Zum Inhalt springen

Der Aufstieg des Nationalsozialismus - Geschichte

Aus MOOCsWiki Staging

Der Aufstieg des Nationalsozialismus - Geschichte



Der Aufstieg des Nationalsozialismus - Geschichte

Studienfach: Geschichte

Der Aufstieg des Nationalsozialismus war weder ein plötzliches Ereignis noch eine zwangsläufige Folge der deutschen Geschichte. Zwischen dem Ende des Ersten Weltkriegs, der Gründung der Weimarer Republik und der Errichtung der NS-Diktatur wirkten wirtschaftliche Krisen, politische Entscheidungen, gesellschaftliche Konflikte, antidemokratische Einstellungen, moderne Propaganda, organisierte Gewalt und das Handeln einflussreicher Eliten zusammen. Dieser aiMOOC untersucht den Prozess von der Entstehung der NSDAP bis zur Ausschaltung der parlamentarischen Demokratie im Jahr 1933.

Der Kurs richtet sich an Lernende in der gymnasialen Oberstufe, in der Ausbildung und im Studium. Du arbeitest mit historischen Begriffen, Wahldaten, Fotografien, Plakaten, Karten und Erklärvideos. Dabei lernst Du, zwischen Ursachen, Anlässen, Bedingungen und Entscheidungen zu unterscheiden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Frage, warum der Ausdruck „Machtergreifung“ allein den Vorgang nur unzureichend beschreibt.

Quellenkritischer Einstieg: Das Foto zeigt eine Wahlversammlung der NSDAP im Berliner Sportpalast im September 1930. Prüfe bei historischen Fotografien immer, wer sie aufgenommen, ausgewählt, beschriftet und verbreitet hat. Ein voller Saal beweist Massenmobilisierung, sagt aber allein noch nichts über die Zustimmung der gesamten Bevölkerung aus.


Einleitung

Die erste deutsche parlamentarische Demokratie entstand 1918/19 unter schwierigen Bedingungen. Die Weimarer Republik musste die Folgen des verlorenen Weltkriegs, revolutionäre Konflikte, politische Gewalt, die Belastungen des Versailler Vertrags, die Hyperinflation von 1923 und später die Weltwirtschaftskrise bewältigen. Trotzdem war ihr Scheitern nicht von Anfang an festgelegt. Zwischen 1924 und 1929 stabilisierten sich Wirtschaft, Außenpolitik und parlamentarische Verhältnisse zeitweise.

Die NSDAP blieb bis 1928 eine kleine Partei. Erst die Weltwirtschaftskrise, die Erosion parlamentarischer Mehrheiten, die Herrschaft der Präsidialkabinette, die Radikalisierung politischer Milieus und die strategische Öffnung konservativer Eliten verschafften ihr den Durchbruch. Sie verband Protestversprechen mit rassistischer und antisemitischer Ideologie, präsentierte sich unterschiedlichen Zielgruppen jeweils anders und setzte gleichzeitig auf Parteiorganisation, Führerkult und Gewalt.

Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Hitler kam damit nicht durch eine absolute Mehrheit und nicht durch einen erfolgreichen Putsch ins Amt, sondern durch eine verfassungsförmige Ernennung innerhalb einer bereits schwer geschädigten Demokratie. Danach nutzten die Nationalsozialisten staatliche Macht, Notverordnungen, Terror und parlamentarische Scheinlegalität, um die Demokratie systematisch zu zerstören.


Lernziele

  1. Sachkompetenz: Du beschreibst die Entwicklung der NSDAP von einer radikalen Splitterpartei zur stärksten Reichstagsfraktion.
  2. Urteilskompetenz: Du beurteilst wirtschaftliche, politische, gesellschaftliche und ideologische Erklärungen in ihrem Zusammenwirken.
  3. Methodenkompetenz: Du analysierst Fotografien, Wahlplakate, Statistiken, Karten und politische Begriffe als historische Quellen.
  4. Quellenkritik: Du unterscheidest zwischen zeitgenössischer Selbstdarstellung, späterer Erinnerung und geschichtswissenschaftlicher Interpretation.
  5. Demokratiebildung: Du erkennst, wie demokratische Institutionen schrittweise ausgehöhlt werden können.
  6. Transfer: Du leitest allgemeine Kriterien für die Widerstandsfähigkeit demokratischer Ordnungen ab, ohne historische Situationen gleichzusetzen.


Begriffe und Deutungen


„Machtergreifung“, „Machtübertragung“ und „Machteroberung“

Der verbreitete Begriff Machtergreifung kann den Eindruck erwecken, Hitler habe die Staatsmacht am 30. Januar 1933 in einem einzigen revolutionären Akt an sich gerissen. Tatsächlich sind mindestens drei Ebenen zu unterscheiden:

  1. Machtübertragung: Hindenburg ernannte Hitler auf Betreiben konservativer Politiker, insbesondere Franz von Papen, zum Reichskanzler. Teile der traditionellen Eliten glaubten, Hitler in einer Koalitionsregierung kontrollieren zu können.
  2. Machtübernahme: Die NSDAP erhielt Zugang zu zentralen staatlichen Ämtern, zur Polizei und zu öffentlichen Kommunikationsmitteln.
  3. Machteroberung: In den folgenden Monaten beseitigte das Regime durch Terror, Verordnungen, Gesetze und Gleichschaltung die politischen Freiheitsrechte und die institutionellen Gegengewichte.

Der 30. Januar war daher ein entscheidender Wendepunkt, aber noch nicht das Ende des Prozesses. Je nach geschichtswissenschaftlicher Definition reicht die Errichtung der Diktatur bis zum Einparteienstaat im Juli 1933 oder bis zur endgültigen Konzentration der Staatsgewalt bei Hitler im Sommer 1934.


Multikausalität statt einfacher Erklärung

Historische Prozesse entstehen selten aus nur einer Ursache. Für den Aufstieg des Nationalsozialismus ist ein multikausales Erklärungsmodell notwendig. Es verbindet langfristige Bedingungen, kurzfristige Krisen und konkrete Entscheidungen. Die Weltwirtschaftskrise erklärt den Zeitpunkt des Durchbruchs, aber nicht allein die besondere Stärke der NSDAP. Die Weimarer Verfassung eröffnete gefährliche Handlungsmöglichkeiten, doch erst politische Akteure nutzten sie gegen die Demokratie. Propaganda war wirksam, weil sie an vorhandene Ängste, Vorurteile und Interessen anknüpfte. Gewalt schüchterte Gegner ein, konnte aber nur deshalb dauerhaft wirken, weil staatliche Stellen sie teilweise duldeten oder unterstützten.


Historischer Hintergrund: Die Weimarer Republik


Belastungen nach dem Ersten Weltkrieg

Die Republik entstand aus militärischer Niederlage, Revolution und dem Zusammenbruch der Monarchie. Viele Menschen verbanden die neue Ordnung nicht mit einem selbst errungenen demokratischen Neubeginn, sondern mit Niederlage, Gebietsverlusten und sozialen Umbrüchen. Rechtsradikale Kräfte verbreiteten die falsche Dolchstoßlegende, nach der das angeblich „im Felde unbesiegte“ Heer von Demokraten, Sozialisten und Juden verraten worden sei. Diese Verschwörungserzählung delegitimierte die Republik und förderte antisemitische Feindbilder.

Der Versailler Vertrag belastete die politische Kultur zusätzlich. Reparationen, Gebietsabtretungen und militärische Beschränkungen wurden von vielen Parteien abgelehnt. Die Nationalsozialisten nutzten diese Ablehnung, um internationale Verständigung als Verrat darzustellen. Dabei verschwiegen sie, dass demokratische Regierungen in den 1920er Jahren durchaus außenpolitische Erfolge erzielten.


Chancen und Schwächen der Verfassung

Die Weimarer Reichsverfassung garantierte allgemeine Wahlen, Grundrechte und ein parlamentarisches Regierungssystem. Zugleich verfügte der Reichspräsident über weitreichende Befugnisse. Nach Artikel 48 konnte er in Krisen Notverordnungen erlassen. Nach Artikel 25 durfte er den Reichstag auflösen. Diese Instrumente waren nicht automatisch diktatorisch, wurden aber ab 1930 zunehmend dazu verwendet, ohne stabile Parlamentsmehrheit zu regieren.

Das Verhältniswahlrecht bildete politische Vielfalt präzise ab, erschwerte jedoch in einer polarisierten Gesellschaft stabile Koalitionen. Entscheidender als die Verfassung allein war, dass einflussreiche Teile von Verwaltung, Justiz, Militär, Wirtschaft und konservativer Politik der parlamentarischen Demokratie distanziert oder ablehnend gegenüberstanden.


Von der Parteigründung zum gescheiterten Putsch


Entstehung und Ideologie der NSDAP

1919 trat Hitler der kleinen Deutschen Arbeiterpartei bei. 1920 wurde sie in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei umbenannt. 1921 übernahm Hitler den Parteivorsitz. Die Partei verband verschiedene Strömungen der radikalen Rechten zu einer aggressiven Weltanschauung.

Zentrale Bestandteile waren Antisemitismus, Rassismus, extremer Nationalismus, Antiliberalismus, Antikommunismus, Ablehnung von Parlamentarismus und Menschenrechten, das Führerprinzip sowie die Vorstellung einer rassistisch definierten Volksgemeinschaft. Diese „Volksgemeinschaft“ versprach Einheit, beruhte aber auf Ausgrenzung. Jüdinnen und Juden, politische Gegner, Menschen mit Behinderungen, Sinti und Roma sowie weitere Gruppen galten den Nationalsozialisten als nicht zugehörig oder als Feinde.

Die SA schützte Parteiveranstaltungen, provozierte Auseinandersetzungen und bekämpfte politische Gegner. Gewalt war für die NSDAP kein bloßes Nebenprodukt, sondern Teil ihrer politischen Praxis und ihres Männlichkeitsideals.


Der Hitler-Ludendorff-Putsch 1923

Im Krisenjahr 1923 versuchten Hitler, Erich Ludendorff und ihre Anhänger in München, die bayerische Regierung und anschließend die Reichsregierung zu stürzen. Der Putsch scheiterte am 9. November vor der Feldherrnhalle. Hitler wurde wegen Hochverrats verurteilt, erhielt jedoch eine vergleichsweise milde Haftstrafe und wurde bereits Ende 1924 entlassen.

Das Scheitern führte zu einem Strategiewechsel. Hitler hielt am Ziel der Diktatur fest, wollte die Staatsmacht nun aber unter Ausnutzung von Wahlen, Verfassungsregeln und Bündnissen erlangen. Diese sogenannte Legalitätstaktik bedeutete keine Anerkennung der Demokratie, sondern ihre geplante Zerstörung mit teilweise legal erscheinenden Mitteln.


Neuaufbau der NSDAP 1925 bis 1929

Nach der Aufhebung des Parteiverbots gründete Hitler die NSDAP 1925 neu. Sie wurde zentral auf ihn ausgerichtet und in regionale Gaue, Ortsgruppen und angeschlossene Verbände gegliedert. Die Partei baute ein dichtes Organisationsnetz auf, schulte Redner, sammelte Mitgliedsbeiträge und schuf Angebote für unterschiedliche Berufs- und Altersgruppen. Neben der SA entstand die zunächst kleine SS.

In der Phase relativer Stabilisierung der Republik blieb der Wahlerfolg begrenzt. Bei der Reichstagswahl im Mai 1928 erreichte die NSDAP nur 2,6 Prozent der Stimmen und zwölf Mandate. Dieses Ergebnis zeigt, dass nationalsozialistische Ideologie allein noch keine Massenpartei erzeugte. Erst die Verbindung aus vorhandener Organisation und einer tiefen Krise ermöglichte den raschen Aufstieg.


Die Weltwirtschaftskrise als Beschleuniger

Der New Yorker Börsenkrach von 1929 leitete eine weltweite Wirtschaftskrise ein. Deutschland war wegen seiner Abhängigkeit von ausländischen Krediten besonders verwundbar. Unternehmen brachen zusammen, Banken gerieten in Schwierigkeiten, Löhne sanken und die Arbeitslosigkeit stieg bis 1932 auf mehrere Millionen Menschen. Neben materieller Not verbreiteten sich Zukunftsangst, Statusverlust und Misstrauen gegenüber demokratischen Institutionen.

Die Krise radikalisierte nicht automatisch alle Betroffenen in dieselbe Richtung. Viele Industriearbeiter blieben der SPD verbunden oder wählten die KPD. Die NSDAP erzielte besonders starke Ergebnisse in zahlreichen protestantisch geprägten ländlichen Gebieten, bei Teilen der Mittelschichten, bei Selbstständigen, Bauern, Angestellten, jungen Wählern und früheren Nichtwählern. Ihre Wählerschaft blieb jedoch sozial vielfältig.

Auswertungshinweis: Die Grafik zeigt den starken Anstieg der Arbeitslosigkeit. Eine Statistik macht Größenordnungen sichtbar, erklärt aber nicht von selbst politische Entscheidungen. Verbinde die Daten deshalb mit Informationen über Parteien, Institutionen, regionale Unterschiede und individuelle Handlungsmöglichkeiten.


Die Krise des Parlamentarismus ab 1930


Präsidialkabinette und Notverordnungen

Im März 1930 zerbrach die Große Koalition. Reichskanzler Heinrich Brüning regierte fortan ohne verlässliche parlamentarische Mehrheit und stützte sich auf Notverordnungen Hindenburgs. Die SPD tolerierte Brüning zeitweise, um eine noch weiter rechts stehende Regierung zu verhindern. Als der Reichstag Notverordnungen ablehnte, wurde er aufgelöst und neu gewählt.

Diese Regierungspraxis gewöhnte politische Eliten und Öffentlichkeit an ein Regieren am Parlament vorbei. Sie machte Hitler nicht zwangsläufig zum Kanzler, verringerte aber die Bedeutung parlamentarischer Mehrheiten und stärkte autoritäre Lösungsmodelle.


Der Wahldurchbruch 1930

Bei der Reichstagswahl vom 14. September 1930 stieg die NSDAP von 2,6 auf 18,3 Prozent und erhielt 107 Mandate. Sie wurde zweitstärkste Fraktion. Die Partei profitierte von Protest, hoher Mobilisierung, dem Zerfall bürgerlicher Parteibindungen und ihrer Fähigkeit, widersprüchliche Erwartungen unter einer nationalistischen Sammlungsformel zu bündeln.

Der Wahlerfolg verschaffte der NSDAP Geld, öffentliche Aufmerksamkeit, parlamentarische Ressourcen und den Anschein politischer Unaufhaltsamkeit. Gleichzeitig gewann auch die KPD hinzu. Die politische Mitte wurde schwächer, während die Polarisierung zunahm.


Propaganda, Organisation und Gewalt


Zielgruppenorientierte Propaganda

Die NSDAP verbreitete nicht überall dieselbe Botschaft. Bauern versprach sie Schutz vor Verschuldung, Mittelschichten Schutz vor sozialem Abstieg, Unternehmern die Bekämpfung des Marxismus, Arbeitslosen Arbeit und nationalen Aufbruch. Widersprüche wurden durch vage Begriffe wie „Volksgemeinschaft“ überdeckt.

Joseph Goebbels professionalisierte die Parteipropaganda. Plakate, Zeitungen, Lautsprecherwagen, Massenkundgebungen, Symbole, Fahnen, Uniformen und die Flugzeugreisen „Hitler über Deutschland“ erzeugten ein Bild von Dynamik, Disziplin und Modernität. Der Führerkult stellte Hitler als angeblich über den Parteien stehenden Retter dar.

Quellenkritische Leitfragen zum Plakat: Welche Gefühle soll die Gestaltung auslösen? Welche Probleme werden benannt, welche Ursachen verschwiegen? Wie wird Hitler inszeniert? Welche Gruppen werden angesprochen oder ausgeschlossen? Ein Propagandabild ist vor allem eine Quelle für die beabsichtigte Wirkung, nicht für die Wahrheit seiner Botschaft.


Die SA und die Politik der Straße

Die SA marschierte öffentlich, störte Veranstaltungen, lieferte sich Straßenschlachten und bedrohte politische Gegner. Die Gewalt schuf Unsicherheit, während die NSDAP zugleich versprach, „Ordnung“ herzustellen. So trug sie zur Krise bei, von der sie politisch profitierte.

Staatliche Reaktionen waren uneinheitlich. Verbote wurden verhängt und wieder aufgehoben; konservative Politiker hofften, die nationalsozialistische Massenbewegung für ihre eigenen Ziele nutzen zu können. Die Verbindung von Wahlkampf und Einschüchterung beschädigte die Freiheit politischer Willensbildung.


Wahlerfolge und Grenzen der NSDAP

Die folgende Tabelle zeigt den raschen Aufstieg, aber auch den Rückgang im November 1932. Dieser Rückgang ist wichtig, weil er die Vorstellung eines zwangsläufigen, ununterbrochenen Siegeszuges widerlegt.

Reichstagswahl Stimmenanteil der NSDAP Mandate Historische Bedeutung
Mai 1928 2,6 Prozent 12 Splitterpartei während relativer Stabilität
September 1930 18,3 Prozent 107 Durchbruch in der Weltwirtschaftskrise
Juli 1932 37,4 Prozent 230 stärkste Reichstagsfraktion, aber keine absolute Mehrheit
November 1932 33,1 Prozent 196 deutlicher Verlust, dennoch stärkste Fraktion
März 1933 43,9 Prozent 288 Wahl unter Terror und eingeschränkter politischer Freiheit

Die regionale Karte verdeutlicht, dass die NSDAP nicht überall gleich stark war. Konfession, Wirtschaftsstruktur, Siedlungsform, politische Tradition und lokale Parteiorganisation beeinflussten das Wahlverhalten. In vielen katholischen Regionen und großstädtischen Arbeitermilieus blieben andere Parteien vergleichsweise stark.


Das Entscheidungsjahr 1932


Präsidentschaftswahl und politische Blockade

Bei der Reichspräsidentenwahl 1932 trat Hitler gegen Hindenburg an. Hindenburg gewann den zweiten Wahlgang, Hitler erreichte jedoch 36,8 Prozent und demonstrierte seine Massenwirkung. Danach folgten in kurzer Zeit die Kabinette Brüning, Papen und Kurt von Schleicher. Keines besaß eine stabile parlamentarische Mehrheit.

Am 20. Juli 1932 setzte Papen mit dem Preußenschlag die demokratisch legitimierte preußische Regierung ab. Die Reichsregierung übernahm die Kontrolle über den größten deutschen Teilstaat und dessen Polizei. Dieser Verfassungsbruch schwächte ein wichtiges Bollwerk der Demokratie und erleichterte später den Nationalsozialisten den Zugriff auf staatliche Machtmittel.


Juli- und Novemberwahl 1932

Im Juli 1932 wurde die NSDAP mit 37,4 Prozent stärkste Partei. Hitler verlangte das Kanzleramt, Hindenburg verweigerte es zunächst. Bei der Neuwahl im November verlor die NSDAP rund zwei Millionen Stimmen und 34 Mandate. Gleichzeitig geriet die Partei finanziell und organisatorisch unter Druck.

Gerade jetzt entschieden konservative Politiker, Hitler in die Regierung zu holen. Papen wollte durch eine Koalition seine eigene Rückkehr zur Macht erreichen. Gemeinsam mit anderen Eliten überzeugte er Hindenburg, Hitler zum Kanzler zu ernennen. Sie unterschätzten Hitlers Ziele und glaubten, ihn durch eine konservative Kabinettsmehrheit „einrahmen“ zu können.


Der 30. Januar 1933: Ernennung statt Wahlsieg

Am 30. Januar 1933 ernannte Hindenburg Hitler zum Reichskanzler. Im neuen Kabinett gehörten zunächst nur Hitler, Wilhelm Frick und Hermann Göring der NSDAP an. Die übrigen Minister stammten überwiegend aus konservativen Kreisen. Diese Zusammensetzung bestärkte Papen in der Illusion, Hitler kontrollieren zu können.

Hitler verfügte zu diesem Zeitpunkt weder über eine absolute Mehrheit der Wählerstimmen noch über eine alleinige parlamentarische Mehrheit. Sein Zugang zur Regierung beruhte auf dem Zusammenspiel von Massenunterstützung, institutioneller Aushöhlung, Intrigen konservativer Eliten und einer folgenschweren Entscheidung Hindenburgs.

Die Rundfunkansprache vom 1. Februar 1933 zeigt, wie schnell Hitler das Regierungsamt für öffentliche Inszenierung nutzte. Staatliche Autorität und Parteipropaganda begannen miteinander zu verschmelzen.


Die Zerstörung der Demokratie 1933


Auflösung des Reichstags und staatlich gestützter Terror

Hitler erreichte unmittelbar die Auflösung des Reichstags und setzte für den 5. März Neuwahlen an. Göring nutzte seine Stellung in Preußen, um Polizei und Hilfspolizei zugunsten des neuen Regimes einzusetzen. SA und SS gingen gegen Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter und weitere Gegner vor. Versammlungen wurden behindert, Zeitungen verboten und Menschen misshandelt oder in frühe Konzentrationslager verschleppt.

Die Wahl vom März 1933 war deshalb keine freie Wahl. Trotz massiver Propaganda und Verfolgung erhielt die NSDAP 43,9 Prozent und verfehlte die absolute Mehrheit. Erst zusammen mit der nationalkonservativen DNVP besaß die Regierung eine parlamentarische Mehrheit.


Reichstagsbrand und Reichstagsbrandverordnung

Am 27. Februar 1933 brannte das Reichstagsgebäude. Die Nationalsozialisten nutzten den Brand sofort, um eine angebliche kommunistische Erhebung zu behaupten. Bereits am folgenden Tag unterzeichnete Hindenburg die Reichstagsbrandverordnung. Sie setzte zentrale Grundrechte außer Kraft und ermöglichte Hausdurchsuchungen, Beschlagnahmungen, Zensur und Verhaftungen ohne die bisherigen rechtsstaatlichen Sicherungen.

Historische Einordnung: Unabhängig von den bis heute diskutierten Fragen zur unmittelbaren Brandentstehung ist eindeutig, dass das Regime das Ereignis zur massiven Verfolgung politischer Gegner und zur dauerhaften Außerkraftsetzung von Grundrechten nutzte.


Der „Tag von Potsdam“ als Inszenierung

Am 21. März 1933 inszenierte die Regierung die Eröffnung des Reichstags in Potsdam. Der Handschlag zwischen Hitler und Hindenburg sollte die Verbindung von preußisch-konservativer Tradition und nationalsozialistischer Bewegung darstellen. Die Bildwirkung verdeckte Gewalt und Verfassungsbruch und sollte bürgerliche sowie konservative Kreise beruhigen.


Das Ermächtigungsgesetz

Am 23. März 1933 stimmte der Reichstag in der Krolloper über das „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich“ ab. Das Ermächtigungsgesetz erlaubte der Regierung, Gesetze ohne Zustimmung des Reichstags und sogar abweichend von der Verfassung zu erlassen. Kommunistische Abgeordnete waren verhaftet, verfolgt oder ausgeschlossen; die Abstimmung fand unter der Drohkulisse von SA und SS statt. Nur die anwesenden Abgeordneten der SPD stimmten geschlossen dagegen.

Die notwendige Zweidrittelmehrheit kam durch die Zustimmung bürgerlicher und konservativer Parteien zustande, besonders des Zentrums. Das Gesetz schaltete die parlamentarische Gesetzgebung weitgehend aus und zerstörte die Gewaltenteilung. Formale Gesetzgebung wurde damit zum Werkzeug einer Diktatur.


Gleichschaltung und Einparteienstaat

In den folgenden Monaten wurden Länder, Verwaltungen, Vereine, Medien und Kulturinstitutionen nationalsozialistischer Kontrolle unterworfen. Das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom April 1933 ermöglichte die Entfernung politisch missliebiger und nach rassistischen Kriterien ausgegrenzter Beschäftigter aus dem Staatsdienst. Am 2. Mai wurden die freien Gewerkschaften zerschlagen. Parteien lösten sich unter Druck auf oder wurden verboten. Das Gesetz gegen die Neubildung von Parteien erklärte die NSDAP am 14. Juli 1933 zur einzigen zugelassenen Partei.

Die Diktatur entstand somit durch eine Kombination aus Zustimmung, Anpassung, institutioneller Kooperation, Gesetzesmissbrauch und offenem Terror. Opfer und Gegner verfügten nicht über gleiche Handlungsmöglichkeiten wie die Träger staatlicher Macht. Historische Verantwortung muss deshalb nach Einfluss, Entscheidungsspielraum und konkretem Handeln differenziert werden.


Warum konnte die NSDAP aufsteigen?


Wirtschaftliche Faktoren

Die Weltwirtschaftskrise zerstörte Existenzen und Zukunftserwartungen. Arbeitslosigkeit, Unternehmenszusammenbrüche, Agrarkrise und Sparpolitik verschärften soziale Konflikte. Die NSDAP bot einfache Feindbilder und widersprüchliche Versprechen an. Die Krise war der wichtigste Beschleuniger ihres Wahlerfolgs, aber keine hinreichende Erklärung: Auch andere Staaten litten unter der Depression, ohne eine nationalsozialistische Diktatur zu entwickeln.


Politisch-institutionelle Faktoren

Die häufige Nutzung von Notverordnungen schwächte das Parlament. Der Preußenschlag beschädigte den Föderalismus. Hindenburg und seine Berater bevorzugten zunehmend autoritäre Präsidialregierungen. Demokratische Normen verloren an Bindekraft, bevor Hitler Kanzler wurde. Die Verfassung eröffnete Handlungsspielräume, aber Menschen entschieden, diese gegen die Demokratie einzusetzen.


Gesellschaftliche und kulturelle Faktoren

Antisemitismus, Nationalismus, Militarismus, Antikommunismus und autoritäre Ordnungsvorstellungen waren bereits vor der NSDAP vorhanden. Kriegserfahrungen und politische Gewalt prägten Teile der Gesellschaft. Die nationalsozialistische Idee einer homogenen Volksgemeinschaft versprach Zugehörigkeit, beruhte jedoch auf rassistischer Ausgrenzung und bereitete Verfolgung vor.


Parteiorganisation und politische Kommunikation

Die NSDAP verband lokale Präsenz mit zentraler Führung. Sie konnte Botschaften an verschiedene Milieus anpassen, neue Wähler mobilisieren und politische Ereignisse emotional inszenieren. Ihr moderner Wahlkampf vermittelte Bewegung und Geschlossenheit. Propaganda wirkte jedoch nicht wie eine allmächtige „Gehirnwäsche“; sie war besonders erfolgreich, wenn sie vorhandene Einstellungen, Ängste und Wünsche verstärkte.


Gewalt und Einschüchterung

SA und SS griffen Gegner an und besetzten öffentliche Räume. Gewalt schwächte freie Debatte, erschwerte politische Organisation und erzeugte ein Klima der Angst. Nach dem 30. Januar 1933 verband sich Parteigewalt mit staatlicher Polizeimacht. Damit änderten sich die Bedingungen politischer Konkurrenz grundlegend.


Konservative Eliten und Fehlentscheidungen

Hitler wurde nicht allein von „den Wählern“ an die Macht gebracht. Konservative Politiker, wirtschaftliche Interessenvertreter, hohe Beamte und Teile gesellschaftlicher Eliten trugen in unterschiedlichem Maß zur Normalisierung, Finanzierung oder Regierungsfähigkeit der NSDAP bei. Entscheidend war die Machtübertragung durch Hindenburg und die Strategie Papens. Die verbreitete Behauptung, allein die Großindustrie habe Hitler „gemacht“, ist dennoch zu einfach; Unterstützung und Interessen waren uneinheitlich und veränderten sich im Zeitverlauf.


Schwäche und Spaltung der Gegner

SPD und KPD bekämpften beide den Nationalsozialismus, waren aber tief verfeindet. Die KPD bezeichnete die Sozialdemokratie zeitweise als „Sozialfaschismus“ und unterschätzte die spezifische Gefahr der NSDAP. Demokratische bürgerliche Parteien verloren Mitglieder, Wähler und organisatorische Kraft. Diese Spaltungen erleichterten den Aufstieg, entheben jedoch die Nationalsozialisten und ihre Verbündeten nicht ihrer Verantwortung.


Häufige Fehlvorstellungen

  1. Zwangsläufigkeit: Die NS-Diktatur war kein unvermeidliches Ergebnis deutscher Geschichte. Politische Alternativen bestanden bis 1933.
  2. Absolute Mehrheit: Die NSDAP erreichte vor der Ausschaltung der Demokratie nie in einer freien Reichstagswahl die absolute Mehrheit der Stimmen.
  3. Einzelursache Weltwirtschaftskrise: Die Krise war zentral, wirkte aber nur im Zusammenspiel mit Institutionen, Ideologien, Organisationen und Entscheidungen.
  4. Propaganda als Allmacht: Propaganda beeinflusste, mobilisierte und radikalisierte, konnte aber nicht unabhängig von gesellschaftlichen Einstellungen wirken.
  5. Hitler als alleiniger Akteur: Hitlers Rolle war entscheidend, doch ohne Partei, Anhänger, konservative Bündnispartner, staatliche Institutionen und Mitwirkung vieler weiterer Akteure wäre die Machtübertragung nicht möglich gewesen.
  6. Legalität: Formale Verfahren machten die Zerstörung der Demokratie nicht rechtmäßig. Terror, Ausschluss, Verfassungsbruch und die Beseitigung freier Willensbildung prägten den Prozess.


Chronologie

Datum Ereignis Bedeutung
24. Februar 1920 Umbenennung der DAP in NSDAP programmatische und organisatorische Formierung der Partei
Juli 1921 Hitler wird Parteivorsitzender Durchsetzung des Führerprinzips in der Partei
8./9. November 1923 Hitler-Ludendorff-Putsch Scheitern der gewaltsamen Machtübernahme
Februar 1925 Neugründung der NSDAP Beginn des organisatorischen Ausbaus und der Legalitätstaktik
20. Mai 1928 Reichstagswahl NSDAP bleibt mit 2,6 Prozent eine Splitterpartei
14. September 1930 Reichstagswahl Durchbruch mit 18,3 Prozent
31. Juli 1932 Reichstagswahl NSDAP wird stärkste Fraktion
6. November 1932 Reichstagswahl Stimmenverluste zeigen die Offenheit der Entwicklung
30. Januar 1933 Ernennung Hitlers zum Reichskanzler Machtübertragung durch Hindenburg
27./28. Februar 1933 Reichstagsbrand und Reichstagsbrandverordnung Ausschaltung zentraler Grundrechte
5. März 1933 Reichstagswahl unter Terror NSDAP verfehlt allein weiterhin die absolute Mehrheit
23. März 1933 Verabschiedung des Ermächtigungsgesetzes weitgehende Ausschaltung des Parlaments
2. Mai 1933 Zerschlagung der freien Gewerkschaften Beseitigung unabhängiger Arbeitnehmerorganisationen
14. Juli 1933 Gesetz gegen die Neubildung von Parteien rechtliche Fixierung des Einparteienstaates


Methodentraining: Historische Quellen untersuchen


Fotografien

Eine Fotografie ist keine neutrale Kopie der Vergangenheit. Bildausschnitt, Perspektive, Zeitpunkt, Inszenierung, Archivbeschriftung und spätere Verwendung beeinflussen ihre Aussage. Beschreibe zuerst nur Sichtbares. Analysiere anschließend Gestaltung und Entstehungskontext. Deute zuletzt, welche Aussage das Bild über das historische Ereignis und über die Absicht seiner Produzenten ermöglicht.


Wahlplakate und Reden

Propagandaquellen wollen handeln lassen, nicht ausgewogen informieren. Untersuche Adressaten, Symbole, Feindbilder, Versprechen, Auslassungen und sprachliche Mittel. Trenne die Behauptungen einer Quelle von überprüfbaren Tatsachen. Frage auch, warum eine Botschaft in einer bestimmten Situation anziehend wirken konnte.


Statistiken und Karten

Prüfe Definitionen, Bezugsgrößen, Erhebungsmethoden und regionale Unterschiede. Ein Stimmenanteil zeigt Wahlverhalten, aber nicht automatisch feste Überzeugung oder spätere Zustimmung zu allen Maßnahmen des Regimes. Karten können räumliche Muster sichtbar machen, dürfen aber soziale Vielfalt innerhalb einer Region nicht verdecken.


Zusammenfassung

Der Aufstieg des Nationalsozialismus war ein offener, mehrstufiger Prozess. Die NSDAP entwickelte sich nach ihrem gescheiterten Putsch zu einer zentral geführten Massenpartei. Die Weltwirtschaftskrise verschaffte ihr den Wahldurchbruch. Präsidialkabinette, Notverordnungen und der Preußenschlag schwächten die Demokratie. Propaganda, Parteiorganisation und Gewalt mobilisierten Anhänger und schüchterten Gegner ein. Konservative Eliten übertrugen Hitler am 30. Januar 1933 die Kanzlerschaft, weil sie ihn für kontrollierbar hielten. Danach zerstörten Nationalsozialisten und ihre Verbündeten Grundrechte, Parlamentarismus, Föderalismus, Parteienvielfalt und unabhängige Organisationen. Die Geschichte zeigt, dass demokratische Verfassungen nur bestehen, wenn Institutionen, politische Akteure und Gesellschaft ihre Regeln und Grundwerte verteidigen.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welches Ereignis bewirkte den Strategiewechsel der NSDAP zur Legalitätstaktik? (Das Scheitern des Hitler-Ludendorff-Putsches) (!Die Unterzeichnung des Versailler Vertrags) (!Die Reichstagswahl vom März 1933) (!Die Auflösung der Gewerkschaften)




Welche Entwicklung beschleunigte den Wahldurchbruch der NSDAP ab 1929 besonders? (Die Weltwirtschaftskrise) (!Die Einführung des Euro) (!Der Beitritt Deutschlands zur NATO) (!Das Wirtschaftswunder)




Was kennzeichnete die Präsidialkabinette ab 1930? (Das Regieren ohne stabile Parlamentsmehrheit mithilfe von Notverordnungen) (!Die direkte Wahl des Reichskanzlers durch das Volk) (!Die Abschaffung des Reichspräsidentenamtes) (!Eine dauerhafte Große Koalition aller Parteien)




Welches Ergebnis erzielte die NSDAP bei der Reichstagswahl im Juli 1932? (Sie wurde stärkste Fraktion ohne absolute Mehrheit) (!Sie verlor alle Reichstagsmandate) (!Sie erhielt mehr als zwei Drittel aller Stimmen) (!Sie wurde vom Wahlzettel ausgeschlossen)




Wer ernannte Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler? (Paul von Hindenburg) (!Friedrich Ebert) (!Gustav Stresemann) (!Heinrich Himmler)




Warum ist der Begriff Machtergreifung erklärungsbedürftig? (Weil er Machtübertragung und schrittweise Zerstörung der Demokratie leicht verdeckt) (!Weil Hitler bereits 1919 Reichskanzler geworden war) (!Weil die NSDAP auf politische Gewalt vollständig verzichtete) (!Weil der Reichstag 1933 uneingeschränkt weiterregierte)




Welche unmittelbare Folge hatte die Reichstagsbrandverordnung? (Sie setzte zentrale Grundrechte außer Kraft) (!Sie führte das Frauenwahlrecht ein) (!Sie verbot die NSDAP) (!Sie stellte die freien Gewerkschaften wieder her)




Was ermöglichte das Ermächtigungsgesetz der Reichsregierung? (Gesetze ohne Zustimmung des Reichstags zu erlassen) (!Den Reichspräsidenten direkt zu wählen) (!Die Monarchie automatisch wiederherzustellen) (!Die SA in eine demokratische Partei umzuwandeln)




Welche Aussage zur Wählerschaft der NSDAP ist historisch angemessen? (Sie war sozial vielfältig und regional unterschiedlich stark) (!Sie bestand ausschließlich aus Arbeitslosen) (!Sie bestand ausschließlich aus Großindustriellen) (!Sie gewann in jeder Region exakt denselben Stimmenanteil)




Welches Erklärungsmodell passt am besten zum Aufstieg des Nationalsozialismus? (Ein multikausales Zusammenspiel von Krise Institutionen Ideologie Organisation Gewalt und Entscheidungen) (!Eine einzige geheime Ursache) (!Eine ausschließlich biologische Erklärung) (!Ein zwangsläufiger Ablauf ohne Handlungsmöglichkeiten)





Memory

Weltwirtschaftskrise Massenarbeitslosigkeit
Artikel 48 Notverordnungen
Sturmabteilung Straßengewalt
Propaganda Massenbeeinflussung
Hindenburg Kanzlerernennung
Reichstagsbrandverordnung Grundrechtseingriffe
Ermächtigungsgesetz Parlamentsausschaltung
Gleichschaltung Einparteienstaat





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Weltwirtschaftskrise wirtschaftliche Radikalisierung
Präsidialkabinette Schwächung des Parlaments
Propaganda Inszenierung von Einheit und Führerkult
SA-Gewalt Einschüchterung politischer Gegner
Konservative Eliten Machtübertragung an Hitler




...


Kreuzworträtsel

Versailles Welcher Vertrag wurde von der radikalen Rechten als Feindbild genutzt?
Reichstag Welches Parlament wurde durch das Ermächtigungsgesetz weitgehend ausgeschaltet?
Hindenburg Welcher Reichspräsident ernannte Hitler zum Reichskanzler?
Propaganda Wie heißt die gezielte politische Massenbeeinflussung?
Gleichschaltung Wie heißt die Unterwerfung von Staat und Gesellschaft unter die NS-Herrschaft?
Präsidialkabinett Wie heißt eine Regierung ohne stabile Parlamentsmehrheit unter besonderer Stützung durch den Reichspräsidenten?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Die NSDAP entstand aus der

und erhielt ihren neuen Namen im Jahr 1920. Der gescheiterte Putsch von 1923 führte zu einer Strategie der

. Während der relativen Stabilisierung blieb die Partei zunächst eine

. Den entscheidenden Wahldurchbruch beschleunigte die

. Ab 1930 regierten mehrere Kabinette mithilfe von

. Im Juli 1932 wurde die NSDAP zur stärksten

. Hitler wurde am 30. Januar 1933 von Hindenburg zum

ernannt. Die Reichstagsbrandverordnung setzte zentrale

außer Kraft. Das Ermächtigungsgesetz schwächte vor allem das

. Die Ausschaltung unabhängiger Institutionen wird als

bezeichnet. Der Aufstieg lässt sich nur durch ein

Erklärungsmodell angemessen verstehen.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Zeitleiste: Gestalte eine bebilderte Zeitleiste von 1919 bis Juli 1933 und kennzeichne Parteientwicklung, Wirtschaftskrise, Wahlen und Schritte der Demokratiezerstörung mit unterschiedlichen Symbolen.
  2. Begriffsvergleich: Erkläre in einem kurzen Text den Unterschied zwischen Machtergreifung, Machtübertragung und Machteroberung. Formuliere zu jedem Begriff ein historisches Beispiel.
  3. Bildanalyse: Wähle eines der Kursbilder aus und bearbeite die Schritte Beschreibung, Analyse, Kontext und historische Aussage.
  4. Wahldaten: Übertrage die NSDAP-Wahlergebnisse in ein eigenes Diagramm und notiere zwei Beobachtungen sowie eine Frage, die das Diagramm allein nicht beantwortet.


Standard

  1. Propagandaanalyse: Untersuche ein NSDAP-Wahlplakat nach Zielgruppe, Symbolik, Versprechen, Feindbild und Auslassungen. Gestalte anschließend ein sachliches Gegenplakat zur Verteidigung demokratischer Grundrechte.
  2. Ursachennetz: Erstelle ein Wirkungsgefüge mit mindestens acht Faktoren. Verwende Pfeile, Rückkopplungen und die Kategorien langfristige Bedingung, Krisenverstärker und politische Entscheidung.
  3. Regionalgeschichte: Recherchiere den Aufstieg der NSDAP in Deinem Wohnort oder einer ausgewählten Region. Nutze Stadtarchiv, Lokalzeitung, Gedenkstätte oder digitale Quellen und dokumentiere Herkunft sowie Grenzen Deiner Funde.
  4. Podcast: Produziere eine fünfminütige Audiofolge zur Frage, warum der 30. Januar 1933 nicht als isoliertes Ereignis erklärt werden darf. Baue mindestens drei unterschiedliche Akteursgruppen ein.


Schwer

  1. Kontingenzanalyse: Untersuche drei Entscheidungspunkte zwischen November 1932 und März 1933. Zeige jeweils eine realistische Alternative und begründe, weshalb der tatsächliche Verlauf nicht zwangsläufig war.
  2. Historikerurteil: Vergleiche zwei geschichtswissenschaftliche Deutungen zum Anteil der konservativen Eliten, der Wirtschaftskrise oder der Wählerschaft am Aufstieg der NSDAP. Prüfe Argumente, Quellenbasis und Reichweite.
  3. Quellenedition: Erstelle eine kleine kommentierte Quellenedition aus fünf unterschiedlichen Quellentypen. Verfasse zu jeder Quelle eine Einleitung, eine Leitfrage und eine quellenkritische Bewertung.
  4. Demokratievergleich: Entwickle aus dem historischen Fall Kriterien demokratischer Widerstandsfähigkeit. Wende sie vorsichtig auf eine andere historische Demokratiekrise an und benenne ausdrücklich Grenzen des Vergleichs.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Kausalanalyse: Erkläre, weshalb die Weltwirtschaftskrise als notwendiger Beschleuniger, aber nicht als allein ausreichende Ursache des NSDAP-Aufstiegs gelten kann. Verknüpfe mindestens vier weitere Faktoren.
  2. Akteursanalyse: Beurteile die Handlungsspielräume von Hindenburg, Papen, Hitler, SPD, KPD und Zentrum zwischen Juli 1932 und März 1933. Gewichte ihren jeweiligen Einfluss und ihre Verantwortung.
  3. Begriffsurteil: Nimm begründet Stellung zur Aussage: „Hitler ergriff am 30. Januar 1933 die Macht.“ Formuliere anschließend eine präzisere Alternative.
  4. Quellentransfer: Vergleiche ein Propagandaplakat mit einer Wahlstatistik. Zeige, welche Erkenntnisse jede Quelle ermöglicht und welche Fehlinterpretationen bei isolierter Betrachtung entstehen.
  5. Institutionenanalyse: Erkläre an Artikel 48, Preußenschlag, Reichstagsbrandverordnung und Ermächtigungsgesetz, wie formale staatliche Instrumente zur Zerstörung rechtsstaatlicher Kontrolle eingesetzt wurden.
  6. Demokratielernen: Entwirf fünf begründete Schutzprinzipien für demokratische Systeme. Ordne jedem Prinzip ein historisches Beispiel aus dem Kurs zu, das seine Bedeutung zeigt.


Lernnachweis

Für einen erfolgreichen Lernnachweis solltest Du folgende Leistungen erbringen:

  1. Chronologiekompetenz: Du ordnest die zentralen Ereignisse von 1919 bis Juli 1933 zeitlich ein und erklärst ihre Bedeutung.
  2. Fachbegriffe: Du verwendest Begriffe wie Legalitätstaktik, Präsidialkabinett, Machtübertragung, Reichstagsbrandverordnung, Ermächtigungsgesetz und Gleichschaltung korrekt.
  3. Mehrperspektivität: Du berücksichtigst unterschiedliche Akteure, Interessen, Handlungsspielräume und Verantwortungsgrade.
  4. Multikausale Erklärung: Du verknüpfst wirtschaftliche, politische, gesellschaftliche, ideologische und institutionelle Faktoren.
  5. Quellenkritik: Du analysierst mindestens eine Bildquelle und eine statistische Quelle nach nachvollziehbaren Kriterien.
  6. Historisches Urteil: Du begründest, warum die Errichtung der NS-Diktatur weder als zwangsläufig noch als bloßer Wahlsieg beschrieben werden kann.
  7. Transferleistung: Du leitest aus dem historischen Beispiel Prinzipien demokratischer Widerstandsfähigkeit ab, ohne unzulässige Gleichsetzungen vorzunehmen.




OERs zum Thema


Frei zugängliche Quellen und Vertiefungen

  1. Deutsches Historisches Museum: Die NSDAP in der Weimarer Republik
  2. Bundeszentrale für politische Bildung: Zerstörung der Demokratie 1930 bis 1933
  3. Deutscher Bundestag: Das Ermächtigungsgesetz
  4. Holocaust-Enzyklopädie: Der Machtaufstieg der Nationalsozialisten
  5. Wikimedia Commons: Medien zur NSDAP


Verknüpfte Lernbereiche


aiMOOC-Projekte





Schulfach+

Prüfungsliteratur 2026
Bundesland Bücher Kurzbeschreibung
Baden-Württemberg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Mittlere Reife

  1. Der Markisenmann - Jan Weiler oder Als die Welt uns gehörte - Liz Kessler
  2. Ein Schatten wie ein Leopard - Myron Levoy oder Pampa Blues - Rolf Lappert

Abitur Dorfrichter-Komödie über Wahrheit/Schuld; Roman über einen Ort und deutsche Geschichte. Mittlere Reife Wahllektüren (Roadtrip-Vater-Sohn / Jugendroman im NS-Kontext / Coming-of-age / Provinzroman).

Bayern

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Lustspiel über Machtmissbrauch und Recht; Roman als Zeitschnitt deutscher Geschichte an einem Haus/Grundstück.

Berlin/Brandenburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Der Biberpelz - Gerhart Hauptmann
  4. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Gerichtskomödie; soziales Drama um Ausbeutung/Armut; Komödie/Satire um Diebstahl und Obrigkeit; Roman über Erinnerungsräume und Umbrüche.

Bremen

Abitur

  1. Nach Mitternacht - Irmgard Keun
  2. Mario und der Zauberer - Thomas Mann
  3. Emilia Galotti - Gotthold Ephraim Lessing oder Miss Sara Sampson - Gotthold Ephraim Lessing

Abitur Roman in der NS-Zeit (Alltag, Anpassung, Angst); Novelle über Verführung/Massenpsychologie; bürgerliche Trauerspiele (Moral, Macht, Stand).

Hamburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun

Abitur Justiz-/Machtkritik als Komödie; Großstadtroman der Weimarer Zeit (Rollenbilder, Aufstiegsträume, soziale Realität).

Hessen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  4. Der Prozess - Franz Kafka

Abitur Gerichtskomödie; Fragmentdrama über Gewalt/Entmenschlichung; Erinnerungsroman über deutsche Brüche; moderner Roman über Schuld, Macht und Bürokratie.

Niedersachsen

Abitur

  1. Der zerbrochene Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun
  3. Die Marquise von O. - Heinrich von Kleist
  4. Über das Marionettentheater - Heinrich von Kleist

Abitur Schwerpunkt auf Drama/Roman sowie Kleist-Prosatext und Essay (Ehre, Gewalt, Unschuld; Ästhetik/„Anmut“).

Nordrhein-Westfalen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Komödie über Wahrheit und Autorität; Roman als literarische „Geschichtsschichtung“ an einem Ort.

Saarland

Abitur

  1. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  2. Furor - Lutz Hübner und Sarah Nemitz
  3. Bahnwärter Thiel - Gerhart Hauptmann

Abitur Erinnerungsroman an einem Ort; zeitgenössisches Drama über Eskalation/Populismus; naturalistische Novelle (Pflicht/Überforderung/Abgrund).

Sachsen (berufliches Gymnasium)

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Irrungen, Wirrungen - Theodor Fontane
  4. Der gute Mensch von Sezuan - Bertolt Brecht
  5. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  6. Der Trafikant - Robert Seethaler

Abitur Mischung aus Klassiker-Drama, sozialem Drama, realistischem Roman, epischem Theater und Gegenwarts-/Erinnerungsroman; zusätzlich Coming-of-age im historischen Kontext.

Sachsen-Anhalt

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Themenfelder)

Abitur Schwerpunktsetzung über Themenfelder (u. a. Literatur um 1900; Sprache in politisch-gesellschaftlichen Kontexten), ohne feste Einzeltitel.

Schleswig-Holstein

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Recht/Gerechtigkeit und historische Tiefenschichten eines Ortes – umgesetzt über Drama und Gegenwartsroman.

Thüringen

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool)

Abitur In der Praxis häufig Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool; landesweite Einzeltitel je nach Vorgabe/Handreichung nicht einheitlich ausgewiesen.

Mecklenburg-Vorpommern

Abitur

  1. (Quelle aktuell technisch nicht abrufbar; Beteiligung am gemeinsamen Aufgabenpool bekannt)

Abitur Land beteiligt sich am länderübergreifenden Aufgabenpool; konkrete, veröffentlichte Einzeltitel konnten hier nicht ausgelesen werden.

Rheinland-Pfalz

Abitur

  1. (keine landesweit einheitliche Pflichtlektüre; schulische Auswahl)

Abitur Keine landesweite Einheitsliste; Auswahl kann schul-/kursbezogen erfolgen.




aiMOOCs



aiMOOC Projekte












THE MONKEY DANCE




The Monkey DanceaiMOOCs

  1. Trust Me It's True: #Verschwörungstheorie #FakeNews
  2. Gregor Samsa Is You: #Kafka #Verwandlung
  3. Who Owns Who: #Musk #Geld
  4. Lump: #Trump #Manipulation
  5. Filth Like You: #Konsum #Heuchelei
  6. Your Poverty Pisses Me Off: #SozialeUngerechtigkeit #Musk
  7. Hello I'm Pump: #Trump #Kapitalismus
  8. Monkey Dance Party: #Lebensfreude
  9. God Hates You Too: #Religionsfanatiker
  10. You You You: #Klimawandel #Klimaleugner
  11. Monkey Free: #Konformität #Macht #Kontrolle
  12. Pure Blood: #Rassismus
  13. Monkey World: #Chaos #Illusion #Manipulation
  14. Uh Uh Uh Poor You: #Kafka #BerichtAkademie #Doppelmoral
  15. The Monkey Dance Song: #Gesellschaftskritik
  16. Will You Be Mine: #Love
  17. Arbeitsheft
  18. And Thanks for Your Meat: #AntiFactoryFarming #AnimalRights #MeatIndustry


© The Monkey Dance on Spotify, YouTube, Amazon, MOOCit, Deezer, ...



Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen