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Der Fall der Berliner Mauer - Geschichte

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Der Fall der Berliner Mauer - Geschichte




Der Fall der Berliner Mauer - Geschichte

Der Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 gehört zu den Schlüsselereignissen der deutschen, europäischen und globalen Zeitgeschichte. In jener Nacht verloren die Grenzanlagen zwischen Ost-Berlin und West-Berlin ihre politische Funktion. Der Mauerfall war kein isoliertes Ereignis und nicht allein das Ergebnis eines Versprechers. Er entstand aus dem Zusammenwirken einer tiefen Krise der DDR, wachsender Ausreisebewegungen, mutiger Proteste, internationaler Reformprozesse und einer folgenreichen Kommunikationspanne auf einer Pressekonferenz.

Dieser aiMOOC richtet sich an Lernende der Sekundarstufe I und II sowie an Studierende im Studienfach Geschichte. Du untersuchst Ursachen, Verlauf und Folgen des Mauerfalls, arbeitest mit historischen Quellen und setzt Dich mit unterschiedlichen Deutungen auseinander. Dabei lernst Du, zwischen Ereignis, Erinnerung und späterer Interpretation zu unterscheiden.


Einleitung

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 strömten Tausende Menschen zu den Berliner Grenzübergängen. Am Übergang Bornholmer Straße öffneten DDR-Grenzkräfte gegen 23:30 Uhr die Schranken, ohne einen eindeutigen Befehl der politischen Führung erhalten zu haben. Bald wurden weitere Übergänge geöffnet. Menschen aus Ost und West feierten gemeinsam, lagen sich in den Armen und kletterten auf die Mauer. Die Fernsehbilder gingen um die Welt.

Der Mauerfall war zugleich Ergebnis und Beschleuniger der Friedlichen Revolution. Er zeigte, dass die SED ihre Fähigkeit verloren hatte, Bewegungsfreiheit, Öffentlichkeit und politische Ordnung vollständig zu kontrollieren. Die Öffnung der Grenze beseitigte die deutsche Teilung noch nicht, veränderte aber die politischen Möglichkeiten grundlegend. Weniger als elf Monate später, am 3. Oktober 1990, trat die DDR der Bundesrepublik Deutschland bei.


Leitfragen des aiMOOC

  1. Ursachen: Welche langfristigen und kurzfristigen Entwicklungen führten zum Mauerfall?
  2. Handlungsmacht: Welche Bedeutung hatten Bürgerbewegungen, Demonstrierende, Ausreisewillige und einzelne Grenzoffiziere?
  3. Kommunikation: Wie konnte eine missverständliche Pressekonferenz unmittelbare politische Folgen auslösen?
  4. Internationaler Kontext: Welche Rolle spielten die Sowjetunion, Ungarn, Polen, die Tschechoslowakei und die westlichen Staaten?
  5. Folgen: Warum führte die Grenzöffnung in kurzer Zeit zur deutschen Einheit?
  6. Erinnerung: Wie wird der Mauerfall heute erinnert, erzählt und politisch gedeutet?


Lernziele und Kompetenzen

Nach der Bearbeitung dieses aiMOOCs kannst Du

  1. die deutsche Teilung und die Funktion der Berliner Mauer in den Kalten Krieg einordnen,
  2. strukturelle, internationale und situative Ursachen des Mauerfalls unterscheiden,
  3. eine Ereigniskette für das Jahr 1989 erstellen und kausale Zusammenhänge begründen,
  4. Bild-, Film-, Presse- und Zeitzeugenquellen quellenkritisch untersuchen,
  5. verschiedene historische Deutungen miteinander vergleichen,
  6. die Begriffe Friedliche Revolution, Wende, Mauerfall und deutsche Einheit differenziert verwenden,
  7. Gegenwartsbezüge zu Demokratie, Menschenrechten, Diktaturerfahrungen und Erinnerungskultur herstellen.


Historischer Hintergrund


Deutschland und Berlin nach 1945

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs teilten die vier Siegermächte Vereinigte Staaten, Sowjetunion, Vereinigtes Königreich und Frankreich Deutschland in Besatzungszonen. Auch Berlin wurde in vier Sektoren geteilt, obwohl die Stadt vollständig in der sowjetischen Besatzungszone lag. Die wachsenden Konflikte zwischen den ehemaligen Verbündeten führten zur Blockbildung des Kalten Kriegs.

1949 entstanden zwei deutsche Staaten: die westlich orientierte Bundesrepublik Deutschland und die sozialistische DDR. Berlin blieb ein besonderer Brennpunkt. West-Berlin war politisch und wirtschaftlich eng mit der Bundesrepublik verbunden, lag aber als westliche Insel mitten im Gebiet der DDR. Ost-Berlin wurde von der DDR als Hauptstadt beansprucht.

Bildanalyse: Untersuche die Karte. Achte auf die Lage West-Berlins, den Verlauf der Sektorengrenzen und die Verbindung zum Umland. Erkläre, weshalb Berlin im Kalten Krieg eine besondere strategische und symbolische Bedeutung besaß.


Der Bau der Berliner Mauer 1961

Bis 1961 verließen Millionen Menschen die DDR in Richtung Westen. Viele nutzten die noch vergleichsweise offene Grenze in Berlin. Für die DDR bedeutete diese Abwanderung einen erheblichen Verlust an Arbeitskräften und gesellschaftlicher Legitimität. In der Nacht zum 13. August 1961 riegelten DDR-Sicherheitskräfte die Sektorengrenze ab. Zunächst entstanden Stacheldrahtsperren, später ein ausgebautes Grenzsystem mit Mauern, Zäunen, Kontrollstreifen, Wachtürmen und bewachten Übergängen.

Die SED-Führung bezeichnete die Mauer propagandistisch als „antifaschistischen Schutzwall“. Tatsächlich richtete sich die Anlage vor allem nach innen: Sie sollte verhindern, dass Bürgerinnen und Bürger die DDR ohne Genehmigung verließen. Fluchtversuche wurden strafrechtlich verfolgt und konnten tödlich enden. Die Mauer trennte Familien, Freundeskreise, Arbeitsorte und Stadtviertel.

Quellenkritischer Hinweis: Eine Fotografie zeigt immer nur einen Ausschnitt. Frage bei historischen Bildern nach Aufnahmeort, Perspektive, Zeitpunkt, Urheber, Auswahl und möglicher Inszenierung.


Die Mauer als Herrschafts- und Grenzsystem

Die Berliner Mauer war nicht nur eine Betonwand. Sie war Teil eines mehrschichtigen Grenzregimes. Auf der Ostseite lagen je nach Abschnitt Hinterlandmauern, Signalzäune, beleuchtete Kontrollstreifen, Kolonnenwege, Wachtürme, Sperrgräben und die eigentliche Grenzmauer. Das System wurde technisch verändert und fortlaufend überwacht.

Die Mauer wirkte auf mehreren Ebenen:

  1. Politisch: Sie stabilisierte vorübergehend die SED-Herrschaft, indem sie massenhafte Abwanderung erschwerte.
  2. Rechtlich: Sie verletzte das Recht der Menschen, das eigene Land zu verlassen.
  3. Sozial: Sie trennte Lebenswege, Familien und Nachbarschaften.
  4. International: Sie wurde zum sichtbarsten Symbol der Teilung Europas.
  5. Symbolisch: Ost und West deuteten die Mauer gegensätzlich und nutzten sie in politischen Auseinandersetzungen.

Die Gedenkstätte Berliner Mauer erinnert an Menschen, die an der Berliner Mauer ums Leben kamen, an gescheiterte und geglückte Fluchten sowie an die Folgen der Teilung für den Alltag.


Die Krise der DDR in den 1980er Jahren


Politische Erstarrung und Legitimationsprobleme

Die DDR verstand sich als sozialistischer Staat unter Führung der SED. Freie Konkurrenzwahlen, unabhängige Medien und eine legale parlamentarische Opposition existierten nicht. Das Ministerium für Staatssicherheit überwachte große Teile der Gesellschaft. Kritik konnte berufliche Nachteile, Überwachung, Haft oder Ausbürgerung nach sich ziehen.

In den 1980er Jahren wuchs der Abstand zwischen dem offiziellen Selbstbild und den Erfahrungen vieler Menschen. Versorgungsprobleme, Umweltbelastungen, eingeschränkte Reisemöglichkeiten und politische Bevormundung verstärkten die Unzufriedenheit. Zugleich war die DDR wirtschaftlich von westlichen Krediten und Importen abhängig. Die Krise war nicht allein wirtschaftlich: Sie betraf auch Vertrauen, politische Teilhabe und die Glaubwürdigkeit staatlicher Institutionen.


Gorbatschow, Glasnost und Perestroika

1985 wurde Michail Sergejewitsch Gorbatschow Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion. Mit Glasnost und Perestroika verbanden sich größere Offenheit, öffentliche Kritik und Reformen. Besonders wichtig war, dass die Sowjetunion ihre osteuropäischen Verbündeten zunehmend weniger zu stützen bereit war, wenn diese ihre Herrschaft nur mit Gewalt sichern konnten.

Die SED-Führung unter Erich Honecker reagierte abwehrend. Sie wollte den sowjetischen Reformkurs nicht übernehmen. Dadurch erschien die DDR-Führung vielen Menschen noch unbeweglicher. Zugleich sank die Furcht vor einer militärischen Intervention nach dem Muster des Ungarn-Aufstands von 1956 oder des Prager Frühlings von 1968.

Einordnung: Die Rede des US-Präsidenten Ronald Reagan am Brandenburger Tor 1987 war Teil der politischen Symbolik des Kalten Kriegs. Sie allein brachte die Mauer nicht zu Fall. Historisches Erklären verlangt, öffentliche Gesten von tiefer liegenden gesellschaftlichen und politischen Prozessen zu unterscheiden.


Reformen im Ostblock und der brüchige Eiserne Vorhang

1989 veränderte sich Mittel- und Osteuropa rasch. In Polen wurde die oppositionelle Gewerkschaft Solidarność wieder zugelassen und gewann die teilweise freien Wahlen vom Juni. Ungarn begann im Mai mit dem Abbau technischer Grenzsperren zu Österreich. Beim Paneuropäischen Picknick am 19. August nutzten zahlreiche DDR-Bürgerinnen und DDR-Bürger eine kurzzeitige Grenzöffnung zur Flucht. Am 11. September öffnete Ungarn seine Grenze für ausreisewillige DDR-Bürger dauerhaft.

Diese Entwicklungen zeigten, dass die Außengrenzen des Ostblocks nicht mehr zuverlässig geschlossen werden konnten. Die Krise der DDR wurde damit international sichtbar.


1989: Ausreise, Opposition und Protest


Ausreisebewegung und Botschaftsflüchtlinge

Im Sommer und Herbst 1989 versuchten immer mehr Menschen, die DDR über Ungarn oder die Tschechoslowakei zu verlassen. Tausende suchten Zuflucht in den Botschaften der Bundesrepublik in Prag, Warschau und Budapest. Am 30. September verkündete Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher vom Balkon der Prager Botschaft, dass die Ausreise der dort Wartenden möglich geworden sei.

Die Ausreisebewegung setzte die DDR-Führung unter Druck. Sie machte sichtbar, dass viele Menschen dem Staat keine Zukunft mehr zutrauten. Gleichzeitig entstand eine politische Spannung zwischen zwei Losungen: „Wir wollen raus“ stand für die Entscheidung zur Ausreise; „Wir bleiben hier“ bezeichnete den Willen, die DDR von innen zu verändern.


Bürgerbewegungen und Kirchenräume

Kirchliche Räume boten oppositionellen Gruppen einen gewissen, wenn auch begrenzten Schutz. Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsgruppen diskutierten Abrüstung, ökologische Schäden, Wehrdienstverweigerung und politische Reformen. Im September 1989 entstand das Neue Forum. Weitere Gruppen waren Demokratie Jetzt, der Demokratische Aufbruch und die Initiative Frieden und Menschenrechte.

Diese Gruppen waren nicht einheitlich. Manche wollten einen demokratischen Sozialismus in einer eigenständigen DDR, andere eine parlamentarische Demokratie nach westlichem Vorbild, wieder andere bald die deutsche Einheit. Gerade diese Vielfalt ist für das Verständnis der Friedlichen Revolution wichtig.


Montagsdemonstrationen in Leipzig

Aus den Friedensgebeten in der Leipziger Nikolaikirche entwickelten sich Montagsdemonstrationen. Ein Schlüsseldatum war der 9. Oktober 1989. Trotz massiver Präsenz von Sicherheitskräften demonstrierten etwa 70.000 Menschen friedlich. Die befürchtete gewaltsame Niederschlagung blieb aus. Der Ruf „Wir sind das Volk“ stellte den Alleinvertretungsanspruch der SED infrage.

Historische Bedeutung: Die Demonstrationen zeigten, dass kollektives, öffentliches und friedliches Handeln die Machtverhältnisse verändern konnte. Sie stärkten den Mut zu weiteren Protesten in vielen Städten.


Alexanderplatz-Demonstration und Machtverlust der SED

Am 18. Oktober 1989 trat Erich Honecker als SED-Generalsekretär zurück; Egon Krenz folgte ihm. Der Personalwechsel beruhigte die Proteste nicht. Am 4. November versammelten sich auf dem Berliner Alexanderplatz Hunderttausende zur größten nichtstaatlich organisierten Demonstration der DDR-Geschichte. Gefordert wurden Meinungsfreiheit, freie Wahlen, Rechtsstaatlichkeit und politische Erneuerung.

Die Demonstration wurde im DDR-Fernsehen übertragen. Damit entstand eine ungewöhnliche Öffentlichkeit: Kritik an der Staatsführung war nun für ein Millionenpublikum sichtbar. Am 7. November trat der DDR-Ministerrat zurück, am 8. November das Politbüro der SED. Die politische Ordnung befand sich in Auflösung.


Der 9. November 1989


Die geplante Reiseregelung

Die SED-Führung wollte die Ausreisekrise durch eine neue Regelung entschärfen. DDR-Bürgerinnen und DDR-Bürger sollten Privatreisen ins Ausland beantragen können. Die Regelung sollte verwaltungstechnisch vorbereitet und nach der vorgesehenen Bekanntgabe wirksam werden. Sie war keine bewusst geplante sofortige Öffnung aller Berliner Grenzübergänge.

Am 9. November erhielt Politbüromitglied Günter Schabowski Unterlagen zur neuen Reiseregelung. Schabowski hatte an der entscheidenden Beratung nicht teilgenommen und war über Einzelheiten unzureichend informiert.


Schabowskis Pressekonferenz

Am frühen Abend fand im Internationalen Pressezentrum in Ost-Berlin eine live übertragene Pressekonferenz statt. Gegen Ende verlas Schabowski die Reiseregelung. Auf die Frage, wann sie in Kraft trete, antwortete er sinngemäß, dies geschehe nach seiner Kenntnis „sofort, unverzüglich“.

Die Aussage war historisch folgenreich, weil sie von Medien als sofortige Grenzöffnung verstanden und verbreitet wurde. Westliche Nachrichtensendungen meldeten am Abend, die DDR öffne ihre Grenzen. Viele Ost-Berlinerinnen und Ost-Berliner machten sich daraufhin zu den Übergängen auf.

Wichtig: Die Pressekonferenz war ein Auslöser, aber keine ausreichende Gesamterklärung. Ohne monatelange Proteste, Ausreisebewegung, Reformen in Osteuropa, den Machtverlust der SED und die Bereitschaft vieler Menschen, ihr vermeintliches Recht sofort einzufordern, hätte die Äußerung nicht dieselbe Wirkung entfaltet.


Medien als historische Akteure

Fernsehen und Rundfunk berichteten nicht nur über das Ereignis, sondern beeinflussten seinen Verlauf. Die Meldung einer geöffneten Grenze schuf Erwartungen. Menschen handelten auf Grundlage dieser Meldung und erzeugten dadurch eine Situation, in der die Grenze tatsächlich geöffnet wurde.

Dieses Wechselverhältnis lässt sich als Rückkopplung beschreiben:

  1. Eine politische Regelung wird missverständlich verkündet.
  2. Medien verdichten die Verkündung zur Nachricht einer Grenzöffnung.
  3. Viele Menschen begeben sich zu den Grenzübergängen.
  4. Der Andrang überfordert die örtlichen Befehlsketten.
  5. Grenzkräfte öffnen die Schranken.
  6. Die Bilder der geöffneten Grenze bestätigen die ursprüngliche Nachricht.

Damit ist der Mauerfall ein besonders anschauliches Beispiel dafür, wie Kommunikation, Erwartung und kollektives Handeln historische Wirklichkeit hervorbringen können.


Die Grenzöffnung an der Bornholmer Straße

Am Grenzübergang Bornholmer Straße wuchs der Andrang besonders stark. Die dort eingesetzten Grenzkräfte hatten keine klaren Anweisungen. Zunächst wurden einzelne Menschen durchgelassen und teilweise durch besondere Stempel faktisch ausgebürgert. Diese Maßnahme verringerte den Druck nicht.

Der leitende Offizier Harald Jäger entschied schließlich, die Kontrollen einzustellen. Gegen 23:30 Uhr wurde der Übergang geöffnet. Tausende gingen über die Bösebrücke nach West-Berlin. Später öffneten weitere Grenzübergänge.

Die Entscheidung fiel auf lokaler Ebene, aber unter dem Druck einer massenhaften, friedlichen Menschenmenge. Sie zeigt, dass historische Ereignisse nicht nur von Staatsoberhäuptern entschieden werden. Institutionelle Unsicherheit, individuelle Verantwortung und kollektives Handeln können in einer Krisensituation zusammenwirken.


Die Nacht der offenen Mauer

In West-Berlin wurden die Ankommenden begeistert begrüßt. Viele erhielten das sogenannte Begrüßungsgeld. Fremde Menschen umarmten sich, Gaststätten verteilten Getränke, Autokonvois fuhren hupend durch die Stadt. Am Brandenburger Tor kletterten Menschen auf die Mauer.

Die Bilder vermitteln Freude und Befreiung. Dennoch darf die Erinnerung nicht auf eine einzige Jubelerzählung reduziert werden. Manche Menschen erlebten Unsicherheit, Angst vor Arbeitsplatzverlust, Sorge um die Zukunft der DDR oder Skepsis gegenüber einer schnellen Vereinigung. Historische Erfahrung ist vielfältig.


Was bedeutet „Fall der Mauer“?

Der Ausdruck „Mauerfall“ bezeichnet zunächst den politischen und praktischen Funktionsverlust der Grenzanlagen am 9. November 1989. Die Mauer stürzte nicht in einer einzigen Nacht vollständig ein. Viele Abschnitte blieben zunächst stehen. Neue Übergänge wurden geschaffen, private „Mauerspechte“ schlugen Stücke aus dem Beton, und staatliche Stellen begannen später mit dem systematischen Abbau.

Der Begriff ist daher metaphorisch und konkret zugleich:

  1. Metaphorisch fiel die Mauer, weil sie Menschen nicht mehr wirksam voneinander trennte.
  2. Politisch fiel sie, weil die SED ihr Grenzregime nicht mehr durchsetzen konnte.
  3. Materiell wurde sie erst in den folgenden Monaten und Jahren weitgehend beseitigt.
  4. International symbolisierte ihr Fall den Zusammenbruch der europäischen Blockgrenze.


Ursachen des Mauerfalls

Historische Ursachen lassen sich nach Zeithorizont und Wirkungsebene ordnen. Keine einzelne Ursache erklärt das Ereignis vollständig.


Langfristige Ursachen

  1. Teilungskonflikt: Die deutsche und europäische Teilung blieb politisch umstritten.
  2. Legitimationsdefizit: Die SED-Herrschaft beruhte nicht auf freien und fairen Wahlen.
  3. Eingeschränkte Freiheit: Reisebeschränkungen und politische Kontrolle erzeugten dauerhafte Unzufriedenheit.
  4. Wirtschaftliche Probleme: Produktivitätsrückstände, Verschuldung und Versorgungsprobleme belasteten den Staat.
  5. Informationskonkurrenz: Viele DDR-Bürger konnten westliche Medien empfangen und offizielle Darstellungen vergleichen.


Mittelfristige Ursachen

  1. Glasnost und Perestroika veränderten das politische Klima im Ostblock.
  2. Reformen in Polen und Ungarn schwächten die Geschlossenheit des sozialistischen Bündnissystems.
  3. Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsgruppen entwickelten Netzwerke und oppositionelle Erfahrungen.
  4. Die Ausreisebewegung entzog der DDR Bevölkerung und Glaubwürdigkeit.
  5. Die SED-Führung reagierte zu spät und widersprüchlich auf gesellschaftliche Forderungen.


Unmittelbare Auslöser

  1. Die neue Reiseregelung wurde unzureichend vorbereitet.
  2. Schabowski verkündete sie vorzeitig und missverständlich.
  3. Medien meldeten eine sofortige Grenzöffnung.
  4. Tausende Menschen erschienen an den Übergängen.
  5. Grenzkräfte erhielten keine klaren Befehle.
  6. Verantwortliche vor Ort entschieden sich gegen Gewalt und für die Öffnung.


Ursache, Anlass und Auslöser unterscheiden

In historischen Erklärungen ist es hilfreich, drei Begriffe auseinanderzuhalten:

  1. Eine Ursache schafft grundlegende Bedingungen, etwa die Legitimationskrise der SED.
  2. Ein Anlass bringt einen bestehenden Konflikt sichtbar zum Ausdruck, etwa die Debatte über die Reiseregelung.
  3. Ein Auslöser setzt eine unmittelbare Ereigniskette in Gang, etwa Schabowskis Aussage und ihre mediale Verbreitung.

Diese Unterscheidung verhindert eine vereinfachte Erzählung, nach der ein einziger Satz zufällig die gesamte Mauer beseitigt habe.


Folgen des Mauerfalls


Unmittelbare Folgen

Die Reisefreiheit veränderte den Alltag innerhalb weniger Stunden. Grenzübergänge wurden geöffnet, neue Übergänge entstanden, und Begegnungen zwischen Ost und West wurden möglich. Zugleich beschleunigte sich der Autoritätsverlust der SED. Die Forderungen vieler Demonstrierender veränderten sich: Neben „Wir sind das Volk“ wurde nun häufiger „Wir sind ein Volk“ gerufen.

Die offene Grenze verstärkte außerdem den wirtschaftlichen und politischen Druck. Viele Menschen verglichen Löhne, Warenangebote und Lebensbedingungen unmittelbar. Die Frage, ob die DDR reformiert, neu gegründet oder mit der Bundesrepublik vereinigt werden sollte, wurde zum Zentrum der politischen Auseinandersetzung.


Vom Zentralen Runden Tisch zu freien Wahlen

Im Dezember 1989 trat der Zentrale Runde Tisch zusammen. Vertreter der alten Macht, neuer Bürgerbewegungen und gesellschaftlicher Organisationen berieten über Reformen und kontrollierten die Übergangsregierung. Das Ministerium für Staatssicherheit wurde aufgelöst.

Am 18. März 1990 fanden die ersten freien Volkskammerwahlen statt. Das Ergebnis zeigte eine deutliche Unterstützung für einen schnellen Weg zur deutschen Einheit. Die neu gewählte Regierung unter Lothar de Maizière verhandelte mit der Bundesrepublik über Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion sowie über den staatlichen Beitritt.


Der internationale Weg zur Einheit

Eine deutsche Vereinigung betraf nicht nur die beiden deutschen Staaten. Die vier ehemaligen Besatzungsmächte besaßen weiterhin besondere Rechte in Bezug auf Deutschland und Berlin. Deshalb verhandelten die beiden deutschen Staaten mit den Vereinigten Staaten, der Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich im sogenannten Zwei-plus-Vier-Prozess.

Der Zwei-plus-Vier-Vertrag regelte zentrale außenpolitische Fragen und stellte die volle Souveränität des vereinten Deutschlands her. Am 3. Oktober 1990 trat die DDR dem Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik bei. Deutschland war staatlich vereinigt.


Europäische und globale Folgen

Der Mauerfall wurde weltweit als Zeichen für das Ende der Blockkonfrontation verstanden. Er beschleunigte den politischen Wandel in Mittel- und Osteuropa und wurde zu einem Symbol für den Zerfall des Eisernen Vorhangs. Die Auflösung des Warschauer Pakts und der Sowjetunion folgten später, waren aber Teil eines umfassenderen Umbruchs.

Der Mauerfall bedeutete nicht automatisch das Ende aller Konflikte. Die Neuordnung Europas stellte Fragen nach Grenzen, Sicherheit, NATO-Mitgliedschaft, wirtschaftlicher Transformation und dem Verhältnis zu Russland. Geschichte sollte deshalb nicht als zwangsläufige Erfolgskette erzählt werden.


Historische Deutungen und Kontroversen


War der Mauerfall ein Zufall?

Die missverständliche Pressekonferenz enthielt ein starkes Zufallselement. Zeitpunkt, Formulierung und Medienwirkung waren nicht geplant. Der Fall der Mauer war dennoch kein bloßer Zufall. Die staatliche Ordnung war bereits tief erschüttert, und viele Menschen waren bereit, die angekündigte Freiheit sofort in Anspruch zu nehmen.

Eine ausgewogene Deutung verbindet Struktur und Ereignis: Langfristige Krisen erklären, warum das System instabil war; konkrete Entscheidungen erklären, warum die Grenze gerade in dieser Nacht geöffnet wurde.


Wer „machte“ den Mauerfall?

Mehrere Akteursgruppen trugen bei:

  1. Demonstrierende erkämpften Öffentlichkeit und politische Handlungsräume.
  2. Ausreisewillige erhöhten den Druck auf die SED-Führung.
  3. Oppositionelle Gruppen formulierten Alternativen und organisierten Protest.
  4. Reformpolitiker in anderen Ostblockstaaten öffneten politische und geografische Grenzen.
  5. Gorbatschows Politik verringerte die Wahrscheinlichkeit sowjetischer Gewaltintervention.
  6. Journalistinnen und Journalisten verbreiteten Schabowskis Aussage.
  7. Grenzkräfte entschieden sich in der konkreten Situation gegen Schusswaffengebrauch.
  8. Menschen an den Übergängen verwandelten eine Nachricht in vollendete Tatsachen.

Die Frage nach dem handelnden Subjekt ist auch erinnerungspolitisch bedeutsam. Eine Erzählung, die nur Regierungschefs nennt, unterschätzt gesellschaftlichen Protest. Eine Erzählung, die internationale Bedingungen ausblendet, überschätzt wiederum die Handlungsmöglichkeiten innerhalb der DDR.


„Wende“, „Friedliche Revolution“ oder „Mauerfall“?

Der Begriff Wende wurde bereits von Egon Krenz benutzt und kann einen von oben gesteuerten Kurswechsel suggerieren. Friedliche Revolution betont dagegen den grundlegenden Wandel, der durch gesellschaftlichen Protest ohne Bürgerkrieg und weitgehend ohne Gewalt durchgesetzt wurde. Mauerfall konzentriert sich auf den symbolischen Höhepunkt am 9. November.

Für eine präzise Darstellung solltest Du benennen, welchen Ausschnitt Du meinst:

  1. Friedliche Revolution für den gesellschaftlichen und politischen Umbruch in der DDR,
  2. Mauerfall für den Funktionsverlust der Berliner Grenzanlagen,
  3. deutsche Einheit für den staatlichen Vereinigungsprozess bis zum 3. Oktober 1990,
  4. Transformation für die langfristigen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen danach.


Unterschiedliche Erfahrungen nach 1989

Viele Menschen verbanden den Mauerfall mit Freiheit, Familienzusammenführung, Reisemöglichkeiten und demokratischer Mitbestimmung. Andere erlebten in den Folgejahren Arbeitslosigkeit, Statusverlust, biografische Brüche oder die Abwertung ostdeutscher Erfahrungen. Beides gehört zur Geschichte der Einheit.

Eine reflektierte Erinnerungskultur vermeidet zwei Verkürzungen: Sie reduziert die DDR weder auf Alltag und private Normalität noch ausschließlich auf Repression. Ebenso beschreibt sie die Vereinigung weder nur als Erfolg noch nur als Verlustgeschichte. Historische Urteile müssen Widersprüche aushalten.


Quellenarbeit zum Mauerfall


Quellengattungen

Zum Mauerfall existiert eine außergewöhnlich dichte Überlieferung:

  1. Fernsehaufnahmen dokumentieren Pressekonferenz, Nachrichtensendungen und Grenzöffnung.
  2. Fotografien zeigen Demonstrationen, Grenzübergänge und Feiern.
  3. Verwaltungsakten enthalten Entwürfe der Reiseregelung, Befehle und Protokolle.
  4. Zeitzeugenberichte vermitteln individuelle Wahrnehmungen und Erinnerungen.
  5. Zeitungen zeigen, wie Informationen gedeutet und verbreitet wurden.
  6. Sachquellen wie Mauersegmente, Grenzstempel oder Transparente machen Geschichte räumlich erfahrbar.


Regeln der Quellenkritik

Bei jeder Quelle solltest Du prüfen:

  1. Wer hat die Quelle erstellt?
  2. Wann und in welcher Situation entstand sie?
  3. Für wen war sie bestimmt?
  4. Welche Absicht könnte dahinterstehen?
  5. Welche Informationen bietet sie?
  6. Was verschweigt oder überzeichnet sie?
  7. Welche späteren Erinnerungen oder Interessen beeinflussen ihre heutige Präsentation?
  8. Welche weiteren Quellen werden zur Überprüfung benötigt?

Zeitzeugenberichte sind besonders wertvoll, aber nicht automatisch objektiv. Erinnerungen verändern sich, werden durch spätere Erfahrungen geprägt und folgen häufig bekannten Erzählmustern. Gerade deshalb sind sie historische Quellen: Sie berichten nicht nur über das Ereignis, sondern auch über seine spätere Verarbeitung.


Beispiel einer Bildinterpretation

Betrachte das Foto von Menschen auf der Mauer am Brandenburger Tor:

  1. Beschreibung: Notiere zunächst nur Sichtbares, ohne es sofort zu deuten.
  2. Analyse: Untersuche Perspektive, Bildaufbau, Gestik, Symbole und räumliche Anordnung.
  3. Kontextualisierung: Ordne das Bild in die Ereignisse vom November 1989 ein.
  4. Deutung: Erkläre, welche Botschaft das Foto über Freiheit, Einheit oder Öffentlichkeit vermittelt.
  5. Kritik: Frage, welche Gruppen, Gefühle und Konflikte im Bild nicht sichtbar werden.


Chronologie

Datum Ereignis Historische Bedeutung
13. August 1961 Abriegelung der Sektorengrenze und Beginn des Mauerbaus Die DDR stoppt die massenhafte Abwanderung mit einem umfassenden Grenzregime.
März 1985 Gorbatschow wird Generalsekretär der KPdSU Glasnost und Perestroika verändern den politischen Rahmen im Ostblock.
Mai 1989 Ungarn beginnt mit dem Abbau technischer Grenzsperren Der Eiserne Vorhang wird an einer entscheidenden Stelle durchlässiger.
19. August 1989 Paneuropäisches Picknick Zahlreiche DDR-Bürger nutzen die zeitweilige Grenzöffnung zur Flucht.
4. September 1989 Frühe Leipziger Montagsdemonstration Aus Friedensgebeten entwickelt sich eine regelmäßige Protestbewegung.
11. September 1989 Ungarn öffnet die Grenze für DDR-Bürger Die Ausreisekrise der DDR verschärft sich.
30. September 1989 Ausreiseankündigung in der Prager Botschaft Die Botschaftsflüchtlinge dürfen in die Bundesrepublik ausreisen.
7. Oktober 1989 Vierzigster Jahrestag der DDR Offizielle Feiern stehen massiven Protesten und staatlicher Gewalt gegenüber.
9. Oktober 1989 Leipziger Montagsdemonstration Zehntausende demonstrieren friedlich; die Sicherheitskräfte greifen nicht ein.
18. Oktober 1989 Rücktritt Erich Honeckers Der Machtverlust der bisherigen SED-Führung wird sichtbar.
4. November 1989 Alexanderplatz-Demonstration Hunderttausende fordern öffentlich demokratische Rechte.
9. November 1989 Schabowskis Pressekonferenz und Öffnung der Grenzübergänge Die Berliner Mauer verliert ihre Funktion.
22. Dezember 1989 Öffnung des Brandenburger Tors Ein zentraler Erinnerungsort der Teilung wird wieder passierbar.
18. März 1990 Freie Volkskammerwahl Die Bevölkerung entscheidet über die politische Richtung des Vereinigungsprozesses.
1. Juli 1990 Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion Die D-Mark wird Zahlungsmittel in der DDR; die wirtschaftliche Vereinigung schreitet voran.
12. September 1990 Unterzeichnung des Zwei-plus-Vier-Vertrags Die außenpolitischen Bedingungen der Einheit werden geregelt.
3. Oktober 1990 Deutsche Einheit Die DDR tritt der Bundesrepublik bei.


Zentrale Begriffe

Begriff Erklärung
Berliner Mauer Grenz- und Sperrsystem, das West-Berlin von Ost-Berlin und dem DDR-Umland trennte.
Friedliche Revolution Gesellschaftlicher und politischer Umbruch von 1989/90, der durch Protest, Opposition und weitgehend gewaltfreies Handeln die SED-Herrschaft beendete.
SED Staatspartei, die den politischen Führungsanspruch in der DDR beanspruchte.
Staatssicherheit Geheimdienst und Repressionsapparat der DDR.
Glasnost Sowjetisches Reformprinzip größerer Offenheit und öffentlicher Diskussion.
Perestroika Sowjetisches Programm zur Umgestaltung von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.
Reisefreiheit Recht, das eigene Land zu verlassen und zurückzukehren.
Bornholmer Straße Berliner Grenzübergang, der am Abend des 9. November 1989 als erster für den unkontrollierten Übergang geöffnet wurde.
Zwei-plus-Vier-Vertrag Vertrag der beiden deutschen Staaten mit den vier ehemaligen Besatzungsmächten über die äußeren Bedingungen der deutschen Einheit.
Erinnerungskultur Gesellschaftlicher Umgang mit Vergangenheit durch Gedenken, Bildung, Museen, Medien und politische Debatten.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welches Ereignis gilt als unmittelbarer Auslöser für den Andrang an den Berliner Grenzübergängen? (Die missverständliche Bekanntgabe der Reiseregelung durch Günter Schabowski) (!Die Unterzeichnung des Zwei-plus-Vier-Vertrags) (!Der Bau der Berliner Mauer) (!Die erste freie Volkskammerwahl)




Welcher Grenzübergang wurde am Abend des 9. November 1989 zuerst für den unkontrollierten Übergang geöffnet? (Bornholmer Straße) (!Checkpoint Charlie) (!Brandenburger Tor) (!Glienicker Brücke)




Welche Forderung drückte der Ruf Wir sind das Volk vor allem aus? (Den Anspruch der Bevölkerung auf politische Mitbestimmung) (!Die sofortige Einführung der D-Mark) (!Die Rückkehr zur Monarchie) (!Den Beitritt der DDR zum Warschauer Pakt)




Welche Entwicklung schwächte 1989 die Abriegelung der DDR nach Westen besonders? (Die Öffnung der ungarischen Grenze zu Österreich) (!Die Schließung der Prager Botschaft) (!Der Ausbau der Berliner Grenzanlagen) (!Die Gründung der Bundesrepublik)




Warum war die Alexanderplatz-Demonstration vom 4. November 1989 bedeutsam? (Sie machte massive öffentliche Kritik an der SED sichtbar) (!Sie beschloss die deutsche Einheit) (!Sie führte zum Bau neuer Grenzübergänge) (!Sie wählte einen neuen Bundeskanzler)




Welche Aussage beschreibt die Rolle der Medien am 9. November 1989 am besten? (Sie verbreiteten die Nachricht einer sofortigen Grenzöffnung und beeinflussten dadurch das Geschehen) (!Sie verhinderten jede Information über die Pressekonferenz) (!Sie ordneten den Grenztruppen die Öffnung an) (!Sie beschlossen die neue Reiseregelung)




Was bezeichnet der Begriff Friedliche Revolution? (Den weitgehend gewaltfreien politischen Umbruch in der DDR) (!Den militärischen Einmarsch der Bundesrepublik) (!Den Wiederaufbau Berlins nach dem Zweiten Weltkrieg) (!Die Gründung des Warschauer Pakts)




Welche Person stand 1985 an der Spitze der Sowjetunion und leitete Reformen ein? (Michail Gorbatschow) (!Erich Honecker) (!Helmut Schmidt) (!Walter Ulbricht)




Was geschah am 3. Oktober 1990? (Die staatliche Einheit Deutschlands trat in Kraft) (!Die Berliner Mauer wurde gebaut) (!Ungarn öffnete erstmals seine Grenze) (!Die Alexanderplatz-Demonstration begann)




Welche historische Erklärung ist für den Mauerfall am angemessensten? (Das Zusammenwirken langfristiger Krisen und unmittelbarer Entscheidungen) (!Ein einzelner Versprecher ohne Vorgeschichte) (!Ein geheimer militärischer Befehl der NATO) (!Eine langfristig genau geplante Öffnung durch die SED)





Memory

Günter Schabowski Pressekonferenz
Harald Jäger Bornholmer Straße
Nikolaikirche Friedensgebete
Neues Forum Bürgerbewegung
Michail Gorbatschow Perestroika
Ungarn Grenzöffnung
Alexanderplatz Großdemonstration
Zwei-plus-Vier-Vertrag Souveränität





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Ausreisebewegung Flucht über Ungarn und Botschaften
Montagsdemonstration Öffentlicher Protest gegen die SED-Herrschaft
Pressekonferenz Vorzeitige Bekanntgabe der Reiseregelung
Grenzöffnung Ende der Kontrollen an der Bornholmer Straße
Deutsche Einheit Abschluss des staatlichen Vereinigungsprozesses






Kreuzworträtsel

Schabowski Wer verkündete die neue Reiseregelung auf der Pressekonferenz?
Bornholmer Welcher Berliner Grenzübergang wurde zuerst geöffnet?
Leipzig In welcher Stadt wurden die Montagsdemonstrationen besonders bekannt?
Glasnost Wie hieß Gorbatschows Politik größerer Offenheit?
Reisefreiheit Welches Recht forderten viele Menschen in der DDR?
Mauerspechte Wie wurden Menschen genannt, die Stücke aus der Mauer schlugen?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Die Berliner Mauer wurde im Jahr

errichtet.
Sie sollte vor allem die Abwanderung aus der

verhindern.
Der sowjetische Reformkurs wurde mit den Begriffen Glasnost und

verbunden.
Im Herbst 1989 wurden die Proteste in

zu einem wichtigen Motor der Friedlichen Revolution.
Auf dem Berliner Alexanderplatz demonstrierten Hunderttausende für demokratische

.
Günter Schabowski verkündete am 9. November eine neue

.
Seine Auskunft über das Inkrafttreten lautete nach seiner Kenntnis sofort und

.
Fernsehnachrichten verbreiteten daraufhin die Meldung einer geöffneten

.
Der erste Übergang wurde an der Bornholmer

geöffnet.
Der Mauerfall war ein Höhepunkt der Friedlichen

.
Der Zwei-plus-Vier-Vertrag regelte die außenpolitischen Bedingungen der deutschen

.
Am 3. Oktober 1990 endete die staatliche Existenz der

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Zeitleiste: Gestalte eine illustrierte Zeitleiste mit acht Stationen vom Mauerbau bis zur deutschen Einheit. Formuliere zu jeder Station einen Satz, der ihre Bedeutung erklärt.
  2. Bilddetektiv: Wähle zwei Bilder aus diesem aiMOOC. Beschreibe zunächst nur das Sichtbare und formuliere anschließend jeweils eine historische Deutung.
  3. Begriffsnetz: Verbinde die Begriffe SED, Reisefreiheit, Montagsdemonstration, Pressekonferenz, Grenzöffnung und deutsche Einheit in einer Concept-Map.
  4. Nachrichtenbeitrag: Schreibe eine kurze Nachricht, wie sie am Abend des 9. November 1989 hätte gesendet werden können. Kennzeichne gesicherte Informationen und offene Fragen.


Standard

  1. Quellenvergleich: Vergleiche Schabowskis Pressekonferenz mit einer späteren Erinnerung eines Beteiligten. Untersuche Unterschiede zwischen zeitnaher Quelle und Rückblick.
  2. Zeitzeugeninterview: Entwickle einen Leitfaden für ein Interview über Alltag, Protest oder Grenzöffnung. Führe das Gespräch nach Möglichkeit durch und reflektiere die Grenzen von Erinnerungen.
  3. Geschichtspodcast: Produziere eine fünfminütige Folge zur Frage, ob die Mauer durch einen Irrtum fiel. Nutze mindestens drei Ursachenebenen.
  4. Historische Karte: Markiere auf einem Berliner Stadtplan wichtige Orte wie Brandenburger Tor, Bornholmer Straße, Alexanderplatz und Bernauer Straße. Erkläre die Funktion jedes Ortes.


Schwer

  1. Kontroversen-Essay: Beurteile die These, der Mauerfall sei vor allem das Werk mutiger DDR-Bürgerinnen und DDR-Bürger gewesen. Beziehe internationale Bedingungen und Entscheidungen der SED ein.
  2. Digitale Ausstellung: Entwirf eine Ausstellung mit fünf Stationen zum Thema „Von der Grenze zur Erinnerung“. Wähle Quellen, schreibe Objekttexte und begründe die Reihenfolge.
  3. Medienanalyse: Rekonstruiere, wie die Nachricht von Schabowskis Aussage zwischen Pressekonferenz, Nachrichtenagenturen, Fernsehen und Grenzübergängen zirkulierte. Stelle die Rückkopplung grafisch dar.
  4. Forschungsprojekt: Untersuche einen Gedenkort oder ein Mauerdenkmal. Analysiere, welche Geschichte erzählt wird, welche Perspektiven fehlen und wie Du die Darstellung erweitern würdest.




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Lernkontrolle

  1. Mehrdimensionale Erklärung: Erstelle ein Ursachenmodell mit langfristigen, mittelfristigen und unmittelbaren Faktoren. Ziehe Pfeile zwischen den Faktoren und erläutere mindestens drei Wechselwirkungen.
  2. Entscheidungssituation: Versetze Dich in die Lage eines Grenzoffiziers an der Bornholmer Straße. Analysiere mögliche Handlungsoptionen, Risiken und Verantwortlichkeiten, ohne die spätere Entwicklung als selbstverständlich vorauszusetzen.
  3. Kontrafaktische Prüfung: Untersuche die Frage, wie sich der Abend entwickelt haben könnte, wenn Schabowski die vorgesehene Frist korrekt genannt hätte. Trenne plausible Folgen von bloßer Spekulation.
  4. Deutungsvergleich: Vergleiche die Aussagen „Die Mauer fiel durch einen Versprecher“ und „Die Bevölkerung brachte die Mauer zu Fall“. Entwickle eine differenzierte Synthese.
  5. Transfer Medien: Übertrage das Rückkopplungsmodell des 9. November auf ein modernes Ereignis in digitalen Medien. Zeige Gemeinsamkeiten und Grenzen des Vergleichs.
  6. Gedenkrede: Formuliere eine Gedenkrede, die Freude über Freiheit, Würdigung des Protests und die widersprüchlichen Erfahrungen der Transformation miteinander verbindet.
  7. Gegenwartsbezug: Leite aus der Friedlichen Revolution drei Bedingungen ab, unter denen ziviler Protest demokratische Veränderungen fördern kann. Diskutiere auch Risiken und Grenzen.


Lernnachweis

Für einen überzeugenden Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du

  1. die Ereignisse von 1989 chronologisch korrekt einordnen kannst,
  2. zwischen langfristigen Ursachen, Anlass und unmittelbarem Auslöser unterscheidest,
  3. die Rolle von Bürgerbewegungen, Ausreisewilligen, Medien, SED-Führung, Grenzkräften und internationalen Akteuren vergleichend bewertest,
  4. mindestens zwei historische Quellen methodisch untersuchst,
  5. die Begriffe Friedliche Revolution, Mauerfall und deutsche Einheit präzise verwendest,
  6. eine begründete historische These entwickelst und mit Belegen absicherst,
  7. unterschiedliche Erfahrungen und Erinnerungsperspektiven sichtbar machst,
  8. die Bedeutung des Mauerfalls für Demokratie, Menschenrechte und europäische Geschichte reflektierst.

Als Lernprodukt eignen sich ein quellenbasierter Essay, eine mündliche Präsentation, ein Podcast, eine digitale Ausstellung oder ein Portfolio. Die Bewertung kann sich an Fachwissen, Quellenkritik, Argumentation, Perspektivenvielfalt, Gestaltung und korrekter Quellenangabe orientieren.


OERs zum Thema


Frei zugängliche Quellen und Vertiefungen

  1. Bundeszentrale für politische Bildung: Als die Mauer fiel
  2. Bundeszentrale für politische Bildung: Dossier Mauerfall
  3. Bundesarchiv: Der Weg zur Deutschen Einheit
  4. Bundesarchiv: Der Fall der Mauer
  5. Chronik der Mauer
  6. Stiftung Berliner Mauer
  7. Wikimedia Commons: Fall und Abriss der Berliner Mauer
  8. Bundesarchiv: Friedliche Revolution und Mauerfall


Verknüpfte Lernbereiche


Fachliche Verbindungen

  1. Politikwissenschaft: Herrschaft, Legitimität, Revolution und Systemwechsel
  2. Soziologie: Protestbewegungen, kollektives Handeln und Transformationsgesellschaften
  3. Medienwissenschaft: Nachrichtenlogik, Live-Berichterstattung und Rückkopplungseffekte
  4. Geographie: Grenzen, Räume, Stadtteilung und europäische Ordnung
  5. Ethik: Freiheit, Verantwortung, Gewaltverzicht und Menschenrechte
  6. Wirtschaftsgeschichte: Planwirtschaft, Währungsunion und Transformationsfolgen


aiMOOC-Projekte





Schulfach+

Prüfungsliteratur 2026
Bundesland Bücher Kurzbeschreibung
Baden-Württemberg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Mittlere Reife

  1. Der Markisenmann - Jan Weiler oder Als die Welt uns gehörte - Liz Kessler
  2. Ein Schatten wie ein Leopard - Myron Levoy oder Pampa Blues - Rolf Lappert

Abitur Dorfrichter-Komödie über Wahrheit/Schuld; Roman über einen Ort und deutsche Geschichte. Mittlere Reife Wahllektüren (Roadtrip-Vater-Sohn / Jugendroman im NS-Kontext / Coming-of-age / Provinzroman).

Bayern

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Lustspiel über Machtmissbrauch und Recht; Roman als Zeitschnitt deutscher Geschichte an einem Haus/Grundstück.

Berlin/Brandenburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Der Biberpelz - Gerhart Hauptmann
  4. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Gerichtskomödie; soziales Drama um Ausbeutung/Armut; Komödie/Satire um Diebstahl und Obrigkeit; Roman über Erinnerungsräume und Umbrüche.

Bremen

Abitur

  1. Nach Mitternacht - Irmgard Keun
  2. Mario und der Zauberer - Thomas Mann
  3. Emilia Galotti - Gotthold Ephraim Lessing oder Miss Sara Sampson - Gotthold Ephraim Lessing

Abitur Roman in der NS-Zeit (Alltag, Anpassung, Angst); Novelle über Verführung/Massenpsychologie; bürgerliche Trauerspiele (Moral, Macht, Stand).

Hamburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun

Abitur Justiz-/Machtkritik als Komödie; Großstadtroman der Weimarer Zeit (Rollenbilder, Aufstiegsträume, soziale Realität).

Hessen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  4. Der Prozess - Franz Kafka

Abitur Gerichtskomödie; Fragmentdrama über Gewalt/Entmenschlichung; Erinnerungsroman über deutsche Brüche; moderner Roman über Schuld, Macht und Bürokratie.

Niedersachsen

Abitur

  1. Der zerbrochene Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun
  3. Die Marquise von O. - Heinrich von Kleist
  4. Über das Marionettentheater - Heinrich von Kleist

Abitur Schwerpunkt auf Drama/Roman sowie Kleist-Prosatext und Essay (Ehre, Gewalt, Unschuld; Ästhetik/„Anmut“).

Nordrhein-Westfalen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Komödie über Wahrheit und Autorität; Roman als literarische „Geschichtsschichtung“ an einem Ort.

Saarland

Abitur

  1. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  2. Furor - Lutz Hübner und Sarah Nemitz
  3. Bahnwärter Thiel - Gerhart Hauptmann

Abitur Erinnerungsroman an einem Ort; zeitgenössisches Drama über Eskalation/Populismus; naturalistische Novelle (Pflicht/Überforderung/Abgrund).

Sachsen (berufliches Gymnasium)

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Irrungen, Wirrungen - Theodor Fontane
  4. Der gute Mensch von Sezuan - Bertolt Brecht
  5. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  6. Der Trafikant - Robert Seethaler

Abitur Mischung aus Klassiker-Drama, sozialem Drama, realistischem Roman, epischem Theater und Gegenwarts-/Erinnerungsroman; zusätzlich Coming-of-age im historischen Kontext.

Sachsen-Anhalt

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Themenfelder)

Abitur Schwerpunktsetzung über Themenfelder (u. a. Literatur um 1900; Sprache in politisch-gesellschaftlichen Kontexten), ohne feste Einzeltitel.

Schleswig-Holstein

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Recht/Gerechtigkeit und historische Tiefenschichten eines Ortes – umgesetzt über Drama und Gegenwartsroman.

Thüringen

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool)

Abitur In der Praxis häufig Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool; landesweite Einzeltitel je nach Vorgabe/Handreichung nicht einheitlich ausgewiesen.

Mecklenburg-Vorpommern

Abitur

  1. (Quelle aktuell technisch nicht abrufbar; Beteiligung am gemeinsamen Aufgabenpool bekannt)

Abitur Land beteiligt sich am länderübergreifenden Aufgabenpool; konkrete, veröffentlichte Einzeltitel konnten hier nicht ausgelesen werden.

Rheinland-Pfalz

Abitur

  1. (keine landesweit einheitliche Pflichtlektüre; schulische Auswahl)

Abitur Keine landesweite Einheitsliste; Auswahl kann schul-/kursbezogen erfolgen.




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aiMOOC Projekte












THE MONKEY DANCE




The Monkey DanceaiMOOCs

  1. Trust Me It's True: #Verschwörungstheorie #FakeNews
  2. Gregor Samsa Is You: #Kafka #Verwandlung
  3. Who Owns Who: #Musk #Geld
  4. Lump: #Trump #Manipulation
  5. Filth Like You: #Konsum #Heuchelei
  6. Your Poverty Pisses Me Off: #SozialeUngerechtigkeit #Musk
  7. Hello I'm Pump: #Trump #Kapitalismus
  8. Monkey Dance Party: #Lebensfreude
  9. God Hates You Too: #Religionsfanatiker
  10. You You You: #Klimawandel #Klimaleugner
  11. Monkey Free: #Konformität #Macht #Kontrolle
  12. Pure Blood: #Rassismus
  13. Monkey World: #Chaos #Illusion #Manipulation
  14. Uh Uh Uh Poor You: #Kafka #BerichtAkademie #Doppelmoral
  15. The Monkey Dance Song: #Gesellschaftskritik
  16. Will You Be Mine: #Love
  17. Arbeitsheft
  18. And Thanks for Your Meat: #AntiFactoryFarming #AnimalRights #MeatIndustry


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