Der Surrealismus - Kunst


Der Surrealismus - Kunst
Der Surrealismus - Kunst
Einleitung
Der Surrealismus verbindet Alltag, Traum, Fantasie und das Unbewusste. Vertraute Dinge erscheinen plötzlich fremd: Uhren werden weich, Räume widersprechen der Logik oder Menschen tragen unerwartete Gegenstände statt eines Gesichts.
Dieser aiMOOC richtet sich an die Sekundarstufe. Du lernst zentrale Ideen, Merkmale, Kunstschaffende und Techniken kennen. Danach kannst Du surrealistische Bilder untersuchen und selbst gestalten.

Lernziele
Nach diesem Kurs kannst Du:
- Surrealismus zeitlich und inhaltlich einordnen.
- typische Bildmotive und Gestaltungsmittel erkennen.
- wichtige Techniken wie Frottage, Collage und Automatismus erklären.
- ein Kunstwerk mit Fachbegriffen untersuchen.
- eine eigene surrealistische Arbeit planen, gestalten und reflektieren.
Ursprung und Idee
Der Surrealismus entstand in den frühen 1920er-Jahren vor allem in Paris. Er entwickelte sich aus der literarischen und künstlerischen Avantgarde und stand dem Dadaismus nahe.
Der Schriftsteller André Breton veröffentlichte 1924 das erste Manifest des Surrealismus. Er wollte Denken, Träume und spontane Einfälle von zu starker Kontrolle durch Vernunft und gesellschaftliche Regeln befreien.

Die Surrealistinnen und Surrealisten interessierten sich für Sigmund Freud, Psychoanalyse, Traumdeutung und Zufall. Ihr Ziel war keine einheitliche Malweise. Entscheidend war die Suche nach einer Wirklichkeit jenseits des Gewohnten.
Typische Merkmale
Surrealistische Werke können sehr genau gemalt oder frei und spontan gestaltet sein. Häufig begegnen Dir:
- Verfremdung: Bekanntes wirkt ungewohnt oder rätselhaft.
- Traumlogik: Raum, Zeit und Größenverhältnisse folgen keiner Alltagslogik.
- Unerwartete Kombinationen: Dinge werden verbunden, die normalerweise nicht zusammengehören.
- Symbol: Gegenstände können persönliche oder mehrdeutige Bedeutungen tragen.
- Zufall: Flecken, Abdrücke und spontane Linien werden zum Ausgangspunkt.
- Täuschend genaue Darstellung: Unmögliche Szenen wirken glaubwürdig gemalt.

Beobachtungsauftrag: Welche Elemente wirken realistisch? Welche Verbindung macht die Szene unwirklich?
Künstlerinnen und Künstler
Salvador Dalí und René Magritte
Salvador Dalí malte fantastische Szenen oft mit sehr genauer Technik. René Magritte stellte alltägliche Dinge in überraschende Beziehungen und fragte damit, wie Bilder, Wörter und Wirklichkeit zusammenhängen.


Max Ernst und Joan Miró
Max Ernst experimentierte mit Frottage, Collage und Zufallsverfahren. Joan Miró entwickelte eine Bildsprache aus Zeichen, Linien, Figuren und kräftigen Farbflächen.



Künstlerinnen des Surrealismus
Künstlerinnen wurden lange zu selten als eigenständige Stimmen wahrgenommen. Bedeutend sind unter anderem Leonora Carrington, Meret Oppenheim, Dorothea Tanning, Lee Miller und Dora Maar. Sie arbeiteten mit Malerei, Fotografie, Objektkunst, Literatur und Film und entwickelten eigene Bildwelten.


Techniken des Surrealismus
- Automatismus: Du zeichnest oder schreibst möglichst spontan, ohne jeden Schritt vorher zu planen.
- Frottage: Du legst Papier auf eine strukturierte Oberfläche und reibst sie mit einem Stift durch.
- Décalcomanie: Farbe wird zwischen Flächen gepresst und wieder auseinandergezogen.
- Collage: Verschiedene Bilder und Materialien werden neu zusammengesetzt.
- Cadavre exquis: Mehrere Personen ergänzen nacheinander ein Bild oder einen Text, ohne alles Vorherige zu sehen.
- Fundstück: Ein Alltagsgegenstand erhält durch einen neuen Zusammenhang eine andere Bedeutung.
- Fotomontage: Fotografien oder Bildteile werden zu einer unmöglichen Szene verbunden.

Surrealistische Bilder untersuchen
Gehe bei einer Bildanalyse in fünf Schritten vor:
- Beschreibung: Nenne sachlich, was Du siehst.
- Komposition: Untersuche Anordnung, Blickführung, Raum und Größenverhältnisse.
- Farbe: Beschreibe Kontraste, Farbwirkung und Licht.
- Verfremdung: Erkläre, was unmöglich, überraschend oder traumhaft wirkt.
- Deutung: Formuliere eine begründete Aussage zur möglichen Wirkung oder Bedeutung.
Merke: Eine Deutung ist überzeugend, wenn Du sie mit sichtbaren Einzelheiten des Bildes begründest.
Wirkung bis heute
Surrealistische Ideen wirken in Film, Fotografie, Werbung, Design, Musikvideos, Computerspielen und digitaler Kunst weiter. Besonders verbreitet sind unmögliche Räume, unerwartete Größenwechsel und die Verbindung von Mensch, Tier und Gegenstand.

Eine heutige Bildidee ist nicht automatisch historischer Surrealismus. Der Begriff surreal bezeichnet im Alltag oft nur etwas Unwirkliches oder Absurdes. Die Kunstbewegung war jedoch mit Manifesten, Gruppen, Experimenten und gesellschaftlichen Fragen verbunden.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
In welchem Jahr erschien André Bretons erstes Manifest des Surrealismus? (1924) (!1914) (!1945) (!1968)
Wer veröffentlichte das erste Manifest des Surrealismus? (André Breton) (!Claude Monet) (!Wassily Kandinsky) (!Andy Warhol)
Welcher Bereich interessierte viele Surrealistinnen und Surrealisten besonders? (Das Unbewusste) (!Die technische Normung) (!Die perspektivische Vermessung) (!Die reine Naturbeobachtung)
Was bedeutet Automatismus in der surrealistischen Kunst? (Möglichst spontanes Gestalten ohne starke bewusste Kontrolle) (!Genaues Kopieren einer Fotografie) (!Malen nur mit geometrischen Schablonen) (!Herstellen identischer Serienbilder)
Welche Technik reibt die Struktur einer Oberfläche auf Papier durch? (Frottage) (!Aquarell) (!Mosaik) (!Linolschnitt)
Was geschieht bei der Décalcomanie? (Farbe wird zwischen Flächen gepresst und wieder geöffnet) (!Stein wird mit einem Meißel bearbeitet) (!Papier wird zu einer Figur gefaltet) (!Ein Foto wird nur schwarzweiß entwickelt)
Was ist ein Cadavre exquis? (Ein gemeinschaftliches Bild- oder Schreibspiel) (!Eine einzelne realistische Porträtstudie) (!Eine Technik der Wandmalerei) (!Eine Form des Bronzegusses)
Welches Merkmal ist typisch für surrealistische Bilder? (Unerwartete Verbindung vertrauter Dinge) (!Ausschließlich historische Schlachtenszenen) (!Nur mathematisch gleiche Flächen) (!Verzicht auf jede Bildidee)
Welche Aussage beschreibt den Surrealismus richtig? (Er umfasst genaue Traumdarstellungen und spontane Verfahren) (!Er verwendet nur eine einzige festgelegte Malweise) (!Er lehnt Zufall grundsätzlich ab) (!Er beschäftigt sich nur mit Landschaftsmalerei)
Welche Künstlerin wird dem Surrealismus zugeordnet? (Leonora Carrington) (!Berthe Morisot) (!Käthe Kollwitz) (!Paula Modersohn-Becker)
Memory
| Surrealismus | Traum und Wirklichkeit |
| Automatismus | spontanes Gestalten |
| Frottage | Abreiben einer Oberfläche |
| Décalcomanie | Farbabklatsch |
| Collage | Zusammenfügen verschiedener Materialien |
| Cadavre exquis | gemeinschaftliches Bildspiel |
| Manifest | programmatischer Text |
| Verfremdung | Bekanntes wirkt ungewohnt |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Technik |
|---|---|
| Frottage | Struktur wird durchgerieben |
| Collage | Bildteile werden neu verbunden |
| Décalcomanie | Farbe erzeugt einen Abdruck |
| Automatismus | Gestaltung entsteht möglichst spontan |
| Cadavre exquis | Mehrere Personen ergänzen verdeckt |
Kreuzworträtsel
| Breton | Wer schrieb das bekannte surrealistische Manifest von 1924? |
| Frottage | Wie heißt das Abreiben einer strukturierten Oberfläche? |
| Collage | Welche Technik verbindet verschiedene Bildteile und Materialien? |
| Traumwelt | Woher stammen viele surrealistische Bildideen? |
| Magritte | Welcher Künstler stellte Alltagsdinge oft rätselhaft zusammen? |
| Automatismus | Wie heißt spontanes Gestalten mit geringer bewusster Kontrolle? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Traumobjekt: Verbinde zwei Alltagsgegenstände zu einem unmöglichen neuen Objekt und zeichne es.
- Frottage: Sammle mindestens fünf Oberflächenstrukturen und gestalte daraus ein Fantasiewesen.
- Automatische Zeichnung: Zeichne zwei Minuten lang ohne abzusetzen und entwickle anschließend eine erkennbare Figur.
- Bildtitel: Erfinde zu einer surrealistischen Szene drei verschiedene Titel und erkläre ihre Wirkung.
Standard
- Collage: Gestalte aus Zeitschriftenbildern oder eigenen Ausdrucken eine rätselhafte Traumlandschaft.
- Cadavre Exquis: Erstellt in einer Gruppe eine verdeckt weitergegebene Figur und wertet das Ergebnis gemeinsam aus.
- Bildanalyse: Untersuche ein surrealistisches Werk nach Beschreibung, Komposition, Farbe, Verfremdung und Deutung.
- Inszenierte Fotografie: Plane eine schulgeeignete Fotoszene, in der Größenverhältnisse oder Funktionen vertauscht werden.
Schwer
- Werkvergleich: Vergleiche zwei surrealistische Werke hinsichtlich Technik, Raumwirkung und Umgang mit Wirklichkeit.
- Stop-Motion: Produziere einen kurzen Film, in dem sich ein Alltagsgegenstand scheinbar selbstständig verwandelt.
- Werbeanalyse: Untersuche eine aktuelle Werbung auf surrealistische Gestaltungsmittel und bewerte deren Wirkung.
- Ausstellungskonzept: Plane eine kleine Schulausstellung mit historischen und eigenen Arbeiten sowie ausgewogenen Perspektiven auf Künstlerinnen und Künstler.


Lernkontrolle
- Bildtransfer: Erkläre an einem unbekannten Bild, welche sichtbaren Merkmale für oder gegen eine surrealistische Wirkung sprechen.
- Technikwahl: Wähle für die Darstellung eines Traums eine geeignete Technik und begründe Deine Entscheidung.
- Wirkungsvergleich: Vergleiche eine genaue Traumdarstellung mit einer automatischen Zeichnung und erkläre ihre unterschiedlichen Wirkungen.
- Alltagsbezug: Zeige an einem Beispiel aus Werbung, Film oder Spiel, wie surrealistische Ideen weiterleben.
- Deutungshypothese: Entwickle zwei mögliche Deutungen zu einer rätselhaften Bildkombination und belege beide mit Bildelementen.
- Gestaltungsreflexion: Überarbeite eine eigene Arbeit so, dass die Verfremdung klarer wird, und begründe jede Änderung.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis sind wichtig:
- eine verständliche Einordnung des Surrealismus.
- die sichere Verwendung zentraler Fachbegriffe.
- eine strukturierte und belegte Bildanalyse.
- eine eigenständige praktische Gestaltung.
- eine Dokumentation von Idee, Technik und Arbeitsprozess.
- eine begründete Reflexion über Wirkung, Stärken und Verbesserungsmöglichkeiten.
OERs zum Thema
- Museum of Modern Art: Surrealism
- The Metropolitan Museum of Art: Surrealism
- Tate: Décalcomanie
- Wikimedia Commons: Surrealism
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