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Der Philanthropismus - Pädagogik

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Der Philanthropismus - Pädagogik




Der Philanthropismus - Pädagogik


Einleitung

Der Philanthropismus war eine pädagogische Reformbewegung der europäischen Aufklärung, die sich vor allem in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum entfaltete. Sein Name verbindet die griechischen Wörter für Freund beziehungsweise liebend und Mensch. Gemeint ist eine Erziehung zur Menschenfreundschaft, Vernunft, Tugend, Glückseligkeit und gesellschaftlichen Nützlichkeit. Im Zentrum stand die Frage, wie Schule und Erziehung so verändert werden könnten, dass Kinder nicht nur überlieferte Texte auswendig lernen, sondern die Welt anschaulich, tätig, körperlich und selbstständig erschließen.

Studienfach: Pädagogik und Erziehungswissenschaft

Der aiMOOC richtet sich an Studierende und eignet sich besonders für Einführungs- und Vertiefungsmodule zur Geschichte der Pädagogik, Allgemeinen Pädagogik, Schulpädagogik, Historischen Bildungsforschung und Didaktik. Du untersuchst den Philanthropismus als historisches Reformprogramm, analysierst seine Institutionen und Methoden, arbeitest mit Bild- und Textquellen und beurteilst seine Bedeutung aus heutiger Sicht.

Dabei geht es nicht darum, die Philanthropen pauschal als Vorläufer einer modernen Schule zu feiern. Ihre kindbezogenen und lebenspraktischen Ansätze werden ebenso betrachtet wie ihre zeitgebundenen Vorstellungen von sozialer Ordnung, Geschlecht, Disziplin, Nützlichkeit und Moral.

Das Porträt zeigt Johann Bernhard Basedow, den wichtigsten Initiator der philanthropischen Bewegung. Sein Dessauer Philanthropinum wurde zu einer europaweit beachteten Modellschule.


Lernziele

Nach der Bearbeitung dieses aiMOOCs kannst Du

  1. Begriffsgeschichte: den Philanthropismus im Kontext von Aufklärung, Volksaufklärung und pädagogischer Reform bestimmen.
  2. Pädagogische Theorie: zentrale Ziele, Menschenbilder, Inhalte und Methoden philanthropischer Erziehung erklären.
  3. Institutionengeschichte: das Philanthropinum Dessau, die Erziehungsanstalt Schnepfenthal und die Reckahner Schule einordnen.
  4. Quellenkritik: Bildquellen aus Basedows Elementarwerk und historische Programmschriften analysieren.
  5. Pädagogische Professionalität: die Bedeutung von Ernst Christian Trapp für die Verwissenschaftlichung der Pädagogik und die Lehrerbildung beurteilen.
  6. Urteilskompetenz: Leistungen, Ambivalenzen und Grenzen des Philanthropismus aus heutiger Sicht diskutieren.
  7. Transfer: philanthropische Grundideen mit gegenwärtigen Konzepten wie handlungsorientiertem Unterricht, Anschaulichkeit, bewegtem Lernen und Lebensweltorientierung vergleichen.


Begriff und historischer Kontext


Was bedeutet Philanthropismus?

Der Begriff Philanthropismus bezeichnet eine pädagogische Lehre und Bewegung, die Erziehung an Natürlichkeit, Vernunft und Menschenfreundschaft ausrichten wollte. Die Anhänger wurden Philanthropen genannt. Das Wort darf nicht mit der heutigen Philanthropie im Sinne privater Wohltätigkeit oder großer Spenden gleichgesetzt werden. Im 18. Jahrhundert bezeichnete Menschenfreundschaft eine moralische Haltung, die das Wohlergehen anderer Menschen, religiöse Toleranz, vernünftiges Handeln und gesellschaftliche Verbesserung miteinander verband.

Der Philanthropismus war kein vollständig einheitliches System. Basedow, Joachim Heinrich Campe, Christian Gotthilf Salzmann, Ernst Christian Trapp, Christian Heinrich Wolke, Friedrich Eberhard von Rochow und weitere Reformpädagogen setzten unterschiedliche Akzente. Gemeinsam war ihnen jedoch die Kritik an Unterrichtsformen, die stark durch mechanisches Auswendiglernen, eine Vorrangstellung alter Sprachen und eine geringe Orientierung am kindlichen Verstehen geprägt waren.


Gesellschaftliche Voraussetzungen

Die philanthropische Reformbewegung entstand in einer Zeit tiefgreifender Veränderungen. Bevölkerungswachstum, wirtschaftlicher Wandel, neue Verwaltungsaufgaben und eine sich ausweitende Öffentlichkeit erhöhten den Bedarf an elementarer Bildung. Gleichzeitig diskutierten Aufklärer über Religionsfreiheit, Toleranz, staatliche Verantwortung, bürgerliche Tugend und den Nutzen wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Schule war im 18. Jahrhundert weder flächendeckend noch für alle Kinder gleich zugänglich. Unterricht, Ausstattung, Dauer des Schulbesuchs und Bildungsziele unterschieden sich nach Region, Konfession, sozialem Stand und Geschlecht. Die Philanthropen reagierten darauf mit Modellschulen, Lehrbüchern, Lehrerbildung, Zeitschriften und Reformplänen. Ihre Projekte zielten auf Verbesserung, blieben aber in den sozialen und politischen Ordnungen ihrer Zeit verankert.


Pädagogik der Aufklärung

Die Aufklärung verband die Hoffnung auf gesellschaftlichen Fortschritt mit der Bildung vernünftiger Subjekte. Erziehung sollte Menschen befähigen, Urteile zu bilden, nützliche Kenntnisse anzuwenden und moralisch zu handeln. Daraus entstand ein Spannungsverhältnis, das für den Philanthropismus kennzeichnend ist: Das Kind sollte als eigenständiges, entwicklungsfähiges Wesen ernst genommen werden, zugleich aber zu einem von Erwachsenen definierten vernünftigen und nützlichen Mitglied der Gesellschaft geformt werden.

Die universitäre Vorlesung ordnet pädagogische Epochen ein. Achte beim Ansehen darauf, wie historische Erziehungsideen jeweils auf gesellschaftliche Probleme und Menschenbilder reagieren.


Geistige Bezugspunkte


John Locke

John Locke betonte in seinen Überlegungen zur Erziehung Erfahrung, Gewöhnung, Selbstbeherrschung, körperliche Abhärtung und eine zweckmäßige Bildung. Lernen sollte nicht nur durch Zwang erfolgen, sondern Interesse und Tätigkeit berücksichtigen. Basedow lernte lockesche Erziehungsgedanken unter anderem über das aufklärerische Umfeld um Hermann Samuel Reimarus kennen.


Jean-Jacques Rousseau

Jean-Jacques Rousseau stellte in Émile oder Über die Erziehung von 1762 die Eigenart der Kindheit und eine an Entwicklungsphasen orientierte Erziehung heraus. Er kritisierte eine verfrühte Anpassung des Kindes an gesellschaftliche Konventionen. Zwischen Rousseau und den Philanthropen bestanden deutliche Gemeinsamkeiten, etwa die Kritik an bloßer Buchgelehrsamkeit und die Aufwertung von Erfahrung, Natur und Tätigkeit.

Der Philanthropismus war jedoch keine einfache Umsetzung Rousseaus. Während Rousseaus Émile als gedankliches Einzelerziehungsmodell angelegt ist, wollten die Philanthropen Schulen, Lehrpläne, Lehrmittel und Lehrerbildung praktisch reformieren. Außerdem verbanden sie Natürlichkeit stärker mit gesellschaftlicher Nützlichkeit und institutioneller Planung.


Johann Amos Comenius und die Tradition der Anschaulichkeit

Johann Amos Comenius hatte bereits im 17. Jahrhundert gefordert, Lernen an Wahrnehmung, geordnete Erfahrung und anschauliche Darstellungen zu binden. Sein Orbis sensualium pictus verband Wörter und Bilder. Die Philanthropen knüpften an diese didaktische Tradition an und entwickelten sie für ihre eigenen Lehrwerke weiter.


Pietismus, Kameralismus und Volksaufklärung

Auch Pietismus, Kameralismus und Volksaufklärung bildeten wichtige Kontexte. Der Pietismus hatte die Bedeutung persönlicher Erziehung und organisierter Bildungsanstalten gestärkt. Kameralistische Reformvorstellungen fragten nach einer leistungsfähigen Bevölkerung und zweckmäßiger staatlicher Verwaltung. Die Volksaufklärung wollte nützliche Kenntnisse, moralische Orientierung und Lesefähigkeit verbreiten. Der Philanthropismus verband solche Strömungen mit einer stärker kindbezogenen Didaktik.


Zentrale Ziele und Prinzipien


Erziehung zu Glück, Vernunft und Menschenfreundschaft

Das philanthropische Erziehungsziel war mehrdimensional. Kinder sollten glücklich leben können, moralische Haltungen entwickeln, vernünftig urteilen und zum Gemeinwohl beitragen. Glück wurde dabei nicht bloß als subjektives Wohlgefühl verstanden. Es war mit Selbstbeherrschung, Gesundheit, Tugend, Tätigkeit und sozialer Brauchbarkeit verbunden.


Kindgemäßheit und Entwicklungsbezug

Die Philanthropen forderten, Unterricht an Alter, Fähigkeiten und Lernvoraussetzungen der Kinder anzupassen. Inhalte sollten schrittweise aufgebaut und verständlich vermittelt werden. Diese Forderung bedeutete eine Kritik an der Übertragung gelehrter Unterrichtsformen auf jüngere Kinder. Eine moderne Entwicklungspsychologie lag noch nicht vor, doch Beobachtung und Individualisierung erhielten größeres Gewicht.


Anschaulichkeit

Anschaulichkeit bedeutete, Begriffe möglichst mit Wahrnehmung, Bildern, Gegenständen, Modellen, Demonstrationen und realen Situationen zu verbinden. Unterricht sollte vom Konkreten zum Abstrakten fortschreiten. Basedows Elementarwerk ist ein besonders bekanntes Beispiel für diese visuelle Didaktik.

Die Darstellung von Kinderspielen aus dem Elementarwerk eignet sich für eine Quellenanalyse: Welche Tätigkeiten werden gezeigt? Welche Rollen, Gegenstände und Vorstellungen von Kindheit werden sichtbar? Was bleibt unsichtbar?


Lernen durch Spiel, Gespräch und Tätigkeit

Spielerische Übungen sollten Lernfreude wecken und die Aufmerksamkeit erhalten. Lehrgespräche sollten Kinder zum Antworten, Vergleichen und Begründen anregen. Praktische Tätigkeiten, Beobachtungen und Besuche von Werkstätten verbanden Wissen mit Anwendung. Damit wandten sich die Philanthropen gegen eine Didaktik, die Lernen weitgehend auf das Wiederholen von Worten reduzierte.


Lebenspraktische Inhalte und Realien

Der Lehrplan wurde um Realien erweitert. Dazu gehörten Naturkunde, Geographie, Geschichte, moderne Fremdsprachen, Gesundheitslehre, handwerkliche Kenntnisse und ökonomisch nützliche Fähigkeiten. Die Muttersprache gewann gegenüber dem ausschließlichen Vorrang des Lateinischen an Bedeutung.

Die Buchdruckerei steht beispielhaft für die Verbindung von Sachwissen, Arbeitswelt und Anschauung. Zugleich zeigt die Darstellung, dass das Elementarwerk gesellschaftliche Tätigkeiten ordnete und bewertete.

Auch Handwerk wurde zum Unterrichtsgegenstand. Der Unterricht über Berufe sollte Orientierung geben und die Abhängigkeit des Alltags von spezialisiertem Können verdeutlichen.


Körpererziehung und Gesundheit

Körperliche Übungen, Bewegung im Freien, Abhärtung und Gesundheitspflege erhielten einen festen Platz. An der Erziehungsanstalt Schnepfenthal entwickelte Johann Christoph Friedrich GutsMuths die körperliche Erziehung systematisch weiter. Sein Werk Gymnastik für die Jugend von 1793 wurde für die Geschichte des Schulturnens bedeutend.


Religiöse Toleranz

Viele Philanthropen wollten Kinder verschiedener christlicher Konfessionen gemeinsam erziehen und einen allgemein verständlichen Religionsunterricht anbieten. Das war im konfessionell gegliederten 18. Jahrhundert ein Reformimpuls. Die Toleranz blieb jedoch häufig innerhalb eines christlich-moralischen Rahmens und entsprach noch nicht einem heutigen pluralistischen Verständnis religiöser und weltanschaulicher Vielfalt.


Disziplin, Belohnung und pädagogische Ordnung

Philanthropische Erziehung wollte Härte und körperliche Strafen zurückdrängen. An ihre Stelle traten jedoch nicht einfach Freiheit und Selbstbestimmung. Tagesordnungen, Leistungsbeobachtung, Rangfolgen, Belohnungen und moralische Beurteilungen strukturierten das Verhalten. Dadurch entstand eine ambivalente Verbindung von Fürsorge und Kontrolle. Für eine pädagogische Analyse ist deshalb wichtig, nicht nur Inhalte und Methoden, sondern auch Machtverhältnisse zu untersuchen.


Johann Bernhard Basedow und das Elementarwerk


Basedows Reformprogramm

Johann Bernhard Basedow lebte von 1724 bis 1790. Aus Erfahrungen als Hauslehrer und Lehrer entwickelte er die Überzeugung, dass Unterricht anschaulicher, sprachlich zugänglicher und stärker an der Tätigkeit der Lernenden orientiert sein müsse. In seiner Schrift Vorstellung an Menschenfreunde und vermögende Männer über Schulen, Studien und ihren Einfluss in die öffentliche Wohlfahrt von 1768 warb er für ein umfassendes Reformprojekt und die Finanzierung eines neuen Elementarbuchs.

Basedow verstand Schulreform als öffentliche Angelegenheit. Er wandte sich an Fürsten, Gelehrte, Eltern und wohlhabende Förderer. Diese publizistische Strategie zeigt, dass pädagogische Innovation von Netzwerken, Geld, politischer Unterstützung und medialer Aufmerksamkeit abhängig war.


Das Elementarwerk

Das 1774 in seiner maßgeblichen Fassung veröffentlichte Elementarwerk verband umfangreiche Texte mit zahlreichen Kupfertafeln, die vor allem von Daniel Chodowiecki gestaltet wurden. Es sollte Grundwissen über Natur, Gesellschaft, Moral, Sprache, Berufe und Alltag vermitteln. Bilder dienten nicht nur als Schmuck. Sie waren Gesprächsanlässe, Merkhilfen und geordnete Darstellungen der Welt.

Für die heutige Forschung sind die Tafeln doppelt interessant. Sie zeigen eine innovative Mediendidaktik und zugleich die sozialen Normen ihrer Entstehungszeit. Kleidung, Geschlechterrollen, Familienordnungen, Berufe und Körper werden aus einer bestimmten Perspektive präsentiert. Quellenkritik fragt daher sowohl nach der didaktischen Funktion als auch nach Auswahl, Auslassung und Normierung.


Didaktische Analyse einer Bildtafel

Bei der Analyse einer Tafel kannst Du in vier Schritten vorgehen:

  1. Beschreibung: Erfasse Personen, Gegenstände, Handlungen, räumliche Ordnung und Beschriftungen, ohne vorschnell zu deuten.
  2. Kontextualisierung: Ordne die Tafel in das Elementarwerk, die Aufklärung und die Unterrichtspraxis des 18. Jahrhunderts ein.
  3. Didaktische Funktion: Prüfe, welches Wissen, welche Begriffe und welche Gesprächsanlässe die Darstellung bereitstellt.
  4. Kritik: Untersuche soziale Hierarchien, Geschlechterbilder, Normalitätsvorstellungen und Leerstellen.


Das Philanthropinum in Dessau


Gründung und Anspruch

Das Philanthropinum Dessau wurde 1774 in Dessau eröffnet. Basedow bezeichnete es als Schule der Menschenfreundschaft für Lernende und junge Lehrer. Es sollte zugleich Erziehungsanstalt, Modellschule und Ort der Lehrerbildung sein. Unterstützt wurde das Projekt vom anhalt-dessauischen Fürsten Leopold III. Friedrich Franz.

Das heutige Schulgebäude steht für die lange Erinnerungsgeschichte des Namens. Es darf nicht mit dem ursprünglichen Gebäude und der historischen Institution von 1774 gleichgesetzt werden.


Lehrplan und Schulalltag

Der Unterricht umfasste Sprachen, Naturkunde, Geographie, Geschichte, Rechnen, Zeichnen, praktische Tätigkeiten und körperliche Übungen. Lehrgegenstände sollten lebensnah und verständlich sein. Einheitliche Kleidung und gemeinsame Formen des Alltags sollten ständische Unterschiede innerhalb der Schule abschwächen. Das Versprechen sozialer Offenheit stieß jedoch auf Grenzen, weil Finanzierung, Internatsform und gesellschaftliche Herkunft weiterhin bedeutsam blieben.

Die Anstalt gewann europaweite Aufmerksamkeit. Besucher, Elternbriefe, gedruckte Berichte und öffentliche Prüfungen machten sie zu einem pädagogischen Medienereignis. Ihr Ruf war größer als ihre Schülerzahl. Das zeigt, dass Modellschulen nicht nur durch Umfang, sondern auch durch öffentliche Kommunikation Wirkung entfalten können.


Kollegium und Konflikte

Am Philanthropinum wirkten unter anderem Christian Heinrich Wolke, Joachim Heinrich Campe, Christian Gotthilf Salzmann und Ernst Christian Trapp. Die Zusammenarbeit war von pädagogischem Enthusiasmus, aber auch von persönlichen Konflikten, Leitungsproblemen und finanzieller Unsicherheit geprägt. Basedow gab die Leitung schrittweise ab. 1793 wurde die historische Anstalt geschlossen.

Das Scheitern als dauerhafte Institution widerlegt nicht ihre Wirkung. Umgekehrt beweist ihr Einfluss nicht, dass ihr Alltag allen programmatischen Ansprüchen entsprach. Pädagogische Institutionengeschichte muss daher Programme, Praxis, Organisation und Rezeption unterscheiden.


Weitere Personen und Einrichtungen


Joachim Heinrich Campe

Joachim Heinrich Campe lebte von 1746 bis 1818. Er arbeitete zeitweise am Dessauer Philanthropinum, leitete eine eigene Erziehungsanstalt und wurde als Autor, Herausgeber und Verleger bedeutend. Mit Robinson der Jüngere schuf er 1779 und 1780 eine pädagogisch ausgerichtete Bearbeitung des Robinson-Stoffs für junge Leser. Seine umfangreiche Allgemeine Revision des gesamten Schul- und Erziehungswesens bündelte Debatten der philanthropischen Pädagogik.

Campes Beispiel zeigt, dass die Reform nicht nur in Schulen stattfand. Kinder- und Jugendliteratur, Zeitschriften, Übersetzungen, Wörterbücher und Verlage wurden zu pädagogischen Handlungsfeldern.


Christian Gotthilf Salzmann und Schnepfenthal

Christian Gotthilf Salzmann lebte von 1744 bis 1811. Nach seiner Tätigkeit in Dessau gründete er 1784 die Erziehungsanstalt in Schnepfenthal. Dort verband er Unterricht, Naturerfahrung, körperliche Übung, praktische Arbeit und ein geordnetes Gemeinschaftsleben. Salzmann betonte außerdem die Selbstprüfung der Erziehenden. Pädagogische Probleme sollten nicht vorschnell allein den Kindern zugeschrieben werden.

Schnepfenthal überdauerte die kurze Blüte des Dessauer Philanthropinums und wurde zu einem wichtigen Ort der philanthropischen Tradition. Die historische Ansicht ermöglicht eine raumbezogene Analyse: Wie unterstützen Lage, Gebäude und Außenräume das pädagogische Programm?


Ernst Christian Trapp und die Verwissenschaftlichung der Pädagogik

Ernst Christian Trapp lebte von 1745 bis 1818. Nach seiner Tätigkeit am Philanthropinum wurde er 1779 an die Universität Halle berufen und gilt als erster Professor für Pädagogik in Deutschland. In seinem Versuch einer Pädagogik von 1780 trat er für eine eigenständige, erfahrungsbezogene Pädagogik ein.

Trapp forderte, Erziehung und Unterricht als besondere Kunst und als wissenschaftlich zu untersuchenden Gegenstand zu behandeln. Pädagogische Regeln sollten an Beobachtungen geprüft und an konkrete Situationen angepasst werden. Damit verband sich ein früher Versuch, Theorie, Lehrerbildung und Schulpraxis institutionell zu verknüpfen.


Friedrich Eberhard von Rochow und die Reckahner Schule

Friedrich Eberhard von Rochow lebte von 1734 bis 1805. Auf seinem Gut in Reckahn ließ er 1773 ein neues Schulhaus errichten und entwickelte gemeinsam mit dem Lehrer Heinrich Julius Bruns eine weithin beachtete Landschule. Mädchen und Jungen der Gutsherrschaft sollten grundlegende Kulturtechniken, nützliche Kenntnisse und moralische Orientierung erwerben.

Rochows Lesebuch Der Kinderfreund erschien ab 1776 und verbreitete volksaufklärerische Inhalte in dialogischer und erzählerischer Form. Reckahn erweitert den Blick über elitäre Internate hinaus: Der Philanthropismus wirkte auch auf Landschule, Alphabetisierung und Elementarbildung.


Unterricht, Medien und Lernkultur


Das Lehrgespräch

Das Lehrgespräch sollte Lernende aktivieren. Lehrende stellten Fragen, ließen Wahrnehmungen beschreiben, Begriffe unterscheiden und Folgerungen ziehen. Im Unterschied zu einem offenen Dialog blieb das Gespräch meist stark gelenkt. Die Lehrperson kannte das Ziel und strukturierte den Weg. Für heutige Didaktik ist deshalb zu fragen, wann gelenktes Fragen zum Denken anregt und wann es lediglich die erwartete Antwort hervorbringt.


Spiel als Methode

Spiel hatte mehrere Funktionen. Es sollte motivieren, Übung erleichtern, Aufmerksamkeit stabilisieren und körperliche Fähigkeiten entwickeln. Gleichzeitig konnte Spiel in ein pädagogisch geplantes Mittel verwandelt werden. Die Spannung zwischen selbstbestimmtem Spiel und didaktisch instrumentalisiertem Spiel ist bis heute aktuell.


Exkursion und Begegnung mit der Arbeitswelt

Werkstätten, landwirtschaftliche Tätigkeiten und Naturbeobachtungen boten Lerngelegenheiten außerhalb des Unterrichtszimmers. Solche Begegnungen sollten Kenntnisse wirklichkeitsnah machen. Allerdings betrachteten die Schulen die Arbeitswelt aus einer pädagogisch ausgewählten Perspektive. Die harte soziale Realität von Arbeit, Armut und Abhängigkeit wurde nicht immer in gleicher Weise thematisiert wie technische Abläufe und gesellschaftlicher Nutzen.


Körper, Gesundheit und Selbstführung

Bewegung wurde nicht nur als Ausgleich zum Sitzen verstanden. Der Körper sollte gekräftigt, geschickt, belastbar und kontrolliert werden. Körpererziehung verband Gesundheitsvorsorge mit moralischer Selbstführung. Diese Verbindung ist historisch produktiv und kritisch zugleich: Sie eröffnete neue Bildungsbereiche, konnte aber auch Normalitätsvorstellungen und Leistungsdruck verstärken.


Vergleichende Übersicht

Dimension Traditionell kritisiertes Schulmodell Philanthropisches Reformideal Heutige Analysefrage
Menschenbild Kind als zu disziplinierender Empfänger Kind als entwicklungsfähiges und tätiges Wesen Wer definiert Entwicklung, Vernunft und Gelingen?
Unterrichtssprache Vorrang gelehrter Sprachen Stärkung der Muttersprache und moderner Fremdsprachen Welche Sprachen werden auf- oder abgewertet?
Lernmethode Auswendiglernen und Wiederholung Anschauung, Gespräch, Spiel und Tätigkeit Wie offen ist die Aktivität der Lernenden tatsächlich?
Curriculum Schwerpunkt auf Religion und klassischen Sprachen Realien, Naturkunde, Geographie, Handwerk und Körpererziehung Welche Wissensbereiche gelten als nützlich und warum?
Disziplin Strafe und äußerer Zwang Motivation, Belohnung, Ordnung und Selbstführung Welche Formen pädagogischer Macht bleiben bestehen?
Gesellschaft Reproduktion ständischer Bildung programmatische Öffnung und Gemeinnützigkeit Wo begrenzen Stand, Geschlecht und Besitz die Teilhabe?


Historische Bedeutung


Pädagogische Institutionenbildung

Der Philanthropismus schuf und vernetzte Modellschulen, Erziehungsanstalten, Lehrerseminare, Verlage und wissenschaftliche Projekte. Trapps Professur in Halle markiert einen wichtigen Schritt der akademischen Institutionalisierung von Pädagogik. Die Bewegung trug dazu bei, Erziehung als planbaren, beobachtbaren und öffentlich diskutierbaren Gegenstand zu etablieren.


Erweiterung des Curriculums

Naturwissenschaftliche und geographische Kenntnisse, moderne Sprachen, Körpererziehung, Handwerk und Gesundheitslehre wurden aufgewertet. Diese Erweiterung beeinflusste spätere Schulreformen. Sie bedeutete jedoch nicht automatisch eine demokratische Allgemeinbildung, denn Nützlichkeit konnte je nach sozialer Gruppe unterschiedlich bestimmt werden.


Neue Aufmerksamkeit für Kindheit

Die Philanthropen nahmen Lernfreude, Altersangemessenheit, Bewegung, Wahrnehmung und individuelle Unterschiede ernster als viele von ihnen kritisierte Unterrichtsformen. Die Rede von der Entdeckung des Kindes wäre dennoch zu einfach. Kindheit war auch zuvor pädagogisch bedeutsam, und die neue Aufmerksamkeit ging mit genauer Beobachtung, Lenkung und Normierung einher.


Medienpädagogische Innovation

Das Elementarwerk, Kinderbücher und Zeitschriften zeigen, wie eng Bildungsreform und Medienwandel verbunden waren. Bilder, Dialoge und populäre Texte erschlossen neue Öffentlichkeiten. Medien vermittelten nicht nur Wissen, sondern auch soziale Ordnungen und erwünschte Verhaltensweisen.


Ambivalenzen und Kritik


Nützlichkeit und Selbstbestimmung

Die Orientierung an Nützlichkeit machte Unterricht lebensnah, konnte Bildung aber auf gesellschaftlich erwartete Brauchbarkeit verengen. Aus heutiger Perspektive ist zu fragen, ob Bildung vor allem auf Anpassung an bestehende Aufgaben zielt oder auch Kritik, Eigensinn und offene Selbstbestimmung ermöglicht.


Gleichheit und soziale Begrenzung

Philanthropische Programme betonten Menschenfreundschaft und teilweise die gemeinsame Erziehung über Standesgrenzen hinweg. Viele Einrichtungen blieben dennoch auf zahlungsfähige Familien, männliche Schüler oder bestimmte gesellschaftliche Gruppen konzentriert. Soziale Öffnung war Anspruch und reales Problem zugleich.


Geschlechterordnung

Die Bewegung interessierte sich für Familienerziehung, Körper und geschlechtliche Aufklärung. Dennoch orientierten sich Bildungsziele häufig an bürgerlichen Geschlechterrollen. Die Geschichte des Philanthropismus muss deshalb danach fragen, welche Möglichkeiten Mädchen und Frauen erhielten, welche Rollen ihnen zugeschrieben wurden und warum Pädagoginnen in der traditionellen Erinnerung oft weniger sichtbar sind.


Toleranz und Normierung

Religiöse Toleranz war ein bedeutender Fortschritt gegenüber enger konfessioneller Abgrenzung. Gleichzeitig zielte die Erziehung auf einen bestimmten moralischen, vernünftigen und gesunden Menschen. Wer von dieser Norm abwich, konnte als erziehungsbedürftig oder unvernünftig gelten. Toleranz und Normalisierung bestanden daher nebeneinander.


Programmschrift und Praxis

Reformtexte beschreiben häufig, wie Erziehung sein soll. Sie belegen nicht automatisch, wie Unterricht tatsächlich verlief. Für eine belastbare Rekonstruktion sind daher unterschiedliche Quellen nötig: Lehrbücher, Briefe, Stundenpläne, Rechnungen, Schülerlisten, Besuchsberichte, autobiografische Texte und institutionelle Akten.


Gegenwartsbezug

Viele philanthropische Prinzipien wirken auf den ersten Blick modern: anschauliches Lernen, Bewegung, Lebensweltbezug, aktive Lernformen, Beobachtung, individuelle Förderung und eine professionelle Lehrerbildung. Ein direkter Gleichheitsstrich wäre jedoch historisch ungenau. Begriffe verändern ihre Bedeutung, und heutige Bildungssysteme beruhen auf anderen rechtlichen, demokratischen und wissenschaftlichen Grundlagen.

Für den pädagogischen Transfer kannst Du drei Fragen verwenden:

  1. Kontinuität: Welche Problemstellung besteht weiterhin, etwa die Kritik an passivem Lernen?
  2. Transformation: Wie hat sich ein Konzept verändert, etwa von körperlicher Abhärtung zu gesundheitsorientierter Bewegung?
  3. Differenz: Welche Voraussetzungen unterscheiden die Gegenwart grundsätzlich, etwa Kinderrechte, Inklusion und demokratische Teilhabe?


Studienmethodische Vertiefung


Arbeit mit Primärquellen

Eine Primärquelle wird nicht nur nach ihrem Inhalt befragt. Untersuche Autor, Adressaten, Entstehungssituation, Textsorte, Zweck und Überlieferung. Basedows Werbeschriften wollten Unterstützer gewinnen. Eine Bildtafel sollte Unterricht ermöglichen. Ein Elternbrief berichtet aus einer bestimmten Erwartungsperspektive. Jede Quelle eröffnet Einsichten und besitzt Grenzen.


Arbeit mit Forschungsliteratur

Vergleiche mehrere Darstellungen. Achte darauf, ob der Philanthropismus als Fortschrittsgeschichte, als Disziplinierungsprojekt, als Medienereignis, als Teil der Aufklärung oder als Institutionengeschichte untersucht wird. Unterschiedliche Fragestellungen führen zu unterschiedlichen Akzenten, ohne dass jede Deutung gleich gut begründet ist.


Mögliche Forschungsfragen

  1. Schulgeschichte: Wie unterschieden sich Programm und Alltag des Dessauer Philanthropinums?
  2. Historische Bildungsforschung: Welche sozialen Gruppen wurden erreicht und welche ausgeschlossen?
  3. Mediendidaktik: Wie steuerten die Bilder des Elementarwerks Wahrnehmung und Gespräch?
  4. Professionsgeschichte: Welche Vorstellung pädagogischer Expertise entwickelte Trapp?
  5. Körpergeschichte: Wie verbanden philanthropische Schulen Gesundheit, Leistung und Moral?
  6. Geschlechterforschung: Welche geschlechtsspezifischen Bildungswege wurden entworfen?
  7. Transferforschung: Wie wurden philanthropische Ideen in Reckahn, Schnepfenthal und anderen Einrichtungen verändert?


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Wie lässt sich der Philanthropismus am treffendsten bestimmen? (Pädagogische Reformbewegung der Aufklärung) (!Mittelalterliche Klosterbewegung) (!Theorie ausschließlich privater Spenden) (!Schulmodell der Industrialisierung)




Wer gilt als wichtigster Initiator des Dessauer Philanthropinums? (Johann Bernhard Basedow) (!Johann Heinrich Pestalozzi) (!Friedrich Fröbel) (!Wilhelm von Humboldt)




In welchem Jahr wurde das Philanthropinum in Dessau eröffnet? (1774) (!1693) (!1806) (!1848)




Welches Prinzip ist für philanthropischen Unterricht besonders kennzeichnend? (Anschauliches und tätigkeitsbezogenes Lernen) (!Ausschließliche Konzentration auf Latein) (!Mechanisches Auswendiglernen als Hauptziel) (!Verzicht auf körperliche Bewegung)




Welches Werk verband Basedows Lehrtexte mit zahlreichen Bildtafeln? (Elementarwerk) (!Didactica magna) (!Emile) (!Kinderfreund)




Wer gründete 1784 die Erziehungsanstalt Schnepfenthal? (Christian Gotthilf Salzmann) (!Ernst Christian Trapp) (!Christian Heinrich Wolke) (!Heinrich Julius Bruns)




Welche Bedeutung hatte Ernst Christian Trapp für die Fachgeschichte? (Er wurde erster Professor für Pädagogik in Deutschland) (!Er erfand den Buchdruck) (!Er gründete die Universität Halle) (!Er schrieb Emile)




Wofür ist Joachim Heinrich Campe besonders bekannt? (Pädagogische Kinderliteratur und Herausgebertätigkeit) (!Begründung der Psychoanalyse) (!Erfindung des Kindergartens) (!Entwicklung der Waldorfpädagogik)




Welche kritische Frage ist bei philanthropischer Erziehung besonders wichtig? (Wie Fürsorge und pädagogische Kontrolle zusammenwirkten) (!Warum Bilder grundsätzlich vermieden wurden) (!Warum Naturwissenschaften verboten waren) (!Warum es keine Modellschulen gab)




Welche Aussage beschreibt den Gegenwartsbezug historisch angemessen? (Ähnliche Methoden müssen im jeweiligen historischen Kontext verglichen werden) (!Philanthropische Schulen waren mit heutigen Schulen identisch) (!Alle modernen Unterrichtsformen stammen ausschließlich von Basedow) (!Historische Pädagogik ist für aktuelle Fragen bedeutungslos)





Memory

Johann Bernhard Basedow Philanthropinum Dessau
Christian Gotthilf Salzmann Schnepfenthal
Ernst Christian Trapp Universitäre Pädagogik
Joachim Heinrich Campe Kinderliteratur
Johann Christoph Friedrich GutsMuths Gymnastik
Friedrich Eberhard von Rochow Reckahner Schule
Elementarwerk Bildgestützter Unterricht
Menschenfreundschaft Moralisches Erziehungsziel





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Bedeutung im Philanthropismus
Anschaulichkeit Lernen mit Bildern, Dingen und Wahrnehmungen
Realien Lebenspraktische Sachgebiete und Weltwissen
Lehrgespräch Gelenktes Fragen, Vergleichen und Begründen
Körpererziehung Bewegung, Gesundheit und körperliche Geschicklichkeit
Toleranz Gemeinsame Erziehung über konfessionelle Grenzen hinweg
Quellenkritik Prüfung von Perspektive, Zweck und Grenzen historischer Zeugnisse






Kreuzworträtsel

Basedow Wer initiierte das Philanthropinum in Dessau?
Dessau In welcher Stadt entstand die bekannteste philanthropische Modellschule?
Salzmann Wer gründete die Erziehungsanstalt Schnepfenthal?
Trapp Wer wurde erster Professor für Pädagogik in Deutschland?
Anschauung Welches Prinzip verbindet Lernen mit Wahrnehmung und konkreten Gegenständen?
Gymnastik Wie heißt GutsMuths zentraler Bereich der Körpererziehung?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Der Philanthropismus war eine pädagogische Reformbewegung der

. Sein bekanntester Initiator war Johann Bernhard

. Die 1774 eröffnete Modellschule in Dessau hieß

. Basedows bildgestütztes Lehrwerk trug den Titel

. Ein zentrales Unterrichtsprinzip war die

. Christian Gotthilf Salzmann gründete eine Erziehungsanstalt in

. Ernst Christian Trapp verband Pädagogik mit universitärer

. Bei der historischen Bewertung müssen Reformimpulse und zeitgebundene

gemeinsam untersucht werden.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Begriffskarte: Gestalte eine Begriffskarte mit den Ausdrücken Philanthropismus, Aufklärung, Menschenfreundschaft, Anschaulichkeit, Realien und Körpererziehung. Erkläre jede Verbindung in einem Satz.
  2. Bildbeschreibung: Wähle eine Tafel aus dem Elementarwerk und beschreibe sie zunächst ohne Deutung. Markiere danach drei Details, die für eine pädagogische Interpretation wichtig sind.
  3. Personenporträt: Erstelle ein einseitiges Studienporträt zu Basedow, Campe, Salzmann, Trapp, Rochow oder GutsMuths. Unterscheide Lebensdaten, Institutionen, Schriften und pädagogische Ideen.
  4. Zeitstrahl: Entwickle einen Zeitstrahl von der Reckahner Schule über das Philanthropinum bis zu Schnepfenthal und Trapps Professur. Ergänze zu jedem Ereignis seine fachgeschichtliche Bedeutung.


Standard

  1. Quellenvergleich: Vergleiche eine Bildtafel des Elementarwerks mit einer Textpassage aus einer philanthropischen Programmschrift. Untersuche, wie beide Medien Lernen steuern.
  2. Unterrichtsentwurf: Plane eine 45-minütige Seminarsitzung zum Prinzip der Anschaulichkeit. Nutze eine historische Quelle, eine Aktivierungsphase und eine kritische Transferfrage.
  3. Podcast: Produziere einen achtminütigen Podcast mit dem Titel Fortschritt oder Disziplinierung?. Lass zwei begründete Positionen zur philanthropischen Erziehung zu Wort kommen.
  4. Institutionenanalyse: Untersuche das Dessauer Philanthropinum als Organisation. Berücksichtige Finanzierung, Leitung, Personal, Öffentlichkeitsarbeit, Zielgruppen und Konflikte.


Schwer

  1. Forschungsdesign: Entwirf eine kleine historische Studie zu einer philanthropischen Institution. Formuliere Forschungsfrage, Quellenkorpus, Methode, erwartbare Erkenntnisse und Grenzen.
  2. Diskursanalyse: Analysiere, wie die Begriffe Natur, Vernunft, Glück und Nützlichkeit in mindestens zwei historischen Texten verwendet werden. Zeige Spannungen zwischen den Begriffen.
  3. Vergleichende Pädagogikgeschichte: Vergleiche Philanthropismus und eine spätere Reformbewegung, etwa Pestalozzi-Pädagogik, Reformpädagogik oder Montessoripädagogik. Vermeide einfache Fortschrittslinien.
  4. Ausstellungskonzept: Entwickle eine digitale Ausstellung mit dem Titel Schule der Menschenfreundschaft?. Kombiniere Bilder, Quellenkommentare, Hörstationen und eine kritische Gegenwartsfrage.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Quellenkritisches Urteil: Eine Werbeschrift bezeichnet das Philanthropinum als Schule für Arme und Reiche. Entwickle Kriterien, mit denen Du prüfst, ob dieser Anspruch in der Praxis eingelöst wurde.
  2. Didaktischer Transfer: Übertrage das philanthropische Prinzip der Anschaulichkeit auf ein heutiges Hochschulseminar. Begründe, was Du übernimmst, veränderst oder ausdrücklich ablehnst.
  3. Ambivalenzanalyse: Erkläre an einem Beispiel, wie eine philanthropische Innovation zugleich Emanzipation und Kontrolle fördern konnte.
  4. Theorie-Praxis-Problem: Zeige am Dessauer Philanthropinum, warum programmatische Texte, institutionelle Strukturen und pädagogischer Alltag getrennt untersucht werden müssen.
  5. Vergleichendes Urteil: Vergleiche Rousseaus Einzelerziehungsmodell mit dem institutionellen Reformansatz der Philanthropen. Beurteile die unterschiedlichen Möglichkeiten und Grenzen.
  6. Professionalisierung: Erläutere, weshalb Trapps Professur für Pädagogik fachgeschichtlich wichtig war. Diskutiere, welche Merkmale wissenschaftlicher Pädagogik darin bereits sichtbar wurden und welche noch fehlten.
  7. Bildung und Nützlichkeit: Entwickle eine begründete Position zur Frage, ob Bildung gesellschaftlich nützlich sein soll. Beziehe philanthropische Argumente und einen heutigen Bildungsbegriff ein.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema sind folgende Leistungen wichtig:

  1. Sachkompetenz: korrekte Einordnung des Philanthropismus in die Pädagogik der Aufklärung.
  2. Begriffskompetenz: präzise Verwendung von Menschenfreundschaft, Anschaulichkeit, Realien, Nützlichkeit, Modellschule und Lehrerbildung.
  3. Quellenkompetenz: methodisch kontrollierte Analyse mindestens einer Textquelle und einer Bildquelle.
  4. Kontextkompetenz: Verknüpfung pädagogischer Ideen mit sozialen, religiösen, politischen und medialen Bedingungen des 18. Jahrhunderts.
  5. Urteilskompetenz: ausgewogene Bewertung von Reformleistungen, Machtverhältnissen und historischen Grenzen.
  6. Transferkompetenz: begründeter Vergleich mit einer gegenwärtigen pädagogischen Frage, ohne historische Gleichsetzungen.
  7. Wissenschaftliches Arbeiten: nachvollziehbare Fragestellung, geeignete Literatur, korrekte Belege und klare Trennung von Quelle, Forschung und eigener Interpretation.
  8. Reflexionskompetenz: kritische Prüfung der eigenen Fortschrittsannahmen über historische Bildung.




OERs zum Thema


Freie und wissenschaftsnahe Materialien

  1. Wikipedia: Philanthropismus: Überblick zu Bewegung, Personen, Prinzipien und Wirkung.
  2. Wikipedia: Philanthropinum Dessau: Institutionengeschichte der Dessauer Modellschule.
  3. Deutsches Historisches Museum: Basedows Elementarwerk: Digitale Einführung in die Bild- und Lehrkonzeption.
  4. Bayerische Staatsbibliothek: Das in Dessau errichtete Philanthropinum: Digitalisat einer historischen Programmschrift von 1774.
  5. Deutsche Biographie: Johann Bernhard Basedow: Biografische und bibliografische Informationen.
  6. Deutsche Biographie: Ernst Christian Trapp: Informationen zur ersten Professur für Pädagogik in Deutschland.
  7. Schulmuseum Reckahn: Materialien zur philanthropisch geprägten Landschulreform.
  8. socialnet Lexikon: Philanthropische Pädagogik: Fachlicher Überblick und Literaturhinweise.


Literatur und Quellen


Historische Quellen

  1. Johann Bernhard Basedow: Das in Dessau errichtete Philanthropinum. Leipzig 1774.
  2. Johann Bernhard Basedow: Elementarwerk. Dessau 1774.
  3. Ernst Christian Trapp: Versuch einer Pädagogik. Berlin 1780.
  4. Christian Gotthilf Salzmann: Krebsbüchlein oder Anweisung zu einer unvernünftigen Erziehung der Kinder. Erfurt 1780.
  5. Joachim Heinrich Campe: Robinson der Jüngere. Hamburg 1779 und 1780.
  6. Friedrich Eberhard von Rochow: Der Kinderfreund. Brandenburg und Leipzig ab 1776.
  7. Johann Christoph Friedrich GutsMuths: Gymnastik für die Jugend. Schnepfenthal 1793.


Forschungsliteratur zur Vertiefung

  1. Jürgen Overhoff: Die Frühgeschichte des Philanthropismus 1715–1771. Tübingen 2004.
  2. Heinz-Elmar Tenorth: Klassiker der Pädagogik. Band 1. München 2003.
  3. Hanno Schmitt und weitere Herausgebende: Forschungen zur Dessau-Wörlitzer Reformbewegung und zur philanthropischen Pädagogik.
  4. Geschichte der Pädagogik: Überblickswerke sollten mit spezialisierten Studien und historischen Quellen kombiniert werden.


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Schulfach+

Prüfungsliteratur 2026
Bundesland Bücher Kurzbeschreibung
Baden-Württemberg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Mittlere Reife

  1. Der Markisenmann - Jan Weiler oder Als die Welt uns gehörte - Liz Kessler
  2. Ein Schatten wie ein Leopard - Myron Levoy oder Pampa Blues - Rolf Lappert

Abitur Dorfrichter-Komödie über Wahrheit/Schuld; Roman über einen Ort und deutsche Geschichte. Mittlere Reife Wahllektüren (Roadtrip-Vater-Sohn / Jugendroman im NS-Kontext / Coming-of-age / Provinzroman).

Bayern

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Lustspiel über Machtmissbrauch und Recht; Roman als Zeitschnitt deutscher Geschichte an einem Haus/Grundstück.

Berlin/Brandenburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Der Biberpelz - Gerhart Hauptmann
  4. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Gerichtskomödie; soziales Drama um Ausbeutung/Armut; Komödie/Satire um Diebstahl und Obrigkeit; Roman über Erinnerungsräume und Umbrüche.

Bremen

Abitur

  1. Nach Mitternacht - Irmgard Keun
  2. Mario und der Zauberer - Thomas Mann
  3. Emilia Galotti - Gotthold Ephraim Lessing oder Miss Sara Sampson - Gotthold Ephraim Lessing

Abitur Roman in der NS-Zeit (Alltag, Anpassung, Angst); Novelle über Verführung/Massenpsychologie; bürgerliche Trauerspiele (Moral, Macht, Stand).

Hamburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun

Abitur Justiz-/Machtkritik als Komödie; Großstadtroman der Weimarer Zeit (Rollenbilder, Aufstiegsträume, soziale Realität).

Hessen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  4. Der Prozess - Franz Kafka

Abitur Gerichtskomödie; Fragmentdrama über Gewalt/Entmenschlichung; Erinnerungsroman über deutsche Brüche; moderner Roman über Schuld, Macht und Bürokratie.

Niedersachsen

Abitur

  1. Der zerbrochene Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun
  3. Die Marquise von O. - Heinrich von Kleist
  4. Über das Marionettentheater - Heinrich von Kleist

Abitur Schwerpunkt auf Drama/Roman sowie Kleist-Prosatext und Essay (Ehre, Gewalt, Unschuld; Ästhetik/„Anmut“).

Nordrhein-Westfalen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Komödie über Wahrheit und Autorität; Roman als literarische „Geschichtsschichtung“ an einem Ort.

Saarland

Abitur

  1. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  2. Furor - Lutz Hübner und Sarah Nemitz
  3. Bahnwärter Thiel - Gerhart Hauptmann

Abitur Erinnerungsroman an einem Ort; zeitgenössisches Drama über Eskalation/Populismus; naturalistische Novelle (Pflicht/Überforderung/Abgrund).

Sachsen (berufliches Gymnasium)

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Irrungen, Wirrungen - Theodor Fontane
  4. Der gute Mensch von Sezuan - Bertolt Brecht
  5. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  6. Der Trafikant - Robert Seethaler

Abitur Mischung aus Klassiker-Drama, sozialem Drama, realistischem Roman, epischem Theater und Gegenwarts-/Erinnerungsroman; zusätzlich Coming-of-age im historischen Kontext.

Sachsen-Anhalt

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Themenfelder)

Abitur Schwerpunktsetzung über Themenfelder (u. a. Literatur um 1900; Sprache in politisch-gesellschaftlichen Kontexten), ohne feste Einzeltitel.

Schleswig-Holstein

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Recht/Gerechtigkeit und historische Tiefenschichten eines Ortes – umgesetzt über Drama und Gegenwartsroman.

Thüringen

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool)

Abitur In der Praxis häufig Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool; landesweite Einzeltitel je nach Vorgabe/Handreichung nicht einheitlich ausgewiesen.

Mecklenburg-Vorpommern

Abitur

  1. (Quelle aktuell technisch nicht abrufbar; Beteiligung am gemeinsamen Aufgabenpool bekannt)

Abitur Land beteiligt sich am länderübergreifenden Aufgabenpool; konkrete, veröffentlichte Einzeltitel konnten hier nicht ausgelesen werden.

Rheinland-Pfalz

Abitur

  1. (keine landesweit einheitliche Pflichtlektüre; schulische Auswahl)

Abitur Keine landesweite Einheitsliste; Auswahl kann schul-/kursbezogen erfolgen.




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THE MONKEY DANCE




The Monkey DanceaiMOOCs

  1. Trust Me It's True: #Verschwörungstheorie #FakeNews
  2. Gregor Samsa Is You: #Kafka #Verwandlung
  3. Who Owns Who: #Musk #Geld
  4. Lump: #Trump #Manipulation
  5. Filth Like You: #Konsum #Heuchelei
  6. Your Poverty Pisses Me Off: #SozialeUngerechtigkeit #Musk
  7. Hello I'm Pump: #Trump #Kapitalismus
  8. Monkey Dance Party: #Lebensfreude
  9. God Hates You Too: #Religionsfanatiker
  10. You You You: #Klimawandel #Klimaleugner
  11. Monkey Free: #Konformität #Macht #Kontrolle
  12. Pure Blood: #Rassismus
  13. Monkey World: #Chaos #Illusion #Manipulation
  14. Uh Uh Uh Poor You: #Kafka #BerichtAkademie #Doppelmoral
  15. The Monkey Dance Song: #Gesellschaftskritik
  16. Will You Be Mine: #Love
  17. Arbeitsheft
  18. And Thanks for Your Meat: #AntiFactoryFarming #AnimalRights #MeatIndustry


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