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Desinformation erkennen - Deutschland

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Desinformation erkennen - Deutschland



Desinformation erkennen - Deutschland

Desinformation begegnet Dir in Nachrichten, Messenger-Gruppen, Videos, Bildern, Memes und Social-Media-Posts. Dieser aiMOOC zeigt Dir, wie Du Informationen prüfst, bevor Du sie glaubst oder weiterleitest. Du lernst drei Kernfragen kennen: Wer ist die Quelle? Passt das Bild wirklich zum behaupteten Ereignis? Welche Belege tragen die Behauptung? Die Methoden sind für die Klassen 6 bis 13 abgestuft: Jüngere Lernende arbeiten mit einfachen Prüffragen, ältere zusätzlich mit Originalquellen, Statistiken, Bildverifikation und der Bewertung von Unsicherheit.


Einleitung

Desinformation sind falsche oder irreführende Informationen, die absichtlich verbreitet werden, um Menschen zu täuschen oder zu beeinflussen. Davon zu unterscheiden ist eine Fehlinformation: Sie ist ebenfalls falsch oder irreführend, wird aber ohne Täuschungsabsicht weitergegeben. Die Absicht hinter einem Post ist von außen oft schwer sicher festzustellen. Deshalb ist es sinnvoll, zunächst den Inhalt zu prüfen und bei unklarer Absicht von einer falschen oder irreführenden Information zu sprechen.

Nicht alles, was zugespitzt, einseitig oder falsch ist, ist automatisch Desinformation. Eine Meinung ist etwas anderes als eine überprüfbare Tatsachenbehauptung. Satire arbeitet bewusst mit Übertreibung. Auch seriöse Redaktionen, Behörden oder Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können Fehler machen. Entscheidend ist deshalb nicht nur der Name einer Quelle, sondern ob Aussagen nachvollziehbar belegt, transparent eingeordnet und bei Fehlern korrigiert werden.

Begriff Einfach erklärt Wichtige Prüffrage
Information Eine Mitteilung oder Aussage, die richtig, falsch oder unvollständig sein kann. Was genau wird behauptet?
Fehlinformation Eine falsche oder irreführende Information, die ohne bewusste Täuschungsabsicht weitergegeben wird. Ist die Aussage falsch oder aus dem Zusammenhang gerissen?
Desinformation Eine falsche oder irreführende Information, die gezielt zur Täuschung oder Beeinflussung verbreitet wird. Welche Belege gibt es für Inhalt und mögliche Absicht?
Meinung Eine persönliche Bewertung oder Position. Handelt es sich überhaupt um etwas, das wahr oder falsch sein kann?
Satire Humoristische oder überspitzte Darstellung, die nicht als Tatsachenbericht gemeint ist. Ist der satirische Kontext erkennbar?


Lernziele und Niveaustufen

Nach diesem aiMOOC kannst Du Quellen systematisch prüfen, Bilder und Videos in ihren ursprünglichen Zusammenhang zurückverfolgen und Behauptungen anhand von Belegen bewerten. Du lernst außerdem, Unsicherheit auszuhalten: Nicht belegt bedeutet nicht automatisch falsch, und noch unklar ist manchmal die sachlich beste Bewertung.

Niveau Schwerpunkt Erwartete Leistung
Klasse 6–8 Quelle, Datum, Bildkontext, mehrere Berichte Du kannst einfache Warnsignale erkennen und vor dem Teilen eine kurze Prüfung durchführen.
Klasse 9–10 Originalquelle, Rückwärtssuche, Faktencheck, Zitate Du kannst eine Behauptung in Prüfschritte zerlegen und Deine Bewertung mit Belegen begründen.
Klasse 11–13 Quellenketten, Statistik, Primärquellen, Unsicherheit, Manipulationsmuster Du kannst komplexe Beiträge methodisch prüfen, Grenzen der Belege benennen und ein transparentes Urteil formulieren.


Warum Desinformation wichtig ist

In Deutschland informieren sich Menschen über sehr unterschiedliche Wege: klassische Nachrichtenmedien, Webseiten, Suchmaschinen, soziale Netzwerke, Videoportale und Messenger. Digitale Inhalte können in kurzer Zeit sehr viele Menschen erreichen. Ein emotionaler Post wird oft weitergeleitet, bevor jemand seine Quelle oder den Kontext überprüft. Genau deshalb ist langsames Prüfen an der richtigen Stelle wirksamer als der Versuch, jedes Detail sofort selbst zu recherchieren.

Desinformation kann politische Debatten, gesellschaftliche Konflikte, Gesundheitsthemen, Kriege, Wahlen oder alltägliche Streitfragen betreffen. Für eine demokratische Meinungsbildung ist wichtig, dass Tatsachenbehauptungen überprüfbar bleiben und zwischen Fakten, Bewertungen und Unsicherheiten unterschieden wird. Zugleich darf Kritik an Medien, Politik oder Institutionen nicht pauschal als Desinformation abgetan werden: Kritik kann berechtigt sein und sollte ebenfalls anhand überprüfbarer Belege diskutiert werden.


Drei Grundfragen: Quelle, Bild, Behauptung

Wenn Dir ein verdächtiger Beitrag begegnet, musst Du nicht sofort alles wissen. Beginne mit drei Fragen.

Prüfebene Kernfrage Typische nächste Handlung
Quelle Wer veröffentlicht das und worauf stützt sich die Aussage? Profil, Autorenschaft, Impressum, Datum und Originalbelege prüfen.
Bild oder Video Zeigt die Aufnahme wirklich das behauptete Ereignis am behaupteten Ort und zur behaupteten Zeit? Rückwärtssuche, frühere Fundstellen, Bildbeschreibung und Kontext prüfen.
Behauptung Was genau soll wahr sein und welche Belege würden das zeigen? Aussage präzisieren, Originalquelle suchen und mit unabhängigen Quellen vergleichen.


Quellen prüfen


Wer steckt hinter einer Veröffentlichung?

Eine Quelle ist nicht nur die Webseite, auf der Du etwas findest. Frage, wer den Inhalt erstellt hat, woher die Belege stammen und wie Du zum Ursprung zurückkommst. Bei vielen professionellen oder journalistisch-redaktionellen Angeboten in Deutschland findest Du Angaben zu Verantwortlichen und Anbietern im Impressum oder in einer Anbieterkennzeichnung. Ein fehlendes Impressum kann ein Warnsignal sein, ist aber allein noch kein Beweis für eine Falschinformation.

Prüffrage Woran Du denken solltest
Wer veröffentlicht? Name, Redaktion, Organisation, Behörde, Unternehmen, Initiative oder Privatperson.
Wer hat den konkreten Beitrag geschrieben? Ist eine Autorin oder ein Autor genannt? Gibt es fachliche Zuständigkeit oder erkennbare Interessenkonflikte?
Wann wurde veröffentlicht? Alte Meldungen können heute in einem neuen Zusammenhang irreführend wirken.
Welche Belege werden genannt? Sind Dokumente, Daten, Studien, vollständige Zitate oder Originalaufnahmen verlinkt?
Kann ich die Belege öffnen? Ein Quellenname ohne überprüfbaren Inhalt ist schwächer als ein zugänglicher Originalbeleg.
Wie geht das Medium mit Fehlern um? Transparente Korrekturen und nachvollziehbare Arbeitsweisen erhöhen die Prüfbarkeit.


Seitlich lesen statt auf einer Seite festzuhängen

Wenn Du nicht weißt, ob eine Webseite vertrauenswürdig ist, lies lateral: Bleibe nicht nur auf der Seite selbst, sondern öffne weitere Tabs. Suche nach dem Namen der Organisation, nach unabhängigen Beschreibungen, nach dem ursprünglichen Dokument und nach anderen Berichten zum selben Sachverhalt. So prüfst Du nicht nur, was eine Quelle über sich selbst sagt.

Eine einfache Reihenfolge lautet: Stopp – Quelle untersuchen – bessere Berichterstattung finden – zum Ursprung zurückgehen. Besonders bei politischen oder wissenschaftlichen Aussagen ist der Weg zur Originalquelle wichtig. Ein Social-Media-Post kann eine Studie korrekt zusammenfassen, verkürzen oder verzerren. Erst das Original zeigt, was tatsächlich untersucht und mit welcher Sicherheit festgestellt wurde.


Quelle ist nicht gleich Beleg

Eine Primärquelle ist der ursprüngliche Beleg, etwa ein Gesetzestext, ein vollständiges Interview, ein amtlicher Datensatz, eine Studie oder eine Originalaufnahme. Eine Sekundärquelle ordnet solche Informationen ein, zum Beispiel ein journalistischer Bericht. Primärquellen sind nah am Ursprung, aber nicht automatisch neutral oder fehlerfrei. Sekundärquellen können Zusammenhänge erklären, müssen aber korrekt auf ihre Belege zurückführen.

Für eine gute Prüfung kombinierst Du beides: Originalbeleg plus unabhängige Einordnung. Bei einer Statistik reicht es zum Beispiel nicht, nur die Zahl zu übernehmen. Prüfe, wer erhoben hat, welcher Zeitraum gilt, wie groß die Stichprobe ist und ob Prozentwerte den passenden Bezugswert haben.


Bilder und Videos überprüfen

Bilder wirken oft wie ein direkter Beweis. Doch ein echtes Foto kann mit einer falschen Bildunterschrift geteilt werden. Es kann Jahre alt sein, an einem anderen Ort aufgenommen worden sein oder nur einen Ausschnitt zeigen. Eine Manipulation des Bildes ist dafür gar nicht nötig. Deshalb lautet die wichtigste Frage nicht nur Ist das Bild bearbeitet?, sondern zuerst Stimmt der Kontext?


Bildkontext zuerst prüfen

Lies Bildunterschrift und Beitrag getrennt voneinander. Notiere, was tatsächlich zu sehen ist und was nur behauptet wird. Ein Foto von einer großen Menschenmenge beweist beispielsweise nicht von selbst, wann, wo oder warum sich die Menschen versammelt haben.

Achte auf erkennbare Hinweise wie Straßenschilder, Gebäude, Wetter, Kleidung oder Logos. Solche Details sind Ansatzpunkte für die Recherche, aber kein endgültiger Beweis. Ein einzelner Schatten oder eine ungewöhnliche Handform ist besonders bei KI-Bildern kein zuverlässiges Urteilskriterium.


Rückwärtssuche für Bilder

Mit einer Bilder-Rückwärtssuche kannst Du nach älteren oder ähnlichen Fundstellen suchen. Geeignet sind zum Beispiel Google Lens, TinEye oder andere visuelle Suchdienste. Das Ziel ist nicht, eine Suchmaschine als Wahrheitsinstanz zu behandeln, sondern frühere Veröffentlichungen und den ursprünglichen Zusammenhang zu finden.

Schritt Vorgehen
Original sichern Öffne möglichst die höchste verfügbare Bildqualität und notiere die Fundstelle.
Rückwärtssuche starten Lade das Bild hoch oder übergib die Bildadresse an eine visuelle Suchmaschine.
Älteste sinnvolle Fundstellen prüfen Suche nach Veröffentlichungen, die zeitlich vor dem aktuellen Post liegen.
Bilddetails vergleichen Prüfe Ausschnitt, Spiegelung, Beschriftung, Perspektive und mögliche Bearbeitungen.
Kontext lesen Vergleiche Ort, Datum, Ereignis und Urheberangaben der früheren Fundstellen.
Ergebnis absichern Nutze möglichst mehr als eine Fundstelle oder eine belastbare Originalquelle.


Metadaten richtig einordnen

Digitale Fotos können Metadaten enthalten, zum Beispiel Aufnahmezeit, Kameramodell oder manchmal GPS-Koordinaten. Diese Informationen können helfen, sind aber nicht automatisch vorhanden und nicht automatisch korrekt. Beim Hochladen auf Plattformen können Metadaten entfernt werden; sie können außerdem verändert oder durch Bearbeitung unbrauchbar werden. Metadaten sind daher ein Hinweis unter mehreren, kein alleiniger Wahrheitsbeweis.

Auf Wikimedia Commons werden bei vielen Dateien Metadaten auf der Dateibeschreibungsseite angezeigt. Das ist zugleich eine gute Übung: Vergleiche Dateibeschreibung, Urheber, Datum, Lizenz und technische Metadaten und überlege, welche Angaben wirklich etwas über den Bildkontext aussagen.


KI-Bilder und Deepfakes

Generative KI kann Bilder, Ton und Videos erzeugen oder verändern. Ein Deepfake lässt Personen scheinbar etwas sagen oder tun, das so nicht stattgefunden hat. Sichtbare Fehler können Hinweise liefern, werden aber mit besserer Technik weniger zuverlässig. Verlasse Dich deshalb nicht auf eine Checkliste wie „zu viele Finger = KI“.

Stärker ist die Herkunftsprüfung: Wo wurde die Datei zuerst veröffentlicht? Gibt es eine glaubwürdige Originalaufnahme? Berichten mehrere voneinander unabhängige Quellen über das Ereignis? Existiert ein vollständiger Clip statt nur eines kurzen Ausschnitts? Gibt es nachvollziehbare Angaben zu Zeitpunkt und Entstehung? Auch automatische KI-Detektoren können Fehler machen und sollten nicht als alleiniger Beweis eingesetzt werden.


Videos überprüfen

Bei Videos kommt zur Bildprüfung die Zeit hinzu. Suche nach der längeren Originalfassung und nicht nur nach einem kurzen Ausschnitt. Prüfe, ob Ton und Bild zusammengehören, ob Untertitel ein korrektes Zitat wiedergeben und ob Schnitte den Sinn verändern. Für Fortgeschrittene kann es helfen, einzelne Schlüsselbilder aus einem Video zu nehmen und diese separat rückwärts zu suchen. Werkzeuge wie InVID unterstützen professionelle Verifikation, ersetzen aber nicht die Bewertung der gefundenen Quellen.


Behauptungen bewerten

Bevor Du recherchierst, formuliere die prüfbare Kernaussage. Viele Posts mischen Fakten, Meinung, Spekulation und Wertung. Eine Recherche wird leichter, wenn Du diese Teile trennst.

Aussageart Beispiel Prüfbar?
Tatsachenbehauptung „Die Behörde veröffentlichte am Dienstag einen Bericht.“ Ja, durch Dokumente, Termine oder andere belastbare Quellen.
Meinung „Der Bericht ist enttäuschend.“ Nicht als wahr oder falsch; die Begründung kann aber geprüft werden.
Prognose „Die Maßnahme wird nächstes Jahr alles verbessern.“ Noch nicht als eingetretene Tatsache prüfbar; Annahmen und Datenbasis können bewertet werden.
Gemischte Aussage „Die Zahlen sind gestiegen, deshalb ist die Politik gescheitert.“ Die Zahlen sind prüfbar; die Schlussfolgerung ist eine Bewertung.


Der Prüfplan für eine Behauptung

Formuliere zuerst einen Satz, der genau das enthält, was geprüft werden soll. Suche dann möglichst nach dem Originalbeleg. Bei einem angeblichen Zitat suchst Du die vollständige Rede oder das Interview. Bei einer Zahl suchst Du den Datensatz oder Bericht. Bei einem Gesetz suchst Du den offiziellen Gesetzestext oder die zuständige Behörde. Danach prüfst Du, ob andere unabhängige und fachlich geeignete Quellen zum gleichen Ergebnis kommen.

Wichtig ist der Unterschied zwischen fehlendem Beleg und Gegenbeleg. Wenn Du keinen Beleg findest, darfst Du nicht automatisch „falsch“ schreiben. Formuliere stattdessen zum Beispiel: „Für diese Aussage habe ich in den geprüften Quellen keinen belastbaren Beleg gefunden.“ Erst ein klarer Gegenbeleg erlaubt ein stärkeres Urteil.


Eine sinnvolle Bewertungsskala

Bewertung Bedeutung
Belegt Die konkrete Behauptung wird durch passende und nachvollziehbare Belege getragen.
Teilweise belegt Ein Teil stimmt, ein anderer Teil bleibt offen oder ist ungenau.
Unklar Die vorhandenen Informationen reichen für ein belastbares Urteil nicht aus.
Irreführend Einzelne Angaben können stimmen, erzeugen aber durch Auslassung, falschen Kontext oder verzerrte Darstellung einen falschen Eindruck.
Falsch Belastbare Belege widersprechen der konkreten Tatsachenbehauptung.

Diese Skala ist kein Automatismus. Gute Faktenchecks erklären immer, warum eine Bewertung vergeben wird und welche Quellen dafür ausschlaggebend sind.


Zahlen und Statistiken prüfen

Zahlen sehen objektiv aus, können aber durch Auswahl oder Darstellung täuschen. Prüfe bei Prozentwerten den Bezugswert: „50 Prozent mehr“ klingt groß, kann aber zum Beispiel einen Anstieg von zwei auf drei Fälle bedeuten. Prüfe außerdem Zeitraum, Einheit, Stichprobengröße, Erhebungsmethode und Vergleichsgruppe. Bei Diagrammen lohnt sich ein Blick auf Achsenanfang und Skalierung.

Für die Klassen 11–13 gehört auch die Frage dazu, ob aus einem Zusammenhang vorschnell eine Ursache gemacht wird. Zwei Entwicklungen können gleichzeitig auftreten, ohne dass die eine die andere verursacht.


Typische Manipulationsmuster

Einzelne Warnsignale beweisen noch keine Desinformation. Mehrere Auffälligkeiten können aber zeigen, dass eine gründliche Prüfung nötig ist. Besonders hilfreich ist es, nicht nur einzelne Posts zu kennen, sondern wiederkehrende Methoden.

Datei:Infografik zu Desinformation und Fake News.pdf

Muster Was passiert? Prüffrage
Rosinenpickerei Nur passende Zahlen oder Beispiele werden gezeigt, widersprechende Informationen fehlen. Welche Daten wurden weggelassen?
Falsche Autorität Eine Person wird als Expertin oder Experte präsentiert, obwohl die Fachkenntnis zum konkreten Thema unklar ist. Welche nachprüfbare Expertise liegt für genau dieses Thema vor?
Aus dem Kontext gerissen Ein echtes Zitat, Bild oder Video wird in einen neuen Zusammenhang gesetzt. Wo finde ich das vollständige Original?
Falsches Dilemma Es werden nur zwei Möglichkeiten dargestellt, obwohl weitere existieren. Welche Alternativen fehlen?
Emotionale Zuspitzung Wörter wie „Schock“, „Skandal“ oder „sie verschweigen alles“ sollen schnelle Reaktionen auslösen. Welche überprüfbaren Informationen bleiben übrig, wenn ich die Wertung entferne?
Verschwörungsbehauptung Widersprechende Belege werden pauschal als Teil einer geheimen Täuschung erklärt. Welche Beobachtung könnte die Behauptung überhaupt widerlegen?


Emotionen, Reichweite und Teilen

Wut, Angst, Überraschung und Schadenfreude können dazu führen, dass Menschen schnell reagieren. Genau deshalb ist ein starker Gefühlsimpuls ein guter Anlass für eine Prüfpause. Emotionale Sprache ist aber kein Beweis für Falschheit: Auch echte Nachrichten können erschreckend oder bewegend sein.

Likes, Aufrufe und viele Wiederholungen zeigen vor allem Reichweite, nicht Wahrheit. Wenn tausend Konten dieselbe Behauptung teilen, kann sie trotzdem auf eine einzige unbelegte Quelle zurückgehen. Suche deshalb nach unabhängigen Belegen statt nur nach vielen Wiederholungen.


Die STOPP-Regel für den Alltag

Du kannst Dir für Chats und Social Media eine kurze Regel merken:

Buchstabe Handlung
S – Stopp Nicht sofort teilen, wenn etwas überraschend, empörend oder zu perfekt passend wirkt.
T – Trennen Tatsachenbehauptung, Meinung, Bild und emotionale Wertung auseinanderhalten.
O – Original suchen Zum vollständigen Dokument, Video, Datensatz oder zur ursprünglichen Veröffentlichung zurückgehen.
P – Prüfen Quelle, Datum, Bildkontext, Zitate und Belege kontrollieren.
P – Parallel abgleichen Mit mindestens einer weiteren fachlich geeigneten und möglichst unabhängigen Quelle vergleichen.


Geprüfte Anlaufstellen in Deutschland

Faktencheck-Angebote können Dir Arbeit abnehmen, sind aber ebenfalls Quellen, deren Begründung Du lesen solltest. Ein guter Faktencheck nennt die konkrete Behauptung, verlinkt Belege, erklärt die Recherche und macht Unsicherheiten sichtbar. Er ersetzt nicht Dein Denken, sondern macht eine Prüfung nachvollziehbar.

Angebot Wofür es nützlich ist
Bundeszentrale für politische Bildung Hintergrundwissen zu Desinformation, Medienkompetenz und politischer Bildung; viele Materialien für Schule und Unterricht.
klicksafe Altersgerechte Informationen, Übungen und Materialien zu Fake News, Deepfakes und sicherer Mediennutzung.
Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik Hinweise zu digitalen Täuschungen, Deepfakes und sicherer Nutzung digitaler Technologien.
ARD-faktenfinder Journalistischer Faktencheck zu aktuellen Behauptungen und viralen Inhalten.
CORRECTIV.Faktencheck Recherchen zu verbreiteten Falschbehauptungen mit Quellen und Erklärungen.
dpa-Faktencheck Behauptungschecks mit transparenten Quellen, Korrekturregeln und Verifikationsmethoden.


Übungsfall: Ein viraler Schul-Post

Frei erfundenes Übungsbeispiel: In einer Messenger-Gruppe taucht ein Screenshot mit der Behauptung auf: „EILMELDUNG: Ab morgen wird jede Klassenarbeit in Deutschland automatisch von KI benotet. Das Bildungsministerium hat es beschlossen.“

Teile den Screenshot nicht weiter. Formuliere zuerst die überprüfbare Behauptung: Ab morgen gilt bundesweit eine verbindliche Regel, nach der alle Klassenarbeiten automatisch von KI benotet werden. Dann frage: Welches Ministerium ist gemeint? Wo ist der Beschluss? Gilt die Aussage wirklich für alle Bundesländer und Schulformen? Gibt es eine offizielle Veröffentlichung? Berichten mehrere seriöse Quellen darüber? Stammt der Screenshot aus einer echten Nachrichtenseite oder imitiert er nur deren Aussehen?

Wenn Du keinen offiziellen Beschluss und keine belastbare Bestätigung findest, lautet das saubere Zwischenurteil nicht „hundertprozentig erfunden“, sondern zunächst: nicht belegt. Findest Du einen offiziellen Text, der der Behauptung ausdrücklich widerspricht, kannst Du stärker bewerten. So vermeidest Du, aus einer erfolglosen Suche einen Beweis zu machen.


Sicher und fair mit Falschinformationen umgehen

Wenn Du einen fragwürdigen Inhalt im Unterricht untersuchst, verbreite ihn nicht unnötig weiter. Arbeite möglichst mit Screenshots, entferne personenbezogene Daten und kennzeichne deutlich, dass es sich um ein Prüfbeispiel handelt. Bei verstörenden, gewalttätigen oder menschenfeindlichen Inhalten sollte die Lehrkraft geeignete Beispiele auswählen; eine vollständige Eigenrecherche ist hier nicht immer sinnvoll.

Korrigiere andere möglichst sachlich. Nenne zuerst die besser belegte Information, erkläre dann kurz den Irrtum und zeige den Beleg. Eine Person bloßzustellen hilft meist weniger als eine nachvollziehbare Prüfung. Ziel ist nicht, „zu gewinnen“, sondern gemeinsam näher an eine gut begründete Aussage zu kommen.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was unterscheidet Desinformation am deutlichsten von einer Fehlinformation? (Die absichtliche Täuschung oder Beeinflussung) (!Die Verwendung eines Bildes) (!Die Veröffentlichung im Internet) (!Eine kurze Überschrift)




Was solltest Du bei einem überraschenden Social-Media-Post zuerst tun? (Nicht sofort teilen und die Quelle prüfen) (!Nur die Anzahl der Likes ansehen) (!Die Überschrift kopieren und weiterleiten) (!Davon ausgehen dass ein Screenshot echt ist)




Wozu dient eine Bilder-Rückwärtssuche vor allem? (Frühere Fundstellen und den Bildkontext zu finden) (!Die Bildauflösung automatisch zu erhöhen) (!Jedes KI-Bild sicher zu erkennen) (!Kommentare unter dem Bild zu löschen)




Warum sind Metadaten allein kein sicherer Wahrheitsbeweis? (Sie können fehlen verändert oder entfernt worden sein) (!Sie bestehen nur aus Farben) (!Sie zeigen immer eine politische Meinung) (!Sie funktionieren nur bei gedruckten Zeitungen)




Welche Aussage ist am ehesten eine überprüfbare Tatsachenbehauptung? (Die Behörde veröffentlichte gestern einen Bericht) (!Der Bericht ist langweilig) (!Die Maßnahme ist unfair) (!Dieses Thema ist das wichtigste überhaupt)




Was ist bei einem angeblichen Zitat besonders wichtig? (Das vollständige Original und den Zusammenhang zu suchen) (!Nur den kürzesten Ausschnitt zu lesen) (!Die Schriftart des Posts zu bewerten) (!Nur nach zustimmenden Kommentaren zu suchen)




Was bedeutet die Bewertung nicht belegt? (Die geprüften Quellen reichen für eine Bestätigung nicht aus) (!Die Behauptung ist automatisch bewiesen falsch) (!Die Behauptung ist automatisch wahr) (!Die Quelle muss gelöscht werden)




Was zeigt eine hohe Zahl von Likes am sichersten? (Dass ein Beitrag viel Aufmerksamkeit erhalten hat) (!Dass jede Aussage im Beitrag wahr ist) (!Dass die Quelle unabhängig ist) (!Dass das Bild unverändert ist)




Was ist bei Prozentangaben besonders wichtig? (Den Bezugswert und den Zeitraum zu prüfen) (!Nur die größte Zahl zu markieren) (!Alle Prozentangaben als falsch anzusehen) (!Die Quelle durch Kommentare zu ersetzen)




Welche Vorgehensweise stärkt einen Faktencheck am meisten? (Originalbelege mit unabhängigen Quellen abzugleichen) (!Nur eine einzige Webseite zu lesen) (!Nur nach Informationen zu suchen die zur eigenen Meinung passen) (!Ein Urteil vor der Recherche festzulegen)





Memory

Desinformation absichtliche Täuschung
Fehlinformation unabsichtlicher Fehler
Impressum Anbieterangaben
Rückwärtssuche frühere Bildfundstellen
Metadaten Zusatzinformationen zur Datei
Primärquelle ursprünglicher Beleg
Kontext Zusammenhang einer Aufnahme
Faktencheck nachvollziehbare Prüfung





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Quelle Urheber und Verantwortlichkeit
Datum Aktualität der Information
Bildkontext Aufnahmeort und Aufnahmezeit
Originalbeleg ursprüngliches Dokument oder Material
Quervergleich unabhängige Bestätigung
Behauptung überprüfbare Kernaussage
Prüfpause erst kontrollieren dann teilen




...


Kreuzworträtsel

Impressum Wo findest Du bei vielen professionellen Webseiten Angaben zu Verantwortlichen und Anbietern?
Kontext Welcher Zusammenhang aus Ort Zeit und Anlass muss bei Bildern geprüft werden?
Quelle Wie nennt man die Herkunft einer Information?
Metadaten Wie heißen Zusatzinformationen einer Datei wie Aufnahmezeit oder Kameramodell?
Satire Welche humoristische Form arbeitet bewusst mit Übertreibung?
Faktencheck Wie heißt die nachvollziehbare Prüfung einer öffentlichen Behauptung?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Eine absichtlich zur Täuschung verbreitete falsche oder irreführende Information heißt

.
Eine unabsichtlich weitergegebene falsche Information nennt man

.
Vor dem Teilen eines überraschenden Posts solltest Du zuerst die

prüfen.
Bei Bildern hilft eine

, frühere Fundstellen zu entdecken.
Ein echtes Foto kann durch einen falschen

irreführend werden.
Technische Zusatzinformationen einer Bilddatei heißen

.
Bei einem Zitat solltest Du möglichst das vollständige

finden.
Eine persönliche Bewertung ist eine

und nicht auf dieselbe Weise wahr oder falsch wie eine Tatsachenbehauptung.
Wenn die Belege für ein Urteil nicht ausreichen, ist die Bewertung

angemessen.
Bei Prozentangaben muss der

geprüft werden.
Viele Likes zeigen vor allem

und nicht automatisch Wahrheit.
Ein guter Faktencheck macht seine

nachvollziehbar.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Quellencheck: Wähle einen unproblematischen Nachrichtenbeitrag aus und notiere Autor oder Redaktion, Datum, genannte Quellen und einen Originalbeleg.
  2. Bildkontext: Suche auf Wikimedia Commons ein Foto mit ausführlicher Dateibeschreibung und erkläre, welche Angaben Dir helfen, Ort, Zeit und Urheber zu verstehen.
  3. Meinung und Tatsache: Formuliere zu einem Schulthema drei Meinungen und drei überprüfbare Tatsachenbehauptungen und begründe die Zuordnung.
  4. STOPP-Regel: Gestalte ein kleines Merkblatt oder Poster zur STOPP-Regel für Deine Klasse.


Standard

  1. Rückwärtssuche: Nutze ein frei lizenziertes Bild und dokumentiere, welche früheren oder ähnlichen Fundstellen eine Bilder-Rückwärtssuche liefert.
  2. Zitatprüfung: Suche ein öffentlich zugängliches Zitat aus einem vollständigen Interview oder einer Rede und vergleiche Original, Überschrift und einen verkürzten Ausschnitt.
  3. Faktencheck-Vergleich: Vergleiche zwei Faktenchecks zur selben oder zu ähnlichen Methoden. Untersuche Quellen, Transparenz, Begründung und Umgang mit Unsicherheit.
  4. Statistikprüfung: Suche eine öffentlich zugängliche Statistik und erkläre Bezugswert, Zeitraum, Einheit, Erhebungsart und mögliche Fehlinterpretationen.


Schwer

  1. Verifikationsprotokoll: Prüfe einen von der Lehrkraft ausgewählten viralen Beitrag systematisch und dokumentiere jeden Rechercheschritt, auch Sackgassen und Unsicherheiten.
  2. Quellenkette: Verfolge eine Zahl aus einem Social-Media-Post über einen Medienbericht bis zur ursprünglichen Studie oder amtlichen Statistik zurück und markiere, wo Informationen verkürzt wurden.
  3. Bildforensik: Untersuche ein von der Lehrkraft bereitgestelltes Bild mit Rückwärtssuche, Dateibeschreibung, Metadaten und Kontextrecherche. Formuliere ein Urteil mit Sicherheitsgrad.
  4. Faktencheck-Video: Produziere ein kurzes Erklärvideo, in dem Du eine frei erfundene Übungsbehauptung prüfst, Originalquellen zeigst und deutlich zwischen belegt, unklar und falsch unterscheidest.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Transferfall Quelle: Du erhältst zwei Webseiten mit derselben Behauptung. Entwickle Kriterien, mit denen Du entscheidest, welche Quelle besser überprüfbar ist, ohne nur auf Bekanntheit zu achten.
  2. Transferfall Bild: Ein altes Foto wird mit einer neuen Bildunterschrift geteilt. Beschreibe eine Prüfkette, mit der Du den ursprünglichen Kontext rekonstruierst, und begründe die Reihenfolge Deiner Schritte.
  3. Transferfall Statistik: Eine Grafik zeigt einen starken Anstieg. Erkläre, welche Informationen Du brauchst, bevor Du daraus eine gesellschaftliche Entwicklung ableitest.
  4. Transferfall Unsicherheit: Nach gründlicher Suche findest Du weder einen Beleg noch einen Gegenbeleg. Formuliere ein verantwortungsvolles Zwischenurteil und erkläre, warum „falsch“ noch nicht angemessen sein muss.
  5. Transferfall KI: Ein Video könnte ein Deepfake sein. Entwirf eine Prüfung, die nicht nur nach sichtbaren Bildfehlern sucht, sondern Herkunft, Originalmaterial und unabhängige Bestätigungen einbezieht.
  6. Transferfall Korrektur: Eine Mitschülerin teilt versehentlich eine falsche Meldung. Formuliere eine sachliche Reaktion, die die richtige Information zuerst nennt, den Irrtum knapp erklärt und einen überprüfbaren Beleg anbietet.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Warnsignale aufzählst, sondern eine nachvollziehbare Methode anwenden kannst.

  1. Prüfbare Behauptung: Du kannst aus einem komplexen Beitrag die konkrete Tatsachenbehauptung herausarbeiten.
  2. Quellenkritik: Du kannst Autorenschaft, Verantwortlichkeit, Datum, Belege und Interessen einer Quelle untersuchen.
  3. Originalquelle: Du kannst einen Beitrag möglichst bis zum ursprünglichen Dokument, Datensatz, Bild oder Video zurückverfolgen.
  4. Bildverifikation: Du kannst Rückwärtssuche, Kontext und Metadaten sinnvoll kombinieren und ihre Grenzen erklären.
  5. Faktenbewertung: Du kannst zwischen belegt, teilweise belegt, unklar, irreführend und falsch begründet unterscheiden.
  6. Statistikkompetenz: Du kannst Bezugswert, Zeitraum, Einheit und Erhebungsmethode einer Zahl prüfen.
  7. Unsicherheit: Du kannst offen benennen, was die Quellen nicht zeigen, statt Lücken mit Vermutungen zu füllen.
  8. Dokumentation: Du kannst Deine Recherche so festhalten, dass andere die wichtigsten Schritte und Belege nachvollziehen können.




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