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Die Gründung der modernen Universität - Pädagogik

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Die Gründung der modernen Universität - Pädagogik




Die Gründung der modernen Universität - Pädagogik


Einleitung

Die Formulierung Gründung der modernen Universität bezeichnet keinen einzelnen Augenblick, in dem die Universität vollständig neu erfunden wurde. Universitäten existierten bereits seit dem Mittelalter. Mit der Gründung der Universität zu Berlin in den Jahren 1809 und 1810 wurden jedoch ältere akademische Traditionen, staatliche Reformpolitik und neue Vorstellungen von Bildung, Wissenschaft und akademischer Freiheit auf besonders wirkmächtige Weise miteinander verbunden. Deshalb gilt die Berliner Gründung häufig als ein Schlüsselereignis auf dem Weg zur modernen Forschungsuniversität. Zugleich zeigt die neuere Universitätsgeschichte, dass das später so genannte Humboldt-Modell teilweise nachträglich idealisiert wurde.[1]

In diesem aiMOOC untersuchst Du die Universitätsgründung aus der Perspektive der Pädagogik und Erziehungswissenschaft. Im Zentrum stehen nicht nur Daten und Personen, sondern die Frage, welches Verständnis von Lernen, Lehren, Forschung und Persönlichkeitsbildung mit der modernen Universität verbunden wurde. Du analysierst außerdem Spannungen zwischen Allgemeinbildung und Berufsvorbereitung, staatlicher Steuerung und institutioneller Autonomie, wissenschaftlicher Freiheit und gesellschaftlicher Verantwortung sowie idealen Ansprüchen und realen Ausschlüssen.

Beobachtungsauftrag: Betrachte das Hauptgebäude als Lern- und Machtraum. Welche Vorstellungen von Öffentlichkeit, Staat, Tradition und Wissenschaft vermittelt die Architektur?


Lernziele

Nach der Bearbeitung dieses aiMOOCs kannst Du die Gründung der Berliner Universität historisch einordnen, zentrale Ideen des humboldtschen Universitätsverständnisses erklären, die Beiträge verschiedener Akteure unterscheiden, den Begriff Bildung pädagogisch deuten, den später entstandenen Humboldt-Mythos kritisch prüfen und Verbindungen zu aktuellen Fragen der Hochschuldidaktik herstellen.

Du lernst insbesondere, historische Quellen und institutionelle Entwicklungen nicht als lineare Erfolgsgeschichte zu lesen. Stattdessen untersuchst Du, wie pädagogische Leitideen unter politischen, sozialen und materiellen Bedingungen entstehen, umgesetzt, verändert und begrenzt werden.


Von der mittelalterlichen zur modernen Universität


Die Universität als mittelalterliche Körperschaft

Die ersten europäischen Universitäten entstanden seit dem Hochmittelalter, etwa in Bologna, Paris und Oxford. Der lateinische Begriff universitas bezeichnete zunächst eine rechtlich anerkannte Gemeinschaft. Universitäten waren Körperschaften von Lehrenden und Lernenden mit eigenen Regeln, Ämtern, Privilegien und teilweise eigener Gerichtsbarkeit. Sie vermittelten überliefertes Wissen, bildeten für Kirche, Recht, Medizin und Verwaltung aus und organisierten gelehrte Diskussionen.

Typisch war die Gliederung in die Artistenfakultät beziehungsweise Philosophische Fakultät sowie die höheren Fakultäten Theologie, Rechtswissenschaft und Medizin. Unterrichtsformen wie Vorlesung, Kommentierung autoritativer Texte und Disputation prägten das Studium. Auch mittelalterliche Universitäten kannten intellektuelle Beweglichkeit und institutionelle Selbstständigkeit. Die moderne Universität entstand daher nicht durch einen vollständigen Bruch, sondern durch eine Neuordnung vorhandener Formen.

Bildanalyse: Die Darstellung einer mittelalterlichen Vorlesung zeigt einen erhöht sitzenden Lehrer und eine unterschiedlich aufmerksame Hörerschaft. Vergleiche diese Lernordnung mit einem heutigen Seminar. Wo erkennst Du Kontinuitäten, wo Unterschiede?


Veränderungsdruck im 18. Jahrhundert

Im Zeitalter von Aufklärung, Absolutismus und wachsender Staatsverwaltung gerieten viele traditionelle Universitäten unter Reformdruck. Neue Wissenschaften, empirische Methoden und praktische Ausbildungsinteressen passten nicht immer zur überlieferten Fakultätsordnung. Akademien, gelehrte Gesellschaften, Bibliotheken, Kliniken und Fachschulen wurden zu wichtigen Orten der Wissensproduktion. Universitäten konkurrierten damit zunehmend mit außeruniversitären Einrichtungen.

Die 1694 gegründete Universität Halle und die 1737 eröffnete Universität Göttingen gelten als wichtige Reformuniversitäten. Sie stärkten neuere Wissenschaften, verbanden gelehrte Forschung mit Lehre und entwickelten eine stärker staatlich organisierte Professorenuniversität. Die Berliner Gründung von 1809 und 1810 knüpfte an solche Entwicklungen an. Sie war also ein markanter Verdichtungspunkt eines längeren Transformationsprozesses.


Drei Idealtypen der Hochschulentwicklung

Modell Leitidee Pädagogischer Schwerpunkt Typische Spannung
Mittelalterliche Universität Bewahrung, Auslegung und systematische Ordnung überlieferten Wissens Einübung in gelehrte Traditionen und Disputation Autorität und eigenständiges Denken
Staatliche Fach- und Ausbildungsanstalt Qualifikation für Verwaltung, Militär, Technik oder Heilberufe Zweckgerichtete Ausbildung und Prüfung Berufsnutzen und allgemeine Bildung
Forschungsuniversität Wissenschaft als offener Erkenntnisprozess Forschendes Lernen und Verbindung von Forschung und Lehre Freiheit und institutionelle Steuerung

Diese Idealtypen helfen beim Vergleichen. Historische Universitäten entsprachen jedoch nie vollständig nur einem Modell. In der Praxis überlagerten sich gelehrte Tradition, Berufsqualifikation, Forschung, staatliche Interessen und persönliche Bildungsansprüche.


Der historische Kontext der Berliner Gründung


Preußische Krise und Reformpolitik

Die Niederlage Preußens gegen Napoleon im Jahr 1806 löste eine umfassende politische und administrative Reformphase aus. Die preußischen Reformen betrafen Verwaltung, Militär, Wirtschaft und Bildung. Wissen und Bildung sollten zur Erneuerung des Staates beitragen. In diesem Zusammenhang entstand die Idee einer Universität in Berlin.

Die Schließung der Universität Halle unter französischer Herrschaft verstärkte den Handlungsdruck. Berlin verfügte bereits über bedeutende wissenschaftliche Einrichtungen, darunter die Königliche Bibliothek, die Akademie der Wissenschaften und die Charité. Die neue Universität konnte deshalb auf eine bestehende Wissenschaftslandschaft zurückgreifen. Ihre Gründung war zugleich Bildungsprojekt, Staatsreform und symbolische Antwort auf eine politische Krise.

Historische Perspektive: Das spätere Universitätsgebäude war ursprünglich das Palais des Prinzen Heinrich. Überlege, wie die Umnutzung eines fürstlichen Gebäudes zur Universität den Wandel von Herrschaft, Öffentlichkeit und Wissen symbolisieren kann.


Gründung in Etappen

Die Universität wurde 1809 auf Initiative Wilhelm von Humboldts durch König Friedrich Wilhelm III. gestiftet und nahm 1810 ihren Lehrbetrieb auf. Die ersten Studierenden immatrikulierten sich im Oktober 1810. Die institutionelle Ausgestaltung blieb zunächst offen; verbindliche Statuten folgten erst 1817. Die Gründung war damit kein punktuelles Ereignis, sondern ein mehrjähriger Aushandlungsprozess.[2]

Phase Entwicklung Pädagogische Bedeutung
Reformdiskussion um 1807 und 1808 Entwürfe von Johann Gottlieb Fichte, Friedrich Schleiermacher und weiteren Gelehrten Unterschiedliche Vorstellungen von wissenschaftlicher Gemeinschaft, Freiheit und Erziehung
1809 Politische und administrative Vorbereitung unter Wilhelm von Humboldt Verbindung von Bildungsphilosophie, Personalpolitik und Staatsorganisation
1810 Immatrikulation und Aufnahme des Lehrbetriebs Beginn einer Universität, die Forschung als Leitprinzip beanspruchte
1817 Verkündung der Statuten Dauerhaftere institutionelle Ordnung von Fakultäten, Ämtern und akademischer Selbstverwaltung
Spätes 19. Jahrhundert Ausbau von Seminaren, Laboratorien, Kliniken und spezialisierten Disziplinen Praktische Entwicklung der Forschungsuniversität über die Gründungsphase hinaus

Medienauftrag: Notiere nach dem Video drei Arten historischer Quellen, mit denen ein Universitätsarchiv die Geschichte von Studium, Lehre und Institution rekonstruieren kann.


Akteure und Entwürfe


Wilhelm von Humboldt

Wilhelm von Humboldt war Sprachforscher, Diplomat, Staatsmann und Bildungsreformer. Als Leiter der Sektion für Kultus und öffentlichen Unterricht wirkte er nur relativ kurze Zeit in der preußischen Verwaltung. Dennoch konnte er zentrale Entscheidungen zur Berliner Universitätsgründung beeinflussen, insbesondere die Berufung bedeutender Professoren und die Verbindung der Universität mit vorhandenen wissenschaftlichen Einrichtungen.

Humboldts Bedeutung liegt nicht darin, dass er allein einen vollständigen Bauplan der modernen Universität entwarf. Seine Texte sind teils fragmentarisch, und viele später berühmte Formeln wurden erst nachträglich systematisiert. Entscheidend war vielmehr, dass er wissenschaftstheoretische und pädagogische Ideen in konkrete Organisationspolitik übersetzte.

Quellenfrage: Porträts inszenieren Personen. Welche Eigenschaften soll dieses Bild Humboldts vermutlich zuschreiben? Trenne sichtbare Merkmale von Deiner Interpretation.

Das Video vertieft Humboldt als Gegenstand der Bildungsforschung. Achte darauf, wie zwischen Humboldts historischen Texten, späteren Deutungen und gegenwärtigen pädagogischen Fragen unterschieden wird.


Friedrich Schleiermacher

Friedrich Schleiermacher entwickelte in seinen Gelegentlichen Gedanken über Universitäten im deutschen Sinn von 1808 einen einflussreichen Universitätsentwurf. Er betonte die wissenschaftliche Kommunikation, die Verbindung von Schule, Universität und Akademie sowie eine relative Eigenständigkeit der Universität. Wissenschaft entsteht in dieser Perspektive nicht nur im Kopf einzelner Gelehrter, sondern in gemeinsamer Prüfung, Kritik und Verständigung.

Pädagogisch wichtig ist Schleiermachers Vorstellung, dass Studierende nicht bloß fertige Ergebnisse aufnehmen. Sie sollen lernen, wie Wissen erzeugt, begründet und bestritten wird. Damit erhält die Universität eine propädeutische Aufgabe: Sie führt in wissenschaftliche Denk- und Arbeitsweisen ein.


Johann Gottlieb Fichte

Johann Gottlieb Fichte legte 1807 einen stärker einheitlich organisierten Plan für eine höhere Lehranstalt in Berlin vor. Sein Entwurf verband Wissenschaft, moralische Erziehung und nationale Erneuerung. Im Vergleich zu Schleiermacher setzte Fichte stärker auf planvolle Leitung und gemeinschaftsbildende Erziehung. Er wurde 1811 der erste gewählte Rektor der Universität.

Die Gegenüberstellung von Fichte und Schleiermacher verdeutlicht ein bis heute aktuelles Problem: Soll eine Universität vor allem einen freien Raum wissenschaftlicher Selbstbildung schaffen oder Lernprozesse stärker curricular und institutionell steuern? Hochschulpädagogik bewegt sich weiterhin zwischen Selbstorganisation und Anleitung.


Weitere Mitwirkende

Die Gründung war ein kollektiver Prozess. Zu den prägenden Professoren gehörten unter anderem der Jurist Friedrich Carl von Savigny, der Mediziner Christoph Wilhelm Hufeland, der Philologe August Boeckh, der Agrarwissenschaftler Albrecht Daniel Thaer und der Geograph Carl Ritter. Staatliche Beamte, der König, bestehende wissenschaftliche Einrichtungen und die ersten Studierenden wirkten ebenfalls an der Entstehung der Universität mit.

Eine personenzentrierte Erzählung, die nur Wilhelm von Humboldt nennt, verdeckt diese Netzwerke. Für die Historische Bildungsforschung ist deshalb wichtig, Ideen-, Institutionen-, Sozial- und Politikgeschichte miteinander zu verbinden.


Pädagogische Leitideen der modernen Universität


Bildung statt bloßer Stoffvermittlung

Der humboldtsche Bildungsbegriff zielt auf die selbsttätige Entwicklung menschlicher Kräfte in der Auseinandersetzung mit Welt, Sprache, Geschichte, Kunst und Wissenschaft. Bildung ist mehr als das Ansammeln verwertbarer Kenntnisse. Sie betrifft Urteilskraft, Selbstbestimmung, Perspektivenwechsel und die Fähigkeit, sich zu anderen Menschen und zur Welt reflektiert zu verhalten.[3]

Diese Idee richtet sich nicht grundsätzlich gegen berufliche Fähigkeiten. Sie kritisiert jedoch eine Ausbildung, die Menschen ausschließlich auf vorher festgelegte Funktionen reduziert. Pädagogisch bedeutet dies: Studierende sollen nicht nur Antworten beherrschen, sondern Fragen entwickeln, Voraussetzungen prüfen und eigenständig urteilen.


Wissenschaft als unabgeschlossener Prozess

In der modernen Forschungsuniversität gilt Wissenschaft nicht als fertiges Gebäude gesicherter Wahrheiten. Sie ist ein methodisch kontrollierter, öffentlicher und prinzipiell revidierbarer Prozess. Lehrende und Studierende stehen dabei auf unterschiedlichen Erfahrungsstufen, beziehen sich aber auf denselben offenen Gegenstand.

Diese Vorstellung verändert Lehre. Eine Vorlesung kann weiterhin Wissen systematisch darstellen. Sie sollte jedoch sichtbar machen, wie Erkenntnisse zustande kommen, worauf sie beruhen, wo Unsicherheiten liegen und welche Gegenargumente existieren. Ein Seminar wird zum Raum begründeter Urteilsbildung, nicht zur bloßen Wiederholung einer Lehrmeinung.


Einheit von Forschung und Lehre

Die Formel Einheit von Forschung und Lehre bezeichnet das bekannteste Prinzip des Humboldt-Modells. Lehrende sollen nicht nur vorhandenes Wissen weitergeben, sondern selbst an Forschung beteiligt sein. Studierende sollen Wissenschaft nicht allein als Ergebnis, sondern als Tätigkeit kennenlernen.

Pädagogisch lässt sich die Formel in drei Anspruchsebenen gliedern:

Ebene Bedeutung Hochschuldidaktisches Beispiel
Inhaltliche Forschungsnähe Lehre behandelt aktuelle Fragen und Forschungsergebnisse Diskussion neuer Studien und konkurrierender Befunde
Methodische Forschungsorientierung Studierende lernen wissenschaftliche Verfahren Quellenkritik, Datenerhebung, Experiment oder Textanalyse
Eigenständiges Forschen Studierende bearbeiten begrenzte offene Fragen Forschungsprojekt, Fallstudie oder forschungsorientierte Abschlussarbeit

Die Einheit von Forschung und Lehre ist kein automatisch eintretender Zustand. Forschung kann Lehre verdrängen, und Lehrveranstaltungen können trotz forschender Lehrpersonen rezeptiv bleiben. Erst eine bewusste didaktische Gestaltung macht aus Forschungsnähe tatsächlich Forschendes Lernen.

Reflexionsauftrag: Arbeite aus dem Vortrag heraus, wodurch sich Lernen über Forschung, Lernen für Forschung und Lernen durch Forschung unterscheiden könnten.


Lehrfreiheit und Lernfreiheit

Lehrfreiheit schützt die wissenschaftlich begründete Wahl von Themen, Methoden und Positionen in der Lehre. Lernfreiheit bezeichnet die Eigenverantwortung Studierender bei der Gestaltung ihres Studiums. Beide Freiheiten setzen Kompetenzen, Zeit, Zugänge und institutionelle Schutzräume voraus. Ohne Orientierung kann Freiheit zur Überforderung werden; ohne Freiheit kann Orientierung in Bevormundung umschlagen.

Für die Pädagogik ergibt sich daraus ein relationales Verständnis von Autonomie: Selbstständigkeit entsteht nicht durch die Abwesenheit von Lehre, sondern durch Lernumgebungen, die schrittweise Verantwortung übertragen, Feedback ermöglichen und begründeten Widerspruch zulassen.


Einsamkeit und Freiheit

Die Formel Einsamkeit und Freiheit wird häufig mit Humboldt verbunden. Einsamkeit meint dabei nicht soziale Isolation. Gemeint ist ein Abstand von unmittelbaren äußeren Zwecken, Erwartungen und Verwertungszwängen, der konzentrierte Erkenntnisarbeit ermöglichen soll. Freiheit bezeichnet den geschützten Raum, in dem Fragen ohne vorweggenommenes Ergebnis verfolgt werden können.

Historisch war ein solcher Freiraum ungleich verteilt. Wer finanzielle Sicherheit, sprachliche Bildung und gesellschaftliche Anerkennung besaß, konnte ihn leichter nutzen. Eine gegenwärtige Pädagogik muss daher fragen, welche sozialen und institutionellen Bedingungen akademische Freiheit für unterschiedliche Studierende tatsächlich zugänglich machen.


Das Verhältnis von Lehrenden und Studierenden

Im Ideal der Forschungsuniversität sind Lehrende und Studierende durch die gemeinsame Orientierung an Wissenschaft verbunden. Das hebt Unterschiede in Wissen, Erfahrung, Bewertungskompetenz und institutioneller Macht nicht auf. Es verändert aber ihre Begründung: Autorität soll nicht allein aus dem Amt stammen, sondern aus fachlich und methodisch nachvollziehbaren Gründen.

Gute Hochschullehre verbindet daher fachliche Führung mit dialogischer Offenheit. Sie macht Qualitätsmaßstäbe transparent, ermöglicht Kritik und behandelt Fehler als Erkenntnischancen. Studierende werden nicht als bloße Empfängerinnen und Empfänger, sondern als zunehmend selbstständige Mitglieder einer wissenschaftlichen Praxis angesprochen.


Institutionelle Umsetzung


Fakultäten, Seminar, Labor und Klinik

Die Berliner Universität begann mit den Fakultäten Theologie, Recht, Medizin und Philosophie. Naturwissenschaftliche Fächer waren zunächst der Philosophischen Fakultät zugeordnet. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts differenzierten sich Disziplinen, Institute und spezialisierte Forschungsorte weiter aus.

Das Seminar förderte quellennahe Arbeit, Diskussion und die Ausbildung wissenschaftlichen Nachwuchses. Das Labor verband Messung, Experiment und technische Infrastruktur. Die Klinik verknüpfte medizinische Beobachtung, Behandlung, Forschung und Lehre. Diese Formen entstanden nicht alle erst in Berlin, wurden aber für die Entwicklung der Forschungsuniversität besonders bedeutsam.

Raumanalyse: Wie beeinflussen Sitzordnung, Sichtachsen und Größe eines Lehrraums die Rollen von Lehrenden und Studierenden? Entwirf eine alternative Raumordnung für forschendes Lernen.


Berufungspolitik und wissenschaftliche Gemeinschaft

Humboldt maß der Berufung geeigneter Professoren große Bedeutung bei. Eine Universität sollte nicht allein durch Gebäude und Statuten, sondern durch wissenschaftlich produktive Personen entstehen. Diese Personalorientierung konnte Innovation ermöglichen, verstärkte aber zugleich die Macht einzelner Professoren und die Entwicklung der Ordinarienuniversität.

Die moderne Universität wurde deshalb zugleich als Gemeinschaft der Wissenschaft und als hierarchische Organisation aufgebaut. Hochschulpädagogisch ist diese Doppelstruktur bis heute erkennbar: Lernen benötigt vertrauensvolle Beziehungen und fachliche Vorbilder, darf jedoch nicht von persönlicher Abhängigkeit oder intransparenten Machtverhältnissen bestimmt werden.


Bibliothek, Archiv und Sammlungen

Forschung und Lehre benötigen materielle und mediale Infrastrukturen. Bibliotheken, Archive, Sammlungen, Karten, Instrumente, Präparate und später Laborgeräte machen wissenschaftliche Gegenstände zugänglich. Die Gründung einer Forschungsuniversität ist deshalb nicht nur eine Ideengeschichte, sondern auch eine Geschichte von Räumen, Medien, Finanzierung und Verwaltung.

Die Aufnahme zeigt die Universität um 1900, als das Berliner Modell längst durch Ausbau, Spezialisierung und wachsende Studierendenzahlen verändert worden war. Das Bild erinnert daran, zwischen Gründungsidee und späterer Institutionengeschichte zu unterscheiden.


Das Humboldt-Modell zwischen Leitbild und Mythos


Warum vom Mythos gesprochen wird

Im 20. Jahrhundert wurde die Berliner Gründung häufig zu einem geschlossenen Humboldt-Modell verdichtet. Dabei schrieb man Humboldt ein vollständig ausgearbeitetes System und der Universität von 1810 bereits jene Forschungsstrukturen zu, die sich erst schrittweise entwickelten. Die offizielle Geschichtsdarstellung der Humboldt-Universität betont deshalb sowohl die Bedeutung der Gründung als auch die spätere Überhöhung.[4]

Ein Mythos ist hier nicht einfach eine falsche Geschichte. Er ist eine sinnstiftende Erzählung, mit der Institutionen ihre Identität begründen. Solche Erzählungen können Orientierung geben, aber auch Widersprüche verdecken. Wissenschaftliche Bildungsgeschichte fragt daher: Wer erzählt die Geschichte, in welcher Situation, mit welchem Interesse und auf Grundlage welcher Quellen?


Kontinuität und Innovation

Die Berliner Universität übernahm traditionelle Fakultäten, akademische Ämter und professorale Selbstverwaltung. Neu war vor allem die programmatische Aufwertung von Forschung, wissenschaftlicher Freiheit und Bildung durch Wissenschaft. Die tatsächliche Verbindung von Forschung und Lehre entwickelte sich in verschiedenen Fächern unterschiedlich.

Die Bezeichnung Gründung der modernen Universität ist deshalb sinnvoll, wenn sie einen Reformzusammenhang markiert. Sie ist irreführend, wenn sie einen radikalen Nullpunkt behauptet. Historisch angemessener ist es, von einer Neuverknüpfung älterer Institutionen mit neuen wissenschaftlichen und pädagogischen Ansprüchen zu sprechen.


Staat und Autonomie

Humboldt wollte der Universität Freiräume sichern, doch die Berliner Universität blieb eine staatliche Einrichtung. Der Staat finanzierte sie, bestätigte Strukturen und behielt Einfluss auf Berufungen. Gleichzeitig sollte wissenschaftliche Arbeit nicht durch kurzfristige politische Zwecke bestimmt werden.

Autonomie ist daher kein Zustand völliger Unabhängigkeit, sondern ein institutionell geregeltes Verhältnis. Gegenwärtig betrifft dies neben dem Staat auch Drittmittelgeber, Unternehmen, Rankings, Medien und öffentliche Erwartungen. Pädagogisch relevant ist die Frage, wie Wissenschaftsfreiheit und gesellschaftliche Rechenschaft miteinander verbunden werden können.

Diskussionsauftrag: Formuliere nach dem Vortrag zwei Gründe, aus Humboldt zu lernen, und zwei Gründe, den historischen Bezug nicht als fertige Lösung für heutige Hochschulen zu verwenden.


Ausschlüsse und Grenzen


Geschlecht und Hochschulzugang

Die Universität von 1810 war keine inklusive Institution. Frauen waren vom regulären Studium ausgeschlossen; an der Berliner Universität wurden sie erst 1908 zum Studium zugelassen. Auch soziale Herkunft, Vermögen, schulische Vorbildung, Religion und staatsbürgerlicher Status beeinflussten den Zugang.

Damit entsteht ein grundlegender Widerspruch zwischen universal formulierten Bildungsansprüchen und partikularer institutioneller Wirklichkeit. Eine kritische Pädagogik darf das Bildungsideal nicht nur an seinen Begriffen, sondern muss es auch an seinen Zugangsbedingungen messen.


Soziale Ungleichheit

Lernfreiheit setzt voraus, dass Studierende Zeit, finanzielle Mittel, Orientierung und kulturelle Zugänge besitzen. Historisch blieb akademische Bildung vor allem privilegierten Gruppen vorbehalten. Auch heute beeinflussen soziale Herkunft, Sorgearbeit, Behinderung, Rassismuserfahrungen und ökonomische Unsicherheit den Studienverlauf.

Die demokratische Weiterentwicklung des Universitätsideals verlangt daher mehr als formale Offenheit. Benötigt werden barrierearme Strukturen, verlässliche Beratung, transparente Anforderungen, finanzielle Absicherung und eine Lehre, die unterschiedliche Bildungserfahrungen berücksichtigt.


Eurozentrismus, Nation und Kolonialität

Das klassische Universitätsideal sprach häufig im Namen des allgemein Menschlichen, entstand aber in einem europäischen, staatlichen und männlich-bürgerlichen Kontext. Wissenschaftliche Sammlungen, Klassifikationen und Forschungsreisen waren teilweise mit kolonialen Machtverhältnissen verbunden. Zugleich wurde Universität im 19. Jahrhundert zu einem Ort nationaler Selbstdeutung.

Eine dekoloniale und globalgeschichtliche Perspektive fragt, welche Wissensformen als wissenschaftlich anerkannt wurden, wessen Stimmen fehlten und wie Gegenstände in Sammlungen gelangten. Sie verwirft Wissenschaft nicht, sondern erweitert die Pflicht zu Quellenkritik, Perspektivenvielfalt und verantwortlicher Forschung.


Internationale Wirkung

Die deutsche Forschungsuniversität wurde im 19. und frühen 20. Jahrhundert international rezipiert. Elemente wie das Forschungsseminar, die Promotion, spezialisierte Institute und die Verbindung von Forschung und Lehre beeinflussten Hochschulen unter anderem in den Vereinigten Staaten und Japan. Diese Rezeption war jedoch keine einfache Kopie. Nationale Systeme verbanden deutsche Impulse mit eigenen Traditionen, Finanzierungsformen und gesellschaftlichen Zielen.

Die internationale Wirkung sollte deshalb eher als Übersetzung und Transformation denn als Export eines einheitlichen Humboldt-Modells verstanden werden. Für die Vergleichende Erziehungswissenschaft ist dies ein Beispiel dafür, wie pädagogische Ideen auf Reisen verändert werden.


Bedeutung für die heutige Hochschulpädagogik


Forschendes Lernen

Forschendes Lernen nimmt den Gedanken auf, dass Studierende an offenen Fragen arbeiten. Es umfasst das Entwickeln einer Fragestellung, die Auswahl geeigneter Methoden, die Erhebung oder Analyse von Material, die Interpretation von Ergebnissen und die öffentliche Darstellung. Entscheidend ist nicht, dass jedes Projekt wissenschaftlich völlig Neues hervorbringt. Entscheidend ist, dass der Erkenntnisweg für die Lernenden offen und eigenverantwortlich ist.

Forschendes Lernen benötigt Unterstützung. Lehrende strukturieren den Prozess, sichern ethische und methodische Standards, geben Feedback und helfen bei der Begrenzung von Fragen. So wird Autonomie nicht vorausgesetzt, sondern pädagogisch ermöglicht.


Wissenschaftliche Bildung und Berufsbezug

Moderne Studiengänge sollen wissenschaftlich bilden und auf berufliche Tätigkeiten vorbereiten. Diese Ziele müssen sich nicht ausschließen. Eine pädagogisch anspruchsvolle Berufsorientierung vermittelt nicht nur Routinen, sondern befähigt dazu, Probleme zu analysieren, Wissen zu prüfen, Folgen abzuschätzen und berufliche Praxis zu verändern.

Im Pädagogikstudium zeigt sich dies besonders deutlich. Pädagogische Fachkräfte benötigen Handlungswissen, zugleich müssen sie Begriffe, Normen, Machtverhältnisse und Forschungsergebnisse kritisch reflektieren. Bildung durch Wissenschaft schützt berufliches Handeln vor bloßer Technikgläubigkeit.


Digitalisierung und offene Wissenschaft

Digitale Medien verändern Zugang, Kommunikation und Publikation. Open Educational Resources, digitale Archive, Forschungsdaten und kollaborative Schreibwerkzeuge können wissenschaftliche Teilhabe erweitern. Gleichzeitig entstehen neue Abhängigkeiten von Plattformen, Dateninfrastrukturen und automatisierten Bewertungssystemen.

Der humboldtsche Freiheitsgedanke lässt sich deshalb nicht einfach auf digitale Lehre übertragen. Er muss um Fragen des Datenschutzes, der algorithmischen Transparenz, der Medienkompetenz und des offenen Zugangs ergänzt werden. Wissenschaftliche Autonomie benötigt heute auch digitale Souveränität.


Massenuniversität und Diversität

Die Universität des frühen 19. Jahrhunderts war klein und exklusiv. Heutige Hochschulen sind Masseninstitutionen mit vielfältigen Studierendengruppen. Persönliche Betreuung, Forschungsnähe und Lernfreiheit müssen daher unter anderen Bedingungen organisiert werden.

Mögliche Antworten sind projektorientierte Lehre, Tutorien, Peer-Feedback, Forschungswerkstätten, transparente Curricula und flexible Lernwege. Das historische Ideal bleibt nur dann produktiv, wenn es nicht nostalgisch auf kleine Eliten bezogen, sondern demokratisch und inklusiv neu interpretiert wird.


Ein pädagogisches Analysemodell

Mit den folgenden sechs Fragen kannst Du historische und gegenwärtige Hochschulkonzepte untersuchen:

  1. Bildungsziel: Welche Form von Selbst-, Welt- und Sozialverhältnis soll das Studium ermöglichen?
  2. Wissenschaftsverständnis: Gilt Wissen als fertiger Bestand oder als offener Forschungsprozess?
  3. Lehr-Lern-Verhältnis: Welche Verantwortung tragen Lehrende und Studierende?
  4. Institutionelle Autonomie: Wer entscheidet über Inhalte, Personal, Finanzierung und Qualitätsmaßstäbe?
  5. Zugang und Teilhabe: Wer kann studieren, forschen und akademisch anerkannt werden?
  6. Gesellschaftliche Verantwortung: Wie verhält sich die Universität zu Demokratie, Beruf, Wirtschaft und globalen Problemen?


Zusammenfassung

Die Berliner Universitätsgründung von 1809 und 1810 gilt als Schlüsselereignis der modernen Universitätsgeschichte. Sie verband ältere akademische Strukturen mit dem Forschungsimperativ, der Idee wissenschaftlicher Bildung und dem Anspruch relativer Freiheit. Wilhelm von Humboldt war ein zentraler Organisator und Ideengeber, handelte jedoch in einem Netzwerk mit Schleiermacher, Fichte, weiteren Gelehrten und staatlichen Akteuren.

Pädagogisch bedeutsam sind Bildung als Selbsttätigkeit, Wissenschaft als offener Prozess, die Einheit von Forschung und Lehre sowie das spannungsreiche Verhältnis von Freiheit und Anleitung. Zugleich war die historische Universität sozial exklusiv, staatlich gebunden und hierarchisch organisiert. Das Humboldt-Modell ist daher weder bloßes Vorbild noch erledigter Mythos. Es ist ein kritisch zu prüfendes Deutungsangebot für die Frage, was Universität sein soll.

Abschlussimpuls: Formuliere in einem Satz, welche Idee der Universität Du aus der Geschichte bewahren würdest, und in einem zweiten Satz, was grundlegend verändert werden muss.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welche Universität gilt als zentraler Bezugspunkt des später so genannten Humboldt-Modells? (Die 1810 eröffnete Universität zu Berlin) (!Die 1948 gegründete Freie Universität Berlin) (!Die mittelalterliche Universität Paris) (!Die Technische Universität Berlin)




Was bezeichnet die Einheit von Forschung und Lehre? (Studierende sollen Wissenschaft auch als offenen Erkenntnisprozess kennenlernen) (!Forschung und Lehre sollen organisatorisch vollständig getrennt werden) (!Lehre soll nur gesicherte Ergebnisse ohne Methoden vermitteln) (!Studierende sollen ausschließlich an Prüfungen arbeiten)




Welche Aussage beschreibt den humboldtschen Bildungsbegriff am besten? (Bildung zielt auf selbsttätige Entfaltung und reflektierte Weltbezüge) (!Bildung ist identisch mit kurzfristiger Berufseinweisung) (!Bildung besteht nur aus dem Auswendiglernen kanonischer Texte) (!Bildung soll wissenschaftliche Kritik vermeiden)




Warum ist die Bezeichnung Gründung der modernen Universität erklärungsbedürftig? (Weil Universitäten schon vorher existierten und die Reform an ältere Strukturen anknüpfte) (!Weil Berlin vor 1900 keine Lehrveranstaltungen anbot) (!Weil Humboldt jede Form von Forschung ablehnte) (!Weil mittelalterliche Universitäten bereits digital organisiert waren)




Welche Person verfasste die Gelegentlichen Gedanken über Universitäten im deutschen Sinn? (Friedrich Schleiermacher) (!Alexander von Humboldt) (!Friedrich Schiller) (!Heinrich Pestalozzi)




Was bedeutet Lernfreiheit im universitären Zusammenhang? (Eigenverantwortliche Mitgestaltung des Studiums) (!Befreiung von jeder fachlichen Anforderung) (!Ausschluss der Studierenden von Forschungsfragen) (!Vollständige Abschaffung von Beratung)




Welche Aussage gehört zur kritischen Einordnung des Humboldt-Mythos? (Das Modell wurde später stärker vereinheitlicht, als es historisch angelegt war) (!Alle späteren Universitäten kopierten Berlin unverändert) (!Die Berliner Universität besaß 1810 bereits alle heutigen Institute) (!Wilhelm von Humboldt war ihr erster gewählter Rektor)




Welche Lernform entspricht dem Prinzip forschenden Lernens? (Studierende bearbeiten eine begrenzte offene Frage mit wissenschaftlichen Methoden) (!Studierende übernehmen ausschließlich vorgegebene Musterlösungen) (!Studierende verzichten auf die Begründung ihrer Ergebnisse) (!Studierende lernen nur Definitionen ohne Anwendung)




Welche vier Fakultäten prägten die Berliner Universität zu Beginn? (Theologie, Recht, Medizin und Philosophie) (!Technik, Wirtschaft, Sport und Medien) (!Pädagogik, Informatik, Architektur und Musik) (!Agrarwissenschaft, Soziologie, Psychologie und Chemie)




Welche Grenze des historischen Universitätsideals ist pädagogisch besonders wichtig? (Universal formulierte Bildungsideale bestanden neben realen sozialen Ausschlüssen) (!Die Universität war von Beginn an für alle Menschen barrierefrei) (!Akademische Freiheit machte Institutionen überflüssig) (!Soziale Herkunft hatte niemals Einfluss auf Hochschulzugang)





Memory

Bildung Selbsttätige Entwicklung in der Auseinandersetzung mit Welt
Forschungsuniversität Institutionelle Verbindung von Erkenntnisproduktion und Studium
Lehrfreiheit Schutz wissenschaftlich begründeter Lehre
Lernfreiheit Eigenverantwortliche Gestaltung des Studiums
Seminar Dialogische und quellenbezogene Arbeitsform
Autonomie Geregelter Entscheidungsraum der Wissenschaft
Disputation Gelehrte Form argumentativer Prüfung
Hochschuldidaktik Reflexion und Gestaltung akademischer Lehr-Lern-Prozesse





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Pädagogische Bedeutung
Einheit von Forschung und Lehre Wissenschaft wird als Ergebnis und als Tätigkeit zum Gegenstand des Studiums
Einsamkeit und Freiheit Geschützter Abstand von unmittelbaren Zwecken ermöglicht konzentrierte Erkenntnis
Forschendes Lernen Studierende bearbeiten offene Fragen mit wissenschaftlichen Methoden
Akademische Autonomie Wissenschaftliche Entscheidungen besitzen einen institutionell gesicherten Freiraum
Bildung durch Wissenschaft Fachliches Lernen verbindet sich mit Urteilskraft und Selbstbestimmung




...


Kreuzworträtsel

Humboldt Welcher Name ist mit der Berliner Universitätsreform besonders verbunden?
Bildung Welcher Begriff bezeichnet die selbsttätige Entfaltung in der Auseinandersetzung mit Welt?
Autonomie Wie heißt der institutionell geschützte Entscheidungsraum der Wissenschaft?
Forschung Welche Tätigkeit erzeugt methodisch kontrolliert neue Erkenntnisse?
Seminar Welche Lehrform verbindet häufig Diskussion und Quellenarbeit?
Freiheit Welcher Begriff ergänzt Einsamkeit in einer bekannten Universitätsformel?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Europäische Universitäten entstanden bereits im

. Die Berliner Universität nahm im Jahr

ihren Lehrbetrieb auf. Wilhelm von Humboldt verband die Gründung mit einem anspruchsvollen Begriff von

. Wissenschaft sollte nicht als fertiger Bestand, sondern als offener Prozess der

erscheinen. Die Verbindung wissenschaftlicher Erkenntnisproduktion mit Studium heißt Einheit von Forschung und

. Die freie Gestaltung wissenschaftlich begründeter Lehre wird als

bezeichnet. Eigenverantwortung auf Seiten der Studierenden gehört zur

. Friedrich Schleiermacher betonte die kommunikative Gemeinschaft der

. Die spätere Vereinheitlichung der Gründungserzählung wird als Humboldt-

kritisch untersucht. Gegenwärtige Hochschulpädagogik übersetzt das historische Leitbild unter anderem in

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Begriffsnetz: Gestalte eine Concept-Map mit den Begriffen Bildung, Wissenschaft, Forschung, Lehre, Freiheit und Universität. Ergänze zu jeder Verbindung einen erklärenden Satz.
  2. Bildvergleich: Vergleiche die mittelalterliche Vorlesungsdarstellung mit einem Foto eines heutigen Hörsaals. Beschreibe mindestens drei Kontinuitäten und drei Veränderungen.
  3. Kurzporträt: Erstelle ein einseitiges Lernplakat zu Wilhelm von Humboldt, Friedrich Schleiermacher oder Johann Gottlieb Fichte. Trenne biografische Daten, Universitätsidee und kritische Einordnung.
  4. Campusbeobachtung: Untersuche einen Lernraum Deiner Hochschule oder eine digitale Lernplattform. Dokumentiere, welche Lernhandlungen der Raum erleichtert und welche er erschwert.


Standard

  1. Quellenanalyse: Analysiere einen kurzen Abschnitt aus Humboldts Universitätsdenkschrift oder Schleiermachers Universitätsentwurf. Bestimme These, Menschenbild, Wissenschaftsverständnis und mögliche Gegenargumente.
  2. Podcast: Produziere ein fünfminütiges Audioformat zur Frage, ob die Berliner Gründung als Geburtsstunde der modernen Universität bezeichnet werden sollte.
  3. Interview: Befrage eine lehrende und eine studierende Person dazu, wie sie die Verbindung von Forschung und Lehre erleben. Werte Gemeinsamkeiten und Unterschiede aus.
  4. Lehrdesign: Entwickle für ein pädagogisches Seminarthema eine 90-minütige Sitzung, in der Studierende eine kleine offene Forschungsfrage bearbeiten.


Schwer

  1. Mythenkritik: Rekonstruiere anhand mindestens dreier wissenschaftlicher Quellen, wann und warum aus unterschiedlichen Reformideen ein einheitliches Humboldt-Modell gemacht wurde.
  2. Institutionenvergleich: Vergleiche die Berliner Universitätsidee mit einer mittelalterlichen Universität, einer Fachhochschule oder einem internationalen Hochschulmodell. Entwickle begründete Vergleichskriterien.
  3. Inklusionskonzept: Entwirf ein Konzept, das Lernfreiheit unter Bedingungen sozialer Ungleichheit praktisch ermöglicht. Berücksichtige Finanzierung, Beratung, Barrierefreiheit und curriculare Flexibilität.
  4. Videoprojekt: Produziere ein wissenschaftlich belegtes Erklärvideo mit dem Titel Universität zwischen Freiheit und Verantwortung. Verknüpfe historische Analyse, aktuelle Hochschulpolitik und eine eigene Position.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Fallanalyse Forschungsseminar: In einem Seminar dürfen Studierende Themen frei wählen, erhalten aber kaum methodische Unterstützung. Analysiere den Fall mit den Begriffen Lernfreiheit, Anleitung und forschendes Lernen. Entwickle zwei konkrete Verbesserungen.
  2. Konflikt um Drittmittel: Ein Unternehmen finanziert ein Institut und erwartet günstige Forschungsergebnisse. Beurteile den Konflikt aus der Perspektive von Wissenschaftsfreiheit, gesellschaftlicher Verantwortung und Transparenz.
  3. Curriculumsvergleich: Vergleiche einen stark verschulten Studiengang mit einem frei gestaltbaren Studium. Entwickle Kriterien, mit denen sich beurteilen lässt, ob beide wissenschaftliche Selbstständigkeit fördern.
  4. Transfer auf digitale Lehre: Prüfe, wie Einheit von Forschung und Lehre in einem vollständig digitalen Seminar verwirklicht werden kann. Berücksichtige Kooperation, Datenzugang, Feedback und Prüfungsform.
  5. Historisches Urteil: Nimm begründet Stellung zur Aussage: Wilhelm von Humboldt gründete 1810 im Alleingang die moderne Universität. Verwende mindestens vier Gegenargumente oder Differenzierungen.
  6. Demokratische Universität: Entwickle ein Modell, das akademische Freiheit, inklusive Teilhabe und öffentliche Rechenschaft miteinander verbindet. Begründe mögliche Zielkonflikte und Prioritäten.




Lernnachweis

Für einen qualifizierten Lernnachweis zu diesem Thema sind folgende Leistungen wichtig:

  1. Historische Kontextualisierung: Du ordnest die Berliner Gründung in mittelalterliche Universitätstraditionen, Aufklärung und preußische Reformpolitik ein.
  2. Begriffsarbeit: Du erklärst Bildung, Forschungsuniversität, Lehrfreiheit, Lernfreiheit und Autonomie präzise und unterscheidest sie voneinander.
  3. Akteursanalyse: Du stellst die Beiträge Humboldts, Schleiermachers, Fichtes und weiterer Beteiligter differenziert dar.
  4. Quellenkompetenz: Du analysierst mindestens eine historische Quelle hinsichtlich Aussage, Kontext, Perspektive und Grenze.
  5. Mythenkritik: Du unterscheidest Gründungsereignis, spätere institutionelle Entwicklung und nachträgliche Modellbildung.
  6. Transferleistung: Du wendest historische Leitideen auf ein aktuelles Problem der Hochschulpädagogik an.
  7. Kritische Perspektive: Du berücksichtigst soziale Ausschlüsse, Machtverhältnisse und Fragen inklusiver Teilhabe.
  8. Wissenschaftliche Darstellung: Du argumentierst nachvollziehbar, belegst Aussagen und kennzeichnest eigene Urteile.




Quellen und Literatur

  1. Humboldt-Universität zu Berlin: Geschichte der Humboldt-Universität zu Berlin.
  2. Wilhelm von Humboldt: Über die innere und äußere Organisation der höheren wissenschaftlichen Anstalten in Berlin, Fragment um 1810.
  3. Friedrich Schleiermacher: Gelegentliche Gedanken über Universitäten im deutschen Sinn, 1808.
  4. Heinz-Elmar Tenorth und Charles E. McClelland: Geschichte der Universität Unter den Linden 1810–2010, mehrere Bände, Berlin 2010 bis 2012.
  5. Walter Rüegg: A History of the University in Europe, mehrere Bände, Cambridge University Press.
  6. Bundeszentrale für politische Bildung: Bildung zwischen Ideal und Wirklichkeit.
  7. Wikipedia: Humboldt-Universität zu Berlin und Humboldtsches Bildungsideal.


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  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Mittlere Reife

  1. Der Markisenmann - Jan Weiler oder Als die Welt uns gehörte - Liz Kessler
  2. Ein Schatten wie ein Leopard - Myron Levoy oder Pampa Blues - Rolf Lappert

Abitur Dorfrichter-Komödie über Wahrheit/Schuld; Roman über einen Ort und deutsche Geschichte. Mittlere Reife Wahllektüren (Roadtrip-Vater-Sohn / Jugendroman im NS-Kontext / Coming-of-age / Provinzroman).

Bayern

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Lustspiel über Machtmissbrauch und Recht; Roman als Zeitschnitt deutscher Geschichte an einem Haus/Grundstück.

Berlin/Brandenburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Der Biberpelz - Gerhart Hauptmann
  4. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Gerichtskomödie; soziales Drama um Ausbeutung/Armut; Komödie/Satire um Diebstahl und Obrigkeit; Roman über Erinnerungsräume und Umbrüche.

Bremen

Abitur

  1. Nach Mitternacht - Irmgard Keun
  2. Mario und der Zauberer - Thomas Mann
  3. Emilia Galotti - Gotthold Ephraim Lessing oder Miss Sara Sampson - Gotthold Ephraim Lessing

Abitur Roman in der NS-Zeit (Alltag, Anpassung, Angst); Novelle über Verführung/Massenpsychologie; bürgerliche Trauerspiele (Moral, Macht, Stand).

Hamburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun

Abitur Justiz-/Machtkritik als Komödie; Großstadtroman der Weimarer Zeit (Rollenbilder, Aufstiegsträume, soziale Realität).

Hessen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  4. Der Prozess - Franz Kafka

Abitur Gerichtskomödie; Fragmentdrama über Gewalt/Entmenschlichung; Erinnerungsroman über deutsche Brüche; moderner Roman über Schuld, Macht und Bürokratie.

Niedersachsen

Abitur

  1. Der zerbrochene Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun
  3. Die Marquise von O. - Heinrich von Kleist
  4. Über das Marionettentheater - Heinrich von Kleist

Abitur Schwerpunkt auf Drama/Roman sowie Kleist-Prosatext und Essay (Ehre, Gewalt, Unschuld; Ästhetik/„Anmut“).

Nordrhein-Westfalen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Komödie über Wahrheit und Autorität; Roman als literarische „Geschichtsschichtung“ an einem Ort.

Saarland

Abitur

  1. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  2. Furor - Lutz Hübner und Sarah Nemitz
  3. Bahnwärter Thiel - Gerhart Hauptmann

Abitur Erinnerungsroman an einem Ort; zeitgenössisches Drama über Eskalation/Populismus; naturalistische Novelle (Pflicht/Überforderung/Abgrund).

Sachsen (berufliches Gymnasium)

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Irrungen, Wirrungen - Theodor Fontane
  4. Der gute Mensch von Sezuan - Bertolt Brecht
  5. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  6. Der Trafikant - Robert Seethaler

Abitur Mischung aus Klassiker-Drama, sozialem Drama, realistischem Roman, epischem Theater und Gegenwarts-/Erinnerungsroman; zusätzlich Coming-of-age im historischen Kontext.

Sachsen-Anhalt

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Themenfelder)

Abitur Schwerpunktsetzung über Themenfelder (u. a. Literatur um 1900; Sprache in politisch-gesellschaftlichen Kontexten), ohne feste Einzeltitel.

Schleswig-Holstein

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Recht/Gerechtigkeit und historische Tiefenschichten eines Ortes – umgesetzt über Drama und Gegenwartsroman.

Thüringen

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool)

Abitur In der Praxis häufig Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool; landesweite Einzeltitel je nach Vorgabe/Handreichung nicht einheitlich ausgewiesen.

Mecklenburg-Vorpommern

Abitur

  1. (Quelle aktuell technisch nicht abrufbar; Beteiligung am gemeinsamen Aufgabenpool bekannt)

Abitur Land beteiligt sich am länderübergreifenden Aufgabenpool; konkrete, veröffentlichte Einzeltitel konnten hier nicht ausgelesen werden.

Rheinland-Pfalz

Abitur

  1. (keine landesweit einheitliche Pflichtlektüre; schulische Auswahl)

Abitur Keine landesweite Einheitsliste; Auswahl kann schul-/kursbezogen erfolgen.




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  1. Trust Me It's True: #Verschwörungstheorie #FakeNews
  2. Gregor Samsa Is You: #Kafka #Verwandlung
  3. Who Owns Who: #Musk #Geld
  4. Lump: #Trump #Manipulation
  5. Filth Like You: #Konsum #Heuchelei
  6. Your Poverty Pisses Me Off: #SozialeUngerechtigkeit #Musk
  7. Hello I'm Pump: #Trump #Kapitalismus
  8. Monkey Dance Party: #Lebensfreude
  9. God Hates You Too: #Religionsfanatiker
  10. You You You: #Klimawandel #Klimaleugner
  11. Monkey Free: #Konformität #Macht #Kontrolle
  12. Pure Blood: #Rassismus
  13. Monkey World: #Chaos #Illusion #Manipulation
  14. Uh Uh Uh Poor You: #Kafka #BerichtAkademie #Doppelmoral
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  17. Arbeitsheft
  18. And Thanks for Your Meat: #AntiFactoryFarming #AnimalRights #MeatIndustry


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