Die Europäische Union - Geschichte


Die Europäische Union - Geschichte
Die Europäische Union - Geschichte
Studienfach: Geschichte | Schwerpunkt: Europäische Integration, Zeitgeschichte, Internationale Geschichte

Die Europäische Union ist kein plötzlich entstandener Staat und auch kein geradlinig verwirklichter Masterplan. Sie ist das vorläufige Ergebnis eines offenen historischen Prozesses, in dem sich Friedenssicherung, wirtschaftliche Verflechtung, nationale Interessen, supranationale Institutionen, gesellschaftlicher Wandel, Krisen und Erweiterungen miteinander verbanden. Dieser aiMOOC führt Dich von den europäischen Einigungsentwürfen der Zwischenkriegszeit über die Schuman-Erklärung, die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl, die Römische Verträge, den Vertrag von Maastricht und die Osterweiterung bis zu Brexit, Pandemie, Krieg und neuer Erweiterungsdebatte.
Einleitung
Die Geschichte der Europäischen Union gehört zur europäischen Geschichte nach 1945, lässt sich aber nicht allein als Geschichte von Verträgen und Gipfeltreffen verstehen. Sie ist zugleich Wirtschaftsgeschichte, Rechtsgeschichte, Diplomatiegeschichte, Sozialgeschichte, Ideengeschichte, Globalgeschichte und Geschichte demokratischer Legitimation. Der Kurs richtet sich besonders an Lernende in Schule, Ausbildung und Studium. Im Studienfach Geschichte liegt der Schwerpunkt auf Quellenkritik, Periodisierung, kontroversen Deutungen und der Frage, wie aus politischen Entscheidungen historische Narrative entstehen.
Eine zentrale Leitfrage lautet: Warum gaben souveräne Staaten bestimmte Entscheidungsrechte an gemeinsame europäische Institutionen ab, während sie andere Politikfelder bewusst national kontrollierten? Ebenso wichtig ist die Gegenfrage: Wo blieben nationale Macht, Konflikt und Ungleichheit trotz fortschreitender Integration bestehen?
Der Begriff Europäische Integration bezeichnet die zunehmende politische, wirtschaftliche, rechtliche und gesellschaftliche Verflechtung europäischer Staaten. Dabei ist zwischen Europarat, Europäischen Gemeinschaften, Europäische Union, Eurozone und Schengen-Raum zu unterscheiden. Diese Organisationen und Räume überschneiden sich, sind aber nicht identisch.
Lernziele
- Chronologie der europäischen Integration: Du kannst zentrale Phasen von 1945 bis zur Gegenwart zeitlich einordnen und miteinander verknüpfen.
- Quellenkritik: Du kannst Verträge, Reden, Wahlplakate, Fotografien, Karten und audiovisuelle Quellen nach Entstehungskontext, Perspektive und Aussagewert untersuchen.
- Supranationalität: Du kannst erklären, wodurch sich supranationale Entscheidungen von rein zwischenstaatlicher Zusammenarbeit unterscheiden.
- Historische Kausalität: Du kannst langfristige Strukturen, kurzfristige Auslöser und unbeabsichtigte Folgen europäischer Integration unterscheiden.
- Kontroversität: Du kannst föderalistische, funktionalistische, intergouvernementale und neuere sozial- und globalhistorische Deutungen vergleichen.
- Historisches Urteil: Du kannst die Friedens-, Demokratie-, Markt- und Krisennarrative der EU begründet bewerten.
- Transfer: Du kannst aktuelle Konflikte um Souveränität, Erweiterung, Rechtsstaatlichkeit und Solidarität historisch kontextualisieren.
- Wissenschaftliches Arbeiten: Du kannst eine eigene Fragestellung entwickeln, geeignete Quellen auswählen und ein quellenbasiertes Argument formulieren.
Historische Zugänge und Leitfragen
Integration als offener Prozess
Die EU-Geschichte darf nicht teleologisch erzählt werden. Das heutige Ergebnis war nicht zwangsläufig. Mehrere Projekte scheiterten, wurden vertagt oder in veränderter Form wiederaufgenommen. Dazu gehören die Europäische Verteidigungsgemeinschaft, die Fouchet-Pläne für eine politische Union, der Vertrag über eine Verfassung für Europa und verschiedene Erweiterungsvorhaben. Historisch angemessen ist deshalb eine Perspektive, die Alternativen, Brüche und Zufälle sichtbar macht.

Medienanalyse: Das Foto des Europa-Kongresses von Den Haag zeigt, dass europäische Einigung zunächst von einem breiten Netzwerk aus Politikerinnen und Politikern, Intellektuellen, Verbänden und Bewegungen getragen wurde. Untersuche, wer auf solchen Bildern sichtbar wird und welche gesellschaftlichen Gruppen fehlen.
Begriffe: Föderation, Konföderation und Supranationalität
Eine Föderation verbindet Gliedstaaten in einem Bundesstaat mit eigener staatlicher Ebene. Eine Konföderation oder ein Staatenbund lässt den Mitgliedstaaten deutlich mehr Eigenständigkeit. Die EU entspricht keinem dieser Modelle vollständig. Sie besitzt eigene Institutionen, verbindliches Recht und in bestimmten Bereichen weitreichende Zuständigkeiten, bleibt aber auf die Mitgliedstaaten und ihre Verträge angewiesen.
Supranationalität bedeutet, dass gemeinsame Institutionen Entscheidungen treffen können, die für Mitgliedstaaten und teilweise unmittelbar für Bürgerinnen und Bürger verbindlich sind. Intergouvernementale Zusammenarbeit beruht dagegen vor allem auf Verhandlungen zwischen Regierungen. Die Geschichte der EU ist durch das dauernde Spannungsverhältnis beider Logiken geprägt.
Quellenkritik im Studium der EU-Geschichte
| Quellentyp | Historischer Erkenntniswert | Leitfragen der Kritik |
|---|---|---|
| Vertrag | Rekonstruiert formelle Ziele, Kompetenzen und Verfahren | Wer verhandelte? Welche Kompromisse verbergen sich in der Sprache? Wann trat der Text tatsächlich in Kraft? |
| Politische Rede | Zeigt Deutungsangebote, Zukunftserwartungen und strategische Kommunikation | Wer spricht zu welchem Publikum? Welche Interessen und Auslassungen sind erkennbar? |
| Sitzungsprotokoll | Macht Konflikte, Positionen und Entscheidungswege sichtbar | Ist das Protokoll vollständig? Wurde es für interne oder öffentliche Nutzung erstellt? |
| Fotografie | Dokumentiert Inszenierung, Symbole und räumliche Ordnung | Wer wählte den Bildausschnitt? Was geschieht außerhalb des Bildes? |
| Zeitzeugeninterview | Erschließt Erfahrung, Erinnerung und nachträgliche Sinnbildung | Wann wurde erinnert? Wie beeinflusst späteres Wissen die Darstellung? |
| Statistik | Zeigt langfristige Entwicklungen und Vergleichswerte | Welche Kategorien, Erhebungsmethoden und politischen Interessen strukturieren die Daten? |
Vorgeschichte europäischer Einigung bis 1945
Ideen einer politischen Ordnung Europas reichen weit zurück. Dennoch wäre es irreführend, antike Reiche, das Heilige Römische Reich oder frühneuzeitliche Friedenspläne unmittelbar als Vorstufen der EU zu behandeln. Moderne Integrationsvorstellungen entstanden unter den Bedingungen von Nationalstaat, Industrialisierung, Massendemokratie und Weltkrieg.
Nach dem Ersten Weltkrieg warb Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi mit der Paneuropa-Union für einen europäischen Zusammenschluss. Der französische Außenminister Aristide Briand schlug 1929 vor dem Völkerbund eine föderale Verbindung europäischer Staaten vor. Diese Initiativen blieben politisch begrenzt. Die Weltwirtschaftskrise, autoritäre Regime, Faschismus, Nationalsozialismus und der Weg in den Zweiten Weltkrieg zerstörten die Voraussetzungen für eine friedliche Einigung.
Während des Krieges entwickelten Widerstandsgruppen und Exilpolitiker neue Pläne. Das Manifest von Ventotene von 1941 verband die Überwindung des Faschismus mit einer föderalen Zukunft Europas. Solche Texte waren wichtige Ideengeber, erklären aber nicht allein die spätere institutionelle Entwicklung. Entscheidend wurden nach 1945 auch Sicherheitsinteressen, wirtschaftlicher Wiederaufbau, die deutsche Frage und der beginnende Kalte Krieg.
1945 bis 1950: Nachkrieg, Kalter Krieg und europäische Neuordnung
Europa war 1945 von Krieg, Holocaust, Zwangsmigration, materieller Zerstörung und politischem Zusammenbruch geprägt. Die europäischen Staaten mussten Wiederaufbau, Versorgung, Entnazifizierung, Demokratisierung und Sicherheit organisieren. Zugleich verschärfte sich der Gegensatz zwischen den westlichen Alliierten und der Sowjetunion. Die Teilung Europas schuf den geopolitischen Rahmen, in dem die westeuropäische Integration begann.
Der amerikanische Marshallplan förderte den Wiederaufbau und verlangte europäische Koordination. Dafür entstand 1948 die Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit. 1949 wurden der Europarat und die NATO gegründet. Der Europarat war für Menschenrechte und zwischenstaatliche Kooperation bedeutsam, erhielt jedoch nicht die supranationalen Kompetenzen, die später die Europäischen Gemeinschaften auszeichneten.
Winston Churchill forderte 1946 in Zürich sinngemäß eine Art Vereinigte Staaten von Europa. Der Haager Europa-Kongress von 1948 brachte unterschiedliche europäische Bewegungen zusammen. Zwischen föderalistischen Vorstellungen und vorsichtiger zwischenstaatlicher Zusammenarbeit bestand jedoch von Beginn an ein Konflikt.

Am 9. Mai 1950 präsentierte der französische Außenminister Robert Schuman einen von Jean Monnet vorbereiteten Vorschlag: Die französische und westdeutsche Kohle- und Stahlproduktion sollte einer gemeinsamen Hohen Behörde unterstellt werden; weitere Staaten konnten beitreten. Kohle und Stahl waren für Schwerindustrie und Rüstung zentral. Ihre gemeinsame Kontrolle sollte wirtschaftliche Verflechtung schaffen und einen neuen Krieg zwischen Frankreich und Deutschland materiell erschweren.

Quellenimpuls: Die Schuman-Erklärung verband ein konkretes wirtschaftliches Projekt mit einer weitreichenden Friedensvision. Prüfe im Wortlaut, welche Probleme benannt, welche Mittel vorgeschlagen und welche Zukunftserwartungen formuliert wurden.
1951 bis 1957: Montanunion und Römische Verträge
Am 18. April 1951 unterzeichneten Frankreich, die Bundesrepublik Deutschland, Italien, Belgien, die Niederlande und Luxemburg den Vertrag von Paris. Die daraus 1952 hervorgegangene Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl wird häufig Montanunion genannt. Ihre Hohe Behörde war ein neuartiges supranationales Organ. Daneben bestanden ein Ministerrat, eine Gemeinsame Versammlung und ein Gerichtshof. Damit entstand ein institutionelles Grundmuster, das spätere Gemeinschaften prägte.
Die Integration verlief keineswegs ohne Rückschlag. Der Plan einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft scheiterte 1954 an der französischen Nationalversammlung. Danach verlagerte sich der Schwerpunkt wieder auf wirtschaftliche Integration. Die Konferenz von Messina 1955 und der nach dem belgischen Politiker Paul-Henri Spaak benannte Bericht bereiteten neue Verträge vor.
Am 25. März 1957 unterzeichneten die sechs Staaten die Römischen Verträge. Sie gründeten die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und die Europäische Atomgemeinschaft. Die EWG zielte auf einen gemeinsamen Markt, den Abbau von Handelshemmnissen und gemeinsame Politiken. Euratom sollte die Zusammenarbeit bei der zivilen Nutzung der Kernenergie fördern. Beide Verträge traten am 1. Januar 1958 in Kraft.

Datei:EU60- Signing of the Treaties of Rome.webm
1958 bis 1969: Institutioneller Aufbau, Konflikte und Zollunion
In den 1960er Jahren wuchsen Handel und Produktion in den Mitgliedstaaten stark. Die Gemeinsame Agrarpolitik schuf einen gemeinsamen Markt für Agrarprodukte und stützte landwirtschaftliche Einkommen, führte langfristig aber auch zu Überschüssen, hohen Kosten und Verteilungskonflikten.
Der Europäische Gerichtshof stärkte mit Urteilen wie Van Gend en Loos von 1963 und Costa gegen ENEL von 1964 die Eigenständigkeit des Gemeinschaftsrechts. Daraus entwickelten sich die Grundsätze der unmittelbaren Wirkung und des Vorrangs des Gemeinschaftsrechts. Diese Rechtsentwicklung war für die Vertiefung der Integration ebenso wichtig wie neue Verträge.
Der französische Präsident Charles de Gaulle verteidigte eine stärker staatenorientierte Ordnung. Seine Fouchet-Pläne scheiterten, und Frankreich blockierte 1963 sowie 1967 den britischen Beitritt. In der Politik des leeren Stuhls boykottierte Frankreich 1965 zeitweise die Arbeit des Ministerrats. Der Luxemburger Kompromiss von 1966 entschärfte die Krise, indem bei sehr wichtigen nationalen Interessen die Suche nach Einstimmigkeit politisch zugesichert wurde.
Der Fusionsvertrag bündelte 1967 die Exekutivorgane der drei Gemeinschaften. Am 1. Juli 1968 war die Zollunion verwirklicht: Binnenzölle entfielen, und gegenüber Drittstaaten galt ein gemeinsamer Außenzoll. Damit wurde wirtschaftliche Integration praktisch erfahrbar, ohne die politischen Konflikte zu beseitigen.
1970 bis 1979: Erweiterung, Krisen und Parlamentarisierung
Der Gipfel von Den Haag 1969 leitete eine Phase von Erweiterung, Vertiefung und Ausbau gemeinsamer Politik ein. 1973 traten Dänemark, Irland und das Vereinigte Königreich den Europäischen Gemeinschaften bei. Norwegen lehnte den Beitritt in einer Volksabstimmung ab. Damit zeigte sich früh, dass europäische Integration von nationalen demokratischen Entscheidungen abhängig blieb.
Die Ölpreiskrise von 1973, Inflation, Arbeitslosigkeit und Währungsturbulenzen erschwerten die Zusammenarbeit. Gleichzeitig entstanden neue Instrumente: 1974 etablierte sich der Europäische Rat als regelmäßiges Treffen der Staats- und Regierungschefs; 1975 wurde der Europäische Fonds für regionale Entwicklung eingerichtet. Das Europäische Währungssystem von 1979 sollte Wechselkursschwankungen begrenzen.
Im Juni 1979 wählten die Bürgerinnen und Bürger der Mitgliedstaaten das Europäische Parlament erstmals direkt. Damit wuchs die demokratische Legitimation der Gemeinschaft, obwohl die Befugnisse des Parlaments zunächst deutlich geringer waren als heute.


1980 bis 1989: Süderweiterung, Binnenmarkt und Ende der Teilung
Mit Griechenland 1981 sowie Spanien und Portugal 1986 traten ehemalige Diktaturen den Europäischen Gemeinschaften bei. Die Süderweiterung wurde dadurch zu einem Instrument demokratischer Stabilisierung. Zugleich mussten wirtschaftliche Unterschiede durch Agrar-, Regional- und Strukturpolitik bearbeitet werden.
Die Einheitliche Europäische Akte wurde 1986 unterzeichnet und trat 1987 in Kraft. Sie setzte das Ziel, den Binnenmarkt bis Ende 1992 zu vollenden, erweiterte Mehrheitsentscheidungen und stärkte die Rolle des Europäischen Parlaments. Das 1987 gestartete Erasmus-Programm machte Integration für Studierende durch Auslandsaufenthalte unmittelbar erfahrbar.
Das zunächst außerhalb des Gemeinschaftsrahmens geschlossene Schengener Abkommen von 1985 zielte auf den Abbau von Personenkontrollen an gemeinsamen Grenzen. Es verdeutlicht, dass nicht alle Integrationsschritte gleichzeitig von allen Mitgliedstaaten getragen wurden.
1989 brachen die kommunistischen Regime in Mittel- und Osteuropa zusammen. Der Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 veränderte die europäische Ordnung grundlegend. Mit der deutschen Einheit 1990 wurde das Gebiet der früheren DDR Teil der Europäischen Gemeinschaften. Aus einer westeuropäischen Integrationsgemeinschaft entstand schrittweise ein Projekt für den neu geordneten Kontinent.


1990 bis 1999: Maastricht, Binnenmarkt, Schengen und Euro
Das Ende des Kalten Krieges eröffnete neue Möglichkeiten, erzeugte aber auch Unsicherheit. Die Kriege im zerfallenden Jugoslawien zeigten die begrenzte außenpolitische Handlungsfähigkeit der Gemeinschaft. Gleichzeitig beschleunigten die Mitgliedstaaten die wirtschaftliche und politische Integration.
Am 7. Februar 1992 wurde der Vertrag von Maastricht unterzeichnet; am 1. November 1993 trat er in Kraft. Er begründete offiziell die Europäische Union, führte die Unionsbürgerschaft ein, legte den Weg zur Wirtschafts- und Währungsunion fest und ordnete die Zusammenarbeit in einem Drei-Säulen-Modell. Gemeinschaftspolitiken standen neben stärker zwischenstaatlich geprägter Außen-, Sicherheits-, Justiz- und Innenpolitik.

Am 1. Januar 1993 wurde der Binnenmarkt mit den vier Freiheiten für Waren, Personen, Dienstleistungen und Kapital verwirklicht. 1993 formulierte der Europäische Rat die Kopenhagener Kriterien für künftige Beitritte: stabile Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, eine funktionsfähige Marktwirtschaft sowie die Fähigkeit, das Gemeinschaftsrecht zu übernehmen.
1995 traten Österreich, Finnland und Schweden bei. Im selben Jahr begannen in mehreren Staaten die praktischen Grenzkontrollen nach dem Schengener Durchführungsübereinkommen zu entfallen. Der Vertrag von Amsterdam von 1997, in Kraft seit 1999, reformierte Institutionen und integrierte Teile der Schengen-Zusammenarbeit in den EU-Rahmen.
1999 wurde der Euro zunächst als Buchgeld eingeführt. Die gemeinsame Währung war Ergebnis jahrzehntelanger währungspolitischer Kooperation, bedeutete aber auch, dass Geldpolitik vergemeinschaftet wurde, während zentrale Teile der Wirtschafts- und Finanzpolitik national blieben.
2000 bis 2009: Euro-Bargeld, Osterweiterung und Verfassungsfrage
Der Vertrag von Nizza sollte die Institutionen auf eine größere Union vorbereiten. Am 1. Januar 2002 wurden Euro-Banknoten und -Münzen in zwölf Staaten eingeführt. Der Euro wurde damit zu einem sichtbaren Alltagssymbol europäischer Integration.
Am 1. Mai 2004 traten Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, die Slowakei, Slowenien, Ungarn, Malta und Zypern bei. Diese bislang größte Erweiterung verband die Überwindung der Teilung Europas mit anspruchsvollen politischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Anpassungsprozessen. Bulgarien und Rumänien folgten 2007.

Der 2004 unterzeichnete Vertrag über eine Verfassung für Europa scheiterte 2005 in Referenden in Frankreich und den Niederlanden. Die anschließende Reform übernahm viele Elemente in veränderter Form. Der Vertrag von Lissabon wurde 2007 unterzeichnet und trat am 1. Dezember 2009 in Kraft. Er stärkte das Europäische Parlament, schuf dauerhaftere Leitungsämter, machte die Charta der Grundrechte der Europäischen Union rechtsverbindlich und vereinfachte die Vertragsstruktur, ohne einen europäischen Bundesstaat zu schaffen.

Die globale Finanzkrise ab 2008 traf auch Europa. Sie leitete eine lange Phase ein, in der die Stabilität der Währungsunion, Bankenaufsicht, Haushaltsregeln und Solidarität zwischen Mitgliedstaaten neu verhandelt wurden.
2010 bis 2019: Mehrfachkrisen, neue Mitgliedschaft und Brexit
Die europäische Staatsschuldenkrise machte Konstruktionsprobleme der Wirtschafts- und Währungsunion sichtbar. Rettungsprogramme, der Europäische Stabilitätsmechanismus, neue Regeln und die Bankenunion vertieften die Zusammenarbeit, führten aber zu Konflikten über Austerität, demokratische Kontrolle, Haftung und soziale Folgen.
2012 erhielt die EU den Friedensnobelpreis für ihren Beitrag zu Frieden, Versöhnung, Demokratie und Menschenrechten in Europa. Die Auszeichnung bestätigte ein zentrales Selbstbild, wurde aber auch kritisch diskutiert, weil europäische Friedensgeschichte nicht allein durch die EU erklärt werden kann und Gewalt an den Grenzen Europas fortbestand.

Kroatien trat 2013 als bisher jüngstes Mitglied bei. Ab 2015 verschärften Fluchtbewegungen, Grenzpolitik und ungleiche Verantwortungsteilung Konflikte innerhalb der EU. Zugleich gewannen Auseinandersetzungen über Rechtsstaatlichkeit, demokratische Standards und nationale Souveränität an Bedeutung.
Am 23. Juni 2016 stimmte eine Mehrheit der Abstimmenden im Vereinigten Königreich für den Austritt. Das Referendum zeigte, wie eng innenpolitische Konflikte, Medien, Erinnerung an Souveränität, soziale Ungleichheit und europäische Politik miteinander verbunden waren. Der Brexit widerlegte die Vorstellung, Integration könne nur voranschreiten und niemals zurückgenommen werden.
Seit 2020: Austritt, Pandemie, Krieg und neue Erweiterungsdynamik
Das Vereinigte Königreich verließ die EU am 31. Januar 2020. Das Austrittsabkommen und das spätere Handels- und Kooperationsabkommen regelten die Entflechtung nur teilweise; besonders die Stellung Nordirlands blieb politisch sensibel.

Die COVID-19-Pandemie führte zunächst zu nationalen Grenzschließungen und Konkurrenz um medizinische Güter. Später organisierten EU und Mitgliedstaaten gemeinsame Impfstoffbeschaffung und beschlossen mit NextGenerationEU ein umfangreiches, teilweise durch gemeinsame Kreditaufnahme finanziertes Wiederaufbauinstrument. Damit verschob sich die historische Debatte über Solidarität und fiskalische Integration.
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine seit 2022 veränderte Sicherheits-, Energie- und Erweiterungspolitik. Die EU verhängte Sanktionen, unterstützte die Ukraine und eröffnete 2024 Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine und der Republik Moldau. Diese Entwicklung verbindet Erweiterung erneut mit geopolitischer Sicherheit und demokratischer Transformation.
Die Geschichte dieser Phase ist noch offen. Historikerinnen und Historiker müssen zwischen Gegenwartsdiagnose und historischer Erklärung unterscheiden. Quellenzugang, zeitliche Distanz und spätere Folgen werden künftige Bewertungen verändern.

Zentrale Verträge und Wendepunkte
| Vertrag oder Wendepunkt | Unterzeichnung oder Ereignis | Inkrafttreten | Historische Bedeutung |
|---|---|---|---|
| Schuman-Erklärung | 9. Mai 1950 | politischer Vorschlag | Verbindung von Friedensziel und funktionaler Vergemeinschaftung von Kohle und Stahl |
| Vertrag von Paris | 18. April 1951 | 23. Juli 1952 | Gründung der EGKS mit supranationaler Hoher Behörde |
| Römische Verträge | 25. März 1957 | 1. Januar 1958 | Gründung von EWG und Euratom |
| Fusionsvertrag | 8. April 1965 | 1. Juli 1967 | gemeinsame Kommission und gemeinsamer Rat der drei Gemeinschaften |
| Einheitliche Europäische Akte | 1986 | 1. Juli 1987 | institutionelle Reform und Programm zur Vollendung des Binnenmarkts |
| Vertrag von Maastricht | 7. Februar 1992 | 1. November 1993 | Gründung der EU, Unionsbürgerschaft und Weg zur Währungsunion |
| Vertrag von Amsterdam | 2. Oktober 1997 | 1. Mai 1999 | institutionelle Reform, mehr Rechte und teilweise Integration von Schengen |
| Vertrag von Nizza | 26. Februar 2001 | 1. Februar 2003 | Anpassung der Institutionen vor der großen Erweiterung |
| EU-Osterweiterung | 1. Mai 2004 | Beitritt | zehn neue Mitglieder und Überwindung der europäischen Nachkriegsteilung |
| Vertrag von Lissabon | 13. Dezember 2007 | 1. Dezember 2009 | Reform von Institutionen, Verfahren, Grundrechtsschutz und Außenvertretung |
| Brexit | 31. Januar 2020 | Austritt | erster Austritt eines Mitgliedstaats aus der EU |
Erweiterungen im Überblick
| Jahr | Beitretende Staaten | Historischer Kontext |
|---|---|---|
| 1952 | Belgien, Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg, Niederlande | Gründung der Montanunion im frühen Kalten Krieg |
| 1973 | Dänemark, Irland, Vereinigtes Königreich | erste Erweiterung und stärkere nordwesteuropäische Ausrichtung |
| 1981 | Griechenland | demokratische Stabilisierung nach der Militärdiktatur |
| 1986 | Portugal, Spanien | Süderweiterung nach dem Ende autoritärer Regime |
| 1995 | Finnland, Österreich, Schweden | Erweiterung nach dem Ende des Kalten Krieges |
| 2004 | Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn, Zypern | große Osterweiterung und institutionelle Neuordnung |
| 2007 | Bulgarien, Rumänien | Fortsetzung der Osterweiterung |
| 2013 | Kroatien | europäische Einbindung eines Nachfolgestaats Jugoslawiens |
Querschnittsthemen der EU-Geschichte
Frieden und Sicherheit
Die EU beschreibt sich häufig als Friedensprojekt. Tatsächlich trug die institutionalisierte Zusammenarbeit dazu bei, Konflikte zwischen Mitgliedstaaten friedlich zu bearbeiten und die deutsch-französische Aussöhnung zu stabilisieren. Historisch muss diese Leistung jedoch in einen größeren Zusammenhang eingeordnet werden: amerikanische Sicherheitsgarantien, NATO, Demokratisierung, wirtschaftlicher Wohlstand, nukleare Abschreckung und die Erfahrung zweier Weltkriege wirkten ebenfalls. Zudem verhinderten die Europäischen Gemeinschaften weder Kolonialkriege noch die Kriege im ehemaligen Jugoslawien.
Markt, Wohlstand und soziale Konflikte
Der gemeinsame Markt war ein Motor der Integration. Zollabbau, gemeinsame Regeln und Freizügigkeit förderten Handel und Mobilität. Gleichzeitig erzeugten Marktöffnung, Währungsunion und Wettbewerbsregeln Gewinner und Verlierer. Die Geschichte der EU umfasst daher auch Arbeitskämpfe, Agrarproteste, Regionalförderung, Sozialpolitik und Debatten über ein Europäisches Sozialmodell.
Demokratie und technokratische Herrschaft
Die europäische Integration begann stark exekutiv und expertengestützt. Regierungen, Verwaltungen, Juristen und Wirtschaftsakteure prägten viele Entscheidungen. Die Direktwahl des Europäischen Parlaments, wachsende Haushalts- und Gesetzgebungsrechte sowie die Unionsbürgerschaft stärkten demokratische Elemente. Die Debatte über ein Demokratiedefizit blieb dennoch bestehen, weil Verantwortung zwischen europäischer und nationaler Ebene schwer zuzuordnen ist.
Erweiterung und Grenzen
Jede Erweiterung veränderte die EU. Beitritte stabilisierten Demokratien und dehnten Rechts- und Marktordnungen aus. Gleichzeitig vertieften sie Unterschiede in Wohlstand, historischen Erfahrungen und außenpolitischen Interessen. Die Außengrenze der EU wurde dadurch neu gezogen. Erweiterung ist daher zugleich Inklusion und Exklusion.
Kolonialismus, Dekolonisation und globale Verflechtung
Die frühen Gemeinschaften entstanden, als mehrere Gründungsstaaten noch Kolonialmächte waren. Überseegebiete, Rohstoffe, Handel und Entwicklungspolitik beeinflussten die europäischen Verträge. Neuere Forschungen untersuchen deshalb, wie Dekolonisation, Migration und postkoloniale Beziehungen die Integration prägten. Eine rein innereuropäische Erfolgsgeschichte greift zu kurz.
Krisen als Integrationsmotor und Belastungsprobe
Krisen führten nicht automatisch zu mehr Integration. Manche erzeugten neue Institutionen, andere Blockaden oder Rückschritte. Die Politik des leeren Stuhls, Währungskrisen, das Scheitern des Verfassungsvertrags, die Eurokrise, Fluchtbewegungen, Brexit und Pandemie zeigen, dass Krisen Entscheidungen erzwingen, deren Richtung politisch offen bleibt.
Historische Deutungsansätze
| Ansatz | Kerngedanke | Historische Stärke | Mögliche Grenze |
|---|---|---|---|
| Föderalismus | Ein politisch geeintes Europa entsteht durch Übertragung von Souveränität auf eine föderale Ebene. | Erklärt normative Einigungsbewegungen und Verfassungsentwürfe. | Überschätzt teilweise die Bereitschaft der Staaten zur Föderation. |
| Neofunktionalismus | Integration in einem Politikfeld erzeugt Druck zur Ausweitung auf weitere Felder. | Erfasst Eigendynamik, Institutionen und Spillover-Effekte. | Krisen, nationale Vetos und Rückschritte passen nicht immer in das Modell. |
| Intergouvernementalismus | Nationale Regierungen bleiben die entscheidenden Akteure und handeln nach Interessen. | Erklärt Vertragsverhandlungen, Vetos und Gipfelkompromisse. | Unterschätzt mitunter Gerichte, Parlament, Kommission und gesellschaftliche Netzwerke. |
| Mehrebenensystem | Macht verteilt sich auf lokale, nationale und europäische Ebenen. | Erklärt verflochtene Entscheidungsprozesse und geteilte Zuständigkeiten. | Kann historische Konflikte und Machtasymmetrien zu abstrakt beschreiben. |
| Globalgeschichte | Integration wird mit Kaltem Krieg, Dekolonisation, Weltwirtschaft und Migration verbunden. | Überwindet eine isolierte westeuropäische Binnenperspektive. | Die institutionelle Detailgeschichte kann in den Hintergrund treten. |
| Neue Kulturgeschichte | Symbole, Erinnerungen, Rituale und Identitäten prägen Vorstellungen von Europa. | Erschließt Flagge, Europatag, Hymne, Ausstellungen und Alltagswahrnehmung. | Symbolische Integration darf nicht mit politischer Zustimmung gleichgesetzt werden. |
Fallstudie: Die Schuman-Erklärung als historische Quelle
Lies die Schuman-Erklärung vom 9. Mai 1950 vollständig. Trenne anschließend drei Ebenen: die unmittelbare wirtschaftliche Maßnahme, das sicherheitspolitische Ziel und die langfristige Zukunftsvorstellung. Achte auf die Formulierung, Europa werde nicht mit einem Schlag, sondern durch konkrete Tatsachen entstehen. Diese Argumentation entspricht einem funktionalen Integrationsverständnis: Begrenzte Kooperation soll Vertrauen, Interessenverflechtung und weitere Zusammenarbeit hervorbringen.
Vergleiche die Rede mit ihrer späteren Erinnerung. Der 9. Mai wird heute als Europatag begangen. Aus einem französischen Regierungsvorschlag wurde damit ein europäischer Gründungsmythos. Historische Quellenanalyse fragt nicht nur, was 1950 gesagt wurde, sondern auch, wie und warum der Text später kanonisiert wurde.
Fallstudie: Maastricht zwischen Aufbruch und Konflikt
Der Vertrag von Maastricht steht für einen qualitativen Sprung: Aus den Europäischen Gemeinschaften wurde die Europäische Union; Währungsunion, Unionsbürgerschaft und neue Politikfelder wurden vertraglich verankert. Zugleich war der Vertrag innenpolitisch umstritten. Das dänische Referendum von 1992 lehnte ihn zunächst ab, und auch in Frankreich fiel die Zustimmung knapp aus. Das zeigt, dass Vertiefung und Politisierung zusammenhingen.
Eine historische Bewertung muss deshalb institutionelle Innovation und gesellschaftliche Zustimmung gemeinsam untersuchen. Frage, welche Erwartungen mit der gemeinsamen Währung verbunden waren und welche Risiken durch die Trennung von gemeinsamer Geldpolitik und überwiegend nationaler Finanzpolitik entstanden.
Fallstudie: Brexit als Desintegration
Brexit ist ein Beispiel für Desintegration. Der Prozess begann nicht erst mit dem Referendum 2016. Langfristig wirkten britische Sonderwege, parteipolitische Konflikte, Euroskeptizismus, Deindustrialisierung, regionale Ungleichheit, Migrationsdebatten und ein spezifisches Souveränitätsverständnis zusammen. Kurzfristig bestimmten Kampagnen, politische Führung und das Referendumsdesign den Ausgang.

Untersuche Brexit nicht als zwangsläufige Folge einer angeblich unveränderlichen britischen Identität. Historische Identitäten sind umkämpft und verändern sich. Ebenso wichtig sind Gegenbewegungen, regionale Unterschiede zwischen England, Schottland, Wales und Nordirland sowie die Erfahrungen von EU-Bürgerinnen und -Bürgern.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welches unmittelbare Projekt schlug die Schuman-Erklärung 1950 vor? (Gemeinsame Kontrolle der Kohle- und Stahlproduktion) (!Sofortige Einführung einer gemeinsamen europäischen Währung) (!Gründung eines europäischen Bundesstaates) (!Auflösung aller nationalen Parlamente)
Welche Gemeinschaft entstand durch den Vertrag von Paris? (Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl) (!Europäische Freihandelsassoziation) (!Europäische Union) (!Europarat)
Welche Organisationen wurden durch die Römischen Verträge gegründet? (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und Euratom) (!NATO und Europarat) (!Europäische Union und Europäische Zentralbank) (!Schengen-Raum und Europol)
Was war 1968 innerhalb der EWG vollendet? (Die Zollunion) (!Die gemeinsame Währung) (!Die Direktwahl des Europäischen Parlaments) (!Die Osterweiterung)
Was geschah 1979 erstmals? (Die direkte Wahl des Europäischen Parlaments) (!Der Beitritt Spaniens) (!Die Einführung von Euro-Bargeld) (!Der Austritt des Vereinigten Königreichs)
Welches Ziel war zentral für die Einheitliche Europäische Akte? (Die Vollendung des Binnenmarkts) (!Die Auflösung der Europäischen Kommission) (!Die Einführung einer gemeinsamen Armee) (!Die Abschaffung des Europäischen Gerichtshofs)
Welche Neuerung ist eng mit dem Vertrag von Maastricht verbunden? (Die Gründung der Europäischen Union) (!Die Gründung des Europarats) (!Die erste Montanunion) (!Die Abschaffung der Zollunion)
Warum gilt die Erweiterung von 2004 als historisch besonders bedeutsam? (Zehn Staaten traten gleichzeitig bei) (!Die Europäische Union wurde auf sechs Staaten verkleinert) (!Der Euro wurde weltweit einzige Währung) (!Das Europäische Parlament wurde abgeschafft)
Wann trat der Vertrag von Lissabon in Kraft? (2009) (!1957) (!1973) (!1992)
Welches Ereignis markiert erstmals den Austritt eines Mitgliedstaats aus der EU? (Brexit) (!Schuman-Erklärung) (!Süderweiterung) (!Vertrag von Amsterdam)
Memory
| Schuman-Erklärung | Kohle und Stahl gemeinsam kontrollieren |
| Vertrag von Paris | Gründung der Montanunion |
| Römische Verträge | EWG und Euratom |
| Einheitliche Europäische Akte | Vollendung des Binnenmarkts |
| Maastricht | Gründung der Europäischen Union |
| Kopenhagener Kriterien | Voraussetzungen für einen Beitritt |
| Lissabon | institutionelle Reform |
| Brexit | Austritt des Vereinigten Königreichs |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Historische Bedeutung |
|---|---|
| Schuman-Erklärung | Vorschlag zur gemeinsamen Kontrolle von Kohle und Stahl |
| Römische Verträge | Gründung von EWG und Euratom |
| Zollunion | Abschaffung der Binnenzölle und gemeinsamer Außenzoll |
| Direktwahl | unmittelbare Wahl des Europäischen Parlaments |
| Maastricht | Europäische Union und Weg zur Währungsunion |
| Osterweiterung | Beitritt von zehn Staaten im Jahr 2004 |
| Lissabon | Reform der Institutionen und Verfahren |
| Brexit | Austritt eines Mitgliedstaats |
...
Kreuzworträtsel
| Schuman | Welcher französische Außenminister stellte 1950 den Plan zur gemeinsamen Kontrolle von Kohle und Stahl vor? |
| Montanunion | Wie lautet die gebräuchliche Kurzbezeichnung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl? |
| Zollunion | Was war 1968 innerhalb der EWG vollendet? |
| Maastricht | In welcher niederländischen Stadt wurde 1992 der Vertrag über die Europäische Union unterzeichnet? |
| Erweiterung | Wie heißt die Aufnahme neuer Mitgliedstaaten in die EU? |
| Lissabon | Welche Stadt gab dem 2009 in Kraft getretenen Reformvertrag seinen Namen? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Zeitleiste: Gestalte eine visuelle Zeitleiste mit zwölf Schlüsselereignissen von der Schuman-Erklärung bis Brexit und begründe Deine Auswahl in kurzen Kommentaren.
- Kartenanalyse: Vergleiche Karten der Erweiterungen von 1952, 1986, 2004 und 2013. Beschreibe räumliche Veränderungen und formuliere zwei historische Fragen.
- Symbolanalyse: Untersuche Flagge, Hymne und Europatag. Erkläre, wie Symbole Zugehörigkeit erzeugen sollen und wo ihre Wirkung begrenzt ist.
- Begriffskarte: Erstelle ein Begriffsnetz zu EU, Europarat, Eurozone, Schengen-Raum, Binnenmarkt und Zollunion. Markiere Überschneidungen und Unterschiede.
Standard
- Quellenvergleich: Vergleiche Auszüge aus der Zürcher Rede Churchills und der Schuman-Erklärung. Arbeite Adressaten, Probleme, Mittel und Zukunftsbilder heraus.
- Zeitzeugeninterview: Führe ein Interview mit einer Person, die Grenzöffnung, Euro-Einführung oder Osterweiterung erlebt hat. Reflektiere Erinnerungslücken und nachträgliche Deutungen.
- Vertragswerkstatt: Analysiere einen Abschnitt aus Maastricht oder Lissabon. Übersetze die juristische Sprache in eine verständliche Darstellung und prüfe, was dabei verloren geht.
- Museumsprojekt: Konzipiere eine kleine Ausstellung mit sechs Objekten zur EU-Geschichte. Schreibe Objekttexte und erkläre die Dramaturgie der Ausstellung.
Schwer
- Historiografischer Essay: Prüfe die These, die europäische Integration sei vor allem ein Friedensprojekt. Beziehe mindestens drei alternative Erklärungsfaktoren ein.
- Forschungsdesign: Entwickle eine historische Forschungsfrage zu Kolonialismus und europäischer Integration. Bestimme Quellenkorpus, Methode, Zeitraum und mögliche Probleme.
- Krisenvergleich: Vergleiche die Politik des leeren Stuhls, die Eurokrise und Brexit. Untersuche Akteure, Konfliktgegenstände, Entscheidungsmechanismen und Folgen.
- Digital Storytelling: Produziere ein quellenbasiertes Video oder eine interaktive Karte zur Osterweiterung. Kennzeichne Primärquellen, Deutungen und offene Streitfragen.


Lernkontrolle
- Kausalitätsanalyse: Erkläre, warum wirtschaftliche Kooperation nach 1945 als Mittel der Friedenssicherung galt. Unterscheide strukturelle Voraussetzungen, politische Entscheidungen und erwartete Wirkungen.
- Alternativgeschichte: Entwickle ein plausibles Szenario, wie sich die Integration nach dem Scheitern der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft auch anders hätte entwickeln können. Begründe Grenzen Deiner Spekulation.
- Vergleichende Urteilsbildung: Vergleiche die Süderweiterung und die Osterweiterung hinsichtlich Demokratisierung, wirtschaftlicher Anpassung und geopolitischem Kontext.
- Institutioneller Transfer: Beurteile, wie die Direktwahl des Europäischen Parlaments und die Ausweitung seiner Rechte das Problem demokratischer Legitimation verändert, aber nicht vollständig gelöst haben.
- Narrativkritik: Analysiere die Aussage, Europa sei durch die EU von einem Kontinent des Krieges zu einem Kontinent des Friedens geworden. Zeige Erkenntniswert, Auslassungen und Gegenargumente.
- Gegenwartsbezug: Leite aus der Geschichte von Erweiterung und Vertragsreformen Kriterien ab, mit denen Du aktuelle Beitrittsdebatten historisch informiert beurteilen kannst.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema sind folgende Leistungen besonders wichtig:
- Historische Orientierung: eine sichere, begründete Periodisierung der EU-Geschichte ohne bloßes Auswendiglernen von Jahreszahlen
- Quellenkompetenz: eine methodisch nachvollziehbare Analyse mindestens einer Primärquelle
- Sachurteil: die Einordnung von Ereignissen in politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und globale Zusammenhänge
- Werturteil: eine transparente Bewertung, die historische Maßstäbe und heutige Perspektiven unterscheidet
- Kontroversität: die faire Darstellung konkurrierender wissenschaftlicher Deutungen
- Wissenschaftliches Arbeiten: korrekte Belege, nachvollziehbare Literaturauswahl und klare Trennung von Quelle, Befund und Interpretation
- Transferleistung: die historisch begründete Anwendung auf eine neue Frage, etwa Erweiterung, Rechtsstaatlichkeit, Solidarität oder Desintegration
- Reflexion: die Benennung von Unsicherheiten, Quellenlücken und Grenzen der eigenen Argumentation
Ein geeigneter Lernnachweis kann als Portfolio aus Zeitleiste, Quellenanalyse, historiografischem Essay und kurzer mündlicher Verteidigung gestaltet werden. Bewertet werden Argumentationslogik, Quellenbezug, Differenzierung und eigenständige Urteilsbildung.
Quellen und weiterführende Forschung
- Geschichte der Europäischen Union: offizielle Zeitleisten und Überblicksdarstellungen
- EU-Zeitleiste: interaktive Chronologie mit historischen Kontexten
- EUR-Lex: Verträge, Rechtsakte und amtliche Dokumente
- CVCE: digitale Quellen und Forschung zur europäischen Integration
- Historisches Archiv der Europäischen Union: Archivbestände und Forschungszugänge
- Tony Judt: Geschichte Europas von 1945 bis zur Gegenwart
- Desmond Dinan: Europe Recast: A History of European Union
- Kiran Klaus Patel: Projekt Europa
- Alan S. Milward: The European Rescue of the Nation-State
- Wolfram Kaiser: Forschungen zu transnationalen Netzwerken und den Ursprüngen europäischer Integration
OERs zum Thema
Verknüpfte Lernbereiche
Die Geschichte der EU verbindet institutionelle Entwicklung mit Kriegserfahrung, Demokratisierung, Wirtschaft, Recht, Gesellschaft und globalen Beziehungen. Besonders wichtig sind die Wechselwirkungen zwischen nationaler Politik und europäischer Ebene, zwischen Erweiterung und Vertiefung sowie zwischen Krisen und Reformen.
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