörten landwirtschaftliche Überschüsse, Bevölkerungswachstum, die Wiederbelebung oder Ausweitung von Handelswegen, die Spezialisierung des Handwerks und das Interesse von Königen, Fürsten, Bischöfen oder Klöstern an Einnahmen und Herrschaftssicherung. Ein Markt brachte Zölle und Abgaben ein; eine befestigte Stadt konnte Verkehrswege kontrollieren und ein Territorium stabilisieren.

Stadtgründung bedeutete nicht immer, dass auf unbesiedeltem Gelände gebaut wurde. Häufig wurden ältere Siedlungskerne erweitert, mehrere Siedlungen zusammengeführt oder vorhandene Märkte rechtlich aufgewertet. Gründungsurkunden beschreiben zudem oft einen Anspruch oder ein Programm, nicht zwangsläufig den sofort erreichten Zustand.

Die Münchner Stadtansicht von 1493 eignet sich zur Frage, welche Merkmale spätmittelalterliche Bildproduzenten als „städtisch“ hervorhoben: Mauern, Tore, Kirchen, dichte Bebauung und eine markante Silhouette.


Standortfaktoren und Stadttypen

Günstige Standorte lagen an Flüssen, Furten, Brücken, Küsten, Passstraßen und Kreuzungen. Auch Burgen, Bischofssitze, Klöster, Bergwerke und königliche Pfalzen konnten Kristallisationspunkte sein. Historikerinnen und Historiker unterscheiden unter anderem Bischofsstädte, Residenzstädte, Bergstädte, Hafenstädte, Hansestädte und Gründungsstädte. Solche Typen helfen beim Vergleich, dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine Stadt mehrere Funktionen zugleich erfüllen konnte.


Der gebaute Stadtraum


Mauer, Tor und Vorstadt

Die Stadtmauer war Verteidigungsanlage, Rechtsgrenze, Zollgrenze und Symbol. Tore bündelten den Verkehr und konnten nachts geschlossen werden. Bürger waren je nach Ort zu Wachdienst, Bauleistungen oder Abgaben verpflichtet. Dennoch lebten viele Menschen außerhalb der Mauern in Vorstädten, bei Mühlen, Hospitälern, Klöstern oder gewerblichen Anlagen. Die Gleichsetzung „Stadt gleich vollständig ummauerter Raum“ greift daher zu kurz.

Erhaltene oder rekonstruierte Mauern müssen baugeschichtlich untersucht werden: Welche Teile sind mittelalterlich, welche später ergänzt, restauriert oder historisierend erneuert?


Markt, Rathaus, Kirche und Straße

Der Marktplatz war ein zentraler Ort für Handel, Verkündigungen, Gericht, Feste und politische Repräsentation. Das Rathaus verkörperte den Anspruch städtischer Selbstorganisation. Kirchen, Klöster und Hospitäler prägten das Stadtbild und strukturierten religiöses, soziales und wirtschaftliches Leben. Straßen folgten teils älteren Wegen, teils planmäßigen Rastern. Ihre Breite, Pflasterung und Nutzung unterschieden sich erheblich.

Marktbilder zeigen Waren, soziale Begegnungen und obrigkeitliche Ordnung. Bei ihrer Auswertung musst Du beachten, ob eine Darstellung zeitgenössisch, später historisierend oder modern rekonstruiert ist.

Das Braunschweiger Altstadtrathaus verweist auf die politische und repräsentative Bedeutung kommunaler Bauten. Der heute sichtbare Zustand ist jedoch Ergebnis mehrerer Bau- und Restaurierungsphasen.


Häuser, Wasser, Abfall und Feuer

Städtische Häuser verbanden häufig Wohnen, Lagern, Verkaufen und Produzieren. Bauweise und Größe hingen von Vermögen, Gewerbe, Grundstückszuschnitt und regionalen Baustoffen ab. Holz erhöhte die Brandgefahr; offene Feuerstellen, Werkstätten und dichte Bebauung verschärften sie. Brunnen, Zisternen, Bäche, Leitungen und öffentliche Wasserstellen versorgten die Bevölkerung. Abfälle wurden teils wiederverwendet, an festgelegten Orten gesammelt oder in problematischer Weise auf Straßen und in Gewässer verbracht.

Die Behauptung, mittelalterliche Städte seien ausnahmslos ungeordnet und völlig schmutzig gewesen, ist unhaltbar. Ratsordnungen zu Straßenreinigung, Mist, Schlachtabfällen, Wasser und Feuer zeigen, dass Probleme wahrgenommen und reguliert wurden. Ob Regeln befolgt wurden, ist eine eigene historische Frage.

Die Pariser Straßenszene wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts hergestellt. Sie erlaubt Beobachtungen zu Häusern, Läden, Kleidung und Straßennutzung, ist aber zugleich eine komponierte Darstellung.


Recht, Herrschaft und politische Ordnung


Stadtherr und Stadtrecht

Ein Stadtherr konnte König, Fürst, Graf, Bischof, Abt oder eine andere Herrschaftsinstanz sein. Er verlieh oder bestätigte Rechte, erhob Abgaben und beanspruchte Gericht, Münze, Zoll oder militärische Leistungen. Im Verlauf des Mittelalters gewannen manche Städte größere Handlungsspielräume, während andere eng in landesherrliche Strukturen eingebunden blieben.

Das Stadtrecht umfasste nicht nur einen einzelnen Text. Es bestand aus Privilegien, Gewohnheitsrecht, Ratsbeschlüssen, Gerichtsverfahren und übernommenen Rechtsnormen. Stadtrechtsfamilien wie das Magdeburger Recht oder das Lübische Recht verbreiteten sich über weite Räume. Übernahme bedeutete jedoch stets lokale Anpassung.

Das Bremer Stadtrechtsbuch von 1303/1308 zeigt die wachsende Bedeutung schriftlicher Fixierung. Für die Quellenkritik sind Material, Schrift, Nachträge, Auftraggeber, Benutzungsspuren und Überlieferungsweg zu untersuchen.


Bürgerschaft, Eid und Rat

„Bürger“ war ein Rechtsstatus und kein Sammelbegriff für alle Stadtbewohner. Das Bürgerrecht konnte Besitz, Aufnahmegebühr, Eid, eheliche Geburt oder andere Voraussetzungen erfordern. Viele Einwohnerinnen und Einwohner, darunter Gesinde, Tagelöhner, Arme, zeitweilige Zuwanderer und Angehörige ausgegrenzter Gruppen, besaßen kein volles Bürgerrecht.

Der Bürgereid verband Rechte mit Pflichten: Steuerzahlung, Friedenswahrung, Wehrdienst, Gehorsam gegenüber Ordnungen und Mitwirkung am Gemeinwesen. In vielen Städten dominierte ein kleiner Kreis vermögender Familien den Stadtrat. Handwerkergruppen und Zünfte forderten in städtischen Konflikten politische Teilhabe. Solche Auseinandersetzungen führten nicht automatisch zu moderner Demokratie, sondern häufig zu neuen Formen oligarchischer Machtteilung.


Freiheit und ihre Grenzen

Die Formel „Stadtluft macht frei“ verweist auf Rechtsgewohnheiten, nach denen entlaufene Unfreie unter bestimmten Bedingungen nach längerer unangefochtener Stadtansässigkeit nicht zurückgefordert werden konnten. Sie galt weder überall gleich noch machte sie alle Bewohner politisch gleichberechtigt. Städtische Freiheit war abgestuft, an Bedingungen gebunden und mit Pflichten verbunden.

Freie Reichsstädte waren unmittelbar dem König oder Kaiser unterstellt. Andere Städte standen unter Territorialfürsten, Bischöfen oder Klöstern. Auch relativ autonome Städte herrschten über Dörfer, erhoben Abgaben und konnten ihrerseits Unfreiheit oder Abhängigkeit reproduzieren.


Gesellschaft und soziale Ungleichheit


Städtische Gruppen

Die Stadtgesellschaft war von rechtlicher, wirtschaftlicher und sozialer Ungleichheit geprägt. Zur vermögenden Oberschicht konnten Fernkaufleute, Grundbesitzer und ratsfähige Familien gehören. Meister führten Werkstätten, Gesellen und Lehrlinge arbeiteten in abhängigen Positionen. Hinzu kamen Kleinhändler, Träger, Fuhrleute, Mägde, Knechte, Tagelöhner, Geistliche, Studierende, Bettelnde, Kranke und viele weitere Gruppen.

Der Begriff Patriziat bezeichnet je nach Stadt unterschiedliche Führungsschichten. Auch Zünfte waren keine einheitlichen Organisationen: Sie regelten Ausbildung, Produktion, Qualität, Preise, religiöse Gemeinschaft und Unterstützung, konnten aber zugleich Konkurrenz begrenzen und Frauen, Fremde oder ärmere Handwerker ausschließen.

Die Schneiderwerkstatt aus dem um 1505 entstandenen Balthasar-Behem-Kodex ist eine Quelle zur Arbeitswelt. Sie zeigt idealisierte Ordnung und korporative Selbstdarstellung, nicht den vollständigen Alltag aller Beschäftigten.


Frauen, Familie und Arbeit

Frauen arbeiteten in Handel, Handwerk, Textilproduktion, Lebensmittelversorgung, Pflege, Herbergen und Haushalten. Witwen konnten Betriebe zeitweilig oder dauerhaft weiterführen; Ehe- und Erbrecht beeinflussten ihren Handlungsspielraum. Die Quellenlage ist jedoch asymmetrisch, weil männlich dominierte Institutionen schriftliche Überlieferung erzeugten und weibliche Arbeit oft nur indirekt sichtbar wird.

Der Haushalt war Produktions-, Konsum- und Sozialverband. Verwandtschaft, Nachbarschaft, Gesinde und Lehrverhältnisse prägten das Zusammenleben. „Familie“ darf dabei nicht ohne Weiteres mit dem modernen bürgerlichen Kleinhaushalt gleichgesetzt werden.


Jüdisches Leben, Migration und Ausgrenzung

Jüdische Gemeinden gehörten in vielen europäischen Städten zum wirtschaftlichen, religiösen und kulturellen Leben. Synagogen, Friedhöfe, Schulen und Bäder bildeten wichtige Einrichtungen. Zugleich waren jüdische Menschen Sonderrechten, zusätzlichen Abgaben, räumlichen Beschränkungen, Vertreibungen und Gewaltexzessen ausgesetzt. Besonders während Krisen und Pestwellen wurden sie durch Verschwörungserzählungen verfolgt.

Migration war für Städte lebensnotwendig, weil Sterblichkeit, Seuchen und wirtschaftliche Mobilität die Bevölkerung veränderten. Neuankömmlinge trafen jedoch auf abgestufte Aufnahmebedingungen. Herkunft, Vermögen, Beruf, Religion, Geschlecht und soziale Netzwerke beeinflussten ihre Chancen.


Wirtschaft, Markt und Fernhandel


Marktordnung und Versorgung

Das Marktrecht schuf einen geschützten Rahmen für Wochen- oder Jahrmärkte. Marktordnungen regelten Verkaufsplätze, Maße, Gewichte, Preise, Qualität und den Umgang mit Betrug. Die Stadt war auf ihr Umland angewiesen: Getreide, Vieh, Holz, Wein, Gemüse, Wolle und Brennstoffe kamen überwiegend von außerhalb. Umgekehrt bot die Stadt handwerkliche Produkte, Kredit, Verwaltung, Gericht und Absatzmöglichkeiten.

Münzen, Naturaltausch, Kredit und Schuldverschreibungen existierten nebeneinander. Kaufleute führten Rechnungen, gründeten Gesellschaften und nutzten familiäre oder korporative Netzwerke. Wirtschaftliches Handeln war in Recht, Moral, Religion und persönliche Vertrauensbeziehungen eingebettet.


Handwerk und Zünfte

Handwerkliche Arbeit war stark differenziert. Bäcker, Schmiede, Gerber, Tuchmacher, Schneider, Zimmerleute, Goldschmiede und viele weitere Gewerbe versorgten lokale und überregionale Märkte. Ausbildung verlief häufig über Lehrling, Geselle und Meister, doch das idealtypische Modell galt nicht für jedes Gewerbe und nicht in jeder Stadt gleich.

Zünfte kontrollierten teils den Zugang zum Meisterrecht, legten Qualitätsnormen fest und organisierten religiöse Feste oder Begräbnisse. Sie konnten soziale Sicherheit bieten, aber auch Monopole sichern. Stadtregierungen griffen ein, wenn Versorgung, Preise, Löhne oder öffentliche Ordnung betroffen waren.


Fernhandel und Städtenetze

Fernhandel verband Städte über Land-, Fluss- und Seewege. Tuch, Salz, Wein, Getreide, Metall, Wachs, Pelze, Gewürze und Luxuswaren wurden über große Entfernungen bewegt. Messen, Kontore, Kaufmannsgilden und Kreditbeziehungen reduzierten Risiken. Politische Grenzen, Zölle, Piraterie, Wetter und Krieg erschwerten den Verkehr.

Die Hanse war kein zentral regierter Staat, sondern ein wandelndes Netzwerk von Kaufleuten und Städten. Im Mittelmeerraum prägten unter anderem Venedig, Genua und andere Hafenstädte weitreichende Handelsbeziehungen. Nord- und Südeuropa waren durch zahlreiche Zwischenräume und Umschlagplätze miteinander verbunden.

Die Karte spätmittelalterlicher Handelswege ist ein modernes Modell. Sie vereinfacht komplexe, wechselnde Routen und eignet sich deshalb sowohl zur Orientierung als auch zur Kritik kartografischer Auswahlentscheidungen.


Alltag, Religion und Kultur


Tagesrhythmen und öffentliche Ordnung

Glocken strukturierten Arbeitszeit, Gottesdienst, Ratssitzungen, Markt und Gefahrensignale. Mit mechanischen Uhren wurde Zeit in manchen Städten sichtbarer und stärker öffentlich geregelt. Nachtwachen, Sperrstunden, Feuerordnungen und Kleiderordnungen sollten Sicherheit und soziale Hierarchie sichern.

Wirtshäuser, Badestuben, Plätze, Brunnen und Kirchen waren Begegnungsorte. Konflikte um Lärm, Glücksspiel, Sexualität, Alkohol, Nachbarschaft oder gewerbliche Belastungen zeigen, dass städtischer Alltag fortlaufend ausgehandelt wurde.


Kirche, Fürsorge und Bildung

Religion war nicht auf Kirchenräume beschränkt. Prozessionen, Bruderschaften, Stiftungen, Feiertage und Heiligenkulte strukturierten das Gemeinwesen. Klöster und Bettelorden waren in Seelsorge, Bildung, Armenfürsorge und Konflikte eingebunden. Hospitäler dienten nicht nur medizinischer Behandlung, sondern auch Pflege, Beherbergung und Versorgung.

Dom-, Kloster- und Stadtschulen vermittelten Lesen, Schreiben, Latein, Rechnen und religiöses Wissen. Seit dem Hochmittelalter entstanden Universitäten, die manche Städte zu Bildungszentren machten. Schriftlichkeit nahm in Verwaltung, Handel und Recht zu, ohne mündliche Kommunikation zu verdrängen.


Repräsentation und städtisches Gedächtnis

Rathäuser, Tore, Kirchen, Siegel, Wappen, Chroniken und Feste stellten städtische Ordnung öffentlich dar. Stadtchroniken erzählten Vergangenheit aus bestimmten Interessenlagen. Sie konnten Konflikte rechtfertigen, Eliten legitimieren und göttliche Ordnung betonen.

Die Trier-Ansicht von 1497 verdeutlicht, wie Stadtbilder politische und religiöse Bedeutung durch Mauern, Türme und Monumente visualisierten.


Krisen, Konflikte und Gewalt


Seuchen und Versorgungskrisen

Die Pest von der Mitte des 14. Jahrhunderts und spätere Wellen verursachten massive Sterblichkeit. Städte reagierten mit Prozessionen, Verordnungen, Isolierung, Bestattungsmaßnahmen und religiösen Deutungen. Medizinisches Wissen, kommunale Verwaltung und soziale Fürsorge griffen ineinander. Die Folgen variierten nach Region, Zeitpunkt und sozialer Gruppe.

Versorgungskrisen entstanden durch Missernten, Kriege, blockierte Wege, Preisanstieg oder Spekulation. Ratsregierungen versuchten, Vorräte zu sichern, Ausfuhr zu begrenzen oder Preise zu kontrollieren. Solche Maßnahmen zeigen die Abhängigkeit der Stadt von regionalen und überregionalen Netzwerken.

Die Darstellung der Bestattung von Pestopfern in Tournai ist keine neutrale Dokumentation. Sie verbindet Beobachtung, religiöse Sinngebung und chronikalische Erinnerung.


Innere Konflikte

Konflikte zwischen Stadtherren und Bürgerschaften, zwischen Ratseliten und Zünften oder zwischen Meistern, Gesellen und Unterschichten konnten zu Aufständen und Verfassungsänderungen führen. Forderungen nach „Gemeinwohl“ waren politisch wirksam, wurden aber von unterschiedlichen Gruppen verschieden ausgelegt.

Städtische Gerichte, Schiedsverfahren, Eide und Friedensordnungen sollten Gewalt begrenzen. Gleichzeitig verfügten Städte über Gefängnisse, Pranger, Verbannung und körperliche Strafen. Recht schützte und disziplinierte zugleich.


Krieg und Belagerung

Mauern, Gräben, Türme und Tore bildeten ein Verteidigungssystem. Im Kriegsfall mussten Bürger, Söldner und verbündete Kräfte zusammenwirken. Belagerungen bedrohten Versorgung, Wasser, Gesundheit und politische Stabilität. Mit der Verbreitung von Feuerwaffen wurden Befestigungen verändert.

Belagerungsbilder verdichten zahlreiche Handlungen zu einer überschaubaren Szene. Sie eignen sich, um Technik, Rollenverteilung und Bilddramaturgie gemeinsam zu untersuchen.


Stadt und Umland

Die mittelalterliche Stadt war auf Dörfer, Wälder, Weiden, Flüsse und Verkehrswege angewiesen. Bürger besaßen Land außerhalb der Mauern; Klöster, Hospitäler und Ratsfamilien verfügten über Grundbesitz und Renten. Märkte zogen Produzenten aus dem Umland an, während städtische Handwerker und Händler regionale Absatzgebiete erschlossen.

Städte konnten über umliegende Dörfer herrschen, Zölle erheben, Straßen sichern oder territoriale Bündnisse schließen. Der Gegensatz „freie Stadt gegen feudales Land“ ist deshalb zu einfach. Stadt und Land waren wirtschaftlich, sozial, rechtlich und politisch eng verflochten.


Regionale Vielfalt und europäische Vergleiche

Italienische Kommunen, norddeutsche Hansestädte, französische Bastiden, englische Boroughs, iberische Städte und Städte in Mittel- und Osteuropa entwickelten unterschiedliche Verfassungen und Siedlungsformen. Auch innerhalb des Heiligen Römischen Reiches unterschieden sich Reichsstädte, Territorialstädte, Bischofsstädte und Kleinstädte erheblich.

Ein sinnvoller Vergleich fragt nicht nur nach Gemeinsamkeiten, sondern auch nach Maßstab, Zeitraum und Quellenlage. Die Kategorien „westlich“, „deutsch“ oder „europäisch“ dürfen nicht als homogene Räume behandelt werden. Außerdem gehörten Städte des Byzantinischen Reiches, der islamisch geprägten Mittelmeerwelt und außereuropäische urbane Zentren zu weitreichenden Austauschsystemen, auch wenn dieser Kurs den Schwerpunkt auf lateineuropäische Städte legt.

Die Prager Ansicht in der Schedelschen Weltchronik kann mit Nürnberg, München oder Trier verglichen werden. Wiederkehrende Bildelemente können reale Ähnlichkeiten, künstlerische Konventionen oder die Wiederverwendung von Druckstöcken anzeigen.


Quellen und Methoden der Stadtgeschichte


Schriftliche Quellen

Urkunden dokumentieren Privilegien, Besitz, Konflikte und Rechtsakte. Stadtbücher, Ratsprotokolle, Rechnungen, Steuerlisten, Testamente und Gerichtsakten ermöglichen Einblicke in Verwaltung, Vermögen, Netzwerke und Alltag. Normative Quellen sagen, was gelten sollte; sie beweisen nicht automatisch, was tatsächlich geschah.

Bei jeder Quelle solltest Du fragen: Wer produzierte sie? Für wen? Zu welchem Zweck? In welcher Situation? Was wurde nicht aufgezeichnet? Welche Begriffe hatten damals eine andere Bedeutung als heute?


Bildquellen und Karten

Stadtansichten, Handschriftenbilder, Siegel und Karten kombinieren Beobachtung, Symbolik und Konvention. Perspektive, Maßstab und Auswahl sind historisch bedingt. Türme können überhöht, Straßen ausgelassen und Stadtgrenzen idealisiert sein. Moderne Karten wiederum übersetzen unsichere Forschungsergebnisse in scheinbar eindeutige Linien.


Archäologie, Baugeschichte und Umweltgeschichte

Mittelalterarchäologie untersucht Hausgrundrisse, Brunnen, Latrinen, Werkstätten, Keramik, Tierknochen und Abfallschichten. Die Bauforschung analysiert Mauerwerk, Holz, Bauphasen und Umbauten. Dendrochronologie kann Hölzer datieren, sofern geeignete Jahrringfolgen vorliegen.

Umweltgeschichtliche Ansätze fragen nach Wasser, Energie, Tieren, Krankheiten, Klima und Stoffströmen. Digitale Methoden wie GIS, Netzwerkanalyse und Datenbanken eröffnen neue Vergleiche, erzeugen aber nur dann belastbare Ergebnisse, wenn Kategorien und Quellenkritik transparent bleiben.


Forschungsperspektiven und Deutungsprobleme


Das Ideal der „okzidentalen Stadt“

Ältere Forschung suchte häufig nach einem besonderen westlichen Stadttyp, der Recht, Markt, Bürgerschaft und politische Autonomie verband. Solche Modelle können Vergleiche strukturieren, bergen aber die Gefahr, Vielfalt an einem vorgegebenen Ideal zu messen. Neuere Forschung untersucht stärker Aushandlungen, Netzwerke, Migration, Geschlecht, Materialität und Stadt-Umland-Beziehungen.


Mythos und Geschichtskultur

Historische Altstädte erscheinen heute oft als geschlossenes mittelalterliches Ensemble. Tatsächlich wurden Gebäude umgebaut, nach Bränden oder Kriegen erneuert und im 19. oder 20. Jahrhundert restauriert. Romantik, Tourismus und Denkmalschutz prägten das Bild der „mittelalterlichen Stadt“ erheblich.

Karl Friedrich Schinkels Gemälde ist keine mittelalterliche Quelle, sondern ein Werk des 19. Jahrhunderts. Es eignet sich zur Analyse späterer Vorstellungen von Mittelalter, Stadt, Religion und Landschaft.


Leitfragen für wissenschaftliches Arbeiten

  1. Begriffsanalyse: Welche Bedeutung haben „Stadt“, „Bürger“, „Freiheit“ oder „Gemeinwohl“ in der untersuchten Quelle?
  2. Maßstab: Geht es um ein Haus, ein Viertel, eine Stadt, ein Städtenetz oder eine Region?
  3. Vergleich: Sind die ausgewählten Städte hinsichtlich Zeitraum, Größe und Quellenlage sinnvoll vergleichbar?
  4. Repräsentativität: Beschreibt eine Ratsordnung den Alltag oder nur einen Regelungsanspruch?
  5. Überlieferung: Welche Gruppen erscheinen in den Quellen, welche bleiben unsichtbar?
  6. Anachronismus: Werden moderne Kategorien unkritisch auf mittelalterliche Verhältnisse übertragen?


Fallstudie: Eine Stadt multiperspektivisch untersuchen

Für eine wissenschaftliche Fallstudie kannst Du beispielsweise Freiburg im Breisgau, Lübeck, Nürnberg, Erfurt, Köln, Regensburg oder Braunschweig auswählen. Untersuche nicht nur „die Geschichte“ der Stadt, sondern verknüpfe mehrere Ebenen:

  1. Topografie: Lage, Mauerring, Tore, Markt, Kirchen, Wasserläufe und Vorstädte.
  2. Herrschaft: Stadtherr, Privilegien, Rat, Gerichte und Konflikte.
  3. Gesellschaft: Bürgerrecht, Eliten, Handwerker, Frauen, Arme, Migranten und religiöse Minderheiten.
  4. Wirtschaft: Gewerbe, Märkte, Versorgung, Handel und Umland.
  5. Krise: Brand, Pest, Krieg, Aufstand oder Versorgungskonflikt.
  6. Erinnerungskultur: Museen, Stadtführungen, Rekonstruktionen und touristische Narrative.

Vergleiche anschließend mindestens zwei Quellengattungen. Eine Stadtansicht kann etwa mit einem Steuerbuch oder archäologischen Befund konfrontiert werden. Widersprüche sind kein Fehler, sondern häufig der Ausgangspunkt historischer Erkenntnis.


Zusammenfassung

Die mittelalterliche Stadt war ein verdichteter, rechtlich besonderer und sozial ungleicher Raum. Sie entstand aus unterschiedlichen Voraussetzungen, blieb auf ihr Umland angewiesen und war in regionale sowie überregionale Netzwerke eingebunden. Mauer, Markt, Kirche und Rathaus prägten viele Städte, aber nicht überall in gleicher Form. Bürgerschaft und kommunale Ordnung eröffneten Handlungsspielräume, schlossen zugleich jedoch große Teile der Bevölkerung von voller Teilhabe aus.

Handwerk, Handel, Religion, Fürsorge, Konflikt und Schriftlichkeit bestimmten den Alltag. Krisen wie Pest, Brand, Krieg und Versorgungsknappheit trafen Gruppen unterschiedlich. Historische Aussagen müssen daher auf einer kritischen Verbindung von Schriftquellen, Bildern, Karten, Archäologie und Baugeschichte beruhen. Ein angemessenes Verständnis ersetzt das romantische oder abwertende Einheitsbild durch einen vergleichenden Blick auf urbane Vielfalt.


Fachbegriffe

  1. Bürgerrecht: Rechtlich definierte Zugehörigkeit zur Bürgerschaft mit abgestuften Rechten und Pflichten.
  2. Stadtrecht: Komplex aus Privilegien, Gewohnheiten, Satzungen und gerichtlichen Verfahren.
  3. Marktrecht: Recht, einen Markt unter besonderem Schutz und mit festgelegten Regeln abzuhalten.
  4. Patriziat: Bezeichnung für städtische Führungsschichten, deren Zusammensetzung lokal variierte.
  5. Zunft: Korporative Organisation eines Gewerbes mit wirtschaftlichen, sozialen, religiösen und politischen Funktionen.
  6. Kommune: Schwurverband oder politische Gemeinschaft städtischer Einwohner mit Anspruch auf Selbstorganisation.
  7. Freie Reichsstadt: Stadt mit unmittelbarer Unterstellung unter König oder Kaiser.
  8. Vorstadt: Siedlungsbereich außerhalb des engeren Mauerrings, häufig mit Gewerben und besonderen Einrichtungen.
  9. Hanse: Wandelndes Netzwerk von Kaufleuten und Städten im nördlichen Europa.
  10. Mittelalterarchäologie: Archäologische Erforschung mittelalterlicher Lebenswelten und materieller Hinterlassenschaften.


Fachliteratur und vertiefende Quellen

  1. Eberhard Isenmann: Die deutsche Stadt im Mittelalter 1150–1550. Grundlegende Gesamtdarstellung zu Recht, Verfassung, Gesellschaft und Wirtschaft.
  2. Felicitas Schmieder: Die mittelalterliche Stadt. Einführung in Strukturen und europäische Zusammenhänge.
  3. Hartmut Boockmann: Die Stadt im späten Mittelalter. Bild- und quellennaher Zugang zur spätmittelalterlichen Stadt.
  4. Henri Pirenne: Stadt und Handel im Mittelalter. Forschungsklassiker, dessen Thesen kritisch und im Forschungskontext zu lesen sind.
  5. Jacques Le Goff: Arbeiten zur mittelalterlichen Stadt, Zeitordnung, Mentalitäts- und Kulturgeschichte.
  6. Stadtarchiv und Kommunalarchiv: Lokale Stadtbücher, Rechnungen, Urkunden und Karten als Ausgangspunkt eigener Forschung.
  7. Wikimedia Commons: Frei zugängliche historische Bildquellen; jede Datei muss hinsichtlich Datierung, Provenienz und Lizenz einzeln geprüft werden.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welche Aussage beschreibt die mittelalterliche Stadt am treffendsten? (Sie war ein vielfältiger Rechts Wirtschafts Sozial und Siedlungsraum) (!Sie war überall vollständig unabhängig vom Landesherrn) (!Sie besaß immer mehr als hunderttausend Einwohner) (!Sie bestand ausschließlich aus Kaufleuten und Handwerkern)




Welche Funktion konnte eine Stadtmauer neben der Verteidigung erfüllen? (Sie markierte Rechts und Zollgrenzen) (!Sie ersetzte alle städtischen Gerichte) (!Sie machte Vorstädte unmöglich) (!Sie garantierte allen Bewohnern das Bürgerrecht)




Was war das Stadtrecht? (Ein veränderlicher Komplex aus Privilegien Satzungen und Gewohnheiten) (!Ein europaweit identisches Gesetzbuch) (!Eine ausschließlich kirchliche Gottesdienstordnung) (!Ein Vertrag nur für auswärtige Kaufleute)




Wer besaß in einer mittelalterlichen Stadt nicht automatisch volles Bürgerrecht? (Gesinde Tagelöhner und zeitweilige Zuwanderer) (!Alle Mitglieder des Stadtrats) (!Alle anerkannten Vollbürger) (!Alle Personen mit ausdrücklich verliehenem Bürgerrecht)




Welche Aussage über Zünfte ist richtig? (Sie konnten Ausbildung Qualität Fürsorge und Marktzugang regeln) (!Sie beseitigten jede soziale Ungleichheit) (!Sie waren überall staatliche Behörden des Königs) (!Sie nahmen grundsätzlich jede Person ohne Bedingungen auf)




Warum ist die Formel Stadtluft macht frei erklärungsbedürftig? (Weil Freiheit regional unterschiedlich und an Bedingungen gebunden war) (!Weil es im Mittelalter überhaupt keine Unfreiheit gab) (!Weil jede Stadt eine moderne Demokratie war) (!Weil nur Adlige in Städten wohnen durften)




Welche Beziehung bestand zwischen Stadt und Umland? (Beide waren wirtschaftlich sozial und politisch eng verflochten) (!Die Stadt war vollständig unabhängig von Nahrungsmitteln) (!Das Umland durfte keine städtischen Märkte besuchen) (!Zwischen Stadt und Land gab es keinerlei Besitzbeziehungen)




Was ist bei einer mittelalterlichen Stadtansicht quellenkritisch zu beachten? (Sie verbindet Beobachtung Auswahl Symbolik und Bildkonvention) (!Sie ist immer eine maßstabsgerechte Vermessung) (!Sie zeigt ausnahmslos jedes vorhandene Gebäude) (!Sie entstand grundsätzlich ohne Auftraggeber)




Welche Aussage zur Hanse ist zutreffend? (Sie war ein wandelndes Netzwerk von Kaufleuten und Städten) (!Sie war ein zentral verwalteter Nationalstaat) (!Sie kontrollierte ausschließlich den Mittelmeerhandel) (!Sie bestand nur aus einem einzigen Hafen)




Welche Methode hilft bei der Datierung geeigneter Bauhölzer? (Die Dendrochronologie) (!Die Heraldik) (!Die Numismatik) (!Die Paläografie)





Memory

Stadtrecht Privilegien und städtische Normen
Marktplatz Handel und öffentliche Verkündigung
Zunft Korporation eines Gewerbes
Bürgereid Rechte und Pflichten der Stadtzugehörigkeit
Patriziat Städtische Führungsschicht
Vorstadt Siedlungsraum außerhalb des Mauerrings
Hanse Netzwerk von Kaufleuten und Städten
Dendrochronologie Datierung durch Jahrringe





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Stadtmauer Verteidigung Rechtsgrenze und Repräsentation
Rathaus Sitz kommunaler Beratung und Verwaltung
Marktrecht Privileg für geregelten Handel
Zunft Ordnung von Gewerbe Ausbildung und Fürsorge
Hospital Pflege Versorgung und Beherbergung
Stadtbuch Schriftliche Dokumentation von Recht und Verwaltung






Kreuzworträtsel

Stadtrecht Wie heißt der Komplex aus städtischen Privilegien Normen und Gewohnheiten?
Rathaus Welches Gebäude war ein Zentrum kommunaler Beratung und Repräsentation?
Zunft Wie heißt eine korporative Organisation eines Handwerks?
Vorstadt Wie heißt ein Siedlungsbereich außerhalb des engeren Mauerrings?
Patriziat Wie wird eine städtische Führungsschicht häufig bezeichnet?
Hanse Wie heißt das nordeuropäische Netzwerk von Kaufleuten und Städten?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Eine mittelalterliche Stadt war nicht nur eine Siedlung, sondern häufig auch ein besonderer

. Der zentrale Ort des geregelten Handels war der

. Die Stadt blieb für Nahrung und Rohstoffe eng mit ihrem

verbunden. Das volle

besaßen nicht automatisch alle Einwohnerinnen und Einwohner. Handwerkliche Korporationen wurden häufig als

bezeichnet. Die städtische Führung lag in vielen Orten bei einem begrenzten Kreis im

. Ein Netzwerk nord- und mitteleuropäischer Kaufleute und Städte war die

. Schriftliche Ordnungen zeigen vor allem, welches Verhalten gelten

. Die Untersuchung von Jahrringen geeigneter Hölzer heißt

. Stadtansichten müssen als gestaltete

kritisch analysiert werden.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Stadtgrundriss: Zeichne einen idealtypischen Grundriss mit Mauer, Tor, Markt, Rathaus, Kirche, Wasserstelle und Vorstadt. Markiere anschließend, welche Elemente nicht in jeder Stadt vorhanden sein mussten.
  2. Bildquellenanalyse: Wähle eine im Kurs gezeigte Stadtansicht und notiere zehn sichtbare Details. Trenne Beobachtung, Deutung und offene Frage.
  3. Begriffskarte: Erstelle eine Concept-Map zu Bürgerrecht, Stadtrecht, Markt, Zunft, Rat und Umland. Verbinde jeden Begriff mit mindestens zwei Beziehungen.
  4. Alltagsgeschichte: Verfasse einen quellenbewussten Tagesablauf einer Person in einer mittelalterlichen Stadt. Kennzeichne gesicherte Informationen und plausible Ergänzungen getrennt.


Standard

  1. Stadtvergleich: Vergleiche zwei mittelalterliche Städte aus unterschiedlichen Regionen anhand von Lage, Recht, Wirtschaft, Sozialstruktur und Befestigung.
  2. Quellenkritik: Analysiere eine Ratsordnung oder Marktordnung. Untersuche Autor, Adressaten, Norm, mögliche Konflikte und Grenzen der Aussagekraft.
  3. Museumserkundung: Besuche ein Stadtmuseum oder nutze dessen digitale Sammlung. Dokumentiere drei Objekte und erkläre, welche Fragen zur Stadtgeschichte sie beantworten können.
  4. Stadtführung: Entwickle eine fünf Stationen umfassende historische Führung. Jede Station soll eine Quelle, eine Leitfrage und einen Hinweis auf spätere Umbauten enthalten.


Schwer

  1. Forschungsprojekt: Rekonstruiere mit Karten, Archivalien und Forschungsliteratur die Entwicklung eines Stadtviertels zwischen zwei selbst gewählten Zeitpunkten.
  2. Datenanalyse: Werte eine veröffentlichte Steuerliste, Bürgerliste oder Handwerksstatistik aus. Erkläre Kategorien, Lücken, Verzerrungen und mögliche sozialgeschichtliche Aussagen.
  3. Geschichtskultur: Untersuche, wie eine heutige Stadt mit ihrem „mittelalterlichen“ Erbe wirbt. Vergleiche Tourismusdarstellung, Denkmalschutz und wissenschaftliche Forschung.
  4. Digital Humanities: Entwirf ein kleines GIS- oder Netzwerkprojekt zu Toren, Märkten, Werkstätten, Handelskontakten oder Ratsfamilien. Dokumentiere Datenmodell und Unsicherheiten.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Transfer Stadt und Umland: Erkläre an einem selbst gewählten Beispiel, warum eine Stadt trotz Mauer nicht als abgeschlossene Einheit untersucht werden kann. Verknüpfe Versorgung, Besitz und Herrschaft.
  2. Norm und Praxis: Eine Ratsordnung verbietet das Ablagern von Abfällen auf der Straße. Entwickle zwei gegensätzliche Deutungen dieser Quelle und zeige, welche weiteren Belege zur Entscheidung nötig wären.
  3. Vergleichende Stadtgeschichte: Beurteile, ob eine kleine Territorialstadt und eine große Reichsstadt mit denselben Kategorien verglichen werden sollten. Begründe Kriterien und Grenzen.
  4. Soziale Teilhabe: Analysiere, wie Bürgerrecht, Vermögen, Geschlecht, Beruf und Religion politische Handlungsmöglichkeiten beeinflussen konnten.
  5. Bild und Wirklichkeit: Vergleiche eine spätmittelalterliche Stadtansicht mit einem modernen Altstadtfoto. Untersuche Perspektive, Auswahl, Restaurierung und geschichtskulturelle Wirkung.
  6. Krisenmanagement: Entwickle aus der Perspektive eines mittelalterlichen Rats ein Maßnahmenpaket für eine Versorgungskrise. Prüfe anschließend, welche Gruppen profitieren oder benachteiligt werden könnten.
  7. Forschungsdesign: Formuliere eine präzise Forschungsfrage zur mittelalterlichen Stadt und ordne ihr mindestens drei unterschiedliche Quellengattungen mit jeweiliger Aussagegrenze zu.




Lernnachweis

Für einen qualifizierten Lernnachweis sind folgende Leistungen wichtig:

  1. Fachwissen: Sichere Einordnung von Stadtentstehung, Stadtrecht, Bürgerschaft, Wirtschaft, Sozialstruktur, Religion und Stadt-Umland-Beziehungen.
  2. Quellenkompetenz: Klare Trennung von Quelle und Forschung, Beschreibung und Deutung sowie Norm und Praxis.
  3. Methodenkompetenz: Begründete Auswahl und Kombination schriftlicher, bildlicher, archäologischer und baulicher Quellen.
  4. Urteilskompetenz: Differenzierte Bewertung von Freiheit, Teilhabe, Ungleichheit und kommunaler Herrschaft ohne Anachronismen.
  5. Vergleichskompetenz: Transparente Vergleichskriterien und reflektierter Umgang mit regionaler Vielfalt.
  6. Darstellungskompetenz: Nachvollziehbare Argumentation, korrekte Fachbegriffe, Belege und Kennzeichnung von Unsicherheiten.
  7. Transferleistung: Anwendung der erarbeiteten Kategorien auf eine bislang nicht behandelte Stadt oder Quelle.

Als Lernprodukt eignet sich eine schriftliche Fallstudie, ein quellenkritisches Portfolio, eine digitale Karte oder eine wissenschaftlich kommentierte Stadtführung. Der Lernnachweis soll eine eigene Fragestellung, mindestens drei Quellengattungen, Forschungsliteratur und eine Reflexion der Aussagegrenzen enthalten.




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Schulfach+

Prüfungsliteratur 2026
Bundesland Bücher Kurzbeschreibung
Baden-Württemberg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Mittlere Reife

  1. Der Markisenmann - Jan Weiler oder Als die Welt uns gehörte - Liz Kessler
  2. Ein Schatten wie ein Leopard - Myron Levoy oder Pampa Blues - Rolf Lappert

Abitur Dorfrichter-Komödie über Wahrheit/Schuld; Roman über einen Ort und deutsche Geschichte. Mittlere Reife Wahllektüren (Roadtrip-Vater-Sohn / Jugendroman im NS-Kontext / Coming-of-age / Provinzroman).

Bayern

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Lustspiel über Machtmissbrauch und Recht; Roman als Zeitschnitt deutscher Geschichte an einem Haus/Grundstück.

Berlin/Brandenburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Der Biberpelz - Gerhart Hauptmann
  4. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Gerichtskomödie; soziales Drama um Ausbeutung/Armut; Komödie/Satire um Diebstahl und Obrigkeit; Roman über Erinnerungsräume und Umbrüche.

Bremen

Abitur

  1. Nach Mitternacht - Irmgard Keun
  2. Mario und der Zauberer - Thomas Mann
  3. Emilia Galotti - Gotthold Ephraim Lessing oder Miss Sara Sampson - Gotthold Ephraim Lessing

Abitur Roman in der NS-Zeit (Alltag, Anpassung, Angst); Novelle über Verführung/Massenpsychologie; bürgerliche Trauerspiele (Moral, Macht, Stand).

Hamburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun

Abitur Justiz-/Machtkritik als Komödie; Großstadtroman der Weimarer Zeit (Rollenbilder, Aufstiegsträume, soziale Realität).

Hessen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  4. Der Prozess - Franz Kafka

Abitur Gerichtskomödie; Fragmentdrama über Gewalt/Entmenschlichung; Erinnerungsroman über deutsche Brüche; moderner Roman über Schuld, Macht und Bürokratie.

Niedersachsen

Abitur

  1. Der zerbrochene Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun
  3. Die Marquise von O. - Heinrich von Kleist
  4. Über das Marionettentheater - Heinrich von Kleist

Abitur Schwerpunkt auf Drama/Roman sowie Kleist-Prosatext und Essay (Ehre, Gewalt, Unschuld; Ästhetik/„Anmut“).

Nordrhein-Westfalen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Komödie über Wahrheit und Autorität; Roman als literarische „Geschichtsschichtung“ an einem Ort.

Saarland

Abitur

  1. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  2. Furor - Lutz Hübner und Sarah Nemitz
  3. Bahnwärter Thiel - Gerhart Hauptmann

Abitur Erinnerungsroman an einem Ort; zeitgenössisches Drama über Eskalation/Populismus; naturalistische Novelle (Pflicht/Überforderung/Abgrund).

Sachsen (berufliches Gymnasium)

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Irrungen, Wirrungen - Theodor Fontane
  4. Der gute Mensch von Sezuan - Bertolt Brecht
  5. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  6. Der Trafikant - Robert Seethaler

Abitur Mischung aus Klassiker-Drama, sozialem Drama, realistischem Roman, epischem Theater und Gegenwarts-/Erinnerungsroman; zusätzlich Coming-of-age im historischen Kontext.

Sachsen-Anhalt

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Themenfelder)

Abitur Schwerpunktsetzung über Themenfelder (u. a. Literatur um 1900; Sprache in politisch-gesellschaftlichen Kontexten), ohne feste Einzeltitel.

Schleswig-Holstein

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Recht/Gerechtigkeit und historische Tiefenschichten eines Ortes – umgesetzt über Drama und Gegenwartsroman.

Thüringen

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool)

Abitur In der Praxis häufig Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool; landesweite Einzeltitel je nach Vorgabe/Handreichung nicht einheitlich ausgewiesen.

Mecklenburg-Vorpommern

Abitur

  1. (Quelle aktuell technisch nicht abrufbar; Beteiligung am gemeinsamen Aufgabenpool bekannt)

Abitur Land beteiligt sich am länderübergreifenden Aufgabenpool; konkrete, veröffentlichte Einzeltitel konnten hier nicht ausgelesen werden.

Rheinland-Pfalz

Abitur

  1. (keine landesweit einheitliche Pflichtlektüre; schulische Auswahl)

Abitur Keine landesweite Einheitsliste; Auswahl kann schul-/kursbezogen erfolgen.




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THE MONKEY DANCE




The Monkey DanceaiMOOCs

  1. Trust Me It's True: #Verschwörungstheorie #FakeNews
  2. Gregor Samsa Is You: #Kafka #Verwandlung
  3. Who Owns Who: #Musk #Geld
  4. Lump: #Trump #Manipulation
  5. Filth Like You: #Konsum #Heuchelei
  6. Your Poverty Pisses Me Off: #SozialeUngerechtigkeit #Musk
  7. Hello I'm Pump: #Trump #Kapitalismus
  8. Monkey Dance Party: #Lebensfreude
  9. God Hates You Too: #Religionsfanatiker
  10. You You You: #Klimawandel #Klimaleugner
  11. Monkey Free: #Konformität #Macht #Kontrolle
  12. Pure Blood: #Rassismus
  13. Monkey World: #Chaos #Illusion #Manipulation
  14. Uh Uh Uh Poor You: #Kafka #BerichtAkademie #Doppelmoral
  15. The Monkey Dance Song: #Gesellschaftskritik
  16. Will You Be Mine: #Love
  17. Arbeitsheft
  18. And Thanks for Your Meat: #AntiFactoryFarming #AnimalRights #MeatIndustry


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