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Die Präsidenten des FC Bayern

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Die Präsidenten des FC Bayern




Die Präsidenten des FC Bayern

Der FC Bayern München wurde am 27. Februar 1900 gegründet. An seiner Spitze standen seitdem mehr als 30 Präsidenten. Manche führten den Verein nur wenige Monate, andere prägten ihn über Jahrzehnte. An den Amtszeiten von Franz John, Kurt Landauer, Wilhelm Neudecker, Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Herbert Hainer und ihren Vorgängern beziehungsweise Nachfolgern lässt sich deshalb nicht nur Fußballgeschichte erzählen. Die Präsidenten spiegeln auch gesellschaftliche Umbrüche, unterschiedliche Vorstellungen von Vereinsführung, die Professionalisierung des Sports, die Zeit des Nationalsozialismus, den Wiederaufbau nach 1945 und die Entwicklung eines Münchner Fußballvereins zu einem international tätigen Großverein.

Dieser aiMOOC betrachtet die Präsidenten nicht bloß als Namensliste. Du untersuchst, welche Aufgaben ein Präsident hat, wie sich das Amt verändert hat, welche Entscheidungen einzelne Präsidenten trafen und weshalb sportlicher Erfolg nie einer einzigen Person zugeschrieben werden kann. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen dem Präsidenten des FC Bayern München eV und den Leitungsorganen der FC Bayern München AG.

Stand der Gegenwartsangaben: September 2026.


Lernziele

Nach der Bearbeitung dieses aiMOOCs kannst Du die wichtigsten Präsidenten des FC Bayern zeitlich einordnen, zentrale Entwicklungen ihrer Amtszeiten erklären und die Verbindung von Sport, Wirtschaft und Gesellschaft untersuchen. Du kannst historische Quellen kritisch vergleichen, die Rolle Kurt Landauers in der Vereinsgeschichte erläutern und erklären, weshalb sich die Machtverhältnisse im Verein mit der Ausgliederung des Profifußballs in eine Aktiengesellschaft verändert haben.


Was macht ein Vereinspräsident?

Der Präsident des FC Bayern steht an der Spitze des eingetragenen Vereins. Er repräsentiert den Verein, arbeitet mit den weiteren Mitgliedern des Präsidiums zusammen und wird durch die Mitglieder legitimiert. Die konkrete Bedeutung des Amtes hat sich im Laufe der Geschichte allerdings stark verändert.

In der Frühzeit des Fußballs konnten Präsidenten unmittelbar viele organisatorische und sportliche Fragen mitbestimmen. Mit wachsendem Spielbetrieb, steigenden Einnahmen und professionellen Strukturen entstanden spezialisierte Funktionen für Finanzen, Management, Sport und Vermarktung.

Seit 2002 wird der professionelle Männerfußball wesentlich in der FC Bayern München AG organisiert. Der FC Bayern München eV hält 75 Prozent der Aktien. Je 8,33 Prozent gehören adidas, Audi und Allianz. Das operative Geschäft der AG führt ihr Vorstand. Der Aufsichtsrat überwacht und berät den Vorstand. Der Präsident des eV ist deshalb nicht einfach mit einem Vorstandsvorsitzenden eines Unternehmens gleichzusetzen.

Die Entwicklung zeigt eine wichtige Grundidee moderner Sportorganisation: Mitgliederverein, Profifußball-Unternehmen und sportliche Leitung sind miteinander verbunden, aber nicht identisch. Herbert Hainer ist beispielsweise Präsident des eV und zugleich Vorsitzender des Aufsichtsrats der AG. Das operative Tagesgeschäft der AG wird dagegen vom Vorstand geführt.


Von der Gründung bis zum Ersten Weltkrieg


Franz John – der Gründungspräsident

Franz John wurde 1872 in Pritzwalk geboren und war Fotograf sowie Fußballpionier. Am 27. Februar 1900 gehörte er zu jener Gruppe von elf Männern, die nach einem Streit über die Zukunft der Fußballabteilung des MTV München den Fußballclub Bayern München gründeten. John wurde zum ersten Präsidenten gewählt und blieb bis 1903 im Amt.

Seine Bedeutung liegt nicht in einer späteren Titelserie, sondern in der Gründungsentscheidung selbst. Ein neuer Verein brauchte Mitglieder, Spielmöglichkeiten, Gegner, eine Organisation und eine Identität. John half, dafür erste Strukturen zu schaffen. Unter seiner Leitung entwickelte sich der junge FC Bayern rasch zu einer wichtigen Kraft im Münchner Fußball.

Später lebte John wieder in Berlin. Der FC Bayern ernannte ihn 1925 zum Ehrenpräsidenten. Seine Biografie macht deutlich, dass Vereinsgeschichte nicht erst mit der Bundesliga oder mit großen internationalen Endspielen beginnt. Ohne die organisatorische Arbeit der Gründungszeit hätte es die späteren Erfolge nicht gegeben.


Die frühen Nachfolger

Nach John wechselte das Präsidentenamt mehrfach. Willem Hesselink führte den Verein von 1903 bis 1906. Es folgten mehrere Amtszeiten von Angelo Knorr, dazu Kurt Müller und Otto Wagner. Diese häufigeren Wechsel zeigen, wie stark der junge Fußball noch von ehrenamtlichem Engagement und persönlichen Netzwerken abhing.

Die frühe Geschichte war zugleich internationaler, als man auf den ersten Blick vermuten könnte. Der Niederländer Willem Hesselink war nicht nur Funktionär, sondern auch als Fußballer und Trainer tätig. Solche Mehrfachrollen waren in der Pionierzeit des Sports üblich.


Kurt Landauer und der Aufstieg bis 1932


Vier Amtszeiten mit historischen Brüchen

Kurt Landauer wurde 1884 in Planegg geboren und trat bereits 1901 dem FC Bayern bei. Er stammte aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie und absolvierte eine Bankausbildung. Zum ersten Mal wurde er 1913 Präsident. Der Erste Weltkrieg unterbrach seine erste Amtszeit.

Nach dem Krieg kehrte Landauer an die Vereinsspitze zurück. Seine Präsidentschaften verteilen sich auf mehrere Phasen: 1913 bis 1914, 1919 bis 1921, 1922 bis 1933 und 1947 bis 1951. Damit ist seine Biografie unmittelbar mit Kaiserreich, Weimarer Republik, nationalsozialistischer Verfolgung, Exil und Nachkriegszeit verbunden.

Landauer setzte auf sportliche Qualität und Nachwuchsarbeit. Statt alle finanziellen Möglichkeiten in ein eigenes Stadion zu stecken, bevorzugte er Investitionen in die Mannschaft und in die sportliche Entwicklung. 1932 erreichte der Verein unter seiner Präsidentschaft einen historischen Höhepunkt: Der FC Bayern gewann durch ein 2:0 gegen Eintracht Frankfurt erstmals die Deutsche Meisterschaft.


Landauer, Verfolgung und Exil

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 musste Landauer unter dem Druck der neuen politischen Verhältnisse sein Präsidentenamt aufgeben. Am 22. März 1933 trat er zurück. Wenig später verlor er auch seine berufliche Stellung.

Nach den Novemberpogromen von 1938 wurde Landauer im KZ Dachau inhaftiert. Nach 33 Tagen kam er frei. 1939 emigrierte er in die Schweiz. Vier seiner Geschwister wurden von den Nationalsozialisten ermordet.

Diese Ereignisse machen seine Biografie zu einem wichtigen Teil der deutschen Erinnerungskultur. Dabei ist eine differenzierte Betrachtung notwendig: Es wäre falsch, die Geschichte des gesamten Vereins in der NS-Zeit allein als Widerstandsgeschichte darzustellen. Der FC Bayern wurde wie andere Sportvereine in die nationalsozialistischen Strukturen eingebunden und passte sich in verschiedenen Bereichen an das Regime an. Zugleich gab es jüdische Mitglieder, die ausgegrenzt und verfolgt wurden, sowie Funktionäre mit sehr unterschiedlichen politischen Haltungen.

Der FC Bayern beauftragte deshalb das Institut für Zeitgeschichte mit einer unabhängigen wissenschaftlichen Untersuchung seiner Geschichte in der NS-Diktatur. Für diese Forschung wurden Unterlagen aus zahlreichen Archiven ausgewertet. Historisches Lernen bedeutet hier: Mythen durch Quellenprüfung ersetzen und sowohl Opfer als auch Mitläufer, Anpassung und Handlungsspielräume untersuchen.


Siegfried Herrmann und die schwierige Übergangszeit ab 1933

Nach Landauers erzwungenem Rücktritt übernahm Siegfried Herrmann 1933 die Vereinsführung. Herrmann hatte zuvor lange mit Landauer zusammengearbeitet. In seiner kurzen Amtszeit versuchte er, in den engen Grenzen der Diktatur bestehende Vereinsstrukturen zu bewahren. Seine Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus war auch durch seine berufliche Tätigkeit bei der Münchner Polizei belastet: Bereits vor 1933 war er an Maßnahmen gegen Adolf Hitler beteiligt gewesen und geriet nach der Machtübernahme selbst unter politischen Druck.

Nach Herrmann folgten in der NS-Zeit Karlheinz Oettinger, Richard Amesmaier, Franz Nusshart, Josef Kellner und Josef Sauter. Für diese Jahre ist besonders wichtig, nicht nur Präsidentennamen zu lernen, sondern zu fragen, wie Sportvereine in Diktaturen funktionieren, welche Anpassungszwänge bestehen und welche individuelle Verantwortung Funktionäre tragen.


Wiederaufbau nach 1945


Rückkehr Landauers

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs musste auch der FC Bayern organisatorisch neu aufgebaut werden. In der unmittelbaren Nachkriegszeit wechselte die Vereinsführung mehrfach. Xaver Heilmannseder und Josef Bayer gehören zu den Namen dieser Übergangsphase. In verschiedenen historischen Vereinsübersichten wird die personelle Abfolge der Jahre 1945 bis 1947 teilweise unterschiedlich dargestellt; auch Siegfried Herrmann wird für diese Phase erneut als leitender Funktionär beziehungsweise Präsident geführt.

1947 kehrte Kurt Landauer aus der Schweiz nach München zurück und wurde erneut zum Präsidenten gewählt. Seine vierte Amtszeit dauerte bis 1951. Damit steht Landauer nicht nur für den ersten Meistertitel von 1932, sondern auch für den Wiederaufbau des Vereins nach Verfolgung, Krieg und Diktatur.

Nach Landauer führten Julius Scheuring, Adolf Fischer, Karl Wild, Hugo Theisinger, Alfred Reitlinger und Roland Endler den Verein durch die 1950er Jahre und bis 1962. Diese Namen sind weniger bekannt als spätere Präsidenten, doch ihre Amtszeiten bildeten die organisatorische Brücke zu jener Epoche, in der aus dem FC Bayern ein nationaler und internationaler Spitzenclub wurde.


Wilhelm Neudecker – vom Oberligisten zum Weltverein


Präsidentschaft von 1962 bis 1979

Wilhelm Neudecker wurde 1962 Präsident. Seine 17-jährige Amtszeit gehört zu den prägendsten Phasen der Vereinsgeschichte. Als er sein Amt antrat, spielte der FC Bayern noch in der Oberliga. 1965 gelang der Aufstieg in die Bundesliga.

Neudecker verpflichtete beziehungsweise förderte Personen, die später eng mit der großen Erfolgsgeschichte verbunden waren: Trainer wie Zlatko Čajkovski und Udo Lattek sowie Spieler wie Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Sepp Maier, Uli Hoeneß, Paul Breitner und Karl-Heinz Rummenigge.

Unter seiner Präsidentschaft gewann der FC Bayern nationale Meisterschaften und Pokale sowie internationale Titel. Besonders herausragend waren die drei Siege im Europapokal der Landesmeister 1974, 1975 und 1976 sowie der Weltpokal 1976.

Neudeckers Bedeutung war auch organisatorisch. Unter ihm wurden Geschäftsstelle und Trainingsgelände an der Säbener Straße zusammengeführt. Mit Robert Schwan etablierte der FC Bayern eine professionelle Managerfunktion. Der Verein entwickelte sich dadurch von einer stärker ehrenamtlich geprägten Organisation zu einem professionell geführten Spitzenclub.


Das Ende der Neudecker-Ära

Neudeckers Führungsstil galt im Verlauf der 1970er Jahre zunehmend als autoritär. 1979 eskalierte ein Konflikt um die Trainerfrage. Neudecker wollte Max Merkel verpflichten, während große Teile der Mannschaft an Pál Csernai festhalten wollten. Die Spieler widersetzten sich der Entscheidung. Neudecker trat zurück.

Der Konflikt ist historisch interessant, weil er einen Wandel im Profifußball sichtbar macht: Spieler waren nicht mehr bloß ausführende Angestellte, Präsidenten konnten Entscheidungen nicht mehr uneingeschränkt allein durchsetzen, und sportliche Führung wurde zunehmend zu einem Zusammenspiel verschiedener Machtzentren.


Willi O. Hoffmann und Fritz Scherer – Übergang zur modernen Vereinsführung

Willi O. Hoffmann war von 1979 bis 1985 Präsident. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit übernahm der erst 27-jährige Uli Hoeneß das Manageramt. Unter Hoffmann kehrte der FC Bayern nach einer sportlich schwierigeren Phase wieder zu nationalen Erfolgen zurück.

Von 1985 bis 1994 amtierte Fritz Scherer als Präsident. Die Präsidentschaften Hoffmanns und Scherers bilden eine wichtige Brücke zwischen der patriarchalisch geprägten Neudecker-Zeit und der späteren Führung durch ehemalige Weltklassespieler wie Franz Beckenbauer. Zugleich gewann das hauptberufliche Management immer mehr Gewicht.

Diese Entwicklung verdeutlicht: Der Präsident blieb ein wichtiges Symbol und Entscheidungszentrum, aber die tägliche Steuerung eines Profifußballclubs verteilte sich zunehmend auf Präsident, Manager, Geschäftsführer, Trainer, Finanzverantwortliche und weitere Gremien.


Franz Beckenbauer – vom Weltklassespieler zum Präsidenten


Präsident von 1994 bis 2009

Franz Beckenbauer war bereits als Spieler eine der zentralen Figuren des FC Bayern. Als Kapitän führte er die Mannschaft durch die großen europäischen Erfolge der 1970er Jahre. Später wurde er Teamchef der deutschen Nationalmannschaft und gewann 1990 die Weltmeisterschaft. Beim FC Bayern half er 1994 und 1996 vorübergehend auch als Trainer aus.

1991 wurde Beckenbauer zum Vizepräsidenten gewählt. Von 1994 bis 2009 war er Präsident des FC Bayern München eV.

In seine Präsidentschaft fielen sportliche und organisatorische Meilensteine. 2001 gewann der FC Bayern die UEFA Champions League. 2002 wurde der Profifußball in die FC Bayern München AG ausgegliedert. Beckenbauer war von 2002 bis 2009 zugleich Vorsitzender des Aufsichtsrats der AG.

Auch der Bau und die Eröffnung der Allianz Arena 2005 fallen in diese Ära. Damit wurde sichtbar, wie sehr sich der FC Bayern inzwischen zu einem großen Wirtschafts- und Medienunternehmen entwickelt hatte, ohne seine vereinsrechtliche Basis im eV aufzugeben.

Beckenbauer wurde 2009 zum Ehrenpräsidenten ernannt. Er starb am 7. Januar 2024.


Uli Hoeneß – Manager, Präsident und prägende Machtfigur


Vom Manager zum Präsidenten

Uli Hoeneß kam 1970 als Spieler zum FC Bayern und übernahm 1979, unmittelbar nach seiner aktiven Karriere, im Alter von 27 Jahren das Manageramt. Über drei Jahrzehnte prägte er insbesondere wirtschaftliche Entwicklung, Transfers, Vermarktung und die Professionalisierung des Clubs.

2009 folgte Hoeneß Franz Beckenbauer als Präsident. Zugleich wurde er Vorsitzender des Aufsichtsrats der FC Bayern München AG.

Seine erste Präsidentschaft dauerte bis 2014. In diese Zeit fiel unter anderem das sportlich herausragende Jahr 2013 mit dem Gewinn von Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League.

Im März 2014 trat Hoeneß nach seiner Verurteilung wegen Steuerhinterziehung von den Ämtern als Vereinspräsident und Aufsichtsratsvorsitzender zurück. Diese Zäsur gehört zur Präsidentengeschichte, weil sie zeigt, dass persönliche rechtliche Verantwortung unmittelbare Folgen für ein Spitzenamt im Sport haben kann.


Karl Hopfner als Präsident von 2014 bis 2016

Nach Hoeneß übernahm Karl Hopfner das Präsidentenamt. Hopfner war bereits seit Jahrzehnten für den FC Bayern tätig und hatte insbesondere in den Bereichen Finanzen, Verwaltung und Vorstand Verantwortung getragen. 2014 wählten ihn die Mitglieder zum Präsidenten.

Seine Amtszeit steht für institutionelle Kontinuität: Ein großer Verein muss auch dann handlungsfähig bleiben, wenn eine besonders dominante Führungspersönlichkeit überraschend ausfällt.

2016 trat Hopfner nicht erneut an. Uli Hoeneß wurde wieder zum Präsidenten gewählt.


Zweite Präsidentschaft von Uli Hoeneß

Von 2016 bis 2019 führte Hoeneß den Verein erneut. Bei der Jahreshauptversammlung 2019 stellte er sich nicht mehr zur Wiederwahl und wurde anschließend zum Ehrenpräsidenten ernannt.

Für die historische Bewertung von Hoeneß ist eine Unterscheidung wichtig: Seine prägende Wirkung entstand nicht nur in seinen Jahren als Präsident. Sein Einfluss begann bereits 1979 als Manager und setzte sich später als Vorstandsmitglied, Präsident, Aufsichtsratsvorsitzender, Ehrenpräsident und Aufsichtsratsmitglied fort. Amt und tatsächlicher Einfluss sind deshalb nicht immer deckungsgleich.


Herbert Hainer – Präsident seit 2019

Herbert Hainer wurde am 15. November 2019 zum Präsidenten des FC Bayern München eV gewählt. Zuvor hatte er viele Jahre als Vorstandsvorsitzender von adidas gearbeitet und bereits seit der Gründung der FC Bayern München AG im Jahr 2002 deren Aufsichtsrat angehört.

Hainer ist zugleich Vorsitzender des Aufsichtsrats der FC Bayern München AG. In seiner Amtszeit wurde die Trennung von repräsentativer Vereinsführung, Aufsicht und operativem Vorstand besonders sichtbar.

2020 gewann die Profimannschaft sechs Titel in einem Kalenderjahr. Für eine sachgerechte historische Bewertung darf dieser Erfolg jedoch nicht einfach dem Präsidenten zugeschrieben werden. Trainer, Mannschaft, Sportführung, Vorstand, Aufsichtsrat und die zuvor aufgebauten Vereinsstrukturen wirkten zusammen.

2025 wurde Hainer von der Mitgliederversammlung mit 95,63 Prozent der gültigen Stimmen für eine weitere Amtszeit bestätigt. Damit ist er auch im September 2026 Präsident des FC Bayern München eV.


Die Präsidenten in der Übersicht

Die folgende Tabelle orientiert sich an der offiziellen historischen Präsidentenübersicht des FC Bayern. Bei einzelnen sehr kurzen Übergangsphasen, insbesondere unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, gibt es zwischen historischen Darstellungen Abweichungen in der genauen Zuordnung.

Präsident Amtszeit
Franz John 1900–1903
Willem Hesselink 1903–1906
Angelo Knorr 1906–1907
Kurt Müller 1907–1908
Angelo Knorr 1908–1909
Otto Wagner 1909–1910
Angelo Knorr 1910–1913
Kurt Landauer 1913–1914
Fred Dunn 1914–1915
Hans Tusch 1915
Fritz Meier 1915
Hans Bermühler 1916
Fritz Meier 1916–1919
Kurt Landauer 1919–1921
Fred Dunn 1921–1922
Kurt Landauer 1922–1933
Siegfried Herrmann 1933–1934
Karlheinz Oettinger 1934–1935
Richard Amesmaier 1935–1937
Franz Nusshart 1937–1938
Josef Kellner 1938–1943
Josef Sauter 1943–1945
Xaver Heilmannseder 1945
Josef Bayer beziehungsweise Übergangsführung 1945–1947
Kurt Landauer 1947–1951
Julius Scheuring 1951–1953
Adolf Fischer 1953–1955
Karl Wild 1955
Hugo Theisinger 1955
Alfred Reitlinger 1955–1958
Roland Endler 1958–1962
Wilhelm Neudecker 1962–1979
Willi O. Hoffmann 1979–1985
Fritz Scherer 1985–1994
Franz Beckenbauer 1994–2009
Uli Hoeneß 2009–2014
Karl Hopfner 2014–2016
Uli Hoeneß 2016–2019
Herbert Hainer seit 2019


Wendepunkte der Präsidentengeschichte

Die reine Chronologie wird verständlicher, wenn Du bestimmte Wendepunkte vergleichst.

  1. Vereinsgründung: Franz John steht für die Entstehung eines eigenständigen Fußballclubs im Jahr 1900.
  2. Erste Deutsche Meisterschaft: Unter Kurt Landauer erreicht der Verein 1932 erstmals die nationale Spitze.
  3. Nationalsozialismus: Landauers erzwungener Rücktritt und Verfolgung zeigen, wie politische Diktatur in das Vereinsleben eingriff.
  4. Nachkriegszeit: Landauers Rückkehr 1947 steht für organisatorischen und gesellschaftlichen Wiederaufbau.
  5. Bundesliga und Europapokale: Unter Wilhelm Neudecker entwickelt sich Bayern vom Oberligisten zum Weltverein.
  6. Professionalisierung: Manager, hauptamtliche Geschäftsführung und spezialisierte Leitungsfunktionen begrenzen die frühere Allzuständigkeit eines Präsidenten.
  7. FC Bayern München AG: Seit 2002 ist die Profifußballabteilung in einer Aktiengesellschaft organisiert.
  8. Allianz Arena: Der Stadionbau in der Beckenbauer-Ära zeigt die wirtschaftliche Größenordnung des modernen Clubs.
  9. Mitgliederdemokratie: Präsidenten werden durch die Vereinsmitglieder legitimiert; Wechsel wie 2014 und 2019 zeigen die Bedeutung geregelter Nachfolge.
  10. Sportmanagement: Unter Herbert Hainer wird besonders deutlich, dass Vereinspräsidium, Aufsichtsrat und operativer AG-Vorstand unterschiedliche Aufgaben besitzen.


Präsident, Manager, Vorstand und Trainer – wer entscheidet was?

Bei historischen Erfolgen wird oft verkürzt gesagt: „Unter Präsident X gewann Bayern Titel Y.“ Zeitlich ist diese Aussage häufig richtig, ursächlich aber zu einfach.

Ein Präsident kann langfristige Strategien fördern, Personalentscheidungen beeinflussen, den Verein repräsentieren und Gremienarbeit gestalten. Ein Manager oder Sportvorstand kümmert sich stärker um sportliche und wirtschaftliche Kaderplanung. Trainer entscheiden über Training und Spielidee. Der Vorstand der AG führt das Unternehmen operativ. Der Aufsichtsrat kontrolliert und berät den Vorstand. Spieler entscheiden schließlich auf dem Platz über Sieg oder Niederlage.

Du solltest deshalb zwischen zeitlicher Zuordnung und kausaler Erklärung unterscheiden. Wenn Bayern während einer Präsidentschaft erfolgreich war, beweist das noch nicht, dass der Präsident allein die Ursache des Erfolgs war.


Führungsstile im Vergleich

Die Präsidenten zeigen unterschiedliche Führungsmodelle. Franz John war ein Gründer und Organisator. Kurt Landauer dachte langfristig über sportliche Entwicklung und Nachwuchsarbeit nach. Wilhelm Neudecker verband Ausbau, Personalentscheidungen und eine stark präsidiale Führung. Franz Beckenbauer brachte enorme symbolische Autorität als ehemaliger Weltklassespieler mit. Uli Hoeneß verband jahrzehntelange operative Erfahrung mit persönlicher Präsenz und wirtschaftlichem Gestaltungswillen. Herbert Hainer steht stärker für ein modernes System aus Präsidium, Aufsichtsrat und professionellem Vorstand.

Keines dieser Modelle lässt sich ohne historischen Kontext bewerten. Ein Präsident von 1900 arbeitete unter völlig anderen Bedingungen als ein Präsident eines Clubs mit internationalem Milliardenmarkt, Medienrechten, Sponsoren, Aktiengesellschaft und Hunderttausenden Mitgliedern.


Historisches Lernen am Beispiel der Präsidenten

Die Präsidentengeschichte eignet sich besonders gut für Quellenkritik. Vereinswebseiten, Jubiläumsschriften, Zeitungsberichte, wissenschaftliche Studien, Erinnerungen von Zeitzeugen und spätere Biografien verfolgen unterschiedliche Zwecke.

Eine offizielle Vereinschronik möchte informieren, besitzt aber zugleich eine Nähe zum Verein. Wissenschaftliche Forschung versucht, mit überprüfbaren Quellen Distanz zu schaffen. Zeitzeugen liefern wertvolle Perspektiven, können sich jedoch irren oder Ereignisse im Rückblick anders deuten.

Besonders bei der NS-Zeit und bei Konflikten innerhalb des Vereins solltest Du deshalb mehrere Quellen vergleichen. Die Frage lautet nicht nur: Was ist passiert? Ebenso wichtig ist: Wer erzählt es, wann wurde es erzählt, auf welche Quellen stützt sich die Darstellung und welche Perspektive fehlt möglicherweise?


Quellen und Vertiefung

  1. Offizielle Übersicht: Alle Präsidenten des FC Bayern
  2. Offizielle Biografien der Ehrenpräsidenten
  3. Offizielle Seite zu Herbert Hainer
  4. FC Bayern München AG: Vorstand, Aufsichtsrat und Beteiligungsverhältnisse
  5. Forschungsprojekt des Instituts für Zeitgeschichte zur NS-Zeit
  6. Wikipedia: FC Bayern München
  7. Wikipedia: Kurt Landauer


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Wer war der erste Präsident des FC Bayern? (Franz John) (!Kurt Landauer) (!Wilhelm Neudecker) (!Franz Beckenbauer)




Unter welchem Präsidenten gewann der FC Bayern 1932 erstmals die Deutsche Meisterschaft? (Kurt Landauer) (!Franz John) (!Uli Hoeneß) (!Herbert Hainer)




Warum musste Kurt Landauer 1933 das Präsidentenamt aufgeben? (Wegen der nationalsozialistischen Verfolgung und des politischen Drucks) (!Wegen des Abstiegs aus der Bundesliga) (!Wegen des Baus der Allianz Arena) (!Wegen einer Niederlage im Europapokal)




Welcher Präsident führte den FC Bayern von 1962 bis 1979? (Wilhelm Neudecker) (!Karl Hopfner) (!Fritz Scherer) (!Willi O. Hoffmann)




Welcher sportliche Schritt gelang dem FC Bayern 1965 in der Neudecker-Ära? (Der Aufstieg in die Bundesliga) (!Der Gewinn der ersten Deutschen Meisterschaft) (!Die Gründung des Vereins) (!Die Ausgliederung in eine Aktiengesellschaft)




Wer war von 1994 bis 2009 Präsident des FC Bayern? (Franz Beckenbauer) (!Uli Hoeneß) (!Herbert Hainer) (!Karl Hopfner)




Welche organisatorische Veränderung erfolgte 2002? (Die Profifußballabteilung wurde in der FC Bayern München AG organisiert) (!Der FC Bayern wurde vollständig an einen Konzern verkauft) (!Die Bundesliga wurde gegründet) (!Der Verein zog erstmals nach München)




Wer war zwischen den beiden Präsidentschaften von Uli Hoeneß Präsident? (Karl Hopfner) (!Franz Beckenbauer) (!Wilhelm Neudecker) (!Kurt Landauer)




Wer ist seit 2019 Präsident des FC Bayern München eV? (Herbert Hainer) (!Franz Beckenbauer) (!Fritz Scherer) (!Willi O. Hoffmann)




Welche Aussage beschreibt die heutige Führungsstruktur am besten? (Der Präsident des eV und der Vorstand der AG haben unterschiedliche Aufgaben) (!Der Präsident entscheidet allein über jede Mannschaftsaufstellung) (!Der Trainer ist automatisch Präsident des Vereins) (!Der Aufsichtsrat übernimmt das tägliche Mannschaftstraining)





Memory

Franz John Gründungspräsident
Kurt Landauer Erste Deutsche Meisterschaft
Wilhelm Neudecker Aufstieg zum Weltverein
Franz Beckenbauer Präsidentschaft 1994 bis 2009
Uli Hoeneß Zwei Präsidentschaften
Karl Hopfner Übergangspräsident 2014 bis 2016
Herbert Hainer Präsident seit 2019
FC Bayern München AG Profifußballstruktur seit 2002





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Historische Bedeutung
Franz John Gründungsphase
Kurt Landauer Meisterschaft und Wiederaufbau
Wilhelm Neudecker Bundesligaaufstieg und Europapokale
Franz Beckenbauer Internationalisierung und AG-Struktur
Herbert Hainer Moderne Gremienführung






Kreuzworträtsel

Landauer Welcher Präsident führte Bayern 1932 zur ersten Deutschen Meisterschaft?
Neudecker Welcher Präsident amtierte von 1962 bis 1979?
Beckenbauer Welcher frühere Weltklassespieler wurde 1994 Präsident?
Hoeneß Welcher langjährige Manager wurde 2009 Präsident?
Hainer Welcher Präsident ist seit 2019 im Amt?
Hopfner Wer führte den Verein von 2014 bis 2016?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Der erste Präsident des FC Bayern war

.
Die erste Deutsche Meisterschaft gewann der Verein 1932 unter Präsident

.
Landauer musste sein Amt 1933 wegen des politischen Drucks der

aufgeben.
Nach seiner Rückkehr nach München wurde Landauer 1947 erneut zum

gewählt.
Von 1962 bis 1979 prägte Wilhelm

den Aufstieg zum internationalen Spitzenclub.
Der Aufstieg in die Bundesliga gelang dem FC Bayern im Jahr

.
Von 1994 bis 2009 war Franz Beckenbauer Präsident des

.
Seit 2002 wird der professionelle Männerfußball wesentlich in einer

organisiert.
Zwischen den beiden Amtszeiten von Uli Hoeneß war Karl

Präsident.
Seit 2019 heißt der Präsident des FC Bayern München eV Herbert

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Zeitleiste: Gestalte eine Zeitleiste von Franz John bis Herbert Hainer und markiere mindestens acht Präsidenten sowie fünf wichtige Ereignisse der Vereinsgeschichte.
  2. Franz John: Erstelle ein kurzes Porträt des Gründungspräsidenten und erkläre, welche Aufgaben bei einer Vereinsgründung im Jahr 1900 zu lösen waren.
  3. Kurt Landauer: Gestalte ein Lernplakat mit den Stationen 1913, 1932, 1933, 1938, 1939 und 1947 und erkläre ihre Bedeutung.
  4. Präsidentenvergleich: Wähle zwei Präsidenten aus unterschiedlichen Epochen und notiere drei Unterschiede ihrer historischen Rahmenbedingungen.


Standard

  1. Quellenkritik: Vergleiche die offizielle Vereinsbiografie Kurt Landauers mit einem Wikipedia-Artikel oder einer wissenschaftlichen Darstellung und untersuche Gemeinsamkeiten und Unterschiede.
  2. Wilhelm Neudecker: Erstelle ein Schaubild, das sportliche Erfolge, wichtige Spieler, Trainer und organisatorische Reformen seiner Amtszeit miteinander verbindet.
  3. FC Bayern München AG: Zeichne ein Organigramm mit eV, Mitgliederversammlung, Präsidium, AG-Vorstand und Aufsichtsrat und erkläre die unterschiedlichen Aufgaben.
  4. Zeitzeugeninterview: Befrage eine ältere Person dazu, welche Präsidenten sie bewusst erlebt hat und wie sich die öffentliche Wahrnehmung des FC Bayern verändert hat.


Schwer

  1. Nationalsozialismus und Sport: Recherchiere anhand seriöser Quellen, wie sich die nationalsozialistische Diktatur auf den FC Bayern und seine jüdischen Mitglieder auswirkte, und präsentiere die Ergebnisse quellenkritisch.
  2. Führungsstile: Analysiere Franz John, Kurt Landauer, Wilhelm Neudecker, Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß und Herbert Hainer nach Kriterien wie Entscheidungsstil, Professionalisierung, öffentliche Rolle und institutionelle Macht.
  3. Kausalität im Sport: Untersuche einen großen Titelgewinn des FC Bayern und bewerte, welchen Anteil Präsident, Trainer, Mannschaft, Management und langfristige Vereinsstruktur daran hatten.
  4. Vereinsdemokratie: Entwickle ein Modell für eine fiktive Mitgliederversammlung, auf der ein neuer Präsident gewählt wird, und formuliere Wahlprogramm, Gegenfragen, Abstimmung und Regeln zur Kontrolle der Vereinsführung.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Historischer Vergleich: Erkläre anhand von Franz John und Herbert Hainer, warum das Amt des Präsidenten 1900 und heute nicht dieselben praktischen Aufgaben besitzt.
  2. Landauer und Erinnerungskultur: Beurteile, weshalb Kurt Landauers Biografie sowohl zur Sportgeschichte als auch zur Geschichte des Nationalsozialismus gehört.
  3. Professionalisierung: Zeige am Beispiel Wilhelm Neudeckers, wie sportlicher Erfolg und organisatorischer Ausbau miteinander verbunden sein können.
  4. Machtverteilung: Erkläre, weshalb die Gründung der FC Bayern München AG im Jahr 2002 die Rolle des Präsidenten verändert hat.
  5. Kausalität: Prüfe die Aussage „Der Präsident gewinnt die Titel“ und entwickle eine differenzierte Gegenposition.
  6. Kontinuität und Krise: Analysiere den Wechsel von Uli Hoeneß zu Karl Hopfner 2014 und zeige, weshalb institutionelle Regeln für einen Großverein wichtig sind.




Lernnachweis

Für einen überzeugenden Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du nicht nur Namen und Amtszeiten auswendig kennst, sondern historische Zusammenhänge erklären kannst.

  1. Du kannst Franz John als Gründungspräsident einordnen.
  2. Du kannst die vier Amtsphasen Kurt Landauers und ihre historischen Brüche erklären.
  3. Du kannst Landauers Verfolgung im Nationalsozialismus sachlich und quellenkritisch darstellen.
  4. Du kannst die Bedeutung Wilhelm Neudeckers für Bundesligaaufstieg, internationale Erfolge und Professionalisierung erläutern.
  5. Du kannst die Amtszeiten von Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Karl Hopfner und Herbert Hainer zeitlich einordnen.
  6. Du kannst eV, AG, Vorstand und Aufsichtsrat voneinander unterscheiden.
  7. Du kannst erklären, warum sportliche Erfolge nicht monokausal einem Präsidenten zugeschrieben werden dürfen.
  8. Du kannst unterschiedliche Quellen zur Vereinsgeschichte bewerten und ihre Perspektiven vergleichen.




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