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Der reichste Fürst (Württemberger Lied) - Gotthilf Fischer und seine Chöre

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Der reichste Fürst (Württemberger Lied) - Gotthilf Fischer und seine Chöre




Einleitung

Der reichste Fürst – häufig nach seiner Anfangszeile auch „Preisend mit viel schönen Reden“ genannt – ist ein historisches Württemberger Lied nach einer Ballade von Justinus Kerner. Der Text entstand 1818 und blickt auf eine sagenhaft ausgestaltete Begebenheit um Eberhard im Bart und den Reichstag zu Worms 1495 zurück. Im Mittelpunkt steht nicht materieller Reichtum, sondern die Vorstellung, ein Herrscher sei dann „reich“, wenn zwischen ihm und der Bevölkerung Vertrauen bestehe.

Die bekannte Aufnahme von Gotthilf Fischer und seinen Chören verbindet diese ältere Liedtradition mit der südwestdeutschen Chorkultur des 20. Jahrhunderts. Die 2002 veröffentlichte Aufnahme auf dem Album Die Strasse der Lieder wurde von Erich Becht arrangiert. Sie eignet sich besonders dazu, über Chorgesang, Regionale Identität, Erinnerungskultur, Volkslied und den Unterschied zwischen historischer Überlieferung und historischer Tatsache nachzudenken.

Das Foto zeigt den Chorleiter Gotthilf Fischer 2006. Die Datei ist auf Wikimedia Commons unter einer freien Lizenz veröffentlicht.

Das eingebettete Hörbeispiel stammt vom offiziellen YouTube-Topic-Kanal von Gotthilf Fischer und wurde von Universal Music Group bereitgestellt. Die Tonaufnahme selbst ist nicht frei lizenziert; sie wird hier lediglich als externes Streaming-Hörbeispiel eingebettet. Für eigene Videos, Podcasts oder Remixe darfst Du die Aufnahme nicht ohne entsprechende Nutzungsrechte übernehmen.


Lernziele

Nach diesem aiMOOC kannst Du die Entstehung des Württemberger Lieds zeitlich einordnen, historische und sagenhafte Elemente unterscheiden, die Funktion des Lieds für regionale Identität erklären und wichtige Merkmale eines gemeinschaftlich ausgerichteten Chorsatzes beschreiben. Du kannst außerdem eine historische Liedaufnahme quellenkritisch untersuchen und begründen, warum gemeinschaftliches Singen Zugehörigkeit erzeugen kann, ohne dass alle Singenden den historischen Aussagen des Textes zustimmen müssen.


Werkprofil

Aspekt Information
Titel Der reichste Fürst; bekannt auch nach der Anfangszeile Preisend mit viel schönen Reden
Text Justinus Kerner, 1818
Historischer Bezug Eberhard im Bart, Württemberg und der Reichstag zu Worms 1495
Melodie traditionelle Melodie, die bereits mit dem Lied In des Waldes tiefsten Gründen verbunden war
Liedtyp Strophenlied, historisches Regional- und Gemeinschaftslied
Bekannte Interpretation Gotthilf Fischer und seine Chöre
Veröffentlichung der behandelten Fischer-Aufnahme 2002, Die Strasse der Lieder, Koch/Universal Music
Arrangement der Fischer-Aufnahme Erich Becht
Urheberrecht Kerners Text und die historische Melodie sind gemeinfrei; die konkrete Tonaufnahme und das Arrangement von 2002 sind dagegen urheberrechtlich beziehungsweise leistungsschutzrechtlich geschützt


Entstehungsgeschichte


Eberhard im Bart und das Jahr 1495

Eberhard im Bart lebte von 1445 bis 1496. Er regierte zunächst den Uracher Teil Württembergs und vereinigte 1482 im Münsinger Vertrag die zuvor getrennten württembergischen Landesteile wieder. Auf dem Reichstag zu Worms erhob König Maximilian I. Württemberg 1495 zum Herzogtum; Eberhard wurde damit der erste Herzog von Württemberg.

Das Bild zeigt Eberhard im Bart in einer Darstellung, die auf die Zeit um 1495 zurückgeht. Historische Porträts wie dieses helfen bei der Veranschaulichung, sind aber keine fotografischen Abbilder.

Die historische Darstellung zeigt die Erhebung Eberhards zum Herzog durch Maximilian I. in Worms. Das dargestellte Ereignis ist historisch; die im Lied erzählte Gesprächsszene der Fürsten ist dagegen Teil einer später tradierten Erzählung.


Von der historischen Begebenheit zur Sage

Kerners Ballade arbeitet mit einer Geschichte, die in der frühen Neuzeit überliefert wurde: Mehrere Fürsten sollen bei einem Festmahl über die Vorzüge ihrer Länder gesprochen haben. Eberhard habe darauf verwiesen, dass er seinen Untertanen so sehr vertrauen könne, dass er selbst im Wald bei ihnen sicher wäre. Die Ballade steigert diesen Gedanken zum moralischen Gegensatz zwischen materiellem Reichtum und sozialem Vertrauen.

Wichtig ist die Quellenkritik: Das Gedicht ist keine unmittelbare Quelle von 1495. Es wurde mehr als drei Jahrhunderte später geschrieben. Auch einzelne Figuren des Fürstengesprächs passen nicht exakt zur politischen Situation des Jahres 1495. Du solltest die Ballade deshalb als literarische Bearbeitung einer historischen Erinnerung lesen und nicht als Protokoll eines tatsächlichen Gesprächs.


Justinus Kerner und das Jahr 1818

Justinus Kerner lebte von 1786 bis 1862 und gehört zur schwäbischen Romantik. Er war Arzt und Schriftsteller. Seine Ballade Der reichste Fürst entstand 1818, also in einer Zeit, in der das Königreich Württemberg erst wenige Jahre bestand und Fragen nach Verfassung, Herrschaft und dem Verhältnis zwischen Monarchie und Bevölkerung intensiv diskutiert wurden.

Kerners Text kann deshalb auf zwei Zeitebenen gelesen werden: Er erzählt von einem spätmittelalterlichen Fürsten, spricht aber zugleich zu Leserinnen und Lesern des frühen 19. Jahrhunderts. Landesgeschichtliche Darstellungen interpretieren das Ideal des vertrauensvollen Verhältnisses zwischen Herrscher und Bevölkerung auch als Kommentar zu den politischen Vorstellungen von Kerners eigener Zeit.

Im Kernerhaus in Weinsberg lebte der Dichter viele Jahre. Solche Erinnerungsorte zeigen, wie Literatur, Regionalgeschichte und kulturelles Gedächtnis miteinander verbunden werden.


Text und Melodie werden zum Württemberger Lied

Die Melodie war nicht eigens für Kerners Gedicht komponiert worden. Sie war zuvor bereits mit dem Volkslied In des Waldes tiefsten Gründen verbunden und wurde 1801 gedruckt überliefert. Der früheste bekannte gemeinsame Druck von Kerners Text und dieser Melodie wird auf 1823 datiert.

Damit entstand ein typischer Prozess der Volksliedtradition: Ein Text und eine bereits bekannte Melodie werden verbunden, in Liederbüchern verbreitet, gemeinsam gesungen und über Generationen weitergegeben. Im 19. Jahrhundert erschien das Lied in zahlreichen Lieder- und Kommersbüchern sowie später in Schulliederbüchern.

Die Illustration stammt aus einer Liedersammlung von 1844 und zeigt, wie früh das Lied mit Bildern von Fürst, Stadt, Weinbau und Bergbau verbunden wurde. Das Bild ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie Liederbücher regionale Vorstellungen nicht nur durch Text und Musik, sondern auch visuell verbreiteten.


Inhaltserschließung


Was bedeutet „reich“?

Kerners Ballade ist als Steigerung gebaut. Verschiedene Fürsten nennen wirtschaftliche oder landschaftliche Vorzüge: Bergbau, Landwirtschaft, Wein, Städte und Klöster. Eberhard stellt diesen materiellen Gütern einen anderen Wert gegenüber: die Loyalität seiner Bevölkerung.

Die Anfangszeile lautet kurz: „Preisend mit viel schönen Reden“. Später verdichtet sich die Aussage in dem Bild, Eberhard könne sein Haupt „jedem Untertan in Schoß“ legen. Am Ende wird er als der „reichste“ Fürst bezeichnet. Diese kurzen Zitate genügen, um den Gedankengang zu erschließen; ein vollständiger Liedtext ist für die Analyse nicht notwendig.

Der zentrale Begriff Reichtum verändert im Verlauf der Ballade seine Bedeutung. Zunächst meint er Bodenschätze, Ernte, Wein und Städte. Am Schluss steht er für Vertrauen. Diese Bedeutungsverschiebung ist das wichtigste literarische Strukturprinzip des Textes.


Historische Sprache verstehen

Einige Wörter wirken heute ungewohnt. „Untertan“ bezeichnet in der vormodernen Ständegesellschaft einen Menschen, der der Herrschaft eines Fürsten unterstand. Der Begriff entspricht nicht der heutigen Vorstellung gleichberechtigter Bürgerrechte. „Kleinod“ bedeutet einen besonders wertvollen Schatz. Wenn Kerner Vertrauen als „Kleinod“ beschreibt, benutzt er eine Metapher.

Das Lied ist deutschsprachig. Eine Übersetzung in eine Fremdsprache ist daher nicht erforderlich. Für das Verständnis ist jedoch eine sinngemäße Übertragung älterer Begriffe in heutiges Deutsch sinnvoll.


Die Erzählperspektive

Die Ballade lässt mehrere Fürsten nacheinander sprechen. Dadurch entsteht eine kleine dramatische Szene. Die Figuren konkurrieren zunächst um den materiellen Wert ihrer Länder. Eberhards Antwort verändert den Maßstab des Vergleichs. Die Schlussreaktion der anderen Fürsten bestätigt die moralische Pointe.

Du kannst den Text deshalb zugleich als Ballade, als historisierende Erzählung und als regionales Identitätslied untersuchen.


Regionale Identität und Erinnerungskultur


Württemberg ist nicht Baden-Württemberg

Das Lied wird oft als inoffizielle württembergische Hymne bezeichnet. Es ist jedoch keine offizielle Hymne des heutigen Landes Baden-Württemberg. Das ist ein wichtiger Unterschied. Baden-Württemberg entstand 1952 aus Baden, Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern. Die historische Region Württemberg ist nur ein Teil dieses heutigen Bundeslandes.

Wenn das Lied heute gesungen wird, kann es regionale Verbundenheit ausdrücken. Diese Verbundenheit ist kulturell, historisch und emotional. Sie muss nicht bedeuten, dass Singende die monarchische Gesellschaftsordnung des Textes befürworten.


Identität wird gemacht

Regionale Identität entsteht nicht nur durch Grenzen oder Verwaltung. Sie wird auch durch Geschichten, Symbole, Dialekte, Feste, Denkmäler und gemeinsames Singen hergestellt. Ein Lied kann dabei wie ein kulturelles Gedächtnis funktionieren: Menschen erinnern sich gemeinsam an eine bestimmte Erzählung über ihre Region.

Das Württemberger Lied bietet ein positives Selbstbild an: Nicht Bodenschätze oder Größe sollen Württemberg auszeichnen, sondern Verlässlichkeit und Vertrauen. Dieses Selbstbild ist eine kulturelle Konstruktion. Historische Forschung fragt deshalb sowohl: Was erzählt das Lied? als auch: Warum wurde gerade diese Erzählung weitergegeben?


Die Eberhardsgruppe als Denkmal zum Lied

Die von Paul Müller zwischen 1879 und 1881 geschaffene Eberhardsgruppe in Stuttgart setzt die berühmte Vertrauensszene der Ballade in Stein um. Das Denkmal zeigt damit nicht einfach ein nachweisbares historisches Ereignis, sondern eine literarisch geprägte Erinnerung.

Das ist ein gutes Beispiel für Erinnerungskultur: Ein Gedicht beeinflusst ein Denkmal, das Denkmal verstärkt wiederum die Bekanntheit des Gedichts. Text, Bild, Raum und gemeinsames Singen stabilisieren gemeinsam eine regionale Erzählung.


Gotthilf Fischer und seine Chöre

Gotthilf Fischer lebte von 1928 bis 2020. Er wurde als Chorleiter großer Gemeinschaftschöre bekannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann er mit dem Gesangverein Concordia in Deizisau. Später verband er mehrere eigenständige Chöre zu den Fischer-Chören. Große Fernsehauftritte, Konzertreisen und die Sendung Straße der Lieder machten das gemeinschaftliche Singen zu seinem Markenzeichen.

Der SWR beschrieb Fischers Repertoire als breit gefächert: Es reichte von geistlicher Musik über Volkslieder bis zu populären Liedern. Für das Württemberger Lied ist diese Verbindung besonders passend, weil das Stück selbst zwischen Volkslied, regionalem Symbol und öffentlichem Gemeinschaftsgesang steht.


Die Aufnahme von 2002

Die hier behandelte Aufnahme erschien 2002 auf Die Strasse der Lieder bei Koch/Universal Music. Der offizielle YouTube-Upload nennt Justinus Kerner als Autor, „Traditional“ als musikalische Quelle und Erich Becht als Arrangeur. Die Aufnahme dauert ungefähr vier Minuten und achtzehn Sekunden.

Die Angabe des Arrangeurs ist wichtig: Eine historische Melodie kann gemeinfrei sein, während eine moderne Bearbeitung eigene urheberrechtlich geschützte Elemente enthält. Dasselbe gilt für die Tonaufnahme: Selbst wenn Text und historische Melodie gemeinfrei sind, darf die 2002 produzierte Aufnahme nicht einfach kopiert und neu veröffentlicht werden.


Musikalische Analyse


Strophenform

Der reichste Fürst ist ein Strophenlied. Mehrere Textstrophen werden nach derselben Grundmelodie gesungen. Diese Form erleichtert das gemeinschaftliche Singen: Wer die Melodie einmal kennt, kann viele Strophen mitsingen.

Die Wiederholung unterstützt zugleich die Erzählstruktur. Während die Musik vertraut bleibt, verändert sich der Inhalt von Strophe zu Strophe. Dadurch kann die Aufmerksamkeit auf die wechselnden Sprecher und auf die Bedeutungsverschiebung des Wortes „Reichtum“ gelenkt werden.


Melodische Gestalt

Historische Drucke zeigen eine überwiegend syllabische Textvertonung: Meist trägt eine Silbe einen Ton. Das verbessert die Verständlichkeit des Textes. Die Melodie bewegt sich in gut singbaren Phrasen und besitzt einen deutlichen, liedhaften Periodencharakter.

In der Forschung und in musikhistorischen Darstellungen wird auf Ähnlichkeiten einzelner Wendungen mit der Marseillaise hingewiesen. Daraus folgt nicht, dass die Melodie einfach eine Kopie der französischen Nationalhymne wäre. Für eine sorgfältige Analyse müssen konkrete Phrasen, Rhythmus und melodische Richtung miteinander verglichen werden.


Rhythmus und gemeinschaftliches Singen

Die Melodie wird häufig im geraden Takt notiert. Ein regelmäßiger Puls, überwiegend überschaubare Notenwerte und klare Phrasen erleichtern das Mitsingen. Solche Eigenschaften sind für Lieder wichtig, die nicht nur von professionellen Ensembles, sondern auch in Vereinen, Schulen oder bei öffentlichen Anlässen gesungen werden.

Gemeinschaftsgesang benötigt musikalische Orientierungspunkte: einen deutlich wahrnehmbaren Grundschlag, vorhersehbare Phrasenenden, Atemstellen und einen Text, der rhythmisch gut verständlich bleibt.


Chorsatz

Für die Wirkung der Fischer-Chöre ist der große Ensembleklang zentral. Typisch für gemeinschaftlich ausgerichtete Chorarrangements ist eine überwiegend homophone Anlage: Die Stimmen sprechen den Text weitgehend gleichzeitig, sodass die Worte trotz großer Besetzung verständlich bleiben. Mehrstimmigkeit dient dabei eher der klanglichen Verstärkung und harmonischen Fülle als einer komplizierten kontrapunktischen Eigenständigkeit der Einzelstimmen.

Bei einer Höranalyse der Fischer-Aufnahme solltest Du genau prüfen, wann alle Stimmen gemeinsam einsetzen, ob einzelne Stimmgruppen hervortreten, wie instrumentale Begleitung und Chor zusammenwirken und wie Lautstärke oder Besetzungswechsel die Schlussaussage verstärken.

Ohne eine autorisierte Partitur sollte die genaue Stimmenführung der Aufnahme nicht aus dem Gehör „rekonstruiert“ und als Originalsatz veröffentlicht werden. Für Unterrichtszwecke genügen kurze, selbst erstellte Modelle.


Score-Beispiel 1: syllabische Gemeinschaftswirkung

Das folgende Beispiel ist neu erfunden und stammt nicht aus der Melodie von Der reichste Fürst. Es zeigt nur, wie eine einfache syllabische Linie mit regelmäßigem Puls gemeinsames Singen erleichtern kann.


\relative c' {
  \key c \major
  \time 4/4
  c4 d e e | f4 e d2 |
  e4 f g e | d2 c2
}

Achte auf die kurzen Notenwerte, die regelmäßige Viererordnung und das klare Ende. Solche Strukturen unterstützen die Orientierung einer großen Gruppe.


Score-Beispiel 2: kurzer homophoner Zweistimmensatz

Auch dieses Beispiel ist vollständig neu komponiert und keine Transkription des Fischer-Arrangements. Beide Stimmen bewegen sich rhythmisch gleichzeitig. Genau das bezeichnet man hier als homophone Satzweise.


\new ChoirStaff <<
  \new Staff {
    \relative c' {
      \key c \major
      \time 4/4
      e4 f g g | a2 g2
    }
  }
  \new Staff {
    \clef bass
    \relative c {
      \key c \major
      \time 4/4
      c4 d e e | f2 c2
    }
  }
>>

Vergleiche beim Hören des Originals: Ist die reale Aufnahme durchgehend so geschlossen, oder hörst Du Stellen, an denen Stimmgruppen, Instrumente oder dynamische Abstufungen mehr Eigenständigkeit bekommen?


Höranalyse


Offizielles Hörbeispiel der Fischer-Aufnahme

Der Upload ist von Gotthilf Fischer – Topic und laut Beschreibung von Universal Music Group bereitgestellt. Er ist deshalb als offizielles Streamingbeispiel geeignet. Für OER-Projekte darf die Audiodatei selbst jedoch nicht übernommen werden.

Untersuche beim Hören folgende Aspekte: Textverständlichkeit, Verhältnis von Melodie und Begleitung, Einsatz des Gesamtchores, Klangfülle, Dynamik, Tempoempfinden und die Wirkung des gemeinschaftlichen Singens.


Weiteres historisch-politisches Hörmaterial

Die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg stellt im Themenheft Das schönste Land – Historische Lieder aus dem deutschen Südwesten ein Hörbeispiel zu Der reichste Fürst bereit:

Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg: Historische Lieder aus dem deutschen Südwesten

Das Angebot eignet sich besonders für den Vergleich verschiedener Interpretationen. Prüfe bei jeder Aufnahme, wer sie veröffentlicht hat, aus welchem Zusammenhang sie stammt und welche Nutzungsrechte gelten.


Medien und Urheberrecht

Die in diesem aiMOOC verwendeten Bilder stammen von Wikimedia Commons und besitzen freie Lizenzen oder sind gemeinfrei. Vor einer Weiterverwendung solltest Du auf der jeweiligen Dateibeschreibungsseite Autor, Lizenz und erforderliche Namensnennung prüfen.

  1. : Foto von Ingelore Bernasconi; auf Commons unter CC BY-SA 3.0 und GFDL verfügbar.
  2. : historisches Porträt; gemeinfreies Werk.
  3. : historische Darstellung Eberhards; auf Commons als historisches Bild verfügbar.
  4. : historische Darstellung der Herzogserhebung; Public Domain Mark.
  5. : Foto der Eberhardsgruppe; CC0.
  6. : historische Liederbuchillustration; auf Commons frei lizenziert.
  7. : Foto des Kernerhauses; CC BY-SA 2.0 de.

Beim Lied selbst musst Du zwischen mehreren Rechtsebenen unterscheiden. Kerners Text ist wegen seines Todes im Jahr 1862 gemeinfrei. Die traditionelle Melodie ist ebenfalls gemeinfrei. Das moderne Arrangement von Erich Becht und die Tonaufnahme von 2002 können dagegen geschützt sein. Für eigene Produktionen kannst Du deshalb den historischen Text und die historische Melodie aus einer gemeinfreien Quelle verwenden, solltest aber nicht einfach das Arrangement oder die Aufnahme der Fischer-Chöre kopieren.


Besonderheiten des Württemberger Lieds

Die besondere Wirkung des Lieds entsteht aus dem Zusammenspiel mehrerer Ebenen. Es ist Literatur, weil Kerner eine kunstvoll zugespitzte Ballade schreibt. Es ist Geschichtskultur, weil es eine spätmittelalterliche Erinnerung verarbeitet. Es ist Musikgeschichte, weil ein älterer Text mit einer tradierten Melodie verbunden wurde. Es ist Chorkultur, weil es sich gut gemeinschaftlich singen lässt. Und es ist regionale Identitätsgeschichte, weil Württemberg darin ein positives Selbstbild erhält.

Gerade diese Mehrdeutigkeit macht das Stück für den Unterricht interessant: Du kannst es zugleich hören, historisch prüfen, sprachlich analysieren und nach seiner heutigen Bedeutung fragen.


Quellenkritische Vertiefung

Ein historisches Lied liefert nicht automatisch Fakten über die Zeit, von der es erzählt. Bei Der reichste Fürst liegen mindestens vier Zeitebenen übereinander:

  1. 1495: Reichstag zu Worms und Erhebung Württembergs zum Herzogtum.
  2. 1818: Kerner schreibt seine Ballade in einer politisch und gesellschaftlich veränderten Welt.
  3. 19. Jahrhundert: Das Lied verbreitet sich in Liedersammlungen, Schulen und studentischen Zusammenhängen.
  4. 2002: Gotthilf Fischer und seine Chöre veröffentlichen eine moderne Studioaufnahme.

Eine gute Analyse trennt diese Ebenen. Frage immer: Wann entstand die Quelle? Wer hat sie geschaffen? Welche Absicht könnte sie haben? Welche Vergangenheit stellt sie dar? Und wie wurde sie später verwendet?


Quellen und weiterführende Literatur

  1. Wikipedia: Preisend mit viel schönen Reden – Überblick zu Entstehung, historischer Sage, Melodie und Rezeption.
  2. Wikisource: Der reichste Fürst – historische Textüberlieferung und gemeinfreie Quellen.
  3. Deutsche Biographie: Justinus Kerner – biografischer und literaturgeschichtlicher Kontext.
  4. SWR: Gotthilf Fischer – Biografie, Fischer-Chöre und Straße der Lieder.
  5. Universal Music Group / Gotthilf Fischer – Topic: Der reichste Fürst – offizielles Streaming der Aufnahme; Angaben zu Veröffentlichung, Autor, Tradition und Arrangement.
  6. Spotify: Der reichste Fürst – Metadaten zur Veröffentlichung von 2002.
  7. Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg: Historische Lieder aus dem deutschen Südwesten – Unterrichtsmaterial und Hörbeispiel.
  8. Wikimedia Commons: Gotthilf-Fischer.jpg – Lizenzinformationen zum Porträt.
  9. Wikimedia Commons: Eberhardsgruppe – frei nutzbares CC0-Foto des Denkmals.
  10. Universität Tübingen: Schwabenbilder – wissenschaftlicher Kontext zu regionalen Selbstbildern und Liedkultur.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Wer schrieb 1818 die Ballade Der reichste Fürst? (Justinus Kerner) (!Friedrich Schiller) (!Eduard Mörike) (!Ludwig Uhland)




Welche historische Person steht im Mittelpunkt des Lieds? (Eberhard im Bart) (!Karl der Große) (!Friedrich Barbarossa) (!Wilhelm Tell)




Auf welches historische Ereignis bezieht sich die Ballade besonders? (Den Reichstag zu Worms 1495) (!Den Wiener Kongress 1815) (!Die Revolution von 1848) (!Die Reichsgründung 1871)




Welche Stellung erhielt Eberhard 1495? (Er wurde erster Herzog von Württemberg) (!Er wurde deutscher Kaiser) (!Er wurde König von Bayern) (!Er wurde Kurfürst von Sachsen)




Mit welchem älteren Lied war die verwendete Melodie bereits verbunden? (In des Waldes tiefsten Gründen) (!Die Gedanken sind frei) (!Kein schöner Land) (!Am Brunnen vor dem Tore)




Wie wird Der reichste Fürst häufig bezeichnet? (Als inoffizielle württembergische Hymne) (!Als offizielle Hymne Baden-Württembergs) (!Als deutsche Nationalhymne) (!Als kirchlicher Choral)




In welchem Jahr erschien die hier behandelte Fischer-Aufnahme? (2002) (!1818) (!1495) (!1952)




Wer wird beim offiziellen Streaming als Arrangeur der Fischer-Aufnahme genannt? (Erich Becht) (!Justinus Kerner) (!Gotthilf Fischer) (!Friedrich Silcher)




Was kennzeichnet ein Strophenlied? (Mehrere Strophen werden auf dieselbe Grundmelodie gesungen) (!Jede Strophe hat eine völlig neue Melodie) (!Es wird ausschließlich instrumental gespielt) (!Es besteht nur aus einem einzigen Ton)




Welche Idee bildet die Pointe der Ballade? (Vertrauen wird höher bewertet als materieller Reichtum) (!Bergbau ist wichtiger als Landwirtschaft) (!Nur große Städte machen ein Land wertvoll) (!Politische Macht hängt ausschließlich von Gold ab)





Memory

Justinus Kerner Autor der Ballade von 1818
Eberhard im Bart erster Herzog von Württemberg
Worms Ort des Reichstags von 1495
Fischer-Chöre große Chorgemeinschaft aus dem Raum Stuttgart
Strophenlied gleiche Grundmelodie für mehrere Textstrophen
Eberhardsgruppe Denkmal nach einem Motiv der Ballade





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Quellenkritik Unterscheidet historische Tatsache, Überlieferung und spätere Deutung
Regionale Identität Entsteht durch gemeinsame Symbole, Geschichten und kulturelle Praktiken
Homophonie Stimmen bewegen sich überwiegend gleichzeitig im gleichen Textrhythmus
Strophenlied Mehrere Textabschnitte nutzen dieselbe Grundmelodie
Erinnerungskultur Gesellschaftlicher Umgang mit ausgewählten Bildern der Vergangenheit






Kreuzworträtsel

Kerner Wie lautet der Nachname des Dichters von Der reichste Fürst?
Worms In welcher Stadt fand der Reichstag von 1495 statt?
Eberhard Wie hieß der im Lied besungene württembergische Herrscher?
Fischer Wie lautet der Nachname des bekannten Chorleiters?
Strophenlied Wie nennt man ein Lied mit gleicher Grundmelodie für mehrere Strophen?
Chorsatz Wie heißt die musikalische Anordnung mehrerer Chorstimmen?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Die Ballade Der reichste Fürst schrieb

im Jahr 1818. Ihr historischer Bezugspunkt ist der Reichstag zu

im Jahr 1495. Im Mittelpunkt steht Eberhard im

, der 1495 erster Herzog von Württemberg wurde. Das Lied bewertet am Ende gesellschaftliches

höher als materiellen Besitz. Musikalisch handelt es sich um ein

, bei dem mehrere Textstrophen dieselbe Grundmelodie verwenden. Die Fischer-Aufnahme erschien

bei Koch und Universal Music. Der offizielle Streaminghinweis nennt Erich

als Arrangeur. Die große gemeinsame Klangwirkung der Fischer-Chöre steht in enger Verbindung mit der Tradition des

. Für die historische Analyse ist außerdem wichtig, zwischen einer literarischen

und einem nachweisbaren Ereignis zu unterscheiden.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Hörprotokoll: Höre die Fischer-Aufnahme und notiere drei Stellen, an denen der Gesamtchor besonders geschlossen wirkt. Beschreibe jeweils Klang, Lautstärke und Textverständlichkeit.
  2. Bildanalyse: Untersuche die Eberhardsgruppe. Beschreibe Körperhaltung, Blickrichtungen und Nähe der Figuren und erkläre, wie das Denkmal die Pointe der Ballade sichtbar macht.
  3. Begriffsarbeit: Erkläre die Wörter „Untertan“, „Kleinod“ und „regional“ in heutiger Sprache und formuliere jeweils einen Beispielsatz.
  4. Zeitleiste: Gestalte eine Zeitleiste mit den Stationen 1495, 1818, 1823, dem 19. Jahrhundert und 2002. Ergänze zu jeder Station einen erklärenden Satz.


Standard

  1. Quellenvergleich: Vergleiche eine historische Darstellung Eberhards mit Kerners Ballade. Trenne nachweisbare Fakten, literarische Ausschmückung und spätere Erinnerung.
  2. Musikanalyse: Untersuche eine Strophe nach Form, Phrasierung, Rhythmus und Textdeklamation. Beschreibe nur musikalische Merkmale und notiere keine vollständige Originalmelodie.
  3. Chorarrangement: Komponiere mit der Score-Extension vier eigene Takte für zwei oder drei Stimmen, die homophon geführt werden. Verwende keine Töne aus dem Original als Vorlage.
  4. Regionale Identität: Befrage drei Personen dazu, welche Lieder, Orte, Speisen, Dialekte oder Feste sie mit ihrer Region verbinden. Werte Gemeinsamkeiten und Unterschiede aus.


Schwer

  1. Historische Kontextualisierung: Recherchiere den württembergischen Verfassungskonflikt um 1815 bis 1819 und prüfe, wie Kerners Ideal von Herrschaft und Vertrauen dazu in Beziehung gesetzt werden kann.
  2. Erinnerungskultur: Analysiere, wie Gedicht, Lied, Denkmal und moderne Aufnahme dieselbe historische Figur jeweils anders darstellen. Entwickle daraus ein Schaubild.
  3. Audioproduktion: Produziere eine eigene kurze, rechtssichere Aufnahme eines selbst geschriebenen Regional-Lieds. Nutze ausschließlich eigene Musik oder eindeutig frei lizenzierte beziehungsweise gemeinfreie Materialien.
  4. Ausstellungskonzept: Entwirf eine kleine Ausstellung mit dem Titel „Württemberg singt“. Plane fünf Stationen zu Geschichte, Literatur, Chorkultur, regionaler Identität und Medienrechten.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Quellenkritik: Begründe, warum Kerners Ballade trotz ihres historischen Schauplatzes nicht wie ein Protokoll des Reichstags von 1495 verwendet werden darf. Nenne mindestens zwei Kriterien.
  2. Transfer Regionale Identität: Übertrage das Beispiel auf ein anderes Regional- oder Vereinslied. Erkläre, mit welchen musikalischen und sprachlichen Mitteln dort Zugehörigkeit hergestellt wird.
  3. Musik und Gemeinschaft: Erkläre, warum homophone Satzweise, klare Phrasen und wiederkehrende Melodien gemeinschaftliches Singen erleichtern können.
  4. Erinnerungskultur: Zeige am Beispiel der Eberhardsgruppe, wie ein literarischer Text die öffentliche Vorstellung von Geschichte beeinflussen kann.
  5. Urheberrecht: Entwickle für ein Schulvideo einen rechtssicheren Medienplan. Unterscheide dabei gemeinfreien Text, historische Melodie, modernes Arrangement, Tonaufnahme und frei lizenzierte Bilder.
  6. Perspektivwechsel: Schreibe eine kurze alternative Strophe in heutiger Sprache, in der „Reichtum“ nicht durch Besitz, sondern durch einen modernen gesellschaftlichen Wert definiert wird. Erläutere Deine Wahl.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Daten wiedergeben, sondern historische, literarische und musikalische Ebenen miteinander verbinden kannst.

  1. Du kannst den historischen Bezug von 1495 und die Entstehung des Gedichts 1818 auseinanderhalten.
  2. Du kannst erklären, warum die Fürstenszene als literarisch geprägte Überlieferung behandelt werden muss.
  3. Du kannst die Bedeutungsverschiebung von materiellem zu sozialem „Reichtum“ erläutern.
  4. Du kannst zentrale Merkmale eines Strophenlieds und eines überwiegend homophonen Gemeinschaftschors beschreiben.
  5. Du kannst die Bedeutung der Fischer-Chöre für öffentliches gemeinschaftliches Singen einordnen.
  6. Du kannst regionale Identität als Ergebnis kultureller Praktiken und Erinnerungen erklären.
  7. Du kannst zwischen gemeinfreien historischen Bestandteilen und einer geschützten modernen Aufnahme unterscheiden.
  8. Du kannst Quellen und Medien nach Herkunft, Entstehungszeit, Aussageabsicht und Nutzungsrechten beurteilen.




OERs zum Thema

Weitere frei nutzbare Medien findest Du über Wikimedia Commons in den Kategorien zu Justinus Kerner, Eberhard im Bart, Gotthilf Fischer und zur Geschichte Württembergs. Prüfe bei jeder Datei die konkrete Lizenzangabe.



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