Die Energiewende - Deutschland

Die Energiewende - Deutschland
Die Energiewende - Deutschland
Einleitung
Die Energiewende bezeichnet den Umbau der Energieversorgung weg von fossilen Energieträgern wie Kohle, Erdöl und Erdgas hin zu einem System, das weitgehend auf erneuerbaren Energien, hoher Energieeffizienz, geringerem Energieverbrauch und klimafreundlichen Technologien beruht. In Deutschland gehört außerdem der vollzogene Atomausstieg zur besonderen Entwicklung der Energiewende.
Dabei geht es nicht nur um Strom. Energie wird auch zum Heizen, für Warmwasser, in der Industrie und für Mobilität gebraucht. Deshalb lässt sich die Energiewende nur verstehen, wenn Du die Bereiche Strom, Wärme und Verkehr gemeinsam betrachtest. Hinzu kommen politische und gesellschaftliche Entscheidungen: Wo werden Windräder gebaut? Wer bezahlt neue Netze? Welche Heizungen sollen künftig genutzt werden? Wie verändert sich Mobilität? Und wie können Klimaschutz, Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und soziale Gerechtigkeit miteinander verbunden werden?

Das Bild zeigt Windenergie und Photovoltaik gemeinsam. Genau diese Kombination ist typisch für die Energiewende: Verschiedene Energiequellen ergänzen sich, müssen aber durch Netze, Speicher und flexible Verbraucher zu einem funktionierenden Gesamtsystem verbunden werden.
Das Video erklärt die Energiewende und die Sektorenkopplung. Es stammt aus dem Jahr 2018. Nutze es deshalb vor allem für die Grundidee und vergleiche ältere Zielangaben mit den aktuellen gesetzlichen Zielen.
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du erklären, warum die Energiewende mehr als eine reine Stromwende ist. Du kannst wichtige physikalische Grundideen zu Leistung, Energie, Wirkungsgrad, Stromnetzen und Wärmepumpen anwenden. Außerdem kannst Du politische Zielkonflikte untersuchen und begründet beurteilen, welche Maßnahmen für Strom, Wärme und Verkehr sinnvoll sein können.
Warum findet eine Energiewende statt?
Ein wichtiger Grund ist der Klimawandel. Bei der Verbrennung fossiler Energieträger entsteht vor allem Kohlenstoffdioxid, kurz CO₂. Dieses Treibhausgas verstärkt den natürlichen Treibhauseffekt. Deutschland hat sich deshalb gesetzliche Klimaziele gegeben. Nach dem Bundes-Klimaschutzgesetz sollen die Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 bis 2030 um mindestens 65 Prozent und bis 2040 um mindestens 88 Prozent sinken. Bis 2045 soll Deutschland Netto-Treibhausgasneutralität erreichen.
Ein weiterer Grund ist die Versorgungssicherheit. Kohle, Erdöl und Erdgas sind endliche Rohstoffe. Ein Teil davon wird importiert. Eine Energieversorgung mit heimischer Wind- und Sonnenenergie kann Abhängigkeiten von Brennstoffimporten verringern. Gleichzeitig entstehen neue Abhängigkeiten, etwa bei Rohstoffen, Halbleitern, Batterien oder Solarmodulen. Energiewende bedeutet daher nicht völlige Unabhängigkeit, sondern eine Veränderung der Abhängigkeiten.
Auch wirtschaftliche Gründe spielen eine Rolle. Neue Kraftwerke, Netze, Speicher, Heizungen, Fahrzeuge und Industrieanlagen erfordern hohe Investitionen. Gleichzeitig können neue Technologien, geringere Brennstoffimporte und effizientere Geräte langfristig Kosten vermeiden. Welche Kosten wann entstehen und wie sie zwischen Staat, Unternehmen und privaten Haushalten verteilt werden, ist eine politische Frage.
Vier wichtige Begriffe aus der Physik
Energie und Leistung
Energie beschreibt die Fähigkeit, Arbeit zu verrichten oder Wärme zu übertragen. Im Alltag wird elektrische Energie häufig in Kilowattstunden angegeben. Eine Kilowattstunde ist die Energie, die ein Gerät mit einer Leistung von einem Kilowatt in einer Stunde umsetzt.
Leistung beschreibt dagegen, wie schnell Energie umgesetzt wird. Sie wird in Watt beziehungsweise Kilowatt angegeben.
Beispiel: Ein Wasserkocher mit 2 kW Leistung, der eine halbe Stunde betrieben würde, setzte 1 kWh elektrische Energie um. Für die Energiewende ist diese Unterscheidung wichtig: Ein Kraftwerk kann eine hohe maximale Leistung besitzen, aber seine tatsächlich erzeugte Energiemenge hängt davon ab, wie lange und wie stark es arbeitet.
Wirkungsgrad
Der Wirkungsgrad beschreibt, welcher Anteil der eingesetzten Energie in die gewünschte Nutzenergie umgewandelt wird. Keine technische Umwandlung ist vollständig verlustfrei. Bei elektrischen Leitungen entstehen zum Beispiel Wärmeverluste. Bei Verbrennungsmotoren wird ein großer Teil der Energie des Kraftstoffs als Abwärme abgegeben.
Eine direkte Elektrifizierung kann deshalb effizient sein: Ein Elektromotor wandelt elektrische Energie wesentlich direkter in Bewegung um als ein Verbrennungsmotor die chemische Energie eines Kraftstoffs. Auch eine Wärmepumpe nutzt Strom nicht einfach als Heizwärme, sondern transportiert zusätzliche Umweltwärme in ein Gebäude.
Leistung von Wind und Sonne
Bei einer Windkraftanlage hängt die nutzbare Leistung stark von der Windgeschwindigkeit ab. Vereinfacht gilt für die im Wind enthaltene Leistung: Sie wächst mit der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit. Verdoppelt sich die Windgeschwindigkeit, steckt deshalb theoretisch achtmal so viel Leistung im Luftstrom. Technische Anlagen können davon allerdings nur einen Teil nutzen.
Bei Photovoltaik wird Strahlungsenergie der Sonne direkt in elektrische Energie umgewandelt. Die Leistung einer Anlage hängt unter anderem von Sonneneinstrahlung, Ausrichtung, Temperatur, Verschattung und Wirkungsgrad der Module ab.

Photovoltaik kann auf Dächern, Fassaden oder Freiflächen eingesetzt werden. Damit wird Strom zunehmend dezentral erzeugt, also an vielen Orten statt nur in wenigen großen Kraftwerken.
Strom muss im Netz ständig ausgeglichen werden
Das europäische Verbundnetz arbeitet mit einer Frequenz von ungefähr 50 Hertz. Erzeugung und Verbrauch müssen laufend im Gleichgewicht gehalten werden. Wird plötzlich mehr Strom verbraucht als erzeugt, sinkt die Frequenz leicht. Wird mehr erzeugt als verbraucht, steigt sie leicht.
Wind- und Solaranlagen erzeugen wetterabhängig. Deshalb braucht ein Energiesystem mit hohen Anteilen erneuerbarer Energien flexible Lösungen: leistungsfähige Stromnetze, Stromhandel mit Nachbarländern, steuerbare Kraftwerke, Speicher, flexible Industrieprozesse und Verbraucher, die ihren Strombedarf teilweise zeitlich verschieben können.
Die Stromwende
Im Stromsektor ist der Umbau besonders weit fortgeschritten. Nach Angaben des Umweltbundesamtes stammten 2025 rund 55,1 Prozent des deutschen Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Energien. Der größte erneuerbare Beitrag kam aus der Windenergie, gefolgt von der Photovoltaik. Das gesetzliche Ziel des Erneuerbare-Energien-Gesetzes liegt für 2030 bei mindestens 80 Prozent erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch.
Wichtig ist die genaue Bezeichnung der Kennzahl: Bruttostromverbrauch, Bruttostromerzeugung und öffentliche Nettostromerzeugung sind nicht dasselbe. Deshalb können seriöse Quellen für dasselbe Jahr unterschiedliche Prozentwerte nennen, ohne sich zu widersprechen.
| Kennzahl für 2025 | Wert | Bedeutung |
|---|---|---|
| Erneuerbare am Bruttostromverbrauch | 55,1 Prozent | Anteil erneuerbarer Stromerzeugung am gesamten Bruttostromverbrauch |
| Erneuerbare Stromerzeugung | rund 290 TWh | Strommenge aus Wind, Sonne, Wasser, Biomasse und Geothermie |
| Gesetzliches Ziel für 2030 | mindestens 80 Prozent | Zielwert des EEG für erneuerbare Energien am Bruttostromverbrauch |
Windenergie
Windenergie liefert in Deutschland besonders große Strommengen. Windkraftanlagen können an Land oder auf See betrieben werden. Offshore-Windparks nutzen oft stärkere und gleichmäßigere Winde, sind aber technisch aufwendiger. An Land spielen Flächenplanung, Naturschutz, Abstände, Genehmigungen und Beteiligung der Bevölkerung eine wichtige Rolle.
Photovoltaik
Photovoltaik ist besonders flexibel einsetzbar. Anlagen können vom kleinen Balkonkraftwerk bis zum großen Solarpark reichen. Solarstrom fällt vor allem tagsüber und im Sommer an. Dadurch kann zur Mittagszeit sehr viel Strom zur Verfügung stehen, während an dunklen Winterabenden kaum Solarstrom erzeugt wird.

Netzausbau
Die Stromerzeugung verändert sich räumlich. Viel Windstrom entsteht im Norden und Osten Deutschlands sowie auf See, während große Verbrauchszentren auch im Süden und Westen liegen. Deshalb werden Übertragungs- und Verteilnetze ausgebaut.
Ein Beispiel ist SuedLink, eine Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsverbindung, die große Strommengen zwischen Nord- und Süddeutschland transportieren soll.

Netzausbau ist technisch notwendig, kann aber gesellschaftliche Konflikte auslösen. Betroffene Regionen diskutieren etwa über Trassenverläufe, Eingriffe in Landschaften, Kosten und Beteiligungsmöglichkeiten.
Speicher und Flexibilität
Stromspeicher können Energie zeitlich verschieben. Batteriespeicher reagieren sehr schnell und sind deshalb unter anderem für kurzfristige Schwankungen geeignet. Pumpspeicherkraftwerke speichern Energie in Form von höher gelegenem Wasser. Für längere Zeiträume werden außerdem Lösungen wie Wasserstoff, Wärmespeicher und flexible Nachfrage untersucht oder bereits genutzt.
Ein Speicher erzeugt allerdings keine Energie. Beim Ein- und Ausspeichern entstehen Verluste. Deshalb ist es oft sinnvoll, Strom möglichst direkt zu nutzen oder Verbrauch und Erzeugung zeitlich besser aufeinander abzustimmen.
Die Wärmewende
Heizen und Warmwasser werden noch häufig mit Erdgas oder Heizöl erzeugt. Der Anteil erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch für Wärme und Kälte lag 2025 nach Angaben des Umweltbundesamtes bei rund 19,0 Prozent. Damit ist die Wärmewende deutlich weniger weit fortgeschritten als die Stromwende.
Mögliche Wege sind bessere Wärmedämmung, effizientere Gebäude, Wärmepumpen, Solarthermie, Geothermie, erneuerbare oder dekarbonisierte Fernwärme, Abwärmenutzung und in bestimmten Anwendungen nachhaltig verfügbare Biomasse.
Wie funktioniert eine Wärmepumpe?
Eine Wärmepumpe transportiert Wärme von einem niedrigeren Temperaturniveau auf ein höheres. Dafür wird elektrische Arbeit benötigt. Ein Kältemittel wird verdampft, verdichtet, verflüssigt und wieder entspannt. Dabei kann Wärme aus Luft, Erdreich oder Grundwasser in ein Heizsystem übertragen werden.

Die Leistungszahl einer Wärmepumpe vergleicht abgegebene Heizwärme mit eingesetzter elektrischer Energie. Eine Leistungszahl von 4 bedeutet beispielsweise: Aus einer Einheit Strom werden zusammen mit Umweltwärme etwa vier Einheiten Heizwärme bereitgestellt. Die tatsächliche Effizienz hängt unter anderem von Außentemperatur, Wärmequelle, Vorlauftemperatur und Gebäude ab.
Für einen einfachen Einstieg erklärt die Sendung mit der Maus das Grundprinzip einer Wärmepumpe.
Das Quarks-Video behandelt technische und gesellschaftliche Fragen zur Wärmepumpe und eignet sich besonders für ältere Jahrgänge.
Wärmenetze und kommunale Wärmeplanung
In dicht bebauten Gebieten kann Fernwärme sinnvoll sein. Wärme wird dabei zentral oder aus mehreren Quellen erzeugt und durch gut gedämmte Rohrleitungen zu Gebäuden transportiert. Zukünftige Wärmenetze können zum Beispiel Großwärmepumpen, Geothermie, Solarthermie, Abwärme aus Industrie oder Rechenzentren und Wärmespeicher verbinden.

Das Wärmeplanungsgesetz soll Kommunen dabei unterstützen, langfristig zu klären, wo Wärmenetze, dezentrale Heizungen oder andere Lösungen geeignet sind. Die Wärmewende ist deshalb nicht nur eine Entscheidung einzelner Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer, sondern auch eine Aufgabe für Städte, Gemeinden und Infrastrukturbetreiber.
Die Verkehrswende
Der Verkehrssektor nutzt weiterhin überwiegend fossile Kraftstoffe. Nach Angaben des Umweltbundesamtes lag der Anteil erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch des Verkehrs 2025 bei rund 8,0 Prozent. Damit ist Verkehr der Bereich mit dem geringsten Anteil erneuerbarer Energien.
Die Verkehrswende umfasst mehr als den Austausch von Verbrennungsmotoren gegen Elektroautos. Sie kann mehrere Strategien kombinieren: Wege vermeiden, Verkehr auf klimafreundlichere Verkehrsmittel verlagern und Fahrzeuge beziehungsweise Antriebe effizienter machen.
Elektromobilität
Ein Elektroauto nutzt einen Elektromotor und speichert Energie in einer Batterie. Im Betrieb entstehen am Fahrzeug keine Abgase. Für die Klimabilanz sind jedoch zusätzlich Stromerzeugung, Fahrzeugherstellung, Batteriefertigung, Rohstoffe und Lebensdauer wichtig.
Je höher der Anteil erneuerbarer Energien im Stromsystem wird, desto klimafreundlicher kann elektrischer Verkehr werden. Elektromobilität verbindet deshalb Strom- und Verkehrssektor.

Öffentlicher Verkehr, Fahrrad und Stadtplanung
Klimafreundliche Mobilität kann außerdem durch Bahn, Bus, Fahrrad und sichere Fußwege gestärkt werden. Dabei geht es nicht nur um Technik, sondern auch um Raumplanung. Eine Stadt, in der Wohnen, Schule, Einkauf und Freizeit gut erreichbar sind, kann Verkehrsenergie einsparen.
Das Terra-X-Video betrachtet Mobilität als System und diskutiert unter anderem öffentlichen Verkehr, Elektroautos und Stadtentwicklung.
Sektorenkopplung: Strom, Wärme und Verkehr verbinden
Sektorenkopplung bedeutet, dass die bisher teilweise getrennten Bereiche Strom, Wärme, Verkehr und Industrie stärker miteinander verbunden werden. Das geschieht häufig durch Elektrifizierung.
Ein Beispiel ist die Wärmepumpe: Sie nutzt Strom, um Umweltwärme für Gebäude verfügbar zu machen. Ein zweites Beispiel ist das Elektroauto: Es ersetzt fossilen Kraftstoff durch elektrischen Strom. Ein drittes Beispiel ist Wasserstoff, der mit erneuerbarem Strom durch Elektrolyse hergestellt werden kann und vor allem dort interessant ist, wo eine direkte Elektrifizierung schwierig ist, etwa in Teilen der Industrie.
Direkte Stromnutzung ist häufig energieeffizienter als eine lange Umwandlungskette. Wird Strom erst in Wasserstoff, anschließend in einen synthetischen Kraftstoff und danach in einem Verbrennungsmotor wieder in Bewegung umgewandelt, treten bei jedem Schritt Verluste auf. Deshalb ist es wichtig zu prüfen, wo Wasserstoff wirklich benötigt wird.
Gesellschaftliche Entscheidungen
Die Energiewende ist ein technisches und gesellschaftliches Großprojekt. Es gibt selten eine Lösung, die in jeder Hinsicht nur Vorteile besitzt. Politik muss deshalb Ziele gegeneinander abwägen.
Klimaschutz und Versorgungssicherheit
Ein Energiesystem muss auch bei wenig Wind und Sonne funktionieren. Dafür braucht es Reservekapazitäten, Speicher, Netze, Stromhandel und flexible Verbraucher. Die politische Aufgabe besteht darin, Versorgungssicherheit während des Umbaus zu gewährleisten und gleichzeitig fossile Emissionen zu senken.
Kosten und soziale Gerechtigkeit
Neue Infrastruktur kostet Geld. Gleichzeitig sind Haushalte sehr unterschiedlich belastbar. Wer ein eigenes Haus besitzt, kann leichter in Photovoltaik, Dämmung oder eine Wärmepumpe investieren als viele Mieterinnen und Mieter. Förderprogramme, Strom- und Wärmepreise, CO₂-Bepreisung, Netzentgelte und soziale Ausgleichsmaßnahmen beeinflussen deshalb, wie gerecht die Energiewende wahrgenommen wird.
Flächen, Natur und Akzeptanz
Windparks, Solaranlagen, Stromtrassen und neue Verkehrswege benötigen Fläche. Dadurch können Konflikte zwischen Klimaschutz, Naturschutz, Landschaftsschutz, Landwirtschaft, Wohnen und lokalen Interessen entstehen. Beteiligungsverfahren können helfen, Alternativen zu vergleichen und Betroffene früh einzubeziehen.

Demonstrationen zeigen, dass Energie- und Klimapolitik Gegenstand demokratischer Auseinandersetzungen ist. Neben Klimabewegungen gibt es auch Proteste gegen konkrete Windparks, Stromleitungen, Tagebaue oder politische Vorgaben. In einer Demokratie müssen Interessen sichtbar gemacht, Fakten geprüft und Entscheidungen begründet werden.
Arbeitsplätze und Strukturwandel
Der Rückgang von Kohle, Öl und Gas verändert Branchen und Regionen. Gleichzeitig entstehen Beschäftigungsmöglichkeiten in erneuerbaren Energien, Netzausbau, Gebäudesanierung, Elektrotechnik, Batterietechnik und Wärmepumpen. Der Begriff Strukturwandel beschreibt diesen langfristigen Umbau von Wirtschaft und Beschäftigung.
In diesem Terra-X-Gespräch von 2026 werden Energiewende, Klimaschutz, Energiepreise und wirtschaftliche Entwicklung miteinander verknüpft. Achte beim Anschauen darauf, zwischen messbaren Fakten, Prognosen und politischen Bewertungen zu unterscheiden.
Wo steht Deutschland?
Für das Jahr 2025 zeigt sich ein gemischtes Bild. Die Treibhausgasemissionen Deutschlands lagen nach Berechnungen des Umweltbundesamtes rund 48,2 Prozent unter dem Niveau von 1990. Gleichzeitig verlief der Rückgang 2025 nur langsam. Besonders in den Bereichen Gebäude und Verkehr bestand weiterhin großer Handlungsbedarf.
| Bereich | Ausgewählter Stand 2025 | Einordnung |
|---|---|---|
| Gesamte Treibhausgasemissionen | rund 649 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente | rund 48,2 Prozent weniger als 1990 |
| Erneuerbare Energien am Bruttostromverbrauch | 55,1 Prozent | Stromwende vergleichsweise weit fortgeschritten |
| Erneuerbare Energien bei Wärme und Kälte | 19,0 Prozent | deutlicher weiterer Umbau nötig |
| Erneuerbare Energien im Verkehr | 8,0 Prozent | niedrigster Anteil der drei Bereiche |
Diese Zahlen zeigen einen wichtigen Zusammenhang: Ein hoher Anteil erneuerbarer Energien im Stromsektor allein reicht nicht. Für Klimaneutralität müssen auch Wärme, Verkehr, Industrie und andere Bereiche umgebaut werden.
Politische Instrumente
Politik kann die Energiewende mit unterschiedlichen Instrumenten gestalten. Dazu zählen Gesetze und Standards, Förderprogramme, CO₂-Preise, Forschung, Infrastrukturinvestitionen, Planungsvorgaben und Informationsangebote. Welche Mischung sinnvoll ist, wird politisch diskutiert.
Das Erneuerbare-Energien-Gesetz hat den Ausbau erneuerbarer Stromerzeugung stark geprägt. Das Bundes-Klimaschutzgesetz legt nationale Klimaziele fest. Das Gebäudeenergiegesetz betrifft energetische Anforderungen an Gebäude und Heizungen. Das Wärmeplanungsgesetz schafft einen Rahmen für kommunale Wärmeplanung und die Dekarbonisierung von Wärmenetzen.
Politische Regeln können sich ändern. Bei aktuellen Streitfragen solltest Du deshalb immer das Datum einer Quelle prüfen und zwischen geltendem Recht, geplanten Änderungen und politischen Forderungen unterscheiden.
Typische Denkfehler
Denkfehler 1: Energiewende bedeutet nur mehr Windräder. Tatsächlich gehören auch Netze, Speicher, Wärme, Verkehr, Effizienz und gesellschaftliche Entscheidungen dazu.
Denkfehler 2: Ein einzelner windstiller Tag widerlegt erneuerbare Energien. Entscheidend ist die Funktionsweise des gesamten Energiesystems mit verschiedenen Erzeugern, Netzen, Speichern und flexibler Nachfrage.
Denkfehler 3: Ein Elektroauto ist automatisch emissionsfrei. Am Fahrzeug entstehen keine direkten Abgase, doch Herstellung und Strommix gehören zur Gesamtbilanz.
Denkfehler 4: Eine Wärmepumpe erzeugt Wärme aus Strom. Genauer gesagt nutzt sie elektrische Arbeit, um zusätzlich Umweltwärme auf ein nutzbares Temperaturniveau zu transportieren.
Denkfehler 5: Eine politische Maßnahme lässt sich nur technisch beurteilen. Technik zeigt, was möglich ist. Politik muss zusätzlich Kosten, Verteilung, Rechte, Akzeptanz und gesellschaftliche Ziele berücksichtigen.
Quellen und Datenstand
Die Zahlen dieses aiMOOCs beziehen sich überwiegend auf das abgeschlossene Jahr 2025 und den Rechtsstand beziehungsweise Informationsstand bis August 2026.
- Umweltbundesamt: Entwicklung erneuerbarer Energien 2025 in Strom, Wärme und Verkehr
- Umweltbundesamt: Treibhausgasemissionen Deutschlands
- Bundes-Klimaschutzgesetz: Nationale Klimaschutzziele
- Gebäudeenergiegesetz: Anforderungen an Heizungsanlagen
- Wärmeplanungsgesetz: Kommunale Wärmeplanung und Wärmenetze
- Wikipedia: Überblick zur Energiewende in Deutschland
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Aussage beschreibt die Energiewende am besten? (Umbau von Strom Wärme und Verkehr hin zu einem klimafreundlichen Energiesystem) (!Ausschließlicher Bau neuer Stromleitungen) (!Vollständiger Verzicht auf elektrische Energie) (!Ausschließlicher Austausch von Kohle durch Erdgas)
Welchen Anteil hatten erneuerbare Energien 2025 ungefähr am deutschen Bruttostromverbrauch? (55,1 Prozent) (!19,0 Prozent) (!8,0 Prozent) (!100 Prozent)
Was beschreibt die elektrische Leistung? (Die Geschwindigkeit mit der Energie umgesetzt wird) (!Die gesamte Energie eines Jahres) (!Die Masse eines Kraftwerks) (!Die Spannung ohne Zeitbezug)
Warum braucht ein Stromsystem mit viel Wind und Sonne Flexibilität? (Weil Erzeugung und Verbrauch laufend ausgeglichen werden müssen) (!Weil elektrische Energie grundsätzlich nicht übertragen werden kann) (!Weil Windkraft nur nachts funktioniert) (!Weil Photovoltaik ausschließlich im Winter Strom erzeugt)
Was macht eine Wärmepumpe? (Sie transportiert Umweltwärme auf ein höheres Temperaturniveau) (!Sie verbrennt grundsätzlich Erdgas) (!Sie erzeugt elektrischen Strom aus Heizöl) (!Sie speichert ausschließlich Sonnenlicht)
Was bedeutet Sektorenkopplung? (Verbindung von Strom Wärme Verkehr und Industrie) (!Trennung aller Energiebereiche voneinander) (!Abschaltung aller Stromnetze) (!Ausschließliche Nutzung von Kohlekraft)
Welcher Bereich hatte 2025 den geringsten Anteil erneuerbarer Energien? (Verkehr) (!Strom) (!Wärme) (!Photovoltaik)
Warum ist Netzausbau ein Thema der Energiewende? (Weil Stromerzeugung und Verbrauch räumlich oft weit auseinanderliegen) (!Weil Stromleitungen bei Wind nicht funktionieren) (!Weil Deutschland kein europäisches Verbundnetz besitzt) (!Weil Batteriespeicher Stromleitungen vollständig ersetzen)
Welches gesetzliche Klimaziel gilt für Deutschland bis 2045? (Netto Treibhausgasneutralität) (!Verdopplung der Kohleverstromung) (!Vollständiger Verzicht auf Strom) (!Ausschließliche Nutzung von Erdgas)
Warum ist die Energiewende auch eine politische Aufgabe? (Weil Kosten Flächen Beteiligung und soziale Folgen abgewogen werden müssen) (!Weil physikalische Gesetze politisch beschlossen werden) (!Weil technische Wirkungsgrade durch Wahlen festgelegt werden) (!Weil Energie nur von Behörden verbraucht wird)
Memory
| Photovoltaik | Sonnenlicht wird direkt in elektrische Energie umgewandelt |
| Windenergie | Bewegungsenergie der Luft wird technisch genutzt |
| Wärmepumpe | Umweltwärme wird auf ein höheres Temperaturniveau gebracht |
| Batteriespeicher | Elektrische Energie wird zeitlich verschoben |
| Sektorenkopplung | Strom Wärme Verkehr und Industrie werden verbunden |
| Fernwärme | Wärme wird über Rohrleitungen zu Gebäuden transportiert |
| Elektromobilität | Elektrischer Antrieb ersetzt fossile Kraftstoffe |
| Akzeptanz | Gesellschaftliche Zustimmung zu Veränderungen |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Stromwende | Ausbau erneuerbarer Stromerzeugung sowie Netze und Speicher |
| Wärmewende | Klimafreundliches Heizen und energetisch bessere Gebäude |
| Verkehrswende | Klimafreundlichere Mobilität und effizientere Antriebe |
| Netzausbau | Transport elektrischer Energie zwischen Erzeugung und Verbrauch |
| Energieeffizienz | Gleicher Nutzen mit geringerem Energieeinsatz |
| Bürgerbeteiligung | Mitwirkung von Betroffenen an Planung und Entscheidungen |
...
Kreuzworträtsel
| Photovoltaik | Welche Technik wandelt Sonnenlicht direkt in elektrische Energie um? |
| Wärmepumpe | Welche Heizung nutzt elektrische Arbeit zum Transport von Umweltwärme? |
| Stromnetz | Welche Infrastruktur verbindet Stromerzeuger und Verbraucher? |
| Sektorenkopplung | Wie heißt die Verbindung von Strom Wärme Verkehr und Industrie? |
| Akzeptanz | Wie heißt die gesellschaftliche Zustimmung zu einer Veränderung? |
| Effizienz | Welcher Begriff beschreibt einen möglichst geringen Energieeinsatz für einen bestimmten Nutzen? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Stromverbrauch: Lies an fünf Elektrogeräten zu Hause oder in der Schule die Leistung ab und berechne, wie viel Energie sie bei einer Stunde Betrieb benötigen.
- Energiewende im Alltag: Fotografiere oder zeichne drei Beispiele für Energiewende in Deiner Umgebung und erkläre jeweils den Zusammenhang.
- Verkehrsmittelvergleich: Vergleiche für einen typischen Schulweg Auto, Fahrrad, Bus und zu Fuß nach Energiebedarf, Platzbedarf und Alltagstauglichkeit.
- Begriffsplakat: Gestalte ein Plakat, das Stromwende, Wärmewende, Verkehrswende und Sektorenkopplung in einfacher Sprache erklärt.
Standard
- Photovoltaik-Projekt: Untersuche, welche Flächen Deiner Schule theoretisch für Photovoltaik geeignet sein könnten, und begründe Deine Auswahl.
- Wärmepumpen-Modell: Erstelle ein Modell oder eine Animation des Wärmepumpenkreislaufs und erkläre die vier wichtigsten Schritte.
- Energiedebatte: Führe in der Klasse eine moderierte Debatte zu einer neuen Windkraftanlage in der Region durch und verteile Rollen wie Gemeinde, Naturschutz, Anwohnende, Betreiber und Jugendliche.
- Mobilitätsanalyse: Dokumentiere eine Woche lang verschiedene Wege in Deinem Alltag und entwickle einen realistischen Vorschlag, wie Verkehrsenergie eingespart werden könnte.
Schwer
- Stromsystem-Modell: Entwickle ein vereinfachtes Modell für einen Tag mit schwankender Wind- und Solarleistung und entscheide, wann Speicher oder flexible Verbraucher eingesetzt werden.
- Kommunale Wärmeplanung: Recherchiere die Wärmeplanung Deiner Gemeinde oder einer Nachbarstadt und bewerte, welche Wärmequellen dort realistisch erscheinen.
- Kosten und Gerechtigkeit: Untersuche anhand von mindestens drei Quellen, welche Bevölkerungsgruppen von einer energiepolitischen Maßnahme profitieren oder belastet werden könnten.
- Energiepolitik-Video: Produziere ein fünf- bis achtminütiges Erklärvideo, in dem Du eine konkrete energiepolitische Entscheidung technisch, ökologisch, wirtschaftlich und sozial bewertest.


Lernkontrolle
- Systemdenken: Erkläre, warum ein hoher Anteil erneuerbarer Energien im Stromsektor allein noch keine vollständige Energiewende bedeutet.
- Dunkelflaute: Entwickle ein Konzept, wie die Stromversorgung während mehrerer Stunden mit wenig Wind und Sonne stabil gehalten werden könnte. Begründe die Rolle von Netzen, Speichern, flexiblen Verbrauchern und Reservekapazitäten.
- Wärmepumpe und Strommix: Beurteile, wie sich ein steigender Anteil erneuerbarer Energien im Strommix auf die Klimabilanz von Wärmepumpen auswirkt.
- Verkehrswende: Vergleiche zwei Strategien für eine Stadt: vollständiger Austausch aller Verbrenner durch Elektroautos oder Ausbau von ÖPNV, Radwegen und Elektromobilität gemeinsam. Bewerte Stärken und Grenzen.
- Zielkonflikt Netzausbau: Analysiere den Konflikt zwischen schnellem Klimaschutz, Landschaftsschutz und Beteiligungsrechten bei einer neuen Stromtrasse.
- Politische Entscheidung: Entwirf drei Kriterien, nach denen eine staatliche Förderung für Energiewende-Maßnahmen sozial gerecht gestaltet werden könnte, und begründe Deine Auswahl.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis solltest Du zeigen können, dass Du technische und gesellschaftliche Zusammenhänge miteinander verbindest.
- Du kannst die Begriffe Energie, Leistung, Wirkungsgrad und Sektorenkopplung korrekt verwenden.
- Du kannst erklären, warum Wind- und Solarstrom Netze, Speicher und Flexibilität benötigen.
- Du kannst Funktionsweise und Nutzen einer Wärmepumpe beschreiben.
- Du kannst Strom-, Wärme- und Verkehrswende vergleichen.
- Du kannst aktuelle Kennzahlen immer mit Jahr und genauer Definition der Kennzahl angeben.
- Du kannst mindestens einen politischen Zielkonflikt der Energiewende aus mehreren Perspektiven bewerten.
- Du kannst zwischen Fakten, Prognosen und politischen Bewertungen unterscheiden.
- Du kannst eigene Lösungsvorschläge fachlich begründen und mögliche Nachteile benennen.
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